Warum gibt es keine Musik Stars mehr?
#1
Schon etwas älter der Artikel. Trifft sich aber auch mit meiner Wahrnehmung. Scheint nicht mehr genug Menschen zu geben die einen neuen John Lennon oder Bob Dylan aus der Taufe heben möchten? Oder sind die jungen nicht mehr gut genug? Was ich allerdings bezweifle.

https://www.beat.de/news/freien-fall-mus...72803.html

Gehören wir also einer aussterbenden Spezies an?

VG  Martin
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#2
Gegenfrage: Was machst für Dich einen Musikstar aus? Oder konkreter: Warum ist ein aktueller Künstler wie z.B. Ed Sheeran mit angeblich 269,1 Millionen verkauften Tonträgern (Quelle) kein solcher?
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#3
Stars gibt es weiterhin ohne Ende, die Musikrichtungen sind nur andere als damals.
Schöne Grüße
Alexander

Haupt-Bandmaschinen: Teac A3300-2T (Halbspur, 38 cm/s), Uher Variocord 263 (Viertelspur)
Unterwegs: Uher Report 4200
VHS HiFi: Panasonic NV-F75
SVHS HiFi: Panasonic NV-FS90
Kassette: Onkyo TA-2870
Oldtimer für besondere Anlässe: Grundig TK 8, Revox Modell 36 (A36), Revox F36, bald: Revox T26
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#4
Der fiel mir gar nicht ein. Das wird das Problem sein. Du meinst also es ist alles in Butter? Kein Grund zu Sorge? Es gibt genug Stars nur wir kennen sie nicht mehr? Könnte natürlich möglich sein, obwohl ich nachwievor sehr viel Musik höre, aktuelle Neuveröffentlichungen aller möglichen Genres verfolge. Der Liebeswimmernde Sheeran fiel mir tatsächlich erst ein als ich ihn bei dir gelesen habe. Da fehlt mir wahrscheinlich tatsächlich die Chromosomenlage dafür.
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#5
(14.07.2021, 15:38)leserpost schrieb: Der fiel mir gar nicht ein. Das wird das Problem sein. Du meinst also es ist alles in Butter? Kein Grund zu Sorge?

Ich mache mir gemeinhin sowieso um andere Dinge Sorgen, als um mangelnden Nachwuchs in der Musikwelt. Smile Ich verfolge das aktuelle Musikgeschehen seit 20 Jahren sowieso mangels Zeit und Interesse nur noch sporadisch.

Zitat:Es gibt genug Stars nur wir kennen sie nicht mehr?

Jein. Nicht "nicht kennen", sondern "nicht als Star wahrnehmen". Eben so, wie Du es bei Sheeran beschrieben hast. Er ist halt nicht der, der uns alten Säcken ('tschuldigung) beim Stichwort "Star" einfällt.

Für meinen Teil kann ich sagen, daß ich mit Ende 40 einfach nicht mehr so im Thema drinstecke. Ich kenne aktuell angesagte Künstler teilweise noch, aber sie interessieren mich nicht mehr so wie früher. Das liegt überwiegend an mir, meinen Lebensumständen und meinem Umfeld, nicht so sehr an der Musik. Ich bin mit meinen Hörgewohnheiten irgendwie in den 1970ern bis frühen 2000ern steckengeblieben. Subjektiv neige ich auch etwas zu dem Eindruck, daß es keine Stars wie "damals" mehr gibt, aber objektiv lässt er sich zumindest in der pauschalen Form leicht widerlegen.

Wobei es natürlich so ist, daß Popmusik (vor allem bei jüngeren Menschen) in der Kultur nicht mehr ganz den Stellenwert hat, den sie vor 30 oder mehr Jahren noch hatte. Es gibt halt zu viel anderes.

Zitat:Der Liebeswimmernde Sheeran fiel mir tatsächlich erst ein als ich ihn bei dir gelesen habe. Da fehlt mir wahrscheinlich tatsächlich die Chromosomenlage dafür.

Dabei war er jetzt nur der, der mir als erstes einfiel. Es gibt sicher noch mehr. Rihanna, Justin Bieber, und natürlich die ganzen Hip-Hop-Stars, von denen ich gar keine Ahnung habe.
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#6
Die Zeichen der Zeit...
In meiner Kindheit gab es 3 Fernsehprogramme, Start nachmittags, Sendeschluß vor Mitternacht.
Da gab es viiiiiel Zeit, draußen zu spielen, Musik mit Freunden zu hören oder Radio...

Heute kommt man als Serien- oder Spiele -Fan doch gar nicht mehr dazu, Musik zu hören. Höchstens nebenbei bei der Arbeit oder im Auto oder der Bahn.
Die Frage nach Stars wurde ja bereits beantwortet. Es gibt sie noch (die alten), es gibt ständig neue, und es gab und gibt viele One Hit wonder...
Eigentlich alles wie immer Wink , lediglich ist das öffentliche Interesse nicht mehr nur Kino, Theater und Musik, sondern es ist einiges hinzugekommen.


LG
Mike
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#7
Naja, gemeinhin werden die 60er ja immer als Jahre der Auflehnung und Veränderung beschrieben. Ich bin mir nicht sicher ob das stimmt. Zumindest waren damals nicht annähernd solche Probleme wie CO2 neutrale Gesellschaft, Elektofahrzeuge, Kohleausstieg und nicht zuletzt die Digitalisierung zu lösen. Wann jemals hatte Dylans Hymne "The Times they are changin" eine solche Berechtigung wie heute?

Stars und deren Fans benötigen ja schließlich auch immer eine gesellschaftliche Möglichkeit zum Müßiggang. Es muss was übrig bleiben damit einer seine Zeit an der Klampfe verbringen kann. Viele der Musiker stammten aus besten Elternhäusern - siehe z.B. der früh verstorbene Keith Richards Buddy Gram Parsons oder Mick Jagger und Brian Jones - damals. Die Beatles waren wohl eher die Ausnahme. Je mehr die Härte des Lebens zuschlägt desto weniger Zeit bleibt möglicherweise für diesen "Firlefanz". So ähnlich beschreibt es ja der Autor. Könnte finde ich was dran sein.

Natürlich Sheeran. Millionen feuchte Muschis kann man nicht weg diskutieren. Aber bei Lennon waren es nicht nur feuchte Muschis....

VG  Martin
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#8
Lol, sorry Martin, aber feuchte M.... bei dem Pumuckl sind eher selten, da gibt s viel attraktivere Interpreten.
LG
Mike
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#9
(14.07.2021, 16:22)timo schrieb: Wobei es natürlich so ist, daß Popmusik (vor allem bei jüngeren Menschen) in der Kultur nicht mehr ganz den Stellenwert hat, den sie vor 30 oder mehr Jahren noch hatte. Es gibt halt zu viel anderes.

Oh, da lebe ich aber mit dem Gegenteil in einem Haushalt. Gut, meine Tochter ist was das angeht im heutigen Umfeld vielleicht auch nicht der Durchschnitt, einen zahlenmäßig relevanten Nachwuchs bei den Musikfans und Plattensammlern gibt es aber durchaus. Und die kaufen nicht nur ihre Stars (die inzwischen alle Vinyl rausbringen, teils gar Kassetten), sondern stellen sich durchaus auch Klassiker dazu.

Dazu eine kleine Anekdote: Wir waren in Amsterdam in dem schlimmen Plattenladen Concerto, der uns regelmäßig ruiniert (da gibt es wirklich für jeden was und vor allem viel davon). Wir brauchten zum Abtransport natürlich Stofftragetaschen (sind ja auch schöne Souvenirs), sie hatten diesmal welche mit Motiven von den Stones und den Arctic Monkeys. Töchterchen wie aus der Pistole geschossen: „I want Arctic Monkeys“*. Der Verkäufer meinte dann grinsend, für den Vater dann die Stones. Gut, ich mag die Beatles lieber und bin ja nun auch noch nicht soo alt, aber das sagt doch alles. Big Grin

Viele Grüße
Nils

*wobei anzumerken ist, daß selbst deren Debüt in dem Jahr rauskam, als sie geboren wurde
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#10
(14.07.2021, 15:36)eudatux23 schrieb: Stars gibt es weiterhin ohne Ende, die Musikrichtungen sind nur andere als damals.

ja, aber nur richtung abwärts.
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#11
Das würde ich so nicht unterschreiben. Vor nicht ganz 2 Jahren schenkten wir unserer Tochter (damals 14) Konzertkarten für ihre absolute Lieblingssängerin Ariana Grande. Das Konzert war in Hamburg, also fuhren wir natürlich alle gemeinsam hin. Die Musikrichtung ist sowas wie RNB (würde ich mal sagen), also durchaus nicht mein Geschmack. Aber natürlich waren wir alle beim Konzert.
Tja, auch wenn man kein Fan dieser Musik ist, so muss man doch eingestehen, daß Ariana musikalisch schwer etwas auf dem Kasten hat, was natürlich an Ihrem Stimmumfang (4 Oktaven !) liegt. Also, es gibt durchaus auch heute talentierte Musiker, welche eben die heutigen Teenis begeistern. Wir merken das nur nicht mehr, da es nicht unsere Musik ist.
Wenn ihr ehrlich seid, dann war das zu unserer Jugendzeit mit unseren Eltern nicht anders...

Grüße, Rainer
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#12
(15.07.2021, 08:24)GDR 22 schrieb: Also, es gibt durchaus auch heute talentierte Musiker, welche eben die heutigen Teenis begeistern. Wir merken das nur nicht mehr, da es nicht unsere Musik ist.
Wenn ihr ehrlich seid, dann war das zu unserer Jugendzeit mit unseren Eltern nicht anders...

Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Als ich zu Konzerten von Pink FLoyd, U2, den Levellers (kennt die noch jemand?), Runrig und etlichen eher regionalen Künstlern gegangen bin, fragten meine Eltern auch: Was, wie heißt die Kapelle? Und erzählten mir was von Elvis, Papa Bue, Buddy Holly und vielleicht noch den Beatles, und als Randerscheinung, als man wegen uns kleiner Kinder schon keine Zeit mehr für neue Musik hatte, kam dann noch ABBA vor. Etwas Respekt gab es dann doch, als ich erzählte, daß da auch ein gewisser B.B. King auf die Bühne kam.

Über jüngere Leute in der Umgebung und übers Radio bekommt man dann auch mit, wer heute so die Großen sind, mit denen ich mal weniger anfangen kann (Billie Eilish, Ed Sheeran, Dua Lipa), mal so lala (The Weekend, Lorde) und mal mehr (Lana Del Rey, Harry Styles, Adèle, Arlo Parks, und sogar die gerade genannte Ariana hat mich gestern mit einem netten Song im Radio überrascht).

Zwei Schwedinnen, die in den letzten Jahren immer besser werden: Zara Larsson, Veronica Maggio. Die begeistern hier gerade generationsübergreifend. Sind die bei Euch schon bekannt? Zara Larsson, gerade mal Anfang 20, hat neulich ein Konzert mit dem Radiosymphonieorchester eingespielt. Das habe ich zufällig bei der Heimfahrt von der Arbeit aufgeschnappt und mußte dann im Auto sitzen bleiben, bis es fertig war, obwohl ich längst angekommen war, so gut war das.

Viele Grüße,
Martin
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#13
Rainer, wir waren auf demselben Konzert! Meine Tochter ist auch Riesenfan - und ja, es steckt Qualität dahinter.

Martin, Du bist ja auch ganz gut auf dem Stand. Es ist in der Tat auch bei den neuen Sachen Gutes und Interessantes dabei, ich habe dafür ja meine persönliche Kuratorin. Dua Lipa macht aber dufte Discomucke, finde ich. Auch die Solowerke der Ex-One-Direction-Mitglieder Harry Styles und Louis Tomlinson (ersterer eher groovig, letzterer eher britpoppig unterwegs) kann ich richtig gut hören, das ist einfach gute Popmusik, so viel besser als der nervige Sheeran.

Und Mist gab es, wenn wir ehrlich sind, früher auch, der ist aber vergessen. Klar, das, was die Zeiten überdauert hat, erweckt den Eindruck, früher hätte es nur die Beates, Stones, Dylan und Co. gegeben. Das ist aber nicht der Fall (man schaue sich nur alte deutsche Charts an).

Und die Zeit rast wirklich: Heute ist meine Jugend (späte 80er/ frühe 90er) länger her als die Beatles-Zeit zu meiner Jugend. Die heutige Jugend wurde erst in den 2000ern geboren. Denkt man näher drüber nach, fühlt man sich alt.

Und es auch nicht so, daß die Kids sich nicht für Musikgeschichte interessieren würden: Die Künstler von heute haben wie die zu meiner Zeit auch, ebenfalls ihre Vorbilder und Einflüsse und reden auch darüber. Und die sind dank Spotify nur einen Klick entfernt, da hatten wir es seinerzeit weitaus schwerer, solche Künstler von früher für unsere Generation neu zu entdecken. Der Informationsfluß zu Musik läuft komplett über Social Media, geradezu in Echtzeit, Fans kommunizieren weltweit miteinander.

Viele Grüße
Nils
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#14
(14.07.2021, 17:50)leserpost schrieb: Naja, gemeinhin werden die 60er ja immer als Jahre der Auflehnung und Veränderung beschrieben. Ich bin mir nicht sicher ob das stimmt. Zumindest waren damals nicht annähernd solche Probleme wie CO2 neutrale Gesellschaft, Elektofahrzeuge, Kohleausstieg und nicht zuletzt die Digitalisierung zu lösen. Wann jemals hatte Dylans Hymne "The Times they are changin" eine solche Berechtigung wie heute?

Stars und deren Fans benötigen ja schließlich auch immer eine gesellschaftliche Möglichkeit zum Müßiggang. Es muss was übrig bleiben damit einer seine Zeit an der Klampfe verbringen kann. Viele der Musiker stammten aus besten Elternhäusern - siehe z.B. der früh verstorbene Keith Richards Buddy Gram Parsons oder Mick Jagger und Brian Jones - damals. Die Beatles waren wohl eher die Ausnahme. Je mehr die Härte des Lebens zuschlägt desto weniger Zeit bleibt möglicherweise für diesen "Firlefanz". So ähnlich beschreibt es ja der Autor. Könnte finde ich was dran sein.

Natürlich Sheeran. Millionen feuchte Muschis kann man nicht weg diskutieren. Aber bei Lennon waren es nicht nur feuchte Muschis....

VG  Martin

hi Martin,

ich glaube, in dem, was Du da schreibst, liegt ein großer Irrtum, auch wenn das niemand merkt.

Die Veränderung in den späten sechzigern war geistiger Art, die Veränderung von heute ist eher eine praktische Reaktion auf neue technische Möglichkeiten und äußere Anforderungen, der Geist, der hinter allem steckt, hat sich aber seit den sechzigern kaum verändert. Eigentlich leben wir heute in einer Zeit, wo sich die meisten Utopien der 68iger wenigstens teilweise erfüllt haben, merken immer mehr, dass die auch nicht der Weisheit letzter Schluss sind, haben aber a) keine Lust, unseren Status Quo aufzugeben, und b) haben wir auch keine so richtige Idee, wie die Zukunft aussehen könnte.

Es bleiben immer Zeiten als besonders positiv in Erinnerung, wo es einen "Masterplan" gibt, eine Utopie, die eine breite Mehrheit hat. Nach dem Krieg waren alle Menschen von dem Wunsch getrieben, ihr Land wieder schön oder wenigstens benutzbar zu machen, und ab den späten sechzigern wurde für mehr gesellschaftliche Freiheit gekämpft. Heute haben wir eigentlich ein Schlaraffenland, merken aber a) wie schnell Schokolade nicht mehr schmeckt, wenn man jeden Tag Schokolade isst, und b) merken wir, dass wir den Preis für unser Schlaraffenland nicht dauerhaft werden bezahlen können.

Im Moment sieht die Mehrheit der Menschheit die Zukunft als Abstieg, und krallt sich am erreichten Status Quo fest. Und dazu gehört eben auch die Musik. Aktuelle Musik wird auch deshalb oft als so langweilig wahrgenommen, weil sie sich ja immer an alten Musikstilen orientiert - der letzte wirklich neue Musikstil war der Hip Hop, und das ist jetzt auch schon über 40 Jahre her. Fast immer sind neue Musikstile durch gesellschaftliche Veränderungen entstanden - und genau die fehlt uns jetzt seit Jahrzehnten.

Meine persönliche Prognose ist, dass sich genau dann was grundlegendes neues auftun wird, wenn die Menschen die Ursache für alle Probleme endlich wahrnehmen, von denen sie heute geplagt werden, und vor allem, wenn sich daraus grundlegend neue Gesellschaftsmodelle entwickeln. Wir sind heute weltweit von einem System wirtschaftlich abhängig, das der Logik einer Krebszelle folgt. Das, was heute passiert, ist kein wirklicher Fortschritt, sondern eher der Versuch, die Symptome der Krebszelle mit Schmerztabletten wie der E-Mobilität zu bekämpfen. Das E-Auto ist eigentlich eine wunderschöne Parallele zu moderner Popmusik - auf den ersten Blick innovativ, bei genauerem Hinsehen aber auch nur wieder ein Auto, wie wir es schon seit 100 Jahren kennen.

Gruß Frank
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#15
Dazu paßt vielleicht auch, daß es heute in der Musik keine strengen Genre-Grenzen mehr gibt, wie es in meiner Jugend der Fall war. Da gehörte jeder Musikstil zu irgendeiner Bewegung. Heute gibt es das in dem Maße nicht mehr, alles bezieht sich auf alles und alles darf miteinander gemischt werden. Und die Musik-Ikonen von früher, die für Veränderung standen, sind heute bei H&M auf T-Shirts gedruckt.

Viele Grüße
Nils
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#16
meine Frau sagt immer "Rokoko" zu dem, was heute abgeht. Die Dinge aus der Vergangenheit werden in immer kürzeren Abständen wiederholt und immer mehr ins Groteske verzerrt, bis sie sich irgendwann in einer völlig neuen Realität in Wohlgefallen auflösen werden.

Und trotzdem liebe ich die heutige Zeit mit allen ihren Möglichkeiten, und koste sie aus, so lange es geht.

Gruß Frank
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#17
(15.07.2021, 10:47)tk141 schrieb: Und Mist gab es, wenn wir ehrlich sind, früher auch, der ist aber vergessen

Im Sommer des Jahres 2002 war ich im damaligen Chevy's in Cala Ratjada auf Mallorca.
Der DJ spielte in regelmäßigen Abständen den Ketchup Song (Aserejé) von Las Ketchup,
als ein etwa gleichaltriger Knabe sich zu mir drehte und meinte "So einen Mist gab es zu unserer Zeit nicht".

Ich frischte sein Gedächtnis auf, in dem ich ihn an den Sommer 1975 mit "Paloma Blanca"
der "George Baker Selection" erinnerte....
Gruß
Michael
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#18
Ich erinnere mich an beide, schlimm. Die waren so penetrant in Rotation, daß sie sich dann doch ins Gedächtnis eingebrannt haben.

Viele Grüße
Nils
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#19
Es ist halt immer die Frage ob man Musik als Unterhaltung oder als stimmliche oder instrumentalische Höchstleistung definiert. Die Stones waren mit Ausnahme von Brian Jones als Slidegitarrist in der Anfangszeit niemals überragende Intrumentalisten. Bob Dylan konnte weder singen noch vernüftig Gitarre spielen. Die Beatles waren interessierte Hobby Musiker die sich entwickelt haben. Und wie schon angemerkt gab es damals noch ganz ganz viele andere die sicherlich auch nicht schlechter waren aber nicht so bekannt wurden.

George Baker, Daniel Boone, Les Humphries, Baccara oder Pussycat gehörten in den 70ern ebenfalls dazu. Niemand - zumindest ich nicht - hat sein Tape bei Schlager der Woche abgeschalten wegen dieser Songs. Natürlich hat man ansonsten Rockplatten gehabt und vorgezeigt. War aber auch ein wenig verlogen weil man ansonsten die Gassenhauer natürlich auch gehört hat.

Aber es kommt ein wenig von dem Thema des Artikels ab, ob die gesellschaftliche Bedeutung der populären Musik in der heutigen Zeit abhanden gekommen ist. Ein Star wurde auch früher nicht zwangsläufig durch irgendwelche besonderen musikalischen Fähigkeiten - auch wenn diese nicht ausgeschlossen waren, siehe Jimi Hendrix - geboren, sondern durch eine fanatische treue Fanbasis die ihm - aus welchen Gründen auch immer - diese gesellschaftliche Relevanz erst verliehen hat.

Natürlich gibt es auch heute gute Musiker. Vielleicht hinsichtlich der Fähigkeiten sogar oftmals bessere als früher. Kennt halt keiner. Auch gibt es heute sicherlich viele Genreskönige aber eben keine übergreifend gesellschaftlich relevanten und vor allem bekannten Persönlichkeiten mehr.

Heutzutage ein musikalisch überragendes Album zu machen bedeutet für den Interpreten das er es für sich macht. Einen Jimi Hendrix würde heute keiner mehr jucken. Besser ist es heute allemal eine bestimmte Zielgruppe zu bedienen. Wenn die gern BummBumm hören macht man halt BummBumm. Für die TraLala's macht man TraLala und fertig. Helene Fischer (u.a.!) lässt grüßen.

Was Corona betrifft haben sich z.B. nur die alten Recken - Van Morrison und Eric Clapton - getraut etwas kritisches in Ihre Songs einzubauen. Alle anderen kuschen und versuchen ja auch selber nur nicht aufzufallen und irgendwo anzuecken. Vielleicht liegts auch daran das sich niemand mehr traut sich mal hinzustellen und gegen den Wind zu surfen.

VG  Martin
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#20
(16.07.2021, 08:29)leserpost schrieb: Es ist halt immer die Frage ob man Musik als Unterhaltung oder als stimmliche oder instrumentalische Höchstleistung definiert.

Ich habe gerade das Delta-Experiment gemacht und war acht Tage in einem 4-Sterne Hotel auf Mallorca.
Am ganzen Haus waren JBL Control X Lautsprecher montiert, damit die Hintergrundbeschallung jeden Winkel
des Anwesens erreicht. Eine Unart, die ich bei einem Hotel dieser Kategorie bisher noch nicht kannte.

Es lief eine Playlist aus 2018 mit Ed Sheeran, Felix Jaehn, Katy Perry, Dynoro...
George Ezras meiner Meinung nach absolut unerträgliches "Shotgun" tauchte vorsichtshalber
mehrfach in dieser Liste auf, die über meinen gesamten einwöchigen Aufenthalt täglich von 08.00 Uhr
bis um 23.00 Uhr in einer Schleife lief. Im Foyer, an der Poolanlage, auf dem Balkon, im SPA-Bereich, im
Frühstücksraum, überall!

Ich halte mich zum Glück nie lange in Hotels auf und habe hier die Balkontüre stets geschlossen gehalten um
der Beschallung einigermaßen zu entgehen.

Egal mit welchen Leuten ich in dieser Woche in Kontakt kam, außer mir ist es niemandem aufgefallen.
Das spricht Bände hinsichtlich der Bedeutung von Musik.

Hauptsache irgendwas im Hintergrund....
Gruß
Michael
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#21
Easy Listening... Big Grin 

Ja, da kenn ich auch einige. Sogar welche die früher auch eine ansehnliche Rockplattensammlung hatten. Wurde mit Job, Familie und Kinder sauber in Kartons verpackt und in den Keller verbannt. Nie wieder hoch geholt...bis heute nicht! Wenn ich dann abundzu mal dort vorbei schaue dann sucht er verzweifelt eine CD...man kann doch...wo ist denn....Aahh da...eine drittklassige Bootleg CD von Gun's Roses wo du kaum was hörst was die da live spielen. Smile

Ich finde übrigens das teilweise in Supermärkten durchaus gute Musik im Hintergrund läuft. Kommt zwar immer drauf an wo. Bei uns in Franken im Marktkauf habe ich mich z.B. schon häufiger ertappt mal leise mit zu summen.

VG  Martin
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#22
(16.07.2021, 10:29)leserpost schrieb: Ich finde übrigens das teilweise in Supermärkten durchaus gute Musik im Hintergrund läuft. Kommt zwar immer drauf an wo. Bei uns in Franken im Marktkauf habe ich mich z.B. schon häufiger ertappt mal leise mit zu summen.

Die Musikberieselung ist für mich der Grund, auf Discounter auszuweichen, was ich früher nie gemacht habe.
Besonders in real,- Märkten, die es ja nun kaum noch gibt, bin ich von der Musik und der ständig eingespielten
Werbung regelmäßig aggressiv geworden.
Gruß
Michael
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#23
(16.07.2021, 12:53)Spitzenwitz schrieb: Die Musikberieselung ist für mich der Grund, auf Discounter auszuweichen, was ich früher nie gemacht habe.

Dann solltest Du aber Penny meiden, die berieseln seit ein paar Jahren auch. "Mein Einkauf, mein Radio, Penny live." Smile

Ich find's gar nicht so schlecht, hat schon fast was nostalgisches. Als ich zu meiner Kinderzeit mit meiner Mutter im örtlichen Rewe-Markt einkaufen gegangen bin, lief da auch immer Easy-Listening-Instrumental-Befüddelung, gelegentlich unterbrochen von der markanten Stimme des Chefs, der die aktuellen Sonderangebote verkündete.
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#24
(16.07.2021, 12:53)Spitzenwitz schrieb: .

Hatte ich bei uns im REAL nicht so störend wahrgenommen. Hier sind es dafür die Märkte der "Kaufland"- Kette, die einen mit Werbung und schlechter Musik förmlich bombardieren. Meine Taktik dagegen lautet "Speed- Einkaufen". Ich bin immer ruckzuck wieder raus... Big Grin Big Grin

Grüße, Rainer
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#25
Naja, vielleicht macht das in dem Marktkauf wo ich immer einkaufen gehe ja zufällig jemand der meinen Background hat. Wenn sie allerdings die Kunden aus den Läden damit hinaus treiben wärs ja wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem was sie erreichen wollen...Wohlfühlatmosphäre damit der Geldbeutel locker sitzt...
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#26
ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob die Betreiber von Supermärkten die Kunden wirklich zum Verweilen einladen wollen. Ich denke eher, dass es darum geht, die Kunden möglichst schnell durch den Laden zu treiben, um den Umlauf zu steigern. In Läden, wo ich den täglichen Bedarf einkaufe, kaufe ich ja sowieso, ob ich gehetzt werde, oder gemütlich einkaufen kann.

Besonders spürt man die Hetzerei an der Kasse - das, was da mittlerweile überall normal ist, hat was von rausdrängeln - man hat eigentlich alles abgeschafft, was es ermöglicht, den Einkauf in Ruhe und zerstörungsfrei in den Wagen zu packen. Ich denke, selbst wenn der einzelne Kunde etwas weniger kauft, ist es für den Ladenbesitzer von Vorteil, wenn er zur selben Zeit die doppelte Menge an Kunden durch den Laden jagt. Und die Musik passt halt dazu. Ich gehe mittlerweile wieder verstärkt bei Disountern wie Aldi einkaufen, wo es keine Musik gibt, und man ulkigerweise entspannter einkaufen kann als bei Rewe und Co. .

Aber ich denke, Gebrauchsmusik ist ein ganz eigenes Thema, ähnlich wie "Airplay"-Musik. In den hier diskutierten Artikel ging es ja mehr um Musik zum Zuhören.

Gruß Frank
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#27
OT On

Aldi hat im Fleischsortiment m.E. unheimlich zugelegt. Ramschladen kann man da heute nicht mehr dazu sagen. Da liegen die mittlerweile in der Spitzengruppe.

OT Off
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#28
(16.07.2021, 18:51)nick_riviera schrieb: ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob die Betreiber von Supermärkten die Kunden wirklich zum Verweilen einladen wollen. Ich denke eher, dass es darum geht, die Kunden möglichst schnell durch den Laden zu treiben, um den Umlauf zu steigern.

Nene, so denken die Betreiber von Supermärkten nicht (mehr). Es geht zwar nicht darum, Kunden zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen. aber darum. daß sie sich wohlfühlen und wiederkommen. Daß selbst kleinere Märkte inzwischen kostenloses WLAN anbieten und Aldi zeitweise über Kundentoiletten nachgedacht hat (keine Ahnung, was aus dem Plan geworden ist), hat schon seinen Grund.
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#29
Meiner Ansicht nach ist die Popmusik seit den späten 90ern komplett ausentwickelt. Es ändern sich nur noch Nuancen und setzen sich zu neuen (Sub)Genres zusammen, die früher gar keine getrennten Genres gewesen wären. Viele Dinge, die gar nicht neu sind, werden dann von Kritikern hoch gelobt, oder von ahnungslosen Jugendlichen gefeiert.

Klar gibt es noch gute Musik, wahrscheinlich mehr als je zuvor, aber das Langweilige daran ist, dass sie eben nicht mehr bahnbrechend und stilebnend für irgendwas ist. Es wird zwar nach wie vor so geredet, aber eigentlich ist es seit Jahren das Gleiche. Sowas wie die Beatles, Stones oder später auch die Stars der 80er, wie Nik Kershaw, Human League oder auch die Leute aus dem nationalen Bereich können sich zwar erfolgtechnisch wiederholen und auch vom Bekanntheitsgrad... aber vor einem Nik Kersahw und Yazoo gabs halt diese Art von Popmusik nicht, vor der NDW gab es nur Schlager und Deutsch Rock, aber keine eigene deutsche Identität in der Popmusik. Sowas ist nicht wiederholbar. Nur die Soundästhetik des Ganzen.

Und die ist im Allgemeinen meiner Meinung nach extrem schlechter, langweiliger und seichter geworden. An der Arbeit lief vor 2 Tagen wieder der FFH 2000er Stream. Ich kenne alle Songs, die dort laufen, kann aber nicht mehr sagen, aus welchem Jahr genau die sind, weil sich das Sounddesign und die technischen Weiterentwicklungen - die Art des Producing in dieser Zeit nicht mehr großartig verändert haben. In den 50er bis 80er Jahren war das anders und vor Allem in den 80ern war die technische Entwicklung auch was Digital Mastering und Effekte anging bahnbrechend schnell. Es kamen jedes Jahr unzählige neue Synthesizer und elektronische Instrumente so wie soundtechnisches Equipment heraus, das ein Sounddesign erschaffen konnte, das es vorher nicht gab.

Wenn heute eine neue Band Platten raus bringt, klingen die vom Sound her von Platte zu Platte exakt gleich, es sei denn sie probieren mal ein Anderes Genre. In Interviews und Berichten wird dann aber trotzdem immer über den bahnbrechend neuen Sound gesprochen, der seit Ewigkeiten die gleiche Seichtheit hat. Autotune tut sein Übriges. Wenn ich dann Songs aus den 80ern höre, die ich noch nicht kenne, überschlägt sich mein Herz, weil ich nicht fassen kann, wie toll diese Produktionen sind und was für eine Ästhetik die haben. Wenn ich dagegen dann neue Songs höre sind die halt so "naja.". Natürlich gibts auch Ausnahmen, aber die Masse an Songs, die ich pro Jahr neu entdecke und die wirklich in ein paar Jahren noch relevant für mich sind ist ERSCHRECKEND gering im Vergleich zu dem was ich regelmäßig aus den 50er bis 80er Jahren und teilweise noch aus den 90ern entdecke, was ich noch nicht kannte und was nachhaltig bleibt.

Das hat unterschiedliche Gründe: Es ist nicht nur das Sounddesign, sondern oft auch die überaffektierte Art zu singen, die ich bei vielen neuen Künstlern in jedem Genre feststelle, dann diese merkwürdige Eigenheit, dass Stimmen heute so komisch aufs Playback gelegt werden. Wenn man sich mal sowas anhört wie "If You Could read my mind" von Gordon Lightfoot ist man erst mal überrascht, wie hervorragend das nach 50 Jahren noch klingt, dann wie toll das arrangiert ist und wie dynamisch es auch ist, die Stimme liegt auf ganz wunderbare Art und Weise auf der Musik und verschwimmt mit den Instrumenten, man versteht aber jedes Wort und trotzdem singt der Sänger nicht so komisch künstlich, wie es heute Alle tun.

Beispiel aus den 80ern: Mr. Mister - Kyrie. Das ist so ein perfektes Sounddesign für einen mitreissenden Popsong und so in der Art klang ja damals Alles.

Heute wirkt es so, als seien Musik und Stimme getrennt und merkwürdig voneinander abgekapselt. Ich denke dann oft, der Künstler ist total steril von der Musik entfremdet, das Autotune macht die Stimme noch künstlicher, obwohl es völlig unnötig ist, weil der Künstler eigentlich sehr gut singen kann. Die Stimme hat ausser Autotune kein Echo, keine Effekte, es klingt einfach staubtrocken und öde, der Sound des Playbacks ist zuammengepresst und irgendwie wirkt es, als wäre das Playback leiser als der Gesang, was dem Song komplett die Tiefe nimmt.

Würde man Kyrie nun noch mal so neu produzieren (was es möglicherweise ja schon gibt - es gibt ja jede Menge andere Songs, bei denen das tatsächlich so ist), würde ich mir wie so oft denken "Eigentlich ein schönes Lied, aber doof produziert, scheiss Sound, scheiss Autotune und seit Jahren die gleiche kacke...".

Es gibt ja z.B. auch diese New Retro Wave, wo ich ganz selten mal was finde, was mir wirklich gefällt. Der Sound ist zwar von der Ästhetik her schön, aber die Songs an sich meist wie Fahrstuhl Musik, mittelmässig bis nichtssagend, kann ich nix mit anfangen. Wozu soll ich mir Songs anhören, die klingen wie 80er, aber schlechter sind, als die Songs von damals? Genau so gibt es alle anderen möglichen Genres, die auf Motown oder 70s Funk oder Rock abzielen und dann irgendwie nicht ganz so geil wie die Originale sind.

Dann kommt noch ein Neues Phänomen hinzu, was die Qualität - zumindest erfolgreicher Popmusik - zerstört. Die Aufmerksamkeitsspanne der Leute sinkt, deshalb werden Songs auch seit Jahren wieder kürzer und es gibt auch keine Extended Versionen mehr. Früher hat man sich gefreut, wenn ein Song schön lang war, weil er nicht zu Ende ging und bei einer guten Maxi freut man sich ausserdem über die tollen Remix Parts. Heute werden Songs durch kurze Sequenzen in Tik Tok berühmt, der Song hat dann keine Zeit sich komplett zu entfalten, oder sich großartig zu steigern und so passt sich dann auch das Skip Verhalten bei Spotify an. Leute hören Playlists mit neuen Songvorschlägen durch und skippen nach 30 Sekunden weg, wenn ihnen das Lied nicht gefällt.

Songs bis in die 90er haben Strophen, Pre Chorus, Refrain, Bridge und häufig Rückungen, dann kommen noch Gitarrensoli und am Ende geht so ein Lied schon mal 4 bis 5 Min in der Singleversion. Ich habe heute eine AOR/Glam Rock Playlist mit 80s und frühen 90s Songs aus dem Genre gehört. Es hat absolut jeder Song ein Gitarrensolo. Heute bei Nickelback oder Rosenstolz ist das halt nicht mehr so und der Sound ist auch irgendwie seichter und gleichgültiger.

Aber die Digital Natives sind genau an dieses Sounddesign gewöhnt. Die wollen meistens gar nix Anderes hören und wenn man mal So die vorgefertigten Playlists früherer Dekaden anguckt sind da überall nur die selben Hits drin, wie es auf dem Oldiesender eben auch ist. Das ist oberflächlich, denn man will ja nur die Kulthits propagieren, auf die Alle Feiern. Da gehste halt mal auf die 90s Retro Party und findest das ironisch gut wie Snap und DJ Bobo da auf der Bühne stehen, aber dann reicht das auch wieder. Und natürlich entwickelt man - wenn man eh immer nur das Neuste hört - einen anderen Bezug zu Songs. Ich würde sogar unterstellen, dass die Meisten gar keinen Musikgeschmack in dem Sinne haben, dass sie selbst selektieren, sondern sie hören eben das, was grad angesagt ist. Die Musik von vorher wird dann belanglos, sobald sie "zu alt" ist und irgendwann ist sie dann wieder so alt, dass sie "retro" ist. Dann geht man eben auf diese "selbstironischen" Retroparties, die es in 20 Jahren wahrscheinlich auch mit Musik von jetzt geben wird, denn es geht bei den Meisten nicht um den Sound, sondern um das, was sie mit der Musik verbinden, die typischerweise dann gehört wurde, als sie aktuell war und wozu immer das aktuelle Zeitgeschehen und die persönlichen Erlebnisse gehören und so wird es auch in 20 Jahren Klassiker geben, die für mich keine sind, weil sie nicht wichtig, prägend oder gar besonders herausragend waren, aber für Andere sind sie das schon, weil sie der musikalische Hintergrund nicht interessiert, sondern nur die Emotion zum Lied und da ist es egal, ob das von 1985 oder 2021 ist.

Braucht man denn aber Stars? Ich finde Stars sind eine Perversion. Es ist ziemlich eindeutig belegt, dass Michael Jackson das mit den Kindern gemacht hat und unabhängig von der Qualität seiner Musik legt sich das immer mit einem bitteren Beigeschmack darauf, wenn ich das höre. Seit ich Leaving Neverland gesehen habe ist das so. Ich war zum Glück nie ein großer Michael Jackson Fan und insgesamt halte ich nicht viel vom klassischen Fantum - also aus Image Alles geil finden, was Einer macht.

Aber trotzdem merkst du, dass viele Leute, die eigentlich erwachsene reflektierte Menschen sind bei Michael Jackson ganz komisch werden. Da werden sämtliche Neurosen plus die Pedo Sache irgendwie gerechtfertigt und das irgendwie Alles legitimiert und wenn ich mit 35 mit ner 16 oder 17 Jährigen ausgehen würde, würde ich aber komisch angeschaut und wäre dann direkt der kranke und perverse Kinderf...er. Das steht in keiner Relation und das nur, weil der Typ einen Status erreicht hat, der einer Gottheit gleicht, was ihm allein aber nie gelungen wäre, wenn er nicht so starke Produzenten und so aufwändige Produktionen gehabt hätte. Für mich ist der Typ einfach ein ekliger kranker Typ, dem ich niemals hätte zu nahe kommen wollen, aber Leute halten sich an einer Illusion aus ihrer Kindheit fest, weil sie ihn in Moonwalker und den ganzen Musikvideos gesehen haben und ich finde es eigentlich gut, wenn es sowas nicht mehr gibt.

Da ist mir Jemand wie Ed Sheeran oder eine sehr aufgeklärt und zurückhaltend wirkende Billie Eilish, die für viele Jugendliche ein Vorbild ist, auch im Feminismus, irgendwie 10 mal sympathischer, obwohl ich glaube, dass es niemals gesund ist, zu viel Fame zu haben. Wenn ein Justin Bieber, der Alles hat in einer Challenge persönlich auf Social Plattformen seine Follower in Videokonferenzen einlädt, damit sie ihm Clicks geben um auf Platz 1 der Spotify Charts zu kommen, finde ich das schon krank. Oder die Fangirls von der K-Pop Gruppe BTS, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, deren Songs zu klicken, nicht weil sie besonders geil sind, sondern damit sie viele Clicks kriegen. Das kann Alles nicht gesund sein. War es auch früher sicher nie. Meiner Meinung nach muss es das nicht geben und es ist viel schöner mal ne kleine Band zu supporten, deren Platte zu kaufen und sich kurz mit Denen zu unterhalten oder Ihnen ne nette Nachricht bei Insta da zu lassen und wenn dann auch was zurück kommt.

Also brauchen wir denn unbedingt Stars?
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#30
In einem bestimmten Alter brauchen manche Stars (ich hebe hier vor allem auf weibliche Teenager ab), zum Identifizieren, Anhimmeln, wasauchimmer. Aber das wächst sich aus.

Ansonsten sehe ich's wie Du, zu viel Fame ist nie gut, in die eine wie auch die andere Richtung. Es gibt ja auch genügend Beispiele von Stars, die überhaupt nicht gut mit ihrer Berühmtheit klargekommen sind und wo das dann kein gutes Ende genommen hat.

Natürlich gibt es einige Künstler, deren Werk ich verehre, deren Platten ich sammle. Aber für Fanatismus und Personenkult fehlt mir wahrscheinlich die Hysteriefähigkeit. Ich habe in jungen Jahren auch mal fürs Uniradio Bandinterviews gemacht, auch mit Leuten, die ich richtig gut fand (z.T. radebrechend auf Englisch, ohje). Richtige Superstars waren keine dabei, aber schon Kritikerlieblinge mit einer gewissen Medienpräsenz. Das war natürlich cool, mit denen da backstage zu sitzen und zu reden. Aber ich habe vor allem gemerkt, daß das einfach ganz normale Menschen sind, die halt coole Musik machen können. Und wenn sie nett waren (und das waren eigentlich alle), habe ich ihre Musik danach noch lieber gehört.

Viele Grüße
Nils
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#31
Ja das geht mir auch so. Hab auch schon mit einigen gesprochen. Aber ich find das viel sympathischer, wenn man nach dem Konzert einfach hingehen und sich seine Platte unterschreiben lassen kann oder man dann auch noch nette Gespräche hat. Ich hab z.B. mal Peter Hein aufm Fehlfarben Konzert um sein Autogramm gebeten, als Erinnerung an den tollen Abend. Die anderen Mitglieder der Band haben auch unterzeichnet. Genau so mache ich das aber auch auf kleinen Punk Konzerten, einfach, damit Ich was persönliches hab. Und klar verehre ich die Leute für ihre tolle Musik dann auch. Purple Schulz hab ich z.B. mal über Facebook geschrieben, weil ich wissen wollte, was für einen Synthi Sound er für das Sequencing bei kleine Seen benutzt hat. Der hat sich tatsächlich die Mühe gemacht und ausführlich geantwortet. Das sind Alles Leute deren Songs meiner Ansicht nach prägend für die deutsche Popmusik waren. Peter Hein hat in einem Interview mal gesagt, dass er das gar nicht so sieht und meint, dass das Alles nur Gehype von Kritikern und Medien ist. Ich finde es total gut, wenn Leute so auf dem Boden geblieben sind.

Ich hab so Viele Leute schon einfach über Social Media angeschrieben. Frank Ludes z.B. der mit BASH! In den 90ern eine relativ große Nummer im Deutsch Punk war. Wenn man sieht, das da immer wieder für große Namen auf den Platten mit machen, finde ich das ziemlich toll, wie in der Szene Jeder Jeden kennt und aber Alle einfach nette Leute sind. Der nimmt sich auch immer mal Zeit für ein paar nette Worte im Chat und sowas bedeutet mir dann viel mehr, als irgendein Justin Bieber oder so, auch wenn der vielleicht den ein oder anderen guten Track hat. Aber auf son Meet and Greet, was man bei irgend nem Preisausschreiben hätte ich gar keinen Bock, Weils halt einfach gekauft ist. Meine Cousine hat mal Mark Forster nach dem Konzert auf dem Weg zum Auto in der Tiefgarage getroffen. Der muss wohl sehr nett gewesen sein, macht auf mich auch n freundlichen und sympathischen Eindruck und überrascht mich immer wieder mit klugen Kompositionen, auch wenn’s nicht so meine Musik ist. Aber so ein Unerwartetes Erlebnis ist mit keinem Meet and Greet zu vergleichen finde ich.

Und so ne Figur, wie Michael Jackson, die dann so abgehoben und unerreichbar ist, würde ich gar nicht treffen wollen, für mich war dieses ganze Image immer total unsympathisch. Ich hab da wirklich nur die Musik gesehen. Und ich hab ja auch unzählige Platten und Musik, die ich liebe, die Menschen dahinter aber eben selten und ich finde son Gespräch auf Augenhöhe ist viel angenehmer, als ein ungesundes „Gottheitsverhältnis“. Deshalb fällts mir auch immer total schwer, zu sagen was mein Lieblingslied oder meine Lieblingsbands ist, ich glaube das geht gar nicht, weil ich so viel Musik gern mag und grad im Pop und Schlager sind oft nur einzelne Songs von Interpreten gut, die ich sonst gar nicht so mag. Mir wäre es viel zu schade eine Band oder einen Künstler so abzufeiern, nur aus Prinzip, weil Mans ja braucht.

Bei Jan Böhmermann und Olli Schulz im Podcast war mal Bill Kaulitz zu Gast. Da dachte ich dann erst „Oh Gott, dieser eingebildete Schnösel…“, weil ich so Sachen wie DSDS oder GNTM einfach nur verachte und die Leute dahinter auch zum Kotzen finde. Gegen Tokio Hotel hatte ich gar nix und ich fand Bill immer wahnsinnig hübsch, ästhetisch und interessant. Die Musik war ok, besser als Vieles aus der Retorte aus der Zeit, aber eben auch nicht mein persönlicher Fall. Der Hype ging mir auf den Nerv. Ich hab erst überlegt ob ich den Podcast abschalte und die Sendung dieses Mal nicht anhöre, aber nach 10 Minuten hatte er mich komplett. Der war so nett und sympathisch, dass ich hinterher gerne ein Bier mit ihm getrunken hätte und so ähnlich haben wohl sehr viele Hörer reagiert, haben sie dann in der nächsten Folge erzählt. So kann man sich irren.

Deshalb finde ich das auch wichtig, dass man Kunst/Arbeit eines Interpreten oder einer Band trennt. Wenn das nicht zu extrem ist, wie es bei Michael Jackson ist, funktioniert das für mich auch eigentlich gut. Ich muss eine Person nicht mögen, um ihre Musik gut zu finden, andersrum kann ich aber auch eine Person mögen, ihre Musik aber nicht.

Vielleicht ist ja eine Helene Fischer als Person total in Ordnung und nett. Ich hab zu keinem ihrer Songs Zugang, hab aber trotzdem Respekt davor, was die auf der Bühne leistet. Wenn ich sowas sage wie „dieser Helene Fischer Scheiss“ greife ich damit dann nicht die Person an, die kenne ich ja nicht und das steht mir nicht zu, ich find sie Musik halt scheisse. Würde ich auch, wenn sie meine beste Freundin wäre, aber dieses Bashing, wo dann Menschen die Person angreifen, das geht einfach nicht klar. Vielfalt kann ja auch nur entstehen, wenn es Alles geben darf. Ich muss ja aber dann nicht Alles mögen, nur weil es da ist, aber je mehr da ist umso besser ist das ja letztendlich und ich kann mir dann ja das rauspicken was mir gefällt.

Aber so Nummern wie bei Take That oder so, wo dann wirklich Mädchen aus dem Fenster gesprungen sind, weil sich die Band aufgelöst hat, das ist schon echt mehr als krank und schlimm. Wenn es dann auch gar nicht mehr um die Musik geht. Deswegen: für mich müsste es keine Stars geben!

LG Tobi
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#32
(24.07.2021, 15:36)DOSORDIE schrieb: Deshalb finde ich das auch wichtig, dass man Kunst/Arbeit eines Interpreten oder einer Band trennt. Wenn das nicht zu extrem ist, wie es bei Michael Jackson ist, funktioniert das für mich auch eigentlich gut. Ich muss eine Person nicht mögen, um ihre Musik gut zu finden, andersrum kann ich aber auch eine Person mögen, ihre Musik aber nicht.

...

Deswegen: für mich müsste es keine Stars geben!

Hey Tobi,

ich stimme dir voll und ganz zu, die beiden für mich wichtigsten Passagen habe ich hier mal hervorgehoben.

Dieser ganze Personenkultkram war mir immer fremd, klar ist es toll, wenn jemand tolle Musik macht und dann auch noch eine angenehme Person ist. Da würde ich dann sagen: "Finde ich richtig gut" - aber halt in dem Sinne, daß man mit der Person gerne mal einen Abend bei einem Getränk sitzen würde. Es gibt ja einfach Leute, die man gerne mal kennenlernen würde. Aber halt nicht *kreisch-zitter-schwitz-inohnmachtfall* - das würde mir nie passieren. Nicht einmal bei schönen Frauen, an denen kann ich mich auch still erfreuen. Ich hatte mal eine Freundin, die konnte einfach keine Musiker ansprechen, die sie auf der Bühne begeistert haben. Ich habe die einfach nach dem Konzert angesprochen und oft nette Unterhaltungen gehabt. 

Und ja, das Trennen von Person und Werk beherrsche ich auch. Thriller und Off the Wall sind geile Platten, für den Menschen Michael Jackson hatte ich aber höchstens Mitleid übrig, der war offenbar echt kaputt. Aber den halte ich für vergleichsweise harmlos, der echte Test wäre z.B. Varg Vickernes. Keine Ahnung, welche Aktien Du jetzt in extremeren Metalspielarten hast, aber der Typ ist nun wirklich menschlich das Allerletzte, was man sich überhaupt vorstellen kann. Musikalisch allerdings hatte Burzum schon etwas zu bieten. Ich bin in dem Fall auch etwas zwiegespalten.

Sehr seltsam finde ich es immer, wenn Menschen meinen, etwas, das Künstler zu nicht-künstlerischen Dingen sagen, hätte gesellschaftliche Relevanz. Nur weil man die Leute aus den Medien kennt, heißt das doch nicht, daß sie z.B. mehr von politischen Dingen verstehen als irgendwer anderes. Gene Simmons von Kiss hat es mal auf den Punkt gebracht: “Why anybody in the fifth estate would care what a celebrity thinks or otherwise is the height of foolishness… I think celebrities should basically shut their pie holes and do what they do best — act, sing, tap dance, juggle balls, and all that kind of stuff.” Ein häufiger Streitpunkt mit meiner Tochter. Aber die ist halt auch noch in diesem gewissen Alter.

Ich wollte auch noch nie Teil irgendeiner Bewegung sein (die Fangruppen von Teenie-Stars haben ja sogar eigene Namen). Dafür bin ich vermutlich nicht gemacht.

Es sollte wirklich bei Musik um Musik gehen.

Viele Grüße
Nils
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#33
Genau - so einfach ist das  Big Grin !

Grüße
Erhard
Hinfallen ist kein Fehler - wohl aber das Liegenbleiben (Th. Heuss)
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#34
Hey Nils,

Ich weiß nicht ob du Leaving neverland gesehen hast, aber für mich ist das seitdem klar, dass Michael Jackson mehrfach Kinder missbraucht und reihenweise Menschen manipuliert und benutzt hat. Klar geht es immer schlimmer, aber harmlos finde ich das keineswegs. Dafür wird ihm aufgrund seines Status von zu vielen Menschen zu viel verziehen und das finde ich nicht richtig.

Ich fand Szene und Subkultur schon immer spannend, aber ich habe früher gemerkt, dass die meisten Leute da irgendwie Regeln für was machen, wo es keine gibt und schon war die Subkultur irgendwie elitär und überhaupt nicht das, was sie hätte sein sollen. Denn am Ende hatten Alle die gleiche Meinung, Alle sahen gleich aus, Alle hörten die selbe Musik und wenn man nicht so war wie die, gehörte man nicht dazu. 2 Jahre später war der Iro ab, die Meisten legten auch gleich ihren Charakter mit ab und wurden schnell doppelt so spiessig, wie die, die aufm Boden geblieben sind und nicht in irgend nem Szene unterwegs waren. Dann war’s am Ende eben doch nur so ne Phase. Und Jeder erzählte dass er authentisch ist, die Anderen aber nur Poser. Das war das Bild was mir vermittelt wurde.

Letztes Jahr kam da doch noch mal was hoch (ich bin jetzt 35), da hab ich beschlossen, dass dieses Punk Ding für mich vielleicht doch mehr ist, als das, was diese Teens vor 20 Jahren um mich herum so propagiert haben. Durch Möglichkeiten über Social und so konnte ich mit unheimlich vielen reflektierten und lieben Leuten reden und mir ne Meinung machen, Dinge über mich selbst raus finden und hab dann fest gestellt, dass das genau das ist was ich will und dass es nach meinen ganz eigenen Regeln (bzw. eben nicht Regeln) funktioniert und dass ich mich als Punk labeln kann, ohne dass ich irgendwem Rechenschaft schuldig bin, warum ich auf dem Flohmarkt Schlagerplatten gekauft habe und wieso ich letzte Woche bei KFC gegessen hab und warum ich meine Haare lieber beim Frisör schneiden lasse, und sich das trotzdem nicht widerspricht.

Und dann hab ich nach 34 Jahren beschlossen, dass das jetzt Alles mal raus muss und beim nächsten Frisörtermin hab ich mir dann den iro schneiden lassen. Darauf das Mal hab ich beschlossen dass er auch bunt muss. Ich hatte Angst, dass ich Ärger an der Arbeit bekomme (arbeite für die Rüstungsindustrie), aber da fandens inklusive meines Vorarbeiters alle cool. Nur meine Eltern hassen es noch immer, die sind heulend zusammen gebrochen. Es ist nicht nur die Ästhetik, die ich schon immer toll fand und ich mich seit dem selbst auch viel lieber mag sondern auch das, was ich damit ausdrücken kann. Ich finde es im Moment wichtig, Statements zu setzen, weg von der Mitte, mehr nach links, allein wegen der AfD und den ganzen Fundamentalisten von der anderen Seite. Zu viel Faschismus, Rassismus, Homo-/Transphobie. Ich bin für eine bunte, offene Gesellschaft. Punk hilft mit dabei, aber so wie ich will und nicht wie Andere meinen, dass das zu sein hätte. Das habe ich jetzt erst verstanden.

Son Iro kostet ziemlich viel Geld und Zeit, sodass man schon sagen kann, dass daraus ein neues Hobby entstanden ist. Mittlerweile ist er ziemlich hoch, wodurch ich allein fürs Aufstellen schon 30 bis 45 Min brauche. Minimalismus ist jedenfalls was Anderes… Aber man fällt auf. Leute sprechen mich an, es hagelt Komplimente, es kommt immer wieder vor, dass Jemand ein Foto machen will. Ich hätte eigentlich gedacht, dass ich dann eher der Kandidat bin, der nicht so gut ankommt, aber es ist genau das Gegenteil eingetroffen. Und klar gibt’s auch mal Leute die lachen oder das blöd finden, aber von den Allermeisten werde ich doch tierisch ernst genommen und das hätte ich nicht gedacht. In erster Linie macht
Man es ja für sich selbst, aber trotzdem wollte ich auch nicht, dass ich wie einer dieser verkleidet wirkenden Typen aussehe, die in der Metal oder Gothic Disco immer am Rand stehen und irgendwie deplatziert wirken. Für mich hat sich da ne ganz neue Welt aufgetan.

Es war mir vorher nie wichtig, was ich an habe, wie ich aussehe usw. ich dachte, ich sehe eh Scheisse aus, ich muss mit anderen Dingen glänzen und jetzt merke ich, dass es mir gut tut, wenn ich das, was ich in mir habe auch nach außen trage. Deshalb ist es mir schon wichtig, zu sagen, dass ich mich zum Punk zugehörig fühle und dass das etwas Schönes ist, weil mir das irgendwie Halt gibt. Aber dafür laufe ich nicht irgendwelchen Idealen hinterher von denen ich denke, dass ich ihnen entsprechen muss.

Das heißt absolut nicht, dass ich meine Plattensammlung verkaufe oder Alles, was ich gerne mag oder liebe über den Haufen werfe. Das ist nämlich 100%ig kompatibel und hat mich jetzt menschlich auch nicht verändert, eher weiter gebracht, weil ich merke, dass es wichtig ist, dass man auf das hört was man wirklich will und nicht was in die Norm passt, wobei das eh nie gepasst hat.

Mich nervt das auch total wenn Jemand sagt „das is jetzt aber nicht Punk…“ oder „DAS ist Punk….“, manchmal sind vielleicht auch unoffensichtliche Dinge Punk. Vielleicht ist es ja Punk, wenn ich mit meinem Sohn zu Mc Donalds fahre und wir gemeinsam Zeit verbringen und er sich über sein Happy Meal freut und es muss ja auch nicht jeder Schritt den man macht mit irgendwas gelabelt sein.

Und mit so Sachen wie ACAB oder Gewalt gegen Nazis legitimieren, nur weil die Ideologie scheisse ist hab ich nix zu tun. Nazis sind Kacke, aber nicht jeder Nazi von grundauf ein schlechter Mensch, manche sind einfach falsch abgebogen. Auch wenn sie selbst Gewalt anwenden, ist das kein Grund selbst gewalttätig zu werden und auch keine Rechtfertigung. Die Polizei ist ein teils homophober, rassistischer Apparat, aber deshalb sind nicht Alle Polizisten scheisse. Am Samstag haben die dafür gesorgt, dass die Querdenker nicht in die Stadt kommen und wenn mir Einer aufs Maul haut oder was klaut rufe ich die ja auch (was zum Glück noch nie vor kam). Die Nazi Bullen und die, die auf friedliche Demonstranten von der guten Seite einschlagen gehören kritisiert, aufs schärfste, und das sind nicht wenige, und das ganze System „Polizei“ ebenfalls, aber ACAB ist einfach nicht die richtige Aussage, deshalb distanziere ich mich davon.

Naja, jedenfalls ist der Iro seit Donnerstag grün (vorher war er lila, dann blau mit pinken Spitzen und dann dezent grün am Ansatz und Magenta in den Spitzen, jetzt leuchtend Neon grün).

https://www.instagram.com/p/CRp9KDdBZwk/...=copy_link

Ich konnte nicht fassen, wie hart das leuchtet, als die Farbe drin war ?.

In diesem Sinne
LG Tobi
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#35
(25.07.2021, 10:24)DOSORDIE schrieb: Hey Nils,

Ich weiß nicht ob du Leaving neverland gesehen hast, aber für mich ist das seitdem klar, dass Michael Jackson mehrfach Kinder missbraucht und reihenweise Menschen manipuliert und benutzt hat. Klar geht es immer schlimmer, aber harmlos finde ich das keineswegs. Dafür wird ihm aufgrund seines Status von zu vielen Menschen zu viel verziehen und das finde ich nicht richtig.

In diesem Sinne
LG Tobi

Ich bin jetzt kein Fan, nie gewesen, weder von der Person noch von seiner Musik. Es war mir immer ein Rätsel wie er so eine riesige Gemeinde hinter sich versammeln konnte. Das bei den ganzen Beschuldigungen immer auch Geld eine Rolle gespielt hat steht für mich dennoch außer Zweifel. Die Eltern die grundlos ihre Kinder ausgeliefert haben. Ein entwürdigend geführter Prozess bei dem die gleichen "Zeugen" das genaue Gegenteil ausgesagt haben. Ein nach dem amerikanischen Rechtssystem erfolgter Freispruch. Der Typ ist tot. Es können also keine neuen Opfer mehr dazu kommen. Prävention kann also auch nicht das Motiv für die Doku gewesen sein.

Das er gelinde gesagt eine gestörte Sexualität hatte ist ja keine Frage. Im Grunde ist der ja selber ein Opfer zuerst seines Vaters und hernach des Ruhmes gewesen. Die geringe Anzahl der Opfer macht mich dennoch stutzig. Die Täter z.B. in der katholischen Kirche haben da eine lebenslange viel umfangreichere "Blutspur" hinter sich gelassen als der angeblich pädophile Jackson.

Diese Doku erzeugt bei mir unter vielerlei Gesichtspunkten einen faden Beigeschmack. Viele Rückfragen - die man insbesondere um die Eltern der betroffenen Kinder hätte - werden nicht mit der gleichen Hartnäckigkeit verfolgt.

VG
Martin
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#36
Der iro wächst ja an Stellen, an denen ab einem gewissen Alter bei den meisten Männern nichts mehr wächst. Insoweit ist es ein eindeutiges Jugendstatement.
Gerhard
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#37
Na nur weil da bei Einigen nix mehr wächst, heisst das ja nicht, dass das bei mir mal so sein wird und wenn, dann muss er halt ab. Aber es gibt ja genug Leute, die mit Mitte 20 schon graue Haare oder ne Platte kriegen. Also sind die dann alt, nur weil sie keinen Iro tragen können und darf man dann als alter Mann keinen Iro tragen, nur weil manche aufgrund ihres Haupthaares nicht mehr dazu in der Lage sind?

Hey Leserpost. So viele Ungereimtheiten gibt’s da für mich nicht. Beide, die ausgepackt haben, sind relativ erfolgreich bis heute in dem was sie tun und bedienen glaub ich viele Freunde Michael Jacksons. Die schaden ja ihrem eigenen Ruf, wenn sie wenn sie sowas über ihn verbreiten, wenn es nicht stimmt.

Ich kenne mehrere Frauen, die misshandelt oder vergewaltigt wurden und Keine hat gegen ihren Peiniger ausgesagt, bei einigen waren es die eigenen Väter. Das Gefühl, sich noch mal damit konfrontieren zu müssen, ist schlimmer, als Gerechtigkeit zu bekommen und oft ist es eben auch einfach so, dass da noch Liebe zu der Person da ist, obwohl sie das getan hat. Das ist von der Psyche her nicht einfach zu verstehen. Gerade in der Doku haben die beiden aber jahrelang geglaubt, dass das was Normales war, was da passiert ist, Jackson immer noch als ihren Freund gesehen und auch aus Liebe oder Solidarität zu ihm wahrscheinlich nicht gegen ausgesagt. Die Partnerinnen machten auch Beide einen sehr gefestigten Eindruck, vielleicht haben die dazu beigetragen, dass das zustande kam. Es gibt Vieles was man da hinterfragen kann, auf das Meiste findet man aber im Internet eine Antwort, die auch plausibel klingt und aus seriösen Quellen stammt.

Es ist ja auch total egal. Ich wollte da gar nicht so ne große Sache draus machen. Es war für mich einfach nur ein Beispiel und selbst wenn er’s nicht getan hat, ist da genug gelaufen, was ihn zu einem unfassbar unsympathischen [Beleidigung enfernt] macht, von dem ich nicht verstehe, wie man den so verehren kann. Aber natürlich hast du recht, schlimmer gehts immer, aber das macht’s für mich nicht besser.

LG Tobi
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#38
Wenn die Opfer das was geschieht in weiten Teilen freiwillig machen, stellt sich halt die Frage nach der Schuld des Täters. Die Sachlage ist komplex und schwierig zu bewerten. Aussagen von Betroffenen kommen mal so und mal anders. Schweigegeld zu erpressen ist im Spiel. Öffentlicher Druck sich auf Kosten eines inzwischen Verstorbenen zu rechtfertigen ebenfalls. Zeitabläufe werden falsch dargestellt. Ich denke das amerikanische Rechtssystem hat ein ausreichend hohes Niveau um eine rechtliche Bewertung der Geschehnisse vornehmen zu können.

Das das ein seltsamer Vogel war wusste ich schon als er noch berühmt war.

Die Doku sollte nicht im nachhinein versuchen eine bessere und richtigere strafrechtliche Bewertung der Geschehnisse zu finden. Das dortige Rechtssystem hat sich ausgiebig mit dem schwierigen Sachverhalt beschäftigt. Das ist eigentlich mein Kritikpunkt. Natürlich wirken die Geschehnisse auf Neverland für einen Unbeteiligten gelinde gesagt einigenmaßen sonderbar. Nun hat der Prozess gegen ihn ja schließlich aber auch lange genug gedauert. Das die Anschuldigungen damals gegen ihn nicht aus der Luft gegriffen waren macht die Doku deutlich. Das eine gerechte strafrechtliche Bewertung schwierig ist ebenfalls. Man sollte den Freispruch vor Gericht aber auch akzeptieren. Er wurde vom Vorwurf des Kindesmissbrauches frei gesprochen. Das ist Fakt.

Ich denke die Person Michael Jackson kann nicht juristisch ergründet werden. Eine Traumatisierung der Betroffenen ist auch nicht zuletzt dadurch eingetreten das das Ganze mit Namensnennung an die Öffentlichkeit gezogen wurde. Nicht zuletzt durch diese Doku. Was soll man schon dazu sagen wenn einer in einem Raum onaniert wo sich die Jungs Kinderfilme anschauen. Es war ja m.W. auch so das er nicht penetriert hat oder konnte. Die anfänglich durchaus willigen Partnerinnen hat er reihenweise unbefriedigt im Wald stehen lassen. Insgesamt eine vollkommen verwirrte Form der Sexualität also. Das sind ja nur Beispiele vor welchen schwierigen Fragen das zuständige Gericht gestanden hat. Es ist gut und richtig das in solch seltsamen Sachverhalten nicht das Volk sondern das Gericht urteilt. Schon Pontius Pilatus wusste. Man kann sogar einen Heiligen vor das Volk stellen und sie werden trotzdem alle "Kreuzigen" rufen.

Meines Erachtens tritt bei der moralischen Bewertung die Frage seiner Kindheit und der Verantwortung der Eltern zu sehr in den Hintergrund. Hier hat die Doku wenig geleistet.
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#39
Jetzt ist aber mal gut. Wir waren alle nicht dabei, und die Informationen, welche uns über Medien und Dokumentationen von solchen Fällen dargeboten werden, können sich auch immer nur auf den Blickwinkel der jeweiligen Informationsgeber stützen. Die objektive Wahrheit herauszufinden, ist schon für Gerichte schwierig genug, deswegen erfolgt im Zweifel keine Verurteilung.

Genauso, wie wir keinem Tatverdächtigen oder Freigesprochenen "Kreuzige ihn" zurufen dürfen, sollten wir uns davor hüten, Darstellungen von Mißbrauchsfällen aus der Perspektive eines (mutmaßlichen?) Opfers als unberechtigt oder gar selbstverschuldet abzutun. Wie gesagt, wir waren nicht dabei. Es konnte nicht nachgewiesen werden. Kann sein, daß es nicht passiert ist. Kann aber sein, daß es doch passiert ist.

Das hier: "Wenn die Opfer das was geschieht in weiten Teilen freiwillig machen, stellt sich halt die Frage nach der Schuld des Täters" lehne ich entschieden ab, vor allem in diesem Kontext. Es ging um Kinder! Die tun so einiges "freiwillig", um ihrem großen Vorbild zu gefallen. Dafür braucht es keinen Superstar, das passiert genauso in ganz "normalen" Familien mit älteren Vertrauenspersonen.

Viele Grüße,
Martin
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#40
Die amerikanischen Gerichte sind gemeinhin nicht dafür bekannt solche Vorwürfe nachlässig zu behandeln. Mir ging es nur darum klarzustellen das ein Freispruch ein Freispruch ist. Schon die Aussage das der Freispruch nur aus irgendwelchen Zweifeln an der Schuld erfolgte ist nicht korrekt. Das Gegenteil ist im amerikanischen Rechtssystem richtig. Hätte es auch nur den geringsten Zweifel an der Unschuld gegeben wäre er verurteilt worden. 

Sexuelle Sonderlichkeiten sind zum Glück nicht strafbar. Dabei sollten wir es auch belassen und nicht ständig als Laienjuristen ein pädophiles Gerichtsurteil an einem Verstorbenen - der sich nicht mehr wehren kann - nachholen wollen. Man tut dem Sachverhalt der Pädophilie und dessen Ahndung auch keinen Gefallen wenn man alles mögliche darunter subsumiert.

Ich mag mich deshalb deinem Fazit "Es geht um Kinder! Also hängt ihn" ganz bewusst nicht ansschließen. Ich setze hier auf die Justiz die solche Vorwürfe zu klären hat. Der Hauptkronzeuge dieser Doku ist weiterhin auch schon mit mehreren Schadenssersatzklagen vor den Gerichten gescheitert. Vor daher muss es erlaubt sein bzw. halte ich es für richtig der Aussage "Ich habe eine Doku gesehen und darf ein Urteil sprechen" eine Gegenposition gegenüber zu stellen. Wir sollten die Verurteilungen den Gerichten überlassen.

VG  Martin
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#41
Ich glaube, Du hast mich falsch verstanden. Den Teil "Also hängt ihn" habe ich weder geschrieben, noch impliziert. Im Gegenteil, ich finde Vorverurteilungen von Verdächtigen oder Angeklagten durch die Öffentlichkeit falsch und gefährlich. Es liegt mir daher völlig fern, Michael Jackson posthum verurteilen zu wollen für etwas, von dem außer den Beteiligten niemand wirklich weiß, ob er es überhaupt getan hat. Mir ging es im letzten Absatz einzig und allein um die Infragestellung der Schuld eines Täters, wenn ein Kind freiwillig mitgemacht hat.

Viele Grüße,
Martin
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#42
In diese Aussage hast du auch bei mir etwas viel hinein interpretiert. Ich wollte damit sagen das es viele Dinge auf Gottes Erdboden gibt die nicht völlig normal aber auch nicht strafbar sind.

Die MeToo Debatte hat leider völlig außer acht gelassen das es auch viele Sternchen gab die ihrem Produzenten in freudiger Erwartung einer Rollenbesetzung gerne einen geblasen haben. Nicht nur die Frauen. Bei Stars wie Rock Hudson und Robert Wagner war es Teil der Abmachung ihrem damaligen Produzenten jederzeit "zur Verfügung" zu stehen. Die Gegenleistung war das er sie in der Filmbranche untergebracht hat. Beide haben iihre Karrieren gemacht. Deal. Wenn Hans Albers seine jungen Kolleginnen gefragt hat "Den Hans kennst du ja jetzt, möchtest du dem Hänschen nicht auch mal Guten Tag sagen?" haben die wenigsten Nein gesagt.

Natürlich gab es auch Sachen, bei denen Zwang oder gar Gewalt ausgeübt wurde. Von da an beginnt es eben strafbar zu werden.

Bei Michael Jackson lag die Sache m.E. etwas anders. Der war a-sexuell. Ich denke das war letztlich auch der Grund für seinen Freispruch. Was immer der Grund für seine seltsamen Handlungen mit den Kindern war, es hatte nichts mit Sexualität zu tun. Weshalb es dann auch nicht unter Pädophilie fallen kann.

VG Martin
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#43
"Ich wollte damit sagen das es viele Dinge auf Gottes Erdboden gibt die nicht völlig normal aber auch nicht strafbar sind."

Da bin ich vollkommen bei Dir!

Die Geschichte mit der Besetzungscouch ist für mich schon eher das Ausnutzen eines Machtverhältnisses. Andererseits ist Prostitution - und das ist es eigentlich, wenn man ehrlich ist - zumindest in Deutschland nicht verboten. Sehr schwierig das Ganze. Metoo fand ich einerseits wichtig, um überhaupt eine Debatte darüber anzustoßen und eben dieses Machtgefälle zu brechen, andererseits fand ich die öffentliche Anprangerung von Personen, ohne daß ein Gericht deren Schuld festgestellt hätte, falsch.

Aber wollten wir nicht über Musik reden?

Viele Grüße,
Martin
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#44
(28.07.2021, 13:39)Kirunavaara schrieb: Aber wollten wir nicht über Musik reden?

Viele Grüße,
Martin

Eigentlich über Stars....

P.S. Ich möchte ja nicht wissen wieviele Studien über solche vermeintlichen "Machtgefälle" finanziert wurden. Die Epstein Afaire belegt ja das die Damen durchaus gut entlohnt wurden. Ob alle so genau gewusst haben was sie dort "arbeiten" sollen weiß man natürlich nicht. Aber angenehme Umgebung und eine Kundschaft die sicher nicht unbedingt abstoßend gewesen ist. Den Rest kann man so oder so betrachten. Wird vielleicht auch nicht immer unangenehm gewesen sein. Gut es gab auch Idioten wie Prinz Edward der gedacht hat die Damen würden tatsächlich auf ihn stehen. Letztlich aber doch eine "Dienstleistung" wo man ganz viel Einvernehmlichkeit herstellen kann. Wenn man es jedenfalls Professionell betrachtet und nicht allzu prüde ist gar eine Win Win Situation. Schon deshalb weil keiner der Beteiligten ein Interesse daran hatte das da etwas an die große Glocke gehängt wurde.

VG Martin
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#45
Wie gesagt, ich wollte das nicht so aufrollen, für mich ist das einfach nur ein Beispiel, wie bei Stars sämtliche Macken irgendwie auf irrsinnige Weise entschuldigt werden, während ein normaler „Bürger“ schon bei einer kleinen Ausprägung dieser Macken aufs Übelste zerrissen würde. Sorry, ob asexuell oder nicht, aber wer vor Kindern onaniert, gehört einfach weg gesperrt oder in psychische Betreuung in ner Geschlossenen, da gibt’s für mich keine Entschuldigung. Hängen will ich ihn auch nicht, ich wollte auch nicht populistisch werden, aber so ein Mensch gehört auch für seine Kunst nicht mehr verehrt und so krankhaft, wie Einige bis heute daran fest halten schon mal gar nicht. Ich finde auch dass Leaving Neverland nicht die Aufgabe hat über seine Vorgeschichte zu berichten, denn das ist in genug anderen Filmen und Dokumentationen bereits ausgiebig passiert.

Und jetzt können wir ja über andere Stars reden.
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