23.05.2018, 23:39
Interessant wird es ab Minute 1'20"!
https://www.ndr.de/Funkbilder-feiern-70-...44410.html
Viel Spaß!
Holgi
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Holgi
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70 Jahre NDR Funkbilder aus Niedersachsen (Video-Link)
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23.05.2018, 23:39
Interessant wird es ab Minute 1'20"!
https://www.ndr.de/Funkbilder-feiern-70-...44410.html Viel Spaß! Holgi
24.05.2018, 06:57
hannoholgi,'index.php?page=Thread&postID=220575#post220575 schrieb:Interessant wird es ab Minute 1'20"!Danke für den Link! Besonders interessant finde ich die Passage ab 2:31, die einen winzigen Eindruck davon vermittelt, mit welch affenartiger Geschwindigkeit die Handgriffe der Tontechnikerinnen im aktuellen Dienst üblicherweise abliefen: Geschnittenes Band einlegen, dabei zugleich straffen und einen halben Meter nach links bewegen, damit die Klebestelle abgehört werden kann, Brummklappe schließen und Wiedergabestart - all das in weniger als vier Sekunden Zu meinen T9-Zeiten habe ich mir das Bandeinlegen dadurch verkürzt, dass ich die äußerste linke Leitrolle und den Fühlhebel umgangen habe, das Band lief also nur über die zweite Umlenkrolle (im Gegenuhrzeigersinn). Das spart zwar nur eine Sekunde, doch bei 150 Takes und 600 Schnittstellen für einen Quartettsatz von vielleicht 15 Minuten kann sich das durchaus läppern :whistling: Amüsant ist für mich der Moment bei 2:18, wo in der zweiten Einstellung der Archivbote den Bandstapel so ungeschickt auf die T9 bugsiert, dass der rechte Wickelteller bei laufendem Band blockiert wird, worauf die Tontechnikerin rasch und routiniert handelt: sie stoppt die Wiedergabe und strafft mit dem linken Wickelteller das Band. An ihrer Stelle hätte ich in dem Moment vermutlich gedacht: "Diese Heinis vom Fernsehen, nur fürs Bild muss der Kollege die Bänder ausgerechnet auf meiner Maschine abstellen …" Grüße, Peter
Grüße
Peter _____________________ Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
24.05.2018, 07:50
Hehe, das war auch mein Gedanke: Wie kann man so einen schweren Stapel auf meiner Maschine stellen? Das sieht sehr dilettantisch aus.
Übrigens, das Röhrenradio, das in den Beitrag zur Illustration eingebaut wurde, ist ein Grundig 1099 von 1959. 11 Jahre daneben, wenn das Beitragsthema 70 Jahre - 1948-2018 lautet. Ebenfalls gewohnt dilettantisch. Das hatten wir an anderer Stelle hier ja erst vor Tagen. Gruß Stefan
24.05.2018, 10:06
Vollspurlöschkopf,'index.php?page=Thread&postID=220582#post220582 schrieb:11 Jahre daneben, wenn das Beitragsthema 70 Jahre - 1948-2018 lautet. Ebenfalls gewohnt dilettantisch.Das sehe ich anders. Woher sollte man jetzt so schnell ein Radio von 1947 nehmen? Es ist jedenfalls ein Röhrensuper. Und die meisten Zuschauer wissen es doch sowieso nicht; es ist ja kein Bericht für Radionostalgiker, sondern für die breite Masse! Da stört es mich schon mehr, das das Gerät nicht mal eingeschaltet ist. Wenigstens die MW-Taste hätte man drücken können.... Ansonsten hat mich auch das routinierte Agieren der Cutterin ab 2:31 sehr beeindruckt. Obwohl ich das schon mal gesehen hatte. Ich kannte mal eine... ^^ Die Verschwendung von auf dem Boden gelandetem Bandmaterial ist ebenfalls beachtlich. Aber dass war eben Verbrauchsmaterial! Meinetwegen hätten die historischen Szenen in dem Beitrag noch erheblich länger sein können! LG Holgi
24.05.2018, 11:54
hannoholgi,'index.php?page=Thread&postID=220589#post220589 schrieb:Ich kannte mal eine... ^^Aha...!? :whistling: hannoholgi,'index.php?page=Thread&postID=220589#post220589 schrieb:Die Verschwendung von auf dem Boden gelandetem Bandmaterial ist ebenfalls beachtlich.Was Doktor Murke wohl davon gehalten hätte? Oder die Datenschutz-Grundverordnung ...? 8| Grüße, Peter
Grüße
Peter _____________________ Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
24.05.2018, 19:53
Peter Ruhrberg,'index.php?page=Thread&postID=220579#post220579 schrieb:bei 150 Takes und 600 Schnittstellen für einen Quartettsatz von vielleicht 15 Minuten da komme ich nach Adam Riese auf eine mittlere Take-Länge von 6 Sekunden und alle 1,5 Sek einen Schnitt und mag es garnicht glauben. Können Musiker im Studio nicht länger fehlerfrei spielen oder liegen hier Schreibfehler vor ? MfG Kai
24.05.2018, 21:44
‘kaimex’,’index.php?page=Thread&postID=220619#post220619’ schrieb:Können Musiker im Studio nicht länger fehlerfrei spielen oder liegen hier Schreibfehler vor ?Weder noch. Üblicherweise werden bei einer Produktion unter meiner Leitung zu Anfang zwei oder drei Ganzfassungen eingespielt, an die sich – nach dem Abhören gemeinsam mit den Künstlern – mehr oder weniger lange Korrekturtakes anschließen. Nachdem alle Korrekturwünsche befriedigt sind, findet eine erste „Bestandsaufnahme“ statt: Gemeinsam mit den Künstlern hören wir eine aus dem vorhandenen Material mir vorschwebende vorläufige Schnittfassung ab. Bei schwierigeren Stücken schließen sich meist weitere – und mitunter zahlreiche – Korrekturen an: alternative Möglichkeiten, die beim späteren Feinschnitt, falls musikalisch passend, eventuell berücksichtigt werden könnten. In diesem Stadium der Produktion geht es längst nicht mehr um technische Probleme, sondern vor allem um Ausdruckswerte, Klangfarbenmischungen, minimale Balanceveränderungen zwischen den musikalischen Stimmen, subtile Intonationsvarianten im Ausklang von Akkorden, kaum merkliche Ritardandi zur Verdeutlichung des musikalischen Flusses, Ausspielen von Überleitungen, minimales Verlassen des metronomisch exakten Tempos … kurz: es wird ununterbrochen ausgelotet, wie stark man zur Steigerung der Erlebnisintensität bei einer „Nur-Tonaufnahme“ gegenüber der eingeübten Konzertfassung variieren und akzentuieren kann, ohne zu übertreiben. Wenn nach einigen Stunden schließlich alle Beteiligten der Ansicht sind, dass soweit alles „auf Band“ angekommen sei, kann es geschehen, dass ich vorsichtig anfrage, ob kräftemäßig vielleicht eine weitere Ganzfassung möglich wäre, mit der Sicherheit im Hintergrund, dass ja eigentlich alles schon mindestens einmal zu aller Zufriedenheit gelungen im Kasten sei. Gerade eine solche abschließende (wie ich sie manchmal auflockernd nenne) „Schweinefassung“ kann – häufig über mehrere Partiturseiten hinweg – die gelungensten, überzeugendsten und hinreißendsten Passagen zutage fördern, weil die Künstler nun viel befreiter, innerlich ruhiger, entspannter und zugleich risikoreicher spielen (Musiker bezeichnen diesen Zustand manchmal als „vorn auf der Stuhlkante“, oder schlicht „Flow“), sodass danach erfreulicherweise auf weniger Korrekturmaterial zurückgegriffen werden muss, was der formalen Geschlossenheit und der Kontinuität des musikalischen Flusses gleichermaßen zugutekommt. Natürlich ist keineswegs jede Produktion so schnittintensiv, doch wenn ein Produzent oder Tonmeister beispielsweise für ein vollprofessionelles, innovatorisch denkendes Streichquartettensemble arbeitet, dessen interpretatorische Grundlinien, Wagnisse, Dynamik, gegenseitiges Abstimmen des Vibratos und vieles mehr sich durchweg an den Grenzen des Möglichen bewegen, wird bei der Realisierung der Vorstellung einer „idealen“ Aufnahme – also die mediengerechten Umsetzung einer musikalischen Idee für einen Tonträger – strengeren Gesetzen gehorchen müssen, um sich wegen dessen Wiederholbarkeit und unbegrenzter Verfügbarkeit nicht in der Wirkung abzunutzen. Hier geht es – vor allem bei technisch anspruchsvollen Stücken – häufig um einen Qualitätsanspruch an die Richtigkeit von Einzelheiten, wie sie in einer Konzertaufführung niemals auf diesem Niveau realisierbar wären. Solch ein Quartett spielt in den Takes eigentlich durchweg zu 90 bis 95 Prozent perfekt, und bereits der erste Rohschnitt erfüllt zumindest die gleichen Bedingungen. Doch gerade der Kampf um die letzten 5 Prozent macht im klanglichen und interpretatorischen Resultat auch Jahrzehnte später die Qualität und Faszination solcher Produktionen aus. Wie Stephan Peus, ehemaliger Neumann-Mikrofonentwickler, es vor Jahren treffend formulierte: „Das letzte dB ist immer das teuerste…“ Natürlich existiert nach wie vor auch eine sehr andere Art des Schneidens, die mich aber mit den Jahrzehnten immer weniger hat überzeugen können und die vor allem dem Zweck dienen soll, einem Künstler über gewisse Limitationen seiner technischen oder musikalischen Fähigkeiten hinwegzuhelfen. Doch so richtig möchte diese Art des Schneidens kaum gelingen („Unrecht gut gedeihet nicht“): Fachkundige Hörer merken schnell, wenn beispielsweise ein Gesangssolist plötzlich eine schier endlose Phrase durchsingt, ohne ausreichend zu atmen, weil sie sich bis dahin mehr oder weniger bewusst auf die individuelle Art und Häufigkeit der Atmung eingestellt haben und so die Manipulation spätestens beim zweiten Anhören bemerken. Oder wenn ein Pianist eine technisch anspruchsvolle Passage zwar fehlerfrei vorträgt, man jedoch den Eindruck nicht los wird, dass sie ihm überdurchschnittliche Mühe bereitet. Hier würden selbst zwei Dutzend zusätzliche Schnitte das Problem nicht verkleinern, ganz im Gegenteil. Ich sehe, allein dieses Thema könnte Bände füllen :whistling: Grüße, Peter
Grüße
Peter _____________________ Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
24.05.2018, 21:58
Macht nix,
finde ich interessant. Gibt es schon von einem Berufskollegen einen literarisch gewährten Blick über die Schulter ? Ich ahne, daß der Begriff des "Schnittes" allgemeinere Bedeutung hat als die Analogie zum klassischen Band-Schneiden. Ist damit jeder technische Eingriff am "Mischpult" in die Original-Aufnahme gemeint, also jede vorgenommene Einstellung an den vielen Steuerparametern ? Dient das dann dazu, bei den Musikern in der Abhör/Kritik-Phase soviel Bewußtsein zu schaffen, daß sie alle diskutierten Verbesserungs-Akzente auch in einer Gesamt-Einspielung hinkriegen oder zumindest in weniger Takes schaffen ? MfG Kai
24.05.2018, 22:50
kaimex,'index.php?page=Thread&postID=220626#post220626 schrieb:Gibt es schon von einem Berufskollegen einen literarisch gewährten Blick über die Schulter ?Hm … Darstellungen fürs Allgemeinpublikum finde ich eigentlich kaum, eher als Studienmaterial von Fachdozenten einschlägiger Ausbildungsinstitute, oder als Diskussionsbeiträge unter Berufskollegen. kaimex,'index.php?page=Thread&postID=220626#post220626 schrieb:Ich ahne, daß der Begriff des "Schnittes" allgemeinere Bedeutung hat als die Analogie zum klassischen Band-Schneiden.Das begrüße ich durchaus, nur hatte ich bei meinem vorherigen Beitrag hauptsächlich den mechanischen Bandschnitt vor Augen. Überhaupt finde ich, dass nicht in Vergessenheit geraten sollte, zu welchem Niveau an Handwerkskunst das physische Tonbandschneiden (vor vierzig Jahren war die Bezeichnung "blutiger Schnitt" so unbekannt wie der Ausdruck "analog") über Jahrzehnte heranreifte. Zwei relativ kurze Anfängerdemos habe ich vor Jahren bei Youtube eingestellt: https://www.youtube.com/watch?v=DFi_l41_blc und https://www.youtube.com/watch?v=ELuQxxbBQGU kaimex,'index.php?page=Thread&postID=220626#post220626 schrieb:Ist damit jeder technische Eingriff am "Mischpult" in die Original-Aufnahme gemeint, also jede vorgenommene Einstellung an den vielen Steuerparametern ?Dies wird man wohl eher zusammenfassend als Klanggestaltung /-bearbeitung /-beeinflussung bezeichnen. kaimex,'index.php?page=Thread&postID=220626#post220626 schrieb:Dient das dann dazu, bei den Musikern in der Abhör/Kritik-Phase soviel Bewußtsein zu schaffen, daß sie alle diskutierten Verbesserungs-Akzente auch in einer Gesamt-Einspielung hinkriegen oder zumindest in weniger Takes schaffen ?Das würde ich so direkt nicht ausdrücken wollen, obgleich der Produktionsprozess mitunter durchaus diese Wirkung zeigen kann. Wenn zum Beispiel „weniger Takes“ gewünscht und dem Resultat dienlich wären, dann würde ich vermutlich eher darauf hinwirken, dass dieser Wunsch bei den Künstlern selber entsteht, nicht als Erwartung meinerseits an sie. Auch hier wird es schwierig, irgend einen allgemeingültigen Nenner zu finden. Manche Künstler sind für die Feinarbeit im beschriebenen Sinn nicht zu gewinnen, andere verlassen sich geradezu auf sie. Tonmeisterliche Kunst besteht unter anderem daraus, eine Arbeitsatmosphäre zu erzeugen und zu fördern, aus der – in Verbindung mit dem jeweils gewählten und geeigneten Arbeitsmodus – innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit ein Ergebnis erwächst, das im Idealfall die ursprünglichen Erwartungen und Vorstellungen der Künstler übersteigt. Zur Illustration hier drei originale Partiturseiten der CD-Produktion eines Bläsertrios von Darius Milhaud. Die während der Takes vorgenommenen Einzeichnungen und Kommentare des Tonmeisters – zumeist als Kürzel, alles andere würde zu lange dauern – bilden für alle Beteiligten quasi die Buchführung (oder den Kassensturz) jeder Aufnahmesession: Welches Material ist wie oft vorhanden, was davon gilt als gut oder sehr gut gelungen, was wäre eventuell verwertbar, was nicht und warum nicht etc. Sie bilden auch die Grundlage für konstruktive Rückmeldungen an die Künstler, worauf bei anstehenden Korrekturtakes speziell – oder noch mehr – zu achten wäre. Zugleich geben die Einzeichnungen Orientierungshilfen zur möglichen Schnittfassung und evtl. Alternativen. Für den Schnittplan werden von diesen Blättern Kopien gezogen und diese entsprechend markiert. Grüße, Peter
Grüße
Peter _____________________ Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
25.05.2018, 07:43
Wo wir gerade bei „über die Schulter blicken“ sind ...
Einen wahren Meilenstein der Audiogeschichte stellt die erste Studio-Gesamtaufnahme von Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen in Stereo für die DECCA dar. Über die Produktion der Götterdämmerung mit den Wiener Philharmonikern unter Georg Solti in den Wiener Sofiensälen gibt es eine anderthalbstündige Doku der BBC von 1964, die ich auf Youtube eingestellt habe, „The Golden Ring“. Hier wird eindrücklich demonstriert, wie, unter welchen Bedingungen und mit welchem Aufwand bis etwa Anfang der 1970er Jahre große Opernproduktionen realisiert wurden: https://youtu.be/3_Sd2qiwU1g Produzent und Aufnahmeleiter dieser vielfach preisgekrönten Einspielungen war John Culshaw (es braust sein Ruf wie Donnerhall ...), zu seinem Team gehörten u.a. Chefingenieur Gordon Parry und James Brown. Bis in die Nebenrollen hinein wurden die bedeutendsten Wagner-Sänger/innen ihrer Zeit engagiert: Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Dietrich Fischer-Dieskau, Christa Ludwig, Gottlob Frick, Gustav Neidlinger, Lucia Popp, Claire Watson, Gwyneth Jones und Helen Watts. Wie Culshaw zu Beginn der Ring-Einspielung treffend anmerkte, war die treibende Idee hinter der Produktion to reveal, rather than represent Wagner’s work, in a medium unknown to him. Auch wenn ich vor fünfzig Jahren wahrlich kein Opernliebhaber war, begriff ich damals diesen nach wie vor ungewöhnlichen Film als unüberhörbare Bestätigung für meine längst getroffene Entscheidung zum Tonmeisterberuf, der (wie in diesem Beispiel) extrem bereichernd und erfüllend sein kann – vorausgesetzt man erträgt und verträgt den damit verbundenen Stress. Einige Anmerkungen Culshaws zur Produktion des „Ring“ gibt es u.a. hier. Culshaws Buch Ring Resounding sowie seine Autobiographie Putting the Record Straight (beide nur noch antiquarisch erhältlich) sind für mich nach wie vor bereichernde Ideenquellen. Ein weiteres „Making Of“ (nur Audio) mit John Culshaw gibt es auch vom „Tristan“ vier Jahre früher – zum Teil ordentlich getürkt, doch heute immer noch so faszinierend wie eh und je. Grüße, Peter
Grüße
Peter _____________________ Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich. (Konrad Adenauer)
25.05.2018, 18:47
Schöner kleiner Film und man durfte damals noch im Studio rauchen. :gear:
26.05.2018, 06:13
Hallo Peter,
habe mir den Film angesehen. Was für eine Mammutaufgabe! Und wie Solti sagt, es ist schwer vorstellbar, bei einem in drei Dutzend Teile = Aufnahmetage zerlegten Werk gleichartig zu performen. Und, wie der Sprecher irgendwann anmerkt: eine Grippe würde das ganze Projekt ruinieren. Der Film ist ein toller Einblick in die Arbeit aller Beteiligten. Der Stress war offensichtlich erheblich. Man sieht auch als Laie, warum Solti einer der größten Dirigenten des Jahrhunderts war. Was ich nicht wirklich begriffen habe, war der Gag mit dem Pferd. Da ich nicht im Klassiksektor zu Hause bin: Wie sehen solche Mamutproduktionen heute aus? Zumindest der technische Aufwand ist sicherlich noch viel größer. Das Mischpult (und damit die Zahl der Kanäle) wirkt noch heutigen Vorstellungen eher putzig. Das ganze wurde offensichtlich vierspurig aufgenommen, wenn ich die Einzoll-J37 so sehe. Dazu zwei Viertelzöller, wozu auch immer. Habe auch auf Discogs nachgesehen: Die Aufnahme (6-LP-Box) wurde letzmalig 1985 für Deutschland neu aufgelegt. Gruß Stefan
26.05.2018, 07:45
Hallo Stefan,
nur kurz zu deinen Fragen, damit dieser Thread nicht komplett vom Thema abkommt :whistling: Zur Materialschlacht: Die Anzahl der Mikrofone und Klangeffekte mag heute vielfach größer sein, doch die hohe Kunst, gleich während einer Aufführung in Echtzeit auf Stereo abzumischen, ist dabei mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Wieder ein langes Thema … Die Vierspuraufzeichnung war aufgeteilt in zwei Spuren für das Orchester und zwei für die Sänger auf ihrer eigenen "Bühne" (physisch wie akustisch). Die beiden Senkelmaschinen lieferten je ein auf Stereo abgemischtes Master, das zu Vorführzwecken noch am Aufnahmeort rohgeschnitten werden konnte. Auf diese Weise konnte die Vierspuraufnahme unangetastet bleiben, aus der das Stereomaster für den späteren Fertigschnitt abgemischt wurde. Culshaws Gag mit dem Pferd bezog sich auf das Finale der "Götterdämmerung", die sog. Opferungsszene: Brünnhilde gewahrt ihr Roß, welches zwei junge Männer hereinführen. Sie ist ihm entgegengesprungen, faßt es und entzäumt es schnell; dann neigt sie sich traulich zu ihm. … Sie hat sich auf das Roß geschwungen und sprengt mit einem Satze in den brennenden Scheiterhaufen. Sogleich steigt prasselnd der Brand hoch auf, so daß das Feuer den ganzen Raum vor der Halle erfüllt und diese selbst schon zu ergreifen scheint. … Zugleich ist vom Ufer her der Rhein mächtig angeschwollen und hat seine Flut über die Brandstätte gewälzt … So jedenfalls beschrieb Wagner die Handlung, die natürlich in einem Opernhaus nicht in exakter Realität aufführbar ist. Umso überraschender musste das Auftauchen eines echten Pferdes bei einer Plattenproduktion wirken, deren erklärter Zweck es war, das Handlungsgeschehen rein akustisch abzubilden, jedenfalls ist in dieser Einspielung nach meiner Erinnerung kein Pferdegetrappel zu hören 8) Grüße, Peter
Grüße
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