Hallo in die Runde!
Ich möchte in diesem Beitrag nicht von der Reparatur oder gar Restauration einer RdL berichten; dies haben andere von uns bereits eingehend gemacht. In zwangloser Reihenfolge sollen stattdessen hier einige Vorüberlegungen angestellt werden. Sie bilden die Grundlage meiner weiteren RdL-Beiträge. In diesen möchte ich Euch dann meine testweisen Umbauten und technischen Experimente am Gerät vorstellen.
Eigentlich bin ich seit Jahren auf Revox A700 2-Spur unterwegs, meinen letzten einmotorigen Kleinspuler hatte ich vor 40 Jahren hinter mir gelassen. Es war damals auch eine RdL, mit deren Verkaufserlös ich meine erste A77 mitfinanzierte. Zum Jahreswechsel 23/24 war in den Kleinanzeigen dann eine Royale „zu verschenken“. Nun ja. Mir war gerade etwas langweilig und so kam das Gerät ins Haus.
Erster Eindruck: Totalschaden:
Verstärker defekt, Tonkopfwicklung offen, Dämpfungsring in Schwungmasse lose, Wiedergabekontaktblock zerbröselt, Pausenmagnet klebt, Bandzugkomparatoren auweia usw. Das Ding war multimorbide vom Feinsten und normalerweise geht sowas heute eher zum Wertstoffhof als auf den Labortisch oder aber endet in Teilen in der Bucht.
Eigentlich war mein Gerät nicht mal zur Teilegewinnung brauchbar, da es die wertvollen Teile ja schon zerrissen hatte. Es wurde dann aber ein Versuchskaninchen daraus, denn ich erinnerte mich wieder an diesen denkwürdigen Testbericht in der altehrwürdigen HiFi-Stereophonie, wo in den 70ern der Tester O. Diciol – den älteren unter uns sicher noch vertraut- beim Gleichlauftest einer RdL an der Zuverlässigkeit seines W&F-Meters zweifelte –der guten, an der RdL gemessenen Daten wegen. Freilich, es gab auch manches zu beanstanden, z.B. den mäßigen Fremdspannungsabstand. Das motivierte mich, das Gerät unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten und damit –als technisches „Versuchskaninchen“ - zu experimentieren.
Ich äußere hier mal meine persönliche Meinung, mancher mag das anders sehen:
Im Kern ist die RdL konzeptionell und von der Verarbeitung her eine Klasse für sich. Sie verdient aus verschiedenen Gründen durchaus Beachtung.
Uhers besondere konstruktive Leistung bestand darin, ein Konsumer- Gerät mit hohem Gebrauchswert zu schaffen und es mit so ziemlich allem Erdenklichen auszustatten, so u.a. aktive, rein mechanische Bandzugregelung für alle Betriebsarten, alle Geschwindigkeiten, Wechselkopfträger, Trick- und Diaschaltungen. Man findet das in einem Gerät vereint nicht so oft. Neben der guten Verarbeitung hatte die RdL recht bemerkenswerte Daten. Diese mit den damaligen bescheidenen Techniken zu erreichen wird heute nur selten gewürdigt, hatte aber auch seinen Preis.
Die Konstruktion kommt für einen Einmotorer mit einem Minimum an Zwischenrädern und Hebeln aus. Da es sich um einen echten Hysterese-Synchronmotor handelt, ist dieser durchaus drehzahlsteifer als die sonst üblichen Asynchronmotoren der damaligen Mitbewerber. Dadurch gewann Uher eine bessere Drehzahlkonstanz bei wechselnden Belastungen durch die übrigen Antriebselemente des Laufwerkes.
Die Mechanik erforderte einst wie jetzt eine penible Justage, die seinerzeit in der Serie wohl auch nicht immer glückte. Der Ruf der RdL war nicht der zuverlässigste (vergl. Die Fachhändler-Umfrage in Ausg. 7/1970 der HiFi-Stereophonie, S. 522ff). Die Verkaufszahlen / Verbreitungsgrad muss trotz des hohen Preises dennoch erheblich gewesen sein – wo kommen sonst heute diese Mengen von Uher-Altgeräten auf ebay und ka her? Beachtliche Stückzahlen für einen doch recht kleinen Hersteller!
Aus vorgenannten Gründen reizte es mich also, die Technik der Maschine einmal intensiver unter die Lupe zu nehmen, zumal einige features der RdL nicht in der BDA erwähnt werden, wie z.B. die back-cue-Fähigkeit in Stellung Pause (nur mit der linken Hand an der Abwickelspule). Oder dass man in Stellung Pause bei Aufnahme diese nachträglich ganz bequem millimetergenau „anstückeln“ und daran „herumradieren“ kann.
Erste Bestandsaufnahme nach der anfänglichen provisorischen Notinstandsetzung:
-mäßiger Brummabstand
-zittrige Komparatoren
-zu viele Reibstellen im Bandpfad
-Verschlissene Umlenkbolzen
-unzuverlässiger Pausenmagnet
-unglückliche Kabelführung an der Steckerleiste des WK
-schwergängige Mechanik
-tote Tonköpfe (Wicklungsbruch)
-lautes Reibrad
Es gab also viel zu tun.
Die Köpfe sind ein eigenes Thema, deren Beschaffung war kritisch. Ein Bogen- WK war zunächst weder in 2-Spur, noch 4-Spur für kleines Geld beschaffbar. Als Notbehelf wurden als WK die Kombiköpfe aus alten Variocords verwendet. Die haben zwar nicht die Qualität (Einblechköpfe), funktionieren als WK aber recht gut. Auch sollte ein Nur-Wiedergabe-Kopfträger mit reduzierten Reibstellen hergestellt werden. Dazu später mehr da es ein eigenes Thema darstellt.
Gottlob hat ein Forenmitglied mir einen recht gut erhaltenen KT verkauft, was mir zeitnah erste Testaufnahmen ermöglichte. Diese zeigten dann auch den von Diciol bemängelten, mäßigen Fremdspannungsabstand.
In Kürze geht es in meinem nächsten RdL- Beitrag weiter mit der „Entbrummung“ und der damit verbundenen, ersten Modifikation dieses Gerätes!
Martin
Ich möchte in diesem Beitrag nicht von der Reparatur oder gar Restauration einer RdL berichten; dies haben andere von uns bereits eingehend gemacht. In zwangloser Reihenfolge sollen stattdessen hier einige Vorüberlegungen angestellt werden. Sie bilden die Grundlage meiner weiteren RdL-Beiträge. In diesen möchte ich Euch dann meine testweisen Umbauten und technischen Experimente am Gerät vorstellen.
Eigentlich bin ich seit Jahren auf Revox A700 2-Spur unterwegs, meinen letzten einmotorigen Kleinspuler hatte ich vor 40 Jahren hinter mir gelassen. Es war damals auch eine RdL, mit deren Verkaufserlös ich meine erste A77 mitfinanzierte. Zum Jahreswechsel 23/24 war in den Kleinanzeigen dann eine Royale „zu verschenken“. Nun ja. Mir war gerade etwas langweilig und so kam das Gerät ins Haus.
Erster Eindruck: Totalschaden:
Verstärker defekt, Tonkopfwicklung offen, Dämpfungsring in Schwungmasse lose, Wiedergabekontaktblock zerbröselt, Pausenmagnet klebt, Bandzugkomparatoren auweia usw. Das Ding war multimorbide vom Feinsten und normalerweise geht sowas heute eher zum Wertstoffhof als auf den Labortisch oder aber endet in Teilen in der Bucht.
Eigentlich war mein Gerät nicht mal zur Teilegewinnung brauchbar, da es die wertvollen Teile ja schon zerrissen hatte. Es wurde dann aber ein Versuchskaninchen daraus, denn ich erinnerte mich wieder an diesen denkwürdigen Testbericht in der altehrwürdigen HiFi-Stereophonie, wo in den 70ern der Tester O. Diciol – den älteren unter uns sicher noch vertraut- beim Gleichlauftest einer RdL an der Zuverlässigkeit seines W&F-Meters zweifelte –der guten, an der RdL gemessenen Daten wegen. Freilich, es gab auch manches zu beanstanden, z.B. den mäßigen Fremdspannungsabstand. Das motivierte mich, das Gerät unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten und damit –als technisches „Versuchskaninchen“ - zu experimentieren.
Ich äußere hier mal meine persönliche Meinung, mancher mag das anders sehen:
Im Kern ist die RdL konzeptionell und von der Verarbeitung her eine Klasse für sich. Sie verdient aus verschiedenen Gründen durchaus Beachtung.
Uhers besondere konstruktive Leistung bestand darin, ein Konsumer- Gerät mit hohem Gebrauchswert zu schaffen und es mit so ziemlich allem Erdenklichen auszustatten, so u.a. aktive, rein mechanische Bandzugregelung für alle Betriebsarten, alle Geschwindigkeiten, Wechselkopfträger, Trick- und Diaschaltungen. Man findet das in einem Gerät vereint nicht so oft. Neben der guten Verarbeitung hatte die RdL recht bemerkenswerte Daten. Diese mit den damaligen bescheidenen Techniken zu erreichen wird heute nur selten gewürdigt, hatte aber auch seinen Preis.
Die Konstruktion kommt für einen Einmotorer mit einem Minimum an Zwischenrädern und Hebeln aus. Da es sich um einen echten Hysterese-Synchronmotor handelt, ist dieser durchaus drehzahlsteifer als die sonst üblichen Asynchronmotoren der damaligen Mitbewerber. Dadurch gewann Uher eine bessere Drehzahlkonstanz bei wechselnden Belastungen durch die übrigen Antriebselemente des Laufwerkes.
Die Mechanik erforderte einst wie jetzt eine penible Justage, die seinerzeit in der Serie wohl auch nicht immer glückte. Der Ruf der RdL war nicht der zuverlässigste (vergl. Die Fachhändler-Umfrage in Ausg. 7/1970 der HiFi-Stereophonie, S. 522ff). Die Verkaufszahlen / Verbreitungsgrad muss trotz des hohen Preises dennoch erheblich gewesen sein – wo kommen sonst heute diese Mengen von Uher-Altgeräten auf ebay und ka her? Beachtliche Stückzahlen für einen doch recht kleinen Hersteller!
Aus vorgenannten Gründen reizte es mich also, die Technik der Maschine einmal intensiver unter die Lupe zu nehmen, zumal einige features der RdL nicht in der BDA erwähnt werden, wie z.B. die back-cue-Fähigkeit in Stellung Pause (nur mit der linken Hand an der Abwickelspule). Oder dass man in Stellung Pause bei Aufnahme diese nachträglich ganz bequem millimetergenau „anstückeln“ und daran „herumradieren“ kann.
Erste Bestandsaufnahme nach der anfänglichen provisorischen Notinstandsetzung:
-mäßiger Brummabstand
-zittrige Komparatoren
-zu viele Reibstellen im Bandpfad
-Verschlissene Umlenkbolzen
-unzuverlässiger Pausenmagnet
-unglückliche Kabelführung an der Steckerleiste des WK
-schwergängige Mechanik
-tote Tonköpfe (Wicklungsbruch)
-lautes Reibrad
Es gab also viel zu tun.
Die Köpfe sind ein eigenes Thema, deren Beschaffung war kritisch. Ein Bogen- WK war zunächst weder in 2-Spur, noch 4-Spur für kleines Geld beschaffbar. Als Notbehelf wurden als WK die Kombiköpfe aus alten Variocords verwendet. Die haben zwar nicht die Qualität (Einblechköpfe), funktionieren als WK aber recht gut. Auch sollte ein Nur-Wiedergabe-Kopfträger mit reduzierten Reibstellen hergestellt werden. Dazu später mehr da es ein eigenes Thema darstellt.
Gottlob hat ein Forenmitglied mir einen recht gut erhaltenen KT verkauft, was mir zeitnah erste Testaufnahmen ermöglichte. Diese zeigten dann auch den von Diciol bemängelten, mäßigen Fremdspannungsabstand.
In Kürze geht es in meinem nächsten RdL- Beitrag weiter mit der „Entbrummung“ und der damit verbundenen, ersten Modifikation dieses Gerätes!
Martin
