Studer A764 (Revox B260) DeEmphasis
#1
Hallo zusammen,

mir ist ein Studer A764 (basiert auf dem Revox B260) zugeflogen, ich konnte nicht "nein" sagen. Der Tuner war völlig daneben (Empfang 30 kHz unterhalb der Frequenz besser als auf der richtigen Frequenz), auch verzerrten laute Bässe und es zischelte in den Höhen.

Den Tuner habe ich soweit abgeglichen, es war einiges verstellt. Der Referenztakt aus dem das Mischsignal für die ZF gewonnen wird war deutlich daneben, die 8 x LC-ZF-Filter für die große Bandbreite und die zusätzlichen 8 LC-ZF-Filter für die kleine Bandbreite waren (wie erwartet) ca. 30 kHz zu tief, die verschiedenen Vorfilter sind breit und unkritisch, sowie die Vorspannung inkl. DC-Offset und Ausgangspegel des FM-Demodulators nachgestellt.

Den MPX-Decoder habe ich so gelassen, weil der fast stimmt (Übersprechen in eine Richtung ist etwas schlechter als in die andere Richtung, aber extrem wenig).


Nun zu meinem Problem, was einige bestimmt nicht nachvollziehen können, mich aber doch sehr stört. Der Tuner hat einen leichten Badewannenfrequenzgang, die Delle hat ihr Minimum bei ca. 7 kHz mit ca. -0,5 dB, beginnt bei ca. 3,5 kHz und endet bei ca. 12 kHz.
-0,5dB hört sich nicht viel an, aber weil die Absenkung sehr breitbandig ist, fehlt doch etwas "Glanz" in der Wiedergabe. Kommt es bei der Gegenstelle nochmal zu einer Absenkung, wird es dann noch deutlicher hörbar.
Ich habe den Fehler in einer Aufzeichnung zum Test nachträglich korrigiert und es klang dann so, wie ich es von einem Tuner dieser Preisklasse erwarten würde.

Nun habe ich überlegt, C 237 und C 232 etwas zu verkleinern, aber damit würde doch die Delle bleiben, nur die DeEmphasis etwas weniger werden.

Wäre das für eine Korrektur der richtige Weg oder liege ich da falsch?


Leider ist der Tuner nicht sehr servicefreundlich, weil man die Empfängerplatine komplett ausbauen muß um an die Lötseite zu kommen. Einfach mal tauschen und probieren geht leider nicht.

Anbei ein Auszug aus dem Schaltplan, sowie ein paar Bilder. Das SM kann ich bei Anfrage per PN auch gerne zur Verfügung stellen.

Auszug aus dem Schaltplan:

   


Empfängerplatine (darüber sitzt eigentlich noch der Anpassverstärker inkl. den Trafos für die XLR-Ausgänge):

   


Und hier ein Bild von vorne:

   



Viele Grüße

Joachim
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#2
Hallo Joachim,

schau dir doch mal die Frequenzgänge vor dem 4053 Schalt-IC an. Die originalen 4053 hatten nicht so optimale Daten für Audio, aber da gibt es Ersatz mit besseren Daten.

MfG, Tobias
Strom kann erst dann fliessen, wenn Spannung anliegt.
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#3
So, falsche Baustelle. Ich hatte bei dem Fehler sofort an die Entzerrung gedacht und das Signal nicht weiter verfolgt.
Also jetzt nachgemessen: Bis zum R271 (habe nur einen Kanal gemessen) ist das Signal ok, an IC11 (3) ist der Fehler feststellbar.
Wir sind dann also hier:

   


Für heute ist aber Feierabend ...


Viele Grüße

Joachim
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#4
(21.09.2022, 23:02)bitbrain2101 schrieb: Hallo Joachim,

schau dir doch mal die Frequenzgänge vor dem 4053 Schalt-IC an. Die originalen 4053 hatten nicht so optimale Daten für Audio, aber da gibt es Ersatz mit besseren Daten.

MfG, Tobias

Hallo Tobias,

als Nachtrag zu gestern: Der Tuner hat zwei Einstellmöglichkeiten bzgl. der Stereo-Übersprechdämpfung, einmal je HF-Bandbreite. Dafür ist das Umschalt-IC.

Da der Frequenzgang (wie gestern Nacht noch geprüft) bis zu den Pilottonfiltern ok ist, wollte ich heute mal die Filter einstellen und dann nochmal den Frequenzgang messen, aber ... - natürlich ist der Funktionsgenerator defekt. Grrr.
Bis Ersatz da ist muß das leider warten ...


Viele Grüße

Joachim
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#5
Hallo,

das Filter hat, wie es dokumentiert ist, so eine Senke per Design.

MfG Kai
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#6
(23.09.2022, 08:55)kaimex schrieb: Hallo,

das Filter hat, wie es dokumentiert ist, so eine Senke per Design.

MfG Kai

Hallo Kai,

danke für die Info. Hast Du das Filter in Software simuliert oder siehst Du das so? Könntest Du mir sagen was geändert werden müsste, um die Senke (natürlich inkl. Nebenwirkungen) loszuwerden?


Viele Grüße

Joachim
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#7
(21.09.2022, 20:43)96k schrieb: [...]
Das SM kann ich bei Anfrage per PN auch gerne zur Verfügung stellen.
[...]

Das kann nach wie vor jeder selbst vom NL-Server (van der Matten) laden, dessen ftp Adresse sich leicht geändert hat. Man kann sich auch durch die Übersichtsseite quälen und landet dann ebendort...

Gruß Pit
ehem. studerserver-files bei Philip van der Matten;
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#8
(23.09.2022, 09:57)96k schrieb: Hast Du das Filter in Software simuliert oder siehst Du das so? Könntest Du mir sagen was geändert werden müsste, um die Senke (natürlich inkl. Nebenwirkungen) loszuwerden?
Ich habe die Beschreibung laut Service Manual in LTSpice eingegeben.
Dabei kommt sogar eine Senke von ~ 0.7 dB raus.
Der Design sieht "sub-optimal" aus, wobei aber nicht auszuschließen ist, daß unbekannte Nebenbedingungen dazu geführt haben.

Man kann den Passband-Ripple unter 0.2 dB kriegen, was aber auf einen Neu-Design hinausläuft, bei dem zwei der Sperrstellen auf anderen Frequenzen liegen und alle Spulen andere Induktivitäten haben (und die Cs "krumme" Werte).
Wie gut ein Filter-Design mit der Realität übereinstimmt, hängt dabei immer noch davon ab, wieviel Verluste die Spulen haben (im Modell als Serien- und Parallel-Widerstand dargestellt). Die schlagen sich idR im Verlauf nahe der oberen Bandgrenze nieder und erfordern zuweilen Nach-Iterationen eines Designs nach Erfassung der Spulen-Verluste.
Heutzutage würde man so ein Filter mit OpAmps aber ohne Spulen realisieren.

Einfacher wird es sein, die Delle mit einem separat erzeugten Buckel auszugleichen.

MfG Kai
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#9
Das ist halt analoge Technik und kein "Fehler". Analoge Filter, zu dem in der Serienproduktion, sind halt was sie sind.
Die Abweichung von 0,5 dB 7 kHz Delta ±3,5khz ist innerhalb der Spezifikation und im Vergleich mit anderen Empfängern durchaus gering. Abgesehen davon ist der Einbruch von 0,5 dB, auch wenn man es nicht will, für die meisten (das ist nur ein unbedeutendes Hintertürchen) selbst in direktem Vergleich unhörbar.

Gruß Ulrich
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#10
(23.09.2022, 19:23)uk64 schrieb: Das ist halt analoge Technik und kein "Fehler". Analoge Filter, zu dem in der Serienproduktion, sind halt was sie sind.
Die Abweichung von 0,5 dB 7 kHz Delta ±3,5khz ist innerhalb der Spezifikation und im Vergleich mit anderen Empfängern durchaus gering. Abgesehen davon ist der Einbruch von 0,5 dB, auch wenn man es nicht will, für die meisten (das ist nur ein unbedeutendes Hintertürchen) selbst in direktem Vergleich unhörbar.

Ich nehme mal die Hintertür. Smile 
Wenn das eine kleine Delle und/oder ein Empfänger für den damaligen Neupreis von DM 400,- wäre, dann würde ich nichts sagen (mein Technics ST-G70 hat oben eine Anhebung von 1dB). Der Studer ist aber ein Ball-/Meßempfänger.
Da die Absenkung aber über einen großen Bereich geht, fällt sie mir zumindest auf. Deshalb hatte ich auch den Frequenzgang gemessen.
Wenn ich das mit dem Audio-Editor grob anpasse, dann passt es für mich.

Wie Kai geschrieben hat, wäre eine nachträgliche Korrektur vermutlich am einfachsten. Wenn danach über 10 kHz ein dB zuviel vorhanden ist, wäre mir das egal ...
Lässt sich das über einen Eingriff über die Gegenkopplung an IC11 einfach durchführen? Alternativ wäre auch ein Eingriff im XLR-Ausgangsverstärker denkbar, dafür müsste ich nicht die ganze Empfängerplatine ausbauen.


Viele Grüße

Joachim
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#11
(23.09.2022, 20:53)96k schrieb: Der Studer ist aber ein Ball-/Meßempfänger.

Na ja, beim Einsatz als Ballempfänger wären die Stufen hinter dem FM Demodulator  eh überflüssig.

Gruß Ulrich
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#12
Du hast garnicht verraten, wie du den Frequenzgang gemessen hast,
ob zB über den HF-Eingang und mit welchem Equipment,
dem du zutraust, Abweichungen von unter 0.5 dB verläßlich anzuzeigen.

MfG Kai
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#13
Ein Anwendungsbeispiel von Rhode & Schwarz

https://scdn.rohde-schwarz.com/ur/pws/dl...A43_0D.pdf

Dort findet man auf Seite 13 ein durchaus typisches Beispiel für den Tonfrequenzgang eines Stereo UKW Empfängers. Bei einem Ball/Messempfänger interessieren die Werte davor, die des kompletten MPX Signals.

Gruß Ulrich
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#14
(23.09.2022, 22:20)kaimex schrieb: Du hast garnicht verraten, wie du den Frequenzgang gemessen hast,
ob zB über den HF-Eingang und mit welchem Equipment,
dem du zutraust, Abweichungen von unter 0.5 dB verläßlich anzuzeigen.

MfG Kai

Modulator ist ein professioneller Modulator für BK-Anlagen, der das MPX-Signal mit einem 32Bit DSP erzeugt. Den Sweep habe ich im Audio-Editor erzeugt und per AES/EBU digital zugespielt.
Gemessen habe ich über den HF-Eingang, nachdem mir etwas "Glanz" im Klang gefehlt hat (auch bei HR2 und HR4, die letzten hier ohne völlig kaputte Modulation) und bis zu R271 ist der Frequenzgang auch linear. Am IC11 (nach den Filtern) ist die Delle dann vorhanden, wie auch am Ausgang.
Der "Fehler" ist sowohl über den Tascam DA-3000 als AD-Wandler und auch mit dem Oszi sichtbar am Ausgang sichtbar, vor R271 ist auf dem Oszi kein Pegelabfall zu sehen.

Ein Technics ST-G70 hat in dem Bereich übrigens eine Anhebung von ca. 0,5 dB, also genau in die andere Richtung. Ist kein Beweis, aber ich halte den Modulator deshalb und wegen der o.g. linearen Anzeige vor R271 erst einmal für unauffällig.

Ich muß mich doch mal mit LTspice beschäftigen, obwohl ich dafür im Moment eigenlich keine Zeit habe. Ich glaube, ein Eingriff auf der XLR-Platine wäre mir am liebsten, da komme ich leichter an die Lötseite und dort ist auch noch Platz.


Viele Grüße

Joachim
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#15
Zu #13:
Dagegen sieht die Abweichung des 15 kHz-Filters im B260 vom Ideal noch "ziviler" aus, also nach herkömmlicher Meinung "voll normal".
Spaßeshalber hab ich eben mal ausgeknobelt, wieviel die DeEmphasis daneben liegen müßte, um bei 7 kHz -0.5 dB Abweichung zu erzeugen: 53.55 µs, also 7.1 %.
Aber "per aspera ad  astra" ist ja erlaubt.

MfG Kai
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#16
(23.09.2022, 22:38)uk64 schrieb: Ein Anwendungsbeispiel von Rhode & Schwarz

https://scdn.rohde-schwarz.com/ur/pws/dl...A43_0D.pdf

Dort findet man auf Seite 13 ein durchaus typisches Beispiel für den Tonfrequenzgang eines Stereo UKW Empfängers.

Ok, schlimmer geht's immer. Smile
Ich würde die Senke der RS-Beispielmessung aber auch sofort gegen weitere 0,5dB Anhebung bei 15 kHz tauschen ...


(23.09.2022, 22:38)uk64 schrieb: Bei einem Ball/Messempfänger interessieren die Werte davor, die des kompletten MPX Signals.

Die MPX-Out-Karte ist bei meinem A764 leider nicht verbaut, zu deren Qualität kann ich deshalb leider nichts sagen.


Viele Grüße

Joachim
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#17
Um dem Tiefpass-Filter des Revox B260 mal "auf den Zahn zu fühlen", habe ich die Schaltung in LTSpice eingegeben und simuliert.
Dabei habe ich die Werte der Kondensatoren aus dem gezeigten Schaltbild übernommen und die Werte der Induktivitäten aus der Abgleichvorschrift im Service Manual berechnet.
Die Abschluß-Widerstände habe ich geringfügig geändert: Das Schaltbild zeigt links 4.7 kOhm und in dem Teil davor nochmal 500 Ohm innerhalb des TDA1578A, also zusammen 5.2k. Rechts sieht man 5.1k parallel zu 100 k. Ich habe beiderseits 5k verwendet.
In der Filter-Theorie heißt so ein Filter Cauer- oder Elliptisches Filter 6ter Ordnung.
Die Transfer-Funktion zeigt die von Joachim beobachtete Senke, sogar mit einer Tiefe von etwa 0.7 dB. Auch der Verlauf im Sperrbereich ist sub-optimal. Ich habe deshalb versucht, bessere Varianten zu erzeugen.
   
Links oben befindet sich das Original mit Ausgang A1.
Darunter einen Variante, bei der alle Reaktanzen rechts vom 19 kHz Sperrkreis verändert wurden mit dem Ziel eines möglichst flachen Passband-Frequenzgangs, Ausgang A2.
Unten links schließlich eine dritte Version mit Ausgang A3, bei der vor dem 19 kHz Sperrkreis noch ein Kondensator nach Masse eingeführt wurde, um die Tiefpass-Möglichkeiten bei der vorhandenen Knotenanzahl "voll auszureizen". Außerdem wurden L & C des 19 kHz Sperrkreises verändert. Damit steigt die Filter-Ordnung auf 7 und erlaubt mehr Stoppband-Dämpfung oder weniger Passband-Ripple.
Rechts davon sind drei "Dellen-Kompensatoren" für die Delle in A1 angeordnet, "dat kringmer späder".
Zunächst mal das "große Ganze":
   
In grün das Original-Filter an A1 mit den Sperr-Stellen bei 19 kHz, 24.5 kHz und 35.2 kHz gemäß Abgleichvorschrift auf S. 24 des SM.
In blau das Ergebnis von Filter A2.
in rot Filter A3.
Das Original erreicht bei 20 kHz nur 33 dB Dämpfung, Version 2 schafft 46 dB, Version 3 immerhin 62 dB (auf allen 3 Buckeln).
Das Original geht im Passband bis ~17kHz. Den beiden anderen habe ich erlaubt, auf 15 kHz runter zu rutschen.
Nun das Verhalten im Passband:
   
Das Original (grün) zeigt hier einen Delle von 0.7 dB, Version 2 einen Gesamt-Ripple um 0.3 dB, Version 3 etwas weniger.
Außerdem sieht man, daß Version 1 & 2 mit 3 Maxima (einschließlich dessen ->f=0) und zwei Minima gar nicht das Equi-Ripple-Potential eines Filters 6ter Ordnung ausnutzen. Version 3 hat dagegen 4 Maxima und 3 Minima, da gibt es wenig zu meckern.
Da der Austausch der Filterbauteile für die Kompensation einer 0.7 dB Delle unangemessen aufwändig wäre,
habe ich 3 einfache Kompensationsschaltungen an A1 gehängt und geguckt, was man damit erreichen kann.
   
In Dunkel-grün wieder das Original,
in hell-grün Kompensator 1 (A4),
in blau Kompensator 2 (A5v),
und in rot Kompensator 3 (A6v).
Version 1 macht den flachsten Eindruck, aber auch 2 & 3 bleiben unter 0.2 dB Gesamt-Ripple.
Version 1 wurde hier ohne Rücksicht auf Aufwand mit 3 (idealisierten) Verstärker E1..3 implementiert, während sich die Versionen 2 & 3 an dem im Gerät vorhandenen IC11 OpAmp orientieren, hier allerdings auch durch einen idealisierten Verstärker ersetzt. Version 2 verwendet noch eine (lästige) Spule, Version 3 nur Rs & Cs.
Im Stoppband sehen die Ergebnisse recht ähnlich aus:
   

Eine auf das Original + Kompensator 3 gekürzte Version des LTSpice asc-File füge ich gezippt bei, er enthält:
   

MfG Kai
PS: Tiefpass-Filter hoher Ordnung reagieren oft empfindlich auf Änderungen der beiderseitigen Abschluß-Widerstände, insbesondere am oberen Ende des Durchlassbereiches. Ändert man die hier beiderseits verwendeten 5k in 5.2k am Eingang und 5.1k||100k am Ausgang, so verschiebt sich die Transferfunktion nur um ~ 0.3 dB nach unten, ohne ihre Form merklich zu ändern.


Angehängte Dateien
.zip   Revox_B260_15kHzTiefpass_Comp3.zip (Größe: 1,27 KB / Downloads: 4)
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#18
Hallo Kai,

vielen Dank für die Dateien, es wird meinen Einstieg in LTspice erleichtern.


Viele Grüße

Joachim
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#19
Eine Software ist immer nur so gut, wie der Benutzer vor dem PC. Smile

Was mache ich falsch, wenn das Ergebnis bei mir so aussieht?

   


Viele Grüße

Joachim
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#20
Nicht auf den richtigen Knotenpunkt "geklickt"?

Gruß Ulrich
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#21
Du zeigst die falsche Größe an.

Über dem Graph steht I(V1),
d.h. das ist der Strom durch V1, der (fast) niemanden interessiert.
Spannungen an Knoten bekommt man angezeigt, wenn man auf Knoten (oder angeschlossenen Draht) clickt (der Cursor ändert sich dabei in eine Art Tastkopf).
Wenn man clickt, während sich die Mouse über einem Bauteil befindet (ändert sich der Cursor in einen Pfeil dadurch, genauer gesagt in eine Stromzange mit Strom-Richtungspfeil), wird der Strom dadurch geplottet (wobei auch die Richtung eine Rolle spielt).

Für die Darstellung im Forum sollte man die Hintergrundfarbe von schwarz zu weiß ändern,
"Axis" von grau zu schwarz,
und dunkle statt heller Farben wählen.
Anderfalls sieht man hauptsächlich eine schwarze Fläche.

MfG Kai
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#22
Ich habe gerade einen Fehler bemerkt in einem Bauteil-Wert.
Der ist so subtil, daß man ihn nicht leicht findet.
Er steckt in beiden Schaltungen von Beitrag #17
Es handelt sich um C1 im Original-Filter.
Da steht 3,3n, es muß aber 3.3n heißen.
LTSpice meldet keinen Fehler, interpretiert 3,3n aber als 3n. Offenbar wird das Komma als Beginn einer ungültigen Zeichenfolge gewertet und erst das n wieder für nano übernommen.
Ich hatte mich bereits gewundert, weil mit einem parallel benutzten anderen Programm etwas geringfügig anderes rauskam,
und bin eben bei der Suche nach der Ursache für die Diskrepanz darauf gestoßen.
Die Werte des Dellen-Kompensators sollten dafür geändert werden in
C26=1082p
C22=3485p
R23=14390

MfG Kai

Ein nach den Regeln der Kunst entworfenes Cauer-Tiefpass-Filter dieser Knotenzahl sieht übrigens so aus:
   
Durchlass-Bereich
und
inklusive Sperrbereich
   

Der 19 kHz Sperrkreis befindet sich da in der Mitte.

MfG Kai
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#23
Hallo Kai,

ich habe die Werte angepasst und versuche nun mich an die Software zu gewöhnen. Mit Deiner Datei fällt mir der Einstieg deutlich leichter.

Wenn ich einmal einen Meßpunkt angelickt habe, kann ich dann einfach mit "Run" eine neue Berechnung starten? Mein Eindruck ist, daß der letzte angewählte Meßpunkt bleibt.

Auch wäre es schön, wenn man einen Plot speichern könnte und eine neue Berechung darüber geschrieben wird, damit man die Unterschiede leichter sehen kann.


Viele Grüße

Joachim
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#24
Man kann immer auf "Run" clicken, wenn nicht noch ein voriger läuft (erkennbar an dem Hand-Symbol rechts daneben).
Die zuletzt angeclickten Größen  bleiben immer gewählt bis man zwei- oder dreimal auf die gleiche Größe clickt. Dann wird nur noch die angezeigt.
Die aktuelle Plot-Konfiguration kann man speichern.  Dazu muß der Plot angewählt sein. Dann findet man in einem der Menü-Punkte die Speicher-Möglichkeit.
Alte und neue Rechnung durch Plot-Overlay vergleichen ist nicht vorgesehen. Das geht nur über externe Programme.
Ist aber auch nicht nötig.
Man kann das Gleiche erreichen, in dem man eine zweite Version der Schaltung auf das Arbeitsblatt kopiert (Quelle und Betriebsspannungen braucht man natürlich nicht duplizieren, wenn man sich nicht für deren Ströme interessiert), mit unterschiedlichen Bauteile-Werten "bestückt" und einfach in beiden Versionen die gewünschten Größen anclickt.
Irgendwo gibt es einen Menü-Punkt "Bitmap speichern", mindestens in den Menüs zum Schaltungs-Window, vielleicht auch fürs Ergebnis-Window. Screenshots gehen natürlich immer per externem Programm. Ob auch Export als png o.ä. geht, kann ich gerade nicht nachgucken.

MfG Kai
Nachtrag: Beim Kopieren werden allen Bauteilen neue Bezeichner zugewiesen. Ausnahmen sind aber bezeichnete Knoten wie zB "A1" und die Koppelfaktoren von Induktivitäten !
Die muß man händisch ändern, sonst gibt es unerwünschtes Verhalten durch die ungewollt gemeinsamen Knoten und falsche gekoppelte Induktivitäten.
SPICE-Anweisungen wie .tran oder .ac dürfen natürlich nur einmal vorkommen, also entweder nicht mitkopiert werden oder müssen nach kopieren einmal gelöscht werden.
Nachtrag2: Ergebnisse von Analysen im Zeitbereich (.tran...) können als wav-Files gespeichert werden (zb Knotenspannungen).
Wav-Files können wiederum zur Definition einer Spannungsquelle V... verwendet werden.
Auf diese Weise ist es möglich früher berechnete Ergebnisse in neuen Rechnungen einzulesen und zu verwenden oder einfach nur zum Vergleich zu plotten.
Ähnliches geht auch mit Analysen im Frequenzbereich, ist aber umständlicher zu realisieren.
Außerdem gibt es den Export in Text-Files, die man dann mit irgendeinem anderen Analyse-Programm einlesen kann, zB um verschiedenen Ergebnisse zu vergleichen.
Nachtrag3: Exportierte Knotenspannungen einer Analyse im Frequenzbereich (.ac ...) kann man nach Umformung in eine "form-gerechte" freq-Tabelle einer "behavioral voltage source" zuweisen, in einen .lib File schreiben und in einer asc-Datei verwenden als abhängige Knotenspannung. Auf die Weise wird dann auch der Vergleich mit einem früheren Ergebnis ohne Neuberechnung in einer duplizierten Schaltung möglich. Die nötige Umformung muß man allerdings selbst vornehmen. Ohne ein dafür geschriebenes Tool kann das bei langen Listen sehr lästig werden.
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#25
Ich habe nachgeguckt, ob ich schon mal ein Tool geschrieben habe, das eine Plot-Größe zu einem aufrufbaren Quasi-Fertig-Ergebnis macht, das in neuen Runs einfach zum Vergleich wieder geplottet werden kann.
Da ich keins gefunden habe, habe ich eben eins geschrieben.
Geht im Prinzip mit Spannungen und Strömen, die erste Version bislang aber nur mit Spannungen.
Und zwar so:
Eine exportierte Plot-Spannung wird per "Behavioral voltage source" mit "freq="-Tabelle in einen 2-Tor ".subckt" umgewandelt.
An Tor 1 geht's rein, an Tor 2 kommt's raus.
Das zugehörige Symbol wird von LTSPICE "autogenerated".

MfG Kai
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#26
(Gestern, 15:15)kaimex schrieb: Geht im Prinzip mit Spannungen und Strömen, die erste Version bislang aber nur mit Spannungen.
Und zwar so:
Eine exportierte Plot-Spannung wird per "Behavioral voltage source" mit "freq="-Tabelle in einen 2-Tor ".subckt" umgewandelt.
An Tor 1 geht's rein, an Tor 2 kommt's raus.
Das zugehörige Symbol wird von LTSPICE "autogenerated".

Es liegt vermutlich an mir, aber ich habe es jetzt 5 mal gelesen und verstehe nur Bahnhof? Smile 


Viele Grüße

Joachim
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#27
Man kann nicht erwarten, daß man nach einigen Tagen Beschäftigung mit so einem Programm alles versteht, insbesondere, da es sich um teils undokumentierte Features handelt.
Es gibt aber eine LTwiki
https://ltwiki.org/index.php?title=Main_Page
in der auch die undokumentierten Dinge beschrieben werden.
Solange man das alles nicht gelesen & verinnerlicht hat, mag meine Kurz-Beschreibung wie Fach-Chinesisch klingen.
LTSpice ist kein Programm, daß sich in allen Möglichkeiten intuitiv erschließt.
Dazu muß man doch allerlei lesen und an Eletrotechnik-Wissen mitbringen oder lernen,
oder sich auf das Simulieren von Variationen fertiger Schaltungen beschränken.

MfG Kai
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