Bandmaterial Restaurierung hier: SHAMROCK 031
#1
Sehr verehrte Damen und Herren,

ich weis zu diesem Thema wurde schon viel gesagt.
Zum Zeitpunkt seiner Marktgängigkeit war mir das - später mit recht so gescholtene - dreiblättrige Kleeblatt sehr willkommen. Zum einen wegen der guten elektromagnetischen- wie auch der -mechanischen Eigenschaften.
Etwas vergleichbares war zu diesem Preis hier zu Lande m.W. nicht zu bekommen, was letzten Endes bei mir zu einer
beachtlichen Sammlung an Tondokumenten führte. 
Der Rest der Geschichte - die dann irgendwann pappenden u nicht mehr abspielbaren Bänder - ist ja hinreichend bekannt.
Nur die Tücke des Objekts stellte sich dann doch , so nach meiner Erfahrun erst mit einigem Zeitversatz heraus.
Somit blieben einem die ideell oft wertvollen und mit schönen Erinnerungen verbundenen Tongebilde, einer Wiederbegegnung versagt.

Mit der Zeit tauchten dann vereinzelt Ideeen zur Abhilfe bei Abspielproblemen der inzwischen klebrig gewordener SHAMROCK Produkte auf, von denen nach meinem Dafürhalten die Wärmebehandlung das exotischste war.
Zwar habe ich vor Jahren mal halbherzige Versuche, ohne rechte Ergebnise unternommen.
So blieben die Bänder im Wesentlichen bis vor wenigen Tage unangetast liegen.
Eine erneute Versuchsserie lieferte jetzt völlig unerwartet ganz hervorragende Ergebnisse

Zuerst habe ich mich der auf Bobby offen gewickelten, meist ca. 930-1000 m Wickel angenommen.
Als ersten Schritt wurden diese einmal umgewickelt. Anschließend wurde das Material bei 65-67°C etwa 2 1/2 bis 3 h im Umluftofen behandelt. Direkt nach der Abkühlung wurden die Bänder abgehört, dabei parallel digital Rückgesichert.

Aufgrund der sehr guten Ergebnisse, kann ich Euch dieses Vorgehen vorbehaltslos Empfehlen!

Unklar ob hiermit dauerhaft ein Stabiler Zustand erreicht wurde, oder ob es mit Zeit wieder zu einer Umkehrung kommt?

V.G.

Jo
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#2
(25.07.2024, 15:45)Tonschreiber schrieb: Unklar ob hiermit dauerhaft ein Stabiler Zustand erreicht wurde, oder ob es mit Zeit wieder zu einer Umkehrung kommt?

V.G.

Jo

Ist nicht unklar, nach spätestens 4 Wochen klebt das Zeug wieder, selber getestet.
Viele Grüße,

Matthias
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#3
Leider, genauso sieht's aus.

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#4
Wäre es nicht sinnvoller das Band erst zu backen und dann erst umzuwickeln. Stichwort: Eventuelle Schichtablösung.
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#5
Käme auf einen Versuch an. Zunächst ging es darum die Abspielbarkeit im Falle von klebenden Shamrock 031 wieder zu ermöglichen. Eine Schichtablösung war in dem geschilderten Durchgang nicht das Problem. Ich habe während der Zeit als das Shamrockband im Handel war ein dreistellige Anzahl, genauer kann ich das i.M. garnicht sagen, verarbeitet.
Schichtablösung konnte ich bisher noch nicht beobachten. Es gab da mal irgendwelche BASF Bänder, was  das für ein Typ war weis ich nicht mehr. Leider habe ich damit nicht experimentell ermittelt, ob sich dies themisch stabilisieren lassen hätte können.
Kurz zurück zum Kleben oder auch Schmieren. Alles was man dazu lesen kann gibt für mich keinen eindeutigen Aufschluss darüber an welche Vorgänge zu den diesen Effekten führen und warum die Wärmebehandlung genau dieses, wenn auch nur temporär umkehren. Der Meinung, dass es sich hierbei um den Effekt von Hygroskopizität handelt, kann ich mich noch nicht anschließen.
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#6
Vielleicht verdunstet das Lösemittel, das aus der Beschichtung ausgetreten ist und wenn man die Bänder schnell nach der Behandlung abspielt, ist noch kein neues aus dem Bindemittel ausgetreten. Das Kunststoffe instabil werden, kennt man ja auch von diesen klebrigen Kunststoffoberflächen. Was alles so an Stabilisatoren in die Bänder eingerührt wurde, kann man sicher nur als Entwickler von damals wissen.
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#7
Die Ursache ist Hydrolyse des Binders, ist allgemein bekannt, im Netz gibt's da diverse Abhandlungen.

Ich schließe mich Michas Bedenken an: ERST backen, vorher nicht umspulen!
Je nach Bandtyp hast du sonst Placken der Schicht auf der Rückseite der nächsten Windung hängen.

Ich bin immer etwas brutaler vorgegangen: ca. 80 Grad und ca 8 Stunden. Das Ergebnis war fast immer perfekt. Natürlich muss die Küche dabei gut belüftet sein, es stinkt ordentlich.
Die Zeit, die das Band dann klebefrei abspielbar ist, variiert nach meiner Erfahrung zwischen wenigen Tagen und wenigen Monaten.

VG Stefan
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#8
Hallo zusammen,
hier ein Beispiel, wie man sich den Klimawandel in diesem Zusammenhang nutzbar machen kann:
ich habe ein ähnliches Problemband (Revox 621) einmal einfach mal einen Arbeitstag offen auf der Rücksitzbank meines in der Juli-Sommerhitze auf dem Firmenparkplatz stehenden Autos liegen gehabt. Hat bestens funktioniert, danach konnte ich es Abends problemlos abspielen und digitalisieren. Das Band habe ich allerdings danach entsorgt.  Smile
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