21.06.2004, 11:23
Hallo,
als Audio-Mechanik-Fan trauere ich der Zeit der Tonbänder, Kassetten, Schallplatten (auch ältere, noch „robuste" CD-Spieler) und den entsprechenden mechanisch aufwendigen und hochwertigen Geräten etwas nach und bin von den heutigen Plastik und Chip-geräten nicht sonderlich angetan, und ich freue mich, daß es offenbar nicht wenige „gleichgesinnte"gibt.
Dennoch verschließe ich mich neuer Technik nicht und gebe sogar zu, daß ich CD-Spieler oder ein MD-Deck schon rein des hohen Bedienkomforts lieber benutze als meine Plattenspieler, Tonbandgeräte oder Kassettenrecorder.
Die „Mechanik-Panzer" (Uher, Revox usw.) verwende ich eher selten, und möchte sie auch nicht missen, ihr „Anfassgefühl" ihre aufwendige Mechanik und ein Schuß Nostalgie, die besseren (HiFi-) Zeiten, aber auch das Lebensgefühl, die im positiven Sinne etwas langsamere Gangart (z.B. die Umspul- oder Aufwärmzeit von Audiogeräten hatte man noch...) sind es, die ich mit diesen Geräten verknüpfe.
Ebenso verknüpfe ich damit aber auch das hohe Niveau der früheren (populären) Musik, die meine Generation auf diesen Geräten abspielte (uns blieb ja nichts anderes übrig..).
Heute haben wir doch die absurde Situation, daß die Aufnahme- und Wiedergabetechnik auf einem wohl unbestritten nie dagewesenen hohen technischen Niveau stehen (höchste Klangqualität ist heute für jeden erschwinglich), dagegen aber die heutige (populäre) Musik in vielen Bereichen eine genau entgegengesetzte Entwicklung genommen hat.
Bei einem Lois Armstrong, einer Maria Callas, Glenn Miller, den Beatles usw. usf. hätten heutige Audiotechniken gut zu deren künstlerischen Niveau gepaßt, aber sie hatten nun mal leider diese Technik nicht zur Verfügung (sind quasi zu früh geboren worden).
Dagegen stellt sich aber heute die Frage, ob man eine hochwertige Stereoanlage braucht, um sich einen Daniel Küblböck, oder das Lied „es ist geil ein Arschloch zu sein" anhören (antun) zu können. In dieser Beziehung ist doch die Welt irgendwie falsch herum gepolt.
Auch was das Brimborium um das illegale Herunterladen von Pop-Musik aus dem Internet betrifft, wüßte ich nicht, was mich überhaupt an heutiger Pop-musik (im Grunde mehr oder weniger nur schlechter Abklatsch der Musik Rock- Und Pop- Aera der 50er bis 70er Jahre) reizen könnte, um sie mir illegal, geschweige denn, legal anzuschaffen. Diese heutige in der Mehrzahl seelenlose Musik ist für mich so belanglos, daß ich sie noch nicht einmal geschenkt haben möchte. Es gibt zwar hin und wieder innovative Lichtblicke (ich bin für neues gewiß nicht verschlossen), was mir nur unheimlich auf den Senkel geht, ist, daß unzählige „Trittbrettfahrer" auf einen neuen Trend, Rhythmus oder Sound gleich aufspringen und am Schluß zig Bands im Grunde das gleiche von sich geben, sie sich nur in Nuancen unterscheiden und damit nicht mehr unterscheidbar sind, und das ganze zur „Ex und Hop"-Musik-Kultur verkommen ist.
Um zur Technik zurückzukommen, ist aus meiner Sicht die in einem anderen Thread angesprochene Mini-Disc die konsequente und plausible Weiterentwicklung eines langen Entwicklungsweges in der langen Audio- / HiFi-Geschichte.
Die MD dürfte aber auch das letzte Speicher-System sein, das noch mit (wenigen) beweglichen Teilen arbeitet (leider, was offenbar nicht vielen bekannt ist, nicht ganz berührungsfrei, denn bei der Aufnahme setzt sich ein dem Laser gegenüberliegender Magnetkopf auf die Disk, was aber zu verschmerzen sein dürfte).
Jedenfalls bin ich mit anderen der Meinung, daß der nächste Schritt (im Bereich Audio wie auch Video) eindeutig die absolut von beweglicher Mechanik freie Speicherung mittels Halbleiter sein wird (als Zwischenlösung vielleicht höchstens Miniaturfestplatten).
Speicherkarten mit 5 Gb (als „Flash"-Cards) sind bereits marktreif und käuflich.
10 Gb und mehr (die Grenze nach oben ist noch offen) sind schon realisiert, der momentanen hohen Kosten wegen aber noch nicht als Massenware denkbar. Das dürfte sich aber erfahrungsgemäß schnell ändern, denn jegliche neue Technik war anfangs für die breite Masse fast unbezahlbar, der erste CD-Spieler kostete 2000,.DM, und heute bekommt man einen DVD-Spieler schon für 30 Euro „nachgeschmissen").
In wenigen Jahren werden wir erschwinglich unsere Lieblingsmusiken oder -filme von Briefmarkengroßen Speichermedien abspielen können (schon heute als MP3), wobei es, obwohl technisch möglich, zu weiterer Miniaturisierung der Geräte nicht kommen wird, denn die Grenze bestimmt nicht die Technik, sondern die menschliche Anatomie.
Eine vernünftige Handhabung und Praxistauglichkeit wird natürlich der Miniaturisierung Grenzen setzen. Wenn schon heute so mancher seine Probleme hat, seine verlegte CD oder MD wiederzufinden, wäre (ist) schon hier ein briefmarkengroßes Speichermedium unpraktisch, ja eine Katastrophe, sobald es auf nimmer wiedersehen in der Sofaritze verschwinden würde. Auch braucht solch ein Medium eine vernünftige Informations-Fläche. Hier ist die MD fast schon zu klein, dürfte die unterste Grenze darstellen (hier sind die „Flash"-Cards schon inakzeptabel).
Hier muß man sich sowieso generell fragen, was diese ganze Miniturisierung soll, was die Hersteller bewegt, die Geräte und Medien immer kleiner (als die Konkurrenz) machen zu wollen. Haben wir so kleine Wohnungen, in der wir keinen Platz haben, unsere Audiogeräte oder Platten unterzubringen (?).
Diese ganze technische Entwicklung, das vollkommene Verschwinden jeglicher beweglicher Mechanik bedeutet aber nicht nur eine neue „Revolution" in der Arbeitswelt in Form immer mehr „freigesetzter" Arbeitsplätze, sondern auch eine Verarmung der ganzen HiFi -„Szene".
Selbst den etablierten HiFi-Zeitschriften wird allmählich der Schreibstoff ausgehen. Bisher konnten sie wenigstens noch z.B. über die mechanische Stabilität einer CD-Spieler-Schublade berichten (vor 25 Jahren hätte eigentlich ein ganzes Heft nicht gereicht um die Mechanik z.B. eines Uher-Tonbandgerätes umfassend zu beschreiben), aber über ein Aufnahme-/Wiedergabegerät ohne jegliche Mechanik kann man in der Beziehung nichts mehr schreiben. Diese Geräte werden sowieso nicht mehr reparierbare „Ex und Hop"-Geräte sein, bei denen die mechanische Ausführung fast zweitrangig und die Wartungsfreundlichkeit völlig irrelevant sein werden.
Und das „schlimme" bei dem Ganzen ist, daß diese billige Technik klanglich den alten Boliden überlegen ist (z.B. ist hier Gleichlauf absolut kein Thema mehr), das muß man einfach so sehen.
Die Zeitschriften werden sich in ihren Tests notgedrungen, noch mehr auf Test und Beschreibung von Klangqualitäten stürzen, denn je weniger Mechanik vorhanden ist, um so mehr müssen sie über den Klang schreiben, damit sie für den Testbericht wenigstens ein paar Seiten vollschreiben können. Nüchtern betrachtet sind schon heutige Testberichte (z.B. über CD-Spieler) mit allerlei Bla Bla und Wortakrobatik gestreckt, um überhaupt noch etwas Text zusammen zu bekommen. So hat sich in den in den letzen Jahren ein unsäglicher Trend zu schwachsinnig schwülstigen Klangbeschreibungen der Testgeräte durchgesetzt, die bei völlig mechanikfreien Geräten wohl noch eine Steigerung erfahren werden.
Das Absurde an diesen Klangbeschreibungen dürfte schon daran zu sehen sein, daß heutige Audio-Geräte, zählt man alle von Model zu Model angeblichen (zig) Klangverbesserungen der letzen 20 CD-Jahre zusammen, eigentlich schon besser klingen müßten als die Originalmusik.
Und durchweg scheinen sich die Redakteure der HiFi-Zeitschriften das geflügelte Wort „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" zum Prinzip erkoren zu haben.
Ein Gerät (meintewegen ein CD-Spieler) das noch vor einem halben Jahr vom Tester als „super" eingestuft wurde, der „die Geigen filigran den Raum umschmeicheln läßt...." klingt plötzlich „scheiße", denn beim neuen Modell kommen die Streicher noch „seidiger", der Baß noch „druckvoller", die Stimme noch „analytischer", „ortbarer" usw. usf.
Und als das „totgeborene Kind" SACD kam, schrieben Tester sinngemäß, daß die „normale" CD doch eigentlich schon immer scheiße klang.
In Plattenspielerzeiten wurde von Testern bei neuen Edelmodellen gerne von der „Grenze des Machbaren" geschwärmt, ohne dabei verinnerlicht zu haben, das alle 50 Kg chrombespikten sündhaft teueren Pattenspieler-Boliden kalter Kaffe sind gegenüber der Plattenschneidemaschine.
Denn die ist die Referenz, die stellt (stellte) das technisch machbare dar, der Plattenspieler braucht sich nur an ihr zu orientieren, ihn besser zu machen als die Schneidemaschine (wenn das überhaupt bezahlbar möglich ist), macht keinen Sinn, denn dieser Spieler kann auch nur das herausholen, was die Schneidemaschine „hineingeschnitten" hat.
Die Absurdität an diesen klanglich-verbalen Höhenflügen von Testern mag schon an der Tatsache erkennbar sein, daß die Qualität des menschlichen Ohres in einem „HiFi-Test" hoffnungslos durchfallen würde. Kein Mensch hört auf beiden Ohren gleich gut (von der Lautstärke wie auch vom Klang her). Es spielen unzählige Faktoren eine Rolle, Asymmetrien des Kopfes, unterschiedliche Formen der Hörgänge, der Ohrmuscheln, Blutdruck- und / oder Stimmungsschwankungen usw. usf..
Selbst die Sitzposotion müßte mit Schrauben fixiert werden, denn kleinste Lageverschiebung der Ohren (selbst schon durch die Atembewegung) führen zu Klangabweichungen (besonders im Hochtonbereich), die höher sind, als von der Wiedergabekette erzeugte Linearabweichnungen.
Eigentlich ist die Qualität der heutigen Geräte zu gut für den Menschen, er kann die Unterschiede nicht feststellen, ganz einfach weil er kein Messgerät ist.
Im Grunde ist es eine Art Verschwendung von Ressourcen, so gute Geräte herzustellen. Ähnlich war es in der Langspielplatten-Aera, denn wohl 99 % der Hörer konnten die in die Platten eingebrachte Klangqualität überhaupt nicht nutzen, zu Gehör bringen, weil sie sich Geräte, die vielleicht in der Lage gewesen wären, alles aus der Platte herauzuholen, finanziell nicht leisten konnten.
Dabei kommt noch eine Absurdität zum Vorschein, nämlich jene Zeitgenossen, die sich hochwertige Anlagen leisten können, sind in der Regel älter an Lebensjahren, haben dadurch aber einen natürlichen Abbau der Hörleistung vorzuweisen, können also die teuer erkaufte Klangqualität gar nicht hören.
Dagegen verfügen Kinder und Jugendliche naturgemäß über bessere Hörleistungen, haben aber leider nicht das Geld, um sich teuere Geräte leisten zu können.
Irgendwie ist das alles un- und widersinnig.
Ich habe einen älteren Onkyo CD-Spieler (von der Sorte Panzerschrankbau, genau nach meinem Geschmack), der mit BB-Wandlern mit 18 Bit 8 fach Overs. arbeitet.
Dann habe ich einen MD-Recorder von Sony (neueste sogennante 1 Bit-Wandlertechnik, die einer Auflösung von 20 Bit entspricht) den ich auch als reinen Wandler verwenden kann.
Die beiden Geräte sind digital optisch verbunden. Nun habe ich mal testweise eine CD über einen guten Kopfhörer angehört und am Verstärker zwischen den Wandlern vom Onkyo und dem vom Sony umgeschaltet (also ein Echtzeit A-B Vergleich), ich konnte beim besten Willen keinen Unterschied hören, absolut nichts, selbst das Umschalten (elektronisch) war unhörbar.
Da frage sich mich, worüber Tester überhaupt schreiben.
Jedenfalls finde ich, sich mit Analoggeräten zu befassen, in der Therorie wie auch praktisch (sammeln, restaurieren, pflegen, verwenden) ist ein ungemein bereicherndes Hobby. Je mehr die Geräte schrumpfen, und je weniger Mechanik da ist, umso ärmer wird dieses Hobby, die Beschäftigung damit.
Gruß, wilhelm
als Audio-Mechanik-Fan trauere ich der Zeit der Tonbänder, Kassetten, Schallplatten (auch ältere, noch „robuste" CD-Spieler) und den entsprechenden mechanisch aufwendigen und hochwertigen Geräten etwas nach und bin von den heutigen Plastik und Chip-geräten nicht sonderlich angetan, und ich freue mich, daß es offenbar nicht wenige „gleichgesinnte"gibt.
Dennoch verschließe ich mich neuer Technik nicht und gebe sogar zu, daß ich CD-Spieler oder ein MD-Deck schon rein des hohen Bedienkomforts lieber benutze als meine Plattenspieler, Tonbandgeräte oder Kassettenrecorder.
Die „Mechanik-Panzer" (Uher, Revox usw.) verwende ich eher selten, und möchte sie auch nicht missen, ihr „Anfassgefühl" ihre aufwendige Mechanik und ein Schuß Nostalgie, die besseren (HiFi-) Zeiten, aber auch das Lebensgefühl, die im positiven Sinne etwas langsamere Gangart (z.B. die Umspul- oder Aufwärmzeit von Audiogeräten hatte man noch...) sind es, die ich mit diesen Geräten verknüpfe.
Ebenso verknüpfe ich damit aber auch das hohe Niveau der früheren (populären) Musik, die meine Generation auf diesen Geräten abspielte (uns blieb ja nichts anderes übrig..).
Heute haben wir doch die absurde Situation, daß die Aufnahme- und Wiedergabetechnik auf einem wohl unbestritten nie dagewesenen hohen technischen Niveau stehen (höchste Klangqualität ist heute für jeden erschwinglich), dagegen aber die heutige (populäre) Musik in vielen Bereichen eine genau entgegengesetzte Entwicklung genommen hat.
Bei einem Lois Armstrong, einer Maria Callas, Glenn Miller, den Beatles usw. usf. hätten heutige Audiotechniken gut zu deren künstlerischen Niveau gepaßt, aber sie hatten nun mal leider diese Technik nicht zur Verfügung (sind quasi zu früh geboren worden).
Dagegen stellt sich aber heute die Frage, ob man eine hochwertige Stereoanlage braucht, um sich einen Daniel Küblböck, oder das Lied „es ist geil ein Arschloch zu sein" anhören (antun) zu können. In dieser Beziehung ist doch die Welt irgendwie falsch herum gepolt.
Auch was das Brimborium um das illegale Herunterladen von Pop-Musik aus dem Internet betrifft, wüßte ich nicht, was mich überhaupt an heutiger Pop-musik (im Grunde mehr oder weniger nur schlechter Abklatsch der Musik Rock- Und Pop- Aera der 50er bis 70er Jahre) reizen könnte, um sie mir illegal, geschweige denn, legal anzuschaffen. Diese heutige in der Mehrzahl seelenlose Musik ist für mich so belanglos, daß ich sie noch nicht einmal geschenkt haben möchte. Es gibt zwar hin und wieder innovative Lichtblicke (ich bin für neues gewiß nicht verschlossen), was mir nur unheimlich auf den Senkel geht, ist, daß unzählige „Trittbrettfahrer" auf einen neuen Trend, Rhythmus oder Sound gleich aufspringen und am Schluß zig Bands im Grunde das gleiche von sich geben, sie sich nur in Nuancen unterscheiden und damit nicht mehr unterscheidbar sind, und das ganze zur „Ex und Hop"-Musik-Kultur verkommen ist.
Um zur Technik zurückzukommen, ist aus meiner Sicht die in einem anderen Thread angesprochene Mini-Disc die konsequente und plausible Weiterentwicklung eines langen Entwicklungsweges in der langen Audio- / HiFi-Geschichte.
Die MD dürfte aber auch das letzte Speicher-System sein, das noch mit (wenigen) beweglichen Teilen arbeitet (leider, was offenbar nicht vielen bekannt ist, nicht ganz berührungsfrei, denn bei der Aufnahme setzt sich ein dem Laser gegenüberliegender Magnetkopf auf die Disk, was aber zu verschmerzen sein dürfte).
Jedenfalls bin ich mit anderen der Meinung, daß der nächste Schritt (im Bereich Audio wie auch Video) eindeutig die absolut von beweglicher Mechanik freie Speicherung mittels Halbleiter sein wird (als Zwischenlösung vielleicht höchstens Miniaturfestplatten).
Speicherkarten mit 5 Gb (als „Flash"-Cards) sind bereits marktreif und käuflich.
10 Gb und mehr (die Grenze nach oben ist noch offen) sind schon realisiert, der momentanen hohen Kosten wegen aber noch nicht als Massenware denkbar. Das dürfte sich aber erfahrungsgemäß schnell ändern, denn jegliche neue Technik war anfangs für die breite Masse fast unbezahlbar, der erste CD-Spieler kostete 2000,.DM, und heute bekommt man einen DVD-Spieler schon für 30 Euro „nachgeschmissen").
In wenigen Jahren werden wir erschwinglich unsere Lieblingsmusiken oder -filme von Briefmarkengroßen Speichermedien abspielen können (schon heute als MP3), wobei es, obwohl technisch möglich, zu weiterer Miniaturisierung der Geräte nicht kommen wird, denn die Grenze bestimmt nicht die Technik, sondern die menschliche Anatomie.
Eine vernünftige Handhabung und Praxistauglichkeit wird natürlich der Miniaturisierung Grenzen setzen. Wenn schon heute so mancher seine Probleme hat, seine verlegte CD oder MD wiederzufinden, wäre (ist) schon hier ein briefmarkengroßes Speichermedium unpraktisch, ja eine Katastrophe, sobald es auf nimmer wiedersehen in der Sofaritze verschwinden würde. Auch braucht solch ein Medium eine vernünftige Informations-Fläche. Hier ist die MD fast schon zu klein, dürfte die unterste Grenze darstellen (hier sind die „Flash"-Cards schon inakzeptabel).
Hier muß man sich sowieso generell fragen, was diese ganze Miniturisierung soll, was die Hersteller bewegt, die Geräte und Medien immer kleiner (als die Konkurrenz) machen zu wollen. Haben wir so kleine Wohnungen, in der wir keinen Platz haben, unsere Audiogeräte oder Platten unterzubringen (?).
Diese ganze technische Entwicklung, das vollkommene Verschwinden jeglicher beweglicher Mechanik bedeutet aber nicht nur eine neue „Revolution" in der Arbeitswelt in Form immer mehr „freigesetzter" Arbeitsplätze, sondern auch eine Verarmung der ganzen HiFi -„Szene".
Selbst den etablierten HiFi-Zeitschriften wird allmählich der Schreibstoff ausgehen. Bisher konnten sie wenigstens noch z.B. über die mechanische Stabilität einer CD-Spieler-Schublade berichten (vor 25 Jahren hätte eigentlich ein ganzes Heft nicht gereicht um die Mechanik z.B. eines Uher-Tonbandgerätes umfassend zu beschreiben), aber über ein Aufnahme-/Wiedergabegerät ohne jegliche Mechanik kann man in der Beziehung nichts mehr schreiben. Diese Geräte werden sowieso nicht mehr reparierbare „Ex und Hop"-Geräte sein, bei denen die mechanische Ausführung fast zweitrangig und die Wartungsfreundlichkeit völlig irrelevant sein werden.
Und das „schlimme" bei dem Ganzen ist, daß diese billige Technik klanglich den alten Boliden überlegen ist (z.B. ist hier Gleichlauf absolut kein Thema mehr), das muß man einfach so sehen.
Die Zeitschriften werden sich in ihren Tests notgedrungen, noch mehr auf Test und Beschreibung von Klangqualitäten stürzen, denn je weniger Mechanik vorhanden ist, um so mehr müssen sie über den Klang schreiben, damit sie für den Testbericht wenigstens ein paar Seiten vollschreiben können. Nüchtern betrachtet sind schon heutige Testberichte (z.B. über CD-Spieler) mit allerlei Bla Bla und Wortakrobatik gestreckt, um überhaupt noch etwas Text zusammen zu bekommen. So hat sich in den in den letzen Jahren ein unsäglicher Trend zu schwachsinnig schwülstigen Klangbeschreibungen der Testgeräte durchgesetzt, die bei völlig mechanikfreien Geräten wohl noch eine Steigerung erfahren werden.
Das Absurde an diesen Klangbeschreibungen dürfte schon daran zu sehen sein, daß heutige Audio-Geräte, zählt man alle von Model zu Model angeblichen (zig) Klangverbesserungen der letzen 20 CD-Jahre zusammen, eigentlich schon besser klingen müßten als die Originalmusik.
Und durchweg scheinen sich die Redakteure der HiFi-Zeitschriften das geflügelte Wort „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" zum Prinzip erkoren zu haben.
Ein Gerät (meintewegen ein CD-Spieler) das noch vor einem halben Jahr vom Tester als „super" eingestuft wurde, der „die Geigen filigran den Raum umschmeicheln läßt...." klingt plötzlich „scheiße", denn beim neuen Modell kommen die Streicher noch „seidiger", der Baß noch „druckvoller", die Stimme noch „analytischer", „ortbarer" usw. usf.
Und als das „totgeborene Kind" SACD kam, schrieben Tester sinngemäß, daß die „normale" CD doch eigentlich schon immer scheiße klang.
In Plattenspielerzeiten wurde von Testern bei neuen Edelmodellen gerne von der „Grenze des Machbaren" geschwärmt, ohne dabei verinnerlicht zu haben, das alle 50 Kg chrombespikten sündhaft teueren Pattenspieler-Boliden kalter Kaffe sind gegenüber der Plattenschneidemaschine.
Denn die ist die Referenz, die stellt (stellte) das technisch machbare dar, der Plattenspieler braucht sich nur an ihr zu orientieren, ihn besser zu machen als die Schneidemaschine (wenn das überhaupt bezahlbar möglich ist), macht keinen Sinn, denn dieser Spieler kann auch nur das herausholen, was die Schneidemaschine „hineingeschnitten" hat.
Die Absurdität an diesen klanglich-verbalen Höhenflügen von Testern mag schon an der Tatsache erkennbar sein, daß die Qualität des menschlichen Ohres in einem „HiFi-Test" hoffnungslos durchfallen würde. Kein Mensch hört auf beiden Ohren gleich gut (von der Lautstärke wie auch vom Klang her). Es spielen unzählige Faktoren eine Rolle, Asymmetrien des Kopfes, unterschiedliche Formen der Hörgänge, der Ohrmuscheln, Blutdruck- und / oder Stimmungsschwankungen usw. usf..
Selbst die Sitzposotion müßte mit Schrauben fixiert werden, denn kleinste Lageverschiebung der Ohren (selbst schon durch die Atembewegung) führen zu Klangabweichungen (besonders im Hochtonbereich), die höher sind, als von der Wiedergabekette erzeugte Linearabweichnungen.
Eigentlich ist die Qualität der heutigen Geräte zu gut für den Menschen, er kann die Unterschiede nicht feststellen, ganz einfach weil er kein Messgerät ist.
Im Grunde ist es eine Art Verschwendung von Ressourcen, so gute Geräte herzustellen. Ähnlich war es in der Langspielplatten-Aera, denn wohl 99 % der Hörer konnten die in die Platten eingebrachte Klangqualität überhaupt nicht nutzen, zu Gehör bringen, weil sie sich Geräte, die vielleicht in der Lage gewesen wären, alles aus der Platte herauzuholen, finanziell nicht leisten konnten.
Dabei kommt noch eine Absurdität zum Vorschein, nämlich jene Zeitgenossen, die sich hochwertige Anlagen leisten können, sind in der Regel älter an Lebensjahren, haben dadurch aber einen natürlichen Abbau der Hörleistung vorzuweisen, können also die teuer erkaufte Klangqualität gar nicht hören.
Dagegen verfügen Kinder und Jugendliche naturgemäß über bessere Hörleistungen, haben aber leider nicht das Geld, um sich teuere Geräte leisten zu können.
Irgendwie ist das alles un- und widersinnig.
Ich habe einen älteren Onkyo CD-Spieler (von der Sorte Panzerschrankbau, genau nach meinem Geschmack), der mit BB-Wandlern mit 18 Bit 8 fach Overs. arbeitet.
Dann habe ich einen MD-Recorder von Sony (neueste sogennante 1 Bit-Wandlertechnik, die einer Auflösung von 20 Bit entspricht) den ich auch als reinen Wandler verwenden kann.
Die beiden Geräte sind digital optisch verbunden. Nun habe ich mal testweise eine CD über einen guten Kopfhörer angehört und am Verstärker zwischen den Wandlern vom Onkyo und dem vom Sony umgeschaltet (also ein Echtzeit A-B Vergleich), ich konnte beim besten Willen keinen Unterschied hören, absolut nichts, selbst das Umschalten (elektronisch) war unhörbar.
Da frage sich mich, worüber Tester überhaupt schreiben.
Jedenfalls finde ich, sich mit Analoggeräten zu befassen, in der Therorie wie auch praktisch (sammeln, restaurieren, pflegen, verwenden) ist ein ungemein bereicherndes Hobby. Je mehr die Geräte schrumpfen, und je weniger Mechanik da ist, umso ärmer wird dieses Hobby, die Beschäftigung damit.
Gruß, wilhelm

