Frage zu Löschmagneten
#1
Hallo liebes Forum,

hin und wieder werden Löschmagnete, im besonderen für Diktiergeräte Kassetten, manchmal aber auch für Compactcassetten angeboten. Können diese Magnete nur Normalbänder löschen, oder werden die auch mit Typ II oder gar Typ IV fertig? Oder gibt es da verschiedene Typen? Wie sind eure Erfahrungen? Richtige Löschmaschinen sind ja unbezahlbar. Ist so ein Löschmagnet eine brauchbare alternative?
MfG Matthias
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#2
sorry. soll kein Runtermachen sein, aber mich amüsiert und befremdet es immer wieder, wenn Leute in modernen "Prothesenlösungen" ernstzunehmende Technik vermuten.

Ich versuche es mal ganz einfach, die Fachleute mögen mir Ungenauigkeiten verzeihen - jedes Tonband ist mit einem "Pulver" aus vielen Teilchen beschichtet, die magnetisierbar sind, im Auslieferungszustand aber unmagnetisch. Diese "durcheinandergeschüttelten" Teilchen sind wichtig, damit das Audiosignal später die Teilchen gut magnetisieren kann. Die Technologie, die das erreicht, nennt sich HF-Vormagnetisierung, hier gibt ein elektrisch angesteuerter Löschkopf ein sehr schnell wechselndes Magnetfeld auf das Tonband.

Ein Permanentmagnet hat ein konstantes Magnetfeld, und richtet die Teilchen alle in eine Richtung aus. Das Nutzsignal ist dann zwar weg, aber je nach Stärke des Magneten schafft es später die HF-Vornagnetisierung des Aufnahmegerätes nicht mehr, die Teilchen so "durcheinanderzuwirbeln", dass die optimale Klangqualität erreicht wird.

Der zweite Aspekt ist, dass die unterschiedlichen Teilchenmaterialien mit unterschiedlicher Kraft "durcheinandergewirbelt" werden müssen. Deshalb gibt es bei hochwertigeren Cassettengeräten eine Bandsortenwahl und eine Einstellmöglichket für den Bias, und die verschiedenen Bandmaterialien sind in Typen mit Nummern eingeteilt. Bei elektrischen Löschköpfen lässt sich en variabler Vormagnetiserungsstrom realisieren, ein Permanentmagnet "löscht" immer mit der selben vorgegebenen Kraft.

Tatsächlich war es seinerzeit so, dass die HF-Vormagnetisierung die entscheidende Technologie war, die dem Tonbandgerät zu seiner hohen Tonqualität verholfen hat, und als das Tonband dann nach dem Krieg volkstümlich wurde, wurden Permanentmagneten nur noch in der absoluten Billigklasse verwendet, bei kleinen Batterietonbandgeräten zum Beispiel.

Heute feiert der Permanenmagnet als Löschkopfersatz nur deshalb ein Revival, weil bei Neugeräten bis auf ganz wenige Ausnahmen nur noch von Typ 1 Band ausgegangen wird, und man es schaffen muss, trotz viel geringerer Stückzahlen als früher billige Cassettengeräte zu produzieren. Wenn man heute eine Boombox "mit alles" für 199 Euro verkaufen will, kommt es auf jeden Cent an, ein Magnet ist erheblich billiger als ein Löschkopf nebst Elektronik, und für die meisten Cassetten-User des Jahres 2024 ausreichend. Cassettengeräte mit Permanentmagnet zu Löschen snd sozusagen das Pendant zu diesen China Plastikplattenspielern, die uns jetzt in der Vorweihnachtszeit wieder überall verkauft werden, und wo es schon ein Luxusfeature ist, wenn der Platikteller nicht eiert.

Wenn ich unbedingt eine Löschmaschine bräuchte, würde ich mir ein wundgeschossenes Typ 4 taugliches Doppeldeck mit "Hgh Speed Dubbing" beschaffen, und mir eine Löschmaschine selber bauen. Oder einfach erstmal versuchen, die Bänder ohne vorheriges Löschen direkt neu zu bespielen - in den meisten Fällen klappt das besser als befürchtet.

Ach ja, Vollspurlöschen bekommst Du mit diesen Permanentmagneten üblicherweise auch nicht hin, weil die ja als Löschkopf-Ersatz konzipert sind.

Gruß Frank
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#3
(16.11.2024, 10:43)nick_riviera schrieb: Ein Permanentmagnet hat ein konstantes Magnetfeld, und richtet die Teilchen alle in eine Richtung aus. Das Nutzsignal ist dann zwar weg, aber je nach Stärke des Magneten schafft es später die HF-Vornagnetisierung des Aufnahmegerätes nicht mehr, die Teilchen so "durcheinanderzuwirbeln", dass die optimale Klangqualität erreicht wird.

Ist das denn wirklich so? Sony hat für Video8, und das sind Reineisenbänder, Löschgeräte mit Permanentmagneten verkauft. Siehe hier:

https://www.youtube.com/watch?v=bfYFTYZbCLo

Wenn es für Video Reineisenbänder funktioniert hat und auch für viel Geld verkauft wurde, warum sollte es nicht auch für Typ II funktionieren?
MfG Matthias
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#4
Sind das bei dem Sony Löschgerät Video8 ME (Metal Evaporated) oder MP (Metal Powder) Cassetten gewesen ? Bei ME kann ich mir das vorstellen, weil die Beschichtung extrem dünn war. Auch bei Video8 MP war die Beschichtung viel dünner als bei Audiocassetten, weil das Format Video8 über keine Längs-Tonspuren verfügte, sondern nur über FM-Ton in den Schrägspuren.

MfG, Tobias
Strom kann erst fließen, wenn Spannung anliegt
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#5
Du meinst also, ein Band mit dickerer Magnetschicht würde nicht voll durchgelöscht?
Wobei ja zumindest bei Typ II eine geringere Feldstärke erforderlich sein müsste.
MfG Matthias
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#6
Die größere Schichtdicke wird für die im Verhältnis zum Videosignal tiefen Frequenzen der Audio-Längsspuren benötigt. Tiefe Töne erzeugen starke Magnetisierungen, die dann auch schwerer zu löschen sind. Diese Frequenzen gab es bei Video8/Hi8 nicht auf dem Band. Wir haben im Kopierwerk mal verschiedene Bulk-Eraser für Videocassetten getestet. Das Bild/Video war immer gelöscht, aber je nach Löschgerät gab es unterschiedlich starke Ton-Reste auf den gelöschten VHS-Cassetten. Bei Video8 Cassetten gab es wegen der fehlenden Längs-Tonspuren keine Probleme. Die Videoaufzeichnung benötigt bei einer VHS Cassette nur ca. 20% der Schichtdicke, der Rest wird für den Längston benötigt.

MfG, Tobias
Strom kann erst fließen, wenn Spannung anliegt
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#7
Ich habe es ausprobiert. Der Löschmagnet den ich für die 8Tracks nehme, geht teilweise auch für Typ II Cassetten.
Manche werden komplett gelöscht, manche nicht. Dann ist das Nutzsignal noch leise im Hintergrund zu erahnen.
Letztendlich ist es aber immer einen Versuch wert. Was nicht gelöscht wird, kann man ja immer noch normal löschen.
MfG Matthias
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#8
(16.11.2024, 09:36)delta9 schrieb: ... Können diese Magnete nur Normalbänder löschen, oder werden die auch mit Typ II oder gar Typ IV fertig? Oder gibt es da verschiedene Typen? Wie sind eure Erfahrungen? Richtige Löschmaschinen sind ja unbezahlbar. Ist so ein Löschmagnet eine brauchbare alternative?
Radio Erivan antwortet:
- Im Prinzip ja.
Aber bekanntlich sollte eine Frage bereits die Hälfte der Antwort beinhalten. Deshalb:
- Was sollte gelöscht werden? Das gesamte Band einschließlich des Rasens zwischen den Laufrichtungen? Oder nur einzelne Laufrichtungen?
- Wann und sollte gelöscht werden? Während einer Aufnahme?
- Womit sollte gelöscht werden? Dediziertes Gerät (eventuell Eigenbau) oder normaler Recorder?
- usw.
Eins aber ist sicher: Zur vollständigen Löschung der auf einer gebrauchten CC bereits vorhandenen Information, muss die magnetische Schicht erst einmal gesättigt werden. D. h., es ist eine gewisse Feldstärke notwendig.
Grüßle,
Franz
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#9
Was passieren sollte ist die komplette Schnellöschung von Gebraucht CC vor der weiteren Verwendung.
Ich hatte das ja dann hier ausprobiert.
https://tonbandforum.de/showthread.php?tid=31691
Mit dem Magneten aus der Akkulampe kann man Normalbänder zuverlässig löschen.
Echtchrom geht auch. Ferro-Cobalt geht nicht immer. Reineisen habe ich nicht mehr.
MfG Matthias
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#10
Wenn Du die Bänder selber weiter verwenden willst, ist es besser, sie einfach neu zu bespielen. Dann werden sie vom Löschkopf mit ordentlichem Wechselstrom-Magnetfeld gelöscht, und zwar besser, als Du mit jeglichem Permanentmagneten von außen hinbekommst.

Einziger Verwendungszweck, den ich mir vorstellen kann: Du willst die Bänder abgeben, aber die vorhandenen Aufnahmen aus Urheberrechts- oder sonstigen Gründen nicht für den Empfänger nutzbar machen. Da sind diese Permanentmagnet-Löschgeräte, durch die man die Cassette einfach hindurch schiebt, eine brauchbare Notlösung. Vorteil: Die Aufnahme ist weg. Nachteil: Das Band ist derart in die Sättigung gefahren, daß sich der Nächste, der es in sein Deck steckt, erstmal sämtliche Metallteile der Bandführung aufmagnetisiert, mit dem Risiko, andere Cassetten anzulöschen. Also nicht wirklich gut. Ich ärgere mich immer, wenn von irgendwo gebrauchte Cassetten reinkommen, die mit Permanentmagneten gelöscht wurden. Die muß man dann immer erstmal in einem "Opfer-Deck" nochmal beidseitig löschen, um sich seine ordentlichen Decks nicht unnötig zu magnetisieren. Andererseits: Immernoch besser, als wenn die Bänder stattdessen in der Tonne gelandet wären.

Wenn Du größere Mengen gebrauchte Cassetten abgeben und diese vorher löschen willst, dann besorg Dir am besten eine elektrische Wechselfeld-Löschdrossel. Oder verkaufe/verschenke sie einfach mit den vorhandenen Aufnahmen. Da kräht sogar bei eBay kein Hahn danach, wenn Du die Dinger einfach als "gebrauchte Leercassetten" anpreist und nicht im Angebotstext niederschreibst, welche Platten darauf vor 40 Jahren überspielt wurden :-) Ganz vorsichtige können auch auf den Bildern eventuell sichtbare Beschriftungen verpixeln, um wirklich sicher zu gehen, keine Beschwerde zu bekommen.

Viele Grüße,
Martin
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