Warum klammerte sich der Rundfunk an den Rundfunkbändern fest?
#3
Ich sehe schon, da müssen dringend ein paar informative threads zum Thema "Rundfunk" gestartet werden. Das ist ganz offensichtlich ein weisser Fleck, zumindest bei mir. Wink

Ich habe mir das so vorgestellt:

Der sendende Teil des Rundfunks spielt ab, und den abspielenden Maschinen ist es egal, mit was für Bändern sie gefüttert werden, Hauptsache die Bänder sind von Pegel und Entzerrung her normgerecht, also passend. Einmessen ist hier unnötig.

Dann gibt es noch den produzierenden, aufnehmenden Teil. Hier müsste selbstverständlich neu eingemessen werden. Dies kann man ja peu a peu tun, und die umgemessenen Maschinen geniessen die Segnungen des neuen Bandmaterials. Die verbleibenden verarbeiten die Reste des alten und werden ebenfalls Zug um Zug umgestellt.

Da ein einmal bespieltes Band nie ein zweites Mal bespielt wird sondern immer nur abgespielt, so mein Kalkül, ist eine Umstellung beherrschbar und innerhalb absehbarer Zeit zu schaffen.

Um auf Digitaltechnik umzustellen, musste wesentlich mehr gestemmt werden.
Allerdings war der technische und vor allem der wirtschaftliche Vorteil wohl bedeutend größer als beim Umstellen auf eine etwas leistungsfähigere Bandsorte.

Daß der Rundfunk nicht, wie man fälschlicherweise annimmt, auf höchste Qualität aus ist, sondern "nur" auf hohe Qualitiät bei maximaler Sicherheit, das muss man erst mal fressen. Der Amateur ist oft ehrgeiziger (wenn auch erfolglos!), während man beim Rundfunk offenbar genug Reserven hatte, von denen man bequem und sicher herunterleben konnte.

Die unterschiedliche Sorgfalt beim Rundfunk in den einzelnen Ländern ist sicher ein Kapitel für sich. Amerikanische Sender kenne ich nur von den lokalen Soldaten-Stationen, und die sah ich nie als represäntativ an - zu offensichtlich war hier die miese Qualität, durchaus auch in einem Autoradio hörbar. Ganz ungeniert sendete man Bänder, die schlecht geschnitten wurden, bei denen die Übergänge von Titel zu Titel nicht stimmten, und man sendete diese Fehler ungerührt über Wochen und Monate hinweg, denn die Abwechslung bestand oft nur darin, die gleiche Songkollektion in der gleichen Reihenfolge zu einem anderen Zeitpunkt zu spielen.

Womit die Roots für den heutigen Dudelfunk der deutschen Sender gefunden wären.


Bleibt zu fragen, inwieweit sich die Philosophie des Rundfunks von der Magnetband-Ära ins digitale Zeitalter gerettet hat.

# Gilt immer noch die Maxime: Höchste Sicherheit bei "nur" hoher Tonqualität?
# Und wie wird das in der Praxis umgesetzt? Welche alten Zöpfe pflegt man, um nicht ständig mit den Fehlern der Neuerungen kämpfen zu müssen?
# Lässt sich das in der schnellebigen Digitalzeit durchhalten?
# Der Rundfunk konnte immerhin die Hersteller dominieren. Kann der Rundfunk das heute auch noch? Oder diktiert die Industrie die Standards?
Michael(F)
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[Kein Betreff] - von Michael Franz - 14.04.2005, 15:33
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