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Hallo,
es wird ja langsam wieder "Bastelzeit" und hier steht seit längerem eine Tandberg 9100 die auf Zuwendung wartet.
Also heute morgen mal mutig den Entschluß gefasst, die Maschine auf die "Werkbank" zu setzen und eine Bestandsaufnahme zu machen.
Erworben wurde die Maschine in einem etwas desolaterem Zustand und es war klar das sie viel Zuwendung braucht. Insbesondere vor dem Hintergrund das sie wohl ein "nasser Kellerfund" war und ist ....
Das "Drama" kann beginnen ......
Zustand der Maschine äußerlich:
- Seitenteile abgestoßene Kanten, Farbabplatzungen, verrostete Befestigungsschrauben
- Korrosion an oberer und unterer Tonkopfabdeckung
- Frontplatte teilweise Kratzer, Korrosion
Aber: Alle Bedienkappen für Schieberegler, Schalter vorhanden
Anbei mal ein Bild von der Front:
Dann mutig weiter und die Gehäuseteile demontiert. Bereits bei Abnahme der Rückwand offenbarte sich der "nasse Kellerfund" :
Damit braucht diese Maschine nicht an die Stromversorgung !
- linkes Seitenblech Rost
- Stockflecken an den Kabeln
- überall Spuren von nasser/feuchter Lagerung
Das wird zeitintensiv oder doch zum Wertstoffhof ???
Erstmal weiter mit Zerlegen, dann entscheiden.
DAS linke Seitenteil:
Für die Demontage der Gehäuseteile sind gut 2 Stunden ins Land gegangen, verrostete Schrauben, überall Muff ....
Aber es zeichnet sich ein Bild ab:
Die Lötseiten der Platinen sind nicht angegriffen !! Es läuft zwar auf einen 1:1 Bauteiletausch hinaus (in Teilen sind die Beinchen der Bauteile grün) , aber zum Glück hat Tandberg keine exotischen Halbleiter o.ä. verbaut. Ist nur zeitintensiv .... und hoffentlich ist die Logikplatine in Ordnung.
Das ist jetzt der Zustand der Maschine nach Demontage des Gehäuses. Das demontierte linke Seitenteil war schon mal kurz unter der Drahtbürste und siehe da - keine Durchrostung, also rettbar ....
Doch weiter mit der Bestandsaufnahme:
- Köpfe haben alle Durchgang, keine Kratzer und Einlaufspuren ! Eine Baustelle weniger !
- Motoren lassen sich von Hand drehen und quietschen nicht.
- Andruckhebel sitzt NICHT fest
- Elektromagnete lassen sich von Hand bewegen
- Schubgestänge für den Andruckhebel beweglich
- Bremsbänder ok
verbleibende Baustellen:
- Schalter Record schwergängig bzw. nicht rastend - das könnte zum Problem werden ....
- Schalter Tape/Source einer sporadisch rastend, einer mit Funktion
- ggfs. Flachbahnregler
sowie die große Baustelle Platinen überarbeiten und Gehäuse.
Aber erstmal den Ersatzteilbestand inspizieren:
- Seitenteile links/rechts und Boden in gebraucht vorhanden
- Schaltersatz Tape/Source vorhanden
- ggfs. originale Tonköpfe vorhanden
Also wird es kein Fall für den Wertstoffhof ! Wird zwar Arbeit und Zeit kosten, aber die Maschine ist rettbar.
Also der Plan:
- zunächst linkes Seitenteil aufarbeiten
- dann Laufwerksmechanik überarbeiten (verharztes Fett raus, säubern, etc.)
- dann Netzteil und Logikplatine
Und dann erstmal einen kurzen Funktionstest. Wenn der erfolgreich wird, die restlichen Platinen aufarbeiten.
to be continued .....
beste Grüße
Christian
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Gutes Gelingen, ich freue mich immer wenn gerettet und nicht entsorgt wird, die Tandberg hatten wir in meinem Gym. im Musikraum und da habe ich schon damit aufgenommen, ich mag die einfach.
Lars
Revox B77 MKII 2 Spur / A77 MK III (2&4 Spur) / A77 MK IV 2 Spur, Tandberg 10X / TD20 / TCD 340, Akai GX215, Philips 4419/4515, Uher Report 4000 IC & Monitor, Uher CR 240, Grundig TK 147
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Hallo Christian,
ich wünsche dir ebenfalls gutes Gelingen. Ich sehe schon vor meinen Augen wie die Maschine bei dir nach deiner Aufarbeitung aussehen wird.
Viele Grüße
Michael
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Ich schließe mich an. Gutes Gelingen!
Schade, dass eine so schöne Maschine derart schlecht behandelt wurde. Die 9100/9200 gehören zu meinen liebsten Maschinen, und für mich gehören sie auch ganz objektiv zu den besten Kleinspulern.
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Als dann,
das linke Seitenteil ist mittlerweile komplett entrostet und der Rostumwandler muss jetzt erstmal trocknen und seine Wirkung tun.
Danach noch grundieren und neu lacken.
In der Zwischenzeit die beiden Platinen A5 ( Netzteil ) und A12 ( Laufwerkssteuerung bzw. Logikplatine ) ausgebaut.
Hier das Board A5 :
und hier das Board A12:
Angefangen wird mit dem Board A5 ( Netzteil ), weil es mehr oder minder der Grundstein ist. Ohne Strom nix los ....
Eigentlich nichts besonderes. Längsregelung für die + 27 Volt, aber doch ein bischen "tricky" gemacht. Die Zenerdiode D3 1N5346B
( 9,1 Volt, 5 Watt) ist den 27 Volt nachgeschaltet und stellt so die 18 Volt zur Verfügung. Dieses Netzteil ist grundsätzlich - mehr oder minder - in den Serien 9000, 9100, 9200 und 10 X verbaut. Hauptaugenmerk bei einer normalen Revision wären die Elko, Zenerdioden und die Transistoren. Sowie die Lötstifte der Steckverbinder, Sicherungshalter und die Entstörglieder für die Relais-Kontakte.
Hier einmal alles neu ! Mit folgenden Bauteileänderungen:
Zenerdiode 1N5254B wird ZD 27
Dioden BYX10 werden 1N4007
Kondensatoren 0,1 µF der Entstörglieder werden WIMA MKP4 0,1 µF 250 Volt
to be continued
beste Grüße
Christian
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Hallo Christian!
Ich hab einige Zeit her ein 9141X revidiert.
Bekannte Maengel sind die nicht-mehr erhaeltliche ICs. Vielleicht wussten Sie das schon.
[url=https://postimg.cc/gLFSJY0d] [/url]
Es gibt ein ‘Workaround’ (mit Aufwand):
Ich wuensche Ihnen gute Erfolg!
Dirk (NL)
Anfänger-Bastler, Spezialität: Sony TC-366/377/378/399. PLZ NL-3511 Utrecht.
A-3300SX, TC-377, EW 5512, N4404, TCD330, 680ZX, UDR-F07 und noch so was.
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Sehr schön. Für den Müll zu schade.
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05.11.2024, 22:26
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.11.2024, 22:28 von MaBo.)
Hallo Christian,
ich drücke dir die Daumen zur Tandberg-Rettung.
Ist eine tolle Bandmaschine. Die Tandberg 9100 steht und läuft auch bei mir.
Grüße
Marion
Akai GX-286 DB / Tandberg 9100 X / Uher Report 4200 Monitor
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Soderle,
erstmal vielen Dank für die guten Wünsche ! Hoffen wir mal, dass die desolate 9100 mitspielt ....
Das Resultat des gestrigen Abends:
Das Netzteil komplett - inkl. Lötstifte für die Steckverbinder - einmal in neu ! Es fehlt nur noch ein 39 Ohm / 2 Watt Widerstand. Aber der steht schon auf der Einkaufsliste.
Hierbei wurden die Zenerdioden und 2 Watt Widerstände mit etwas mehr Abstand zur Platine eingebaut, damit die entstehende Abwärme auch "abziehen" kann. Insbesondere für die 9,1 Volt / 5 Watt Zenerdiode ist dies angebracht.
Selbstredend gab es auch neue Transistoren !!
Damit wäre die "Frisch-Strom-Versorgung" erledigt. Nur noch kurz testen und dann zurück ins Chassis ....
Als nächstes dann das Logik-Board A12, hier das Schaltbild:
Plan ist, hier soweit es geht die "Bei-Beschaltung" der Logik-Bausteine 1:1 zu ersetzen. Mal abwarten, was sich für ein Bild ergibt ....
Bei einer normalen Revision wären hier eigentlich nur die Kondensatoren / Steckverbinder relevant. Hierbei können die Werte der Kondensatoren kleiner 1 µF durchaus mit Folienkondensatoren WIMA MKS2 bestückt werden.
Diese Laufwerkssteuerung ist - mehr oder minder - in den Maschinen der Serien 9000, 9100, 9200 und 10 X verbaut. Und überall werden die nicht mehr erhältlichen Teledyne Logik-Bausteine ( IC ) verwendet. Das wird jetzt spannend ...
Das Logik-Board ist bei den Maschinen der Serien 9100, 9200 und 10 x EINSEITIG, lediglich bei der Serie 9000 ist es DOPPELSEITIG.
Insofern liegt hier ein einseitiges Board vor, was das Leben erleichtert.
Sobald das Logik-Board überarbeitet ist, geht es weiter. Zumal das linke Seitenteil gerade frisch gelackt ist .... Erstmal trocknen lassen ...
In der Hoffnung das die Logik-IC nicht defekt sind ..... Aber normal sind diese Teledyne-Bausteine fast unkaputtbar ...
Ein kleiner Hinweis sei mir gestattet:
Die Maschine wird "Board für Board" überarbeitet. Hierbei versuche ich dann die "Maßnahmen" einer normalen Revision mit aufzuführen. Zumal dieses dann durchaus Anwendung für die Maschinen der Serien 9000, 9100, 9200 und 10 X finden kann.
Diese Maschinen sind fast (bis auf Capstan-Antriebe) fast identisch, in Teilen werden identische Baugruppen verwendet ...
to be continued
beste Grüße
Christian
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Kleiner Zwischenstand:
Das linke Seitenteil ist wieder einsatzbereit und kann montiert werden ....
Fast "Neuware" geworden, Drahtbürste, Scheifpapier, Rostumwandler, Grundierung, Gold-Lack in Seidenmatt (da war noch was in der Werkstatt ... )
Zurück zum Logik-Board:
Das Halteblech samt Taster musste doch raus, zumal das Halteblech an den Lötbefestigungen korrodiert ist. Also einmal runter damit.
Das Halteblech übernimmt 2 Funktionen. Zum einem wird darüber das Board am Chassis verschraubt, zum anderem ist es eine mechanische Entlastung der Lötstellen der Bedientaster. Multifunktionstool .....
Zum Glück noch ein identisches Halteblech in der Wühlkiste gefunden. Problem Rost erledigt.
Die Taster wurden ebenfalls demontiert und die Kontakteinsätze einmal durch das Ultraschallbad "geschoben". Wenn man schon dabei ist ....
Die Lämpchen haben folgende Werte: 12 Volt 40mA
Falls die mal defekt gehen:
Zum Wechsel der Lämpchen brauchen die Taster nicht ausgelötet werden. Hier hat Tandberg mitgedacht:
Einfach die weiße obere Arrettierung etwas nach oben hebeln, grüne bzw. rote Bedienkappe nach vorne ziehen und das Lämpchen ist zugänglich. Ebenso die Tasterkontakte.
Jetzt geht es endgültig an das Logik-Board.
Bei einer normalen Revision wären die Elko zu prüfen bzw. zu tauschen. Für die Werte kleiner 1 µf können Folienkondensatoren WIMA MKS2 63V Rastermaß 5 mm verwendet werden.
Nicht die Zenerdiode D18 vergessen !!
Ein kurzes Wort zu den Elko:
Die hier verwendeten Tantale mit Kapazitäten kleiner 1 uF sollten grundsätzlich getauscht werden. Vmtl. sind das noch Tantale der ersten Generation und damit haben es die Tandbergs nicht so. Die Teile machen nur Ärger - insbesondere nach 40 oder mehr Jahren. Siehe hierzu auch die TD20A und deren Logikboard. Wie oft war da ein 1 uF Tantal Ursache für Nicht-Funktionieren ....
Insofern werden die bei mir an allen Tandbergs getauscht !
Die von Tandberg bestückten Elko von Frako, Röderstein werden per se durch Panasonic FC-Serie ersetzt. Einmal "Frischzellen" bestücken und dann sollte da Ruhe sein ....
Sobald das Logik-Board durch ist, geht es weiter ....
to be continued
beste Grüße
Christian
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Hut ab, Christian für diese Totalrestaurierung!
Das liest sich ja, wie ein Roman. Hoffen wir, dass die Schöne am Ende wieder in einem Wohnzimmer die Blicke auf sich zieht und dabei coole Musik spielt.
Ich muss aber gestehen, dass, wenn ich hier mitlese, ich mich immer sehr klein fühle...
Schönes Wochenende!
Volker
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Hallo Christian,
das Seitenteil sieht ja wieder richtig schick aus !
Zum Ultraschallbad mal zwei Fragen: Welche Leistung / Fassungsvermögen hat Dein Ultraschallreinigungsgerät und was verwendest Du als Reinigungsflüssigkeit ?
Grüße und weiterhin gutes Gelingen !
Jürgen
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So,
war ein langer Abend, aber das Logik-Board ist durch:
Was wurde gemacht ??
Relativ viel, sprich die komplette Platine ist bis auf die IC, 2 Stück BC288 und einmal 820 Ohm KOMPLETT neu bestückt.
Die gereinigten Taster sind ebenfalls wieder montiert, lediglich das Halteblech (Multifunktionstool) muss noch drauf. Und ja, die Taster haben vor Einbau den TÜV-relevanten Beleuchtungstest gemacht ... War doch glatt ein Lämpchen platt ...
Hierbei gab es folgende Bauteileänderungen:
Dioden BYX10 sind jetzt 1N4007
Zenerdiode 1N5251B ist ZD22
Elko kleiner gleich 1 µF sind jetzt Folie WIMA MKS2 63 Volt, RM 5mm
Hinsichtlich der BC288 (Schalttransistoren für die Elektro-Magnete) steht hier noch die Option aus diese durch BD439 zu ersetzen.
Durchgemessen sind die BC288, aber so richtig trauen .......
Zur Zenerdiode 1N5251 noch mal kurz gesondert, weil das ist ein bischen "tricky" ...
Betrachtet man jetzt mal obigen Auszug des Schaltbildes des Logik-Boards, fällt irgendwann auf, das das Logik-Board mit 18 Volt versorgt wird, da aber eine 22 Volt Zenerdiode in der 18 Volt Zuleitung hängt. Was soll das ??
Das ist eine "Flurschaden-Verhinderungs-Schaltung", weil wohl die Norweger auch schon wußten das die IC nicht so ohne weiteres zu bekommen sind ....
Wird eine Zenerdiode unterhalb ihrer Zenerspannung betrieben, verhält sie sich wie eine normale Diode.
Wird sie oberhalb der Zenerspannung betrieben, so greift der Zener-Effekt und die Spannung wird begrenzt auf den Wert der Zenerdiode. Also ein klassischer Überspannungschutz.
Diese Mimik ist in den allen Serien 9x00 und 10 X verbaut !
Das bedeutet für eine evtl. Fehlersuche folgendes:
Vom Trafo kommen 31 Volt AC, werden gleichgerichtet, gehen dann in den Längsregler + 27 Volt, nachgeordnet die + 18 Volt Versorgung. Daraus ergeben sich folgende Spannungspfade:
1. die gleichgerichteten, ungeregelten 31 Volt AC (ca. 42 Volt DC) versorgen die Elktromagnete
2. die über Längsregler stabilisierten 27 Volt DC versorgen die NF-Teile
3. die nachgeordneten 18 Volt DC versorgen nur das Logik-Board, welches widerum einen Überspannungsschutz hat
Am Logik-Board müssen also zwingend einmal + 18 Volt und ca. + 42 Volt anliegen. Hierbei werden die ca. + 42 Volt für die Elektro-Magnete durch die BC288 / BD439 geschaltet.
Und diese Art der Spannungsversorgung zieht sich wie ein "roter Faden" durch die Serien 9x00 und 10 X .
Ist wie ein "Metall-Baukasten" ....
Die nächsten Arbeitsschritte bei der 9100 sind dann die Laufwerksmechanik und Einbau der Platinen Netzteil, Logik-Board.
Und dann mal einen kurzen Testlauf der Mechanik, in der Hoffnung das das Logik-Board tut ....
to be continued
beste Grüße
Christian
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So,
gestern und heute mal weiter an dem "nassen Kellerfund" gewerkelt.
Die weitere Demontage zwecks besserer Reinigung stand an.
Einmal das Sub-Chassis der NF-Komponenten:
dann die reine Laufwerksmechanik OHNE Kopfplatte
und zu guter Letzt die Kopfplatte samt CUE-Schalter
Rest der Woche ist dann Rostbekämpfung und Reinigung angesagt. Auf jeden Fall ist das zerlegt wesentlich einfacher ....
to be continued
beste Grüße
Christian
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Soderle,
weiter mit dem "nassem Kellerfund" ......
Nach der weiteren Demontage stand dann "baugruppen-orientiertes" Aufarbeiten auf dem Plan. Alles andere erschien nicht zielführend.
Die gesamte Laufwerksmechanik war dann zum "Entfetten" und Säubern in der anderen Werkstatt. Mittels Bremsenreiniger und kleinen Drahtbürsten ging das überraschend gut.
Der mit Stockflecken übersäate Kabelbaum wurde ebenfalls gereingt. Hier erwies sich Reifenreiniger aus dem KFz-Zubehör als äußerst effektiv. Einfach den Schaum auf einen Lappen geben und die Kabel durchziehen. Wie neu !
Nach der Grundreinigung ging es dann mit der Laufwerksmechanik wieder auf die "Werkbank" zwecks weiterer Aufarbeitung.
Bedenkt man den Zustand der Maschine war das Aufarbeiten der Mechanik überschaubar. Es wurden insgesamt 4 Federn, die Bremshalter rechts/links und die Elektromagnete getauscht. Die Elektromagnete deshalb, weil der Zug-/Schub-Bolzen in Teilen stark mit Rost befallen war. Und zwar bei allen drei Magneten. OK - die alten Magnete liegen jetzt in der Kiste "Ersatzteile zum Aufarbeiten" ....
Einmal die Alt-Teile und die Laufwerksmechanik mit Neu-Teilen.
Es wurden zunächst die mechanischen Einstellungen (Federwege etc.) wie vorgefunden genutzt. Einstellarbeiten an der Laufwerksmechanik (Bremsen etc.) erst im zusammengebauten Zustand.
Die unterschiedlichen Kabelfarben der Anschlußdrähte lassen sich mit einem Ohmmeter zuordnen. Beispiel: Alt-Magnet Anschlussfarben gelb-grün-blau, Ersatz-Magnet Kabelfarben orange-braun-schwarz
Alt-Magnet zwischen
blau-gelb 779 Ohm
blau-grün 804 Ohm
Ersatz-Magnet zwischen
orange-schwarz 817 Ohm
braun-schwarz 792 Ohm
dann wird Alt-blau Ersatz-schwarz, Alt-gelb Ersatz-braun, Alt-grün Ersatz-orange ....
Und schon passen die Steckverbinder der Magnete wieder ...
Bei einer normalen Revision reicht hier die Prüfung auf Leichtgängigkeit der Mechanik aus. Ggfs. etwas "nach-fetten".
Die Kopfplatte:
Hier wurden die Lager für den Andruckhebel, Schwungscheibe und die mechanische Mimik für den Crossfield-Kopf jeweils entfettet und neu mit Fett versehen. Und der Kabelbaum von den Stockflecken befreit.
Und jetzt ohne Stockflecken ! Die Köpfe und Bandlauf werden erst nach Montage gereinigt !!
Da zwischen diesen Renovierungsarbeiten Trocknungszeiten abzuwarten waren, kurzum das Board A1 Mainboard samt Halteblech überarbeitet.
Einmal das Halteblech überarbeitet (schleifen, grundieren, lacken) und das Board A1 Mainboard einmal 1:1 neu bestückt.
Zum Board A1:
Bei einer normalen Revision wären hier Kondensatoren, Trimmer, Schalter, Flachbahnregler zuprüfen bzw. betroffen. Ggfs. den SOS-Schalter reinigen.
Ein besonderes Augenmerk ist auf die Kontaktstifte der Steckverbinder zu legen. Teilweise sind diese extrem mit einer Oxid-Schicht übersäat - hier hilft eigentlich nur Austausch durch Lötstifte 1,3 mm ..... Gerade diese Kontaktstifte sind die "Haupt-Krankheit" der 9100 (Series 9000, 9200, 10x ebenfalls) , verantwortlich für Wackelkontakte etc. . Nix wie Ärger mit den Teilen ...
Die Schalter für Source/Tape und Record durften etwas länger im Ultraschallbad baden. Zumal sie auch extremst hakelig ausgebaut wurden, sprich ordentliche Funktionsweise war nicht vorhanden. Insbesondere bei den Record-Schaltern.
Die Record-Schalter hakten nach dem Ulraschall immer noch, also Ursachenforschung. Letztlich stellte sich heraus, das der Raststift der Schaltermechanik korridiert war. Also neue Raststifte rein (1,5 x ca. 4 mm). Mussten zwar zwei alte Schalter als "Stift-Spender" für herhalten, aber besser die als neue gebrauchte Record-Schalter ( 10 x um )besorgen ....
Die Schalter tun jetzt wieder ! Eine Baustelle weniger !
Die Flachbahnregler waren dann auch im Ultraschall, sind gemessen und einbaubereit. Es wird.
Das Board A1 enthält auch die Anpassung der Crossfield-Köpfe an den Löschoszillator und hier ist ein besonderes Augenmerk gegeben:
Die Löschfrequenz der 9100 beträgt ca. 88 KHz und die Crossfield-Köpfe arbeiten mit einer Serienresonanz (hier erbitte ich ggfs. Korrektur falls dem nicht so sein sollte). Bedingt durch den Fertigungsprozess der Köpfe haben diese nicht die identische Induktivität. D.h. hier ist eine Serienkapazität beizuschalten, damit der Resonanzfall eintritt.
Grundsätzlich sind hierfür C32 / C132 mit 3,3 nF verbaut und die Anpassung an die Resonazfrequenz erfolgt mittels Zusatz-Kapazitäten auf der Lötseite des Board A1 parallel zu C32/C132. Wieviel Zusatz-Kapazität hier verbaut werden muss, tja - da hat Tandberg vorgesorgt.
Am Crossfield-Kopf befindet sich normalerweise an der linken Seite ein kleiner Aufkleber mit 2 Zahlenwerten.
Gegeben sei der Aufkleber mit z.B. folgenden Zahlenwerten:
4800
5300
Was soll das ? Die Resonanz bei Löschfrequenz wird erhalten, wenn der Kopfinduktivität der betreffenden Spur einmal 4800 pF und einmal 5300 pF in Serie zugeschaltet sind.
Also ganz einfach:
3,3 nF also 3300 pF sind pauschal bestückt, somit ergeben sich folgende Zusatz-Kapazitäten:
4800 - 3300 = 1500 pF
5300 - 3300 = 2000 pF
Also diese Zusatz-Kapazitäten auf KEINEN Fall entfernen, nur weil sie nicht im Servicemanual stehen ....
Und weil es so schön ist, haben die "Jungs vom Fjord" da noch etwas "ungewöhnliches" verbaut:
Die beiden Trimmer R44/R144 zum Einstellen der BIAS-Spannung am Crossfiled-Kopf haben 250 KOhm LOGARITHMISCHE Kennlinie !
Diese beiden Trimmer IMMER versuchen irgendwie zu retten !!
Diese "Mimik" gilt - wie sollte es anders sein - für die Serien 9x00 und 10X ebenfalls.
Mit Trimmern LINEARER Kennlinie kann die BIAS-Spannung zwar auch eingestellt werden, aber das ist ein Geduldsspiel ....
Alternativ, wenn die 250 Kohm log. definitiv "hin" sind, funktioniert eine Ersatzschaltung bestehend aus einem 500 KOhm lin. Trimmer dem zwischen Schleifer und "heißem" Ende ein 500 KOhm Widerstand parallel geschaltet wird auch ... Ergibt sowas ähnliches wie eine logarithmische Kennlinie ....
Zwischenstand:
Überabeitet sind jetzt
- Netzteil
- Logikboard
- Mainboard samt Bedienelemente (Flachbahnregler, Schalter)
- Laufwerksmechanik (Kopfplatte, CUE-Schalter)
offen sind noch:
- Steckkarten für Löschoszillator, Playback-/Record-Amp, Line-In, Line-Out
- Gehäuseteile
- Fronten und Kopfabdeckungen
Nächster Schritt: Alle überarbeiteten Baugruppen montieren, verdrahten und dann Probelauf !!!
In der Hoffnung das die Laufwerkslogik nichts hat ..... Andernfalls Logik-IC "besorgen" ....
to be continued
beste Grüße
Christian
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Na Christian,
Sie haben Gruendlichkeit wieder definiert.
Respekt und Komplimente!
Dirk (NL)
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So,
da ist mir doch ein kleines Mißgeschick mit den Elektromagneten (Solenoid) passiert:
Zitat:Die unterschiedlichen Kabelfarben der Anschlußdrähte lassen sich mit einem Ohmmeter zuordnen. Beispiel: Alt-Magnet Anschlussfarben gelb-grün-blau, Ersatz-Magnet Kabelfarben orange-braun-schwarz
Alt-Magnet zwischen
blau-gelb 779 Ohm
blau-grün 804 Ohm
Ersatz-Magnet zwischen
orange-schwarz 817 Ohm
braun-schwarz 792 Ohm
dann wird Alt-blau Ersatz-schwarz, Alt-gelb Ersatz-braun, Alt-grün Ersatz-orange ....
Und schon passen die Steckverbinder der Magnete wieder ...
DAS ist so nicht ganz korrekt, wie ich eben beim Verdahten der Elektromagnete gemerkt habe - Sorry hierfür !!
Richtig muss es heißen:
Die Widerstandswerte der Wicklungen der Elektromagnete stehen im Servicemanual und hier war das Problem, dass die neuen gebrauchten Magnete andere Kabelfarben haben. Diese müssen jetzt den Steckverbindern zugeordnet werden ; zumal an den "Neuen" die Steckverbinder fehlen ....
Beispiel:
Pinch-Solenoid Alt : Kabelfarben blau, gelb, grün
Pinch-Solenoid Neu : Kabelfarben schwarz, braun, orange
Wo muss welche Farbe hin am Steckverbinder ?
Einfach mit dem Ohmmeter die Widerstandswerte messen:
Pinch-Solenoid Alt: zwischen blau-grün 838 Ohm, zwischen gelb-blau 813 Ohm, zwischen grün-gelb 25 Ohm
Pinch-Solenoid Neu: zwischen scharz-braun 806 Ohm, zwischen braun-orange 26 ohm, zwischen schwarz-orange 832 Ohm
Die beiden Wicklungen eines Solenoid (Magneten) sind in Reihe geschaltet, also ist an den beiden äußersten Ende der Widerstandswert gleich der Summe der Teilwiderstände. In diesem Fall für den neuen Solenoid also 26 + 806 = 832 Ohm. Damit sind dann die Kabelfarben schwarz-orange die beiden äußersten Anschlussenden und Kabelfarbe braun ist der gemeinsame Anschluss in der Mitte.
Der Rest ergibt sich dann fast von alleine ....
Der Steckverbinder für diesen Solenoid ist P4 auf dem Board A5 Netzteil mit folgender Belegung:
Pin 1 = blau
Widerstand zwischen Pin 1/2 813 Ohm
Pin 2 = gelb
Widerstand zwischen Pin 2/3 25 Ohm
Pin 3 = grün
daraus wird dann neu
Pin 1 = schwarz
Widerstand zwischen Pin 1/2 806 Ohm
Pin 2 = braun
Widerstand zwischen Pin 2/3 26 Ohm
Pin 3 = orange
Nochmals Sorry hierfür !
OK, Elektromagnete messen geht jetzt einwandfrei .....
Und bei der Gelegenheit noch einen "Fehler" im Servicemanual gefunden:
Der Transfer-Solenoid hat die Kabelfarben weiß, rot, lila und soll an den Steckverbinder P6 Board A5, im Servicemanual sind dort folgende Farben angegeben:
Pin 1 rot
Pin 2 lila
Pin 3 rot
An Pin 3 geht aber Kabelfarbe weiß !
to be continued
beste Grüße
Christian
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Als dann,
der Probelauf bzw. Funktionstest kann beginnen ... Was ist bislang passiert ?
- Board A5 Netzteil einmal 1:1 neu bestückt
- Board A12 Logikboard externe Beschaltung der IC 1:1 getauscht
- Elektromagnete getauscht
- Kopfplatte Mechaniken gängig gemacht und frisch gefettet
- desolates Seitenteil aufgearbeitet
- Board A1 komplett 1:1 neu bestückt, inkl. Regler / Schalter reinigen und funktionsfähig machen
- Halteblech Board A1 grundiert und "gelackt"
Im Prinzip ist die Maschine fast durch .....
Aber erstmal Montage der Baugruppen:
Als erstes die Kopfplatte inkl. Einhängen der Schubstange für den Andruckhebel. Hierbei jetzt aufpassen: Unter der Kopfplatte sitzt noch eine kleine Feder. Diese muss am Andruckhebel eingehakt werden (geht von vorne ...). Andernfalls bewegt sich der Crossfield-Kopf nicht ..... Und den Sicherungssplint nicht vergessen !!!
Beim Einbau der Kopfplatte und deren Schubstange ist unbedingt darauf zu achten, dass die Schubstange den Micro-Switch unterhalb des Pinch-Roller-Solenoid (zu gut deutsch: des Elektromagneten für Play ...) EINWANDFREI betätigt. Im Zweifel den kleinen Blechhebel etwas nach vorne biegen .....
Kurzer Test der Beweglichkeit aller Teile und weiter geht es mit dem Netzteil.
Doch zuvor kurz testen, ob das Netzteil tut. Das geht einzeln besser als im eingebauten Zustand. Gebraucht wird ein Trafo der ca. 30 Volt sekundär liefert. Angeschlossen wird die Wechselspannung an Steckverbinder P8 Board A5 hier Pin 4 und 5. Die restlichen Wechselspannungen werden erstmal nicht benötigt ...
Der Testaufbau Netzteil. Alles schön zugänglich ....
Also Trafo einschalten und schauen ob an Steckverbinder P11 (der Verbinder geht auf das Mainboard) Pin 1 und 2 27 Volt anliegen.
Und ??? Fehlanzeige !!! Nix 27 Volt an Pin 1 und 2 ....
Was soll das jetzt ? Da ist doch alles neu ... Bestückungsfehler, kalte Lötstelle, Bauteiledefekt oder einfach keine Lust ??
Also erstmal Luft holen .......... Und dann in RUHE dabei ...
Spannung AC am Gleichrichter - ok
Ladespannung am Siebelko - ok ca. 46 Volt DC
Spannung am Emitter Q1 - ok 46 Volt
Spannung am Kollektor Q1 - NULL VOLT !!
Spannung Basis Q1 - ca. 3,5 Volt
HÄH ???
Also Q1 mal getauscht und immer noch 0 Volt am Ausgang ...
Bestückung geprüft - passt !
Werte der Bestückung geprüft - passt !
Transistoren ok - sind ok !
Dioden geprüft - sind ok !
Dann Q1 nochmals raus und durchgeprüft, Transistor OK
Was soll dieser Sch... ????!!! Ist man schon zu alt für einen simplen Bauteile-Tausch ??
Pause ! Erstmal Luft holen !
Wieder dabei und sich den Platinenlayout vorgenommen, hmmm - Kollektor Q2 schaltet Basis Q1. Wo ist denn Basis Q1 auf dem Board ?? Ahhh da - Pin-Reihenfolge Q1 E-C-B, damit die Rückseite an das bestückte " Kühlkörperchen" geht ... Also nochmal den neuen Q1 raus und messen. Pin-Reihenfolge B-C-E ..... Wie bitte ???
DAS wird wohl so nix .....
Links ALT - rechts NEU und bitte beachten: Beide male MJE2955 !!!
Damit MUSS der "neue" MJE2955 um 180 Grad gedreht werden und passt dann nicht mehr an das "Kühlkörperchen" ....
Nach erfolgter Drehung passte dann die Pin-Reihenfolge Q1 und die 27 Volt waren wie von Geisterhand da .....
Doch nicht zu alt ....
Ok - dann kriegt der MJE2955 eben einen externen Kühlkörper und eine steckbare Zuleitung. Als Montageort für den Kühlkörper wurde das linke Seitenteil gewählt. Kühlkörper gesucht, 2 Montagebohrungen rein, 1 Bohrung für ein 3 mm Gewinde, Gewindeschneiden, Transistor montieren, Steckverbindung bauen und dann endlich das Netzteil montieren ....
Geht doch !!
Der große Moment !! Mal Netzspannung anlegen .....
Und ???
Power-On-Lampe leuchtet
Capstanmotor dreht
Transfer-Solenoid (der Magnet der das Antriebsrad an Motorwelle UND Schwungscheibe "zieht") ZIEHT AN
ES DREHT !!!
Maschine vom Netz und einmal tief durchatmen !!
Nächster Schritt, Logikboard A12 einbauen. Gesagt,getan und dann Maschine mutig an das Netz ....
- Capstan dreht
- Bremsmagnet zieht an
- Maschine steht auf STOP (Lampe leuchtet)
- Lämpchen für Bandende-Schaltung leuchtet (hierzu UNBEDINGT eine Masseleitung Chassis / Netzteil legen !!!)
Und sonst nix !
KEINE REAKTION auf Drücken der Bedientasten - noch nicht einmal Lämpchen-Flackern ....
Also Maschine aus, kurz ins Servicemanual schauen, ob da noch ne Steckverbindung außer der Verbindung für EOT (End of Tape) fehlt .... Nö, muss so gehen .......
Nochmal einschalten, Stop-Lampe leuchtet - sonst keine Reaktion .....
Eben noch fix nachprüfen ob die 18 Volt für das Logikboard anliegen - jau, sind in voller Pracht da ...
Dann hat das Logik-Board wohl einen Schaden, obwohl der INIT sprich Bremsmagnet wird geschaltet und Stop leuchtet funktioniert. Lediglich die Tasten und die daraus resultierende weitere "Verarbeitung" will nicht.
Dann ist da zumindest noch "Leben" in dem Board. Ganz tot wäre schlimmer ....
Nur wie jetzt weiter ??
Erstmal Logikboard raus, dann ggfs. Adapter bauen, so das das Board außerhalb der Maschine geprüft werden kann. Alles andere (Messen in der Maschine im eingebauten Zustand) wird wohl jetzt nicht zielführend. Und dann schauen woran es hängt ....
Und dann die Katastrophe !
Irgendwie beim Ausbau vom Logikboard (das Seitenteil war ab, da sich das Logikboard dann besser montieren lässt) mit dem Ärmel am Board hängen geblieben .........
KNACK !!!
Und die Logikplatine ist in der Mitte glatt durchgebrochen .
In dem Moment war dann mal alles "zappen-duster". Arbeit für die Katz ....
Also die beiden Bruchstücke mal angeschaut - kein Trümmerbruch - glatt durch.
DAS ist reparabel !!!
Wird zwar Aufstand aber in der Maschine steckt mittlerweile zuviel Arbeit und Zeit, zumal das Mainboard auch schon vormontiert ist.
Im Prinzip jetzt eine 9100 mit Fehler an der Laufwerkslogik und kein "nasser Kellerfund" mehr.
Und so schaut es jetzt mit dem Logikboard aus:
Der Kleber kann jetzt über Nacht durchtrocknen, morgen dann in Ruhe dabei .....
Falls irgend jemand noch ein Logikboard für eine 9100 über hat - ich kenne da einen Abnehmer .....
to be continued
beste Grüße
Christian
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Also weiter mit dem "Drama" .....
Das Malheur von gestern ist passiert und passiert ist nun mal passiert. Aber aufgeben ?? Eigentlich noch nicht ...
Was macht denn der "Patient" nun ?
Wie gesagt, die beiden Hälften haben gestern Kleber gekriegt und durften über Nacht trocknen.
Heuet mal mutig die Schraubzwinge entfernt und siehe da .....
Die Hälften halten zusammen !!! Leiterbahnen liegen Stoß an Stoß, DAS ist reparabel ....
Und jetzt ganz vorsichtig die Leiterbahnen wieder verbinden und irgendwie zusätzlichen mechanischen Halt in die Kiste bringen ....
DAS WIRD LUSTIG - aber lösbar !
Reiner Zweckoptimismus ....
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Momentan steht die Maschine mehr oder minder zusammengebaut in der Werkstatt und wartet auf das Logikboard ....
Sieht schon wieder aus wie eine Bandmaschine, Gehäuseteile sind in Teilen schon aufgearbeitet, ebenso die fehlenden Steckplatinen für Löschoszillator, Playback - / Record-Amp, Line-In / Line-Out.
Der "Folierer" des Vertrauens macht gerade neue Beschriftungen für die Frontplatten. Warum dieses ?? Die Fronten der 9100 sind Alu-Eloxiert und die "Rostflecken" auf dem Alu gehen mit Polieren nicht raus ..... Also werden die mit 1000er Stahlwolle geschliffen und kriegen dann eine neue Beschriftung.
Und in diesem Zustand/Fortschritt der Maschine jetzt aufhören wegen einer Logikplatine ??
Es widerstrebt einem.
to be continued
beste Grüße
Christian
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Soderle,
trotz des "Malheurs Logik-Board" es geht weiter .....
Das Logik-Board liegt zur Zeit mal an der Kante - aus nachvollziehbaren Gründen ...
Aber irgendwie musste mal was "Positives" geschehen, also mal den Löschoszillator überarbeiten. Der ist wenigstens "bruchfest" ...
Hier erstmal das Schaltbild:
Eigentlich nix wildes. Bei einer normalen Revision wären Elko und die beiden Emitterwiderstände der BD175/BD176 betroffen.
Aufgepasst werden muss auf den N-FET 2N5458 ein bischen. Der ist ohne großen Aufstand nicht einfach zuersetzen. Also solange der tut, tut der.
Einmal alt, einmal neu.
Auch hier wurde das Board neu bestückt, bis auf den N-FET Q1 und die Kondensatoren C1,C2,C3,C6 und C12.
Die beiden "End-Treiber" BD175/BD176 wurden durch BD177/BD178 ersetzt. Ber BC148B ist jetzt ein BC548B.
Anmerkung zu dem Transistor BC148 bzw. BC 1xx:
Diese Typen werden rigoros durch BC 5xx ersetzt !
Der Löschoszillator wird links neben dem Netzteil auf dem Mainboard A1 gesteckt und die Kühlfahne der BDxxx an das Chassis geschraubt. Thermisch gesehen gibt es bessere Lösungen, deshalb kurzum die BDxxx samt Emitterwiderstände ersetzt.
Das sieht wieder "vertrauenswürdig" aus ... aber funktioniert er auch ??
Also fix den "Motoren-Prüfstand" gebaut:
- einmal Werkstattnetzteil auf 27 Volt eingestellt
- vier Drähte auf der Rückseite an die Steckkontakte 1 - 4 gelötet
- Oszilloskop dran
Das Board A6 hat vier Steckkontakte:
Pin 1 Masse
Pin 2 Ausgang Löschoszillator
Pin 3 + 27 Volt unsymmetrisch
Pin 4 Schaltausgang
Damit der Löschoszillator bei Aufnahme auch tut was er soll, nämlich die Löschspannung liefern - wird dieser über Pin 4 über das Logikboard nach Masse geschaltet. Im Prinzip wird dann der N-FET eingeschaltet .... und muss die Löschspannung am Ausgang Pin 2 liefern.
Werkstattnetzteil eingeschaltet:
Und es arbeitet !! Das Board A6 kann somit funktionsgeprüft verbaut werden !
Was Positives zum Wochenende .....
Und eh es vergessen wird, diese "Mimik" gilt ebenso für die gesamte Serie 9x00 und 10X. D.h. bei Problemen mit der Aufnahme und der Annahme es sei der Löschoszillator oder dessen Umfeld kann dieser so geprüft werden.
Das Logikboard liegt wie gesagt momentan an der Kante. Hier gilt es, dieses erstmal mechanisch zu stabilisieren. Nicht das das nochmal bricht .....
to be continued
beste Grüße
Christian
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26.11.2024, 19:34
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.11.2024, 14:42 von wamamebo.
Bearbeitungsgrund: leerzeilen eliminieren
)
Das "Drama" geht weiter, aber es zeichnet sich ein glückliches Ende ab.
Durch Zufall noch über eine 9100 gestolpert und auch bekommen. Aus der wird das "geschredderte" Logikboard entnommen und in den Patienten transplantiert.
Damit ist die Arbeit und Zeit nicht für die Katz !
Bis die zusätzliche 9100 hier, dauert es leider ein paar Tage mehr ...
Aber in der Zwischenzeit können dann Gehäuseteile überholt und montiert werden.... Irgendwas ist immer ....
Zunächst weiter mit der "elektrischen" Baustelle:
Die 9100 hat neben dem steckbaren Löschoszillator ja noch die steckbaren Karten für
- Input Amplifier
- Output Amplifier
- Record Equal. Amp
- Playback Equal. Amp
Komischerweise fehlt im Servicemanual der 9100/9200 der Schaltplan für den Input-Amplifier.
Dieser findet sich im Servicemanual der 10X !
Deshalb - falls noch nicht erwähnt - alles was die Series 9x00 angeht, gilt auch für die Serie 10X. In Teilen identische Baugruppen uvm.. Es ist ein Metallbaukasten !
Die Steckplätze dieser vier Karten befinden sich an gekennzeichneten Steckerleisten auf dem Mainboard. Sind sie gesteckt, so werden sie zusätzlich mittels einer langen Halteschiene von oben fixiert.
Bei einer normalen Revision wären die Kondensatoren betroffen und das war es dann auch schon ... Trimmer etc. sind auf diesen Karten nicht vorhanden (Ausnahme: Dolby-Karten).
Ist jetzt eine Karte überarbeitet worden, so kann und sollte sie getestet werden. Also mal wieder "Motorenprüfstand" bauen. Allerdings diesmal NF-Signalgenerator und NF-Millivoltmeter dabei ...
Es werden also benötigt:
- Werkstattnetzteil
- NF-Signalgenerator
- NF-Millivoltmeter
- Oszilloskop (wer hat ...)
Der Testaufbau sieht dann - einmal exemplarisch für das Board A8 Output Amplifier- ungefähr so aus:
Und hier das Resultat:
Der NF-Signalgenerator speist ein, Spannungskontrolle der Eingangsspannung mit NF-Millivoltmeter, Oszilloskop an den Ausgang
und er tut ....
Diese Art der Prüfung kann mit jeder Steckkarte vollzogen werden, so das nur geprüfte Karten gesteckt werden. Bleibt dann bei einer evtl. Fehlersuche nur noch das Mainbord oder die Schalter übrig .... Oder die Steckerleisten ....
Grundsätzlich kann dieses Verfahren auf die Serien 9x00 und 10X angewandt werden !
Unabhängig einer Revision hilft das ungemein bei einer evtl. Fehlersuche !!
Nachfolgend die PIN-Belegungen der einzelnen Steckkarten inkl. der Pegel (soweit im SM angegeben):
Zu den Steckkarten A7 Record Equal. Amp und A11 Playback Equal. Amp folgender Hinweis:
Diese beiden Karten arbeiten im Standard (also ohne weitere Beschaltung) mit der Entzerrung für 19 cm/s.
Soll jetzt die Entzerrung für 9,5 cm/s z.B. am Board A7 Record Equal. Amp geprüft werden, so ist dort PIN 7 über einen Widerstand von 100 Ohm mit + 27 Volt zuverbinden. Siehe hierzu auch die Belegung der PIN an den Karten.
Und damit ist das "elektrische" durch ! Steckkarten montieren und dann die Reste wie Bremse, Einmessen .....
Hier ist jetzt erstmal warten auf ein neues gebrauchtes Logikboard (hoffentlich heile) angesagt und dann geht es weiter ....
beste Grüße
Christian
PS.: Und irgendwie ärgert mich der Editor gerade mit Leerzeilen ....
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26.11.2024, 22:09
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 26.11.2024, 22:10 von moxx.)
Wow, Christian, meinen allergrößten Respekt für die Akribie, mit der du zu Werke gehst.
Ich kann das gut nachvollziehen, hier steht eine 10-XD 2-Track, wo jemand den Capstanmotor samt Regelelektronik rausgeworfen und dafür einen riesigen AC-Motor von AKAI eingebaut hat.
Mit dem Ergebnis, dass die Maschine statt 9,5/19/38 jetzt mit 4,75/9,5/19 läuft.... :-(
Weiterhin viel Erfolg und hoffentlich klappt der Einbau des Logik-Boards aus der im Zulauf befindlichen TANDBERG.
Groetjes, Frankie
Hau wech, den Schiet - aber sech mir, wohin
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Hallo Christian,
Ich hätte genauso gehandelt.
Ich weiß ganz genau, dass Du das schaffst.
Du hast jetzt schon soviel Energie in das Projekt reingesteckt.
Es gibt kein ZURÜCK mehr!
Lass die Kiste wieder laufen!
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Ja, auch hier geht es weiter ...
Mittlerweile ist die "Ersatzmaschine" hier. Hat einen langen Weg von Wien hinter sich ...
Zustand der Ersatzmaschine:
- kleiner Transportschaden (aber ignorierbar)
- sie tut
- Logikboard ist heile und funktioniert
- allgemein Zustand gut, also keine "vermackten" Fronten, alle Bedienkappen Schalter etc. heile
- Mechanik Crossfield-Kopf "verharzt"
Also die Maschine mal näher inspiziert:
Jo, eine ganz frühe 9100.
Wickelmotoren sind Papst-Außenläufer !!
Platinenstand des Logikboards ist xxxxxx-1, das defekte Board hat xxxxxx-2 !!
Damit passt das Logikboard xxxxxx-1 NICHT !
Der Unterschied liegt hier in der Steuerung des Löschoszillators !! Bei Revisionstand -2 erfolgt dieses über eine PNP-Schaltstufe UND Zenerdiode, bei Revisionsstand -1 NICHT !
Was nun ??
Nach kurzem Nachdenken wird jetzt bei der Ersatzmaschine das Mainboard plus Logikboard revidiert, so dass hier wieder die Stimmigkeit zwischen den beiden Boards gegeben ist und die Ersatzmaschine wird wieder fit gemacht. Alleine schon weil es eine frühe Maschine ist.
Der "nasse Kellerfund" dient dann als "Test-Maschine" für die neue Laufwerkssteuerung a'la µController.
Somit sind die Arbeiten nicht für die "Katz" ....
Dieses "Nicht-Passen" ist eigentlich auch bezeichnend für die Norweger:
Man muß schon mitunter richtig aufpassen. Beispiel TD20A: Es gibt immer einen abgestimmten Platinen-Revisionsstand bei der TD20. Die "frühen" haben Stand xxxxxx-1 / -2 sowohl für Audio- wie auch Logikboard. Und nur die "harmonieren" ! Also Revisionsstand Logikboard TD20 xxxxxx-3 passt nicht an Audio-Board xxxxxx-2. Da muss der Revisionsstand Audio-Board mindestens xxxxxx-3 sein.
Nur am Rande: gilt auch für die Tandberg-Receiver, aber da nicht so ausgeprägt. Ist ne andere Baustelle ....
Langer Rede, kurzer Sinn:
Es wird .... aber dauert noch bis Bremsen und Einmessen dran ist ....
Zumal parallel noch eine "Baustelle" in Arbeit ist ....
to be continued
beste Grüße
Christian
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Und täglich grüßt das Kompatibilitätsmurmeltier....aber das gibts leider oft:
- Telefunken M15a da gibts 1er und 11er Karten bei der Steuerung...
- Telefunken M20/ M21 da gibts 12er 13er 14er Karten... Und das Gemeine: Im Layout der Platine steht 13 und auf einem Zusatzaufkleber 14...
- Von Studer ganz zu schweigen. Die hatten noch mehr Hardware und Softwarestände.....
Aber was soll man sagen: Sonst wäre es ja nicht unser Hobby und würde uns nicht so sehr mit Stolz und Freude erfüllen, wenn man es dann trotzdem hinbekommt :-)
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