UHER 722 Transistor, mauer Graus oder graue Maus? Ich habe es wieder.
#1
Hallo,
damit fing es bei mir an:

   

1978 hatte ich so eines von einem Bekannten meines Vaters geschenkt bekommen, mit der Bemerkung, es wäre
(andere Bezeichnung für Haufen).
Als Bastel-Schüler egal damals, her damit. Ein UHER 722 Transistor. Griff und Tonkopfabdeckung fehlten leider, sehr ärgerlich, aber ich musste es hinnehmen.
Bei meinem Neuankömmling ist (bis auf das UHER-Logo auf dem Deckel und dem Kabelfachdeckel) alles dran, sehr schön.
Zustand für so eine alte Krücke erstaunlicherweise ganz ok.
Das Design ist, nett ausgedrückt, sachlich und zurückhaltend, je nach Geschmack aber auch mauer Graus.
Anfang/Mitte der 60er musste das wohl so. Jetzt nicht rumgemeckert, für d e n Preis sowieso nicht, der war nämlich eher symbolisch.

Zeig' her jetzt:

   

   

So, alles reparabel auf denn ersten Blick.
Mit dem Modell hatte ich damals viele gute Aufnahmen gemacht, Halbspur-Mono mit 19cm/s.
Die Bänder habe ich noch heute, das war vor der Shamrock-Zeit, alles BASF DP 26 damals gekauft, die waren teuer!
Bei Interesse geht der kleine Bericht weiter, die Tage aber erst.
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#2
Hey, das ist doch gut erhalten, da fehlt nur ne Reinigung.
Der Kabelfach-Deckel fehlt immer bei dieser Serie, weiß der Geier. Dafür ist das Zierblech auf dem Kopfhaus noch dran, das verschwindet nämlich auch gerne.

Diese Geräte sind ziemlich problemfrei, mit einer Ausnahme: das Reibrad zur Schwungmasse. Meistens ist es unrund oder beulig und dann rappelt die Kiste wie ein alter Diesel. Das gilt leider für alle Modelle der 700er Geräte, inklusive Royal. Und das Rad von den späteren Modellen (Variocord, RdL) passt natürlich nicht.

Daher viel Glück, und wenn es gut ist, viel Spaß!

VG Stefan
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#3
Das Rad ist laut, hatte der VK aber auch vorher geschrieben. Kriege ich hin. Leider ist die Andruckrolle quasi auskristallisiert, da muss ich meine Grabschkiste mal bemühen. Der Dreikantriemen steht kurz vor dem Ableben, auch kein Problem. Es scheint auch noch zu spielen, schaun wir mal. Ansonsten ist es tatsächlich noch recht ok.

Aber: Es schien auch damals nur bei Männern beliebt gewesen zu sein. Im Katalog links unten:

Der feine Herr sitzt knülle im Sessel und besieht sich seine selbst vertonten Schweinebilder, die Frau kommt zufällig rein und vergießt bittere Tränen:

https://www.hifi-archiv.info/Uher%20Kata...and/05.jpg
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#4
Von dem Kommentar wäre der feine Herr sicher nicht angetan thumbsup thumbsup
Strom kann erst fließen, wenn Spannung anliegt
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#5
Furchtbar:

https://youtu.be/5CdNfsbn-4Y?si=eEJPzDt3ojEg9I04

Die Zwischenrolle konnte ich durch Beischleifen beruhigen

Von innen sieht es noch ganz gut aus, Baujahr '65 wurde aufgestempelt.

   

Nur:

https://youtu.be/90jcSwCZ58E

Der Motor! Wie später bei den Variocörden (ist auch der Motor)

Darf das nach 59 Jahren? Anselm?
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#6
Nana Peter,

so hässlich ist es nun auch wieder nicht. Und auch gibt es lautere Motoren und Antriebsräder...

Interessant finde ich aber die Design-Entscheidung "gähnende Leere" so knallhart durchzuziehen mit den wenigen scheinbar endlos voneinander entfernten Bedienelementen.
Da wirken sogar die Grundigs mit noch weniger Reglern geradezu überladen mit Bedienelementen.

VG
Andreas
Festina lente!

Motto der SN-Sammler: Irgendwann haben wir sie alle...
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#7
Hallo,
ich nehme mal an, dass die Designer und auch die Kunden in den frühen 60ern genug vom "Gelsenkirchener Barock" hatten, keine Goldleisten und Farbspielereien mehr. Erst kam Cremefarbe, dann Grau. In Grau.
Aber: Hopp, waren die ersten Zierratspielereien wieder da. Zunächst Zierleisten in Alu, erst matt, dann glänzend.
Gefolgt von Holzimitat (mit Glück echtes Holz, leider auch Tropen-).

An das Grau kann ich mich noch erinnern. Mein Opa hatte grundsätzlich einen grauen Kittel an, darunter graue Strickjacke, graue Hose, graue Mütze. Was fuhr er? Zunächst einen grauen Goggo, dann einen grauen VW-Käfer Standard.
Zäune und Holztüren wurden mit Olfarbe angestrichen: Grau. Immerhin waren die Lokusdeckel damals schwarz, das Papier war aber auch grau.
Der Großonkel hatte ein Milchgeschäft, er fuhr einen Ford 12M Kombi ...grau

Dann kam immer der Eiermann, ein Opa mit grauem Kittel, der Eier feilbot, sein Auto ein grauer Opel Rekord Kombi. Ich kannte schon als Zwerg alle Automarken genau.
Der Lottostellenmann kam mit einem NSU-Prinz an, grau.
Der Herr mit Hut aus der Nachbarschaft machte einen auf vornehm und fuhr einen Heckflossenmercedes...ja, auch der war grau.
Mein Vater hatte dann den Mut, seinen grauen Weltkugel-Taunus verschrotten zu lassen und sich einen perlweißen Käfer-Jahreswagen zu holen, der dann von einem babyblauen VW 1600 Variant-Familienwagen abgelöst wurde.
Wir Kinder konnten endlich die entsetzlichen Kniebund-Lederhosen gegen Jeans und bunte T-Shirts und Pullover tauschen.
Sogar der Opa hatte dann einen hellblauen Käfer 1302. Kitteltreu war er aber bis zum Ende.

>Die gähnende Leere-Geräte konnte z.B. SABA aber auch, wie bei UHER, das Halbspur-Basisgerät mit nur einer Geschwindigkeit war innen sehr übersichtlich.

Wer es noch nicht kennt, hier sind alle Artverwandten von innen:

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...Revolution
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#8
Das Schnarren des Motors... ist das nicht einfach das Lager?

Hast du das Zwischenrad einfach an Ort und Stelle mit Schleifpapier bearbeitet?

Ich finde diese Grau-Reihe® auch nicht hässlich.  Wenn sie (und das ist Bedingung) gut erhalten sind, haben sie schon eine schlichte Eleganz.
Gähnende Leere: Ja, das ist beim Basismodell 702 noch krasser.
Letztlich trug ja dieses Chassis alle Modelle vom 702 über das Royal 782/784 bis hin zum hifi 22spezial. Da waren Bedienpanel (und Gerät) vollgestopft. Man kann ja daher auch tatsächlich sagen, das Grundmodell für 295 DM hatte fast* das gleiche Laufwerk wie das Flaggschiff für 1100 DM. Das ist schon ein Wort.

*Royal und 22spezial hatte einen besseren Motor, letzteres sogar einen Pabst Außenläufer.

Die nachfolgende und technisch gleiche Reihe 7xx L ist zwar attraktiver, dafür ist der Holzkoffer mit Fake-Holzfurnier-Folie beklebt, was ich wieder ganz furchtbar finde. Die ersten Exemplare der L-Reihe wichen davon ab: Bei ihnen waren die Kunststoff-Seitenteile weiß und das Gehäuse mit schwarzgenarbter Folie bezogen.


So wurde die Reihe 1964 vorgestellt - dabei fehlen in dieser Vielfalt noch 723 und 724 Stereo.
   
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#9
Das Schnarren: Ja, wenn ich es genau wüsste. Der Läufer scheint nicht ruhig umherzulaufen, er tänzelt auch noch horizontal und verstärkt damit noch das Schnarren. Auch bei guter Schmierung. Manchmal hilft esn den Motor auf eine Resonazunterlage (Schuhkarton ) zu legen und dann den Läufer mit dem Angerbügel vorisichtig neu zu zentrieren. Das kann das Schnarren minimieren.
Mein erstes 722 (das ich zwar hässlich finde, aber mag, weil damit schöne Erinnerungen verknüpft sind) hatte schon 1978, als es ja noch gar nicht so alt war, dieses Schnarren.

Ich habe ja reichlich von den Geräten (bis auf das Eltropa exclusiv) und kann wählen, am edelsten aus der Serie finde ich das erste Royal, dessen Grau noch gediegen ist und die Aluverkleidungen satiniert und nicht grob gebürstet. Feiner gearbeitet als die einfachen Geräte. Das U-Matic ist auch noch in dieser Machart. Auch deren Koffer (buckliger Deckel) sind noch präziser gearbeitet. Später musste wohl mehr gespart werden. 22 und 24 Special laufen herrlich ruhig, die waren mit ihrem Papst-Motor natürlich
eine ganz andere Liga, genau wie später Variocord und RdL.



Zu den L-Modellen habe ich keine Jugenderinnerungsbeziehung, die liefen mir erst später über den Weg.

Vor gefühlt 50 Jahren habe hier schon mal ein 724 seziert. Hier der alte Post:

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...en+Gestalt
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#10
Moin aus Hamburg!

Darf ich die Frage aus # 8 noch einmal aufwerfen?

Hast du das Zwischenrad einfach an Ort und Stelle mit Schleifpapier bearbeitet?“

Grüße

Hannes
Meine Elektronik-Kenntnisse: Ich löte nach Zahlen Smile
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#11
Interessant, dass die Automatic 6 Stunden Spielzeit kostet. Stehen beim 704 L 12 Stunden Wiedergabezeit sind es beim 711L nur 6 Stunden. Ist dann wohl Halbspur. Typisch auch. sobald eine einfache Bedienung beworben wird, drückt eine Frau auf die Taste.
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#12
(07.10.2024, 16:41)PSMS schrieb: Darf das nach 59 Jahren? Anselm?

Ha, mein Stichwort. So eine 722 habe ich auch mal bei einer Weihnachtsfeier gewonnen. Verkauft und Aufpreis für eine Royal bezahlt. Ich bin also bar jeglicher 722-Erfahrungen.

Gruß, Anselm
Früher war mehr UHER. Cool Meine UHER-Erinnerungen
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#13
(14.10.2024, 18:01)Anselm Rapp schrieb: Ha, mein Stichwort. So eine 722 habe ich auch mal bei einer Weihnachtsfeier gewonnen. Verkauft und Aufpreis für eine Royal bezahlt.

Eine 722? War das kein(e) Variocord, die Du damals gewonnen und gegen eine Royal getauscht hast?

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...26#pid7726
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