M15A beim bayerischen Rundfunk im Jahr 1998
#1
Hallo!

Ich habe heute ein wenig auf der Seite B3-History gestöbert, die zum 30-jährigen Jubiläum des Programms Bayern 3 eingerichtet wurde, das allerdings schon 22 Jahre her ist. Auf dieser Seite finden sich auch ein paar Videos vom damaligen Bayern 3-Studio. Besonders interessant ist dieses hier. Da sieht man ab Spielzeit 1:00 viel von der Technik und ich war doch überrascht von der Anzahl an Studiomaschinen, die hier noch zu sehen sind. M.E. sind das alles Telefunken M15A. Das Video stammt aus dem Jahr 1998 und hat mich doch verwundert, wie "analog" das BR-Studio damals noch war, ich hätte zu diesem Zeitpunkt schon viel mehr Digitaltechnik vermutet.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.
Zitieren
#2
Der Kameramann hatte aber eher die hübsche, etwas gelangweilt wirkende Redakteurin auf dem Schirm (statt der BMs) :-)

Gruß, Frank
Hau wech, den Schiet - aber sech mir, wohin


Zitieren
#3
Eine  M15a vom BR läuft bei mir und hat meine A77 HS etwas in den Hintergrund gedrängt. Macht halt viel Spass mit ihr zu arbeiten.
Allerdings werde ich nur noch mit 19cm/s arbeiten um die Lebensdauer der Schmetterlingsköpfe zu verlängern. (sie war gerade aus der jährlichen Revision gekommen , als ich sie bekam.)

Gruß,
Friedhelm
der ab Januar 2009 zur A77Hs , 3x 4400 Report Monitor und TK46 sowie Tk47 noch eine M15a in sein Pflegeprogramm aufgenommen hat. Nicht zu vergessen 2 Uher CR1600, 1 Uher CR1600TC und die 2 Thorens TD 124 II :-)
Zitieren
#4
(11.05.2023, 18:35)SoundBoss schrieb: Allerdings werde ich nur noch mit 19cm/s arbeiten um die Lebensdauer der Schmetterlingsköpfe zu verlängern. (sie war gerade aus der jährlichen Revision gekommen , als ich sie bekam.)

Köpfe, Kopfträger und darauf eingemessene Verstärkersätze habe ich hier noch einige.
Grüße
Peter


_____________________

Ich bin, wie ich bin.
Die einen kennen mich, die anderen können mich.
(Konrad Adenauer)
Zitieren
#5
Als ich das Video gesehen habe, wurde mein Grinsen immer breiter. Wie cool wäre es, wenn das heute noch so wäre. Oder zumindest aber alles aus dem Studio noch an Ort und Stelle wäre. Dann die Ernüchterung, dass heute außer PC und Mischpult nicht mehr viel rumsteht und auch der ganze Charme verloren gegangen ist.
Zitieren
#6
Och , Micha. Ich war dieses Jahr bei der BBC in Wales. Die Magie ist da. Sie ist nur anders! Und es gibt immer noch genug zu sehen!
Liebe Grüße
Thomas
Zitieren
#7
Hallo!

(11.05.2023, 12:26)moxx schrieb: Der Kameramann hatte aber eher die hübsche, etwas gelangweilt wirkende Redakteurin auf dem Schirm (statt der BMs) :-)

Ja, da musste ich auch schmunzeln, wie sie so verlegen auf dem Telefon rumdrückt.

(11.05.2023, 21:15)Micha94 schrieb: Als ich das Video gesehen habe, wurde mein Grinsen immer breiter. Wie cool wäre es, wenn das heute noch so wäre. Oder zumindest aber alles aus dem Studio noch an Ort und Stelle wäre. Dann die Ernüchterung, dass heute außer PC und Mischpult nicht mehr viel rumsteht und auch der ganze Charme verloren gegangen ist.

Man kann ja heute mittels Webcams ins B3-Studio kucken und erkennt gleich, dass von dem damaligen Charme praktisch nichts mehr vorhanden ist. Mir ist auch nicht bekannt, ob das überhaupt noch die selben Räume sind, wenn ja, wurden sie komplett umgestaltet. Das Studio im Video müsste bereits das zweite Bayern 3-Studio gewesen sein, das erste wurde 1992 aufgegeben und später als so eine Art Ausbildungsstudio umgebaut. Ich denke, es wird ebenfalls nicht mehr existieren.

Jedenfalls hat mich dieses Video an einen längst vergessenen Song erinnert: Der Titel, der zum Schluss angespielt wird ist "Brimful of Asha" von "Cornershop". Zu der Zeit als das Video entstand habe ich praktisch nur Bayern 3 gehört (heute gar nicht mehr) und ich kann mich jetzt wieder daran erinnern, dass das damals viel Airplay hatte. Nur wusste ich bis gestern gar nicht mehr, dass der Song überhaupt existiert. Anhand der ersten Textzeilen, die zu hören sind, konnte ich Name und Interpret wieder herausfinden. In Deutschland war das aber nie ein Hit, kam nur auf Platz 84 der Singlecharts und wurde wohl deswegen häufig gespielt, weil es radiotauglich war und im Ausland erfolgreich. Aufgrund der mageren Chartplatzierung ist es wohl in Vergessenheit geraten. Ich frage mich dabei immer, bei wie vielen Songs es noch so ist, die früher doch bekannt waren und komplett aus dem Bewusstsein verschwunden sind.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.
Zitieren
#8
Ich weiß nicht so recht, Leute. Nostalgie hin oder her: das ist eine Rummelbude. Alles steht voll, irgendwie wirkt es auf Außenstehende auch chaotisch. Und zwischen all dem Kram wird am Ende noch ein Korb mit Laugensemmeln geschwenkt. Vielleicht ist es auch Geschmacksache, oder?

Ich habe bei der BBC nicht fotografiert (das war auch nicht erwünscht, bei Einlass gab's Taschenkontrolle und Leibesvisite vom Security Personal). Daher habe ich ein Foto geklaut:

   

Mich persönlich hat die moderne Architektur des Gebäudes, die Einrichtung der Büros, Studios usw. sehr angesprochen. Alles wirkte sehr strukturiert, aufgeräumt, modern und funktional - und trotzdem chic. Das Foto kann da keinen richtigen Eindruck von vermitteln. 

So sehr ich die alte Technik liebe: das ist Hobby. Wenn es um das ernsthafte Arbeiten geht, möchte ich auf die moderne Technik mit PCs & Co. eigentlich gar nicht mehr verzichten. Daher: mein kleines Tonstudio ist voll digital. Mittlerweile mache ich nicht einmal mehr Gebrauch von externen Effektgeräten oder Midi-Zuspielern... Für den Workflow ist das ganz essentiell. Ich kann Projekte mitnehmen und woanders weiterbearbeiten... 

Vermutlich werde ich jetzt gesteinigt...  Confused

Nachtrag: hier gibt's noch eine Slideshow mit Einblicken in das Gebäude. Werbung für die Firma, die die Lämpskes beigesteuert hat.
Liebe Grüße
Thomas
Zitieren
#9
Hallo!

Ich hole mal diesen Thread wieder hervor, weil ich etwas gefunden habe, was hier irgendwie dazu passt. Ich habe vor kurzem auf Youtube ein Video zum zehnjährigen Jubiläum von Antenne Bayern gefunden. Der Sendestart von Antenne Bayern war am 5. September 1988, es sind hier sowohl Aufnahmen von genau diesem Tag, als auch den Jahren danach und der Gegenwart (1998) zu sehen. Auch hier sieht man neben Plattendrehern auch noch Bandmaschinen im Studio. Ab ca. 3:50 Minuten sieht man Stephan Lehmann mit einer, wahrscheinlich Studer, hantieren, möglicherweise eine A807, jedenfalls internationale Schichtlage. Die Aufnahme dürfte seiner Frisur nach noch aus der Anfangszeit des Senders stammen. Später bei etwa 4:50 Minuten, wird die Situation im Jahr 1998 gezeigt und hier sieht man unten links im Bild ebenfalls den Teil einer Studer, wahrscheinlich sogar noch die gleiche. Es sieht aber so aus, als wird sie als Ablage missbraucht, was auf eine eher spärliche Nutzung hindeutet.
Jedenfalls standen beim größten Konkurrenzsender von Bayern 3 im gleichen Jahr wie ganz oben (1998) ebenfalls noch Bandmaschinen im Studio.

Interessant finde ich auch noch, dass das Antenne Bayern Studio wesentlich aufgeräumter aussieht, obwohl es älter sein müsste. Bayern 3 bekam 1992 ein neues Studio, während das Antenne-Studio wohl beim Sendestart 1988 in Betrieb ging. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Antenne Bayern mal umgezogen ist, denn ich glaube nicht, dass das Funkhaus in Ismaning, von dem man auch viel im Video sieht, am Anfang schon zu Verfügung stand. Das wurde erst Mitte bis Ende der 90er gebaut.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.
Zitieren
#10
Da ich ja auch mal im Medium Hörfunk unterwegs war, ist es immer spannend zu sehen, wie andere so arbeiten.
In dem Video ist vieles zu sehen, was damals auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk weit verbreitet war: Studer A-727 CD-Player oder das Tascam Tapedeck.

Der Stephan Lehmann hat aber nicht allzu oft mit Bandmaschinen gearbeitet..... Big Grin
The 7 P's: Prior proper planning prevents piss-poor performance.  Cool
Zitieren
#11
Ja, mir ist auch schon bei verschiedenen Bildern aus Rundfunkstudios aufgefallen, dass Tascam Tapedecks verwendet wurden, obwohl von der restlichen Ausrüstung viel von Studer war. Warum man da dann kein A721 genommen hat? Vielleicht war es für die selten genutzen CCs zu teuer.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.
Zitieren
#12
So war es:
in den allermeisten Fällen wurden damit Mitschnitte für die Künstler gemacht oder in Demo-Tapes reingehört.
Und das tun die Tascams nicht so viel schlechter als ein Studer. Doch das Studer war damals mehr als doppelt, fast dreimal so teuer.....
The 7 P's: Prior proper planning prevents piss-poor performance.  Cool
Zitieren
#13
Passend dazu gibt es hier ein (insgesamt eher unspektakuläres) Video vom Sendestart von MDR Kultur 1992:


Ab ca. 7:00 sieht man ein Rack mit (ich glaube) 2 Studer CD-Playern und ein Kassettendeck. Daneben mindestens 3 Studer A807.

Gruß
Robert
Zitieren
#14
Hallo!

Ja, das ist ebenfalls sehr interessant. Viel Studer-Technik und in dem Rack ist mal ein A721 eingebaut. Das hier beim ÖRR A807 statt A816 angeschafft wurden, irritiert etwas, liegt aber wahrscheinlich daran, dass man vorher in der DDR überwiegend mit der internationalen Schichtlage gearbeitet hatte.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.
Zitieren
#15
Das Bayern-3-Studio der 90er Jahre war ja eigentlich ein in einen Sprecherraum eines Sendekomplexes reingestopfter Selbstfahrplatz. Diese Räumlichkeiten waren ursprünglich ja nie für Selbstfahrbetrieb vorgesehen gewesen. Der Selbstfahrerplatz müsste draußen in der Regie auf einem Kanalzug angelegen haben. Besondere Schaltungen / Zuspielungen wickelte man halt noch draußen in der Regie ab.

Interessant war bei Bayern 3, dass man die Verpackung und auch die Werbung in den 90er Jahren von MiniDisc spielte. Deswegen war da eine ganze Wand an MD-Playern aufgebaut. Christoph Flach hatte einst auf seiner Webseite Fotos aus dieser Zeit, die das schön zeigen:

http://web.archive.org/web/2005041613595...udio_2.JPG

http://web.archive.org/web/2005041613593...udio_1.JPG

Das war einfach wild zusammengestapelt, während bei Antenne Bayern halt alles aus diesem Selbstfahrstudio heraus gemacht wurde und man großen Wert auf Optik legte. Eine zeitlang hatte Antenne Bayern ein kundenspezifisches Analogpult von Überschall (genau wie Ö3), das der Tischrundung folgte. Doch selbst als man dann auf DHD-Digitalpult umstellte, gab es eine kundenspezifische Ausführung, um die Anpassung an die Rundung im Tisch beibehalten zu können.

Zurück zu Bayern 3: hinten in der Ecke am Fenster stand noch ein 948er EMT für alle Fälle.

Ich war um 1995 mal da drin, um Jürgen Törkott zu treffen, als ich 2 Tage von der Uni aus in München zu tun hatte. Die MD-Geräte fand ich 2012, als ich mich im BR-Funkhaus herumtrieb wieder - im Ersatzgerätelager. Da standen sie und vieles weiteres noch eingemottet. Auch das Pult vom Selbstfahrer war noch vorhanden, als Trainingspult in einem Nebenraum eines Studios.

Inzwischen gibt es auf Youtube ausgiebige Einblicke in diesen einstigen Sprecherraum:

https://www.youtube.com/watch?v=KaL0Z33eBb0

Hier 1995 noch ohne MiniDisc-Wand:

https://www.youtube.com/watch?v=SODYndSLv4c

Nach diesem Studio (SK 3) kamen mindestens zwei weitere Studios. Die erste Digitalpultgeneration hatte man mit Lawo Diamond (das alte von Monitora / DSA Volgmann, nicht das neue, Lawo sind die Kristalle ausgegangen, sie haben wieder ein Pult "Diamond" benannt), das war dann soweit ich mich erinnere in anderen Räumlichkeiten (nie drin gewesen). Der SK3 von bayern 3 könnte anhand eines Fotos sogar übergangsweise dann von Bayern 2 verwendet worden, während man bei Bayern 2 umbaute (auf Digitaltechnik, Lawo Zirkon XL wurde es dort, also später umgebaut als Bayern 3).

Der nächste Umbau bei Bayern 3 war dann besonders skurril: da beide Studios technisch zu entkernen waren, baute man zuerst einmal einen kompletten neuen Studioaufbau in eines der zahlreichen fensterlosen hochwertigen Hörfunk-Produktionsstudios (kleiner Saal) ein. Mitten rein kam da eine Insel mit der Technik für das neue Bayern-3-Studio. Dann schulte man da drin, dann zog man mit dem laufenden Programm in dieses Studio um, entkernte derweil alles bei Bayern 3, baute das andere Studio sendefähig rein, zog dorthin zurück, demontierte die Technik in dem Produktionsstudio und baute sie als zweites Studio bei Bayern 3 wieder auf.

Hier mal S12, das leider 2012 demontierte schönste Hörfunk-Produktionsstudio des BR. Da wurde normalerweise der Zündfunk drin gemacht, von einem Selbstfahrplatz aus den 80er Jahren, mit 948er EMT und in der regie steht noch gut altes Zeug:

https://www.taktlos-online.de/2008/120/studio3.jpg

https://www.taktlos-online.de/wp-content...tudio4.jpg

https://www.taktlos-online.de/wp-content...tudio2.jpg

https://www.taktlos-online.de/2008/120/dis2.jpg

Das hier war das wohl am längsten gelaufene Analogpult im großen Produktionsbetrieb, Studio 9 im BR-Studiobau:

https://www.taktlos-online.de/wp-content...030105.jpg

Das kam glaube ich um 2015 raus und wurde durch ein Stagetec ersetzt. Der Geruch im S9 und seinen Nebenräumen war unglaublich: warmer Staub, Pertinax, 60er Jahre. Leider endet in diesem Jahr die Geschichte des Studiobaus. Die Kulturvernichter der ARD lassen das Gebäude aufgeben. Man will ja auch keine Hörfunkproduktionen mehr machen, die diesen Namen verdienen. Rundfunk ist ja nur noch Musikgedudel und Podcasts, die man auch am Küchentisch aufnehmen kann und die dann irgendwo im Internet verklappt werden.

Der BR-Studiobau, in den 1960er Jahren als "Brücke zwischen den Menschen und den Völkern" eingeweiht, soll, wenns nach dem BR geht, abgerissen werden.

https://www.brstudiobau-retten.de
Zitieren
#16
Hallo!

Danke für die interessanten Einblicke! Ja, das von Studiobau habe ich auch schon gehört, gesehen habe ich das alles aber bisher nur von außen.

Das erste verlinkte Video von dir stammt übrigens vom gleichen Tag wie die ganz oben von mir verlinkten auf B3 History. Dort wird nämlich über die Ausstrahlung der letzten Derrick-Folge gesprochen, die noch am Abend des selben Tages erfolgen sollte. Und das war am 16.10.1998.

Es wundert mich, dass diese Videos trotz der zahlreichen urheberrechtsgeschützten Musikstücke noch auf YT online sind.

Ja, wenn man sich die Reichweiten von den hier genannten Hörfunkprogrammen ansieht, erkennt man, dass es seit Jahren nur nach unten geht. Die Konsequenz daraus ist dann immer, dass es günstiger werden muss, wieder Hörer anzuwerben scheint eher sekundär zu sein. Funktioniert im Streamingzeitalter wahrscheinlich auch schlecht.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.
Zitieren
#17
Zitat lg74: Die Kulturvernichter der ARD lassen das Gebäude aufgeben.

‐------------
So ein Blödsinn....... das hat mit "der ARD" nichts zu tun, sondern ist einzig und allein die Entscheidung des Bayrischen Rundfunks.
Und auch dort gibt es keine "Kulturvernichter", sondern knallhart wirtschaftende Verantwortliche.
Da werden nur Zahlen verglichen, und danach entschieden. Alles andere bildet sich da nicht ab.

Ob man die Zahlen und Perspektiven anders bewerten oder auch umsetzen kann: klar.
 Aber momentan herrscht bei allen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ein so großer Finanzdruck, das sich niemand mehr traut, Diskussionen um Finanzen und Investitionen überhaupt noch anzustoßen. 

Und das liegt unter anderem auch an der Öffentlichkeit und damit an so Äußerungen wie der dort oben. Da kann mit jeder Entscheidung nur verloren werden.

Das Thema ist sehr vielschichtig und tiefgründig, alles nicht so einfach wie es scheint......

Mehr werde ich dazu aber hier nicht schreiben, das sprengt den Rahmen.
The 7 P's: Prior proper planning prevents piss-poor performance.  Cool
Zitieren
#18
Danke für die Links!

Die CD noch professionell mit dem Hemd gereinigt Big Grin
Zitieren
#19
(29.01.2025, 09:24)proso schrieb: So ein Blödsinn....... das hat mit "der ARD" nichts zu tun, sondern ist einzig und allein die Entscheidung des Bayrischen Rundfunks.
Und auch dort gibt es keine "Kulturvernichter", sondern knallhart wirtschaftende Verantwortliche.
Da werden nur Zahlen verglichen, und danach entschieden. Alles andere bildet sich da nicht ab.

Du hast gerade Privatfunk beschrieben. Der arbeitet ausschließlich nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit bzw. Gewinnmaximierung. Er ist ja auch kein Angebot für die Menschen, die ihn hören, sondern für die werbetreibende Industrie. Diejenigen, die Privatfunk hören, sind nur zur Bestimmung des Wertes einer Werbeminute notwendiges "Zählvieh".

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hingegen hat das Privileg der Beitragsfinanzierung, also einer gesamtgesellschaftlichen Finanzierung. Dafür ist er aber auch verpflichtet, einen Wert für die Gesellschaft zu erbringen. Dazu gehörte von Anbeginn auch der Kultur- und der Bildungsauftrag. Das war eine extrem wichtige Komponente und dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich von diesen Kernkomponenten in den vergangenen 30 Jahren immer weiter entfernt hat, hat zumindest aus meiner Sicht zur gesellschaftlichen Verwahrlosung in diesem Land massiv beigetragen.

Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk versucht, Privatfunk zu imitieren, wenn er zig Fernseh- und Hörfunkkanäle tagtäglich mit teuer produziertem Trash füllt, wenn er den wertvollen Rundfunkbeitrag dazu verwendet, anderen Wirtschaftszweigen, z.B. im Sportrechte-Bereich, hohe Profite zu bescheren, wenn er inzwischen dem Größenwahnsinn verfallen ist, das Internet noch mit separaten Produktionen zu fluten (was nicht gelingen kann, das Internet ist quasi unendlich, öffentlich-rechtliche Inhalte, die man ausschließlich dort hinein verklappt, gehen aufgrund einer nahezu "homöopathischen" Verdünnung völlig unter), muss er sich nicht wundern, wenn am Ende kein Geld für die Bewahrung der Kultur mehr vorhanden ist.

Zur Kultur gehört aber auch das Haus, das der Kultur eine Heimat gibt. Dazu gehört die Bibliothek (nicht nur beim BR schon geschleift), dazu gehört das geschichtliche Archiv (weiß spontan nicht, wie weit da die Ausdünnung schon vorangeschritten ist), dazu gehören aber auch vor allem die Säle und Studios mit herausragender Akustik ("Der Raum ist das Kleid der Musik") und besten Produktionsbedingungen, weil man eben nicht alles im Großraumbüro am Schreibtisch mit Headset einsprechen und mal schnell zusammenklicken kann. Ok, für Trash reicht das und Podcasts können andere ja schließlich auch zu Hause am Küchentisch machen, warum also nicht auch die ARD?

Einfach mal lesen, was seit Bekanntwerden der Vernichtungspläne für den BR-Studiobau Menschen mit bekanntem Namen in den Feuilletons angesehener Zeitungen geschrieben haben. Einfach mal lesen, was MusikerInnen, TonmeisterInnen etc. auf der Seite brstudiobau-retten.de geschrieben haben. Oder einfach mal Menschen fragen, die die Seele des Rundfunks erkennen und wertschätzen konnten und z.B. beim BR arbeiten (aber nicht nur dort, die Vernichtung läuft auch anderswo, beim BR ist sie nur noch nicht so weit vorangeschritten gewesen wie andernorts).

Aber passt schon. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk war wichtiger Bestandteil der Zivilgesellschaft seit den späten 1940er Jahren. Erschaffen als Konsequenz und aus den Lehren der Zeit des ersten deutschen Faschismus und des zweiten Weltkrieges, mit einem "nie wieder" im Hinterkopf. Menschen sind vergesslich. Kultur brauchen wir nicht mehr, Kommunikation findet auf X statt und es gibt nicht wenige Menschen, die die Zeit, in der wir heute leben, nicht mehr "Vorkriegszeit", sondern bereits "Kriegszeit" nennen. Da ist halt kein Platz mehr für Kultur, für das, was Menschen überhaupt noch verbinden könnte.

Also braucht es auch das Funkhaus mit den höchstwertigen Studios nicht mehr. Kann man durch einen Glaskasten ersetzen, in dem niemand, der wertvolle Produktionen machen will, angemessene Produktionsbedingungen vorfinden wird.

Für mich hat das die Konsequenz, dass ich nach Jahrzehnten, die ich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als wichtige Stütze der Gesellschaft verteidigt habe, nun an dem Punkt bin, ihn nicht mehr unterstützen zu wollen. Wenn mein Rundfunkbeitrag nur noch in die Bedienung der Gehälter von Verwaltern geht, die genausogut auch einen Schlachthof, einen Schrottplatz oder eine Liquidatorengesellschaft leiten könnten, läuft massiv was schief. Dafür ist Rundfunkbeitrag nicht da. Meiner zumindest nicht. Ich erwarte dafür schöne Features, humanistisches Radio mit Tiefgang und Zeit für das Wesentliche, auch mal Zeit für Details, ich erwarte Nachwuchsförderung, öffentliche Konzerte / Konzertübertragungen / Nachwuchsfestivals etc. Wenn das der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht mehr leisten will (und behauptet, es nicht mehr leisten zu können), kann er gerne weg. Dann hat er für mich keinen Wert mehr. Ich mag es nicht, wenn mein Geld verbrannt wird. Andere mögen das anders sehen, ich sehe es so.

Vor wenigen Tagen erst hatte ich mich nach Jahren mal wieder mit einem Journalisten getroffen, der Jahrzehnte seines Arbeitslebens viel mit der ARD zu tun hatte. Was er von der ARD heute hält, hat er vorsichtig angedeutet: ein verrottetes System, das sich gegen seine Grundwerte und seinen gesellschaftlichen Auftrag richtet und auf Führungsebene massiv kaputt ist.
Zitieren
#20
@ lg74

Zitat: "Zur Kultur gehört aber auch das Haus, das der Kultur eine Heimat gibt. Dazu gehört die Bibliothek (nicht nur beim BR schon geschleift), dazu gehört das geschichtliche Archiv (weiß spontan nicht, wie weit da die Ausdünnung schon vorangeschritten ist), dazu gehören aber auch vor allem die Säle und Studios mit herausragender Akustik ("Der Raum ist das Kleid der Musik") und besten Produktionsbedingungen, weil man eben nicht alles im Großraumbüro am Schreibtisch mit Headset einsprechen und mal schnell zusammenklicken kann."

Meiner Meinung nach geht der Kulturbegriff des Rundfunks (und nicht nur beim BR) auf mehreren Ebenen innerhalb einer Generation verloren.

Dazu zählt der Verlust der Sendekultur und dessen fragwürdiger inhaltlicher Wandel, die schwindende Bereitschaft zu nachhaltigem Umgang mit Rundfunkbeiträgen und nicht zuletzt die Vernichtung des als technisches Kulturgut einzustufenden Inventars.

Einen Höhepunkt bildet (freilich außerhalb des ÖRR) die Abwicklung des IRT und das Verschwinden des (seinerzeit per www zugänglichen) Geräte- u. Schaltplanarchivs.

Allein das traurige Ende des IRT (und die damit verbundene Vorgeschichte) ist schon einen eigenen thread wert. Vergleiche:

https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f...unktechnik


Derlei Vorgehensweisen haben hierzulande leider Tradition, man denke nur an den "Rückbau" von Norddeich Radio...

Deutschland schafft sich ab???


Martin
"Früher war mehr Lametta!"
Zitieren
#21
Allein die 542 Mitglieder des dt. Rundfunkrates machen nix ehrenamtlich und jedes Mitglied erhält neben 1000€ monatlich auch noch 30€ Aufwandsentschädigung pro Sitzung. Deren Tätigkeit kann durchaus ebenfalls kritisch bewertet werden, vergleiche:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rundfunkrat


Martin
"Früher war mehr Lametta!"
Zitieren
#22
Vielleicht solltet ihr euch erst einmal, statt euch nur zu empören, ein wenig mehr mit der Materie vertraut machen. Wink

Stichwort Abschaltung von Sendeanlagen:
- Ja, da viele davon (Mittelwelle, analoges Fernsehen, analoge Satelliten Übertragung etc....) einfach nicht mehr benötigt werden. Wink
Es wird auch den UKW-Rundfunk irgendwann treffen. Das ist für viele (auch mich) schade, aber dennoch unvermeidlich.

Programm reduziert:
- Irrtum, alle öffentlich rechtlichen Sender machen inzwischen DEUTLICH mehr Programm als vor 10 oder gar 20 Jahren. Alleine die ganzen zusätzlichen Angebote auf digitalen und Streaming-Plattformen müssen ja auch erstellt werden (und werden im Übrigen auch von der Gesellschaft gefordert).
- genauso die Hörfunk Wellen: auch dort gibt es mehr Programm als noch vor 10 oder gar 20 Jahren.
- Es gibt jede Menge Nachwuchsförderung, Konzerte, Livemusik etc......nicht umsonst haben einige Sender noch Orchester, Big Bands und Chöre. Und fördern Musikfestivals, von denen auch live übertragen wird.
Schaut einfach mal in die (prall gefüllten) Mediatheken.

Taschen voll machen:
- Das trifft vermutlich (leider) auf einige Personen (eher in hohen Kreisen) zu, diese sind aber immer noch deutlich in der Minderheit. Faule Äpfel gibt es in jedem Obstkorb.......
Die große Mehrheit sind aber jene Personen, die in allen Rundfunkanstalten zu tariflichen Löhnen Tag für Tag ihre Arbeit machen, damit viele Menschen auch etwas davon haben. Mit viel Einsatz und Herz.

Und genau diesen ganzen Menschen wird durch solches Geschreibsel in den Rücken getreten. Denn durch solche Phrasen entsteht Framing.......

Und wenn ich dann noch höre, das jemand sich nach Jahrzehnten eines Arbeitslebens in der ARD (sofern es überhaupt stimmt) so wie oben geschrieben äußert, dann passt es ja genau ins Bild.......

Damit bin ich nun aber echt raus hier, weitere Infos über das gebotene Programm, die Ausspielwege, Personal und auch Kosten der Programmerstellung stellt jeder Sender auf seinen Internetseiten zur Verfügung.
The 7 P's: Prior proper planning prevents piss-poor performance.  Cool
Zitieren
#23
Wir sind hier ganz schön ins Offtopic abgerutscht.
Grüße,
Wayne

Weil immer wieder nachgefragt wird: Link zur Bändertauglichkeitsliste (Erfassung von Haltbarkeit und Altersstabilität von Tonbändern). Einträge dazu bitte im zugehörigen Thread posten.
Zitieren
#24
Danke, das denke ich auch. Also unterhaltet euch hier gerne weiter über M15A und andere alte Technik beim Rundfunk, aber bitte nicht über die leidige politische Diskussion der Finanzierung der Anstalten. Die Argumente dazu sind mal wieder ausgetauscht, Proso hat es gut auf den Punkt gebracht.

Viele Grüße,
Martin
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste