12.11.2022, 11:24
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.11.2022, 12:31 von SevenTeaLights.)
Hallo,
da bleibt nur eins: Dankeschön. Ich entnehme den Antworten, dass ich langsam ein Schritt nach dem anderen ein bischen was kapiere. Für jemanden, der mitten in der Welle der Magnetbandaufzeichnung mitgeschwommen ist (oder viele Jahre Zeit hatte, sich mit der Thematik zu beschäftigen), werden all die vielen zu wissenden, im Laufe der Entwicklung hinzugekommenen Details wie eine Selbstverständlichkeit erscheinen. Jemandem, der sich unter hohem Zeitdruck rückwärts in diese letztlich recht komplex gewordene Materie eindenken muss (also meine Wenigkeit), erscheint das am Anfang wie eine Mauer aus fast unstrukturiert wirkenden Informationen.
Übrigens ist der Stapel an ausgedruckten Artikeln, Auszügen aus zum Beispiel der empfohlenen Agfa Literatur usw. hier natürlich nicht zu sehen. Soll heißen: ich lese und sichte etc., aber aufgrund des Zeitdrucks kann ich nicht alles in der idealerweise gebotenen Tiefe studieren.
Da nach Konkretisierung gefragt wurde, beschreibe ich ein bischen, was ich in den letzten Tagen gemacht habe. So werden vielleicht hier getätigte Aussagen, Annahmen und Antworten etwas nachvollziehbarer.
1) Technische Rahmenbedingungen
Meine Maschine (Akai GX210D) bietet wenig Möglichkeiten zur Klangbeeinflussung. Außerdem ist sie wohl nur knapp 10 Jahre jünger als ich. Da gibt es je Bandtyp einen nutzbaren Bereich, in dem linker und rechter Kanal harmonieren und der daher auch für zweikanalige oder Stereo Signale sehr schön ist. Außerhalb davon laufen die beiden Kanäle auseinander. Ich arbeite also unter anderen Voraussetzungen, als jemand mit einer Profi-Maschine.
2) Selbstgesteckte Rahmenbedingungen
Da ich den Klang der Zeit (70er) will und die einfache Schaltung der Maschine genau dieses "Ungehobelte" in sich trägt, möchte ich daran nichts ändern (also Transistoren, Caps etc. erstmal besser alles so lassen wie's ist). Weil das aus technischer oder Tonband-fachmännischer Sicht wahrscheinlich kaum nachvollziehbar ist zur Entschuldigung und Erklärung: Es geht ja um Musik-Produktion. Entsprechend meiner Zielsetzung muss ich eine andere Perspektive einnehmen, die sich am besten aus der Sicht eines Instrumentalisten erklären lässt: Lieber ein nicht perfektes, aber inspirierendes Instrument, als ein perfektes Instrument auf dem ich aber zu technisch spielen würde. Das ist natürlich eine total subjektive Zielsetzung.
Zur Klangbeeinflussung steht hier also eigentlich nur das Biasing und der verwendete Bandtyp zur Verfügung. Also muss eine der beiden Variablen festgesetzt werden (hier natürlich der Bandtyp) um die Auswirkung der anderen Variable (hier das Biasing) erkunden zu können. Dabei muss man ja erstmal wissen, was überhaupt möglich ist, d.h. je Bandtyp sowas ähnliches wie ein Frequenzgang bei minimalem und ein zweiter bei maximalem Bias. Frequenzen hatte ich in Unkenntnis der in der Tonbandwelt gängigen Standards so gewählt, dass diese die mir besonders wichtigen Bereiche einigermaßen abdecken und sich einfach in eine Grafik eintragen lassen.
Ein Beispiel für eines der schöneren Ergebnisse:
Auf solcher Grundlage wurde dann das Biasing des jeweiligen Bandtyps erkundet. Dafür habe ich noch ein ca. 10kHz Testsignal erstellt, das in den Grafiken nach obiger Darstellung nicht enthalten ist. Es zeigten sich Besonderheiten der Maschine:
Durch das Biasing verändert sich der Pegel im mittleren Frequenzbereich und das im rechten Kanal mehr als im linken Kanal. Also wurde nach jeder Bias-Änderung der ca. 400 Hz-Pegel angeglichen und der dann resultierende Pegelunterschied bei ca. 10kHz durch Nachjustierung des Bias angeglichen. Dabei zeigte sich im höheren Bias-Bereich (also kurz vor Linksanschlag der Trimm-Kapazität) noch etwas: der ca. 400Hz Pegel des rechten Kanals nimmt überdeutlich ab -> wird per Wiedergabe-Pegelsteller angehoben -> dann aber bei ca. 10kHz entsprechend überhöhter Pegel -> rechten Bias weiter erhöht -> rechts wieder weniger ca. 400Hz Pegel -> rechts mehr Wiedergabepegel -> ...
Man gerät da in eine Schleife die bei einem (dem "rechten") Bandtyp noch nach wenigen Schleifendurchläufen konvergiert, also L/R-Pegelgleichheit sowohl bei ca. 400Hz als auch bei ca. 10kHz ergibt. Bei einem anderen (dem "linken") Bandtyp aber sind zuviele Schleifendurchläufe notwendig, so dass ein dann aufgezeichnetes Stereo Signal nicht mehr homogen klingt -> meine Vermutung: bei solch hohen Bias-Einstellungen gerät der Frequenzgang des rechten Kanals sozusagen aus den Fugen und die für L/R-Pegelgleichheit notwendigen Bias-Pegel sind dann zu unterschiedlich.
Jetzt könnte man sich ein Oszi kaufen und schauen, was da beim Oszillator los ist, oder der EQ-Schaltung ... und dann wäre man doch in der Elektronik zugange und der Zeitplan gibt das auch nicht her.
Welche konkreten Bänder das sind hatte ich nicht geschrieben, weil ich befürchtete, dass würde von der eigentlichen Thematik ablenken, in welchen Punkten die grundsätzliche (also Bandtyp-unabhängige) Betrachtungsweise der Kennliniendiagramme korrekt bzw. missverstanden war.
Aber jetzt:
Und da habe ich mit meiner wohl etwas "querschießenden" Zielsetzung schon wieder Glück gehabt, denn dass die Maschine ein Band wie das RTM SM911 nicht mehr bedienen kann macht nichts. Denn die Vergleichsaufnahmen mit vier verschiedenen Bandtypen auf dieser Maschine scheinen mir zu zeigen, dass ich in der Zeitachse eher noch früher als das AGFA PEM 268 schauen sollte. Also sind vermutlich die moderneren Bandtypen für mich nicht zielführend und daher macht's nix, dass die liebe Akai die auch gar nicht mag
da bleibt nur eins: Dankeschön. Ich entnehme den Antworten, dass ich langsam ein Schritt nach dem anderen ein bischen was kapiere. Für jemanden, der mitten in der Welle der Magnetbandaufzeichnung mitgeschwommen ist (oder viele Jahre Zeit hatte, sich mit der Thematik zu beschäftigen), werden all die vielen zu wissenden, im Laufe der Entwicklung hinzugekommenen Details wie eine Selbstverständlichkeit erscheinen. Jemandem, der sich unter hohem Zeitdruck rückwärts in diese letztlich recht komplex gewordene Materie eindenken muss (also meine Wenigkeit), erscheint das am Anfang wie eine Mauer aus fast unstrukturiert wirkenden Informationen.
Übrigens ist der Stapel an ausgedruckten Artikeln, Auszügen aus zum Beispiel der empfohlenen Agfa Literatur usw. hier natürlich nicht zu sehen. Soll heißen: ich lese und sichte etc., aber aufgrund des Zeitdrucks kann ich nicht alles in der idealerweise gebotenen Tiefe studieren.
Da nach Konkretisierung gefragt wurde, beschreibe ich ein bischen, was ich in den letzten Tagen gemacht habe. So werden vielleicht hier getätigte Aussagen, Annahmen und Antworten etwas nachvollziehbarer.
1) Technische Rahmenbedingungen
Meine Maschine (Akai GX210D) bietet wenig Möglichkeiten zur Klangbeeinflussung. Außerdem ist sie wohl nur knapp 10 Jahre jünger als ich. Da gibt es je Bandtyp einen nutzbaren Bereich, in dem linker und rechter Kanal harmonieren und der daher auch für zweikanalige oder Stereo Signale sehr schön ist. Außerhalb davon laufen die beiden Kanäle auseinander. Ich arbeite also unter anderen Voraussetzungen, als jemand mit einer Profi-Maschine.
2) Selbstgesteckte Rahmenbedingungen
Da ich den Klang der Zeit (70er) will und die einfache Schaltung der Maschine genau dieses "Ungehobelte" in sich trägt, möchte ich daran nichts ändern (also Transistoren, Caps etc. erstmal besser alles so lassen wie's ist). Weil das aus technischer oder Tonband-fachmännischer Sicht wahrscheinlich kaum nachvollziehbar ist zur Entschuldigung und Erklärung: Es geht ja um Musik-Produktion. Entsprechend meiner Zielsetzung muss ich eine andere Perspektive einnehmen, die sich am besten aus der Sicht eines Instrumentalisten erklären lässt: Lieber ein nicht perfektes, aber inspirierendes Instrument, als ein perfektes Instrument auf dem ich aber zu technisch spielen würde. Das ist natürlich eine total subjektive Zielsetzung.
Zur Klangbeeinflussung steht hier also eigentlich nur das Biasing und der verwendete Bandtyp zur Verfügung. Also muss eine der beiden Variablen festgesetzt werden (hier natürlich der Bandtyp) um die Auswirkung der anderen Variable (hier das Biasing) erkunden zu können. Dabei muss man ja erstmal wissen, was überhaupt möglich ist, d.h. je Bandtyp sowas ähnliches wie ein Frequenzgang bei minimalem und ein zweiter bei maximalem Bias. Frequenzen hatte ich in Unkenntnis der in der Tonbandwelt gängigen Standards so gewählt, dass diese die mir besonders wichtigen Bereiche einigermaßen abdecken und sich einfach in eine Grafik eintragen lassen.
Ein Beispiel für eines der schöneren Ergebnisse:
Auf solcher Grundlage wurde dann das Biasing des jeweiligen Bandtyps erkundet. Dafür habe ich noch ein ca. 10kHz Testsignal erstellt, das in den Grafiken nach obiger Darstellung nicht enthalten ist. Es zeigten sich Besonderheiten der Maschine:
- weniger Bias (im Uhrzeigersinn): 10kHz steigt an, fällt dann nur minimal ab, danach keine Änderung mehr unabhängig von Reglerstellung der Trimm-Kapazität -> meine Interpretation: die Maschine kann nur einen gewissen minimalen Bias, noch weniger geht dann nicht mehr
- mehr Bias (gegen den Uhrzeigersinn): 10kHz fälllt mehr oder weniger kontrollierbar ab bis zu einer Reglerstellung der Trimm-Kapazität, unterhalb derer der 10kHz Pegel kaum mehr kontrollierbar sozusagen abstürzt -> meine Interpretation: es ist an dieser Maschine nur ein gewisser maximaler Bias mit ausreichender Kontrolle einstellbar
Durch das Biasing verändert sich der Pegel im mittleren Frequenzbereich und das im rechten Kanal mehr als im linken Kanal. Also wurde nach jeder Bias-Änderung der ca. 400 Hz-Pegel angeglichen und der dann resultierende Pegelunterschied bei ca. 10kHz durch Nachjustierung des Bias angeglichen. Dabei zeigte sich im höheren Bias-Bereich (also kurz vor Linksanschlag der Trimm-Kapazität) noch etwas: der ca. 400Hz Pegel des rechten Kanals nimmt überdeutlich ab -> wird per Wiedergabe-Pegelsteller angehoben -> dann aber bei ca. 10kHz entsprechend überhöhter Pegel -> rechten Bias weiter erhöht -> rechts wieder weniger ca. 400Hz Pegel -> rechts mehr Wiedergabepegel -> ...
Man gerät da in eine Schleife die bei einem (dem "rechten") Bandtyp noch nach wenigen Schleifendurchläufen konvergiert, also L/R-Pegelgleichheit sowohl bei ca. 400Hz als auch bei ca. 10kHz ergibt. Bei einem anderen (dem "linken") Bandtyp aber sind zuviele Schleifendurchläufe notwendig, so dass ein dann aufgezeichnetes Stereo Signal nicht mehr homogen klingt -> meine Vermutung: bei solch hohen Bias-Einstellungen gerät der Frequenzgang des rechten Kanals sozusagen aus den Fugen und die für L/R-Pegelgleichheit notwendigen Bias-Pegel sind dann zu unterschiedlich.
Jetzt könnte man sich ein Oszi kaufen und schauen, was da beim Oszillator los ist, oder der EQ-Schaltung ... und dann wäre man doch in der Elektronik zugange und der Zeitplan gibt das auch nicht her.
Welche konkreten Bänder das sind hatte ich nicht geschrieben, weil ich befürchtete, dass würde von der eigentlichen Thematik ablenken, in welchen Punkten die grundsätzliche (also Bandtyp-unabhängige) Betrachtungsweise der Kennliniendiagramme korrekt bzw. missverstanden war.
Aber jetzt:
- das "linke" Band ist ein ganz neues, nur für diese Tests benutztes RTM SM911 (das ich übrigens gerne gegen ein oder zwei gut erhaltene Scotch 207 tauschen würde, falls jemand im Forum solche übrig hat?)
- das "rechte" Band ist ein NOS AGFA PEM 268 (Verkäufer schrieb, er habe es 1984 gekauft)
Und da habe ich mit meiner wohl etwas "querschießenden" Zielsetzung schon wieder Glück gehabt, denn dass die Maschine ein Band wie das RTM SM911 nicht mehr bedienen kann macht nichts. Denn die Vergleichsaufnahmen mit vier verschiedenen Bandtypen auf dieser Maschine scheinen mir zu zeigen, dass ich in der Zeitachse eher noch früher als das AGFA PEM 268 schauen sollte. Also sind vermutlich die moderneren Bandtypen für mich nicht zielführend und daher macht's nix, dass die liebe Akai die auch gar nicht mag
