DIY - Plattenwaschmaschine
#1
Hallo zusammen.

Da ich gerne in Second-Hand Geschäften und Flohmärkten nach alten Schallplatten stöber, kam mir die Frage nach einer Waschmaschine. Nach kurzer Suche im Netz kam ich auf die bekannte, und bezahlbare, Knosti und auch auf die , aus meiner Sicht unbezahlbaren, Maschinen ala Okki Nokki und Co.



Knosti fand ich jetzt nicht den Bringer und wegen einigen Berichten kam sie für mich auch nicht in Frage. Lange Rede kurzer Sinn, ich bau mir selber eine. Kann ja nicht sooo schwer sein.

In Anlehnung an die Funktionsweise einer Okki Nokki wurde der Bleistift gespitzt und ein paar Skizzen angefertigt.



Das Gehäuse:



Dafür hab ich mir im Baumarkt 5mm MDF-Platten zuschneiden lassen, die dann mit Hilfe einiger Rechteck- und Dreiecksleisten zu einem Gehäuse verklebt wurden. Die Gehäusegröße liegt bei 36x36 cm mit einer Höhe von 15 cm. Neben den sechs Platten für das äussere Gehäuse kam noch eine siebente als Fixierung des Antribes im Inneren dazu.



       



Da ich noch ein Dösken schwarzen Lack im Keller stehen hatte, wurde dieser auch als Gehäusefarbe auserkohren. Als nächstes hab ich alle Bohrungen und Ausschnitte für den geplanten Antrieb, sowie für die Absaugung geschnitten, so dass das Gehäuse lackiert werden konnte.



             





Der Antrieb:



Als alter Modellbauer hatte ich mir schonmal Antribe für Geschütztürme eines Modellbootes gebaut, dessen Grundkonzept ich hier einfach übernommen habe. Die Bauweis ist eigentlich recht simpel und mit normalen Mitteln herzustellen. Grundlage sind etwas Abwasserrohr (50mm), eine 5mm Plexiglassplatte (aus der Restekiste im Baumarkt), eine Gewindestange M3, einige Muttern und Unterlegscheiben, eine Messingschraube M6 + Flügelmutter, sowie einige verschiedene Messingrohre. Als Motor kam ein 6V Getriebemotor zum Einsatz.



Aus der Plexiglasscheibe habe ich via Bohrkrone einige passende Scheiben ausgeschnitten in die sowohl die Antriebswelle inkl. Kugellager, als auch ein zusätliches Vorgelege und der Motor platziert wird. Die Scheiben werden dann schlußendlich in das Abwasserrohr geschoben und fixiert. Da es natürlich keine Bohrkrone gibt, die 100%ig passgenaue Scheiben schneidet, müssen dies noch etwas beschliffen werden. Dafür hab ich die Scheiben einfach zusammen geschraube, in eine Bohrmaschine eingespannt und an Sandpapier ablaufen lassen.



                 





Die Absaugung Teil 1:



Hier hab ich eine Weile überlegt, wie sich das am besten machen lässt. Als Materiallieferant dient auch hier der örtliche Baumarkt. Elektroschutzrohr inkl. Clipse (16 & 20mm), Schlauchanschluß für 32mm HT-Rohr, einige Stücke Schlauch aus dem Poolbereich ( 20mm und 32mm).



       





Hier ist auch schon der fertige Antrieb zu sehen.



Die Bögen im Schutzrohr sind einfach hergestellt, einfach im 45° Winkel durchschneiden und entsprechen wieder zusammen kleben. Im Gehäuse der Waschmaschine habe ich 20mm Schutzrohr genommen, so dass der Anschluß nach aussen mit dem entsprechenden Schlauch hergestellt werden kann.



Plattenauflage:



Dafür musste ich eine Weile suchen und bin in einem großen Online-Auktionshaus auf die passenden Bauteile gestoßen. Zwie PVC-Scheiben 10mm dick und 100mm im Durchmesser. Für den Normalsterblichen wird es jetzt allerdings etwas tricky, da man recht genau und lotrecht die Mittenbohrungen passend zur Anrtriebswelle herstellen muss. Dazu kommt noch die Nut für den Mitnehmer. Der besteht aus einem 2mm starken Messingdraht, der durch die Antriebswelle gesteckt wird. Auch die Antriebswelle muss dafür entsprechend sauber und gerade gebohrt werden.

Leider habe ich nicht von allen Teilen und Arbeitsschritten Bilder gemacht. Man mag mir das verzeihen.



               



Glücklicherweise habe ich Zugriff auf eine Drehbank und konnte mir so die Mittenbohrungen ohne weiteres sauber bohren. Ausserdem habe ich die Scheiben einseitig hinterschnitten, so dass die Platte nur auf einem 5mm breiten Rand aufliegt. Diesen habe ich dann noch mit dünnem Gummi beklebt.



Absaugung Teil 2:



Nun kommt der Teil nach Try and Error-Prinzip. Die eigentlich Absaugung von der Platte. Mein erster Gedanke war eine Plattenbürste mit Carbonfasern zu nehmen, diese anzupassen und mittels dem 16mm Schutzrohr an die Waschmaschine anzuschließen. Also hab ich zunächst zwischen den beiden Bürstenreihen einige kleine Löcher als Absaugung bebohrt. So weit, so gut. Nun kam noch seitlich die Bohrung für den Anschluss. Nicht so gut. Das Egebniss sah dann so aus.



       



Gaaanz viele Carbonfasern, nur einzeln.

Also musste ein neues Konzept her. Daher habe ich mir aus dem 16mm Schutzrohr ein passenden Winkel gebaut in dem ich mir (meinem China-Kreuztisch sei dank) der Länge nach Löcher gebohrt habe und paralell dazu eine Nute gefräst um in diese etwas zum Abstreifen der Reinigungsflüssigkeit zu stecken. Mein erster Versuch mit etwas weißem Filz fintionierte schonmal nicht schlecht und wie am Filz später zu sehen war auch mit Erfolg. Allerdings dauerte mir der Absaugvorgang einfach viel zu lange, so dass ich noch ein paar weitere Versuche mit anderen Materialien, sowie eine Kombination aus mehreren unternahm.



       



Aber darüber später mehr.

Fortsetzung folgt.
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#2
Hallo Scouter,
Glückwunsch zur Idee der Eigenbaumaschine!
Diesen Beitrag werde ich zu meinen Favoriten hinzufügen.
Tolle Idee und super Umsetzung!

Gruß, Jan
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#3
Taugen die kommerziellen Geräte der 500€-Klasse (Okki, ProJect, Watson, usw.) nichts?
Oder die chin. Ultraschall-Blechdosen?
VG Jürgen
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#4
Danke schonmal für dein Lob, aber weiter im Text:



Wie schon geschrieben, war die Sache mit dem Filz zwar durchaus Erfolgreich, was die Reinigung betraff, dauerte aber eben viel zu lange bis die Scheibe einigermaßen trocken war.

Daher habe ich nach gleichem Konzept den Absaugarm mit Moosgummi bestückt. Funktionierte aber gar nicht, da der Motor durch die hohe Reibung an seine Grenzen stieß.

Also nochmal die Bastellkisten nach geeigneten Materialien durchsucht. Dabei stieß ich auf ein Rest 0,5mm dicke Gummimatte aus Neopren, die ich mal für ein Hoovercraft Modell gekauft habe.

Kurze Hand einen zweiten Absaugarm gebaut die Löcher von 2,5 auf 1mm, sowie den Abstand verkleinrt und eine schmallere Nut für die Gummimatte eingefräst. Die Gummimatte wurde dann mit etwas Sekundenkleber am Ansaugarm fixiert und fertig war eine recht gut gelungene Abstreiflippe. Also das Ganze mal an einer alten, nicht mehr zu rettende Schallplatte ausprobiert. Ok, schonmal nicht schlecht. Allerdings ist der Abstand vom Absaugarm zur Platte zu groß, als dass mein Staubsauger es schaft die Reinigungsflüssigkeit abzusaugen. Daher hab ich noch eine zweite Nut eingefräst und diese wiederum mit Filz bestückt.



           



Diese Variante gefällt mir vom Ergebnis her bisher am besten.



Die Steuerung:



Am Anfang habe ich es mir recht einfach gemacht. 12V Steckernetzteil + Step-Down-Modul = Fertig. Bei genauer Betrachtung fand ich es aber zu Umständlich, jedesmal das Gehäuse aufzuschrauben, um evtl. die Geschwindigkeit, oder Drehrichtung zu ändern. Daher habe ich mich an den Rechner gesetzt und eine kleine Steuereinheit zu entwerfen, nichts dramatisches. PWM geregelte Drehzahleinstellung, Drehrichtungsänderung, ein paar Status-LED's und natürlich einen Ein- und Ausschalter.

Aus dem Schaltplan hab ich noch das Platinenlayout entworfen, die Platine geätzt und gebohrt, sowie mit allen nötigen Bauteilen bestückt.



                   



Als Microcontroller habe ich einen ATTiny 85 genommen, das Programm ist dank Open-Source-Software schnell geschrieben und der Kontroller geflasht.


Das Reinigungsfluid:

Darüber gibt es ja einiges im Netz zu lesen und auch fertige Produkte zu kaufen. Ich benutze, wie vermutlich die meisten, eine Mischung aus Isopropanol und destilierten Wasser im Mischungsverhältnis 1:1. Allerdings scheue ich mich davor dem ganzen noch Spülmittel zu zu geben.


Das Ergebnis:



Ich habe gestern rd. 15 Schallplatten gewaschen und das Ergebnis ist für meine Ansprüche mehr als zufriedenstellend. Ich weiß nicht, ob man den Unterschied auf den Bildern gut erkennen kann. Die Platte von Jean-Michelle Jarre war dabei die schmutzigste. An dem gebrauchten Filz ist der Unterschied deutlich zu sehen. Ob der Schmutz nun restlos oder nur zum größten Teil entfernt wird ist mir, jedenfalls im Momment, egal. Die Scheiben sind jedenfalls deutlich sauberer als vorher, somit tut die Waschmaschine was sie soll.



           

Vor dem Waschen



       

Nach dem Waschen



   

Absaugvorgang



   

Der erste Filz nach vier Platten vom Flohmarkt


PS.: Was ich noch vergessen habe zu erwähnen. Als Absaugung benutze ich meinen normalen Hausstaubsauger neben einem leeren 10l Kanister als Catch-Tank. Von der Waschmaschine aus nehme ich einen 32mm Schlauch, der über eine zweite Bohrung etwa 20cm weit in den Kanister ragt. In die eigentliche Kanisteröffnung passt wunderbar das Griffstück meines Staubsaugers. Das der Staubsauger den Kanister nicht komplett zusammen zieht habe ich einige 10mm Löcher in den Kanistr gebohrt. So bekommt der Staubsauger auch noch ausreichend Luft, das er nicht überhitzt.
Nach der Wascharie gestern viel mir allerdings auf, dass der 10l Kanister dann doch arg übertrieben ist. Da werde ich mir noch etwas anderes einfallen lassen und hier natürlich niederschreiben.

Bis die Tage.
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#5
Ich weiß nicht, ob die besagten Geräte etwas taugen oder nicht, JUM. Allerdings sehe ich nicht ein dafür 500,-€+ auszugeben, um damit vielleicht 20 oder 30 Platten im Jahr zu waschen
Ich gebe ja zu, dass ich auf Grund meiner Hobby's schon einiges an Material und Werkzeug mein eigen nennen darf und daher mit meinem finanziellen Einsatz unter 50,-€ geblieben bin.
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#6
Nachtrag:

Nach dem der kleine Getriebemotor nach der ca. 30. Schallplatten nun langsam anfängt das Lied vom Tod zu singen, muss ich mich um adequaten Ersatz umsehen. Wobei der Motor selber das geringste Problem ist. Es scheint eher, dass das angeflanschte Getriebe die Belastung auf Dauer nicht aushält. Problematisch ist leider der zur Verfügung stehende Platz für den Motor in der "Antriebseinheit".
Über entsprechende Korrekturen werde ich berichten. Natürlich bebildert.
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#7
Wow, Scouter, ein tolles Projekt!!! Ich will auch so ein Plattenwaschding Smile 

LG
Mike
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#8
Danke schon mal dafür.
Ich habe mir jetzt einige verschiedene Motoren bestellt, die rein mechanisch passen. Glücklicherweise bin ich durch die Drehzahlsteuerung etwas flexibeler, was die Motoren angeht. Mal gucken, wie es mit der Haltbarkeit aussieht. Ein paar Platten müssen noch durch die Waschanlage.

Wenn sie zu meiner Zufriedenheit läuft, stelle ich gerne meine Skizzen und technischen Unterlagen zur Verfügung, falls Interesse besteht.

PS.: Was den Catch-Tank betrifft werde ich erstmal versuchen aus Formteile für Abwasserrohr etwas zusammen zu stecken. Diesbezüglich werde ich nächste Woche mich im heimischen Baumarkt umsehen.
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#9
Hallo Scouter,

ich würde die Waschlösung etwas schwächer ansetzten und nur ein drittel reinen Alkohol verwenden, die restlichen 2/3 destilliertes Wasser.
Ich mische mein "Waschmittel" ebenfalls selbst. Ich benutze Netzmittel anstatt Spüli.
Tetenal Mirasol 2000 oder Compard WAC (Wetting Agent - Agfa Agepon). Das sind Netztmittel für das Fotolabor.

Meine Mischung verwende ich zum Nassabspielen und zum Plattenputzen mit der Okki Nokki.

LG Oliver
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#10
Hallo Scooter,
das was Olivinyl da vorschlägt ist eigentlich der Klassiker fùrs Heimgebraute. Das verwende ich auch seit Jahren. Mit einem mit der Lösung schwach getränkten Lappen kann man auch mal ganz vorsichtig über das Cover wischen, das dann Dank des Mirasols wieder schön glänzt.

Tolles Projekt

Arno
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#11
Ok, dann werde ich den Alkoholgehalt entsprechend anpassen. Das mit den Netzmitteln aus der Fototechnik ist eine gute Alternative zum Spüli. Werde mir mal ein Fläschchen besorgen.
Wieviel machst du davon in die Waschlösung?
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#12
Hallo zusammen,

auf einen halben Liter gebrauchsfertige Reinigungsflüssigkeit mache ich 2-3 ml Tetenal Mirasol. 
Sollte auf einer extrem siffigen Platte der Wasserfilm "reißen" und sich nicht richtig verteilen, so mache ich noch einen Tropfen extra auf die Schallplatte.

LG Oliver
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#13
Danke für die Info. Ich gehe mal davon aus, dass das Mischungsverhältnis bei Zugabe von Compard WAC die gleiche ist.
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