Basf Lgr 50 auf Revox B 77 Mk Ii
#4
Lieber Wolfgang,

Michaels Aussagen ist an sich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht einigen die Geschichte bzw. den Hintergrund betreffenden Zusatzinfos, die gerade bei LGR 50 (weiß mattiertes Rundfunkband recht speziellen Zuschnittes) überaus illustrativ die Probleme eines Mediengrößtbetriebes der Analogzeit mit dem Bandmaterial beschreiben.

Zunächst aber noch in deiner Sache:
Deine B77 war aufnahmeseitig offenbar auf ein höherkoerzitives Band wie 468 oder 911 (sofern Standardband) oder LPR35 bzw. ähnliches (wenn Langspielband) eingemessen, was bei Eigenaufnahmen dann zu einem leichten Höhrenabfall führt, der mit der B77-Einmessung aber problemlos auszugleichen wäre, sofern sonst 'alles auf der Reihe' ist. Da deine B77 aber keine HS-Version zu sein scheint, ist etwas Überlegung am Platze:
Standardbänder und namentlich solche, die speziell für die Bedürfnisse des Rundfunks gefertigt wurden (528, LGR 50) sollten nicht unterhalb von 19 cm/s betrieben werden, weil ihre Eigenschaften dafür nicht optimiert und wahrscheinlich nicht einmal spezifiziert sind.

LGR50 kam zu Beginn der 1980er Jahre auf den Markt und ist letztlich als Konkurrenzprodukt des PER 528 anzusprechen, das ähnlich wie das LGR 50 im Großen und Ganzen die Arbeitspunkte des 525 einhält, aber dennoch die qualitativen Segnungen/Fortschritte des 'Low-Noise-Zeitalters' nützt.
Der Rundfunk hatte ja schon bei Einführung der Stereofonie gigantische Archive angehäuft, von deren Überspielung man absehen wollte, zumal das ja zu Teilen bereits -wenigstens- einmal erfolgt war (Umstieg von 77 bzw. 76,2 cm/s auf 38,1 cm/s). Man brauchte also ein Band, das mit den Arbeitspunkten des alten Materials kompatibel war, aber neuzeitliche Möglichkeiten nutzte. So entstand das 525, das dann bei Einführung der Stereofonie noch einmal ein wenig aufpoliert genutzt wurde.

Auf seinen Arbeitspunkten setzte das deutlich modernisierte 528 auf, das dann bis zum Ende bei EMTEC gefertigt wurde. Bis in die Mitte der 1990er stellte man daneben in München auch noch das LGR 50 her, weil es sich doch ein wenig vom 528 unterschied. Nachdem der Rundfunk zunehmend auf digitale Techniken umstellte, wurde die Fertigung des LGR 50 etwa von 1996 an eingestellt.

Interessant ist in der Geschichte des LGR 50, dass es kurzzeitig einen verbesserten Nachfolger (LGR 51) gab, der sich eines mit dem 911 verwandten Magnetits bediente, aber den mechanisch teilweise 'hanebüchenen' Anforderungen an das Bandmaterial seitens des Rundfunks nicht gewachsen war. (Man muss nur einer Tontechnikerin beim Schneiden zugesehen haben, um zu wissen, wass ich meine. Bevor ich -Mann vom Fach- begriff, was abging, hatte die in einem mittleren Maschinengewehrfeuer aus Bedienungstastatur, Tonrollenmagnet und Schneideschere den Schnitt gehört, lokalisiert und fertig gestellt.)
Ähnlich handfest verfuhr man auch mit LGR 51, dessen Beschichtung dafür aber nicht gut genug auf dem Träger haftete und daher abplatzte (nicht etwa schmierte!), weshalb man das Band nach etwa einem Jahr zurückzog und reumütig zur alten bewährten Rezeptur des LGR 50 zurückkehrte.
Übrigens scheiterte auch ein ähnlicher Versuch der AGFA mit dem Magnetit des 468 für ein weiß mattiertes Rundfunkband...

Ich habe LGR 50 nie eingesetzt und besessen, weiß also nicht, ob es ähnlich kalandert (poliert) ist wie 528, das zwar eine gegen 525 deutlich verstärkte Politur erfuhr, aber dennoch -als Teil der Rundfunkwünsche- eine geringfügig rauere Oberfläche aufweist als 911 oder 468; dies hat Folgen (Abstandseffekt) für den Einsatz unter geringeren Bandgeschwindigkeiten und Bandzügen.
Zonal 620, ein weiteres Konkurrenzprodukt zu LGR 50 und 528 auf dem deutschen Markt wurde indes stärker kalandert und entsprach hinsichtlich seiner Oberfläche etwa 468 und 911.

Dein Band ist nicht nur (bei höheren Bandgeschwindigkeiten) für Aufnahmen auf deiner B77 tadellos brauchbar (es wickelt z. B. erstklassig!), es symbolisiert geradezu die Schwierigkeiten, die es mit 'hochwertig sein wollendem' Bandmaterial bis in die letzte Fertigungsepoche gab. Die elektrischen Qualitäten sind -in Abhängigkeit von den oben skizzierten Spezialanforderungen des Rundfunks- gut. Und dessen Qualitätsanforderungen muss man erst einmal mit Eigenaufnahmen einstellen.

Hans-Joachim
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[Kein Betreff] - von ulli220753 - 25.03.2005, 00:42
[Kein Betreff] - von MichaelB - 25.03.2005, 04:04
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