Grundig Concert Boy Recorder C340
#1
Hallo,

eigentlich Quatsch, aber als Freund des C4000-Radiorecorders wollte ich natürlich auch den Vorgänger C340
(gebaut 1969-71, Nachfolger 71-74) haben. Auf einem Flohmarkt war mal einer, aber so vermackelt, dass sich eine Aufarbeitung nicht lohnt. Ab ins Archiv.
Die Tage war noch einer günstig in der Bucht-gib her!

   

Hmm, war als defekt deklariert und auf dem Foto konnte man deutlche Abnutzungsspuren sehen (z.B. typisch abgegrabschter
Holzimitatlack, blinde Spuren um den Lautstärkeregler und gesprungene Skalenscheibe, weil die Konstrukteure für deren Befestigung Senkkopfschrauben
genommen hatten, die angeknallt wurden und eine herrliche Kerbwirkung auf den Kunststoff hatten. Wurde im letzten Baujahr des C4000 sogar noch geändert).
Wurscht, das Ding war billig und ich wollte eigentlich nur die Unterschiede zum C4000 herausfinden.

   

Sehr ähnlich, die beiden Modelle, oben jeweils der C 4000

   

   


Nun der C 340 von innen:

   

Sieht eigentlich noch sehr ordentlich aus, funktionieren tut (immerhin) noch das Radioteil,
das Cassettenteil ist wie angekündigt mausetot.

   

   

Hui! Der Tonkopf ist noch sehr schön, sehr selten bei diesen immerhin schon ca. 50 Jahre alten Kisten.
Auch Andruckrolle und die Laufrollen sind noch gut. Warum nur?
Ob gar das Cassettenteil schon seit Jahrzehnten im A**** ist und deswegen niemand den Kopf runtergenuckelt haben konnte?
Ich vermute das, später sieht man warum.

   

   

   

Aha!
Nach Entfernen des Abschirmbleches sieht man, dass jemand grobmotorischer Natur sich an dem Gerät zu schaffen gemacht hatte.
Versucht hatte man (evtl. zum Riemenwechsel), die Leiterplatte zu entfernen, sie hochzuschwenken. Das geht, aber man muss vorher das komplette
Chassis aus dem Gehäuse nehmen und eine Halteschraube in Höhe der DIN-Buchse losschrauben und nicht die Platte MIT GEWALT ABREISSEN UND
DABEI ZERBRECHEN, SOWIE REICHLICH LÖTSTELLEN MIT HERAUSKNÖPFEN!

   

Die Rübennase hatte das Cassettenteil damit irgendwann unbrauchbar gemacht, aber auch damit den Kopf vor Abschliff durch tausende
"Melodien für Millionen"-Ferro-Korund-Cassetten geschützt. Nun gut, Leiterbahnen repariert, rausgerissene Schaltleiste und Buchsen
wieder eingelötet...nix. Spielt nicht, nicht mal der Motor dreht. Betatscht man aber die Platine bei "Wiedergabe", so knurrt der Lautsprecher
vernehmlich, hmmmm.

Da ist noch ein Hemmnis:

   

Kontakt vermurkst, der bei Betätigen des Knebelschalters oder des Aufnahmeknopfes den Motor startet.
Gut, auch repariert...immer noch nichts.

Dann eben so: Beide Recorder verglichen, die Stromversorgung des C340 an den heilen C 4000-Motor angeschlossen, da Spannung zu messen war.

   

Schnurr! Gut, es muss am Motor liegen, der ist ohnehin schwergängig.

   

Er will nicht.

Raus mit ihm:

   

Haufen! Was ist das denn?

   

Das sieht aber derbe nach Zinkpest aus! Bei einem Cassettenrecordermotor noch nie gesehen. Die Kollegen der Fa. Weiss
konnten 1970 nicht wissen, dass sich der Zinkdruckguss aufbläht und die obere Motorglocke hochdrückt, sodass die Achse blockiert wird und die Bürsten
den Anschluss zum Kollektor verlieren. Ich musste den Motor knacken, herzlos mit
dem Schraubenzieher den Zinkmulm rausgekloppt, egal.

   

   

Wird dieser Motor je wieder laufen? Nein? Doch!

Als Freund hemdsärmeliger Reparaturen habe ich
die durch die Zinkpest unterm Hintern hochgequollenen Bürsten nach unten gebogen, die krumpelige Grundplatte glattgefeilt, den Motor wieder
zusammengesetzt und die Glocke von außen zentriert, das obere Lager war ja noch da.
Ja, es ist Murks, aber der Motor läuft wieder! Etwas schnarrt und knurrt er, aber von außen kaum hörbar.

Kuck, das Cassettenteil geht wieder, aber nur sehr leise Musik kommt raus.
Viel geguckt, gehorcht und verfolgt, es war dann letztendlich eine kalte Lötstelle der Kontaktleisten, nur mit Sherlock-Holmes-
Kit aus einem alten YPS-Heft zu sehen. Im Ernst, seit Beginn meiner Mitgliedschaft hier vor 11 Jahren sind meine Äuglein
erheblich schlechter geworden, mit Sehhilfen, beleuchteten Lupen usw. bin ich mittlerweile gut bestückt.
Eine Aufstecklupe für ein altes iPhone 4s macht besonders gute Vergrößerungen, habe damit sogar schon eine Warze an der Fußsohle
abgelichtet und anhand des Bildes dann die Exzision des Störenfriedes vornehmen können, mit Erfolg. Ein Bild dazu gehört hier aber nicht hin,
weil Technikforum.

So: Da ist er, der von mir geschätzte, völlig schwiemelige, viel zu bassbetonte Grundigcassettenklang. Super!
Am besten klingt damit Hammondorgel-Schweinemusik, wie z.B. "Hammond-Hits für ihre Hausparty" von 1970.

Keine Schönheit, aber tuts wieder, immerhin 50 Jahre alt:

   

Auch die 7 Kolbenfresser machen ihm nichts aus!

   

Gruß

Peter S.
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Nachrichten in diesem Thema
Grundig Concert Boy Recorder C340 - von PSMS - 04.07.2020, 23:36
[Kein Betreff] - von Ragnar_AT - 06.07.2020, 12:21
[Kein Betreff] - von PSMS - 06.07.2020, 17:59

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