Hallo an alle!
In diesem ersten Teil des Themas "Bandführungen" soll es um die beiden Umlenkrollen auf den Fühlhebeln gehen.
Bekanntlich hat die RdL im Bandpfad so einige Reibstellen, die sich bei der Wiedergabe von Problembändern unangenehm bemerkbar machen können. Aber auch bei einwandfreiem Band ist man froh, wenn der Verschleiß von Band und Gerät so gering wie möglich bleibt. Ideal wäre, wenn das Band nur an den Köpfen "reibt", ansonsten aber über Rollen geführt würde. Ich habe mir beim Umbau meiner RdL vorgenommen, dies -soweit es das Gerätekonzept zuläßt- zu realisieren.
An der RdL sind insgesamt sechs Punkte im Bandpfad kritisch:
1+2. Die feststehenden beiden Bandführungsbolzen rechts und links vom Kopfträger
3+4. Die beiden Fühlstifte der Komparatoren
5. Die schwarze Kunststoff-Bandführung zwischen Lösch- bzw. Impulskopf und Vorberuhigungsrolle im Kopfträger
6. Die Messing-Bandführung im Kopfträger zwischen WK und Capstan
Zielperspektive war, mit einfachen und preiswerten Mitteln dennoch hinreichend präzise, drehende Bandführungen zu schaffen, welche jeder hier im Forum -und nicht nur für die RdL- kostengünstig nachbauen kann. Hierfür sollten soweit wie möglich handelsübliche Normteile verwendet werden.
Die Lösung mit Kugellagern ist aus der A/B77 bekannt. Dort sind stinknormale Industrie-Lager eingebaut. Obwohl diese aus Stahl bestehen, schadet das den Bändern nicht. Vorausgesetzt, man entmagnetisiert diese gelegentlich. Ich habe das Konzept auf die Abmessungen von Miniatur-Kugellagern herunterskaliert. Die umgebaute RdL hat damit bis jetzt im Testbetrieb 25 Stück 18cm Bänder bespielt. Darunter auch die etwas "staubigen" alten BASF aus Vor-low-noise-Zeiten. Es funktioniert bislang prächtig und wird nunmehr hier vorgestellt; ich versuche Euch eine möglichst rezeptartige Beschreibung für den Nachbau zu geben:
Die mit Abstand übelsten Reibstellen sind die beiden Stifte der Komparatoren (3+4), sie werden beide durch drehende Bandführungen ersetzt. Die originalen Stifte sind eigentlich Edelstahl-Röhrchen und sind auf den Komparatorhebeln verschraubt. Die Schrauben sitzen extrem fest und lassen sich gewöhnlich nicht ohne Ausbau der Hebel lösen (es wird zwar woanders das Gegenteil behauptet, ich zumindest kann es jedoch nicht bestätigen -bei den bislang umgebauten Geräte saß alles bombenfest). Das Gewinde in den Hebeln ist M3. Die Stifte bestehen aus dünnwandigem Edelstahlrohr. Bitte diese Stifte/Röhrchen beim Ausbau nicht mit der Zange verbiegen oder verbeulen - sie werden später noch für einen ganz besonderen Zweck in unversehrtem Zustand benötigt!!!
Für die Anfertigung der drehenden BF an den Komparatoren benötigt man nun folgendes Material:
Von links nach rechts sehen wir:
1. Edelstahl-Rändelschrauben M3 mit 16mm Gewindelänge
2. Edelstahl-Rändelmutter M3
3. Tellerfedern 10x3,2x0,5mm aus gehärtetem Federstahl (wer diese in V4A bekommen kann, sollte diese nehmen)
4. Präzisions-Paßscheiben 6x3,2x0,1mm Stahl
5. Miniatur-Kugellager Typ 683 ZZ; pro Rolle werden zwei Stück benötigt
6. Oben ein Stück des verwendeten Schrumpfschlauchs
Die Tellerfedern dienen als unterer und oberer Anlaufbund. Ich konnte keine abriebfesten Sinterrubinscheiben zu vertretbaren Preisen bzw. geeigneten Abmessungen bekommen. Da Revox dafür auch nur gehärteten Stahl verwendet hat, hielt ich diese Vereinfachung qualitativ für vertretbar. Ein merkbarer Verschleiß ist an den Tellerfedern bislang nicht zu beobachten.
Die Tellerfedern preßt man vor dem Zusammenbau mit einer Zange oder einem Schraubstock (bitte mit glatten Backen!!) zusammen, sofern sie eine zu starke Wölbung aufweisen sollten, sie werden dadurch etwas flacher. Die konvexen Seiten müssen beim Zusammenbau zu den Kugellagern zeigen.
Die Kugellager werden vorher mit Schrumpfschlach überzogen. Dazu die beiden Kugellager gemeinsam auf einen genau passenden Dorn aufnehmen, damit sie beide exakt koaxial zueinander sitzen. Achtung!: Zwischen die beiden Lager kommt nur eine Paßscheibe (Pos.4), das Foto ist falsch! Dann die beiden Lager eng aneinanderschieben und beide gemeinsam mit Schrumpfschlauch überschrumpfen. Nach Erkalten den Schrumpfschlauch-Überstand mit einer neuen und scharfen Rasierklinge an den Enden trimmen (das ist etwas fummelig und man muß es üben!)
Auf die Qualität des Schrumpfschlauches kommt es ebenso an wie auf die gleichmäßige Erwärmung beim Schrumpfen, damit die Wandstärke gleichmäßig bleibt!
Zuletzt ist das Ganze wie auf den Fotos zusammenzubauen und die Rändelmutter handfest anzuziehen. Das Kugellager-Tandem auf leichten Gang prüfen und mittels Tonband prüfen, ob die Breite stimmt. Es müssen insgesamt drei Paßscheiben verwendet werden. Das ergibt eine theoretische Breite der Führung von 6,3mm. Wegen der Wölbung der Tellerfedern ist es etwas mehr. Durch mehr oder weniger scharfes Zusammendrehen der Rändel kann man die Breite feinjustieren und an überbreite Bänder bei Bedarf sogar anpassen.
Zur Befestigung dieser drehenden BF auf den Hebeln braucht man noch je einen Abstandsbolzen. Am besten die typischen Sechskant-Distanzbolzen nehmen, eine Seite M3 Innengewinde, die andere Seite M3 Außengewinde (Bürklin u.v.a. Anbieter). Länge ohne Gewinde 20mm. Damit die BF auf ihren Hebeln montieren und die optimale Höhe durch Unterlegscheiben einstellen - fertig!
Im praktischen Betrieb geben die Rollen bei voller Umspulgeschwindigkeit nur ein geringes, turbinenartiges Geräusch wegen der hohen Drehzahl der Mini-Lager. Das unschöne Tirbeln und damit verbundene Störgeräusch -wie man es von Kugellager-BF der Revoxe kennt- konnte bislang nicht beobachtet werden. Die RdL kommt beim Umspulen nun sehr flott auf Tempo, das Zittern der Komparatoren wurde zudem merklich minimiert! Bandabrieb-Ablagerungen lassen sich mit Wattestäbchen und etwas Feuerzeugbenzin jederzeit gut entfernen. Zum Reinigen kann man bei Bedarf diese "Rändelbaugruppe" als Ganzes jederzeit auch bequem vom Trägerbolzen abschrauben.
Einen kleinen Nachteil des Umbaus will ich nicht verschweigen:
Die RdL verliert ihre Bandendabschaltung, da die Bandführungsbolzen nach dem Umbau keinen Kontakt mehr zu den Schaltfolien geben. Da die meisten höherwertigen Bänder heute keine Schaltfolien mehr haben, wäre das nicht so schlimm. Allerdings enthält die RdL -was kaum jemand weiß- bereits die komplette aktive Elektronik zum Betrieb eines Fototransistors. Dieser, eine weitere LED, ein Widerstand sowie ein Halter aus Plastik oder Metall sind neben drei zusätzlichen Kabeln die einzigen Teile, welche zur fotoelektrischen "Aufrüstung" einer RdL nötig sind. Damit entfällt dann auch das lästige Anspleißen von Schaltfolien bzw, deren Kauf.
Davon später mehr im Beitrag Nr. 4
Bezugsquellennachweis, Stand Juli 2024:
Kugellager:
Type 638 ZZ, ebay-Nr. 261660802827, GAP Kugellager OHG, 32130 Enger
Preis für 20 Stk.: 23,50; Einzelpreis 1,18€
Tellerfedern:
Nach EN16983, ebay-Nr. 194831427300, Priara GmbH, 40764 Langenfeld
Preis für 100 St. Incl. Versand 8,16; Einzelpreis 0,0816€
Paßscheiben:
DIN988, ebay-Nr. 266126982669, IVO Industriebedarf, 49439 Steinfeld
Preis für 50 St. Incl. Versand 4,80; Einzelpreis 0,096€
Rändelschraube Edelstahl:
Chinaware, ebay-Nr. 404903240713
Preis für 10 St. Incl. Vers. 8,36; Einzelpreis 0,836€
Rändelmutter Edelstahl
DIN467, ebay-Nr. 186154717889, Der Anschraubladen Tobias Straub, 93426 Roding
Preis f. 10 St. Incl. Vers. 8,12; Einzelpreis 0,812
Die Kosten für diese Bandführungen ohne den Schrumpfschlauch-Schnipsel betragen somit pro Stück rund 4,45€
Martin
In diesem ersten Teil des Themas "Bandführungen" soll es um die beiden Umlenkrollen auf den Fühlhebeln gehen.
Bekanntlich hat die RdL im Bandpfad so einige Reibstellen, die sich bei der Wiedergabe von Problembändern unangenehm bemerkbar machen können. Aber auch bei einwandfreiem Band ist man froh, wenn der Verschleiß von Band und Gerät so gering wie möglich bleibt. Ideal wäre, wenn das Band nur an den Köpfen "reibt", ansonsten aber über Rollen geführt würde. Ich habe mir beim Umbau meiner RdL vorgenommen, dies -soweit es das Gerätekonzept zuläßt- zu realisieren.
An der RdL sind insgesamt sechs Punkte im Bandpfad kritisch:
1+2. Die feststehenden beiden Bandführungsbolzen rechts und links vom Kopfträger
3+4. Die beiden Fühlstifte der Komparatoren
5. Die schwarze Kunststoff-Bandführung zwischen Lösch- bzw. Impulskopf und Vorberuhigungsrolle im Kopfträger
6. Die Messing-Bandführung im Kopfträger zwischen WK und Capstan
Zielperspektive war, mit einfachen und preiswerten Mitteln dennoch hinreichend präzise, drehende Bandführungen zu schaffen, welche jeder hier im Forum -und nicht nur für die RdL- kostengünstig nachbauen kann. Hierfür sollten soweit wie möglich handelsübliche Normteile verwendet werden.
Die Lösung mit Kugellagern ist aus der A/B77 bekannt. Dort sind stinknormale Industrie-Lager eingebaut. Obwohl diese aus Stahl bestehen, schadet das den Bändern nicht. Vorausgesetzt, man entmagnetisiert diese gelegentlich. Ich habe das Konzept auf die Abmessungen von Miniatur-Kugellagern herunterskaliert. Die umgebaute RdL hat damit bis jetzt im Testbetrieb 25 Stück 18cm Bänder bespielt. Darunter auch die etwas "staubigen" alten BASF aus Vor-low-noise-Zeiten. Es funktioniert bislang prächtig und wird nunmehr hier vorgestellt; ich versuche Euch eine möglichst rezeptartige Beschreibung für den Nachbau zu geben:
Die mit Abstand übelsten Reibstellen sind die beiden Stifte der Komparatoren (3+4), sie werden beide durch drehende Bandführungen ersetzt. Die originalen Stifte sind eigentlich Edelstahl-Röhrchen und sind auf den Komparatorhebeln verschraubt. Die Schrauben sitzen extrem fest und lassen sich gewöhnlich nicht ohne Ausbau der Hebel lösen (es wird zwar woanders das Gegenteil behauptet, ich zumindest kann es jedoch nicht bestätigen -bei den bislang umgebauten Geräte saß alles bombenfest). Das Gewinde in den Hebeln ist M3. Die Stifte bestehen aus dünnwandigem Edelstahlrohr. Bitte diese Stifte/Röhrchen beim Ausbau nicht mit der Zange verbiegen oder verbeulen - sie werden später noch für einen ganz besonderen Zweck in unversehrtem Zustand benötigt!!!
Für die Anfertigung der drehenden BF an den Komparatoren benötigt man nun folgendes Material:
Von links nach rechts sehen wir:
1. Edelstahl-Rändelschrauben M3 mit 16mm Gewindelänge
2. Edelstahl-Rändelmutter M3
3. Tellerfedern 10x3,2x0,5mm aus gehärtetem Federstahl (wer diese in V4A bekommen kann, sollte diese nehmen)
4. Präzisions-Paßscheiben 6x3,2x0,1mm Stahl
5. Miniatur-Kugellager Typ 683 ZZ; pro Rolle werden zwei Stück benötigt
6. Oben ein Stück des verwendeten Schrumpfschlauchs
Die Tellerfedern dienen als unterer und oberer Anlaufbund. Ich konnte keine abriebfesten Sinterrubinscheiben zu vertretbaren Preisen bzw. geeigneten Abmessungen bekommen. Da Revox dafür auch nur gehärteten Stahl verwendet hat, hielt ich diese Vereinfachung qualitativ für vertretbar. Ein merkbarer Verschleiß ist an den Tellerfedern bislang nicht zu beobachten.
Die Tellerfedern preßt man vor dem Zusammenbau mit einer Zange oder einem Schraubstock (bitte mit glatten Backen!!) zusammen, sofern sie eine zu starke Wölbung aufweisen sollten, sie werden dadurch etwas flacher. Die konvexen Seiten müssen beim Zusammenbau zu den Kugellagern zeigen.
Die Kugellager werden vorher mit Schrumpfschlach überzogen. Dazu die beiden Kugellager gemeinsam auf einen genau passenden Dorn aufnehmen, damit sie beide exakt koaxial zueinander sitzen. Achtung!: Zwischen die beiden Lager kommt nur eine Paßscheibe (Pos.4), das Foto ist falsch! Dann die beiden Lager eng aneinanderschieben und beide gemeinsam mit Schrumpfschlauch überschrumpfen. Nach Erkalten den Schrumpfschlauch-Überstand mit einer neuen und scharfen Rasierklinge an den Enden trimmen (das ist etwas fummelig und man muß es üben!)
Auf die Qualität des Schrumpfschlauches kommt es ebenso an wie auf die gleichmäßige Erwärmung beim Schrumpfen, damit die Wandstärke gleichmäßig bleibt!
Zuletzt ist das Ganze wie auf den Fotos zusammenzubauen und die Rändelmutter handfest anzuziehen. Das Kugellager-Tandem auf leichten Gang prüfen und mittels Tonband prüfen, ob die Breite stimmt. Es müssen insgesamt drei Paßscheiben verwendet werden. Das ergibt eine theoretische Breite der Führung von 6,3mm. Wegen der Wölbung der Tellerfedern ist es etwas mehr. Durch mehr oder weniger scharfes Zusammendrehen der Rändel kann man die Breite feinjustieren und an überbreite Bänder bei Bedarf sogar anpassen.
Zur Befestigung dieser drehenden BF auf den Hebeln braucht man noch je einen Abstandsbolzen. Am besten die typischen Sechskant-Distanzbolzen nehmen, eine Seite M3 Innengewinde, die andere Seite M3 Außengewinde (Bürklin u.v.a. Anbieter). Länge ohne Gewinde 20mm. Damit die BF auf ihren Hebeln montieren und die optimale Höhe durch Unterlegscheiben einstellen - fertig!
Im praktischen Betrieb geben die Rollen bei voller Umspulgeschwindigkeit nur ein geringes, turbinenartiges Geräusch wegen der hohen Drehzahl der Mini-Lager. Das unschöne Tirbeln und damit verbundene Störgeräusch -wie man es von Kugellager-BF der Revoxe kennt- konnte bislang nicht beobachtet werden. Die RdL kommt beim Umspulen nun sehr flott auf Tempo, das Zittern der Komparatoren wurde zudem merklich minimiert! Bandabrieb-Ablagerungen lassen sich mit Wattestäbchen und etwas Feuerzeugbenzin jederzeit gut entfernen. Zum Reinigen kann man bei Bedarf diese "Rändelbaugruppe" als Ganzes jederzeit auch bequem vom Trägerbolzen abschrauben.
Einen kleinen Nachteil des Umbaus will ich nicht verschweigen:
Die RdL verliert ihre Bandendabschaltung, da die Bandführungsbolzen nach dem Umbau keinen Kontakt mehr zu den Schaltfolien geben. Da die meisten höherwertigen Bänder heute keine Schaltfolien mehr haben, wäre das nicht so schlimm. Allerdings enthält die RdL -was kaum jemand weiß- bereits die komplette aktive Elektronik zum Betrieb eines Fototransistors. Dieser, eine weitere LED, ein Widerstand sowie ein Halter aus Plastik oder Metall sind neben drei zusätzlichen Kabeln die einzigen Teile, welche zur fotoelektrischen "Aufrüstung" einer RdL nötig sind. Damit entfällt dann auch das lästige Anspleißen von Schaltfolien bzw, deren Kauf.
Davon später mehr im Beitrag Nr. 4
Bezugsquellennachweis, Stand Juli 2024:
Kugellager:
Type 638 ZZ, ebay-Nr. 261660802827, GAP Kugellager OHG, 32130 Enger
Preis für 20 Stk.: 23,50; Einzelpreis 1,18€
Tellerfedern:
Nach EN16983, ebay-Nr. 194831427300, Priara GmbH, 40764 Langenfeld
Preis für 100 St. Incl. Versand 8,16; Einzelpreis 0,0816€
Paßscheiben:
DIN988, ebay-Nr. 266126982669, IVO Industriebedarf, 49439 Steinfeld
Preis für 50 St. Incl. Versand 4,80; Einzelpreis 0,096€
Rändelschraube Edelstahl:
Chinaware, ebay-Nr. 404903240713
Preis für 10 St. Incl. Vers. 8,36; Einzelpreis 0,836€
Rändelmutter Edelstahl
DIN467, ebay-Nr. 186154717889, Der Anschraubladen Tobias Straub, 93426 Roding
Preis f. 10 St. Incl. Vers. 8,12; Einzelpreis 0,812
Die Kosten für diese Bandführungen ohne den Schrumpfschlauch-Schnipsel betragen somit pro Stück rund 4,45€
Martin
