Rückspulen Philips N4504 erschwert
#26
Im Tapeheads-Forum gab es für einige Zeit sehr lebhafte Diskussionen zu diesem Thema, die sich letztlich zerfetzt und damit aufgelöst haben. Die Fronten waren einfach zu verhärtet.

Relativ klar und unumstritten scheint mir zu sein:
1) Es gibt unterschiedliche Arten von Bänderzerfall
2) Bei US-Herstellern waren verstärkt rückseitenmattierte Bänder betroffen, was aber daran liegen mag, dass für diese Bänder ein anderer Binder benützt wurde (sowohl für Schicht wie RSM)
3) Der Verfall lässt sich mit keinem bekannten Mittel aufhalten, egal bei welcher Art

Ad 1) werden vor allem vier Typen genannt.
a) klebriges Ablösen der Schicht (sticky shed syndrome)
b) Absondern einer fettig wirkenden beigen oder weißlichen Masse, die nicht stark klebt
c) Absonderung eines weißen Pulvers
d) Quietschen

a) ist z.B. von 3M und Ampex bekannt. Ampex hat dazu eine Untersuchung angestellt, die sich für den interessierten Laien mäßig aufschlussreich liest. Hier wurde die Mutmaßung aufgestellt, der PU-basierte Binder könnte hygroskopisch geworden sein und sich bei Aufnahme von Feuchtigkeit aus der Luft in eine klebrige Masse verwandeln. Allerdings wird in dieser Studie soweit ich das aus den einzelnen Zitaten (den Gesamtbericht kenne ich nicht) erkennen kann nie durch entsprechende Analysen belegt, es war eine Hypothese neben anderen. Ein Indiz für die Plausibilität dieser Hypothese war die Tatsache, dass Erhitzen den Effekt vorübergehend rückgängig macht. Allerdings hat sich offensichtlich niemals jemand die Mühe gemacht, tatsächlich zu analysieren ob bei diesem Backvorgang auch tatsächlich in signifikanten Mengen Wasserdampf freigesetzt wird. Zudem würde man als interessierter Laie annehmen, dass Lagerung bei sehr geringer Luftfeuchtigkeit den Effekt deutlich verlangsamen müsste, dazu gibt es aber keine Berichte, auch in Wüstengegenden der USA tritt der Effekt auf.

Ein weiterer Ansatz war die chemische Behandlung der Bänder, vornehmlich mit Bestandteilen einer bestimmten Autopolitur namens NuFinish (in Europa nicht erhältlich). Das konnte den Prozess für einige Monate bis Jahre aufhalten (angeblich) und die Bänder normal abspielbar machen, dann setzte er erneut ein. Die Verfechter dieser Methode wurden enorm angefeindet, einerseits mit Befürchtungen die Behandlung könnte die Köpfe schädigen, andererseits wurde ihnen vorgeworfen, sie wären nur an der Beschaffung billigen Leerbandmaterials interessiert und würden damit den Markt für damals noch RMGI ruinieren. Mein persönlicher Verdacht ist, dass dabei die Bänder hauptsächlich gereinigt und geschmiert wurden, womit sie wieder ohne an den Köpfen und Bandführungsteilen zu kleben abgespielt werden konnten, so lange der Zerfall nicht zu sehr weiter fortschritt. Das ist aber mehr ein "educated guess" wie der Amerikaner sagt. Nicht einmal die beteiligten Chemiker wussten so richtig was sie taten ist mein Eindruck.

Der dritte und letzte Ansatz kam von einem neuen Mitglied, laut eigener Aussage Chemiker mit viel Berufserfahrung. Seine Ansicht war, dass der Binder nicht vollständig ausgehärtet war und daher durchgehend flüchtiges Lösungsmittel vorhanden ist, das mit der Zeit die Beschichtung wieder anlöst. Er war auch der einzige der dokumentiert befallene Bänder gebacken und die entweichenden Dämpfe analysiert hat - Wasser war nicht in signifikanter Menge dabei. Sein Vorschlag war, die Bänder in ein Vakuum zu bringen und so die Lösungsmittel vollständig ausgasen zu lassen.

Leider war er schwer krebskrank und durch die Chemotherapie stark angeschlagen (und verständlicherweise kurz angebunden) und wurde ebenfalls enorm angefeindet, deswegen kam die Diskussion immer wieder abrupt zum Stillstand. Inzwischen habe ich seit Jahren nichts mehr darüber gelesen und fürchte er ist verstorben.
Einige Testbänder gab es, der Erfolg war meiner Erinnerung nach mittelmäßig. Viele waren wieder abspielbar, manche nicht und zumindest einige fingen innerhalb eines Monats wieder an zu kleben.

b) ist vor allem von AGFA bekannt und wird von einigen Tapeheads-Usern einem anderen Typ Binderzerfall unter Absonderung von Fettsäuren zugesprochen. Hier ist mir keine Abhilfsmethode bekannt.

c) und d) sind offenbar wenig erforscht. d) lässt sich zumindest vorübergehend durch Schmierung lösen, hier werden allerhand Dinge wie Silikonspray oder WD40 genannt. c) ist relativ rar, betrifft meiner Erinnerung nach nur TDK-Bänder.

All das ist aus dem Gedächtnis zitiert, ich bitte also, sich nicht zu 100% darauf zu verlassen!
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