Kleines Mitbringsel: Grundig TK 35, Version 2
#1
Hallo,

schau an, mal wieder ein TK 35. Nach 15 Jahren wirds auch Zeit:

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...=hifi+mops

Das ist die erste Ausführung vom TK 35, die taubenblaue mit der Massivbleischwungscheibe.
Die anderen Schadstoffe die darin schlummern sag ich nicht.

Beim Museumstreff gab es ein Geräteverkaufsregal. Wohl ungeliebte, doppelte, zu alltägliche oder defekte/potthässliche Apparate warteten darin wie im Tierheim auf neue Herrchen, Frauchen waren keine anwesend. Da! TK 35! Der Kaufreflex, ich kann das doch nicht zurücklassen!
Alle obengenannten Kriterien erfüllte das verstaubte, leicht speckige Gerät.

Schnell mal Deckel auf...aha. alles ok, soweit original, nicht verranzt, nur Staub und Standpatina.

Zuhause ein paar Tage später, da ich bewegungsumfänglich etwas derangiert war (um es direkt auszudrücken, voll mit dem Fahrrad auf die Fr****), die Sichtung:

Ooh!

   

   

Sieht noch gut aus, nur etwas verschmutzt, keine Macken oder Fehlteile. Das lässt hoffen.

   

Sehr schön. Die Riemen aber nicht, die musste ich ordern. Vor allem der Schwungscheibenriemen ist nicht "mal eben' zu wechseln.
Schritt für Schritt, es gibt einige Sachen zu demontieren. Hierbei gleich Abschmierdienst, sonst schrappeln die Lager eventuell beim Betrieb, ein Geräusch, das einem auf den Dingens gehen kann.

   

   

Da ist wieder die sowohl direkt als auch per Schwebefedern indirekt angetriebene Schwungscheibe. Bei späteren Modellen wie diesem hier nicht mehr aus Blei, sondern aus Druckguss. Gesünder, wenn man daran leckt.

   

   

Ok, Riemen drauf, Stecker rein, wie es meine Art ist, Band drauf und los...halt! Halt! Was ist mit dem Motor? Läuft und
wird nach ca. 30 s langsamer, man hört förmlich, wie er leidet. Schnell aus, die Kiste! Motor ist heiß! Gerade noch rechtzeitig ausgemacht. Die Motorkondensatoren,wo..., ah, hier, ich hab welche gefunden. Mal günstig eine Familienpackung von den Teilen eingesackt gehabt.
Die sitzen allerdings sehr versteckt. Man muss das Chassisoberteil vorsichtig lösen (nein, dieses Grundig hat keine Steckleisten!), einige Kabel ablöten und dann anlupfen, um mit feinstem Proktologenwerkzeug die Drähte der Elkos ablöten und diese dann ausbauen zu können. Schöön vorsichtig!

   

   

   

   

Guck, Baujahr 1959, Wahnsinn. Was damit machen?
Ab in die Grabschkiste? Nein.
Draußen den Kindern zum Spielen geben? Nein.
Aufsägen und gucken, wie er von innen aussieht? Nein.
Einfach in den Mülleimer? Nein.
In den Ententeich, wenn keiner guckt? Nein.
Dem blöden Nachbarn in den Briefkasten? Nein.
Zum Wertstoffhof, fachgerecht entsorgen lassen? Ja.

Funktioniert es denn nun?

Sssit-Huuh, das typische Papsmotorenanlaufgeräusch, sehr schön. Und: Kein Langsamwerden, kein heißer Motor mehr.
Fein.

   

Band ab: Wie erwartet, nur leises, verzerrtes Abspielen. Weil, alle Kondensatoren sind noch original.

Die allseits bekannten Wachserotiker.

Stimmungsbilder, Originalzustand von 1959:

   

   

   

   

   

   

   

Dummerweise habe ich vergessen, das komplizierte Esetzen der EROs unter der Abschirmung zu knipsen.

Ich war so vertieft in die Arbeit, dass ich nicht daran gedacht habe, ärgerlich.

Aber egal, alle EROs sind weg.
Jetzt aber, Stecker rein, Band drauf und Ton ab.
Jaaah, so muss das, fetter Bass und brillante Höhen, der echte TK 35-Sound, ich bin begeistert.

Auch Aufnahme klappt!

Das Klangerlebnis ist natürlich rein subjektiv. Messkurven usw. kann ich Euch nicht liefern, das ist auch nicht mein Bastelziel. Anmachen, Schönfinden (den Klang, nicht unbedingt das Gerät) und gemütliche Musikhörzeit haben.
So ist das gute Stück jetzt wieder voll funktionsfähig und kann ins Lager ausgewildert werden. Oder ich nehme es mal für einen Live-Mitschnitt mit, es ist noch einegermaßen handlich.

Seine Kollegen im Lager, wie die beigen TK 30, TK 32, TK 54, TK 60 und TK/TM  64 werden sich freuen, dass die Serie komplett ist. Das beige TK 60 muss noch restauriert werden, das sieht aus wie S**.



Gruß

Peter S.
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#2
Hi Peter,

danke für den schönen und unterhlaltsamen Bericht, über die schöne Grundig TK35 und ihrer Wiederbelebung!

Thomas
Mein Motto "Zitat" »Opa Deldok«: »Früher war alles schlechter. !!!!

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#3
Immer wieder gerne deine Berichte!

LG Frank
In Rust We Trust!
T e s l a  B 1 1 6 (A.D.),  R E V O X  B 7 7
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#4
Sehr unterhaltsamer Bericht.

Glückwunsch zur gelungenen Arbeit.

Gruß
Alfred

Meine Freude an der Tonbandtechnik verdanke ich Hermann Hoffmann, dem Erfinder der Radio-Comedy.

http://www.sender-zitrone.de/
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#5
Schön, dass es gefällt.

In Aktion, mit neuer Musik, wegen Youtubeurheberrechtsprüfung. Das Lied kennt er nicht.

https://youtu.be/RaIsw_g81tw

Beim Basteln war Eile geboten, ich bin ja zur Zeit etwas krückelig, daher war der gemütliche Tisch in der Wohnküche gerade recht. Schnell Spurenbeseitigung und den Unschuldigen geben, wenn meine Frau nach Hause kommt. Das sei ein Wohnzimmer und keine Werkstatt, meinte sie mal. Für Männer ist der Unterschied wohl weniger ausgeprägt.

   

Alles Kraut und Rüben, aber ich hab es wieder hinbekommen.
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#6
Hallo Peter!

Ich bin außerordentlich erfreut darüber, daß Du dem TK35,
dessen Du Dich erbarmtest, es aus der Kelleretage unseres 
Fohmarktregals zu bergen, neues Leben eingehaucht hast 
- Respekt!

Wie immer, ein informativer und kurzweiliger Bericht, der in
Deine  erfrischenden Schreibstil verfaßt ist.

Gruß
Wolfgang
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#7
Hallo Peter,
ich liebe deine Reparaturberichte.
Vor allem, weil du dich Geräten abseits des Mainstreams widmest....

Beim Grundig TK35 staunte ich nicht schlecht, Schwungscheibe aus Blei; das hat sich bisher kein anderer getraut.
Ist das ein einfacher Fliehkraftregler in der Schwungscheibe?
Daraus folgere ich, daß der Pabstmotor ein Asynchronläufer ist?

Daß du deine Werkstatt auf dem Wohnzimmertisch einrichtest ist ja auch mutig...

Gruß Jan
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#8
Hallo,
freut mich.
Nein, kein Fliehkraftregler. Ein ganz "normaler" Papst-Außenläufer treibt das untere Rad mit den beiden Flügeln an. Beim Starten geben die Gumminubben dem Schwungrad Anschub, bei Erreichen der Solldrehzahl übernehmen wohl die Federn die Kraftübertragung.
Die dünne Capstanwelle verrät, dass die Schwungscheibe recht schnell läuft. Papst-Motor>>Antriebsriemen>>Entkopplung per Federn>>fette Schwungscheibe>> hohe Drehzahl, wenn das man keine Klavierfestigkeit ergibt.
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#9
Auch von mir ein Dankeschön für diese interessanten Einblicke in ein TK35.

Blei in der Schwungscheibe? Da muß ich glatt mal in mein taubenblaues Exemplar schauen, was da verbaut ist (natürlich ohne dran zu lecken  Wink  )

Freut mich, daß wieder ein Exemplar gerettet wurde. Dem edlen Retter wünsche ich gute Besserung!

Gruß
TSF
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#10
Hallo, die Blei-Schwungscheibe ist nur in den ganz alten Geräten verbaut.
Taubenblau, vorn auf der Abdeckung beim "TK 35" kein abgesetztes Feld
(da kam dann der Knopp für TK 50) hin.
Im Innern Motorrolle aus Alu, nicht aus Messing, Wippe für die Andruckrolle links mit geradem, nicht gekröpftem Steg,
Andruckfilz "am Stiel", Spulentellerbremsen mit Filzringen, nicht Filzklötzchen mit Rückschlaggummi, kein Abschirmblech zwischen rechtem Spulenteller und Kopfträgerplatte.
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#11
Hallo Peter,

vielen Dank für den Bericht, toll geschrieben und bebildert, wie immer.  Smile

Auch gut dein Hinweis zur Entsorgung von Motorkondensatoren.
In diesem Fall auch wirklich PCB-haltig. 

   
- - - Hier könnte Ihre Signatur stehen. - - -  thumbup
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#12
Hallo Peter!

Schön, mal wieder etwas über einen Röhrenkoffer zu lesen! Ist ja genau meine Sammelschiene, die leider manchmal außer Acht gelassen wird. Revoxe und Co. mit dicken 26,5er Aluspulen und dominieren da halt. (Haben zwar in meinen Augen auch was, Röhrenkoffer sind mir aber trotzdem ein Vielfaches lieber. Big Grin )


Ein TK 35 besaß ich auch mal, irgendwann überließ ich dieses aber einem Bekannten (auch Sammler), Platzmangel halt. War die alte, blaue Ausführung, sogar noch mit intakter Lautsprecherverkleidung.

Weiß daher selber, wie es ist, in solch einer Kiste rumzuwühlen und Teile zu tauschen.

Aber die Arbeit lohnt sich definitiv.

Viel Spaß mit dem Koffer (diesmal ohne "chen")!  Smile

Gruß
Tristan
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#13
Hallo,
der Avatar trägt ja wohlweislich das (oder den ?) TK 30, das ist von der Serie noch das köfferchenste.

Wer neu ist und nicht in den Tiefen alter Posts gewühlt hat oder wühlen möchte, hier nochmal die Berichte über die etwas schwereren Kisten:

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...ckersteine

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...ckersteine
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#14
Hallo Peter,

das TK 35. Grundig verwendete immer "das" im Zusammenhang mit den TKs. Wohl einfach für Tonbandgerät.

Ich freue mich auch immer über deine schönen Gerätevorstellungen.

Ich mag die 30er auch, obwohl sie durch dieses "Zwischengeschoss" ziemlich verbaut sind. Wie du ja auch beschreibst beim Wechsel der Motorkondensatoren.

Das TK 35 glänzt ja durch den "Hifi-Tonkopf", der gegenüber dem Kopf im TK 30 einen deutlich größeren Frequenzbereich ermöglicht.
Was ich am TK 35 nicht mag ist der in diesem Modell ganz unnötige "Vorbau". Dadurch wird der Koffer so tief dass er auf kein normales Möbelstück passt.
Gab das damals keine Kritik, wundere ich mich.
Auch optisch wirken die kleinen Koffer TK 30 und 32 besser proportioniert und damit harmonischer.

Das TK 32 (mit 9,5 und 4,7 mit Hifi-Kopf) hat einen massiven konstruktiven Nachteil:
Die Mechanik entspricht der des TK 30. Das langesamere Geschwindigkeits-Paar wird durch einen Motor mit halber Drehzahl (doppelter Polzahl) erreicht.

Das hat zwei böse Nachteile: Halbe Motordrehzahl bedeutet auch halbe Umspulgeschwindigkeit - furchtbar, man kann die Umdrehungen mitzählen!
Zweitens: Der Motor sorgt ja auch für die Kühlung. Halbe Motordrehzahl bedeutet auch halber Luftdurchsatz, mit dem Ergebnis, das TK 32 wird im Betrieb unheimlich heiß, man kannn nach zwei Stunden die Deckplatte unter den Spulen kaum noch anfassen. Entsprechend heizt sich auch das Band auf - das damalige PVC-Band (BASF LGS) mag das allerdings garnicht. Eigentlich eine Fehlkonstruktion.

VG Stefan
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#15
(13.09.2024, 14:55)PSMS schrieb: Guck, Baujahr 1959, Wahnsinn. Was damit machen?
Einfach in den Mülleimer? Nein.
Zum Wertstoffhof, fachgerecht entsorgen lassen? Ja.

(14.09.2024, 20:49)Steffen87 schrieb: Auch gut dein Hinweis zur Entsorgung von Motorkondensatoren.
In diesem Fall auch wirklich PCB-haltig. 

Das sagt sich alles so leicht...

Hier hatte sich eine kleine Kiste angesammelt, hauptsächlich alte Motorkondensatoren und dicke Elkos aus alten Netzteilen.
Letztens mit zum Wertstoffhoff genommen im Glauben, die dort loszuwerden. Die dort zuständige Dame ließ sich nicht von ihrer Meinung abbringen, dass ich diesen Sondermüll dort nicht entsorgen könne. Auch mein Argument, dass in dem großen Container mit Elektroschrott wahrscheinlich hunderte von den Dingern drin sind, konnte sie nicht überzeugen. Sie meinte, ich müsste das zur Mülldeponie am anderen Ende der Stadt bringen (hin und zurück wäre ich da mit Auto sicherlich 1,5 Stunden unterwegs). 
OK, dass Bauteile und nicht komplette Geräte abgegeben werden, ist wohl eher ein Sonderfall. Aber wie viele werden da wohl einfach die Dinger in die Mülltonne werfen, anstatt einen Tagesausflug zu machen?
Ich habe mir schon überlegt, wenn ich das nächste Mal ein komplettes Gerät entsorge, dann schraube ich es vorher auf und werfe die alten Elkos darein. Auch nicht ganz korrekt, aber dann sind sie ja noch am ehesten dort, wo sie hingehören...

Sorry für Offtopic. Schickes Gerät. 

Gruß
Robert
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#16
Bei uns ist das kein Problem.
Auf unserem Wertstoff gibt’s ein stationäres „Schadstoffmobil“.
Hier lassen sich selbst Kleinstmengen oder einzelne Teile abgeben.
Habe da auch schon die mit Quecksilber gefüllten Glasröhrchen aus alten Treppenhausautomaten und Stromstoßschaltern abgegeben.
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#17
(20.09.2024, 21:13)Steffen87 schrieb: Habe da auch schon die mit Quecksilber gefüllten Glasröhrchen aus alten Treppenhausautomaten und Stromstoßschaltern abgegeben.

Ich suche davon jeweils noch 1 oder 2 Stück für meine Sammlung. 
Die Kontakte sind im Gegensatz zur modernen Variante "unkaputtbar".

Also die nächsten bitte nicht wegwerfen, nehme ich dir gerne gegen einen Obulus für die Kaffekasse ab.
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#18
Sry, die nächsten wird’s wohl nicht geben.
Als der Nachwuchs kam, hab ich die ganze Bude aufgeräumt und entrümpelt, da ist unter anderem auch der giftige Kram zum Wertstoffhof gewandert.
Da ich auch nicht mehr als Elektriker auf dem Bau und im Kundendienst arbeite, läuft mir sowas auch nicht mehr über den Weg.
Ansonsten hättest du eine Kiste voll haben können, zum Teil noch original verpackt und versiegelt.
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#19
(15.09.2024, 08:03)TonbandHesse schrieb: Hallo Peter!

Schön, mal wieder etwas über einen Röhrenkoffer zu lesen! Ist ja genau meine Sammelschiene, die leider manchmal außer Acht gelassen wird. Revoxe und Co. mit dicken 26,5er Aluspulen und dominieren da halt. (Haben zwar in meinen Augen auch was, Röhrenkoffer sind mir aber trotzdem ein Vielfaches lieber. Big Grin )


Ein TK 35 besaß ich auch mal, irgendwann überließ ich dieses aber einem Bekannten (auch Sammler), Platzmangel halt. War die alte, blaue Ausführung, sogar noch mit intakter Lautsprecherverkleidung.

Weiß daher selber, wie es ist, in solch einer Kiste rumzuwühlen und Teile zu tauschen.

Aber die Arbeit lohnt sich definitiv.

Viel Spaß mit dem Koffer (diesmal ohne "chen")!  Smile

Gruß
Tristan

da gibts doch eine schöne Kombinationsmöglichkeit - einen Revox Röhrenkoffer. Die Monogeräte der 36iger Serie sind für ein Taschengeld zu haben und werden zu großen Teilen für Stereogeräte zu Ersatzteilträgern. Ich habe letztens ein B36 gerettet, bei dem schon jemand die Röhren gepflückt hatte, das aber ansonsten noch komplett und unverbastelt ist. Das ist ja schon eine andere Kategorie als Grundig und Co., feinster Maschinenbau, an dem man schon sehen kann, wieso Revox so ein Renomee hat.

Von Grundig mag ich am liebsten die "Reverse" Serie, die mit dem TK9 angefangen hat, und später mit den großen TK8xx weitergeführt wurde. Ich finde es eigentlich schade und einen Rückschritt, als Grundig mit dem TK5 sein "Hebelchen Konzept" angefangen hat, dem er bis zu bitteren Ende treu geblieben ist.

Gruß Frank
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#20
Hallo Frank!

So eine Röhren-Revox wäre natürlich ein Traum. Allerdings nimmt aktuell das andere Hobby, Röhrenradioreparatur, die meiste Zeit ein. Aber wenn ich mal eine irgendwo sehen sollte, greife ich zu. Auch wenn ich Platzmangel habe.

Ich selber kann das mit den Reverse-Geräten verstehen, sehen toll aus und sind nicht alltäglich. Allerdings ist mir die Mechanik mit den Schlingfederkupplungen zu anspruchsvoll, siehe meine Erlebnisse mit einem TK 16. Vielleicht gebe ich der Baureihe nochmal eine Chance, die Elektrik war im Vergleich zu TK 5 etc. auf jeden Fall sehr übersichtlich.

Das TK 5 und seine Brüder sind mir persönlich aber trotzdem angenehmer zu reparieren. Alte Kondensatoren raus, evtl. Elkos, Gleichrichter und Riemen erneuern und fertig. (Nicht immer aber meistens.)

Später wurde mir die "Hebelchen-Mechanik" auch zu viel. Von meinem (mittlerweile weggegebenen) TK 145 de luxe habe ich mechanisch auch nicht so viel gehalten. War ja mit dem TK 5 glaube ich aus der Not heraus, weil man mit Kurt Bier, dem Entwickler der Reverse-Laufwerke, Streit bekommen hat.

Gruß
Tristan
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#21
Hey Frank,

da ergänzen wir uns, denn ich sehe es genau umgekehrt: Ich mag generell die alten Grundig-Koffer mit Ausnahme der Reverse-Modelle.
Furchtbare Mechanik. Unzuverlässig, schwer zu reparieren (die Schlingfedern!) und wurstig im praktischen Betrieb. (Wer sie nicht kennt: Nach jedem Drücken der Starttaste läuft erst der Motor an, der Bandlauf fährt also von Null hoch und schaltet erst den Verstärker frei, wenn die Soll-Geschwindigkeit in etwa erreicht ist. Außer bei den frühen Typen wie TK 9, da jault es auch akustisch von Null hoch. WIe kann man sowas konstruieren!?)

Zugegeben, ich habe auch ein TK 830 und einen lindgrünen TK 16 in der Sammlung. Sie sind einfach hübsch. Aber benutzen? Nee.

Was du "Hebelchen"-Konstruktion nennst, also das TK 5, war eine unglaublich robuste, quasi unzerstörbare Mechanik. Mit einer, zugegebenermaßen unbequemen Bedienung.
Labil und klapprig wurden die Grundigs erst mit der neuen Mitteklasse 1965, also zehn Jahre später: TK 240, 245 usw.

Hey Tristan,

"War ja mit dem TK 5 glaube ich aus der Not heraus, weil man mit Kurt Bier, dem Entwickler der Reverse-Laufwerke, Streit bekommen hat"

nein, damit liegst du doppelt falsch. Die Konstruktion von Kurt Bier war die Basis der Gerätefamilie Reporter 500 und Co. Um sich davon konstruktiv völlig zu entfernen, entwickelten dann die Grundig-Leute das Reverse-Laufwerk, also zunächst das TK 9, das konstruktiv ja mit dem Report 500 so richtig GARNICHTS mehr gemeinsam hat.

Das TK 5 entstand aus dem Plan, ein preiswertes Tonbandgerät für jedermann anzubieten. Die Fürther waren nämlich alarmiert, als Telefunken den Prototyp des M 65 präsentierte.
Und das ist ja mit dem TK 5 auch gelungen. 465 DM war ein unschlagbarer Preis, so dass das TK 5 rund 100.000 Käufer fand. Das war damals verdammt viel, denn 1955 waren Tonbandgeräte noch nicht volkstümlich - und selbst 465 DM war etwa das Monats-Netto eines besseren Angestellten.

Das zeitgleiche Magnetophon 65 kostete 449 Mark, allerdings als Tischgerät ohne Lautsprecher - und nur mit den bescheidenen 13er Spulen.

Und um es mit den Reverse-Geräten zu vergleichen: TK 15 bzw später TK 16 als nächstgrößerer Bruder kosteten 698,-! Also 233 DM Mehrpreis zum Tk5 für den Reversebetrieb plus zweite Geschwindigkeit 4,7 und zwei Hochtöner. Kein guter Deal, finde ich.

VG Stefan
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#22
da muss ich leider in Teilen widersprechen - auch das TK9 war noch in Teilen eine Kurt Bier Konstruktion und Teil des Rechtsstreites. Das erste Grundig Tonbandgerät, das eine komplette Eigenkonstruktion war, war das TK5. Und ja, die frühen "Preisbrecher" waren noch robust, das Sparen fing erst später an, aber von den konstruktiven Grundzügen fing die Freudlosigkeit bereits mit dem TK5 an, genau wie die Modellvielfalt kombiniert mit der Konzeptlosigkeit, die bis zum Ende der Einmotorer konsequent durchgezogen wurde.

Ich bin ja eigentlich ein Grundig Fan, aber oft frage ich mich, wieso man bei an sich guten Geräten im Detail so einen Bullshit konzipieren konnte. Ich bin ein Fan von Lösungen, die eine gewisse Ästhetik haben, so wie z.B. der Aufbau der Revox 36iger Serie. Bei Grundig hat man immer das Gefühl, dass das "schön machen" weggespart wurde, und der verwurstete Prototyp in die Serie gegangen ist. Außerdem wurde biestig an bestimmten Dingen festgehalten, die schon in den sechzigern kritikwürdig waren. Z.B. Schaltergräber zu verbauen, um einen Verstärkerzug wegsparen zu können, der Verzicht auf vernünftige Aussteuerungsregler/Anzeiger und so weiter. Ich besitze die komplette Anlage mit dem Verstärker SV140, Tuner RT100, Tonbandgerät TS600, Plattenspieler PS70 und zwei Standboxen 741 - wenn das alles spielt, ist es ein Traum, aber der Weg dahin ist mit Dornen gepflastert. Dem TK/TS 600 merkt man richtig an, dass der "olle Max" keinen Bock darauf hatte, und nur deshalb ein reines HiFi Tonbandgerät zugelassen hat, weil der Markt es haben wollte. Zwei Aussteuerungsregler für links und rechts gibt es aber selbst hier nicht.

Was den praktischen Betrieb angeht, sehe ich das Ganze eher museal. Die Grundig Tonbandgeräte haben fast alle irgendeine "Schrulle", das mit dem zu spät hochlaufenden Motor ist die Schrulle dieser Generation, und lässt sich relativ leicht und reversibel so umbauen, dass der Motor mit dem Netzschalter ein- und ausgeschaltet wird.

Es gibt einen schönen Film, der mehr über die "Seele" der Grundig Geräte aussagt als alle Worte:

https://www.youtube.com/watch?v=1svozvUwgvY

Zu der Zeit war Max Grundig schon Milliardär und weltweit einer von den ganz großen "Playern". Und trotzdem konnte er das Neureiche nicht verbergen.

Gruß Frank
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#23
Hallo Frank,

o weh, ich sehe schon, ich habe da keine Chance dich zu überzeugen...

Zwei Aspekte trotzdem:
- "Schaltergräber zu verbauen, um einen Verstärkerzug wegsparen zu können..." Kennst du ein Röhren-Tonbandgerät, das es anders macht? Außer natürlich in der halbprofessionellen Klasse. Revox etc waren ja auch preislich eine ganz andere Liga.

- Dass Stereo-Grundigs bis auf eine Ausnahme* bis hinein in die Siebziger immer nur einen gemeinsamen Aussteuerungsregler hatten, finde ich auch unmöglich. Da sind wir einer Meinung.

*Quizfrage: Kennst du die Ausnahme? Grundig mit getrennt einstellbaren Kanälen? Aber blöderweise gemeinsamer Anzeiger beider Kanäle?

VG Stefan
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#24
Hallo,

sehr guter Bericht, habe auch so etwas auf dem Dachboden gefunden, läuft, aber leider ist der wiedergabe - Ton stark verzerrt, daher wollte ich schauen, ob alle Röhren noch ok sind, bekomme aber das Gerät nicht aus dem Koffer!! evtl. einen Tipp für mich??
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#25
Hallo Karl,

falls noch von Interesse, das Chassis ist mit vier Muttern am Holzgehäuse angeschraubt, wenn du die obere Abdeckung abgenommen hast, siehst du das sofort. Lautsprecherkabel ablöten, Chassis aus dem Gehäuse herausheben.

Gruß
Thomas

@Stefan:

bitte, bitte gib mir die Antwort bezüglich deiner "Quizfrage", das lässt mir keine Ruhe, wie soll ich denn da noch nachts ruhig schlafen ?

nochmal Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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#26
Moin,
zur Quizfrage:

   

Was habe ich nun gewonnen??? Tongue

Gruß
Alfred

Meine Freude an der Tonbandtechnik verdanke ich Hermann Hoffmann, dem Erfinder der Radio-Comedy.

http://www.sender-zitrone.de/
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#27
Moin Alfred, ich fürchte, das reicht nicht mal für einen Trostpreis.
Die Antwort ist nämlich leider unrichtig, auch bei dieser Gerätereihe sind die beiden Stereokanäle nur in der Summe regelbar, nicht getrennt.

Schade, beim nächsten Mal haste sicher mehr Glück. ;-)

Ich komme immer noch nicht drauf, welcher Typ das gewesen sein soll.

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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#28
Moin Thomas,

eben habe ich mir die Regler meiner 340 angeschaut.
Sie sind übereinander angeordnet und der obere Teil kann "saugend-schmatzend" angehobern werden.
Danach sind beide Kanäle entkoppelt...
(oder habe ich die Frage falsch verstanden?)

         

Gruß
Alfred

Meine Freude an der Tonbandtechnik verdanke ich Hermann Hoffmann, dem Erfinder der Radio-Comedy.

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#29
Gude Alfred,

könnte man meinen, ist aber nicht so: der obere Regler ist der Summenregler für beide Kanäle, bei Entkopplung kannst du mit dem unteren z.B. die Intensität eines Echoeffektes (nur bei Mono möglich) regeln. Ich müsste erst in der BDA nachsehen, aber ich glaube, damit werden auch Multiplay-Überspielungen (pegel-)geregelt.
Für die Aussteuerung einer Stereoaufnahme steht also auch hier nur ein gemeinsamer Regler zur Verfügung.

Ich hoffe ja sehr, dass uns Stefan erhellt. Ich für meinen Teil brauche unbedingt die Auflösung. Wahrscheinlich ist sie so simpel, dass man gar nicht drauf kommen kann.

Gruß
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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#30
Hallo Thomas,

da kann man mal sehen.....
Dann liege ich also total daneben.
Habe keine Anleitung zum Gerät und diese Serie zuletzt 1967 bedient.
Meine 340 ist erst ein paar Tage hier und soll erst durchgesehen werden, bevor sie in Betrieb geht.
Es bleibt spannend und Stefan lacht sich bestimmt schon kaputt.

Gruß
Alfred

Meine Freude an der Tonbandtechnik verdanke ich Hermann Hoffmann, dem Erfinder der Radio-Comedy.

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#31
Könnte es TK45 sein?
VG Jürgen


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#32
Hallo Jürgen,

es sieht so aus, als "hättest du es".

Ich lag mit meiner Idee leider voll daneben (s. Screenshot aus dem eben geladenen Manual für TK 340)

   

Gruß
Alfred

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#33
Hallo Jürgen,

klasse, das ist eine heiße Spur. Ich glaube, du hast getroffen. Ich hatte das 45 ebenfalls auf dem Schirm, konnte mich aber überhaupt nicht mehr an die tatsächlich etwas abweichende Bedienung erinnern.

Gruß (und danke !)
Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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