Kondensatorenfrage
#1
Hallo,

ich hab' hier mal eine Frage zu Kondensatoren. Es geht um ein Sat - Messgerät, Telestar Satplus 2. Das hab' ich schon länger, aber gaaanz selten benutzt. Nur ca. 1 x im Jahr den Akku geladen (3 x Lithium - Ionen 18650 in Reihe). Gestern brauchte ich es mal, plötzlich nach ca. einer Viertelstunde fiel es bei Akkubetrieb komplett aus - tot. Mit Netzteil funktioniert es noch, Akkuladestandsanzeige 0%. Eine Serviceanleitung oder Schaltplan kann ich im Netz nicht finden. Das Gerät aufgeschraubt, könnte ja eine Sicherung sein, die "durch" ist. Überraschung: Der Akkuanschluß im Gerät war kurzgeschlossen. Der Akkupack muß eine reversible Überstromsicherung haben, beim Kurzschluß von Lithium - Ionen - Akkus besteht hohe Brandgefahr. Und hat unangeschlossen noch ziemlich volle Betriebspannung (11,1V lt. Aufdruck). Also mal Betriebsspannung mit Labornetzteil an den Akkuanschluß angelegt, das Netzteil ging sofort auf Kurzschluß (kann 3A). Ein wenig an der Platine herumgefühlt, und siehe da, es wurde warm an einer Stelle, die hier, mit den 4 Kondensatoren C3 / C17 / C18 / CP20:
   

Ich als erstes den oberen C3 ausgelötet, Tantal, 10µf, 35V. Ist so bedruckt. Der ist überraschenderweise o.k. Dann die drei rechts untereinander C17, C18, CP20 ausgelötet (damit ich die Platine nicht so oft heißmachen muß, alle gleichzeitig mit Heißluft). Tatsächlich, einer ist hin, Kurzschluß und Loch. Das Loch habe ich allerdings erst auf den Bildern gesehen. Hier die Bilder, Ober- und Unterseite, ich meine, es war der CP20.

   
   

Maße: Ca. 1,5mm x 3,3mm. Eine Bedruckung ist nicht zu erkennen, auch auf den intakten nicht. Messen tu' ich bei den beiden intakten jeweils 10µf, wie beim Tantal oben. Alle 4 Kondensatoren scheinen parallel verdrahtet zu sein.

Und hier meine Fragen:

- Macht das schaltungstechnisch Sinn, 4 x 10µf parallel zu schalten, davon 1 x Tantal?
- Was für Kondensatoren sind C17 / C18 / CP20? Ich vermute, der defekte hat ebenfalls 10µf, sieht jedenfalls genauso aus wie die anderen beiden.

Gruß
Wenni
Zitieren
#2
Der keramische Vielschichtkondensator (MLCC, Multilayer Ceramic Capacitor), häufig eine schöne Quelle für unerwünschte Ärgernisse. So lange sie so komplett ausfallen geht es ja noch, ist  leider nicht immer so eindeutig. 
In vielen (Aus-) Fällen einfach "raus kneifen" und keinen Gedanken mehr an die Dinger verschwenden.

Gruß Ulrich
Zitieren
#3
Keramikkondensatoren haben aber doch keine 10 uF, sondern höchstens ein paar nF...
Zitieren
#4
MLCC

Gruß Ulrich
Zitieren
#5
Danke für den sehr informativen Link.
Zitat:
"Dieser Artikel wurde am 10. Juni 2008 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen."

Dem Abschnitt "Spannungsabhängigkeit der Kapazität" mit seinen beiden Bildern kann man entnehmen, wie Fortschritte in extremer Miniaturisierung zB zur Verringerung der Audio-Qualität durch Verzerrungen aus Kondensatoren mit großem anliegendem NF-Signal führen.

MfG Kai
Zitieren
#6
Hallo Ulrich,

vielen Dank für den Link, das ist ein sehr lesenswerter Artikel. Man kann alt werden wie eine Kuh, aber man lernt immer noch dazu.

MfG, Tobias
Strom kann erst dann fliessen, wenn Spannung anliegt.
Zitieren
#7
@Ulrich:
Vielen Dank für die Bezeichnung MLCC, das half mir weiter.
Und ebenfalls Danke für den Link. Den habe ich gestern dann spät am Abend (oder wars schon heute früh am Morgen?) auch noch gefunden, mochte aber nicht mehr posten.
hannoholgi schrieb:Keramikkondensatoren haben aber doch keine 10 uF, sondern höchstens ein paar nF...
Das hab' ich vor dem Messen und dem späteren Lesen des Wiki - Links auch gedacht. Man lernt nie aus...

Der Kurzschluß ist ohne die Kondensatoren jedenfalls weg. Ich hab' nun 10µf/25V in Bauform 1206 = 3,2 x 1,6mm bestellt und werde berichten!

Gruß
Wenni
Zitieren
#8
So, die Lieferung der 10µf - MLCC's hat etwas gedauert, die kamen erst heute. Ich hab' die vier ausgelöteten Kondensatoren nun durch neue ersetzt, der "große" Tantal war easy, aber die drei MLCC's in Bauform 1206 waren eine elende Frickelei. Noch kleineres Hühnerfutter könnte ich mit Lötkolben wohl nicht mehr löten, ggf. mit Lötpaste und Heißluft. 

Aber: HipHipHooray, die Kiste rennt nun auch wieder im Akkubetrieb, Laden und Ladezustandsanzeige funktionieren auch, alles wieder o.k.
   

Gruß
Wenni
Zitieren
#9
Habe kürzlich mein RTW (1108) Plasma Display auch wiederbeleben können durch einen 14-fachen 10µ Kondensatortausch;

zum Glück waren's keine SMDs...

Pit

links ist das fragliche Board VOR der Instandsetzung, rechts ein Vergleichs-Mess-Board vom Kollegen:

   
   
Das kpl. ehem. STUDER-Archiv: studerserver-files bei Philip van der Matten;
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste