Kenwood KX-4520 - Ein Reparaturbericht
#1
Servus zusammen,

wie an anderer Stelle angekündigt, ist hier nun endlich ein Reparaturbericht zu meinem Kenwood KX-4520 Kassettendeck, welches ich Mitte 2024 defekt bekommen habe.

Kaum zu Hause, hab ich es natürlich gleich mal bestromt und eine Bestandsaufnahme durchgeführt. Dabei fiel auf:
  • schneller Vorlauf einwandfrei
  • schneller Rücklauf einwandfrei
  • Anzeigen leuchten, das Gerät reagiert auf alle Tasten
  • Abspielen funktioniert nicht: Weder fährt der Tonkopfschlitten samt Andruckrollen in den "Abspielmodus" hoch, noch dreht sich einer der beiden Capstanwellen. Ein sich drehender Motor ohne Last war jedoch akustisch wahrnehmbar
Daher fiel der Verdacht schnell auf defekte Riemen und das bestätigte sich nach öffnen des Gehäusedeckels auch. Riemenpest vom Feinsten thumbup

Also direkt mal ein Ersatzriemenset bei Thakker bestellt, in dem die beiden Riemen enthalten waren, die auch im Service Manual eingezeichnet sind.
Während ich dann auf die Lieferung der Riemen wartete, habe ich mich schon mal weiter mit dem Service Manual vertraut gemacht, damit ich weiß, was mich beim Ausbau des Laufwerks und letztenendes beim Riementausch erwartet.
Nichts wildes:

Zuerst den Kabelbaum von den Kabelbindern befreit und Fotos von den Kabeln und deren Steckplätzen gemacht - allerdings waren die Steckverbindungen sowieso nicht vertauschtbar, wenn ich mich nicht täusche:

       

       


Als nächstes hab' ich dann die Steckverbindungen gelöst und das Laufwerk von seinen vier Schrauben je Eck gelockert.
Um das Laufwerk jedoch hinauszubekommen, muss zunächst das Laufwerk vom Öffnungsmechanismus der Kassettenfachklappe getrennt werden, wie im Service Manual auch beschrieben:

   

Als dann das Laufwerk heraußen war, war erkennbar, dass auch der Bremsriemen gerissen und kurz davor war, sich in seine Ursprungsmasse zurückzuverwandeln. Glück gehabt - trotzdem habe ich nach dem Entfernen der Reste die Laufflächen mit Isopropanol gereinigt:

   

Der neue Riemen wurde dann um den linken Wickeldorn und das schwarze Zahnrad gelegt. Wenn ich richtig informiert bin, handelt es sich dabei um den Bremsriemen, denn eine Bremswirkung auf Abwickelseite ist bei Dual-Capstan-Laufwerken von Nöten.

Der Antriebsriemen, der um Motorpulley und die beiden Schwungmassen verläuft, war im Zersetzungsprozess leider schon etwas weiter vorangeschritten, alles eine klebrige schwarze Masse, teilweise hatten sich die Reste um das Motorpulley gewickelt.

Der Motor war sehr leicht vom Rest des Laufwerks abmontierbar und somit stand auch dem Wechsel des Antriebriemens nichts mehr im Wege:

   

Die Überreste wurden, so gut wie möglich, mit Isopropanol und einigen Wattestäbchen von den beiden Schwungmassen entfernt.

Das war's schon. Alles zusammengebaut, einen Testlauf gestartet und es lief auf Anhieb alles!

Die Andruckrollen habe ich im Originalzustand verlassen und nur gut gereinigt. Ich hatte bis jetzt keine Probleme damit bezüglich Azimutschankungen oder zur Seite hin weglaufendem (und somit zerknitterndem) Band.
Darüber bin ich auch froh, denn bei Dual-Capstan-Laufwerken wie diesen bedarf es mWn. auch einer Neujustierung des linken Andruckrollenarms, sobald man diesen erst ein mal entfernt hat.
Bei den ersten Testaufnahmen fiel mir aber auf, dass auf dem Band ein deutlich niedriger Pegel aufgezeichnet wurde, als man auf Vorderband ausgesteuert hatte. Der Unterschied war bei um die -3 bis -4 dB auf der integrierten Pegelanzeige.
Da Fremdaufnahmen mit Dolby B und C Rauschunterdrückung problemfrei wiedergegeben wurden, war klar: Der Aufnahmepegel passt nicht mehr.
Das ließ sich jedoch mit den zwei Potis für jeweils den linken und rechten Aufnahmepegel angleichen:

   

Auf dem Bild sieht man auch einen Dolby-Chip, es handelt sich um einen Sony CXA1330S. Ich bin mir leider nicht mehr sicher, ob hier nur dieser eine oder zwei verbaut sind, kann man aber im Schaltplan / Service Manual nachlesen.

Den Pegel habe ich laienhaft angeglichen, indem ich ein 400 Hz Sinussignal eingespeist und auf eine TDK SA aufgenommen habe, währenddessen habe ich zwischen Vorder- und Hinterband umgeschalten und mit den Potis den Aufnahmepegel angehoben. Aufnamen mit Dolby NR sind somit wieder ohne Pumpen möglich.

Der Aufnahmepegel ist jedoch ganz klar über die letzten 30 Jahre aufgrund von Bauteilalterung (vermutlich Elkos  Huh ) abgefallen. Es ist also durchaus möglich, dass der Pegel über die nächsten Jahr wieder abfällt und die Potis dann irgendwann auf Anschlag stehen. Sollte das passieren, berichte ich hier.



Nach der Reparatur...

...noch ein paar Fotos:

       

   

Das Vakuumfloureszenzdisplay ist das schärfte und hellste, das ich bis jetzt gesehen habe - und das nach all den Jahren!

... außerdem ist mir aufgefallen, dass die Kassettenfachklappe auf der rechten Seite leider raussteht.
Da hat sich das Material vermutlich über die Jahrzehnte an Spannung verformt - die Lade rastet nämlich nur auf der linken Seite fest ein, auf der rechten Seite sind die die Zahnräder, die den Öffnungsvorgang etwas abbremsen:

   

Ärgerlich, aber ändert an der Funktion erst mal nichts. Davon scheinen außerdem noch weitere Kenwood Kassettendecks dieser Zeit betroffen zu sein.
Viele Grüße
Alex

We Sold our Souls to Rock 'N' Roll!
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#2
Übrigens, das Service Manual gibt's unter anderem bei Elektrotanya: https://elektrotanya.com/kenwood_kx-4520...nload.html
Viele Grüße
Alex

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#3
Danke Alex für den schönen Bericht!  thumbup

Dem Deck sieht man die Verwandtschaft zum KX-7030 an. Nur Deines hat, wie ich finde, die schönere Kassettenklappe. Man sieht die Kassette besser @work.

Beim KX-7030 hatte ich damals ein paar feuchte Elkos. Deine Vermutung bezüglich der Elkos könnte daher passen.
Viele Grüße 
Manfred

"The warm sound of analog recordings is made of harmonic distortion and Tape hiss - I like it".
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#4
Die braunen Elkos von Elna waren bei meinem Kenwood damals undicht.
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#5
Ich habe noch ein Foto von der Revision des 7030 gefunden... Edit: ist meine Ersatzplatine aus einem Schlachter...

Wenn man die Platine entsprechend im Licht gedreht hat, wurde das ausgelaufene Elektrolyt sichtbar.

Auf den ersten Blick, von oben, bei normaler Beleuchtung kaum sichtbar... Wie ein Hologramm beim Ausweis  Smile


   
Viele Grüße 
Manfred

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#6
Huh Da sind ja mehr Brücken als Teile drauf???
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#7
Ja, stimmt, sind viele Brücken. Dafür relativ wenig Drahtverhau. 

Diese neuere Kenwood Serie ist schön übersichtlich. Hier ein Gesamtbild des 7030. Man sieht deutlich die Ähnlichkeit zu dem Kenwood KX-4520 von Alex.

   
Viele Grüße 
Manfred

"The warm sound of analog recordings is made of harmonic distortion and Tape hiss - I like it".
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#8
(14.02.2025, 09:49)Manfred_K. schrieb: Danke Alex für den schönen Bericht!  thumbup

Dem Deck sieht man die Verwandtschaft zum KX-7030 an. Nur Deines hat, wie ich finde, die schönere Kassettenklappe. Man sieht die Kassette besser @work.

Beim KX-7030 hatte ich damals ein paar feuchte Elkos. Deine Vermutung bezüglich der Elkos könnte daher passen.

Servus Manfred, gerne doch!

(14.02.2025, 20:58)Michi schrieb: Die braunen Elkos von Elna waren bei meinem Kenwood damals undicht.

Ich hatte ebenso schlechte Erfahrung mit den braunen Elna-Elkos in einem Kenwood DP-5030 CD-Player (eine Generation neuer, als dieses Kassettendeck) und daher rührt auch der Verdacht auf die Elkos als Ursache für den Pegelverlust.

(14.02.2025, 21:08)Manfred_K. schrieb: Ich habe noch ein Foto von der Revision des 7030 gefunden... Edit: ist meine Ersatzplatine aus einem Schlachter...

Wenn man die Platine entsprechend im Licht gedreht hat, wurde das ausgelaufene Elektrolyt sichtbar.

Auf den ersten Blick, von oben, bei normaler Beleuchtung kaum sichtbar... Wie ein Hologramm beim Ausweis  Smile

Hmm, das beunruhigt mich jetzt, ich glaub', ich mach die Kiste demnächst noch mal auf und prüfe das.
Im Kenwood DP-5030 hat das ausgelaufene Elektrolyt nämlich schon die Platine erheblich angegriffen und u.a. einige Masseverbindungen waren schon nicht mehr vorhanden.
So weit will ich's bei dem KX-4520 eher ungern kommen lassen...
Viele Grüße
Alex

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