21.06.2024, 20:26
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.06.2024, 21:30 von Frank Stegmeier.)
Hello all,
in den späten 60-iger Jahren des letzten Jahrhunderts des vergangenen Jahrtausends drehten sich so manche meiner Träume um das Beocord 2400. Der damalige Neupreis betrug laut "HifiWiki" 1882,- DM. Dafür hätte meine Großmutter lange stricken, und ich länger als nur die Sommerferien lang bei Staedtler, Müller und Weigert oder der Trafo-Union arbeiten müssen. Zum Vergleich: mein Philips RK 25 hatte ein paar Jahre früher etwas weniger als 300,- DM gekostet.
Für ein Uher RdL hätte man, wenn ich mich recht erinnere, so um die 1200,- DM auf den Ladentisch legen müssen. Als das Beocord dann etwas näher in meiner finanziellen Reichweite lag, war der Markt ein anderer. In den 70-igern sah die Konkurrenz anders aus, die Revox war billiger ! ( 1973 kostete die A77 bei Radio-Adler in Nürnberg am Josefsplatz 1498,- DM). Und als ich dann etwa 5 Monate nach dem Beginn meines Studiums eine fette Nachzahlung des Bafögs bekam, wurde es weder ein Uher, noch ein Revox, und schon gar kein B&O.
Die japanische Invasion war hereingebrochen, und es wurde das schon oft erwähnte Sony TC 640 bei HiFi Gösswein. Es war ein Sonderangebot (das TC 640A mit Ferritköpfen stand schon in den Startlöchern) und ich habe im Vergleich zur A77 500,- DM gespart.
Mitte der 80-iger Jahre kam dann das erste Revox ins Haus: eine A77 Mk4, zusammen mit 3 Bändern, von denen nur eines bespielt war: also fast jungfräulich.
Und dann ging es fast wie beim Tomte Tummetott: viele Tonbandgeräte sah ich kommen und gehen.... Und nachdem mich die meisten Telefunken und alle Studer verlassen hatten, kamen wieder ein paar Consumer-Geräte herein, unter anderem von Uher, und eben auch dieses Beocord 1600. Stand-alone war im Gegensatz zu früher nicht mehr notwendig, und wie es so dastand und es niemand wollte, habe ich mich seiner erbarmt.
Der äußerliche Zustand war nahe an erbärmlich: der ursprünglich schwarze Boden grau und fleckig, der Holzkorpus (Palisander) zerbrochen, tiefe Kratzer in der Abdeckung unter den Spulen, das Bedienfeld war aber noch durch die Kunststofffolie, mit denen das Gerät dereinst ausgeliefert worden war, geschützt, und deshalb noch in gutem Zustand: nur ein unbedeutender Kratzer am Knebel, mit dem man die Laufwerksfunktionen schaltet, die Folie allerdings wellig und vergilbt.
Nachdem ich bei der Uher SG 520 die Segel gestrichen hatte (die ist meiner Meinung nach kaputtrepariert gewesen, ich habe es dann irgendwann aufgegeben, die Fehler zu suchen) habe ich mich dem Beocord zugewandt: erst einmal die Maschine aus dem Holzkorpus geholt,was nicht so einfach war, weil einige Schrauben an sehr versteckter Stelle sitzen. Dann den Korpus gereinigt und geleimt, den Boden des Gehäuses geputzt und versucht, die Stockflecken (jedenfalls sahen die sahen die so aus) entfernt, die Maschine mit dem Pinsel grob gereinigt, und dann eingeschaltet: mal sehen, was passiert.
Passiert ist nix, oder besser: der Motor lief sofort an, die Reibräder rumpeln nicht, die Leuchtmittel brennen, die Aussteuerungsinstrumente sind beleuchtet, bei Aufnahme wird ein zusätzliches rotes Birnchen zugeschaltet, das allerdings etwas die Farbe verloren hat und jetzt eher orange, und das auch noch links und rechts unterschiedlich, leuchtet.
Das Beocord ist die 2-Spur-Version mit einem zusätzlichen 4-Spur-Wiedergabekopf, hat also 4 Köpfe: Löschkopf, 4-Spur-Wiedergabe, 2-Spur-Aufnahme, 2-Spur-Wiedergabe.
Nach Verbinden mit dem Verstärker und Auflegen eines 4-spurig bespielten Bandes : das Teil tut: beide Kanäle vorhanden, und noch nicht einmal schlecht.
Dann Aufnahme 2-Spur: funktioniert, der Pegel ist im Vergleich zum CD-Player, der am Verstärker hängt, deutlich geringer, aber man erreicht noch problemlos mehr als Zimmerlautstärke.
Überrascht hat mich der solide Aufbau: das massive Guss-Chassis, die Reibräder, die ihr Alter nicht verleugnen, aber trotzdem fast lautlos ihren Dienst verrichten (da hätte Uher etwas lernen können), die fotoelektrische Bandendabschaltung, die mein gelbes Trennband erkennt, der kleine Hebel, mit dem man die Bandendabschaltung ausschalten kann, alles sieht sehr solide aus.
Was kam nach dem Beocord 1800?
Die Konkurrenz war in den 70-igern groß, insbesondere aus Japan, und B&O schien sich beim Nachfolger nicht allzuviel Mühe gemacht zu haben
Ich erinnere mich an einen Testbericht des Nachfolgers Beocord 1200 (das Beocord 1600 unterschied sich vom 1200 nur durch den eingebauten Endverstärker) in der HiFi-Stereophonie: das hatte nur 2 Köpfe (Lösch-und Kombikopf) und war im Vergleich zu diesem 1800 deutlich abgemagert, aber designerisch aufgepeppt, so daß es besser ins damalige Design von B&O passte. Und es war so flach, daß man es an die Wand hätte hängen können, wenn man gewollt hätte....Zusammenfassung damals: einfache HiFi-Klasse, zu teuer....
Das Beocord 1800 hat jedenfalls Bleiberecht erworben, es bedarf noch einer gründlicheren Reinigung, insbesondere der Köpfe (der Alkohol hat nicht gereicht),
und schaun mer mal, dann sehn mer schon..
Noch eine Frage an die Spezialisten habe ich: weiß jemand, wer die Geräte gebaut hat? Ich glaube mich zu erinnern, daß B&O die Tonbandgeräte von einem Zulieferer bezogen hat....
Viele Grüße
Frank
in den späten 60-iger Jahren des letzten Jahrhunderts des vergangenen Jahrtausends drehten sich so manche meiner Träume um das Beocord 2400. Der damalige Neupreis betrug laut "HifiWiki" 1882,- DM. Dafür hätte meine Großmutter lange stricken, und ich länger als nur die Sommerferien lang bei Staedtler, Müller und Weigert oder der Trafo-Union arbeiten müssen. Zum Vergleich: mein Philips RK 25 hatte ein paar Jahre früher etwas weniger als 300,- DM gekostet.
Für ein Uher RdL hätte man, wenn ich mich recht erinnere, so um die 1200,- DM auf den Ladentisch legen müssen. Als das Beocord dann etwas näher in meiner finanziellen Reichweite lag, war der Markt ein anderer. In den 70-igern sah die Konkurrenz anders aus, die Revox war billiger ! ( 1973 kostete die A77 bei Radio-Adler in Nürnberg am Josefsplatz 1498,- DM). Und als ich dann etwa 5 Monate nach dem Beginn meines Studiums eine fette Nachzahlung des Bafögs bekam, wurde es weder ein Uher, noch ein Revox, und schon gar kein B&O.
Die japanische Invasion war hereingebrochen, und es wurde das schon oft erwähnte Sony TC 640 bei HiFi Gösswein. Es war ein Sonderangebot (das TC 640A mit Ferritköpfen stand schon in den Startlöchern) und ich habe im Vergleich zur A77 500,- DM gespart.
Mitte der 80-iger Jahre kam dann das erste Revox ins Haus: eine A77 Mk4, zusammen mit 3 Bändern, von denen nur eines bespielt war: also fast jungfräulich.
Und dann ging es fast wie beim Tomte Tummetott: viele Tonbandgeräte sah ich kommen und gehen.... Und nachdem mich die meisten Telefunken und alle Studer verlassen hatten, kamen wieder ein paar Consumer-Geräte herein, unter anderem von Uher, und eben auch dieses Beocord 1600. Stand-alone war im Gegensatz zu früher nicht mehr notwendig, und wie es so dastand und es niemand wollte, habe ich mich seiner erbarmt.
Der äußerliche Zustand war nahe an erbärmlich: der ursprünglich schwarze Boden grau und fleckig, der Holzkorpus (Palisander) zerbrochen, tiefe Kratzer in der Abdeckung unter den Spulen, das Bedienfeld war aber noch durch die Kunststofffolie, mit denen das Gerät dereinst ausgeliefert worden war, geschützt, und deshalb noch in gutem Zustand: nur ein unbedeutender Kratzer am Knebel, mit dem man die Laufwerksfunktionen schaltet, die Folie allerdings wellig und vergilbt.
Nachdem ich bei der Uher SG 520 die Segel gestrichen hatte (die ist meiner Meinung nach kaputtrepariert gewesen, ich habe es dann irgendwann aufgegeben, die Fehler zu suchen) habe ich mich dem Beocord zugewandt: erst einmal die Maschine aus dem Holzkorpus geholt,was nicht so einfach war, weil einige Schrauben an sehr versteckter Stelle sitzen. Dann den Korpus gereinigt und geleimt, den Boden des Gehäuses geputzt und versucht, die Stockflecken (jedenfalls sahen die sahen die so aus) entfernt, die Maschine mit dem Pinsel grob gereinigt, und dann eingeschaltet: mal sehen, was passiert.
Passiert ist nix, oder besser: der Motor lief sofort an, die Reibräder rumpeln nicht, die Leuchtmittel brennen, die Aussteuerungsinstrumente sind beleuchtet, bei Aufnahme wird ein zusätzliches rotes Birnchen zugeschaltet, das allerdings etwas die Farbe verloren hat und jetzt eher orange, und das auch noch links und rechts unterschiedlich, leuchtet.
Das Beocord ist die 2-Spur-Version mit einem zusätzlichen 4-Spur-Wiedergabekopf, hat also 4 Köpfe: Löschkopf, 4-Spur-Wiedergabe, 2-Spur-Aufnahme, 2-Spur-Wiedergabe.
Nach Verbinden mit dem Verstärker und Auflegen eines 4-spurig bespielten Bandes : das Teil tut: beide Kanäle vorhanden, und noch nicht einmal schlecht.
Dann Aufnahme 2-Spur: funktioniert, der Pegel ist im Vergleich zum CD-Player, der am Verstärker hängt, deutlich geringer, aber man erreicht noch problemlos mehr als Zimmerlautstärke.
Überrascht hat mich der solide Aufbau: das massive Guss-Chassis, die Reibräder, die ihr Alter nicht verleugnen, aber trotzdem fast lautlos ihren Dienst verrichten (da hätte Uher etwas lernen können), die fotoelektrische Bandendabschaltung, die mein gelbes Trennband erkennt, der kleine Hebel, mit dem man die Bandendabschaltung ausschalten kann, alles sieht sehr solide aus.
Was kam nach dem Beocord 1800?
Die Konkurrenz war in den 70-igern groß, insbesondere aus Japan, und B&O schien sich beim Nachfolger nicht allzuviel Mühe gemacht zu haben
Ich erinnere mich an einen Testbericht des Nachfolgers Beocord 1200 (das Beocord 1600 unterschied sich vom 1200 nur durch den eingebauten Endverstärker) in der HiFi-Stereophonie: das hatte nur 2 Köpfe (Lösch-und Kombikopf) und war im Vergleich zu diesem 1800 deutlich abgemagert, aber designerisch aufgepeppt, so daß es besser ins damalige Design von B&O passte. Und es war so flach, daß man es an die Wand hätte hängen können, wenn man gewollt hätte....Zusammenfassung damals: einfache HiFi-Klasse, zu teuer....
Das Beocord 1800 hat jedenfalls Bleiberecht erworben, es bedarf noch einer gründlicheren Reinigung, insbesondere der Köpfe (der Alkohol hat nicht gereicht),
und schaun mer mal, dann sehn mer schon..
Noch eine Frage an die Spezialisten habe ich: weiß jemand, wer die Geräte gebaut hat? Ich glaube mich zu erinnern, daß B&O die Tonbandgeräte von einem Zulieferer bezogen hat....
Viele Grüße
Frank
