27.09.2024, 08:41 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.09.2024, 08:43 von nick_riviera.)
hallo,
vor einigen Jahren bin ich über den Riesen Radiorecorder HiFi Studio 1 dazu gekommen, die Firma Telefunken doch mal ins Auge zu nehmen, und gestern hatte ich erstmals das Vergnügen, ein Magnetofon 3000 geöffnet vor mir liegen zu haben.
Telefunken hat ja nicht den allerbesten Ruf bei den Heimtonbandgeräten, was eigentlich merkwürdig ist bei einem Hersteller, der im Studiobereich quasi die Referenz war. Umso erstaunter war ich über das Innenleben des Magnetofon 3000 - ein intelligent und servicefreundlich konstruiertes Zweimotoren-Dreikopfgerät, das sich meiner Meinung nach nicht hinter Braun und Co. zu verstecken braucht. Die Dinger tauchen immer wieder mal als Kellerleichen auf, ein Schlachtgerät habe ich neulich vor dem Wertstoffhof gerettet, und nächste Woche hole ich ein 3002 ( das mit dem eingebauten Verstärker ) aus einer Haushaltsauflösung ab. Beim Schlachtgerät habe ich dann aber gemerkt, dass es, wenn nichts abgebrochen ist, kaum was zum Schlachten gibt - selbst Kellerleichen sind scheinbar in einem Zustand, wo es sich lohnt, sie wieder zum Leben zu erwecken.
Bei mir wird das 3000 Teil einer kompletten Telefunken Anlage mit dem Receiver Opus 6060 und zwei Boxen TL700 als Zentrale. Hier spielen dann auch noch ein Magnetofon C3300 und ein Plattenspieler S500. Die Anlage von etwa 1974/75 ist so schick, dass ich mich frage, wieso Telefunken eigentlich bis heute so ein schlechtes Image hat. Klar haben die wie jeder Großserienhersteller auch Gurken gebaut, alleine schon, weil der Markt billige Gurken haben will, aber es gibt auch wirklich viel herausragendes. Das Magnetofon 3000 / 3002 ist ein echter Tipp.
Fotos folgen, was ich noch brauche, sind weitere Telefunken Metallspulen ( zwei hab ich ), denn wie bei Braun sind hier die Spulen Teil des Designs. Und die Hauben sind Telefunken typisch an den Scharnieren immer gebrochen. Mich würde mal interessieren, was Ihr zu den Geräten meint.
27.09.2024, 15:20 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.09.2024, 20:11 von timo.)
Normalerweise finde ich Telefunken-Tonbandgeräte fürchterlich (die Heimgeräte, wohlgemerkt, die Profi-Geräte kenne ich nicht), aber mein M3002 habe ich in guter Erinnerung behalten (wenn auch verblassender, ich habe es vor über 30 Jahren abgegeben). Es war zwar an einigen Punkten noch Luft nach oben, aber es lief und klang wirklich gut, und ich fand es auch optisch und haptisch ansprechend, und es machte Spaß.
Schade irgendwie, dass die Firma nicht noch einen dreimotorigen Großspuler "M4000" in gleicher Machart nachgeschoben hat. Und auch nicht so richtig nachvollziehbar, das Know-How lag ja in der Schublade.
Habe ich auch nie verstanden, TELEFUNKEN hätte beispielsweise doch nur die (ab ca 1970 !) vorhandene M-28 etwas "downgraden" müssen und schon
hätte man einen astreinen Heim-Großspuler gehabt, der bei entsprechenden Stückzahlen auch sicher zu einem bezahlbaren
Renner hätte werden können.
27.09.2024, 15:42 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.09.2024, 17:10 von Wenni.)
Die Professional - Geräte (M28, M15A etc.) kamen erst aus Wedel, ab 1960 dann aus Konstanz (Unternehmensbereich Professionelle Magnetbandtechnik), die Consumer - Geräte kamen immer aus dem Gerätewerk Berlin - Schwedenstraße (Unternehmensbereich Unterhaltungselektronik, die Zentrale war in Hannover). Die UB's hatten nichts miteinander "zu tun". Ob die überhaupt miteinander geredet haben oder ob es Absprachen gab (z.B. Berlin fertigt keine Großspuler), ich weiss es nicht. Ich war ein paar Jahre bei AEG - Telefunken beschäftigt, was ich mitbekommen habe war, dass die einzelnen Unternehmensbereiche kaum etwas über die anderen UB's wussten.
(27.09.2024, 15:42)Wenni schrieb: Die UB's hatten nichts miteinander "zu tun".
Das macht für mein Verständnis aber nichts besser oder nachvollziehbarer. Es gab doch eine Konzernspitze, die vermutlich mühelos hätte anordnen können: Ihr setzt Euch jetzt mal zusammen an einen Tisch und konstruiert den A77-Killer. Was aber offenbar nicht passiert ist.
das M3000 war das erste Bandgerät, das ich bewundern und auch bedienen durfte.
Mein Onkel hat s mir dann 2019 im desolaten Zustand übergeben. Ich hab s mit Forenhilfe wieder flott gemacht und dann 2020 dem Museum (Wolfgang) übergeben.
Leider kam es dort nicht funktionsfähig an, ich hoffe, daß ein Techniker den (Transport-) Mangel richten konnte und sie wieder spielt. Wäre sonst schade, weil sie war ein Neukauf meines Onkels, also erste Hand.
Ich mag die Optik, die Haptik (das knallen des Zugmagneten), der Klang war auch sehr gut.
Deine M3000-Spende wird zur Zeit noch auf der "Lagerschiene" verwaltet.
Wann es in die Werkstatt kommt und nach der Ursache für die Verweigerung
geforscht wird, kann ich leider nicht sagen. Nun, es wird schon noch...
Toll, ich wäre wenig erfreut etwas einem Museum zu übereignen und dann landet es im Depot. Ist wohl bei vielen Museen so. Aus Gründen der Gemeinnützigkeit dürfen sie gespendete Geräte auch nicht verkaufen, sagte man mir in einem Radiomuseum.
27.09.2024, 22:35 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.09.2024, 22:39 von timo.)
Frage: Wir schreiben das Jahr 1974, und ihr betretet das HiFi-Geschäft Eurer Wahl mit der Absicht, einen Viertelspur-Kleinspuler zu kaufen. Überrascht erfahrt Ihr dort, dass die letzten beiden erhältlichen Modelle das Uher Royal SG 560 und das Telefunken M3000 sind. Beide sind gleich teuer. Welche nehmt Ihr?
Ich presche mal vor: Ich glaube, ich würde das Telefunken nehmen.
28.09.2024, 07:42 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.09.2024, 08:13 von cisumgolana.)
Hallo "Akreta"
Einerseits kann ich Dich verstehen, aber die Realität
sieht (zwangsweise) anders aus.
Ich kann ja nur für unser Museum dazu schreiben.
Und da ist es so, daß ALLE Exponate die meiste Zeit
im Depot verbringen müssen. Wie sollen sonst bei der
begrenzten Ausstellungsfläche alle Geräte mindestens
1x im laufe der Jahre gezeigt werden?
Daran ist nicht zu rütteln, soll die Ausstellung nicht für
die Ewigkeit in Stein gemeißelt sein. Sonst kommen
interessierte Besucher nicht wieder, weil der Anreiz
Neues zu entdecken fehlt.
Außerdem werden manche Spenden von vorn herein als
Reserve-/Ersatzteilträger angenommen. Das wird dem
Spender aber auch mitgeteilt.
Wenn Du das nicht möchtest, gibt es ja andere Möglichkeiten.
Und wenn nichts davon greift, winkt der Wertstoffhof...
Gruß
Wolfgang
Nachtrag:
Wie sieht die Alternative aus (wenn alle Exponate gleichzeitig prä-
sentiert werden)?
Ein hohe Packungs-/Stapeldichte, die die Besucher förmlich mit
ihrer schieren Zahl quasi erschlägt. Ich kenne Museum, die die
Tendenz dazu haben.
Wir wollen dagegen eine Ausstellung, in der einzelne Geräte nicht
einfach "untergehen". Das ist nicht einfach.
Auch bei uns sind m. E. zu viele Geräte in der Hauptausstellung.
Aber, wir arbeiten daran, die Ausstellung im Sinne der Besucher so
zu gestalten, daß die Ausstellungsstücke auch wahrgenommen
werden können.
(27.09.2024, 22:35)timo schrieb: Frage: Wir schreiben das Jahr 1974, und ihr betretet das HiFi-Geschäft Eurer Wahl mit der Absicht, einen Viertelspur-Kleinspuler zu kaufen. Überrascht erfahrt Ihr dort, dass die letzten beiden erhältlichen Modelle das Uher Royal SG 560 und das Telefunken M3000 sind. Beide sind gleich teuer. Welche nehmt Ihr?
Ich presche mal vor: Ich glaube, ich würde das Telefunken nehmen.
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Das Telefunken sieht schick aus, das Uher hat aber das bessere Image. Uhers spielten in Schulen, Behörden, beim Rundfunk und bei Musikern, ein Telefunken 3000 fand man eher in Papas Schrankwand oder im Partykeller. Von diesem Image ist die Heimsparte von Telefunken nie weggekommen, und irgendwie wollte man das scheinbar auch gar nicht.
(28.09.2024, 19:27)nick_riviera schrieb: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Das Telefunken sieht schick aus, das Uher hat aber das bessere Image. Uhers spielten in Schulen, Behörden, beim Rundfunk und bei Musikern
Es bot durch die integrierten Trickeffekte ja auch viele Möglichkeiten, gerade Musiker (und Musikschulen) dürften davon profitiert haben. Das Telefunken ist, wie Du ja auch schreibst, eher was für den HiFi-Schrank. Effekte wie Multiplay lassen sich da, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, nicht mal durch externe Verkabelung herstellen.
Meine Erfahrung mit dem Uher ist aber: Man probiert die Trickeffekte am Anfang einmal aus Neugier aus, und danach nimmt man das Ding halt zum "normalen" Aufnehmen und Wiedergeben. Das kann das Telefunken m.E. besser.
Das Jahr stimmt in etwa und ich musste mich zwischen dem Telefunken 304 TS und dem UHER Variocord 263 Stereo entscheiden. Es wurde das Uher und ich habe es nie bereut.
Liebe Grüße
Erhard
Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem. Karl Valentin
(28.09.2024, 21:36)musicus schrieb: Es wurde das Uher und ich habe es nie bereut.
Wenn die beiden zur Wahl gestanden hätten, hätte ich das genau so gemacht. Wie gesagt: Das einzige mir bekannte Amateurgerät von Telefunken, das mich überzeugt hat, ist das M3000/3002.
Das 304 kenne ich nicht, aber wahrscheinlich steckt da ein ähnliches Laufwerk drin wie in den 200ern. Da find' ich das Variocord um Längen besser.
Ich bin erstaunt, dass es soviel Interesse an dem Telefunken-Gerät gibt, denn es kommt heute nicht mehr so oft in freier Wildbahn vor! Vor einiger Zeit habe ich ein 3002 aus dem Tonbandforum übereignet bekommen und damit schon das eine oder andere Band mit viel Freude abgehört. Mir geht zurzeit der Platz aus und ich würde es an Interessierte aus dem Forum weitergeben (aber nicht zur Geldmehrung!). Aus der gleichen Quelle wie das Gerät habe ich die passenden Lautsprecher erstanden und die fehlende Staubschutzhaube, fehlende Kabelfachklappe und eine passende Leerspule habe ich aus anderer Quelle erwerben können. Damit ist das Gerät komplett und sofort einsatzbereit.
Sollte jemand ernsthaftes Interesse an dem Gerät haben, würde ich meine Auslagen nennen und dann wird man sich bestimmt handelseinig. Falls du, Wolfgang @Cisumgolana, Interesse für das Museum hast, würde ich es dir unentgeltlich als Spende nach Witten mitbringen!
29.09.2024, 12:22 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.09.2024, 12:25 von nick_riviera.)
@Darwin - musst Du die Leute immer so in Versuchung führen ? ;-)
Wenn ich nicht gerade selber im Chaos sitzen und ein anderes 3002 schon gekauft hätte, würde ich mich in die Reihe stellen, weil Deins absolut komplett ist. Ich habe es bei meinem Grundig TK850 erlebt, dass es schwerer und teurer war, die Boxen zu finden als das Gerät selber, und dass ich für die Haube ein ganzes TK 745 Schlachtgerät kaufen musste, das jetzt traurig im Keller steht, weil es eigentlich zum schlachten zu schade ist.
Vielleicht nimmt es ja das Museum, dann hätten viele Leute was davon.
29.09.2024, 13:38 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.09.2024, 13:41 von timo.)
(29.09.2024, 09:45)Wenni schrieb: Multiplay, Echo kann das M3000/3002 auch, es sind ja 3-Kopf - Geräte. Um das realisieren zu können, brauchte es ja dann nur zwei zusätzliche Schalter.
Flasche auf mein Haupt, Du hast recht. Es gibt, wie man hier sehen kann, sogar einen Schalter dafür, externe Verkabelung ist also nicht nötig.
Aber nicht jedes Dreikopfgerät kann Multiplay! Für Multiplay muss man einen Kanal wiedergeben und gleichzeitig den anderen Kanal aufnehmen können. Ein normaler Spurumschalter, der Aufnahme und Wiedergabe zusammen umschaltet, reicht also nicht. Eine Philips N4504, obwohl dreikopfert, kann also kein Multiplay, nicht mal mit externer Verkabelung.
(Zumal es ja auch Geräte ganz ohne Spurumschalter gibt, beispielsweise die Akai GX-210 D.)
Wenn das 3002 niemand sonst haben möchte, nehme ich Dein
Angebot im Namen des Muaeums dankend an.
Und wenn Du Dich nicht daran störst, daß das 3002 viel Zeit im
Lager verbringen müßte.
Bei >1000 Exponaten, 200 Ausstellungsplätze und jährlichem
Ausstellungswechsel käme ein Geräte nur alle 5 Jahre in die
jährliche Ausstellung...
Eine damalige Freundin meiner Eltern hatte dieses Gerät im Wohnzimmer stehen. Da stand noch so einiges anderes, erinnern kann ich mich noch an ein Teac C2 Kassettendeck. Ich fand das Teil schon immer klasse, war es doch allein schon optisch schon so viel besser als mein damaliges Tonbandgerät, ein hgs TB-2407.
Sie wusste das ich Teil toll fand.....und hat es mir irgendwann "vererbt". Heidewitzka.
Sie meinte, es steht bei ihr mittlerweile nur rum und wird nicht mehr benutzt. Ihre Audioaufnahmen machte sie mittlerweile via VHS, das sei einfach bequemer handhabbar und platzsparender. Dafür hatte sie zwei Panasonic NV-850 Videorecorder.
Also haben wir das Gerät bei dem nächsten Besuch bei ihr mitgenommen.
Stolz wie Bolle und happy
Das hgs wanderte in den Keller, wo es heute noch bei meiner Mutter steht......
Ich habe das Gerät viele Jahre noch benutzt und diverse Bänder damit bespielt. Das klang auch alles hervorragend, leider waren es Scotch Bänder.
Wie es dann so kommt....Lebensumstände ändern sich, anderes hat Priorität. Nach dem Auszug bei den Eltern, wanderte auch das M3000 in den Keller, aber in den Eigenen.
Igendwann, so vor rund 15 Jahren, wollte ich es wiederbeleben.....wozu es aber keine Lust hatte. Diverse Funktionsstörungen in der LW-Steuerung und auch Ausfälle auf einem Kanal.....ok, dann musst du mich wohl verlassen
dash1.gif (Größe: 17.26 KB / Downloads: 700)
Im Nachhinein ärgert man sich natürlich da drüber, es einfach so weggegeben zu haben.
Vor so rund 12 Jahren habe ich dann die ganzen Scotch Bänder noch mal rausgekramt.....die waren auch fast alle hinüber (weiße Spulen, ich glaube es war 225/226).
Die wanderten alle in die Tonne, so ein oder zwei sind noch hier.
Und die originale BDA vom M3000 habe ich auch noch.
Hier ein Bild von einem Teil meiner damaligen Hifi-Ecke als Jugendlicher....rechts das Telefunken M3000, ganz oben rechts die Schuber der Scotch Bänder.
Den Rest.....erkennt vllt. auch noch jemand
laugh.gif (Größe: 419 Bytes / Downloads: 701)
Eine solide Planung ist die Grundvoraussetzung einer gelungenen Improvisation
29.09.2024, 21:14 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.09.2024, 21:19 von nick_riviera.)
Hat eigentlich noch irgendwer die Telefunken Bänder in diesen sechseckigen Plastikkästen ? Die suche ich schon länger, weil sie auch zur Acusta passen.
Das 3000 / 3002 hat gegenüber dem Uher Royal meines Wissens nur die Geschwindigkeit 2,4cm/sek und die integrierten Lautsprecher nicht. Alles andere an Features ist beim Telefunken auch vorhanden, dazu hat es das intelligenter konstruierte Laufwerk und eine durchdachtere Bedienung. Ich weiß nicht, wieso Telefunken hier nicht offensiver an den semiprofessionellen Kunden rangegangen ist, und vor allem, warum man die Serie nicht weitergeführt hat.
29.09.2024, 22:26 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.09.2024, 22:42 von Wenni.)
Zitat:...und vor allem, warum man die Serie nicht weitergeführt hat.
Im Laufe des Jahres 1976 war bei Telefunken Schluß mit der Produktion von Consumer - Tonbandgeräten. Das ist in zwei Jahren dann auch schon 50 Jahre her.
Ich meine, in den Tiefen unseres Lagers in einer Tonbandkiste
solche Schuber einmal gesehen zu haben. Lange her. Aber, es
kommt ohne mein Wissen nichts, was mit Tonband zu tun hat,
weg.
Versprechen kann ich aber nur, mich nach Saisonabschluß, wenn
das neue Lager aufgebaut ist, und der ganze Krempel endlich re-
gistriert wird, nach diesen Schubern zu fahnden. Werde ich fündig,
melde ich mich bei Dir. Kann dauern...
30.09.2024, 08:23 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.09.2024, 08:23 von Darwin.)
(29.09.2024, 22:28)nick_riviera schrieb: Da haben die dann sehr früh aufgehört, und die ganze Großspuler Prozzo Ära den Japanern überlassen.
Gruß Frank
Hi Frank,
wenn die Stückzahlen nicht stimmen, ist die Produktion nicht profitabel (die vermutlich wegen des Standorts ohnehin schon teurer als anderswo war). Und die logische Konsequenz ist die Einstellung der Produktion.
Ich bin ja noch "recht jung" und erst zu der Zeit, in der Telefunken die Produktion der TB-Geräte eingestellt hat, geboren worden. In unserer Verwandtschaft und im Freundeskreis meiner Eltern hatte niemand mehr eine TB-Anschaffung quasi nach meiner Geburt getätigt, wobei es da vermutlich keinen kausalen Zusammenhang geben dürfte. Das war zu teuer und tot - ich glaube vor allem, weil man Kassetten im Auto und im Radiorekorder mobil abspielen konnte und man damals schon mehrere Kassettengeräte hatte, was wegen der Größe und der Kosten mit TB-Geräten nicht möglich war. Die Älteren mögen mich eines besseren belehren - es ist nur eine Theorie.
Wenn ein Zeitreisender aus der Mitte der 70er Jahre in unsere heiligen Hifi-Gemächer käme, liefen ihm die Augen über... und er würde uns für unermesslich reich halten... und fortschrittlich, weil wir so'n Krimskrams wie Laserplattenspieler haben usw.!
Wohl wahr - ich bin ja ein gutes Jahrzehnt älter, und habe noch die Zeit miterlebt, wo anspruchsvolleres HiFi für die meisten nicht nur teuer, sondern unerreichbar teuer war. Meine spätere Berufswahl und mein Elektronikwissen ist entscheidend darauf zurückzuführen, dass man sich als Schüler die ersten"Stereoanlagen" mit Heinz Richter Fachbüchern aus der Stadtbücherei und Röhrenradioschrott vom Sperrmüll selber bauen musste.
Nichtsdestotrotz hat die Prozzo Welle mit den Großspulern genau in der Zeit getobt, wo Telefunken Schluss gemacht hat, die Japaner haben noch bis in die frühen achtziger gutes Geld damit verdient, bevor auch sie Schluss gemacht haben. Und wenn es einen Hersteller gab, der das Know How für einen "Revox Killer" gehabt hätte, dann doch Telefunken, oder ?
Ich fand das Buch "Made in Japan" sehr interessant, die Autobiografie eines der Sony Gründer, Akio Morita. Auch wenn die Geschichte teilweise etwas sehr pathetisch ist, räumt sie doch mit ein paar Mythen auf. Ein Mythos ist die Theorie, dass Japaner mit Kampfpreisen die Märkte aufgemischt hätten. Die Japaner wollten anders als die Chinesen sofort Gewinn machen, und das haben sie geschafft, indem sie die Deutschen nicht frontal angegriffen haben, sondern die Bereiche gesucht haben, wo die deutschen Hersteller blind waren. Der ganze Bereich Audio wurde von den deutschen Herstellern stark vernachlässigt, weil sie sich Mitte der siebziger mit den großen braunen Farbfernsehern dumm und dämlich verdient haben, und die aus der Kriegsgeneration stammenden Manager in Video die Nachfolge von Audio gesehen habe, und sich niemand vorstellen konnte, dass die heranwachsenden Generationen eher wenig mit Fernsehen am Hut hatten. Als dann die Alten alle ihre Farbfernseher hatten, ging es im freien Fall abwärts, und erst jetzt merkten alle, dass sie ein ganzes Marktsegment weggeworfen hatten. Das Tonbandgerät war sicher ein Produkt, das dieser Blindheit vorschnell zum Opfer gefallen ist. In meinem musikaffinen Umfeld hat sich eigentlich fast jeder in den späten siebzigern noch ein Tonbandgerät gekauft. Die Berge von AKAI Kleinspulern und preiswerteren Großspulern wie dem A77 oder dem GX630 zeugen noch heute davon. So verbreitet die Cassette auch war, hat sie qualitativ erst in den.1980igern wirklich zur Spule aufgeschlossen.
Wenn man mal in Funkschauen aus Mitte der 1970iger rumblättert, kann man lesen, wie fettgefressen und arrogant die deutschen Manager der Unterhaltungselektronik ihre Lage und die Position der Japaner eingeschätzt haben. Dabei hätten sie nur einen Blick über den großen Teich werfen müssen, um zu sehen, was ihnen blüht.
Klar kann man daran heute nichts mehr ändern, man könnte aber doch seine Lehren daraus ziehen, und nicht ein zweites Mal in die gleiche Falle laufen, wie es zur Zeit die Manager der Autoindustrie tun. Geräte wie das Magnetofon 3000 zeigen, dass die Ingenieure schon immer besser gewusst haben, was marktgängig ist und was nicht.
30.09.2024, 15:01 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.09.2024, 15:01 von timo.)
(30.09.2024, 10:28)nick_riviera schrieb: die Japaner haben noch bis in die frühen achtziger gutes Geld damit verdient, bevor auch sie Schluss gemacht haben.
Einige eher kleine japanische Bandmaschinenhersteller wie JVC, Kenwood oder Toshiba haben auch schon in den 1970ern aufgegeben. TEAC hat dagegen tatsächlich bis 1996 die X-300 (R ) und X-2000 (R/M) gebaut.
nicht nur scheinbar gab es sie, ich habe mindestens einen solchen 13er Schuber mit Band & Spule. In den Größen 15 cm und 18 cm dürften es mehrere sein, da könnte ich durchaus welche abgeben falls hier Interesse besteht. Dann schaue ich gerne einmal nach wie viele es sind.
02.10.2024, 07:09 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.10.2024, 07:12 von nick_riviera.)
(01.10.2024, 16:07)Stereo_Record schrieb: Moin,
nicht nur scheinbar gab es sie, ich habe mindestens einen solchen 13er Schuber mit Band & Spule. In den Größen 15 cm und 18 cm dürften es mehrere sein, da könnte ich durchaus welche abgeben falls hier Interesse besteht. Dann schaue ich gerne einmal nach wie viele es sind.
Grüße,
Bernd
Ich - an den 18ern ;-) Ich habe eine komplette Telefunken Acusta, und immer gerne etwas Originalzubehör fürs Regal.
Weiß jemand zufällig, in welchen Boxen die Metallspulen der 3000er Serie verpackt waren ? Die sind in den Prospekten nirgendwo abgebildet.
leider fällt die Ausbeute mager aus: Es sind nur noch drei Schuber hier, auf dessen Bändern auch noch interessante Aufnahmen 'drauf sind. Da muss ich vorher irgendwann schon einmal aufgeräumt haben. Aber vielleicht findet Wolfgang im Museum ja ein paar Stück.
eigentlich hatte ich mir das Gerät bereits Anfang der Woche reservieren lassen, und wollte es morgen abholen - aber der Verkäufer stellt sich nach Zusage seit zwei Tagen taub. Passiert halt gelegentlich bei KA, hängt ja auch nicht das Leben von ab. Ein 3000 habe ich ja, und es soll ja als Teil einer Anlage betrieben werden.
Dafür habe ich von KA gestern was anderes abholen können, einen Plattenspieler S500:
Tonarm heile, System heile, läuft, alle Lämpchen leuchten, muss optisch aufgearbeitet werden, Haube ist defekt, ich habe aber bei Ebay preiswerten Ersatz gefunden. Wie bei den anderen Geräten war ich auch bei dem Plattenspieler überrascht von der Wertigkeit - im Prospekt sieht der Dreher wie eine Plastikkiste aus, und dann hebt man sich fast einen Bruch daran. Die Anlage ist damit komplett:
03.10.2024, 20:46 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.10.2024, 20:46 von nick_riviera.)
Der S500 ist ein Telefunken Eigengewächs mit Ausnahme des Tonarms - der ist von Ortofon zugekauft, und ein Grund, wieso so viele von dem Gerät sterben mussten. Ärgerlich ist das vor allem deshalb, weil das Laufwerk des S500 mit einem absolut geräuschlosen elektronisch geregelten Riemenantrieb und schwerem Teller eigentlich das ist, was der High Ender heute gerne haben will, und meist besser als die Laufwerke, wohin der Tonarm dann verpflanzt wurde.
Die Anlage stammt komplett von 1974/75, und ist noch vollständig Made In Germany. Telefunken hat noch bis in die achtziger Jahre HiFi in Deutschland gebaut, das mit Asien fing erst an, als Thomson sich in mehreren Schritten eingekauft hat. Für mich ist Telefunken "Liebe auf den zweiten und dritten Blick" - Angefangen hat es mit dem Koffergerät HiFi Studio 1, dann kam die Acusta Anlage aus den späten sechzigern und jetzt die aus Mitte der siebziger. Bisher war kein Gerät dabei, das nicht deutlich besser war als die Erwartungen, die ich hatte.
(03.10.2024, 20:46)nick_riviera schrieb: Telefunken hat noch bis in die achtziger Jahre HiFi in Deutschland gebaut, das mit Asien fing erst an, als Thomson sich in mehreren Schritten eingekauft hat.
Da wage ich Dir zu widersprechen. Thomson ist Anfang 1984 bei Telefunken eingestiegen, vor allem die Telefunken-Plattenspieler kamen aber teilweise schon deutlich vorher aus Japan, der TS 850 (1979) z.B. von Matsushita. Bei der R-Serie (ab 1981) waren die Plattenspieler alle aus Japan (m.W. von Micro Seiki), und bei den kleinen 100er- und 200er-Serien kamen auch Verstärker, Tuner, Receiver und Kassettendecks aus Asien. Oder andersherum: Nur die 300er-Serie wurde teilweise noch in Deutschland gebaut, und eventuell die Lautsprecherboxen (bin nicht sicher).