Gab es eigentlich keine Chromdioxyd-Bänder für Spulengeräte ?
#1
Nachdem ich hier nun schon länger die Diskussionen über Bändertypen verfolge, fällt mir auf

Gab es eigentlich für die Spulenmaschinen keine CrO2 Bänder oder gar Reinmetall-Bänder ?

Auf den CompactCassetten-Decks der späten 80' er war das doch die oberste Entwicklungsstufe im Magnetbandbau.

Mir ist zumindest aus deutscher Fertigung (AGFA/BASF) kein einziges CrO2-Band bekannt, obwohl zumindest BASF doch im CC-Kassettenbereich sehr erfolgreich mit ihren Chrombändern war.

Bei Reineisen-Bänder (Metall) kann ich das aus kostengründen ja noch verstehen.
Eine (japanische) Maxell/TDK/Thats in C90 kostete da gerne mal 25 Mark.
Da hätt man für ein 1100m Band auf 26cm Spule wohl einen VW Käfer bekommen.

Aber warum hat sich das Chromdioxyd-Band außer bei CompactCassetten und VHS-Videobändern nicht auch im HiFi-Bereich durchgesetzt ?


Selbst im Studiobereich wurde nur mit Ferro-Bändern gearbeitet.

Woran lag das ?


Danny
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#2
Ja, es gab das "BASF LPR 35 CR"-Band. Wir das "CR" im Namen besagt, was es auf Chrombasis. Die Äquivalenten bei TDK und Maxell waren "SA" und "XL II". Diese drei Sorten sind als "EE-Bänder" bekannt (EE = Extra Eficiency). Die letzten Maschinen von Akai und TEAC konnten mit EE-Bändern umgehen.

Gruß

Nelson


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#3
Das Problem war halt nur, daß es sich nicht durchgesetzt hat, weil es erst 1981 (als der Bandgeräte-Markt schon stark geschrumpft war) eingeführt wurde und gerade mal zwei Geräte- und drei Bandhersteller den Standard unterstützten. Und von denen waren wenige Jahre später nur noch jeweils einer übrig (Akai hat Spulenbandgeräte zum Ende des Modelljahres 1985 im Rahmen der Sanierung komplett aus dem Angebot geworfen, und BASF und TDK haben ihre EE-Bänder m.W. irgendwann in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre eingestellt, weil unter den ohnehin enttäuschenden Verkäufen das Maxell XL-II deutlich dominierte).

Sony hatte schon ein paar Jahre früher versucht, FeCr-Bänder für Spulengeräte zu etablieren, aber auch das war nur von überschaubarem Erfolg gekrönt.
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#4
Der Vorteil ist aber auch verschwindend gering. Ich hab zwar nur ein EE Band, aber bis auf eine leicht erhöhte Brillianz wird halt nix hörbar besser. Das kann natürlich auch daran liegen, dass es ausgerechnet schlecht gealtertes BASF Chromdioxid Band ist, ich meine aber auch, dass nicht viel passiert, wenn man die EE Taste drückt. Die Entzerrung wird glaub ich nur wiedergabeseitig angeglichen und aufnahmeseitig musste ich die Maschine darauf einmessen um optimale Ergebnisse zu bekommen und dann stimmten die FE Bänder vorne und hinten nicht mehr. Vielleicht ist das bei SA und XL II Band anders und man hat da wirklich diesen Sprung wie bei Cassette. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Dynamik da noch großartig zunimmt. Das XL I lässt sich ja schon sehr hoch aussteuern, bei noch mehr Dynamik müssten bei meiner 747 fast Alle Segmente leuchten. Wenn es wie bei Cassette ist, könnte man durch das Umschalten auf EE möglicherweise 2 bis 4 dB durch die andere Entzerrung erreichen, ich kann mir aber vorstellen, dass auch Substitut Bänder nicht so hohe Pegel wie FE erreichen, wodurch sich das dann wieder ausgleicht. Eigentlich macht das nur Sinn, wenn man bei 9,5 cm/sec etwas mehr Brillianz raus holen will. Zumindest ist es bei Cassetten in der Regel so, dass sich eine Superferro höher aussteuern lässt, als eine Substitut Typ II Standard Cassette. Erst die Doppelschicht Bänder erreichen dann die selben Pegel, ein SA-X oder XL II-S Band hat es aber als Tonband nicht gegeben und bis Mitte der 80er haben die Substitut Cassetten weniger Dynamik als Echtchrom erreicht, weil sie lauter rauschten. Dafür dann fast das Doppelte für so ne Spule ist natürlich schon Wahnsinn. Ich hätte gerne ein XL II oder SA Band aber gebraucht erreichen die Mondpreise bei eBay und in Bezug auf Nutzung und Alter kauft man immer die Katze im Sack. 200 Euro wäre mir das nicht wert. Dafür bekommt man mehrere Kleinspuler.

LG Tobi
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#5
Für das System Cassette mit seinen winzigen Spuren und den 4,75cm/s war die Chrom- und später die Reineisencassette ein klanglicher Quantensprung.
Im OpenReel-Bereich war dieser Quantensprung erstens gar nicht möglich und zweitens auch gar nicht nötig.
Ferroband bringt ab 19cm/s mindestens den Frequenzumfang der CD. Aber auch mit 9,5 lassen sich schon sehr brauchbare Aufnahmen erstellen.
Es gab und gibt also keinen Grund, ein anderes und deutlich teureres Bandmaterial zu verwenden, zumal die Maschine komplett umgemessen werden muss.
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#6
Und noch ein Faktor muss berücksichtig werden: EE- Band bringt bei 19er Geschwindigkeit keine Vorteile. Nur bei 9,5er Geschwindigkeit ergibt sich ein Vorteil. Dafür einen deutlich höheren Preis zu bezahlen, leuchtete auch nicht vielen Leuten ein...

Grüße, Rainer
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#7
Es ergibt für mich Sinn bei Kleinspulern wie der Akai GX-77 oder der TEAC X-300, wo man mit 19 cm/s nicht viel Spielzeit zur Verfügung hat.
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#8
Im Downloadbereich unter Zeitschriften... -> Hifi-Exklusiv ist ein Bericht zu den EE-Bändern zu finden: "HiFi-Exklusiv_01_1982_EE-Baender.pdf".

Gruß

Nelson
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#9
Naja in den 70ern war Chromdioxid anfangs vielleicht ein Quantensprung, seit Superferro sind Typ I und II aber sehr nah beieinander und beim Tonband hat man bei 9,5 cm/sec genau den selben Effekt wie bei Cassette. Der Frequenzgang wird ja bei -20 dB gemessen und je höher der Pegel ist umso weniger ist auch linear da. Diese fehlende Brillianz stört schon manchmal etwas und die ist bei Tonband und Cassette und bei FE Band gleichermaßen vorhanden.
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#10
soweit ich mich erinnere, gab es einen Vorteil der EE-Bänder NUR bei 9,5, schon bei 19 war bei den guten Maschinen kein wirklicher Vorteil mehr vorhanden und bei 38 eher schlechter...
Ich persönlich höre keinen Unterschied (mehr) zwischen XL-I und XL-II...die EE-Bänder habe ich eigentlich nur noch aus nostalgischen Gründen...eigentlich sollte ich sie versilbern bei den derzeitigen Marktpreisen... Big Grin
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#11
Es geht ja speziell um 9,5 cm/sec. Bei 19 cm/sec ist der Brillianzbereich bei Allen Maschinen, die ich hatte voll da, auch bei den Alten und Kleineren.

Neulich hat mich jemand ausgelacht, als ich sagte, ich hätte irgendwo gelesen, dass der Arbeitspunkt der meisten Bänder auf 19 cm/sec optimiert sei. In dem Bericht steht genau das. Wie man doch manchmal auf gar bösartige Weise von Spezialisten angegriffen und degradiert wird...
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#12
na ja, wie Du weißt, gibt es ja auch viele selbsternannte Spezialisten...die sind hier im Forum allerdings nicht so breit vertreten...oder haben derart oft was von denen, die sich hier wirklich auskennen, auf die Finger bekommen, dass sie das Feld wieder frei gemacht haben.
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#13
(08.01.2021, 11:47)timo schrieb: Es ergibt für mich Sinn bei Kleinspulern wie der Akai GX-77 oder der TEAC X-300, wo man mit 19 cm/s nicht viel Spielzeit zur Verfügung hat.

... und natürlich hatte man bei 9,5 cm/s weit weniger Probleme mit dem Spurübersprechen bei Viertelspur.

Und zur Ergänzung bei den Bandtypen: Das gab es auch noch.

https://picclick.de/AKAI-EE-150-10M-new-...id=1&pid=1

War aber nur eine OEM-Version des Maxell XL-II. TEAC hatte sowas m.W. nicht.
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#14
Ich glaub auch dass das im HiFi Forum war, wo mich neulich einer so zusammen gefaltet hat, dass ich echt an meinem Verstand gezweifelt hab. Manchmal vermischt die Erinnerung ja auch Dinge.

Ich hab z.B. in Erinnerung gehabt, dass die A77 zumindest in den ersten beiden Versionen durch die Germanium Transistoren ein kleiner Rauschgenerator ist und man den S/N durch spätere Ersatztypen verbessern kann, ebenfalls in Erinnerung hatte ich, dass die A77 Original eine relativ schlechten S/N von knapp 60 dB erreichte, das stimmte dann aber Alles nicht, weil es nicht gewertet war, Jemand anders hatte dann Werte von 65 oder 66 dB, wo ich aber auch nicht mehr weiß, woher die kamen und wie „gewertet“ die waren. Ich bin dann aber belehrt worden, dass sich in der A77 gar keine Germanium Transistoren mehr befinden. Wahrscheinlich habe ich mich geirrt. Aber in dem Zusammenhang ging’s dann glaub ich auch um die Bänder. Man kann ja Dinge richtig stellen und manchmal verklärt oder verwechselt man ja auch Dinge und dann ist es ja gut, wenn man korrigiert wird, aber dass man dann immer so bösartig gezüchtigt wird...

LG Tobi
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#15
Wenn ich, bitteschön, zwei Beiträge "in eigener Sache" beisteuern darf:

https://tonbandforum.de/showthread.php?t...#pid272171  (ist noch keinen Monat alt)

https://www.beam-shop.de/sachbuch/film-m...neuausgabe


Dort ist - außer dem Beitrag über EE-Band - auch davon zu lesen, dass Chromdioxid-Pigment u.a. für die BASF-eigene Unisette und das Kassetten-Projekt AEG M 19 (beides professionelle Audio-Kassetten) sowie in BASF-Masterband für Duplizier-Anlagen eingesetzt wurde. Nicht zu vergessen: der Video-Bereich von 1 Zoll bis 1/2 Zoll Bandbreite mit Dutzenden von BASF-Typen.

Insgesamt hat EE-Band, sei es in der Chromdioxid-Version der BASF, sei es als kobalt-dotiertes Eisenoxid, unverhältnismäßig große Aufmerksamkeit genossen. Da es, außer zu seinen Premieren-Zeiten, in der Fachliteratur kaum Spuren hinterlassen hat, gibt es viele nicht-fundierte Aussagen und Vermutungen.

F.E.
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#16
@ Friedrich Engel,
wo wir gerade bei BASF-Typen waren, eine Frage stelle ich mir schon seit langer Zeit und darum bei dieser Gelegenheit dir:
Was hatte es eigentlich mit den BASF-Typen LP 35 und DP 26 auf sich, die ungefähr von 1977 bis 84 im SCHWARZ-GRÜNEN Karton verkauft wurden? Ihnen fehlte ja der Zusatz "LH" in der Bezeichnung, sie waren aber auch rauscharm und vor allem nur halb so teuer wie die üblichen Typen in der schwarz-roten Packung. Daher waren sie (nicht nur) bei mir als Jungspund mit Taschengeldbudget sehr beliebt. War das eine Art zweite Wahl, die die Specs nicht ganz einhielten? Oder wie kam es zu dem Discountpreis? In den Zeitschichten habe ich über sie nichts gefunden.


@ Tobi zu deinem Post #14:
- Richtig, die A77 enthielt niemals Germaniumtransistoren im Verstärker.
- Aber auch die Anwesenheit von Ge-Transistoren machten ein Gerät noch nicht zwangsläufig zum "Rauschgenerator". Das gehört zu den heutigen Internetlegenden. Gewiss weisen Ge-Transistoren insbesondere ein höheres Funkelrauschen auf, aber erstens nicht so massiv wie heute behauptet, zweitens konnte man durch geeignete Schaltungsauslegung sowie durch Verwendung selektierter Exemplare diese Effekte minimieren.
- Dass die A77 in ihrer Frühzeit mit schlechteren Rauschabständen als später spezifiziert wurde, liegt in erster Linie an den Bändern zur jeweiligen Zeit. Die A77 erschien zur Funkausstellung 1967 und ihre Werte (Ruhegeräsuchspannungsabstand 52/54dB) wurden angeblich mit dem gerade frisch erschienenen PES 35 LH der BASF, dem überhaupt ersten LowNoise-Band in Europa, ermittelt. Ich glaube aber eher an das bei Revox damals übliche Agfa PE 31.
Jedenfalls verbesserten sich die Angaben mit jeder neuen verwendeten Bandsorte. Ab (ich meine) 1969 war das PE 36 RX, später Revox 601 (gleich Scotch 207) und so weiter.

Beste Grüße an alle
Stefan
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#17
@ Stefan,

zu dieser Frage nach LP 35 und DP 26 kann ich nichts Verlässliches sagen, dazu müssten sämtliche damaligen Protokolle zur Verfügung stehen. Schließlich liegt die Produktionszeit Jahrzehnte zurück, und von meinem vergleichsweise schmalen Sammlungsbestand ist keine definitive Auskunft zu erwarten. Am wahrscheinlichsten (!) wird es so gewesen sein, dass das nicht-rückseitenmattierte 6,3 mm-Band (DP, LP) mit der bewährten Rezeptur einfach weiterlief.

F.E.
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#18
Ich kann mir nicht vorstellen, dass EE bzw. Chromdioxid Band bei 9,5cm/s einen großen Sprung in Sachen Tonqualität bringt. Das professionelle Videosystem U-Matic arbeitet ebenfalls mit der Geschwindigkeit von 9,5cm/s und es kommt das bei Videocassetten übliche Chromsubstitutband bzw. bei Cassetten von BASF auch echtes Chromdioxid zum Einsatz. Der Audio-Frequenzgang endet aber bei diesen hochpräzisen Maschinen schon bei 15kHz. Ein Wert, den eine gute Bandmaschine auch mit Fe2O3 bringt.
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#19
Das vorl. BASF Datenblatt von 1983 für BASF LPR 35 Cr zeigt in der Gegenüberstellung mit DP 26 Charge C 264 Z (seit 1969 als Bezugsband-Leerteil bzw. Referenzleerband genormt) eine deutlich verbesserte Höhenaussteuerbarkeit: bei 10 kHz -2,8 statt -12,6 dB, bei 12,5 kHz -8,5 statt -24 dB.

Das Datenblatt für LPR 35 von 1996 gibt für 9,5 cm/s eine Höhenaussteuerbarkeit (wie üblich gemessen als MOL bzw. Sättigungsremanenz) von -6 dB an (wenn man wie beim EE-Band den angegebenen Wert auf 320 nWb/m bezieht). Dies ist zwar deutlich besser als die DP 26 Bezugscharge, erreicht aber immer noch nicht die Höhenaussteuerbarkeit des EE-Bandes, was bei diesem jedoch auf Kosten der Tiefenaussteuerbarkeit geht (-2 dB gegenüber C 264 Z).


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.pdf   BASF LPR 35 (1996).pdf (Größe: 132,14 KB / Downloads: 5)
.pdf   BASF LPR 35 Cr -- EE Band (1983 vorläufig).pdf (Größe: 691,2 KB / Downloads: 6)
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