Referenzkassette "Audio Soundcheck" Pegel?
#1
Hallo,
ich habe eine "Audio Soundcheck" Cassette vom Motor-Verlage, von 1989.
Beim abspielen auf zwei Recorder, die korrekt justiert sein sollten, kann ich die angegebenen Pegel nicht intreopretieren.
Z.B. ein Pegel von 0 dB, Dauerton 400 Hz( wie im beiligenden Booklet angegeben ist) , wird mir mit ca. -5 dB angezeigt und am Oszi mit ca. 350 mV.

Die anderen Töne haben ähnlich Abweichungen. Alle sollte ohne Dolby abgespielt werden.
Eine Anmerkung im Booklet lautet:"Maximalpegel des jeweiligen Signals, relativ zum Dolby-Level, .."

Auf welchen Dolby-Level wird hier Bezug genommen?  Kann mir jemand "auf die Sprünge" helfen?

Grüße,
Kurt
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#2
Für die Audio "Soundcheck" wurden BASF Chrome Maxima verwendet, oder? Dann haben wohl durch die Alterung des Chromdioxids die Pegel nachgelassen und sind für Meßzwecke leider nicht mehr zu gebrauchen.

Viele Grüße,
Martin
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#3
Ich meine auch es war eine Maxima, kam in einer schicken Box wenn ich mich recht erinnere. Obwohl diese Eigenheit des CrO2 Bands auch damals zumindest der BASF schon bekannt war, wurde das aus Marketinggründen natürlich nicht kommuniziert.

Zu den Pegeln: Im Laufe der Zeit/oder nach Hersteller wurden für die Cassette vier verschiedene Bezüge benutzt:

0db = 160nWb/m DIN original Philips Pegel (VU)
0db = 200nWb/m DIN (wohl teilweise auch von einigen Herstellern fälschlich als Dolby Pegel genutzt)
0db = 200nWb/m ANSI (218nWb/m DIN) offizieller Dolby Pegel
0db = 250nWb/m DIN Offizieller Pegel der IEC für das Compact Cassetten Format


Die Pegelunterschiede betragen:

von der IEC Norm (0db = 250nWb/m) ausgehend:

250nWb/m DIN = 0db
200nWb/m ANSI = -1,2
200nWb/m DIN = -1,9db
160nWb/m DIN -3,9db

vom Dolby Pegel 0db = 200nWb/m ANSI ausgehend:

250nWb/m DIN = +1,2db
200nWb/m ANSI = 0db
200nWb/m DIN = -0,8db
160nWb/m DIN -2,7db
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#4
Kann dies bestätigen, diese AUDIO Soundcheck Cassette (habe selber eine) hat einiges an Pegel verloren.
Vielleicht messe ich dies mal genau nach.
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#5
Tja, das leidige BASF CrO² Pegelverlust Problem...
Meine BASF Typ II Cassetten sind durchweg alle von diesem Problem betroffen. (Ich schrieb bereits darüber)
Leider sind meine alten Aufnahmen mit High-Com gemacht worden vor +40 Jahren, so daß das Problem dadurch noch viel schlimmer wird.
Zum Glück sind die meisten Cassetten in meiner Sammlung von TDK und Maxell, da habe ich keine Probleme mit.
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#6
Helft mir noch mal auf die Sprünge, war dieser Pegelverlust eigentlich frequenzabhängig oder linear. Wenn linear, könnte man den Pegelverlust bei reiner Wiedergabe doch durch anheben des Playback Gain kompensieren und die Aufnahmen noch retten, oder nicht?

Viele Grüße

Michael
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#7
Soweit ich informiert bin, ist der Verlust linear, somit dürfte dein Vorschlag funktionieren.

Allerdings würde ich nur soweit gehen, wenn da wirklich wertvolle Aufnahmen drauf sind (Demobänder, ...). Für noch erhältliche Musik wäre der Aufwand wahrscheinlich schon fast wieder zu hoch.
Viele Grüße
Alex

We Sold our Souls to Rock 'N' Roll!
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#8
Sowas taugt meines Erachtens nur noch für Sammlerzwecke oder Techniker Nostalgie.
Für aktuellen Werkstattbetrieb empfehle ich die Kassetten von Hans Peter Roth aus eBay.
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#9
Technics123 schrieb:war dieser Pegelverlust eigentlich frequenzabhängig oder linear. Wenn linear, könnte man den Pegelverlust bei reiner Wiedergabe doch durch anheben des Playback Gain kompensieren und die Aufnahmen noch retten, oder nicht?

Hallo Michael,

aus meiner Sicht ist der "Referenzpegel" nicht mehr viel wert, wenn um ein undefiniertes Maß gesunken.
Die anderen Signale sind z.T. noch brauchbar.
Die Musikbeispiele auf Seite 2 (Dolby C) waren früher 1a, klingen nun gruselig mulmig und pumpend.
Die "Soundcheck" gab es aber auch auf CD und LP.

Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich seinerzeit ca. 69 DM für die CC bezahlt.
Die wurden wohl vom DAT-Master einzeln auf B215 aufgenommen...keine A80QC, aber immerhin...

Schöne Grüße
Frank
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#10
Ja, der Pegelverlust ist frequenzgangunabhängig.
Habe das mit alten BASF Chrome Messcassetten überprüft.
Abgesehen von dem Pegelverlust (hier ca. -3 dB) ist der Rest gut gebrauchbar, zB. Azimuth- Frequenzgangstest usw.)

Zurück zur Audio Soundcheck Cassette, diese ist "leider" mit einer B215 aufgenommen worden, daher war diese eh nie eine ernsthafte Messcassette.
Die Messtöne der Audio Soundcheck CD sind auch nicht das gelbe vom Ei, da noch analog erzeugt (1989), jede Freeware am PC erzeugt sauberere/präzisere Testtöne.
Die Audio Soundcheck LP ist hingegen noch sehr gut brauchbar, gerade wegen dem "LP-Revival".
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#11
(25.06.2025, 17:07)Technics123 schrieb: Helft mir noch mal auf die Sprünge, war dieser Pegelverlust eigentlich frequenzabhängig oder linear. Wenn linear, könnte man den Pegelverlust bei reiner Wiedergabe doch durch anheben des Playback Gain kompensieren und die Aufnahmen noch retten, oder nicht?

Viele Grüße

Michael

Richtig.
So habe ich das bei einigen Aufnahmen auch gemacht, wo Musik drauf war, die ich woanders nicht bekomme.
Einfach am High-Com die Eingangspegelregler hochgezogen und dann auf eine neue Cassette mit meinem zweiten Cassettendeck und Dolby aufgenommen.
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#12
Hallo Frank, 

beim kompensieren des Pegels habe ich eigentlich auch nur an die  Musik gedacht. Zum Einpegeln ist die Cassette leider nicht mehr zu gebrauchen. Aber zum Glück gibt es ja noch neue Pegelcassetten.

Leider ist den ganzen Hifizeitschriften in den Jahren der Pegelverlust bei Chromdioxid nicht aufgefallen, oder sie haben den Mantel des Schweigens drübergelegt.  Vielleicht gab es damals ja auch ein gewisses Sponsoring! 

Viele Grüße 

Michael
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#13
Das wird nicht aufgefallen sein, da ja in den Tests immer frische Ware verwendet wurde. Die Bezugsbänder wurden ja erst nach einem Jahr Lagerung des Bandmateirals produziert und versendet, so daß der größte Pegelverlust bereits geschehen war. Ich denke, das hatte damals niemand außerhalb der Industrie auf dem Schirm.

Sponsoring gab es bestimmt - bei den von mir gescannten Cassettentests habe ich spaßeshalber immer gleich die im selben Heft enthaltenen, einschlägigen Reklameseiten mit angehängt :-) Sie haben sich zumindest in den deutschen Publikationen schon bemüht, die Einflußnahme gut zu verstecken, wenn sie denn stattgefunden hat. Insgesamt fand ich die "Stereo"-Tests am ausgewogensten, da mit nachvollziehbaren und sinnvollen Meßwerten gearbeitet wurde, und die Testsieger auch regelmäßig wechselten. Ganz schlimm dagegen manche Berichte aus den britischen HiFi-Gazetten. Bei deren mit saloppen Sprüchen geschriebenen Beurteilungen, die ohne viel störende Fakten daher kamen, triefte der jeweilige Hauptsponsor geradezu aus den Zeilen...

Viele Grüße,
Martin
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#14
Ich bin auch der Meinung das die Tests von "Stereo" eigentlich immer relativ objektiv waren. Ulrich Wienforth hat immer auch auf Mankos hingewiesen. Auch das Thema der Höhenverluste bei Cassetten durch Löschköpfe wurde meiner Meinung nach zuerst durch "Stereo" auf den Tisch gebracht.

Viele Grüße

Michael
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#15
(25.06.2025, 17:07)Technics123 schrieb: Helft mir noch mal auf die Sprünge, war dieser Pegelverlust eigentlich frequenzabhängig oder linear. Wenn linear, könnte man den Pegelverlust bei reiner Wiedergabe doch durch anheben des Playback Gain kompensieren und die Aufnahmen noch retten, oder nicht?

Viele Grüße

Michael

Der Pegelverlust ist zum Glück linear, bei unwiederbringlichen Aufnahmen funktioniert die Anhebung des Playback-Gains um die Aufnahmen zu retten. Auch geht das Rauschen mit dem Pegelverlust zurück. Von daher, alles halb so schlimm. Pegelkassetten gibt es heute neu von HPR...

Interessant ist, das sich mit diesen Bändern auch heute noch sehr gute neue Aufnahmen machen lassen. 

Das Revox B 215 z.B. misst die Echtchrombänder einwandfrei ein, zieht den Level entsprechend hoch. Dann sind sogar wieder Aufnahmen mit Dolby-C hervorragend möglich. Aussteuerung dann sachte, je nach Musikmaterial bis - 2db bis max. 0dB.

Auch die Neuaufnahme profitiert vom geringeren Rauschpegel, sodass auch heute noch bessere Aufnahmen als bei Typ I möglich sind.

Was mich interessieren würde. Kommt dieser Pegelverlust-Effekt irgendwann zum Stillstand? Oder werden die Echtchrombänder heutzutage immer noch mit der Zeit leiser?
Viele Grüße 
Manfred

"The warm sound of analog recordings is made of harmonic distortion and Tape hiss - I like it".
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#16
Also ich habe Chromdioxid Cassetten aus allen Jahrgängen und zwischenzeitlich auch mal Ur-Chromdioxid Cassetten von BASF und AGFA neu bespielt. Die Aufnahmen sind inzwischen auch schon einige Jahre alt und ich kann bei keiner dieser Cassetten einen erneuten Verlust feststellen. Ich habe da allerdings auch keine Sinustöne als Referenz aufgenommen und kann es nur nach Gehör abschätzen und beim Beobachten der Pegelanzeige. Ich vermute mal, dass nach den ersten 4 bis 5 Jahren das Schlimmste überstanden war. Ich finde auch, dass sie abseits ihres Pegelabfalls tatsächlich noch gut nutzbar sind. Man sollte halt nicht übertrieben bassige Musik benutzen. Chromdioxid/II/CR-EII krieg ich aber selten über -4 oder -2 dB. Die 120er sind eher bei -6 oder gar -8, wenn man sie noch eingemessen kriegt ist sogar Dolby kein Problem.
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#17
Das Problem ist, wenn man kein Tapedeck mit automatischer Einmessung besitzt, daß bei solchen Cassetten der Dolby Pegel dann auch nicht mehr passt.
Das hört man!
Jedesmal das Deck aufschrauben und an den Level Trimmern rumdrehen, dazu hab ich keine Lust.
Ich mustere nach und nach meine BASF Kandidaten aus und erneuere die Aufnahmen mit Maxell XL II Cassetten. Davon hab ich noch genug.
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#18
Das stimmt natürlich, aber da zumindest die 80er CE/CS/CM II und ähnliche Kandidaten sowie die aus den 90ern bis zur FeCo Zeit IEC konform sind, kann man sie damit einfach ohne Dolby bespielen und meistens stimmt der Bias dann einigermaßen. oft stimmt sogar die Differenz für die Sättigung…. Also wenn man so aussteuert, wie man FeCo aussteuern würde und dann die Echtchrom Aufnahme ohne Einmessung hinterher abspielt, ist der Pegel zwar niedriger, aber so, dass er in dem Bereich ist, dass er vor der Sättigung liegt.
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