Grundig C8000 mit div. Fehlern
#1
Hallo,

ich hoffe, daß ich hier mit diesem Henkelmann nicht rausgeschmissen werde.

Mein Grundig C8000 stand nach einem Umzug anfang des Jahres lange Zeit "auf dem Abstellgleis". Als ich ihn vor ein paar Wochen wieder reaktivieren wollte, war das Gerät völlig tot. Da nirgends im Inneren irgend eine Spannung zu finden war, habe ich die Netzteilplatine ausgeklappt und dort einige abgefaulte Kabel gefunden und wieder angelötet.

Nun rauschte es wenigstens beim Einschalten vernehmlich, allerdings war in keinem Wellenbereich ein Sender zu finden. Es fehlte auch z.B. das charakteristische Rauschen auf UKW. Nach langem Abklopfen/Herumsuchen etc. fiel auf, daß der Kopfschlitten des Cassettenteils nur unwillig und nicht vollständig in seine Ausgangsposition zurückfuhr, wenn man die Stop-Taste betätigte. So konnte ich einen der Schalter im Cassettenteil als Fehlerquelle ausfindig machen, der beim Betätigen des Cassettenteils vom beweglichen Kopfschlitten betätigt wird. Nach dem 1000sten Versuch mit Start/Stop drücken und anschließend den Tonkopfschlitten händisch nach oben drücken funktionierte das Radio wieder wie gewohnt. Dabei fiel mir auch auf, daß der gelbe Löschkopf nur lose an seinem Kabel in einer Aussparung hing, das ist wohl auch nicht normal - ebenso wie die defekte Skalenbeleuchtung der Instrumente und einige andere nichtelektrische Kleinigkeiten.

Vorsichtshalber habe ich mir einen angeblich funktionierenden Ersatzteilträger angeschafft. Der hat allerdings unter anderem den gleichen Fehler, noch nicht ganz so ausgeprägt, aber auch hier ist der Tonkopfträger schon recht schwergängig. Ich vermute, daß das somit ein "Serienfehler" ist.

Um sich von dem ganzen Zeug mal ein Bild machen zu können, suchte ich an den "einschlägigen" Stellen nach aussagefähigen Bilder o.ä. Wirklich fündig wurde ich leider nicht... Ich hatte nämlich etwas Bammel vor dem Zerlegen, im SM ist es zwar beschrieben, aber recht stiefmütterlich.

Nun war ich doch mutig und habe das Gerät zerlegt und das Cassettenteil ausgebaut und teilweise zerlegt. Auf den Bildern sieht man teilweise das alte Fett, das schon eher die Konsistenz von Harz hatte. Mit Ballistol hab' ich das teilweise wegbekommen, die erhoffte Leichtgängigkeit ergab sich aber dennoch (noch) nicht. Ein Test mit einer etwas stärkeren Feder für diesen Bewegungsablauf verlief aber sehr positiv. Sollte sich jetzt bis morgen mit Ballistol keine durchschlagende Besserung ergeben, werde ich wohl oder übel die Ersatzfeder drin lassen. Auch wenn ich meine (mittlerweile gar nichtmehr so günstigen) Cassetten sicher nicht in dieses Laufwerk stecken werde, ist es dennoch wichtig, daß der Kopfschlitten sicher in die Ausgangsposition gezogen wird, da er mit ein paar Laschen die beiden roten Schalter auf der Platine betätigt und so die Signalquellen im Gerät umschaltet.

Dies war auch der Grund für das Nichtfunktionieren. Die Schalter und Kontakte sind noch immer in sehr gutem Zustand, sodaß ich da nicht dran muß. Der Löschkopf war wohl einstmals mit seiner T-förmigen Rückseite in einer kleinen Aussparung festgeklemmt, mit Pattex habe ich diese Klemmung unterstützt.

Da im ganzen Internet keinerlei aussagefähige Bilder vom Inneren des Gerätes zu finden sind, füge ich hier einige Bilder bei. Sie zeigen das Gerät noch ungereinigt und vor der Reparatur, aber in der chronologischen Reihenfolge des Zerlegens.

Bilder vom Radioteil liefere ich nach.

Diese alten Grundig-Koffergeräte haben m.E. einen sehr wohltuenden Klang, wahrscheinlich gibt's das auch von anderen Herstellern (???). So findet sich in meiner Küche als Küchenradio ein C4000, in der Bastelbude ein RR3000 und über dem PC wird dieser C8000 wieder heimisch werden. Die schöne Verarbeitung und Ausstattung usw. haben mich veranlaßt, diese Geräte jeweils in doppelter Ausführung anzuschaffen. Daß sie, außer der RR3000, nur Monogeräte sind, stört nicht, da sie entweder direkt vor der Nase stehen oder in der Küche vom allfälligen Geräuschteppich begleitet werden und Megaklang dort deshalb fehl am Platze ist. Eine einstmals in der Küche aufgestellte DUAL-Stereoanlage (CT1250, CV1250 etc.) hat sich dort m.E. nicht bewährt.

Tschüß
der Michael


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Tschüß
der Michael


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#2
Über Ballistol gehen die Meinungen ja auseinander, ich bin kein Freund davon....

Mach' die Mechanik mal mit einem Haartrockner warm, in vielen Fällen geht das dann anschließend wieder leichter. Mitunter sind bei den Grundigs die Kontaktschieber selbst das Problem (sind schwergängig).

Gruß
Wenni
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#3
Hallo!

M. E. besser geeignet als Ballistol ist Ustanol (gleiche Firma).
Damit habe ich nur gute Erfahrungen gesammelt.

Gruß
Wolfgang
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#4
Hallo,

danke für die Tips.

Ustanol muß ich mal schauen, wo's das hier in der Pampa gibt.

Mittlerweile hat sich, mit Balistol punktuell und "mit fui g'fui" eingesprüht, die Leichtgängigkeit deutlich verbessert, sogar die alte Feder hab' ich wieder eingebaut. Die Schalter sind geprüft und in Ordnung, sie sind ja auf der Platine, die derzeit ausgebaut nicht mehr mit der Mechanik verbunden ist.

Es fand sich etliches recht hartes Schmierfett in der Mechanik und unter den gegeneinander verschiebbaren Metallplatten (Rahmen/Kopfträger).

Der Bammel vor dem Zerlegen war völlig unbegründet. Offenbar hat man sich damals Gedanken gemacht, wie man sowas einigermaßen servicefreundlich aufbaut. Es ist alles geschraubt/gesteckt_/geklipst. Die Gefahr, da etwas zu zerstören, ist sehr gering. Hut ab vor den damaligen Entwicklern, immer wieder auf's neu und nicht nur bei Grundig.

Anbei noch ein paar Bilder vom Tunerteil des Gerätes. Ich hoffe, ich langweile niemanden damit, aber es findet sich im gesamten (von Google abgesuchten) Internet nichts, wo man sich auch mal visuell orientieren kann für das Grundig C8000. Dieses Gerät scheint übrigens, einem Serviceaufkleber im Cassettenteil zufolge, in 1979 hergestellt worden zu sein.

Tschüß
der Michael


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Tschüß
der Michael


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#5
Hallo,

hier nun noch ein paar Bilder des Cassettenlaufwerks des Gerätes, chronologisch während des Zerlegens entstanden, also auch noch entsprechend verdreckt.

Der Fehler lag, wie schon vermutet, im Zusammenwirken der mechanischen Stahlteile des dreiteiligen Schiebemechanismus der einzelnen Funktionsgruppen. Das dazwischen befindliche Fett war fest geworden, Mehrmaliges Benetzen und Spülen mit Ballistol brachte die erhoffte Besserung, mittlerweile ist es wieder leichtgängig, das Gerät funktioniert wieder einwandfrei.

Bauteile tausche ich derzeit nicht aus, selbst die anaolge Frequenzanzeige ist noch sehr genau. Lediglich die Skalenbirnchen der beiden Anzeigeinstrumente mußten LEDs weichen, da sie, für 6.3V ausgelegt, zwar über einen kleinen Vorwiderstand, aber dennoch an Betriebsspannung 9,1V liegen und mir, soweit erinnerlich, bereits dreimal durchgebrannt waren. Dies wird nun nichtmehr geschehen.

Das mir zur Verfügung gestandene SM zeigte ein geringfügig abweichendes Gerät, es scheint also auch hier verschiedene Bauetappen zu geben.


Tschüß
der Michael


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Tschüß
der Michael


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#6
Hallo Michael,

ich bin gerade durch Zufall auf diesen Beitrag gestoßen, und da ich noch ca. 2-3 Regalmeter an Grundig-Radiorecordern aller Baujahre von 1970 bis 1985 herumstehen habe (auch einen C8000, der seinerzeit ein finanziell unerreichbarer Jugendtraum war Rolleyes) werde ich mich irgendwann diesen Apparaten, die teilweise seit > 20 Jahren nicht mehr in Betrieb waren, widmen. Vielen Dank für die umfangreiche Bild-Dokumentation Smile 

Ciao Bernd
Viele Grüße, Bernd
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#7
Hallo,
bin gerade zufällig wieder über diesen Thread gestolpert.

Das Gerät versieht seit seiner Wiederindienststellung anfang vorigen Jahres seinen Dienst in der Küche und beschallt dort mit seinem wohlgefälligen Klang den Raum. Dank komfortabler Anschlußmöglichkeiten fand ein herumfliegender winziger mp3-Player Anschluß an die DIN-Buchse und darf dort mit Zeitgemäßem unterstützend tätig sein. Hervorheben möchte ich noch die sehr guten Empfangseigenschaften des C8000 (nicht nur) auf UKW - hier in der hügeligen und verwinkelten Fränkischen Schweiz immer ein Problem.

Für den mobilen Betrieb hab' ich ihm aus zunächst ausrangierten Modellbau-LiPo-Zellen eine mobile Stromversorgung gebaut. Damit er auch die richtige Spannung bekommt, habe ich von amazon Spannungswandlermodule (nicht nur für ihn) angeschafft und für jeden Bedarf vorgesehen (https://www.amazon.de/LAOMAO-Converter-S...B0DPLD7R3C). Diese Schaltregler-Module sind fix und fertig und können sowohl zu hohe Spannungen herunterregeln als auch zu niedrige Spannungen präzise einstellbar hochregeln (Aufwärtswandler). Das ist ungeheuer praktisch und auch noch bezahlbar. Die Module schaffen es sogar spielend, angeschlossene Solarzellen an alltäglich wechselnden Einsatzorten und sich permanent ändernden Spannungen einwandfrei auszuregeln. Lediglich bei der Angabe des Arbeitsstromes war man m.E. zu optimistisch. Mehr als ein bis eineinhalb Ampere möchte ich ihnen nicht zumuten, zumal sie im Betrieb ohne Kühlkörper doch spürbar warm werden - was bei mir in jedem Falle zum Einsatz von zurecht gesägten Kühlkörpern führt und so keine Bedenken aufkommen läßt (Es gibt auch Module für höheren Strombedarf, für meine Zwecke aber unnötig).

In Summe Gleiches gilt bei mir für den Verwandten des C8000, den C4000 - ein m.E. wirklich wunderschönes Gerät aus den Ende 70er Jahren. Er sieht sogar noch filigraner und eleganter aus - beinahe zu schade zum Verwenden. Aber auch er ist permanent im Einsatz. Auch er besitzt diesen wohligen Klang und hervorragende Empfangseigenschaften. Mit ihm habe ich mir seinerzeit einen besonderen ewig unerfüllten Jugendtraum erfüllt, auch gleich mit entsprechenden Ersatzteilspendern. .

Mit den Geräten sind halt auch viele Erinnerungen an diese Jahre verbunden und lassen sie immer wieder aufleben - ohne im Ruf stehen zu wollen, ein Ewiggestriger zu sein und in der Vergangenheit zu leben.

Nun muß vollständigkeitshalber noch, wie schon der eingezogene RR3000, ein C9000 her und dann ist's gut... Na ja...
Tschüß
der Michael


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#8
Danke für den Tipp mit den Schaltreglern!
Habe nämlich hier ein Gerät, das erst ab 13.8V Versorgungsspannung seine internen Akkus auflädt.
Möchte es aber an 12V Bleibatterien betreiben.
VG Jürgen
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#9
Hallo, das ist so eine Anwendung für diese Teile. Meine Koferradios brauchten 9V, zwei Zellen LiPo haben aber nur zwischen6,5 - 8,4V.

Die Schaltregler funktionieren wunderbar, schön auch, daß sie sich präzise einstellen lassen - und das bei einem Stückpreis von 3€.
Tschüß
der Michael


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#10
Ein schönes Gerät, der C8000, der hat ja, im Gegensatz zum C6000, noch ein solides Metall Laufwerk ohne das grundigtypische Zahnradproblem.
Mit Schaltreglern kann man auch Pech haben, mitunter stören die den Radioempfang und/oder die Cassettenwiedergabe.

Gruß Holger
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#11
(02.09.2025, 23:58)Analoghoerer schrieb: Ein schönes Gerät, der C8000, der hat ja, im Gegensatz zum C6000, noch ein solides Metall Laufwerk ohne das grundigtypische Zahnradproblem.
...

Moin. 
Also das kannich aus gegebenem Anlass nicht bestätigen, eher das Gegenteil feststellen.
Betrifft auch den C9000 und C8800 ...
Viele Grüße, Bernd
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#12
Dieses bewusste Zwischenrad für den Aufwickel hab ich auf den Fotos nicht gesehen, das LW ist ja auch anders aufgebaut, kann natürlich sein, dass das Problem auch andere Zahnräder betreffen kann. Bei manchen Philips Geräten und auch anderen Herstellern gibts das ja auch. Hängt letztlich davon ab, wo überall dieser nicht langzeitstabile Kunststoff verwendet wurde, das betraf ja vor Allem Zahnräder, die besonders leise laufen sollten.

Gruß Holger
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