Hallo zusammen,
hier noch ein Mal kurz zur erklärung was damit gemacht wurde:
Mein Vater hat MCs vervielfältigt. Dazu hat er auf auf den sogenannten "Muttermaschinen" die Masterbänder eingelegt.
Für die Produktion jeder Kassette gibt es 4 Masterbänder - zweimal die A-Seite und zweimal die B-Seite. Während auf der ersten Muttermaschine das Band lief, wartete die zweite Maschine darauf einzuspringen sobald das Band der Ersten Maschine durchgelaufen war und zurückspulte. Auf diese Weise wurde das Signal der Master Bänder an 10 Tochtermaschinen gesendet und dort hintereinander auf leere 1/8" MC-Bänder gespielt. Diese großen Spulen mit Band für vielleicht 30-40 MCs wurden dann nach abschluss dieses Kopiervorganges auf Maschinen aufgelegt, die Vollautomatisch das Band in die Kassetten spulte, schnitt und verklebte.
Deswegen befinden sich in jedem Pappschuber vier Rollen mit zweimal dem gleichen Inhalt (zweimal A- und zweimal B-Seite). Und deswegen ist die Spielzeit so kurz.
Die Bänder beinhalten größtenteils kirchliche Musik, Chöre und Orgeln, und zu einem weiteren großen Teil kurdische Musik. Was genau darauf ist lässt sich glaube ich leider nicht wirklich rekonstruieren, da mein Vater immer nur mit den Nummern gearbeitet hat die hinten auf den Bändern stehen und es keine vollständige auflistung gibt welche Nummern was beinhalten.
Das zusammenkleben ist sicher sehr viel aufwand - aber das Material wäre da. Ich habe den Preis auch sehr hoch angesetzt, da ich erst einmal schauen wollte wie die Resonanz so ist - den Preis zu reduzieren ist schließlich immer noch möglich.
Danke noch mal für eure Expertise und liebe Grüße,
Milan
Hey Peter,
vielen Dank! Das ist sehr aufschlussreich! Meine Kenntnisse sind in diesem Bereich, wie hier offenbar wird, nur oberflächlich. Höhere Kopierdämpfung und größere mechanische Balastbarkeit klingen aber in meinen Ohren nach guten Gründen um sich, in dem (von mit vorher beschriebenen) Anwendungsbereich, für Studioband zu entscheiden. Ich habe irgendwann ein Mal einige der kurdischen Bänder digitalisiert und fand die Qualität recht solide - aber da der Inhalt der Bänder ja hier ohnehin relativ schwammig ist, würde ein*e potentielle*r Käufer*in ohnehin die Katze im Sack kaufen wenn es nicht um das Material ginge.
Herzlich,
Milan
hier noch ein Mal kurz zur erklärung was damit gemacht wurde:
Mein Vater hat MCs vervielfältigt. Dazu hat er auf auf den sogenannten "Muttermaschinen" die Masterbänder eingelegt.
Für die Produktion jeder Kassette gibt es 4 Masterbänder - zweimal die A-Seite und zweimal die B-Seite. Während auf der ersten Muttermaschine das Band lief, wartete die zweite Maschine darauf einzuspringen sobald das Band der Ersten Maschine durchgelaufen war und zurückspulte. Auf diese Weise wurde das Signal der Master Bänder an 10 Tochtermaschinen gesendet und dort hintereinander auf leere 1/8" MC-Bänder gespielt. Diese großen Spulen mit Band für vielleicht 30-40 MCs wurden dann nach abschluss dieses Kopiervorganges auf Maschinen aufgelegt, die Vollautomatisch das Band in die Kassetten spulte, schnitt und verklebte.
Deswegen befinden sich in jedem Pappschuber vier Rollen mit zweimal dem gleichen Inhalt (zweimal A- und zweimal B-Seite). Und deswegen ist die Spielzeit so kurz.
Die Bänder beinhalten größtenteils kirchliche Musik, Chöre und Orgeln, und zu einem weiteren großen Teil kurdische Musik. Was genau darauf ist lässt sich glaube ich leider nicht wirklich rekonstruieren, da mein Vater immer nur mit den Nummern gearbeitet hat die hinten auf den Bändern stehen und es keine vollständige auflistung gibt welche Nummern was beinhalten.
Das zusammenkleben ist sicher sehr viel aufwand - aber das Material wäre da. Ich habe den Preis auch sehr hoch angesetzt, da ich erst einmal schauen wollte wie die Resonanz so ist - den Preis zu reduzieren ist schließlich immer noch möglich.
Danke noch mal für eure Expertise und liebe Grüße,
Milan
(24.06.2021, 09:58)Peter Ruhrberg schrieb:(23.06.2021, 22:49)milidiao schrieb: dass Studioband nicht auch für Homestudioqualität oder einfache Sprachaufnahmen bei 9,5 cm/s genutzt werden kann habe ich noch nicht gehört.
Das hat unter anderem mit der unterschiedlichen Schichtdicke von Studio- und Amateurbandtypen zu tun. Kurze Wellenlängen werden nur an der Schichtoberfläche aufgezeichnet und von ihr wiedergegeben (Fachausdruck "Schichtdickendämpfung"). Dieser Effekt ist physikalisch bedingt und vom Pigmenttyp unabhängig.
Aus folgendem Diagramm ist zu erkennen, wie stark unterschiedliche Schichtdicken von SP/LP/DP-Bandtypen sich auf die Schichtdickendämpfung auswirken (die spezielle Auslegung von LP/DP-Oxyden für kurze Wellenlängen bleibt hier noch unberücksichtigt):
Dieses Diagramm aus F. Engel, Schallspeicherung auf Magnetband, S. 97 zeigt die wirksame Schichtdicke d’ (und die dazu proportionale Aussteuerbarkeit Dd) älterer Agfa-Bandtypen verschiedener Dicke über der Frequenz. Man sieht, wie sehr die Unterschiede zu kurzen Wellenlängenlängen hin schrumpfen, bis die Kurven bei 5 µm identisch werden.
Kurz gesagt: Ein Band mit dickerer Schicht bringt bei hohen Frequenzen und niedrigen Geschwindigkeiten nur Vorteile bei der Aussteuerung der Tiefen, nicht in den Höhen. Das Verhältnis zwischen beiden Frequenzbereichen wird mit zunehmender Schichtdicke immer schlechter, weil diese Dämpfung durch entsprechende Anhebung im Aufnahmeverstärker ausgeglichen werden muss, damit der Wiedergabefrequenzgang linear bleibt.
Das fällt besonders bei Sprachaufnahmen auf, wenn z.B. Zischlaute anfangen zu spucken, sobald man versucht, die Aussteuerung von Studiobändern so auszureizen wie man es von höheren Geschwindigkeiten kennt, für die sie optimiert wurden. Demgegenüber steht allenfalls der Vorteil höherer Kopierdämpfung und größerer mechanischer Belastbarkeit.
Grüße
Peter
Hey Peter,
vielen Dank! Das ist sehr aufschlussreich! Meine Kenntnisse sind in diesem Bereich, wie hier offenbar wird, nur oberflächlich. Höhere Kopierdämpfung und größere mechanische Balastbarkeit klingen aber in meinen Ohren nach guten Gründen um sich, in dem (von mit vorher beschriebenen) Anwendungsbereich, für Studioband zu entscheiden. Ich habe irgendwann ein Mal einige der kurdischen Bänder digitalisiert und fand die Qualität recht solide - aber da der Inhalt der Bänder ja hier ohnehin relativ schwammig ist, würde ein*e potentielle*r Käufer*in ohnehin die Katze im Sack kaufen wenn es nicht um das Material ginge.
Herzlich,
Milan
