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Hallo, allerseits, ich stelle mich vor. Mechaniker mit humanistischer Allgemeinbildung und abgeschlossenem Grundstudium eines ziemlich brotlosen Fachs, Jahrgang 1961. Mein erstes Tonbandgerät war etwas aus Japan, an die Marke kann ich mich nicht erinnern. Das primitive Ding mit Spulentellerantrieb versuchte ich mit einem Capstan auszurüsten, was aber misslang. Jahre später kaufte ich mir ein nigelnagelneues Uher Report Monitor 4400, das ich später meinem Bruder gab. Seit bald 40 Jahren nie mehr Kontakt mit Tonbandgeräten. Als Filmtechniker bin ich mit Lichtton und SEPMAG-Systemen vertraut, die ja mit Magnetfilm funktionieren. Nun, seit zwei Monaten dieses Jahres 2024, befasse ich mich wieder mit dem Magnettonband, und zwar im Zusammenhang mit dem 8-mm-Film-Projektor Bauer T 10 und dem Tonkoppler dazu. Damit aller Schlupf ausgeschaltet ist, muss der Projektor auf Zahnriemenantrieb umgerüstet werden. Auf der anderen Seite ist perforiertes Tonband vonnöten und genau das beschäftigt mich heute. Meinen Benutzernamen habe ich vom französischen Héraphone abgeleitet und mit Ravioli kombiniert, weil mit Héra auch Hero anklingt, woher die Teigwaren u. a. kommen.
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Hallo und willkommen im Forum!
Praktische Erfahrungen mit Tonfilm haben hier wohl nicht allzu viele. Dazu kannst Du uns bestimmt Interessantes berichten.
Was mich verwundert: Woher kennst Du das Héraphone? Das ist ja selbst in seiner Heimat heute nur noch wenigen bekannt und in Deutschland ein Exot. Wohnst Du in Frankreich?
Gruß
TSF
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Hallo, TSF
Es ist so: Die Bauer-Tonkoppler sind ja nicht die einzigen solchen Geräte. Bei der Recherche stößt man früher oder später auf das Synchroméca von Pathé, was mit perforiertem Tonband funktioniert. Auch der Synchronizer zum Paillard-Bolex-Projektor 18-5 kann mit einer gezähnten Scheibe versehen werden, über die Band mit Mittenrundloch läuft. Und so weiter.
Dann schaut man sich Werbeanzeigen von Pathé an und liest bald ein Mal den Ausdruck Héraphone. Ein paar Klicks später sehe ich bei leboncoin eine Anzahl dieser Geräte zum Verkauf. Noch zögere ich, die Dinger wiegen gegen 20 Kilo.
Hier wurde das Héraphone schon besprochen. Es liegt wohl im oberen Mittelfeld unter den französischen Tonbandgeräten. Auf dem Gebiet war Frankreich nicht stark.
Ich suche eigentlich ein Gerät von 1956, das Erscheinungsjahr des Bauer T 10, nicht so groß und so schwer wie ein Grundig-TK 8, das aber 9,5 und 19 cm/s bietet und bei dem man das Band zum Tonkoppler führen kann. Die Marke ist mir egal. Hat Stuzzi etwas zwischen den ausgewachsenen Apparaten und der Magnette gemacht?
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Von Stuzzi sind mir aus den Fünfzigern die Dixi-Modelle bekannt. Die können meines Wissens aber nur 4,75 und 9,5 cm/s. Um 1960 rum gab es die Recorder- und Radiocord-Modelle, letztere mit eingebautem Radioempfangsteil. Die können 9,5 und 19 cm/s.
Allerdings kann man bei denen keinen Tonkoppler seitlich am Koffer einhängen.
Hier ein Recorder 201:
Das Héraphone wiegt übrigens "nur" 15 kg. Es hatte einen sehr langen Produktionszeitraum, von etwa Mitte Fünfziger bis in die Sechziger hinein. Wenn Du ein Exemplar von etwa 1956 willst, mußt Du eines mit breiter dunkler Bauchbinde nehmen.
1957/58 bekamen die Koffer eine helle Bauchbinde mit nur noch schmalen dunklen Streifen ober- und unterhalb des Lautsprechers. Auch hatten die dann das große Héraphone-Logo im Deckel. Noch spätere Exemplare hatten dieses Logo dann vorne am Lautsprecher.
Als Besitzer dieses Stuzzi sowie eines Héraphones kann ich sagen, daß das Stuzzi die moderneren Tonköpfe hat und damit hinsichtlich Frequenzgang zu hohen Frequenzen hin dem Héraphone überlegen ist.
Allerdings steckt in meinem Stuzzi ein Kopf von Woelke, der zu jener Zeit von vielen Geräteherstellern verbaut wurde und von dem heute sehr viele Exemplare wegen unterbrochener Wicklung defekt sind.
Das Héraphone hat dagegen dank seines großen Lautsprechers, des großen Koffers und der kräftigen Endstufe einen dermaßen sonoren Klang, daß da nur wenige Röhrenkoffer mithalten können (und von denen habe ich hier einige stehen). Die Etablissements Charollais & Marsone, Hersteller des Héraphone, haben ihre Köpfe selbst hergestellt.
Gruß
TSF
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05.07.2024, 08:37
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.07.2024, 08:39 von Heravioli.)
Wertvolle Informationen, vielen Dank!
Obwohl der T 10 als flüsterleise laufender Projektor beworben wurde, gehören Filmvorführapparate meines Erachtens weit hinter das Publikum, am besten halt in einen eigenen Raum mit einer schallgedichteten Glasscheibe. Den Ton spielt man von hinter oder unter der Bildwand ab. Der Klang im Tonbandgerät eingebauter Lautsprecher spielt für mich daher bei meinem Vorhaben keine Rolle.
Es hat wohl noch niemand in jüngster Zeit eine Aufstellung gemacht, wie ich sie nun suche, einen T 10, einen Bauer-Tonkoppler mit Zahnscheibe, perforiertes Tonband, ein Tonbandgerät und die notwendige mechanische Herrichtung des Projektors (Zahnriemen, Riemenscheiben). Die Idee ist, beim Bild möglichst haushälterisch vorzugehen, und zwar mit der Bildfrequenz 16, dafür High-Fidelity-Ton zu bringen, synchron. Noch ist nicht alles beisammen, ins Besondere Magnettonband mit Mittenrundloch in den richtigen Abständen. Die originale Tonkopplertechnik von Bauer ist unvollständig, weshalb es Schlupf gibt, Bild und Ton laufen langsam auseinander.
Ich lebe in Helvetien, kann gut Französisch. Das Héraphone gefällt mir gut, doch die Röhrentonbandkoffer der fünfziger Jahre sind mir einfach zu wuchtig. Die Stuzzi-Dixi fallen da positiv auf. Die Suche geht weiter.
Über Ton zum Film gebe ich gerne Auskunft. An Steenbeck, Oude Delft, Moviola, Prevost, KEM, Schmid, Kägi und Union habe ich jahrelang gearbeitet, 35, Split, 16. In Kopierwerken habe ich auch gearbeitet.
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05.07.2024, 12:57
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.07.2024, 13:28 von cisumgolana.)
Hallo "Heravioli"!
Von der Firma BRÖKER gibt es umgebaute UHER Report mit angepassten
Bandgeschwindigkeiten für Schmalfilm-Vertonung. Das dazu passende Band-
material gibt es in 1/4"-Breite und 8mm (S8-Breite!). Die Perforierung ist unten
am Rand. Die Lochabstände gibt es in Super8 und split16 (für 16mm-Filmmaterial).
Zum Beispiel Bröker auf Basis Report Monitor:
Gruß
Wolfgang
PS.:
Mir ist schon klar, daß Du Equipment aus der 2. Hälfte der 60er Jahre suchst.
Ich wollte hiermit nur erwähnen, daß das 2-Bandverfahren später einfacher
zu realisieren war.
Außer BRÖKER haben noch weitere Firmen sich mit dieser Thematik befaßt.
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05.07.2024, 15:23
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.07.2024, 15:52 von TSF.)
Da wäre noch das AEG/Telefunken Magnetophon KL65, ein kleiner und recht flacher Koffer.
Erscheinungsjahr 1956.
Läuft mit 4,75 und 9,5 cm/s und erreicht bei 9,5 einen Frequenzumfang bis etwa 11000 Hz. Das ist das, was zu jener Zeit bei 9,5 möglich war.
Man müßte allerdings ein Exemplar mit flacher Deckplatte finden. Bei den meisten Exemplaren liegen die Spulen in einer Art Wanne, das Band kann seitlich nicht herausgeführt werden.
Es gab jedoch auch Exemplare mit flacher Deckplatte, damit man das Band seitlich zu einem Diapiloten (oder Tonkoppler) führen konnte.
Die Frage ist, was High-Fidelity für Dich bedeutet. Ein Frequenzgang bis 15000 Hz? Der war bei 9,5 cm/s erst gegen 1960 möglich.
Wenn ein Baujahr 1956 wichtig ist, dann brauchst Du unbedingt ein Modell, das 19 cm/s kann (für das Héraphone werden bei 19 cm/s übrigens nur 10000 Hz angegeben). Solche Koffer waren aber zwangsläufig größer, weil sie im Interesse einer akzeptablen Spieldauer größere Spulen aufnehmen können, nämlich mindestens 15 cm, meist jedoch 18 cm Durchmesser.
Das KL65 und das Dixi nehmen nur 13er-Spulen auf. Da käme man mit 19 cm/s und Doppelspielband auf 30 Minuten, mit Standardband nur auf 15 Min.
Gruß
TSF
P.S.: Gab es da nicht auch mal ein Tonbandgerät von Bauer?
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Vielen Dank für die freundliche Unterstützung!
Eumig hatte mit dem T 5 ein Kassettengerät für Viertelzollband bei 9,5 cm/s.
https://tonbandforum.de/showthread.php?m...pid=223714
Nein, bis 10 kHz bin ich gut bedient, was HiFi betrifft. Jaulen finde ich schlimmer als etwas weniger Höhen. An den Klangcharakter gewöhnt das Ohr sich schnell.
Wie gesagt, es geht mir darum, das Bauer-Tonkopplersystem auf die Probe zu stellen.
Es hat verschiedene andere Systeme gegeben. Eines wurde am meisten verwendet und das ist einfache Spannungsteilung für einen Universalstrommotor mit Schleifkontakt auf Widerstanddraht. Zeiss-Ikon ist einen eigenen Weg gegangen. Von Siemens & Halske bekam man den P. 800, der mit Magnetfilm 8 geladen wird. Es sind auch so genannte Zebrabänder fabriziert worden, die auf der Rückseite Querstriche tragen. Am Projektor hat man ein Spiegelchen angebracht, das einen kleinen Teil des Projektionslichtstrahls abzweigt und auf das Band lenkt. So hatte man ein Stroboskop, das fehlerfrei die Geschwindigkeiten von Film und Band aufeinander abstimmen läßt.
Im Moment sehe ich mich bei den Stuzzi-Radiocord um.
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(05.07.2024, 15:23)TSF schrieb: Gab es da nicht auch mal ein Tonbandgerät von Bauer?
Ja, das wurde Pantamat genannt. Gegenwärtig finde ich keine Information darüber.
Das Missverhältnis zwischen 8-mm-Projektor und Tonbandgerät ist in den 1950er Jahren schon eklatant. Die Projektoren wiegen zwischen 3,5 und 7 Kilogramm. Gut, die älteren Modelle kamen in einem soliden Koffer, der ab Mitte der fünfziger nach und nach verschwand zu Gunsten von Anschnappdeckel oder Überstülper.
Was bei den Tonbandgeräten übrigens die klaren Höhen darstellt, findet man bei den Schmalfilmprojektoren als eher einfaches oder teureres Objektiv mit entsprechendem Bild. Es gibt da beträchtliche Unterschiede.
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Nicht viel, aber immerhin ein Bild von diesem Pantamat:
https://www.radiomuseum.org/r/bauer_eu_pantamat.html
Gruß
TSF
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