Kaufen und Ersteigern in Ausland / Übersee: Erfahrungen?
#1
Gewohnheitsmäßig bewege ich mich, was online-Anbieter oder ebay anbelangt, in Deutschland. Gelegentlich kaufe ich im Ausland ein und bin dann regelmäßig geschockt über die anfallenden Kosten bei der Überweisung. In EU-Ländern hat sich einiges gebessert, in die Schweiz zu bezahlen ist immer noch exorbitant teuer.

Mein weitester Einkauf war eine CD von Jorge Ben aus Brasilien, ein Act, der sich über 2 Monate hingezogen hat und letztendlich doch gut ausgegangen ist. Die Komplikationen begannen damit, daß die Adresse vom Format her nicht in die Formulare der Post für die damals noch mögliche Post-Baranweisung passte.

Auf ausländischen Seiten in Europa, aber auch in Amerika, Australien, Japan, Neuseeland findet man immer wieder interessante Angebote. Wie sind eure Erfahrungen mit dem Einkauf von "ganz weit draussen"?

- Welche interessanten Anbieter gibt es?
- Wie funktioniert das mit Versand und Zoll?
- Wie funktioniert das mit dem Zahlen?
- Wie können Rechtsansprüche durchgesetzt werden?
- Kosten?
- Sonstige Erfahrungen?
Michael(F)
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#2
Hallo Michael,

Bei ebay kaufe ich sicher mehr als 80% im Ausland. Meist USA, aber auch Japan , Frankreich und England, weil ich nur so an mich interessierende LPs komme. Die meisten Anbieter akzeptieren inzwischen paypal, und das geht völlig reibungslos. Die Versandkosten für eine LP aus den USA liegen meist zwischen 5 und 11 Dollar, je nachdem ob Surface Mail oder Air Mail. Surface kann schon mal bis zu acht Wochen dauern, Air Mail geht recht schnell. Natürlich sollte man sich genau überlegen, ob der Versand im jeweiligen Fall lohnt. Wenn eine Platte nur 1 Dollar gekostet hat und es kommen dann 10 Dollar Frachtkosten drauf, ist das nur interessant, wenn die entsprechende Platte hier nicht oder nur sehr schwer oder deutlich teurer zu bekommen ist.
Bei Geräten sieht es natürlich schon wieder anders aus. Wenn sie nicht zu schwer sind, kann sich das ganze rechnen. Aber bei einer großen Bandmaschine sind die Frachtkosten nicht ohne.
Mit dem Zoll ist es mehr oder weniger Glückssache. Das meiste geht durch und kommt direkt bei mir an wie ein Päckchen aus Deutschland oder dem EU-Ausland auch. Manche Sendungen bleiben aber beim Zollamt hängen. Ob ich dann bezahlen muss oder nicht, hängt neben dem Warenwert zu einem großen Teil auch von der Laune des zuständigen Zollbeamten ab.
Unter dem Strich habe ich aber mit Auslandsauktionen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Gruß,
Markus
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#3
Hallo,

vor Jahren endeten meine ersten Überlegungen, ein Gerät aus USA via ebay zu kaufen, frustran. Abgeschreckt haben mich damals die hohen Gebühren, Transportkosten und eine Auskunft des Zolls( ich glaube, die zuständige Stelle war damals in Zirndorf), die meine intellektuellen Fähigkeiten überstiegen hat: ich habe nicht wirklich begriffen, ob Zollgebühren fällig würden , geschweige denn habe ich mir die Höhe der Gebühren ausrechnen können.

In den Jahren darauf habe ich mehrere Teile ins europäische Ausland verkauft. Ich hatte zwar in der Artikelbeschreibung nur den Versand innerhalb Deutschlands angeboten, aber dann haben Leute aus Spanien und England angefragt, und dannn...
Na ja: beide Deals gingen problemlos über die Bühne: einmal eine Otari-Maschine nach Spanien, einmal ein Wega/Sony- Verstärker nach England. Das Geld aus Spanien hatte ich in 3 oder in 4 Tagen, und die Maschine war innerhalb von 48 Stunden in Barcelona (ich glaube, es war German Parcel, was sich der Käufer so gewünscht hatte), der Engländer schickte das Geld (in EURO!) per Royal Mail....

Das hat mich dann dazu gebracht, selber wieder über die Grenzen Deutschlands hinaus aktiv zu werden.

Vor etwa 1 1/2 Jahren habe ich bei jemand, der in Australien wohnt und in ebay USA Studer-Teile anbietet, ein B67 VU-Panel gekauft.
Der Preis war zu gut: 320 Australische $
Dazu kam an Fracht : 48 A$
Gebühren von Western Union: 26.- Euro
Ich habe also mit Western Union bezahlt: insgesamt 240 Euro

Ein paar Tage später war das Teil da, gut verpackt und einwandfrei.

Zur Frage des Zolls schrieb der Verkäufer:
" We indicate a very low value on the customs paper work, so that any extra duties should not be a problem for you HOWEVER we can´t be sure how customs in Germany will treat the parcel entering your country. We marked the goods "Vintage tape recorder spare part"- we never had a problem."

Und so war´s dann auch.

Der Verkäufer, den ich aus diesem Grund nur empfehlen kann, heißt
Russell Sinclair /snowdy/ ebay-Name snowylu

Bei Überweisungen ins EG-Ausland ist es wohl sinnvoll, ein Postbank-Konto zu eröffnen, wenn man noch keins hat.
( Grieche am Bankschalter: "Kann ich hier ein Giroskonto eröffnen?"
Angestellter:" Das ist bei uns nicht Ouzo".)
Wenn der Handelspartner auch ein Postbank-Konto hat, z.B, in Österreich, werden keine extra-Gebühren fällig.

In andere Länder wird man sich die Gebühren durchrechnen müssen: die Methode des Engländers, der meinen Verstärker gekauft hat, und der das Geld in 2 Briefumschläge gesteckt hat, finde ich gar nicht so dumm...

Ein Wort noch zum Zoll: Zölle sollen ja nicht zuletzt die heimische Wirtschaft schützen. Wo, bitteschön, ist die deutsche Tonbandgeräte-Industrie, die man noch schützen könnte??

Und dann: ein Teil, das 20 Jahre alt ist, ist primär gar nix mehr wert: wenn es benutzt wurde, hat es seinen Dienst getan. Und wenn es unbenutzt ist: erstens wird es durch Lagerung auch nicht besser, zweitens; welchen Wert hat etwas, das 20 oder 30 Jahre keiner gewollt hat???

Wir unterhalten uns also um Werte für Verrückte, für Liebhaber, für Sammler.

Deshalb halte ich die Vorgehensweise von Russell auch für legitim


Frei nach der schwäbischen Bauernregel zur Haussanierung: hoch versichern- tief anzünden:
Man kann ruhig einen angemessenen Liebhaber-Preis zahlen. Aber beim Zoll sollte man dann doch eher den Wert angeben, den normale Menschen in der jeweiligen Sache zu sehen in der Lage sind...


Viele Grüße

Frank
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#4
Schweiz ist auch für mich seit jeher absolut übelst! Bloß nicht auf IBAN-Überweisung einlassen. Auch wenn die Schweiz zu diesem EU-Überweisungsverfahrten dazugehört, kostet die Überweisung offenbar immer noch das gleiche Geld! Zweimal gab es mit Portugal Schwierigkeiten, da meine Bank aufgrund von Formfehlern kein IBAN-Verfahren erkannt haben will...

Ansonsten ist, wie Markus schon richtig festgestellt hat, PayPal der weltweite Heilsbringer. PayPal wird im Ausland rege eingesetzt, in Deutschland fasst es erst so nach und nach Fuss.

Nachteil von payPal:

1) eBay-Eigentum, man muss mit allem rechnen
2) es ist zumeist nicht kostenlos, aber billiger als Auslandsüberweisungen
3) man kann jemandem Geld schicken, obwohl der gar kein Konto bei PayPal hat. Da man sein Geld nicht zurückbekommt, kommt man da in eine Schleife: wenn der Empfänger beispielsweise schon ein anderes Konto bei PayPal hat, so kann er das neue Konto nur aktivieren, wenn er eine ANDERE Bankverbindung angibt.
4) Bei PayPal sitzen die gleichen Leute wie bei eBay, Hilfe darf man auf keinen fall erwarten
5) Der Transfer auf das eigene Konto dauert immer 7 Tage

Dafür ist PayPal unschlagbar schnell - unsere Banken mogeln ganz gerne beim Onlinebanking einige Stunden oder Tage hinzu, PayPal bucht sofort.

Davon abgesehen ist es wichtig, in den verschiedenen Ländern Freunde zu haben, die im Notfall eine Auktion abwickeln können. Das ist dann gut, wenn der Verkäufer nur im Inland verschicken will oder keine Zeit mehr verbleibt, um den Verkäufer mit Fragen zu löchern. Gerade beim Überseeversand garantiert ein Freund eine anständige Verpackung.
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#5
Hallo

Erfahrungsgemäss zweigen die Banken auf dem Weg CH-D 5 € pro Überweisung ab. MichaelB meinte neulich von D nach CH sei es noch schlimmer. Die Überweisungen dauern meist 5 Tage oder länger.

Gruss
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#6
Meine Erfahrungen mit Paypal (ich als Käufer, Artikel aus den USA) sind zu 100% positiv.

Für Verkäufer ist Paypal so eine Sache. Viele Amerikander wollen trotz Paypal Accounts mit Kreditkarte zahlen (da versichert), da braucht man als Verkäufer dann einen Paypal Account der auch Kreditkartenzahlungen annehmen kann (kostet deutlich höhere Gebühren).

Ander wiederum haben so viel "balance" auf ihrem Paypal Account, dass sie davon überweisen. (So mache ich's auch und spare mir so die Überweisungen auf mein Konto). Bei größeren Beträgen ist das natürlich nicht immer möglich.

Mit dem Zoll hatte ich auch schon lustige und frustige Ergebnisse: Manchmal, so scheint's mir, wollen die einfach nur mal reden. So musste ich z.B. schon öfter Bücher abholen, obwohl die vom Zoll ausgenommen sind.
In Großstädten (so meine Erfahrung) kommt fast alles so durch, auch wenn die Freigrenzen überschritten werden.

Bargeld im Umschlag war vor der IBAN Einführung auch meine Methode, denn Nachnahme aus den Niederlanden kostete z.B. 8 Euro Gebühren (immer noch günstiger als die 12 Euro bei meiner Bank damals).

Wie Andreas schon sagte sind international "verteilte" Freunde ideal, da viele Anbieter auch nicht ins Ausland versenden.
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