Was für eine Ausrüstung für Reparaturen?
#1
Immer wieder bekommt man günstig Geräte angeboten, die für Reparaturen nützlich wären. Was braucht man? Meßgerät, Tongenerator etc..?
Auf was ist zu achten? In alten Beschreibungen findet man immer Hinweise auf sog. Röhren-Milivoltmeter. Im modernen Versandhandel findet man die kaum.

Wäre schön, wenn die Experten hier ein paar Tips liegen lassen würden.

- Michael -
Michael(F)
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#2
..
Ein RÖHREN Millivoltmeter muss nicht sein, ein´s mit Transistoren tut es auch. Wichtig ist ein hoher Eingangswiderstand, >40 KOhm und der "Frequenzgang" Der Eingangs- bzw. Innenwiderstand ist bei modernen Divo´s immer hoch genug, nur muss für NF- Zwecke zumindest der Hörbereich gleichmäßig gemessen werden. Normale Messgeräte sind auf 50 Hertz eingestellt, plus/minus etliche Hertz. Für NF- Anwendungen reicht es nicht. Tonfrequente Spannungen kann man, wenn auch umständlich, mit einem Oszilloskop machen, man muss nur immer Kästchen zählen und den Spitze- Spitze Wert in Effektivwert umrechen.

Ein Tongenerator ist sehr praktisch, besonders wenn man Feinjustierungen plant. Ein Frequenzzähler hat auch eine Menge Vorteile, wenn es um Oszillatorfrequenzen geht, oder bei Empfängern um die ZF- Stufen. Aber auch hier kann man sich, wenn auch nicht so genau, mit einem Skope helfen. Schön ist ein Zweikanalgerät, dass ermöglicht bei Stereogeräten eine Parallelmessung.

Ein lebenswichtiges Zubehörteil für jeden Amplitudenschlosser ist der Trenntrafo. Er kann, aber muss nicht unbedingt einstellbar sein. Der Trenntrafo ist ein sicherheitsrelevantes Teil, dass eine galvanische Netztrennung bewirkt. Dann beißt es nicht mehr so schlimm, wenn man sich geerdet hat und an den Saft packt. In E- Werkstätten ist der Trenntrafo Pflicht, nicht ohne Grund.

Ich würde als Mindestausstattung empfehlen:
Trenntrafo !!
Voltmeter
NF- Voltmeter
Labornetzgerät


Ausbaustufe 2:
Oszilloskop
Transistortester

Ausbaustufe 3
Frequenzgenerator
Frequenzzähler

...und dann kann man aufrüsten bis zum Himmel, Klirrfaktormessbrücke, Gleichlauftester, Spektrumanalyser, Rauschgenerator, und, und, und. Generatoren oder Zähler gibt es für relativ wenig Geld als Bausätze. s

Sehr schön ist ein Bezugsband. Aber das ist leider sehr teuer und wird mit jeder Benutzung etwas schlechter. Ich habe keins, sondern bringe zum Einmessen das Gerät zu einer Fachwerkstatt.

Ich bin ein natural born Muffengänger, also sehr vorsichtig. Man kann auch ohne Trenntrafo prima arbeiten, aber so ein Ding kostet nicht viel, und da man sich gegen Strom nicht impfen lassen kann, ist der TT eine u. U. lebensverlängernde Maßnahme. Zudem verhindert ein TT, dass es knallt wenn das Skope und der "Patient" verphast oder geerdet sind.

Die Auswahl des Geräteparks hängt natürlich immer davon ab, was man anlegen möchte oder kann, und natürlich auch was man damit machen will. Aber wie in allen Bereichen gilt auch hier, dass man nur mit gutem Werkzeug gute Arbeit leisten kann.

Frank ( darklab )

PS Auch beim Frequenzzähler sollte der Innenwiderstand schön hoch sein. Sonst kann, genau wie bei zu niederohmigen Messgeräten, durch die Entnahme von Strom die Spannung abfallen und das Messergebnis verfälschen.
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#3
Wenn du ein Schnäppchen machen willst, versuche mal bei Werkstattauflösungen was abzugreifen. Ich habe mal ein Grundig MV5 NF Voltmeter (das habe ich auch noch), ein Sennheiser NF Voltmeter und sogar ein Woelke Gleichlaufmessgerät gegen Abhohlung bekommen. Das meiste habe ich fuern Appel und 'n Ei verkauft.
Ich war Stift und ich brauchte das Geld. Heute koennte ich mir in den Hintern beissen. Aber egal. Irgendwann wird wieder was weggeschmissen.
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#4
Man kann auch mit einem guten Digital-Multimeter
das meiste erledigen.
Wirklich gute gibt's ab ~350 EUR.

TrueRMS DC/AC+DC
Bandbreite 16Hz..100kHz
Grundgenauigkeit 0.02 ... 0.003 %
DKD-kalibriert
notiert 50000 Meßwerte
PC-Schnittstelle
Auflösung 300000, 500000, 1200000 Digits!
Beispiel: 0.0001 mV; 116.6628 mV
V A W VA Ohm f T
Hold, Diff, drei 5-3/4-stellige Anzeigen gleichzeitig, ...
u.v.a.m.
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#5
Du brauchst vor allem Wissen. Eine Soundkarte und ein Digitalmultimeter sind schon o.k., aber die ganzen Details! Was ich in den Jahren so alles gelernt und gesammelt habe! Da bin ich doch stolz, weil das nicht jeder kann. Du brauchst auch ein Lager für Ersatzteile, also mit Werkstatttisch und Regalen mindestens 15 Quadratmeter.
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#6
Tja,

was braucht man in der Tonband (Audio) Werkstatt?

Meine Ausstattung ist von Gebrauchtgeräten und Eigenbauten dominiert.
Nachfolgend einige Tipps und Infos für Anfänger (vielleicht auch Fortgeschrittene?)

Gutes Handwerkszeug ist die halbe Arbeit. Wenn ordentliche Arbeit geleistet werden soll, ist gutes - und damit meist teures - Werkzeug unerlässlich. Nichts ist Ärgerlicher als eine Zange die nicht zwickt oder eine total verzunderte Lötspitze. Hier gilt meistens: Wer billig kauft, kauft zweimal.

-Elektronikerseitenschneider
-Telefonzange (lang und spitz)
-Pinzetten
-Schraubendreher Set (PH 00,0,1 / Schlitz 0,9/1,5/3/4)
-Lederreinigungsstäbchen
-Q-Tips
-Tonkopf Reinger
-reiner Alkohol (kein Spiritus)
-Kontaktspray
-Baumwolltücher

- guter Lötkolben. Es muss nicht gleich eine Weller Lötstation sein. Aber auch kein Baumarktlötkolben. (Meine Empfehlung: ERSA 25Watt)
Lötzinn max 1mm, Elektroniklot

- Trenntrafo (ca. 150W Leistung) zur Sicherheit. Es ist wirklich ein Unterschied ob man einen Schlag am Lichtnetz oder am Trenntrafo bekommt...können sicher viele bestätigen.

Wer mit 230V Netzspannung umgeht sollte genau wissen
was er tut. Sonst kanns Lebensgefährlich werden.
Wenn Ihr euch nicht sicher seit, lasst die Finger davon!

-gutes Multimeter. Zu empfehlen Metex.
Wird zum Messen / Prüfen vieler elektrischer Größen benötigt.

-NF Millivoltmeter. Ich bevorzuge hier Röhrengeräte...aber das muss nicht unbedingt sein. Muss aber auf jeden Fall einen Hochohmigen eingang haben.

-Signalgenerator. Sinus 10Hz-25kHz. Einfache Schaltpläne zum Selbstbau gibts zu Hauf. Ich hab das mit dem IC XR2206 gelöst. Da ist fast alles drin für Sinus/Rechteck/Dreizack. Recht klirrarm.
Kann das Fehlerfinden erleichtern wenn man ihn zum Signalverfolgen benutzt. Auch zum Frequenzgang Messen ist der Signalgenrator zu gebrauchen.

-egelbares Netzteil 0-30V / 2A. Gehört einfach in jede Werkstatt. Ohne kommt man auf längere Sicht nicht aus. Gute Gebrauchtgeräte sind oft günstig zu haben. Für jede Anwendung kann man so die passende spannung bereitstellen.

-zu alle dem eine ordentliche Auswahl an den verschiedensten Meßstrippen. Hier auf Qualität achten! Defekte Messkabel sind absolut ätzend! Ich mach meine immer selber. Nach meinen Qualitätsmassstäben.

Soweit die Mindestausstattung, nun zur Erweiterung:

-Oszilloskop. Für Audioanwendungen muss es nichtmal so besonders toll sein. Ein 1Kanal 20MHz (Alte Hameg gebraucht kaufen!) reicht normalerweise vollkommen aus. Ein 2Kanal Typ ist aber flexibler.
Das Oszi erleichtert vieles und erweitert die Möglichkeiten ungemein.

-Frequenzmessgerät. Auf jedenfall Digital, bis mindestens 50kHz.

Und dann kommen die schon wirklich speziellen Geräte:

Klirrfaktormessbrücken, Gleichlaufmessgeräte, etc.
Das ist normalerweise nicht nötig und auch kaum im Budget eines Bastlers.

Für den Anfänger gibts empfehlenswerte Literatur in fast jeder Bücherei.

Die Bücher von Dieter Nürmann sind super geeignet zum einstieg. Er hat sehr viel über Messtechniken und Messmethoden geschrieben. Auch zum Löten und zur NF Technik gibt's Bände. Sein Schreibstil bringt sogar das Thema Elektronik nicht zu trocken rüber.
Oft gibt's auch die Hobbythekbücher - nicht Lachen - von Jean Pütz. Die sind oft auch sehr Hilfreich. Gute Büchereien haben meistens eine große Auswahl zum Thema Elektronik. In der Franzis RPB Reihe sind sehr gute Bücher vertreten zum Thema Elektronik und Tonbandtechnik. Ich habe inzwischen eine ziemlich umfassende Sammlung. Die Büchereien verkaufen oft alte Bücher für ein paar Euro. Fragt mal.
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2x Telefunken M12B / Philips Pro 12
[b]Uher Report IC 4200 / Monitor 4200[/b]
Revox B77 MK2 2-Spur / Revox A77 MK3 Umbau zu "ORF" Version, HS, 2-Spur
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#7
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Bin ich aber froh dass der David auch den Trenntrafo erwähnt und ich nicht alleine als Weichei dastehe.....



Frank ( darklab )
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#8
Trenntrafo...ab 398 Euro aufwärts... Das ist nicht in meinem Budget! Särge sind genauso teuer und die müssen die Hinterbliebenen bezahlen... Wink

Holt ihr denn bei gefährlichen Sachen nicht eure Frau oder Freundin 'hier, halte das mal eben fest, ich stecke nur kurz den Stecker in die Steckdose' ???
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#9
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also, den Trafo für 400 Euro kenne ich nicht, hat vermutlich allerhand Schnickschnack wie Konstanthaltung und dergleichen. Das muß man als Hobbyschrauber nicht unbedingt haben, das Netz ist hinreichend stabil. Was man braucht ist nur ein einfacher Trafo 0,5kW, und der kostet nackt höchstens einen Fuffi. Ein Gehäuse findet sich sicher noch irgendwo, und eine Steckdose kann man sich ebenfalls selber einbauen.

Die Preise für Särge kenne ich nicht, aber ich habe beruflich grade mit einem Bestatter zu tun, da knn ich mal anfragen.

Für Elektroarbeiten im Sarg würde ich zu einer Feuchtrauminstallation raten. Gut geerdet ist schon prinzipbedingt.


Frank ( darklab )

Eh, guckst du hier oder was : http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?View...egory=8320
Frank


Wer aus dem Rahmen fällt, muß vorher nicht unbedingt im Bilde gewesen sein.
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#10
Das gibt aber mal einen skurrilen Sound,da unten...
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#11
Thema Sicherheit:

Viele wird der Preis für einen (Regel)Trenntrafo abschrecken, dafür bekommt man schon wieder das nächste Tonbandgerät...
Keine Alternative aber ein zusätzlicher Schutz, der FI-Schalter! Die sind nun wirklich nicht teuer und recht ratsam.


Andreas, DL2JAS
Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
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#12
Sehr interessanter Thread. Im Grunde wusste ich ja durch meine Vorerfahrung / Studium bereits, was ich benötige, allerdings waren mir die Bücher von Dieter Nührmann bis jetzt nicht bekannt - im Studium hatten wir ausschließlich mit wissenschaftlicher Literatur zu tun. Habe ein paar Minuten gegoogelt und bin erschrocken: Die Vierbändige Ausgabe von dem Großen Werkbuch kostet mittlerweile ein Vermögen Big Grin.
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#13
(15.09.2024, 14:02)fnick schrieb: Sehr interessanter Thread.

Ja, und schon 20 Jahre alt!
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#14
Es ist nichts dagegen einzuwenden, auf so alte Threads zu antworten. Man sollte nur nicht erwarten, dass die damals Beteiligten noch sich noch zu irgendwas äußern. Smile
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#15
Das große Werkbuch ist eine Sammlung von Datenblättern, Schaltplänen, vor allem alte, und ein bisschen Erklärung. Lohnt den Kauf nicht. Ich habe mir das vor 2 Jahren gekauft, war aber enttäuscht.
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#16
(15.09.2024, 14:32)janbunke schrieb: Ja, und schon 20 Jahre alt!

Fast Vintage Big Grin

(15.09.2024, 15:32)AKRETA schrieb: Das große Werkbuch ist eine Sammlung von Datenblättern, Schaltplänen, vor allem alte, und ein bisschen Erklärung. Lohnt den Kauf nicht. Ich habe mir das vor 2 Jahren gekauft, war aber enttäuscht.

Danke für die Erklärung. Werde mir dann nicht besorgen. Die Alten "HOWTO"-Bücher zur Analogelektronik sind aber sicherlich noch brauchbar.
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#17
Die Diskussion erinnert mich fatal an meine eigenen ersten Gehversuche. Mein erster Notfall- Trenntrafo bestand aus zwei dicken (500W) Halogentrafos gleicher Bauart: Von 220 auf 12 Volt heruntertransformiert und mit dem anderen wieder auf 220 V herauftransformiert... na ja...

Später in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dann den Helmut Singer in Aachen gefunden, wo es Meßtechnik satt gab, aus Behörden- NVA- und sonstigen Beständen. Existiert leider als Bezugsquelle heute nicht mehr. Man stand da vor Regalen voll mit Meßgeräten, die man nie zuvor gesehen hatte.

Heute ist es mit gebrauchten Meßgeräten aus der Bucht so eine Sache. Eichgültig sind die allesamt nicht mehr. Als recht genaues Frequenznormal benutze ich einen Schomandl ND99k, der wird in der Bucht oft für sehr kleines Geld angeboten. Die Kisten laufen meist noch und der Quarz ist temperaturstabilisiert (sog. Quarzofen). Beim Abgleich einer A77 sicher immer noch genauer als die Netzfrequenz...

Anstatt sich mit alter Analog-Meßtechnik herumzuplagen hat man es im Digitalzeitalter einfacher und billiger. Mit einer guten Soundkarte und entsprechender software kann man auf dem PC / laptop schon Vieles machen.

In einer Röhrenschaltung bei hohen Spannungen stochere ich aber immer noch gern mit einem Röhrenoszilloskop herum. Das verzeiht Fehler eher als ein Transistorskop. Ist aber Geschmacksache!


Martin
"Früher war mehr Lametta!"
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#18
ja der alte Glüh-Tek will auch heute noch messen und das macht er richtig gut.
Es gibt sogar einen NF Spectrumanalyzer Einschub für ihn ( 1L5)
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#19
Ein Komponententester, gibts für ca. 20 €, sollte auch nicht fehlen, damit lassen sich viele Bauteile schnell überprüfen.
Viele Grüße
Eckhard

M15A; Revox A700, B77, A77; Uher Report Monitor; www.engelstrasse.de
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#20
sofern der Threadersteller bei den ganzen Empfehlungen nicht schon panisch das Weite gesucht hat, hier der Versuch, mal ein wenig Ordnung reinzubringen.

Erstmal - was genau willst Du reparieren ? Wenn ich mal von normalen analogen Audiogeräten ohne HF-Teil ausgehe, brauchst Du für Reparaturen neben Lötkolben / Lötabsaugpumpe, ein wenig Handwerkszeug und einem Multimeter vor allem etwas zur strukturierten Fehlersuche - also etwas, womit Du Tonsignale ins Gerät einspeisen kannst, und etwas, womit Du ermitteln kannst, was wo ankommt. Zum Einspeisen nimmt man einen Funktionsgenerator, zum Messen ein Oszilloskop. Bei den heutigen Preisen für Einsteigergeräte würde ich hier keine Kompromisse und Proivisorien mehr eingehen, dieses Gerät benutze ich z.B. seit einiger Zeit als "Schreibtischlabor":

https://www.amazon.de/Hantek-2D42-Hand-O...311&sr=8-2

Das ist ein 2x40MHz Oszilloskop, ein Multimeter und ein Funktionsgenerator in einem. Es zeigt den Effektivwert als Zahl an, ersetzt also das Röhrenvoltmeter, und kann mit dem PC verbunden werden, wenn man eine größere Anzeige und komfortablere Bedienung haben will. Damit kann man messtechnisch alles machen, was für eine Reparatur von Audio-Elektronik nötig ist - natürlich nicht auf dem Niveau von Profi Messgeräten, aber um eine alte Kiste erstmal wieder ans Laufen zu bringen und rudimentär zu justieren, reicht es.

Was wichtig ist, und meist völlig untergeht, sind Messleitungen. Bei dem Oszilloskop sind schon ein paar Sachen dabei, aber ein paar 4mm Laborleitungen, ein paar "Kleps" von Hirschmann und Steckeradapter für die Geräte, die man reparieren will, können nicht schaden. Je mehr Strippen man hat, mit denen man im Zweifel provisorische Verkabelungen sicher herstellen kann, umso geringer das Risiko, sich beim Messen einen Schlag einzufangen oder was kaputtzumachen.

Ein weiterer kaum beachteter Punkt sind Feinsicherungen. Ich empfehle Sortimente wie diese hier:
https://www.reichelt.de/feinsicherungs-s...rYEALw_wcB
Die gibt es in träge, mittelträge und flink. Sie kosten zwar ein paar Euro, verhindern aber, in Versuchung zu kommen, wenn die richtige Sicherung nicht im Haus ist. Sowas gibt es auch für Japaner im großen Format, oder man stellt sich selber ein Sortiment zusammen. Wo ich die Finger von lassen würde, sind diese China Sicherungssortimente, da steht oft nicht mal eine Auslösecharakteristik drauf - man kann bei vielem sparen, bei Sicherungen würde ich das lassen.

Und last but not least - der Arbeitsplatz. Man kann an jedem Tisch arbeiten, es sollte aber ausreichend Platz vorhanden sein - man glaubt ja nicht, wie groß ein Gerät werden kann, wenn man es zerlegt. Weiterhin sollte man sich die Ablage demontierter Teile organisieren, vor allem dann, wenn man den Tisch nicht ständig mit dem grade auseinandergenommenen Gerät belegt haben kann / will. Ordnung ist bei Arbeiten an Elektrik ein echter Sicherheitsfaktor, und eine vernünftige Kleinteileablage, die man auch wegräumen kann, hilft vor allem, wenn man das Gerät nicht sofort wieder zusammenbauen kann / will. Wenn man die Demontageschritte mit dem Smartphone dokumentiert, und immer genügend leere Kleinteilekästen bereithält, hat man keine Probleme, wenn man das Gerät Wochen später wieder zusammenbauen will. Kleinteilekästen mit Fächern gibt es eigentlich immer für kleines Geld bei Ramschläden wie Action oder Tedi.

Alles andere, wirklich alles, würde ich projektbezogen kaufen. Wenn spezielle Schraubendreher erforderlich sind, würde ich die kaufen, wenn sie gebraucht werden, nicht schon auf Vorrat, und auch Bauteile würde ich mir nicht mehr auf Vorrat hinlegen. Meistens muss man eh eine Bestellung losschicken, und ob man dann die Standardteile auch noch mitbestellt, macht dann keinen Unterschied mehr. Wenn man alles erst kauft, wenn man es braucht, sammelt sich ein Arsenal an Werkzeugen und Hilfsmitteln an, und wenn man tiefer eingestiegen ist, guckt man eh bei jedem Lebensmittel-Einkauf die Ramschabteilung nach nützlichen Sachen durch. Das Schöne an solchen gewachsenen Sammlungen ist, dass alles viel besser zu den tatsächlichen Bedürfnissen passt als auf Vorrat gekaufte Geräte- und Werkzeugsammlungen.

Und dann eine schon fast philosophische Weisheit - Dinge ersetzen kein Wissen. Man kann heute bei Lidl Werkzeug kaufen, das für den Einstieg ins Reparatur-Hobby völlig ausreicht ( und auch darüberhinaus ). Die beste Weller Lötstation macht nicht automatisch aus einem Laien einen Lötprofi, die billigen China-Lötstationen sind für den Einstieg und darüberhinaus völlig ausreichend, wichtig ist, dass es eine temperaturgeregelte Lötstation mit ausreichend Power ist, und kein Brateisen mit 1000 Grad Leerlauftemperatur, die zusammenbrechen, sobald man eine Lötstelle berührt. Schöne teure Messgeräte machen Spaß, aber wenn man mit dem o.g. Hantek Teil nicht messen und Signale verfolgen kann, kann man es mit einer Laborausstattung zum Kleinwagenpreis auch nicht. Das, was ich oben beschrieben habe, reicht zum Anfangen, und alles andere kann man sich gönnen, wenn man merkt, dass man es braucht.

Noch ein paar Worte zum Trenntrafo. Dieser wird überall als "Must Have" gehandelt, was im Prinzip auch richtig ist. Für Geräte unbekannten Zustandes ist aber ein Regeltrafo eigentlich viel wichtiger, weil man damit die Spannung langsam hochdrehen und dabei die Stromaufnahme beobachten kann. Geräte für Werkstätten kombinieren die Regel- und Trennfunktion üblicherweise miteinander, kosten aber neu ab etwa 600 Euro aufwärts, und auch die gebrauchten aus ehemaligen Radio-/Fernsehwerkstätten sind in gutem Zustand nicht mehr für unter 300 Euro zu haben. Einfache Stelltrafos ohne Trennung gibt es schon für unter 100 Euro, und ohne jetzt den Sinn eines Trenntrafos in Frage zu stellen, sollte man sich am Anfang fragen, ob es nicht auch erstmal ohne geht. Der Trenntrafo schützt nur gegen Körperströme, die gegen Erde abfließen, freies Rumfingern in netzspannungsführenden Teilen sollte man auch lassen, wenn ein Trenntrafo davorhängt. Wenn man dafür sorgt, dass man durch isolierendes Schuhwerk oder eine isolierende Matte unter dem Tisch keine Verbindung zur Erde aufbauen kann, und sich an die Weisheit hält, immer nur mit einer Hand in Geräten zu hantieren, die unter Spannung stehen, dann kann kaum noch was passieren. Eine Rolle hochwertiges Isolierband ( Coroplast ) und zähe Folie ( z.B. alte Klarsichthüllen ) habe ich immer da, um mir bei Bedarf einen provisorischen Fingerschutz bauen zu können. DIe meisten HiFi Geräte haben einen Netztrafo und kaum Schaltungstechnik auf der Primärseite, da geht Sicherheit auch mit improvisierten Mitteln.

Das einzige Teil, was ich wirklich als Must Have für Audiogerätebastler empfehle, sind Lastwiderstände für Verstärkermessungen. Ich habe mir vor längerer Zeit mehrere hiervon in ein Metallgehäuse mit Laborbuchsen eingebaut:

https://www.ebay.de/itm/402751495398?chn...FPEALw_wcB

Für Leistungsmessungen an Verstärkern sind die unverzichtbar, wenn man nicht ständig die Familie und die Kinder quälen will ;-) .

Gruß Frank

@egon - Hilfsmittel wie Komponententester sind gut, wenn man weiß, was man von ihnen erwarten darf, und was nicht. Hierzu ist es für Anfänger hilfreich, erstmal zu lernen, wie man Komponenten ohne solche Hilfsmittel testet - siehe auch mein Statement zum Thema Wissen weiter oben.
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#21
Zum Trenntrafo sei gesagt, das es heute auch diese 10mA Personenschutz FI Schalter gibt. Die gab es ja früher nicht und sie sind sinnvoll. Zur Inbetriebnahme hat sich die Glühbirne in Reihe bestens bewährt.
Das Multimeter wäre noch wichtig. Ich habe heute andere Ansprüche als früher.
TRMS bis 100 kHz braucht man, wenn man an Audiogeräten arbeiten will. Das Gerät sollte sich auch au dB umstellen lassen.
MfG Matthias
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