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Die Überprüfung meiner Telefunken M10 wirft bei mir die nächste Frage auf.
Der Tonmotor meiner M10 erwärmt sich beim Abspielbetrieb nach einiger Zeit ganz erheblich. Die Temperatur des Abschirmgehäuses liegt (geschätzt) über 40 bis 45 Grad C. Ist das normal oder stimmt da etwas nicht ?
Einige Motordaten konnte ich ermitteln : AEG EST 8550/8-4, 220 V , 0,35 A , entspricht einer Leistung von 77 W
Die M10 hat bekanntlich keine Möglichkeit zur Wahl der Betriebsspannung. Das Gerät ist für 220 V Nennspannung konzipiert. Sicher gibt es da ein Toleranzfeld, das in den technischen Daten aber nicht genannt wird. Welche Auswirkung hat die heutige Netzspannung von über 230 V auf die Leistungsaufnahme der Maschine ?
Ich habe z.B. bei mir Netzspannungen von bis zu 238 V gemessen.
Eine Versuchsreihe mit heutiger Netzversorgung bzw. Nennspannung 220 V zeigt bemerkenswerte Ergebnisse. Über einen kräftigen Stelltrafo habe ich die 220 V erzeugt. Hier die Werte :
Betriebszustand I : Verstärkermagazin ein, M10 Gerät ein, Tonmotor aus
Netzspannung : 235,5 V Leistungsaufnahme : 12,1 W
Nennspannung : 220 V Leistungsaufnahme : 10,7 W
Betriebszustand II : Verstärkermagazin ein, M10 Gerät ein, Tonmotor ein, Band steht
Netzspannung : 235,5 V Leistungsaufnahme : 88,5 W
Nennspannung : 220 V Leistungsaufnahme : 78,0 W
Betriebszustand III : Verstärkermagazin ein, M10 Gerät ein, Tonmotor ein, Band Wiedergabe
Netzspannung : 235,5 V Leistungsaufnahme : 197 W
Nennspannung : 220 V Leistungsaufnahme : 173 W
Fazit: Die M10 nimmt im Wiedergabebetrieb fast 25 W mehr auf, wenn sie an heutigen Netzen betrieben wird. Diese Leistung kann nur in Wärme umgesetzt werden. Tonmotor, Wickelmotore, Magnetspulen, Kondensatoren, Gleichrichter usw. werden erheblich bei Netzspannungen von über 230 V gestresst. Das ist für die alten Bauteile bestimmt nicht gesund.
Mich würden natürlich Vergleichswerte von anderen M10 interessieren. Hat jemand ähnliche Messungen durchgeführt ?
Vielen Dank für die erhofften Rückmeldungen.
Holger - Gerd
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16.08.2024, 16:18
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.08.2024, 16:20 von Micha94.)
Erster Schritt: Leichtgängigkeit der Mechanik prüfen
Zweiter Schritt: Phasenschieberkondensatoren prüfen
Sind die beiden Sachen in Ordnung wird man nichts machen können.
Im schlechtesten Fall Wicklungsschluss im Motor, bei der Bauart unwarscheinlich.
Evtl. mal die Netzspannung an der Steckdose messen. Im schlechtesten Fall dürfen hier bis 250 Volt anliegen.
Beispiel hier bei mir, alle "modernen" Nachbarn haben Solaranlagen, an sonnigen Tagen 240 V, an schattigen 225V.
Hier hilft dann nur ein Stelltrafo um die Netzspannung zu reduzieren.
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16.08.2024, 21:28
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.08.2024, 21:44 von mincom.)
(16.08.2024, 13:50)H_G_F schrieb: Der Tonmotor meiner M10 erwärmt sich beim Abspielbetrieb nach einiger Zeit ganz erheblich. Die Temperatur des Abschirmgehäuses liegt (geschätzt) über 40 bis 45 Grad C. Ist das normal oder stimmt da etwas nicht ?
Einige Motordaten konnte ich ermitteln : AEG EST 8550/8-4, 220 V , 0,35 A , entspricht einer Leistung von 77 W
Die M10 nimmt im Wiedergabebetrieb fast 25 W mehr auf, wenn sie an heutigen Netzen betrieben wird. Diese Leistung kann nur in Wärme umgesetzt werden. Tonmotor, Wickelmotore, Magnetspulen, Kondensatoren, Gleichrichter usw. werden erheblich bei Netzspannungen von über 230 V gestresst. Das ist für die alten Bauteile bestimmt nicht gesund.
Mich würden natürlich Vergleichswerte von anderen M10 interessieren. Hat jemand ähnliche Messungen durchgeführt ?
Vielen Dank für die erhofften Rückmeldungen.
Holger - Gerd
Hallo Holger-Gerd!
Der M10-Tonmotor ist ein Hysterese-Synchronmotor mit hartmagnetischem Läufer. Diese spezielle Bauart ist für ihre erhebliche Erwärmung bekannt. Hatte das seinerzeit bei meinen M10en (nicht M10A) ebenfalls beobachtet und die Maschinen aufgrund dessen an einem Spartrafo auf exakt 220V betrieben. Auch dann ist die Erwärmung noch deutlich spürbar, wenngleich nicht mehr so extrem. Die Wicklungen sind freilich recht robust und halten das aus, bei 230V geht der Stator aber vollends in die magnetische Sättigung. Der Wirkungsgrad dieser Motoren ist so oder so absolut lausig. Man sollte zusätzlich den genauen Abgleich der Phasenschieber-Kondenstoren kontrollieren. In den drei Strängen der Motorwicklungen sollten in etwa gleiche hohe Ströme fließen! (Das ist auch der Grund, warum parallel zum Haupt-Phasenschieber-Kondensator bei der M10 so viele kleine Abgleichkondensatoren liegen). Als echte Abhilfe bliebe nur eine reine Drehstromspeisung des Motors über einen entsprechend ausgelegten dreiphasigen Umrichter (dann also ohne Phasenschieber-Kondensatoren).
Martin
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Hallo Holger-Gerd!
Zusätzlich zu den von Martin perfekt beschriebenen Erscheinungen wird das obere Motorlager mit einer kleinen Schraube gequetscht, um durch Abbremsen die Pendelschwingungen des Motors klein zu halten.
Wenn Du es ganz gründlich machen willst, dann gib nur wenige µl (Mikroliter!!!) - also das Öl, was ein geölter Zwirnsfaden beim Umschlingen der sauberen sich drehenden Welle freiwillig abgibt - an das obere Motorlager.
Unter gleichzeitiger Beobachtung der Tönhöhenschwankungen kannst Du danach dann als fortgeschrittener Bastler die Lagerverquetschung etwas zurücknehmen.
Der Konstrukteur mußte damals mit konzernvorgegebenen Motoren die Laufwerksqualitäten der T9u von 1953 wieder erreichen, was ihm allerdings nicht völlig gelingen konnte.
Wenn damals nicht der sehr aufwendige und absolut geniale Doppelrollenantrieb erfunden worden wäre und gleichzeitig die neu entwickelten für beide Drehrichtungen getrennt einstellbaren, langzeitstabilen Graphit-Scheibenbremsen (bei mir jetzt über 40 Jahre völlig gleichmäßig auf dem Stand von annodunnemals) seinerzeit das absolute Optimum bei mechanischen Bremsen dargestellt hätten, wäre das Gerät im täglichen Betrieb beim Rundfunk schnell wieder ausgemustert worden.
Der Doppelrollenantrieb sorgte damals für eine bis dahin nicht gekannte Dämpfung der Bandlängsschwingungen bei Studiogeräten und vermutlich rührte daher auch die besondere akustische Wertschätzung dieser Laufwerke als M10A mit Papst-Außenläufermotoren.
Zu dem Gehäuseproblem:
Wenn Dein Freund eine ARD-Truhe hat mit den Auschnittmaßen (ca.) 695 mm x 465 mm, wäre ich daran sehr interessiert.
Ich könnte als Tausch eine ARD-Stahltruhe mit den Maßen für die M10 anbieten: 645 mm x 525 mm.
Viele Grüße
Manfred
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Hallo Manfred, dein Wissen zu Telefunken Maschinen adelt dich noch mal.
Manfred Baron zu Telefunken wäre ein passender Name für dich...
Gruß Jan
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Dr. h.c. magnetofon Manfred xxxxx?
Strom kann erst fließen, wenn Spannung anliegt
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Hallo , ihr Schlingel !
nun ist aber gut ...
Viele Grüße
Manfred
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Das finde ich nicht, zumal ich solche Elogen auch schon bekommen habe
Grüße
Peter
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Manfred, vielen Dank für den grandiosen, fachlich wunderbar tiefen Beitrag. Sowas macht Spaß zu lesen.
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Vielen Dank für die rege Resonanz auf meine Frage zur Motorerwärmung der M10.
Den fundierten Erklärungen zur Motortechnik von Manfred und Martin gebührt ein Extraapplaus. Das nenne ich Fachkenntnis – Respekt !
Meine Vermutung, dass die Netzspannungserhöhung auf 230 V + X, den Motor übermäßig erwärmen, sehe ich bestätigt. Meinen provisorischer Messaufbau mit Stelltrafo für 220 V werde
ich noch etwas aufhübschen (sprich elektrische Sicherheit) und zur dauernden Versorgung der M10 einsetzen. In den letzten Tagen zeigten einige Testläufe der M10 mit 220 V, dass sich
die Motortemperatur meiner Maschine jetzt in akzeptablen Grenzen hält.
Manfred sprach auch das Nachölen des Motorlagers an. Die in der Betriebsanleitung vorgegebenen Öle und Fette sind bestimmt längst nicht mehr am Markt.
Welche heutigen Schmiermittel, die auch in kleinen Gebinden zu erhalten sind, haben sich als guter Ersatz bewährt ?
Auch der Hinweis von Micha94 auf die zunehmende Zahl von Photovoltaik-Anlagen, die u.U. mit ihrer Ausgangsspannung die Netzspannung nach oben treiben, verdient Beachtung.
In meinen Fall steht der Trafo unserer EVU keine 100 m entfernt von mir. Die Netzspannung liegt ständig über dem Nennwert.
Noch ein Satz zur Truhe für Manfred:
Ich konnte gestern die Maße abnehmen. Nein, sie hat nicht die von Dir gewünschte Ausschnittöffnung.
Zu meiner Überraschung passt da aber genau meine M10 rein. Die Siemens-Truhe habe ich bisher immer nur von links nach rechts geschoben und mir nie richtig angesehen.
Holger - Gerd
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20.08.2024, 08:37
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.08.2024, 08:40 von sensor.)
Der Motor wird nur bei 19 so übermäßig warm, bei 38 wird er nicht sonderlich warm. Im Studio arbeitete man mit 38 oder schneller.
Bei meiner M5 und meiner Phillips EL3501 werden die Motoren bei 19 auch sehr warm, hatte schon mal einen kleinen PC Lüfter davor gesetzt zur Kühlung weil mich diese Wärmeentwicklung nervt.
Es gibt auch diese Art Motoren da ist ein Lüfterrad mit dran zur Kühlung.
Gruß Ulf
TF-Berlin
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Zur Spannungsreduzierung reicht ein einfacher 12 V Trafo. Dieser wird ganz normal an das Lichtnetz angeschlossen, der Abgriff für das 220 V Gerät erfolgt über die Sekundärwicklung, die mit einer Seite direkt am Lichtnetz hängt. Das ergibt einen Spartrafo mit einer Ausgangsspannung von 220 V. Der Trafo ist viel kleiner, als die üblichen Regeltrafos. Hier ein Schaltplan:
https://www.dampfradioforum.de/viewtopic.php?t=34121
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Rechne ich richtig, wenn ich, sagen wir bei 230VA, also 1A, für den 12V-Trafo mit 12V*1A=12VA auskomme?
VG Jürgen
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Ja, nur die Belastbarkeit der Sekundärseite ist entscheidend!
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(17.08.2024, 12:36)Magnettonmanni schrieb: Wenn damals nicht der sehr aufwendige und absolut geniale Doppelrollenantrieb erfunden worden wäre und gleichzeitig die neu entwickelten für beide Drehrichtungen getrennt einstellbaren, langzeitstabilen Graphit-Scheibenbremsen (bei mir jetzt über 40 Jahre völlig gleichmäßig auf dem Stand von annodunnemals) seinerzeit das absolute Optimum bei mechanischen Bremsen dargestellt hätten, wäre das Gerät im täglichen Betrieb beim Rundfunk schnell wieder ausgemustert worden.
Der Doppelrollenantrieb sorgte damals für eine bis dahin nicht gekannte Dämpfung der Bandlängsschwingungen bei Studiogeräten und vermutlich rührte daher auch die besondere akustische Wertschätzung dieser Laufwerke als M10A mit Papst-Außenläufermotoren.
Das kann ich aus meiner ehemaligen Betriebspraxis bestätigen. Das Prinzip wurde nach dem Krieg auch in wenigen Amateur-Eigenbau-Laufwerken bereits angewendet. Man bezeichnete dies als "Schwungbahnrolle". Das Prinzip ist im RPB-Band "Magnetbandspieler-Selbstbau" von Junghans erläutert.
Der große Nachteil der M10 war, dass beim Verschleiß des Gummibelags auf der Schwungmasse wegen des sich verändernden Übersetzungsverhältnisses des Reibradgetriebes die Maschine mit der Zeit immer schneller wurde. Mir ist nur eine Modifikation bekannt (SFB bzw. "Berlin-Ausführung") bei der der Sender dies verhinderte, indem man dort den Gummibelag von der Schwungmasse entfernte und ein zusätzliches Gummi-Zwischen-Reibrad einfügte (Prinzip wie bei Plattenspielern). Dessen Durchmesservariation ging im Verschleißfall dann nicht mehr in das Gesamtübersetzungsverhältnis des Reibradgetriebes ein.
Das Problem der M10A beim Übergang auf einen echten Direktantrieb war, dass (nach meiner Kenntnis) Telefunken die Studer Patente (Direktantrieb über Synchronmotor mit zwischengeschalteter koaxialer Hardykupplung -wie z.B. bei der G36) aus Patentgründen nicht übernehmen konnte. Der M10A-Außenläufer hatte aber Torsionsresonanzen. Die Reibrad- M10 hatte diesbezüglich weniger Probleme. Ich hatte das damals mit einem EMT420 mal überschlägig geprüft. Eine Riemen-M10 dürfte danach auch meßtechnisch mal interessant sein im Hinblick auf das Fehlen von Antriebsresonanzen!
Nichtsdestoweniger: Bis heute halte ich die M10 für eine echte "amtliche" Maschine mit vorbildlichem Bandlaufkonzept, wenngleich sie nach heutigen Maßstäben natürlich "grobschlächtig" wirken mag. Die Gestaltung der Laufwerksplatte ist unübertroffen übersichtlich und zeitlos schön; form follows function in seiner m.M.n. wohl besten Form. Die engen Kopfabstände innerhalb des im Verhältnis zu den Gesamtmaßen der Maschine geradezu winzigen Kopfträgers verringert Bandlängsschwingungen. Wie gut hatte man das damals bei TFK schon erkannt!!! Die Graphitbremsen sind - wie von Manfred bereits erwähnt- Legende; die Schnellstop/Nothalt-Funktion bei Bandriss greift unübertroffen schnell (wichtig bei Offenwickel!). Das Laufwerk "liegt weitaus besser in der Hand" als z.B. eine A/B 67. Gemessen an der Tatsache, dass eine aktive Bandzugregelung fehlt, ist man über das gute Verhalten des Rangierhebels zudem immer wieder überrascht! Die Maschine kam ferner sogar mit Doppelspielband zurecht.
Kennern der alten HiFi-Stereophonie-Testjahrbücher dürfte ferner das grafisch verfremdete Piktogramm der M10 auf den Titelseiten geläufig sein: zwar spiegelverkehrt abgebildet, aber unverkennbar ist dort eine M10 mit ihrer "Knubbelnasen"-Kopfabdeckung zu sehen!
Martin
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Hallo Holger - Gerd,
meine Glückwünsche zu der Siemens-Truhe für die M10.
Damit bist du sehr gut ausgerüstet, denn ich finde die sehr viel hübscher, als die ARD-Stahltruhen.
Ich habe vor vielen Jahren Bilder eines Umbaus mit Riemenantrieb gesehen, bei denen die Angabe dabei war, daß das Gerät vom Hessischen Rundfunk gewesen sein sollte. Vielleicht weißt du ja noch einiges zu deinem Gerät.
Falls Du Tonhöhenschwankungen messen kannst, wären solche Daten sehr interessant, denn eigentlich müßte die Konstruktion ja gute Werte liefern.
Die M10 wurde 1958 vorgestellt und bei Beginn der Konstruktionsarbeit war die Geschwindigkeit 76 noch nicht ganz tot. Ein Antrieb mit Zwischenrad bei 76 und den vorhandenen Massen wäre nicht ganz ohne....und nicht ganz geräuschlos. Hier war die T9u auch vorbildlich.
Die von Ampex übernommene Antriebsart mit Gummiring auf der Schwungscheibe war dagegen sehr leise.
Die meisten Gummiringe bekamen Risse am Rand, bevor der Verschleiß einsetzte. Das Klackern war deutlich zu hören. Die Geschwindigkeit stimmte dann meist noch, aber raus mußte das Teil dann doch.
In einem großen Studio wanderte der Weichmacher aus einem neuen Fußbodenbelag in die Gummiringe der Schwungscheiben und diese wurden dann weich und matschig. Da viele Geräte betroffen waren, kam man nicht gleich darauf, sondern dachte zuerst an einen Fertigungsfehler.
Eine Anordnung des Motors unterhalb einer Schwungscheibe mit elastischer Kupplung für eine M10A hätte zu hoch gebaut, denn die Laufwerke sollten ja in die alten T9 / M10 -Truhen passen und bekamen evtl. nur eine andere Truhenabdeckplatte.
In meinen Geräten haben sich die Papst Außenläufermotoren in den vergangenen Jahrzehnten zum Glück immer recht gutmütig gezeigt. Ich weiß allerdings, daß der Motortyp nicht gleich von Anfang an problemlos war.
Viele Grüße
Manfred
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(23.08.2024, 12:41)Magnettonmanni schrieb: Eine Anordnung des Motors unterhalb einer Schwungscheibe mit elastischer Kupplung für eine M10A hätte zu hoch gebaut, denn die Laufwerke sollten ja in die alten T9 / M10 -Truhen passen und bekamen evtl. nur eine andere Truhenabdeckplatte.
Ich habe mal irgendwo gehört/gelesen, daß ein Direktantieb der Tonwelle wegen der geringen Entfernung zu den Köpfen Brummprobleme verursacht hätte (bzw. die Brummklappe nötig gemacht hat). Ist da was dran?
Grüße, TSD
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23.08.2024, 17:40
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.08.2024, 22:03 von Magnettonmanni.)
(21.08.2024, 23:14)mincom schrieb: Das Prinzip wurde nach dem Krieg auch in wenigen Amateur-Eigenbau-Laufwerken bereits angewendet. Man bezeichnete dies als "Schwungbahnrolle". Das Prinzip ist im RPB-Band "Magnetbandspieler-Selbstbau" von Junghans erläutert.
Die Graphitbremsen sind - wie von Manfred bereits erwähnt- Legende; die Schnellstop/Nothalt-Funktion bei Bandriss greift unübertroffen schnell (wichtig bei Offenwickel!).
Martin
Hallo Martin,
die Schwungbahnrolle des Herrn Junghans interessiert mich, könntest du evtl. einige Bilder zeigen?
Zu den Bremsen habe ich wieder drei kleine Filmchen zur allgemeinen Belustigung hochgeladen. Die sind noch eine Woche abrufbar.
Die letzte mechanische Wartung der M10A war vor 45 Jahren (April 1979) - (Never change a running system).
Bremsen
1. Film: So packen die Auslaufbremsen auf beiden Seiten zu (bei der M15 passiert das nur noch links)
2. Film: Abgleich der Bremsen in Drehrichtung
3. Film: Abgleich der Bremsen gegen Drehrichtung
https://we.tl/t-jMSWMElWtS
Schichtlagen
Band Schicht außen normal abgespielt Band Schicht innen mit Schicht außen vor dem Kopfträger
Hier noch zur weiteren Belustigung wieder hochgeladen, wie man Wickel von Schicht außen nach Schicht innen ohne Verschränkung ganz leicht mit einer M10 hinbekommt. Das war eigentlich keine Spielerei von Spinnern, denn die Bandkanten haben im normalen Leben schon nichts zu lachen und eine enge Verschränkung kann die Randspuren eines Bandes richtig versauen (Pegelschwankungen bei hohen NF-Frequenzen).
1. Film: Nomallauf Schicht außen
2. Film: Schicht innen Band wird Schicht außen abgespielt und Schicht außen aufgewickelt
3. Film: Schicht innen Band wird Schicht außen abgespielt und Schicht innen aufgewickelt
4. Film: Ein solches Band wird zurückgespult und am Ende packen die Auslaufbremsen zu
https://we.tl/t-kO60J2aEEh
Viel Vergnügen und
viele Grüße
Manfred
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(23.08.2024, 17:35)Tondose schrieb: Ich habe mal irgendwo gehört/gelesen, daß ein Direktantieb der Tonwelle wegen der geringen Entfernung zu den Köpfen Brummprobleme verursacht hätte (bzw. die Brummklappe nötig gemacht hat). Ist da was dran?
Grüße, TSD
Hallo TSD,
das kann sein, gilt aber nach meiner Meinung nicht als konstruktive Überlegung für den abenteuerlichen Antrieb bei der M10.
Der dort verwandte Motor wäre für Direktantrieb nicht geeignet gewesen und die Motorkonstruktion aus der T9u hätte bei 19 cm/s viel zu große Tonhöhenschwankungen gehabt. AEG/Telefunken hatte zu dem Zeitpunkt nichts besseres an Motoren im Angebot. Wäre der Papst Motor 1958 schon verfügbar gewesen, bezweifel ich, daß man den schon hätte einbauen dürfen.
Das es dann später doch geschah und damit die M10A entstand, war als Rettung des Konzepts dringend notwendig geworden, weil die Laufwerkseigenschaften sonst zu schlecht gegenüber der Konkurrenz von Studer geworden wären. Mal abgesehen von den Problemen mit den Gummiringen an den Schwungscheiben.
Der Direktantrieb durch den Papst Motor brauchte dann ja auch keine Abschirmklappe am Hörkopf , obwohl er direkt darunter lief. Sein Streufeld war nicht so intensiv, wie das der üblichen Motoren. - Glück gehabt! -
Bei der T9u brauchte man die Abschirmklappe vor dem Hörkopf unbedingt, um die geforderten Störabstände einzuhalten. Dort gab es sogar noch eine zusätzliche Brummkompensation.
Viele Grüße
Manfred
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23.08.2024, 23:00
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.08.2024, 00:26 von mincom.)
(23.08.2024, 18:27)Magnettonmanni schrieb: AEG/Telefunken hatte zu dem Zeitpunkt nichts besseres an Motoren im Angebot. Wäre der Papst Motor 1958 schon verfügbar gewesen, bezweifel ich, daß man den schon hätte einbauen dürfen.
Das es dann später doch geschah und damit die M10A entstand, war als Rettung des Konzepts dringend notwendig geworden, weil die Laufwerkseigenschaften sonst zu schlecht gegenüber der Konkurrenz von Studer geworden wären. Mal abgesehen von den Problemen mit den Gummiringen an den Schwungscheiben.
Einen recht brauchbaren Außenläufer-Direktantrieb sieht man beim bereits 1952/53er vorgestellten Grundig Reporter 500L und 700. Technisch wäre es also sicher schon früh möglich gewesen. Pabst hätte m. M.n. durchaus eine vergrößerte Version davon bauen können, insbesondere um ins Studiogeschäft reinzukommen. Den Motor nach oben mit Mu-Metallblech oder mittels eingebauter Rückschlußscheibe abzuschirmen, wäre kein Hexenwerk gewesen. Dass Telefunken sich all dem verweigerte und an den archaischen Primitiv-Lösungen vehement festhielt, hatte vermutlich firmenpolitische und bereits damals schon ernste finanzielle Gründe. Das ist sicherlich nicht das einzige Beispiel, wo die "deutsche Weltmarke" versagte (man denke z.B. an die TED-Bildplatte mit 10 Minuten Spieldauer; die zugehörigen Abspielgeräte zu teuer, primitiv und untauglich für die Praxis).
Hier und dort findet man im Netz noch Fotos von der TFK-"Fertigungsstraße" der M5 und M10, aus Weltkriegs-Holztischen und Dachlatten zusammengenagelt. Für mich persönlich sind das Anzeichen, dass diese Rundfunk-Aufträge aus dem Ruder liefen und finanziell alles schon eng geworden war für TFK.
Technisch hätte man von vornherein mehr tun können, auch um sich deutlich nachhaltiger von Mitbewerbern abzugrenzen. Später rächte es sich dann, als sich sukzessive herausstellte, daß die M10 im Sendebetrieb nicht immer bedingungslos zuverlässig war und folglich mehr und mehr Sender von dem störanfälligen Reibrad-System wegkommen wollten.
Auch wegen anderer konzeptioneller Schwachstellen mußte nachgebessert werden (man denke nur an den verschleißträchtigen und umständlich ausbaubaren Rangierschalter; man hat dann eine Riesenabdeckung aus Alu für die Deckelplatte gemacht, um die darin zusätzlichen gebohrten Löcher wieder zu verdecken. Das alles nur um besser an die Rangierschalter- Befestigungsschrauben heranzukommen und nicht jedesmal dafür die ganze Deckelpaltte demontieren zu müssen).
Ferner beachte man die nachträglich angebrachte Behelfsbandführung links von der linken Andruckrolle. Da gab´s offenbar ebenfalls Probleme!
Die M10A war da schon besser. Sie hatte zudem ein gut ablesbares Stroboskop bekommen (jedoch nur an der linken Umlenkrolle, nicht etwa direkt an der Tonwelle, wo sowas eigentlich hingehört). Eine aktive Bandzugregelung hatte die M10A aber immer noch nicht - die kam erst mit der M15. Über die M10A Stückzahlen kann ich nur mutmaßen; sie waren vermutlich weniger für den normalen Hörfunk-Sendebetrieb und mehr für Schallplattenstudios (als Vorhörmaschine mit Sonderkopfträger) oder vielleicht sogar für die Anwendungen beim Fersehen gedacht. Eine Rotosyn-Variante der M10A ist mir bis jetzt nicht bekannt, beim Film hatte man ja sowieso die Cordläufer.
Immerhin gab es nach meiner Kenntnis wohl ein R59 (Leistungsoszillator), um den Tonmotor der M10 und M10A pitchen zu können. TFK hatte ferner das Glück, dass sie die M15 an die Sender später wohl gut verkaufen konnten. Auf die recht exaltierten Pflichtenhefte, die das IRT für ihre "Rundfunkmaschinen" zu formulieren wußte, hatte TFK die passende Antwort in Gesalt der M15! Diese hatte dann zwar wieder keinen Direktantrieb, aber einen umso pfiffigeren Riemenantrieb:
Um den Riemenschlupf und andere Störeinflüsse aus dem Antriebssystem herauszubekommen, hatte man bei TFK den Riemen in die Regelschleife einbezogen. Der Tachogenerator für die Drehzahlregelung des Antriebsmotors saß nicht -wie allgemein üblich- auf der Motorwelle, sondern stattdessen auf der Tonwelle/Schwungmasse. Das Prinzip wurde später (Ende 70er) auch in einigen Philips-Geräten (Tonband und Plattenspieler) angewendet. Der technische Aufwand und die Anzahl an Bauteilen war größer als bei einem Direktantrieb. Letzteren hatte Studer patentrechtlich abgesichert. Ich behaupte, dass weder Studer bereit gewesen wäre, an TFK irgendwelche Lizenzen zu vergeben, noch TFK aus der eigenen Selbstüberschätzung heraus bereit gewesen wäre, bei Studer danach zu fragen.
Das merkwürdige Hin- und Her der Antriebskonzepte sieht man bei Studer im Übrigen so nicht! Er hat sich weniger auf diese Rundfunkgeschichten eingelassen und einen weitaus größeren -anders strukturierten- Markt mit technisch fortschrittlichen und zuverlässigen Maschinen bedient. Auf jenem hat er sich dann- anders als TFK und noch lange nach deren Niedergang- international Anerkennung erworben und Geltung verschafft.
Zu dieser Zeit war bei TFK der Vorhang in den Magnetton-Entwicklungsabteilungen leider schon längst gefallen.
Martin
P.S.: Was bleibt, ist eine weiterhin technisch interessante Maschine. Die M10 ist das Studienobjekt schlechthin bezüglich der praktischen Ausbildung von Magnetbandtransportwerken und der damit verbundenen Probleme. Ich wollte meine Maschine vor Jahren mal auf zwei synchronisierte A77-Außenläufer umbauen. Wegen des Aufwandes habe ich es dann gelassen und die Maschine verkauft. Die dafür umgebauten Motoren liegen noch heute hier im Keller. Heute nutze ich eine A700. So geht das...
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(23.08.2024, 17:40)Magnettonmanni schrieb: (21.08.2024, 23:14)mincom schrieb: Das Prinzip wurde nach dem Krieg auch in wenigen Amateur-Eigenbau-Laufwerken bereits angewendet. Man bezeichnete dies als "Schwungbahnrolle". Das Prinzip ist im RPB-Band "Magnetbandspieler-Selbstbau" von Junghans erläutert.
Die Graphitbremsen sind - wie von Manfred bereits erwähnt- Legende; die Schnellstop/Nothalt-Funktion bei Bandriss greift unübertroffen schnell (wichtig bei Offenwickel!).
Martin
Hallo Martin,
die Schwungbahnrolle des Herrn Junghans interessiert mich, könntest du evtl. einige Bilder zeigen?
Ich habe das Büchlein (völlig zerlesen) am WE wiedergefunden. Es handelt sich um den Band 10/10a, 4. u. 5. Auflage 1955, Franzis-Verlag München. Relevant sind die Seiten 26ff. sowie die Besprechung des Duoton-Gerätes ab S.57f.
Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich hier keine pdf´s davon wiedergeben. Derzeit wird dieser Band in der Bucht für 12,- angeboten oder ich kann Dir die Passagen bei Bedarf auch mailen.
Martin
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