Laser Amorphous Tonkopf Defekt - Schadenbild bekannt?
#1
Hallo zusammen,

nach der Revision eines Sony TC K 870 folgt Ernüchterung. Ab ca. 8 kHz fällt der Hochtonbereich bei Wiedergabe im linken Kanal ab. Spurlage, Pegel etc. wurden sorgfältig abgeglichen. Ein Vertauschen der Tonkopfanschlüsse lässt den Fehler nach rechts Wandern. Elektronikfehler somit ausgeschlossen. Bei Aufnahmen ist der Frequenzbereich sehr gut, vorausgesetzt die Aufnahme wird auf einem anderen Deck abgespielt.

Nach genauerer Untersuchung ist mir aufgefallen, dass die Kernpakete in der Mitte beim Wiedergabekopf verschoben sind. 

Kennt jemand so ein Schadenbild? 

Ist es möglich, dass der Kopf so ab Werk eingebaut wurde? Oder liegt ein Produktions-Fehler der Vergussmasse vor, der sich erst Jahre später durch diesen Versatz äußert?

   

   

   
Viele Grüße 
Manfred

"The warm sound of analog recordings is made of harmonic distortion and Tape hiss - I like it".
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#2
Was da verschoben ist, ist lediglich das Abschirmblech zwischen den Systemen. Das kommt schon mal vor und hat auf die Funktion des Kopfes überhaupt keine Auswirkung.

Gruß
Holgi
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#3
Wie schauts denn mit den Azimuth's aus?
Also erstens der Azimuth mit Meßkassette?
Und, nach ggf. Abgleich, der Hinterband Azimuth?
Gruß
Manfred

....und jetzt mit einer weiteren Verbesserung der Grundig TS1000.....
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#4
Zitat:Ist es möglich, dass der Kopf so ab Werk eingebaut wurde? Oder liegt ein Produktions-Fehler der Vergussmasse vor, der sich erst Jahre später durch diesen Versatz äußert?


Nein, das ist natürlich nicht möglich, der Kopf kam so aus dem Werk von wahrscheinlich Canon und wurde dann von Sony verbaut.
Die verschobenen Kernpakete sind allerdings nicht schlimm, da gab es öfter mal ohne Auswirkung auf den Frequenzgang.

Es wird die Kopfspaltlänge sein, die nicht stimmt, um das zu beurteilen, braucht es aber eigentlich ein Mikroskop, zumindest aber eine 60x Lupe.
Dann wird man wahrscheinlich sehen, dass der Spalt links länger als rechts ist, zumindest teilweise. Als Vergleich kann man den Spalt vom Aufnahmekopf nehmen.
Ist der Spalt des PB Kopfs teilweise ähnlich groß, wie der des Rec Kopfes liegt hier die Ursache, der Spalt muss etwa 1µm lang sein, der vom Rec kopf ist etwa 4µm.

Ob das dann eine Fehlproduktion war oder die Spaltkanten durch äüssere Einflüsse (Korrosion) später errodiert/abgebröckelt sind... keine Ahnung.
Ich habe auch so einen Canon LA Sandwichkopf wo der linke Kanal einen vergrüßerten Spalt hat. Das Deck stand über 10 jahre im Keller.
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#5
....ich vergaß
Beim überprüfen des Azimuths von Meßkassette lassen sich auch gut die Wiedergabepegel bei 10kHz beurteilen.
Gruß
Manfred

....und jetzt mit einer weiteren Verbesserung der Grundig TS1000.....
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#6
(14.06.2022, 11:27)mampfi schrieb: Beim überprüfen des Azimuths von Meßkassette lassen sich auch gut die Wiedergabepegel bei 10kHz beurteilen.


Genau da ist mir das das 1. Mal aufgefallen. Die Pegel sind nicht gleich, sondern links schwächer. Ich habe sämtliche Messkassetten von Hanspeter. Spurlage, Azimut usw. passt alles. Ich habe auch mit mehreren Kassetten gegengetestet, da der linke Kanal recht anfällig für Pegelschwankungen ist.

Es liegt definitiv am Wiedergabe-Kopf. Den Aufnahmefrequenzgang habe mit mit meinem Revox B215 überprüft. Bis 20 kHz ist da "alles glatt".

Umgekehrt fällt ein Gleitfrequenztest, aufgenommen mit dem Revox, bei Wiedergabe auf dem Sony ab 8 kHz auf dem linken Kanal signifikant ab.
Viele Grüße 
Manfred

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#7
Hast du mal mit einer Spiegelkassette den Bandlauf überprüft? Defekte Andruckrollen können den Bandlauf bei Doppelcapstanlaufwerken sehr stark beeinflussen.

LG Oliver
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#8
(14.06.2022, 14:37)Olivinyl schrieb: Hast du mal mit einer Spiegelkassette den Bandlauf überprüft? Defekte Andruckrollen können den Bandlauf bei Doppelcapstanlaufwerken sehr stark beeinflussen.

LG Oliver

Das kann ich bestätigen. Daher mag ich Doppelcapstan bei Cassettenlaufwerken nicht so sehr.
Trotzdem besitze ich 3 Geräte mit Doppelcapstan: AKAI GX-75, AKAI GX-6, AKAI GXC-750D.
Mein AKAI GXC-725D (kein Doppelcapstan) ist mir immer noch am liebsten. Auch weil ich es 1979 vom sauer Ersparten gekauft habe und es immer noch super läuft.

Ob der Fehler beim dem Sony allerdings daher rührt, kann man aber nur mutmaßen.

Gruß, Jan
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#9
Die Mechanik dieses Sony-Laufwerks reagiert sehr empfindlich auf minimale Ungenauigkeiten im Azimut des Cassettengehäuses. Dies äußert sich in mehr oder weniger starker Pegelabschwächung des linken Kanals in den hohen Frequenzen. Ein klein wenig Abschwächung ist bei meinen K770ern so gut wie immer vorhanden, meistens eher meß- als hörbar. Aber auch bei augenscheinlich einwandfreien Cassetten von Markenherstellern kommt es immer wieder vor, daß ich links eine Pegelabschwächung feststelle.

Mit der Einmeßfunktion läßt sich dann sehr gut beobachten, daß wenn ich die beiden Pegeltöne genau auf die roten Markierungen bringe, und die Cassette umdrehe, dann ohne die Regler zu verstellen nochmal einen Einmeßvorgang starte, andere Werte erhalte. Bei Cassetten, mit denen man die Abschwächung im linken Kanal hört, zeigt dann z.B. der obere Pegel zwei Segmente weniger an als der untere.

Ist Deine Testcassette beidseitig oder in Vollspur bespielt? Dann drehe sie einfach mal um und miß nochmal. Oder, falls verschraubt, topfe mal das Band in ein anderes Gehäuse um, mit dem Du keine Abweichung festgestellt hast.

Was auch für derartigen Spuk sorgen kann, sind minimale, kaum sichtbare Ablagerungen in der Kunststoff-Bandführung des Decks vor der linken Andruckrolle. Geh da mal mit einem mit Isoprop oder Spiritus getränkten Wattestäbchen durch, und danach, falls Du eine hast, auch wenige Sekunden mit einer Agfa Audioclean- oder BASF "Grünband"-Reinigungscassette. Das hat bei mir bisher immer geholfen, wenn selbst mit den besten Gehäusen der linke Kanal anfing zu schwächeln.

Viele Grüße,
Martin
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#10
Vielen Dank für Euer Feedback!

In der Einleitung hatte ich geschrieben: "nach der Revision eines Sony TC K 870".

Das hätte ich präzisieren müssen. Das TCM-200 Laufwerk wurde von mir komplett revidiert, sprich zerlegt und wieder zusammengebaut. Das hatte ich in der Vergangenheit schon bei mehreren Laufwerken gemacht, zuletzt bei meinem 770ES, welches einwandfrei funktioniert. Folgende Dinge wurden gemacht:

-Neue Riemen
-Neue Andruckrollen
-Bandwickelbremse gereinigt und auf Funktion geprüft
-Capstane und Schwungmassen gereinigt und Lager mit Sinterlageröl neu geschmiert
-Zwei "Fischdose" auf der Motorelektronik ersetzt
-Spur (linke Andruckrolle) , Kopfhöhe, Bandzug- und Bremse justiert.

Der Gleichlauf ist sehr gut. Dolbypegel bei 400 Hz, Bandfluss 200 nWb/m passt und ist symetrisch. Vollspur-Pegeleinstellung bei 315 Hz und Bandfluss 250 nWb/m passt und ist symmetrisch. Azimut und Kopfhöhe sind in Ordnung. Der elektrische Abgleich ist ebenfalls in Ordnung.

Beim Umschalten zwischen Vor-und Hinterband ist die Hochtonwiedergabe links etwas schwächer. Getestet mit mehreren NOS-Kassetten von TDK-D bis Maxell XL II.

Diese Aufnahmen klingen Perfekt und Kanalgleich auf meinem Revox B215, KX-1100 und dem Akai GX-75.

Somit muss meine Spureinstellung in Ordnung sein, sonst wären die Aufnahmen nicht in Ordnung. Auch die Spiegelkassette zeigt keine Auffälligkeiten.

Egal ob die 10 khZ Azimuth-Kassette von Hanspeter oder eine selbst aufgenommene Kassette mit dem Revox B215 abgespielt wird, immer ist der linke Kanal schwächer.

Drehe ich die Tonkopfverkabelung um, wandert der Fehler mit.

Diese Gegentests mit meinen weiteren Decks (Aufnahme und Wiedergabe) sagen mir, dass die Spur, der Azimut, die Kassetten in Ordnung sein müssen, sonst würde der Fehler doch mit wandern.

Durch diese ganze Testerei muss der Kopf m.M.n. einen Defekt haben. Oder habe ich was übersehen?

Diese verschobenen Kernpakete, auch wenn es "nur" das Abschirmblech ist, habe ich so noch nie gesehen.

Am logischsten erscheint mir die Erklärung von 2245. Vielen Dank dafür! Könnte nicht auch ein verschobenes Abschirmblech den magnetischen Fluss des Kopfes dahingehend beeinflussen?

Ich gucke mir heute Abend mal alle meine Decks an, ob ich irgendwo noch so ein Bild finde. Beim Revox, Kenwood und beim Akai ist diesbezüglich alles in Ordnung.
Viele Grüße 
Manfred

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#11
Ich habe nun alle meine 3 Kopf-Decks durch. Kein weiterer Kopf zeigt diese Anomalie.

Holgi hat ja geschrieben, dass das schon mal vorkommt. Kennt jemand noch so einen Fall? Eventuell sogar bei einem Kopf aus einem Tonbandgerät? Wäre mal Interessant andere Fotos zu sehen. Also, wer hat und will, der darf ...  Smile
Viele Grüße 
Manfred

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#12
Sowas sieht man öfter. Hier ein fabriksneuer Canonkopf für ein TEAC 8030. Auch hier sieht man ein verschobenes Abschirmblech und etwas verschobene Kopfpakete. Da der Kopf noch nicht verbaut ist, kann ich aber nciht sagen, ob er seine Spezifikationen einhält.

   

Wenn die Hochtonwiedergabe unbefriedigend ist und man den Kopf in Verdacht hat, muss man ihn ausbauen und unter dem Mikroskop betrachten, anders wird man keine Gewissheit erlangen. Die verschobenen Kopfpakete im Sony halte ich jedenfalls nicht verantwortlich für den beobachteten Effekt, da hier nur die Kopfspaltlänge verringert ist, was theoretisch eine verringerte Ausgangsspannung bedeuten würde, die aber mit dem Levelregler ausgeglichen werden kann. Übrig bleibt dann ein minimal höheres Rauschen aber kein Abfall der Höhen. Bei den gezeigten Dimensionen bezweifle ich aber, dass sich dieser Effekt auf das Rauschen überhaupt nachweisen läßt.
Viele Grüße
Lukas
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#13
Lukas, vielen Dank für das Bild!

Bei Deinem Kopf ist der Versatz bei beiden Köpfen vorhanden. Dafür nicht ganz so stark ausgeprägt wie bei mir...

Der Ausgleich mit dem Level-Regler bringt leider nichts, da die Ausgangsspannung erst ab ca. 8 kHz merklich abfällt. Bei niedrigen Frequenzen sind die Signale symmetrisch. Auch kann ich die Hochtonwiedergabe beim beim 870er nicht einstellen. Also bliebe nur eine Höhenanhebung per R-C Glied im Wiedergabeverstärker als "letzte Rettung".

2245 hat geschrieben: "Ich habe auch so einen Canon LA Sandwichkopf wo der linke Kanal einen vergrüßerten Spalt hat. Das Deck stand über 10 jahre im Keller."

Mein Deck wurde vom Verkäufer auch viele Jahre im Keller gelagert. Eventuell ist das dann die Erklärung.

So wie es aussieht, bekomme ich demnächst einen Ersatzkopf. Diesen werde ich verbauen und berichten.
Viele Grüße 
Manfred

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#14
Wenn der Tonkopf defekt ist, sollte eine Reparatur auch hier ansetzen und kein Workaround gemacht werden. Solltest du noch einen neuen Kopf bekommen können, ist das optimal. Und wie gesagt, Kopf ausbauen und die Spaltgeometrie im Mikroskop ansehen ist das Mittel der Wahl, um Klarheit zu erlangen.
Viele Grüße
Lukas
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#15
Laser Amorphous Köpfe neigen zu Korrosion, wenn sie zu hoher Luftfeuchte ausgesetzt sind. Ich hatte mal so einen Fall im Profi-Videobereich, da konnte man unter dem Mikroskop lauter kleine Löcher im Material des Videokopfs sehen. Die Maschine war nagelneu, war aber nach einer Modifikation im Warenlager nicht wieder richtig verpackt worden und hatte da zu lange gestanden. Der Plastiksack war offen und das Beutelchen mit dem Silicagel fehlte.

MfG, Tobias
Strom kann erst dann fliessen, wenn Spannung anliegt.
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#16
@ Lukas: Ja, da bin ich ganz bei Dir. Alles andere währe "cheaten" und dem Rauschen und Klirr nicht unbedingt zuträglich Wink  

@ Tobias: Sehr interessanter Erfahrungsbericht! Schon wieder ein Grund, die Hifi-Geräte ins Wohnzimmer zu stellen  Smile
Viele Grüße 
Manfred

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#17
Manfred, hast du die Möglichkeit die Induktivität der Spulen zu messen. Sofern kein mechanischer Defekt schuld ist, wäre dies ja auch noch eine Möglichkeit. Auf den Bildern konnte ich es nicht genau erkennen, aber hat der Wiedergabekopf ggf. im linken Kanal einen tieferen Einschliff?
Viele Grüße,

Michael
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#18
Michael, Induktivitäten kann ich leider nicht messen. Einschliff ist nicht vorhanden. Das deckt sich auch mit den Aussagen des Verkäufers, der hauptsächlich mit DAT aufgenommen hat und das Deck nur sporadisch genutzt hat.

Meine Vermutung. Entweder hat sich der Kopf über die Jahre der Kellerlagerung verändert, oder er war von Anfang an defekt und es ist einfach nicht aufgefallen, da der Voreigentümer hauptsächlich mit DAT gearbeitet hat. Diese verschobenen Abschirmbleche kommen wohl ab- und zu vor, sind aber bestimmt nicht der damalige "Stand der Technik". Von da her nicht auszuschließen, dass nicht doch noch ein anderer Defekt vorliegt.

Das Deck selber ist in einem hervorragenden Zustand. Es sind keine Feuchteschäden sichtbar, kein muffiger Geruch o.ä. was auf einen feuchten Keller hinweisen könnte. Im Gegenteil, ich kenne das Wohngebiet gut, aus welchem das Deck stammte, Es wurde im Jahr 1999/2000 erschlossen, die Häuser demnach bestimmt nicht feucht.

Wichtig für mich ist festzustellen, dass es sich wohl eher um einen Einzelfall handelt und nicht um ein grundlegendes Problem.

Ich werde weiter berichten, wenn ich den Ersatzkopf montiert habe...
Viele Grüße 
Manfred

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#19
Der neue Kopf ist montiert, mechanisch und elektrisch eingemessen. 2 Bilder sagen mehr als 1000 Worte.

Alter Kopf auf Maxell XL II:

   

Neuer Kopf mit Maxell XL II:

   
Viele Grüße 
Manfred

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#20
Wie zu erwarten, wohl das gleiche wie bei meinem Exemplar (Spalt zu groß), auch der rechte Kanal ist ja leicht betroffen.
Hast du ja Glück gehabt, solche Köpfe gibt es ja so gut wie gar nicht mehr.

Oli
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#21
Hallo Manfred*), hallo in die Runde,

bei der Diagnose Deines defekten Tonkopfes kann ich Dir vielleicht helfen.

Ich habe ein Mikroskop so weit hergerichtet, dass ich im Okolarmikrometer zwischen zwei Skalenteilen eine Strecke von 0,00135 mm gut ablesen kann. Der Sehwinkel für diese geringe Strecke ist dann so, wie bei der Strecke von 2 mm aus 25 cm Entfernung betrachtet, d. h. ¼ eines Tausendstels eines Millimeters kann man noch gut abschätzen.
Größer kann ich die Auflösung leider nicht machen, weil dann kein ordentliches Licht mehr zwischen Tonkopf und Objektivvorderkante hinkommt.

Ich wollte damit den Spaltversatz von Stereotonköpfen messen. Ich habe damit aber noch nicht angefangen, weil ich derzeit keinen ausgebauten Tonkopf zur Verfügung habe, und nur zu (brotlosen) Messungen einem perfekt justierten Kopfträger einer M15A zu zerlegen, wäre schon fast bodenloser Leichtsinn.
Aber Dein defekter Tonkopf wäre da ein gutes Studienobjekt.

Meine Hochachtung für Deine mechanische Präzisionsarbeit an den winzigen Teilen deines Kassettenrekorders. Die Kassettentechnik  stellt ja höchste Anforderungen an die mechanische Präzision der Laufwerksmechanik.

Die sichere Beherrschung von 18 kHz stellt auch die Bandführungen eines Studio-Laufwerks vor hohe Anforderungen. Dies gilt ebenso für die Präzision der sauber geschnittenen Bandkanten.
Dies alles gilt umso mehr für die Kassettentechnik mit ihrer geringen Bandgeschwindigkeit, wenngleich die schmaleren Tonspuren für etwas Entlastung sorgen.

Wenn ich Deine Darstellungen richtig verstanden habe, hast Du mit dem neuen Tonkopf einen normgemäßen Bandfluß auf das Kassettenband aufnehmen können und hast die Wiedergabe auf mehreren Geräten geprüft.

Dann ist die Azimutübereinstimmung zwischen ablaufender Aufnahmekopfspaltkante und Wiedergabekopfspaltmitte von bewundernswerter Genauigkeit. Das konnte in der nötigen Perfektion damals vermutlich nur ein Hersteller. Ein solches Ergebnis dann noch durch eine Verklebung zu sichern, grenzt schon fast an Zauberei.

Deine Reparatur ist schon eine sehr beachtenswerte Leistung, und möglicherweise spielst Du da in einer eigenen Liga.

Viele Grüße
Manfred

*)p.s. Ein gediegenes (im Wortsinn eines Hamburgers) Gefühl, sich selbst einen Brief zu schreiben.
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#22
Der Kontakt zwischen Manfred & Manfred läuft...   Wink

Ich werde am Wochenende den defekten Tonkopf auf Reisen schicken, damit er mikroskopisch untersucht werden kann.

Ich bin sehr gespannt, ob wir in der Thematik so ein wenig "Licht ins Dunkle" bringen.

In diesem Sinne...  Smile
Viele Grüße 
Manfred

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#23
Hallo Manfred, hallo in die Runde,

es hast ein wenig gedauert, aber ein alter Mann ist ja kein D-Zug und die reale Scheinwelt muß ich ja auch noch meistern.

Ich habe inzwischen die mikroskopische Betrachtung der Kopfspalte des Kassettendoppelkopfes abgeschlossen, und auch
Bilder mit dem Auflichtmikroskop vom Tonkopf kann ich jetzt vorlegen.

Das Mikroskopieren war kein Problem, aber davon dann halbwegs ordentliche Bilder mit dem Smartphone zu machen, war für mich sehr wohl eins.

Ich habe keine Digitalkamera und hier in meiner Exklave bei meiner Tochter in Mecklenburg auch immer gerade das Teil nicht zur Hand, was ich eigentlich dann plötzlich dringend bräuchte. Hauptsächlich betraf das ein Fotostativ und einen Adapter für das Smartphone zum Fotografieren durch das Mikroskopokular. Ich konnte dafür immerhin meinen alten Kleinbildvergrößerer von Leitz mit viel Gedöns umfunktionieren. Allerdings wurden dadurch die Richtzeiten erheblich, weil das Wohnzimmer immer wieder freigeräumt werden mußte usw.usw..  - Aber im Grunde übt das Improvisieren ja auch. -

Die starken Vergrößerungen von einem Durchlichtmikroskop konnte ich leider hier gar nicht einsetzen, weil dessen Objektive so große Durchmesser haben, dass sie an der festen Bandführung gar nicht vorbeikämen.

Mit einem Zeiss-Auflichtmikoskop Typ "Epignost" habe ich die Bilder gemacht. Konstruktionsbedingt hat das Mikroskop einen viel größeren Arbeitsabstand zum Objekt, als ein Durchlichtmikroskop. Der beträgt hier ungefähr 4 mm und das ist sehr günstig.
Die Fixierung des Kopfes mit Tesafilm an seinen Kabeln war ein bißchen kniffelig. Ich habe die Kabel dann zusätzlich mit einer Wäscheklammer fixiert und konnte damit deren Erinnerungsvermögen an einen Kreis weitgehend ausgeschalten.

Die Auflichtbetrachtung mit dem Licht durchs Objektiv hat den Vorteil, dass alle zum Betrachtungslichstrahl nicht im Winkel von 90 Grad stehenden Flächen dunkel erscheinen, weil deren Licht nicht direkt in den Strahlengang zurückgespiegelt wird. Kratzer werden dadurch überdeutlich wahrgenommen.

Die Kernpakete sind versetzt und ergeben mit ziemlich hoher Genauigkeit gleich breite Spuren. Jeweils 72 Skalenteile beim Hörkopf und nur 71 Skalenteile beim Sprechkopf. (1 Skalenteil zu 8,4 µm).
Erwartet hätte ich das umgekehrt. Denn eine dünnere Band-Spur kann im Hörkopf Pegelschwankungen durch den Bandlauf verursachen, weil das Band die Neigung hat, in der Höhe etwas hin- und herzuwandern.

Der Hörkopfspalt ist in der gewählten Vergrößerung bei einigen Blechen kaum aufzulösen, bei anderen aber deutlich sichtbar. Das kann durchaus auch mehr als eine Verdoppelung sein.
Deshalb vermute ich eine virtuelle Hörkopfspaltverbreiterung durch Erosion an den Spaltkanten.
Der Kopf erscheint nicht so abgenutzt, daß der Spalt sich in der Tiefe schon verbreitert hätte,

Wenn Du hier forschend und vertiefend in die Problematik einsteigen möchtest, könntest Du die Frequenz ermitteln, bei der die Hörkopfspannung Null wird und daraus dann die Spaltbreite herleiten. Vermutlich brauchst Du aber dafür ein Laufwerk, was nur mit sehr geringer Geschwindigkeit läuft, weil die Verstärker die sich sonst ergebende hohe Frequenz nicht ausreichend verstärken.

Aber eigentlich hast Du das Problem für Dich ja schon durch den anderen Doppelkopf optimal gelöst. Zumal der ja wohl hervorragend funktioniert.
Denn die von Dir dazu genannten Meßwerte sind ganz hervorragend und für mich, der ich mit der Schwermaschinentechnik der Telefunken T9 groß geworden ist, ganz imponierend. Die T9 konnte das Anfang 1953 auch schon, aber damals nur mit der 16-fachen Geschwindigkeit.

Bei deren alten Mµ-Metall Tonkopfkernpaketen habe ich auch früher einmal so etwas wie Erosion oder Korrosion gesehen und zwar ausgelöst durch ein Band, was während einer sehr langen Stillstandszeit an den Köpfen angelegen hatte. -  Seitdem lasse ich bei entsprechenden Konstruktionen kein Band im Bandlauf zurück, auch nicht für einen Tag.
Wir wissen nicht,was in einem Band an Chemie drin steckt und die es von den alten Bändern noch wissen könnten... Wir hätten eher fragen müssen.

Herzliche Grüße
Manfred



Zu den Bildern: Die Beobachtungen wurden an dem Kassettendoppelkopf in dem Zustand so vorgenommen, wie er sich nach Entfernen der Verpackung ergab.



   
Bild 1: 
der Wiedergabekopf mit dem oberen System hier Spur 1 genannt.
Die Spurbreite beträgt 72 Skalenteile zu 8,4 µm. Die kleinen schwarzen Punkte sind Vertiefungen in den Kernlamellen. Systembedingt werden auch kleinste Kratzer als schwarze Linien abgebildet, weil deren Licht nicht genau senkrecht in das Mikroskopobjektiv zurückgespiegelt werden. Der leichte Schleier könnten mikrofeinste Kratzer oder Fingerabdrücke sein.
Das wie ein Seepferdchen geformte Teil ist ein kleines Stück der Luftpolsterverpackung.




   
Bild 2:
wie Bild 1 nur in eine stärkeren Vergrößerung (ca. 400 fach).
Es gibt Bleche, die bei dieser Vergrößerung noch einen nicht aufzulösenden Spalt ergeben (in den Randbereichen).
Andere lassen einen Spalt deutlich erkennen. Das könnten schon einige Faktoren sein.
Der Versatz der Kernpakete zueinander ist vermutlich deshalb so gemacht worden, um die Spurbreiten der Köpfe sehr genau gleich zu erzielen mit Kopfsystemen, die ohne diesen Trick zu breit wären. So genau kann man die Bleche nicht schichten. Schade, dass wir niemanden fragen können zur Herstellung von solchen Präzisionsköpfen. Die Genauigkeitsanforderungen waren bei der Kassettentechnik auf einem sehr hohen Niveau.




   
Bild 3:
Detail von Spur1 des Wiedergabekopfes:
hier sieht man in der Vergußmasse die spaltbildende Folie. Bei einigen Kernblechen ist die Erosion an den Spaltkanten recht gut zu erkennen.




   
Bild 4:
Details von Spur 1 am unteren Teil des Wiedergabesystems.
Auch hier ist bei einigen Kernblechen die Erosion an den Spaltkanten wieder recht gut zu erkennen.




   
Bild 5:
Die Spur 2 des Wiedergabekopfes in voller Spurbreite.




   
Bild 6:
Details von Spur 2 am unteren Teil des Wiedergabesystems.




   
Bild 7:
Die beiden Systeme des Aufnahmekopfes in der Übersicht





   
Bild 8:
die obere Spur 1 des Aufnahmekopfes
Für den Aufzeichnungsvorgang ist die gerade Ablaufkanten des Sprechspaltes von großer Bedeutung. Die Spaltbreite beeinflußt die die Durchmagnetisierung der Schicht des Bandes in der Tiefe.




   
Bild 9:
Die untere Spur 2 des Aufnahmekopfes
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#24
Hallo Manfred,

erstmal vielen Dank für deine Mühe und die tollen Fotos. Die Löcher im Material auf Bild 8 erinnern mich sehr stark an den von mir beschriebenen Fall mit dem Laser Amorphous Videokopf.

MfG, Tobias
Strom kann erst dann fliessen, wenn Spannung anliegt.
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#25
Hallo Manfred,

ich bin absolut beeindruckt von Deiner Arbeit! Herzlichen Dank dafür. Das sind atemberaubende Bilder. Nun kann man sehen, was man nicht mehr hört  Wink
Viele Grüße 
Manfred

"The warm sound of analog recordings is made of harmonic distortion and Tape hiss - I like it".
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#26
Hallo Tobias, hallo Manfred,

Vielen Dank für die Blumen.
Das habe ich gerne für Euch gemacht. Ich bin dabei ja aber auch etwas schlauer geworden.

Und dann habe ich auch gleich dazu schon eine Frage: welche Kopfsysteme sind für den linken Kanal genormt worden ?

Viele Grüße
Manfred
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#27
(05.08.2022, 18:44)Manfred_K. schrieb: Hallo Manfred,

ich bin absolut beeindruckt von Deiner Arbeit! Herzlichen Dank dafür. Das sind atemberaubende Bilder. Nun kann man sehen, was man nicht mehr hört  Wink

Wirklich schöne Fotos. Ich muss aber gestehen, dass ich deren Interpretation nicht verstehe.

Kann mir jemand die Deutung erklären?
Die schwarzen Schatten am Kopfbild mag ich mir noch als Vertiefung deuten, der Rest der Oberfläche sieht für mich eher intakt aus. Insbesondere der Bereich am Kopfspalt, der doch maßgeblich ist. Sind die Schatten im Bereich des Spaltes Erosion, also eine Abtragung durch das Band?

Vorab danke und Grüße

Thomas
Mein Motto "Zitat" »Opa Deldok«: »Früher war alles schlechter. !!!!
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#28
Danke Manfred für deine Arbeit,

Sehr interessant.

viele Grüße

Matthias
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#29
Hallo Manfred,

hier die Spurlagen bei einer Kassette:

   


@Thomas:

Für die Höhenwiedergabe ist die Spaltbreite maßgebend. Die Kernpakete, welche diesen Spalt (senkrecht, mittig) bilden, sind an den Kanten teilweise "angefressen" bzw. "ausgefranzt". Wird der Spalt zu groß, wird die Höhenwiedergabe schlechter.

Aber vielleicht kann der andere Manfred mehr dazu sagen. Ich bin auf diesem Gebiet ein Laie  Wink


Mich würde interessieren, ob der Versatz tatsächlich gewollt ist (wie Manfred angedeutet hat), oder ob es sich doch eventuell um einen Produktionsfehler handelt.
Viele Grüße 
Manfred

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#30
Danke für die Rückmeldung.

Die Sache hat mich etwas beschäftigt, so dass ich mir einen alten Kompakt-Kassetten NOS Vierkanaltonkopf und einen Knipskasten geschnappt habe.

In der Tat sieht man hier eher einen tadellosen Spalt wenn auch schon Korrosion durch die Lagerung erkennbar scheint.

   


   


Thomas

PS: mit der Optik von 1976 gehts noch näher

   
Mein Motto "Zitat" »Opa Deldok«: »Früher war alles schlechter. !!!!
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#31
Hallo Manfred,
vielen Dank für Dein Schaubild.
Das ist ja hochinteressant. Dann liegen hier die Spuren des ersten Durchlaufs oben.
Auf 1/4-Zoll-Band bezogen mit internationaler Schichtlage wäre das dann unten.  (Hi,hi)

Zum Versatz der Kernpakete:
Ich versuche hier, nur einige wenige Gedanken darzulegen:
Bei Mehrspurköpfen müssen die Spalte mit extremer Genauigkeit übereinander fluchten und senkrecht sehr gerade Kanten haben.
Die Spurbreite muß sehr genau übereinstimmen.
Wenn Blechpakete geschichtet werden, kann man das genaue Maß treffen, oder man hat Ausschuß.
Mit der Verschiebemethode kann man die Toleranzabweichungen mitteln und zwar für Spurbreite und Spurabstand, wenn man die Kernpakethälften etwas größer herstellt und dann gegeneinander verschiebt. (***)
14 geschichtete Bleche, die gegeneinander isoliert sein müssen und zusammen nicht dicker als 0,601 mm sein dürfen, immer völlig gleichmäßig herstellen zu wollen, hieße Wunder zu erwarten. Oder man muß auf genaues Maß schleifen. Dann verlieren die Bleche aber ihre hervorragenden magnetischen Eigenschaften.

Mit anderen Worten: Ein Produktionsfehler ist das auf keinen Fall.

Für eine Großserienfertigung geht das gar nicht anders.

Ich kann dazu noch anmerken, daß der Abgleich von Sprech- und Hörkopf auf Spurbreite, Spurhöhe und als krönender Abschluß auf Azimutübereinstimmung und das dann auch noch in einer Klebung zu sichern, nach meinem Kenntnisstand nur einem Hersteller weltweit gelungen ist. Diese Köpfe stimmen, oder sie stimmen nicht. (Wenn sie aber stimmen, dann ist ein verschobenes Abschirmblech noch nicht einmal ein Schönheitsfehler.) Da ist nachträglich nichts einzustellen. Und das ist auch wichtig wegen der Langzeitkonstanz. Es hat auch einstellbare Doppelköpfe gegeben. Die erreichten aber nicht die geforderte Präzision eines sehr renomierten Bandgeräteherstellers.

(***)
Die ersten zweispurigen AEG-Köpfe aus den 40ern des vorigen Jahrhunderts nach dem Schüller´schen-Patent aus dem Dunstkreis des Erfinders (noch originalverlackt) kennen diesen Kniff auch schon.

                                                                     



Und es gibt auch einen Spezialkopf für die Bezugsbandfertigung zu einem Preis jenseits aller Grenzen, der auch verschobene Kernpakete aufweist. Der kann auch, was er können soll mit den verschobenen Kernpaketen. Und was er kann, ist fast unglaublich. Aber das ist eine andere Geschichte.
Siehe hier im Forum:
https://tonbandforum.de/showthread.php?t...#pid304973
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#32
Was meinen denn die Experten? Kann man abschätzen, wie tief die Korrosion reingefressen ist? Wahrscheinlich nicht...

Eventuell könnte man durch Läppen noch was retten? 

Wenn ich mal viel Zeit habe, werde ich das versuchen. Aber das kann dauern. Der Kopf wandert jetzt erst mal in meine Asservatenkammer  Smile
Viele Grüße 
Manfred

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#33
Hallo Manfred,
leider hatte das verwendete Mikroskop wegen der ursprünglich geringen erreichbaren Vergrößerungen (bis 250 fach) keinen Feintrieb (mit Mikrometerskala) . Zwischenzeitlich ist sogar auch mal ein Objektiv mit 50 facher Vergrößerung hierfür hergestellt worden. Dann ergäbe sich eine 800 fache Vergrößerung. Damit wäre dann ein Feintrieb unerläßlich, weil man mit dem Grobtrieb den schärfsten Punkt dann nur per Zufall und mit vielen Versuchen ansteuern kann.

Mit einem Feintrieb und starker Vergrößerung könnte man die Spaltränder in der Höhe abfahren und die Verbreiterungen im µm-Bereich erfassen.

Mein stärkstes Objektiv für dieses Auflicht-Spezialmikroskop hat 25 fache Vergrößerung (Zeiss Planachromat 25x0,5) und damit komme ich nur auf 400 fache Gesamt-Vergrößerung.

Vom Gefühl her würde ich sagen, daß die Erosionstiefe im 1/100 mm-Bereich liegt (Größenordnung).


Das Läppen kann an dem Kopf ja nichts verderben. - Das größte Hindernis sehe ich in der festen Bandführung, die mit höchster Präzision zum Kopf ausgerichtet worden ist.

Nach dem Läppen kannst Du ja mit Pegel- und Frequenzgang-Messungen das Ergebnis Deiner Läpparbeiten sehr schön begutachten.  

Viele Grüße

Manfred
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#34
Danke, Manfred, für Deine Einschätzung. Ja, die Bandführung ist ein Hindernis, aber mit der entsprechenden Vorsicht kann man was machen. 

Im Prinzip hat man nicht zu verlieren...  Smile
Viele Grüße 
Manfred

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