TEAC Test Tape YTT-1052
#1
So ein Messband wird laut Service-Handbuch der Teac X-300® Geräte für die Einstellungen der Wiedergabe bei der EE-Entzerrung 9,5 cm/s benötigt. Soweit ich Informationen im Internet gefunden habe, wurde als Basismaterial ein Maxell-Band für die Herstellung genommen. Ich gehe davon aus, dass es sich um Maxell XLII (EE) handelt.

Die erhaltenen Frequenzen sind im angehängten Bild zu sehen. Interessant ist es auch, dass die Japaner die Frequenztöne absteigend abspielen (20 kHz -> 31.5 Hz). Durch die EE-Entzerrung ist das Herstellen eines solchen Bandes kompliziert und teuer. Deswegen überlege ich, was stattdessen genommen werden kann.

Die erste Idee wäre jemanden zu finden, der eine sehr gut justierte Telefunken M20 mit Schmetterlingsköpfe besitzt und Meßtöne auf ein EE-Band einspielen kann. Die M20 kann EE bei 9,5 cm/s. Ein Mono-Kopf wäre besser, aber wer hat denn so was auf einer M20 montiert? Die Frage wäre, ob die 4 Spuren des Teac-Gerätes voll im bespielten Rasen eines Schmetterlingskopfes liegen oder teilweise draußen. Laut das Bild aus Richard Hess' Seite könnte es fast so hinkommen.

Die andere Idee wäre verschiedene Aufnahmen von gut justierten EE-Geräten (verschiedene Akais und Teacs) zusammen zu tragen und diese alle nacheinander abzuspielen. Die Wiedergabe sollte dann so eingestellt werden, dass die Unterschiede über alle Bänder hinweg minimiert sind. Letztlich ist nur eine einzige Stelle am Gerät da, wo man drehen und justieren kann. Die Werte sollen danach in einem 3 dB-Korridor liegen. Für so eine "grobe" Justage sollte diese Methode auch gut genug sein, denke ich.

Irgendwelche Anmerkungen hierzu?

Gruß

Nelson


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#2
Hast Du denn wirklich vor, EE-Bandmaterial auf der Maschine zu verwenden?

Ich habe ja auch mehrere EE-Band-fähige Maschinen, mir ist allerdings bisher noch kein brauchbares (=gut erhaltenes) EE-Band begegnet.
Alle, die ich in den Händen hatte waren mehr oder weniger Kernschrott.
The 7 P's: Prior proper planning prevents piss-poor performance.  Cool
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#3
Ja, mein Ziel ist diese Maschinen grundsätzlich für EE-Bänder zu benutzen. Ich habe bisher kein einziges schlechtes EE-Band gehabt, zumindest was Maxell und TDK angeht. Die BASF mit Rückseitenbeschichtung müsste ich wieder testen.
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#4
Frisch eingetroffen: Das Original  Big Grin


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#5
Gratulation. Von Yahoo Japan?
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#6
Ja. Ich hatte rein zufällig nach dem Band gegoogelt und es gab wenige Treffer, aber darunter eine laufende Auktion in Yahoo Japan. Ich konnte das Band durch einen Proxy-Service kaufen. Dank einige Hinweise im Netz ging es am Ende gut aus, denn was sich der online Übersetzer bei solchen Seiten ausdenkt.... Ich war mir immer wieder unsicher, ob ich richtig klicke oder nicht. Aber jetzt ist letztlich das Band da. Es bleibt zu sehen, ob sie noch etwas taugt oder ob es nur eine Rarität für die Sammlung wird. :-)
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#7
Hallo,

das YTT-1052 von Nelson war inzwischen zum Testen bei mir; mechanisch ohne besondere Auffälligkeiten (klebt nicht). Als Referenz habe ich ein "Prüf- und Messband 9,5" von Peter, 250 nWb/m, 90+3180 µs.

Mein Vorgehen war jetzt, beide Bänder direkt nacheinander unter gleichen Bedingungen in einem Rutsch abzuspielen und zu digitalisieren. Dabei sind die Parameter der Wiedergabe gleich - sowohl Pegel als auch Wiedergabeentzerrung, für linken und für rechten Kanal sowie zwischen beiden Bändern ohne Änderung. Anschließend kann man das zu testende Band gegen die bekannte Referenz vergleichen.

Bandgerät war meine A807, Halbspur (breite Trennspur, keine Schmetterlingsköpfe). Ich habe nicht versucht, sie auf eines der beiden Bänder zu optimieren - es zählt also letztlich nur die Differenz, die absoluten Werte sind nicht wirklich relevant.

Soundkarte eine RME DIGI 96/8, alle Pegelverhältnisse sind fix - die habe ich mal so angelegt, dass ein üblicher Bezugspegel bei ca. -20 dB digital liegt, um beim Messen genug Luft nach oben zu haben. Messungen bei 96 kHz und 24 Bit.

Was ich allerdings auf jedes Band einstellen musste war die Spaltlage. Die passt nicht wirklich zusammen, die Einstellung auf das eine Band produziert beim anderen bei ca. 10 kHz eine Phasendrehung von ca. 180°, was für die Höhenwiedergabe nicht akzeptabel ist. Später vielleicht mehr dazu. Dem TEAC-Band würde ich aber jetzt nicht mehr für die Spaltlage glauben, da sind Peters Bänder heute das Messnormal.

Zunächst also die Digitalisierung beider Bänder unter identischen Bedingungen, jeweils nur mit passender Azimuteinstellung. Zuerst das TEAC-Band:

   

Dann die Referenz:

   

Die Kanäle sind jeweils gleich genug, dass dort nichts im Argen zu liegen scheint - also mache ich ab jetzt nur mit dem linken weiter.

Der Pegelschrieb oben hat jeweils 10 Werte pro Sekunde, in jedem davon den RMS ausgerechnet. Um jetzt möglichst viel Information von jedem Pegelton mitzunehmen, habe ich eine zweite Auswertung gemacht, und nicht über 0.1 Sekunden, sondern über den jeweils markierten Bereich einen RMS berechnet. Frequenzen und rohe Messwerte stehen jetzt auch dabei:

   

Das Referenzband ist länger - der Lesbarkeit wegen ist auch der Plot breiter...

   

Schön so weit - und nun? Wo wollen wir eigentlich hin?

(07.11.2024, 23:47)t20 schrieb: Wiedergabe bei der EE-Entzerrung 9,5 cm/s

Was diese "EE-Entzerrung" wohl ist habe ich im Foren-Archiv gefunden: Entzerrungszeitkonstanten TB 9,5 und 19 cm/s oder: die wilden 60er Jahre - es sind 50 + 3180 µs, wie sie schon von 19 cm/s bekannt sind. Über den Unterschied zwischen beiden Entzerrungen bei 9,5 cm/s hatte in dem Zusammenhang Peter schonmal geschrieben: EE-Bänder.

Hier nochmal in Kurzform - der Magnetfluss auf dem Band für beide genormten Entzerrungen sieht im Vergleich so aus:

   

Die Referenz hat einen Bezugspegel von 250 nWb/m bei 315 Hz, das TEAC-Band soll 185 nWb/m bei 400 Hz haben (ich hatte leider keinen Beipackzettel). Der Unterschied entspricht dann also -2.6 dB. Der Entzerrungs-Unterschied zwischen 400 Hz / 50 µs und 315 Hz / 90 µs ist geringer als 0.03 dB, spielt also keine Rolle.

Gemessen habe ich allerdings nur einen Unterschied von -1.56 dB, also etwas zu wenig. Damit hat der Pegelton vom YTT-1052 208.9 nWb/m statt der erwarteten 185 nWb/m - etwa 13% zu viel. Naja.

Damit kann man jetzt den erwarteten Unterschied zwischen beiden Bändern berechnen:

   

Die Kurve gibt also an, wie weit das TEAC-Band bei der jeweiligen Frequenz über oder unter der Referenz liegen sollte.

Leider habe ich gerade beim Aufschreiben gemerkt, dass ich noch einen logischen Fehler im Vergleich habe (der Frequenzgang-Teil liegt nur ungefähr 20 dB unter dem Bezugspegel, aber nicht garantiert genau) - deswegen erstmal nur bis hier her, ich denke nochmal kurz nach bevor ich Unfug von mir gebe.

Viele Grüße
Andreas
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#8
Also,

ich habe jetzt für die Rechnung erzwungen, dass der 315 Hz bzw. 400 Hz-Ton im Frequenzgang genau 20 dB unter dem Referenz-Pegelton am Anfang liegt. Damit bleibt das Verhältnis der beiden Bänder zueinander erhalten, und ich kann die Messwerte im Bild von eben darstellen.

Zuerst die Tabelle:

   

Und dann als Bild:

   

Naja, also gut. Tendenz erkennbar, aber mit deutlichen Abweichungen von 1-2 dB. Was ist der Anspruch an ein Messband? Zehnmal so gut wie die zu messende Größe. Im ersten Beitrag ist ein Toleranzfeld zu sehen, das man am Gerät mit Hilfe des YTT-1502 überprüfen soll - da geht es um ±3 dB, also sollte das Messmittel doch ca. seine Abweichungen möglichst auf 0.3 dB oder kleiner beschränken.

Noch eine Darstellung, zusätzlich mit der Erwartung für den tatsächlichen Bandfluss des Pegeltons (also 209 statt 185 nWb/m):

   

Damit sieht die Tiefe besser aus, aber in der Höhe bleibe trotzdem noch gut 1.5 dB Abweichung übrig.

Systematische Unsicherheit: Ich habe für diese Betrachtung meine Referenz als unbegrenzt präzise angenommen. Der Beipackzettel sagt aber, die Pegelabweichungen sind bis 6.3 kHz kleiner als ±0.3 dB, und darüber kleiner als ±0.6 dB; der Bezugspegel ist auf ±5% genau. Fairerweise muss man also diese Unsicherheit berücksichtigen - Abweichungen bis zu dieser Größe könnten also auch an dem Messband liegen, was ich als Referenz benutze.

Kann man das Band jetzt noch verwenden? Wenn man sich die Grenzen der Genauigkeit klar macht, dann schon. Geht es darum, Abweichungen von 3-6 dB über das Toleranzfeld hinaus zu finden? Dafür reicht es auf jeden Fall. In den Krümeln suchen darf man damit aber nicht.

Problematisch finde ich allerdings die Spaltlage, die eindeutig von Peters Messband abweicht. Dem würde ich nicht trauen.

Viele Grüße
Andreas
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#9
Und noch ein kurzer Nachtrag: Natürlich kann man die Werte auch als "normalen" Frequenzgang plotten:

   

Diese sind wiederum so normiert, dass sie bei 315 bzw. 400 Hz genau auf -20 dB liegen. Wie gesagt, die Maschine war nicht auf eins der beiden Bänder optimiert, sondern nur "halbwegs passend" auf NAB 9.5 voreingestellt. Der Anstieg im Bass würde von der Form her zur seitlichen Einstreuung großer Wellenlängen in den Kopf passen - die Aufnahmen sind Vollspur, der Kopf Halbspur.

Schön an dieser Darstellung ist, dass man die erwartete Höhenanhebung sehen kann. Wenn man eine Aufnahme mit (ungefähr) 50 µs unter einer Wiedergabeentzerrung abspielt, die zu 90 µs passt, dann werden eben die Höhen betont.


Viele Grüße
Andreas
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#10
Ich möchte mich bei Andreas für die geleistete Arbeit beim Untersuchen des Testbandes bedanken. Ich hätte sonst gar nicht gewusst, ob das Band noch taugt oder nicht. Leider lässt sich aus dem Karton nicht bestimmen, wie alt das Band ist. Bei anderen Teac Testbändern ist ein Datum aufgeschrieben. Auch ein Beipackzettel war leider nicht dabei. Ich finde es interessant, dass anscheinend Teac es nicht so genau mit der Genauigkeit des Bandes genommen hat. Ob die anderen Testbänder auch so sind oder nur manche Exemplare betroffen sind, wird sich schwer nachvollziehen lassen. Nebenbei sehen wir, dass Peters Bezugsbänder die genauesten sind, die wir benutzen können. 

Gruß

Nelson
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#11
andreas42 schrieb:(…)  Damit hat der Pegelton vom YTT-1052 208.9 nWb/m statt der erwarteten 185 nWb/m - etwa 13% zu viel.  (…)

Hallo Andreas,

vielen Dank für Deine Arbeit!

Ich denke, es ist nicht auszuschließen, dass der Bandfluss des Teac-Bands nicht nach dem DIN / IEC- sondern nach dem ANSI-Standard angegeben ist?

185 nWb/m ANSI = ~207 nWb/m DIN (vgl. AES [1 kHz], Ampex [700 Hz])

Das würde zu Deinen Ergebnissen ja gut passen, auch wenn die Spaltlage ärgerlich ist.


Am Rande: mittlerweile sind mir auch die Entzerrungszeitkonstanten der EE-Entzerrung bei 38 und 4,76 cm/s bekannt geworden:
EE 38,1 cm/s 3180 (?*) + 35 µs (* ? wg. unterschiedlicher Literaturhinweise)
EE 4,76 cm/s 3180 + 70 µs

Erstere Geschwindigkeit bringt mit Cr / FeCo-Bändern aber quasi keine Vorteile mehr, und zu zweiterer kenne ich kein einziges EE-Gerät.

Schöne Grüße
Frank
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