Selbstbau-Tonbandgerät Nr. 3
#51
Es gibt da unterschiedliche Prinzipien, einmal die Verstimmung/Dämpfung eines Schwingkreises, wie bei der A77, das andere Verfahren ist die Erzeugung einer Tachospannung, bei der üblicherweise deren Frequenz direkt ausgewertet und in eine Regelspannung für den Motor gewandelt wird( zB. Philips N44xx). Hierbei läuft eine Zahnscheibe aus einer Eisenlegierung vor dem Spalt des magnetisierten Kerns einer Spule( Bauform ähnlich der eines Ton- bzw Löschkopfes). Passiert ein Zahn den Kern, verringert er dessen magnetischen Widerstand, der Fluss im Kern erhöht sich, in der Zahnlücke ist der Fluss dann wieder geringer, der wechselnde Fluss induziert in der Spule eine entsprechende Spannung (Prinzip des Alternators), deren Frequenz der Drehzahl der Scheibe proprtional ist und zum Nachregeln der Scheiben- und damit Motordrehzahl ausgewertet wird. Ein weiteres Verfahren ist die Verwendung einer magnetischen Scheibe und eines Hallgebers, in der Tonbandtechnik aber wohl eher unüblich.

Gruß Holger
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#52
(18.08.2025, 22:56)DropOut schrieb: Bei Revox A77, B77 z.B. ist das eine Spule, die Teil eines Schwingkreises ist. An dieser Spule läuft eine stählerne Zahnscheibe vorbei, die dabei die Induktivität dieser Spule und damit die Resonanzfrequenz des Schwingkreises verändert. 

?????? Das ist bei der A/B77 ein Tachogenerator. Die alte Version in der A77 arbeitetet nur mit einem LC Diskriminator zur Regelspannungserzeugung. Gespeist wurde dieser Generator vom bearbeiteten Tachosignal (Verstärker, Limiter).

In den Bildern vom Selbstbauer sieht man übrigens den Revox Tachokopf.

Gruß Ulrich
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#53
Es gibt durchaus Bandmaschinen mit Hallgeber als Drehzahlsensor am Capstan-Antrieb. Diese sind in den Siemens Motoren direkt integriert und zum Beispiel in Braun TG 1000, ASC 5002 und TFK M3000 verbaut.
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#54
Danke für die Info, meine Kenntnisse bezüglich der verschiedenen Geräte sind da doch (noch) sehr beschränkt.

Gruß Holger
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#55
Liebe Tonbandfreunde,

vielen Dank für Eure Antworten! Jetzt ist meine Neugier bezüglich des Sensors endlich gestillt. Wir können im Text weiter machen.

   


Das erste Bild zeigt nochmal den alten, krummen Verlauf des Gleichlaufs, eine Minute lang. Die Grundgeschwindigkeit wird zwar gut gehalten, aber es gibt viele kleine Schwankungen. Hier das Ergebnis verschiedener Versionen der "alten" Schaltung, keine davon zufriedenstellend.

   

Der Pollin verramscht einen sog. Stromsensor, der ziemlich genau arbeitet, vom Gleichstrom bis zu einigen kHz. Braucht 5 Volt, und so habe ich dann das kleine Ding gebaut, hier in doppelter Ansicht. Damit lassen sich dann alle Größen der Regelung im Zusammenhang darstellen, vom Sensor-Input bis zum Motor-Output, wodurch eine effektive Analyse erst möglich wurde.

   

Hier sehen wir den Output dieses Stromsensors, in die Zuleitung des Tonmotors eingeschleift. Die Kurve ist vollkommen in Ordnung. Die Zacken kommen von den verschliffenen Schaltflanken des Brückengleichrichters.

   

Die relevanten Signale im Zusammenhang, oben das Sensorsignal mit seinem vorher besprochenen Brumm, darunter die vom Prozessor generierte Ein- und Ausschaltregelung. Wenn die Periodenzeit zu kurz ist, dann schalte ein, sonst schalte aus, so simpel ist das.

Darunter dann das, was der Motor bekommt. Wir sehen die  unterschiedliche Amplituden dieses Signals, und ich konnte das Ganze jeweils im Zusammenhang betrachten - damit konnte ich dann weiterarbeiten.

   

Hier das Ganze nochmal für die Bandgeschwindigkeit 19, also für 1600 Hz. Auch hier kann man sehen, wie es funktioniert. Anmerkung: In der aktuellen Software wird diese Ein/Aus-Regelung aber nicht angewendet, sondern nur proportional geregelt, wenn dann der letzte Schliff mit laufendem Band erfolgt, wird sicher ein wenig "Integral" dazu kommen. Der weitaus überwiegende Integrations-Anteil ist aber rein mechanisch, durch die Schwungmasse des Motors. Diese beiden Integrationskonstanten, die elektronische und die mechanische, sind sich wohl in meiner vorherigen Konstruktion in die Haare geraten und haben irgendwie gegeneinander gearbeitet, deshalb die Regelschwingungen.

Den Differential-Zweig der PID-Regelung braucht man gar nicht, denn es müssen keine schnellen Belastungsänderungen ausgeregelt werden.

   

Hier sehen wir das Sensorsignal noch mal in größerer Zeitauflösung. Man kann erkennen, dass auf dem Signal sich diverse HF-Störungen tummeln. Ich habe auch die Quelle rausgekriegt. Es ist meine Fritzbox, die alte HF-Schleuder. Es ist klar, dass ein schnell schaltender Mikroprozessor dann auf irgendwelche Impulse triggert. Und die Abhilfe war ziemlich einfach. Ein Eingangsfilter, ein RC-Tiefpass direkt nach dem Tachosensor, und damit waren dann zumindest diese unregelmäßigen Schwankungen weg. Dass ich da nicht eher drauf gekommen bin!

Ein anderes Problem war schwerwiegender. Ich hatte ja für die Ansteuerung der Leistungstransistoren in der Regel-Elektronik einfach einen Tiefpass gebaut, direkt nach dem Opto-Koppler, um die PWM in Gleichspannung zu verwandeln. Dieser Filter hatte eine sehr große Zeitkonstante.
Und diese Zeitkonstante war absolut kontraproduktiv und hat quasi zwangsläufig zu Regelschwingungen geführt. Wie ich mir das damals gedacht habe, könnt ihr in dem Beitrag Nummer 28 vom letzten Jahr nachlesen. Link: https://tonbandforum.de/showthread.php?t...#pid370872

Diese Schaltung musste nun komplett umgearbeitet werden und kommt jetzt so daher:

   

Die neue Ansteuerschaltung kommt mit einem zusätzlichen IC daher. Damit ergibt sich a) ein steiler, aktiver Tiefpass, der die Hf-Reste der PWM komplett wegbügelt. Und b) eine Gegenkopplung direkt über den Source-Widerstand des End-FETs. Diese linearisiert die ganze Geschichte, sodass ich nun wirklich eine vernünftige Ansteuerung habe. Für die Wickelmotoren wäre es nicht unbedingt nögtig gewesen, aber für den Tonmotor unverzichtbar.

Jedenfalls funktioniert die Ansteuerung der Motoren nun sehr viel besser als vorher, eigentlich perfekt.

Entschuldigt bitte die wilde Handskizze. Ich habe kurz versucht, das Ganze auch mal in schön zu zeichnen mit dem Computer und habe mir mal Kicad auf dem PC geholt. Aber das dauert ja ewig! Und ist eigentlich nicht meine Baustelle. Also habe ich die Handskizze, die ich eigentlich nur für mich selber angefertigt hatte, einfach da mal eingestellt.

   

Erster Test der neuen Schaltung auf dem Steckboard. Die eine Hälfte des 358 erzeugt eine virtuelle Masse auf ca 1/3 UB, die andere ist für die Ansteuerung zuständig. Das IC hat zwar keine Super-Verstärkung, ist dafür schön träge und neigt freundlicherweise nicht zu wilden Schwingungen, hat zudem noch einen sehr geringen Eigenverbrauch, was der Versorgung durch meinen 3-fach-DC-zu-DC-Konverter zugute kommt..

   

Die Platine mit den drei ICs ist fertig und wird nochmals getestet, bevor sie dann im Bandgerät zum Einsatz kommt.

   

Eingebaut, funktioniert. Große Freude bei mir.

   


Die Prozessor-Platine musste ja nun auch noch weiter bestückt werden. Der rechte, ein ESP32, ist ausschließlich für den Tonmotor zuständig. Der linke, ein Arduino Nano, macht den Rest, die Steuerung und Regelung der Wickelmotoren und den Bandlängenzähler. Dass das funktioniert, habe ich euch ja schon im vorletzten Beitrag mit dem kleinen Filmchen gezeigt.

   

Hier nochmal in Funktion. Beide Prozessoren  tun ihre Arbeit.

Und nun bleibt mir noch, euch für euer Interesse zu danken und viel Spaß beim Betrachten  zu wünschen. Wenn ihr Fragen habt, zur Funktion, zur Schaltung oder so, gerne.

Freundliche Grüße,
Binse, Selbstbauer
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#56
(19.08.2025, 12:40)eleflo schrieb: Es gibt durchaus Bandmaschinen mit Hallgeber als Drehzahlsensor am Capstan-Antrieb. Diese sind in den Siemens Motoren direkt integriert und zum Beispiel in Braun TG 1000, ASC 5002 und TFK M3000 verbaut.

Das ist so nicht richtig. Die geannten Tonmotore haben lediglich eine Kommutierung der Erregerspulen durch Hallsensoren realisiert. Mit einer Drehzahlregelung haben die nichts zu tun! 
Siehe Erklärung z.B. im Kundendienstmaual der Braun TG1000. Die proportionale Erfassung Drehzahl erfolgt über die zeitweise nicht betromten Ständerspulen (Tachospannung) welche im Vergleich zu einer Refernzspannung gesetz wird.

Thomas
Mein Motto "Zitat" »Opa Deldok«: »Früher war alles schlechter. !!!!

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#57
Hi,



Ich wollte das mit dem Sensor noch einmal testen: Eine simple Spule (hier aus einem Relais gewonnen) tut es auch, mit Gleichstrom-Vormagnetisierung. Signalabnahme über einen "Arbeitswiderstand".



Der Netzbrumm dürfte sich über eine zweite, gleiche Spule gut kompensieren lassen, das Signal durch einen angeklebten Polschuh noch erheblich verstärken lassen.



   

Was noch auffällt: Das leise pfeifende Geräusch, was diese Revox-Motoren von sich geben, kommt vom Sensor. Die Magnetkraft läßt die "Glocke" singen. Rücke ich den Sensor weg oder schalte den Vormagnetisieruns-Strom aus, dann singt nichts mehr.

Freundliche Grüße,
Binse
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