04.10.2020, 14:40
Das sehe ich genau so. Es gibt viele Schlagerplatten, wo ich einzelne Songs eher in Richtung Pop einordnen würde, wo dann aber auch für mich unhörbarer Schrott drauf ist. Man muss sich eben die Rosinen raus picken und im Schlager gibt es eben viele die „nur“ Interpreten sind. Wenn Jemand wie Roland Kaiser oder Nino De Angelo ne Platte mit Dieter Bohlen macht dann kommt da für mich nichts gutes raus, mit einem anderen Produzenten wenn das musikalische und das Playback stimmt, dann kann das aber was werden. Über die 90er hat sich der Schlagersound insgesamt sehr negativ für mich verändert, weshalb ich damit eigentlich gar nix mehr anfangen kann, ist mit Pop aber nicht anders, trotzdem bleiben die tollen alten Sachen und pauschal kann man das eh nie sagen, weil es immer wieder Ausnahmen gibt und auch die Leute die dahinter stecken, können echt liebenswert sein. Hab neulich mal einen Beitrag zu Hans Blum gesehen, als der (ich glaub) 90 geworden ist und der war so herzig, dass ich echt nasse Augen bekommen habe. Ganz viel Liebe einfach nur! Und James Last auch, Happy Music ist nicht mein Ding, aber der hat Jazz Platten gemacht, in der Starparade tolle Arrangements mit junger, moderner Musik gemacht (John Miles - Music, das war Wahnsinn, hatte ich mal in ner Wiederholung bei zdf.Kultur gesehen) und Songs für große Künstler wie Elvis komponiert. Der Mann hat das, was er gemacht hat einfach geliebt und der hatte immer Respekt vor jungen Künstlern und neuer Musik, vor Allem Hard Rock und Heavy Metal oder auch Hip Hop hat den total begeistert, er hat ja auch mal ein Feature mit Fettes Brot gemacht. Und wenn man sich mal anguckt was der auf seinen ganzen Happy Music Platten in ein Arrangement verpackt hat, das moderne junge Musik auch zugänglich für ein ganz anderes Publikum gemacht hat sieht man ja schon daran, wie vielseitig der war. Deshalb großer Typ, sehr sehr liebenswert und voll dabei. Schade, dass er gestorben ist, aber ich glaube der war glücklich, dankbar und im Einklang mit sich selbst.
Und letztendlich geht es ja immer nur um Image. Wenn ich mich für Musik interessiere, die in bestimmten Kreisen als „anspruchsvoll“ oder „gut“ definiert wird, darf ich nicht Stock Aitken Waterman hören, weil das ist ja dann schlecht. Wenn man sich aber mal so einen Rick Astley Hit anhört und ein Bisschen Ahnung von Harmonie hat, müsste man eigentlich merken, dass das keine 0815 Kompositionen sind, die haben meistens ein paar Akkorde mehr oder besondere Kniffe, die weit über die 3 Akkorde hinaus gehen und keinesfalls dumm sind, während es genau so Indie Songs gibt, die das ganze Lied aus 2 Akkorden bestehen, in Intellektuellenkreisen dann aber darüber geredet wird wie schlau und musikalisch gut das gemacht hast, dabei ist das ganz oft total minimalistisch und musikalisch gar nicht mal so ausgefeilt, aber es ist dann plötzlich True, weil die Band so authentisch ist und die ja voll ihr eigenes Ding machen. Komisch... als Ende des letzten Jahrzehnts, so um 2007/2008 plötzlich Alle Indie Bands gleichzeitig aufhörten sich für schrabbelige Gitarren zu interessieren und plötzlich lieber Musik mit Synthesizern machen wollten um zu klingen wie Joy Division in den 80ern, was lange Zeit als seelenlos galt hat sich Niemand beschwert, dass das ein bisschen eigenartig ist, dass das plötzlich Alle so machen und jeder fand’s gut, ein paar Jahre davor wäre das undenkbar gewesen. Da hätten alle Alternatives/Indies gesagt „das ist doch totaler Schrott.“.
Und es ist auch häufig so, dass Leute, die nie selbst Musik gemacht haben behaupten, es sei was musikalisch gut, aber nicht mal verstanden haben, wie eine Kadenz funktioniert. Dann hör ich mir das an und denk mir „naja geht so...“, wenn ich denen dann aber n Schlager von Peggy March aus den 60ern mit Orchester Arrangement vorspiele, wo dann Swing und Jazz Elemente drin sind und was wirklich auf nem hohen Niveau ist stoße ich komplett auf Ablehnung. Wenn man das Wort Schlager in den Mund nimmt, dann reagieren manche Leute sogar schon richtig aggressiv, so antrainierte Abwehrhaltung und das hat dann auch nix mit Geschmack zu tun. Die meisten Leute sind nämlich einfach nicht musikalisch. Die rutschen in irgend ne Sozialisierung rein und machen sich dann keine Gedanken mehr, hören was Ihnen vorgesetzt wird und sagen dann halt „das ist gut“, weil sie es so gelernt haben und dementsprechend wissen die auch, was sie Scheisse finden müssen. Ich hab ja Kontakte zum Radio, der Mensch, der mir da meinen kleinen Sendeplatz eingesteht hat auch so seine Barrieren, die ich nicht nachvollziehen kann. Münchener Freiheit, Pur oder die Prinzen lehnt er ab, Punk Bands wie Wizo mag er auch nicht. Wenn ich ihn frage warum, sagt er, dass das scheiss Musik ist. Begründen warum es scheiss Musik ist will er nicht. Es gibt aber Songs von Udo Jürgens, die gehen immer, Schlager soll aber nicht gespielt werden... neulich wollte ich einen Song der Guppe H+N aus dem Osten spielen „Flic Flac in die Nacht“, klingt wie Bad Boys Blue aber besser, ist hervorragend gemacht. Problem: Der Song klingt definitiv wie ein Schlager, das sagt auch die Musikredaktion. Komisch, Bohlen wird gespielt, natürlich Modern Talking, das ist dann aber ok, schlechter produziert aber ist ja nicht deutsch. Genau wie Tony Christie, George Baker oder so Mädchenbands wie Maywood, Luv, Arrabesque... was ist denn das Bitte Anderes als teilweise sogar furchtbar billiger Schlager, eben nur englisch?! Tja, kann mir Niemand begründen, aber offenbar gehts auch hier nicht um die tatsäschlich Qualität der Musik, sondern darum, wie Image den Einfluss auf den Durchschnittshörer prägt.
Ich mache selbst Musik, wenn ich was höre, analysiere ich es und natürlich gibts auch einfach gestrickte oder rotzige Songs, die eben einfach geil sind. Mir ist und war das aber schon immer scheissegal. Entweder ich mag was oder eben nicht. Ich hab neulich ne Platte vom Ehepaar Rink gekauft, christliche Familie, da ist ein total schmalziger Song drauf, den ich aber super schön finde und das im Moment auch sehr oft höre.
Heute ist Sozalisierung, Subkultur und Musik nicht mehr so eng miteinander verknüpft, früher war das aber so. Wenn du Punk sein wolltest musstest du Punk Rock hören und möglichst nicht die Ärzte oder Wizo sondern Schleimkeim Rotz auf der Wiese und son Kram. Wenn du was Anderes gehört hast warst du halt kein Punk und so war das in ganz vielen Bereichen, jede Subkultur hatte ihre Marken (Punk: Doc Martens oder vielleicht noch Boots & Braces, wenn man nicht so viel Geld hatte, Alpha Industries Bomberjacke und son Kram..., die Bandpullies waren oft von Fruit of the Loom), Nieten und sowas wurden meist bei Nix-gut bestellt oder bei EMP.
Mir war das immer egal. Eigentlich fand ich den Style immer toll, aber erstens hatte ich ein recht liberales Elternhaus, das mir so ziemlich Alles erlaubt hat und mit dem ich keinen Streit haben wollte (so rumlaufen hätte ich nämlich nicht gedurft) und ich hab auch keinen Grund zum rebellieren gesehen, denn es ging mir gut. Die Punks meinten aber sie müssten Häuser besetzen, schnorren gehen, unter der Brücke schlafen und dumme Sachen machen, die dem System eigentlich nicht geschadet haben, sondern eher Ihnen selbst. Heute weiß ich, dass die Alle n Haufen Pseudos waren, ihre Jugendmacke exzessiv ausgelebt haben und heute BWL studiert haben, n dicken Job und die größten Spießer von Allen, verheiratet, 2 Kinder, bürgerlich sind... eigentlich genau wie die „Wendehälse“ hätte man 1989/90 in diversen Gruppierungen vielleicht gesagt. Von Denen wurde mir auch immer gesagt ich kann kein Punk sein, weil ich zu lieb dazu bin und mir sowas gar nicht stehen würde, ich dann eher wie ein Pseudo aussehen würde... aber eigentlich sind ja am Anfang sowieso Alle erst mal Mitläufer und entwickeln sich dann in der Gruppe entweder zu Akzeptierten oder Ausgestoßenen und das funktioniert in jeder Subkultur so. Hohle Parolen nachquatschen fand ich jedenfalls damals schon doof, denn ne eigene Meinung hab ich nur dann, wenn ich nicht Alles nachquatsche und eigentlich heißt Punk ja auch das machen, wonach einem ist, wenn ich aber dazu gehören will muss ich genau wie im Mainstream oder in anderen Gruppierungen so sein, wie Alle Anderen meinen, dass es sein muss.
Und wenn Alle bestimmte Kleidung tragen und Merkmale, Einstellungen und Geschmäcker haben müssen, dann ist das ja auch wieder nicht was Eigenes.
Ich hole nun Alles nach, was ich in meiner Jugend verpasst habe. Nun habe ich sie, die 14 Loch Doc Martens, die Bomberjacke, die Nietenhalsbänder, den FCK NZS Pulli und so weiter... aber nicht weil ich so sein will, wie die Deppen von damals, sondern weil ich es mag und mir denke irgendwann bin ich zu alt für den Quatsch und dann ist es zu spät, aber jetzt grad tut mir das gut, weil ich merke, dass ich mich dadurch mehr mag und irgendwie mehr auf mich achte. Aber es gibt mir auch irgendwie das Gefühl, dass ich verstanden habe, dass diese ganzen Subkulturen genau so verlogen sind wie der Mainstream, denn Doc Martens und Co ist Kommerz und war’s auch damals schon und sich punkig kleiden ist ganz schön teuer. Diese Schuhe, die nun schon seit fast 20 Jahren in Thailand gefertigt werden kosten nämlich über 200 Euro und die Qualität war wohl auch in der englischen Originalfassung gar nicht mal so gut, wie gerne behauptet wird. Meine halten bisher, ich trage sie super gerne, sie sind wider meinen Erwartungen super bequem und man kann sie auch im Sommer anziehen, ohne zu schwitzen. Aber trotzdem: Erst mal finde ich es sowas von nicht Punk, dass erwartet wird, dass man sich als Jemand, der gegen das System sein soll oder will Schuhe kaufen muss, die von einem Unternehmen hergestellt werden, das schon vor Jahrzehnten in einer chinesischen Holding aufgegangen ist und systemkonformer nicht sein könnte und dann ist diese Symbolik insgesamt auch sehr gefährlich, denn ursprünglich wurden Doc Martens durch die Arbeiterbewegung in die Skinheadkultur und damit auch im Punk etabliert, von da aus splitteten sich die Skins in links, oi und rechts, und später dann auch Hools und Neonazis und auch Goths und Alternative, Metalheads und Rocker, die Alle trugen Doc Martens (meist mit unterschiedlichen Schnürsenkelfarben), genau so wie Viele auch die Alpha Industries Jacke. Es gibt sogar viele Behauptungen, dass Alpha Industries rechte Organisationen unterstützt. Soweit ich weiß ist das aber eigentlich ein amerikanischer Hersteller für militärische Produkte. Wie kann denn ein Punk, der gegen das System ist, denn einen Hersteller für militärische Arbeitskleidung unterstützen? Das ergibt Alles wenig Sinn. Vor Allem ist das kein Stück besser, als was von Nike, Adidas oder von mir aus auch New Yorker und H&M zu kaufen, vor Allem weil die Alle irgendwo in Asien oder Afrika fertigen und man nirgendwo mehr sicher sein kann, dass da keine Kinderarbeit drin steckt...
Insofern: Ich trage es, weil es schön ist (für mich) und Weils mir sicher auch Spaß macht mit der Symbolik in die richtige Richtung zu spielen, eine politische Message damit zu verbreiten oder etwas auszudrücken, außer mit dem FCK NZS Pulli vielleicht, der aber auch nicht Fair Trade ist... fände ich irgendwie vermessen, weil sich Alles irgendwie widerspricht und für mich einfach nur verlogen ist.
Und genau so ist es mit diesen Goldohren Anlagen. Die Elite, die den 15.000 Euro Transrotor mit 5000 Euro System hat, der aber nix besser macht, als ein 300 Euro Plattenspieler mit einem vernünftigen Feinschliff, aber behauptet wird es wäre so und man könnte jedes Teil am Plattenspieler hören und am Ende wird der Gesang der Buckewale in Halbschnitt gehört, weil das so gut klingt... und wenn man selbst irgendwie sagt, dass das Alles Quatsch ist wird man dafür belächelt, weil man einfach nicht fähig ist Unterschiede zu hören, die nicht mal messbar sind aber angeblich da... da fängts dann für mich an, dass ich innerlich verzweifle. Denn auch es ist es so, dass die Leute sich eine Exklusivität aufbauen. Es geht nur darum in eine Gruppe zu gehören und wenn Alle das Gleiche sagen kann man sich so seinen eigenen Glauben aufbauen, dass man selbst besser ist, Als das erbärmliche Fußvolk. Und genau so ist es mit Subkultur... egal ob Punk oder Golf Club, es ist immer eine Elite im positiven oder Negativen Sinn, die meint sie wäre anders, besser oder schlechter, als der Rest.
Es geht immer um Image und Ansehen und da mache ich nicht mit. Ich will gute Hardware in allen Anwendungsbereichen, das kann auch ein guter Ghettoblaster oder Walkman, eine Kompaktanlage oder ein Bluetooth Lautsprecher sein. Ich bin mit über deren klangliche Unterschiede bewusst aber dennoch werden hier oft Äpfel mit Birnen verglichen, es wird oft mit so Dingen wie „Blindvergleich“ argumentiert, oft geht es auch um HiRes und angeblich hörbare Unterschiede zur 44.1 Aufnahme. Ich habe noch Niemandem beim Blindvergleich gesehen, das wird immer nur erzählt und funktionieren tut das ja auch nur, wenn ich nicht selbst derjenige bin, der das Alles steuert. Im Prinzip muss ich in einem am Besten mit Unbekannten Raum sitzen und bis auf 2 Boxen darf da nix stehen. Gesteuert werden, muss das aus nem anderen Raum.
Ich höre auch keinen Unterschied zwischen mp3 (oberhalb 160) und wav File, weder über Boxen noch über Kopfhörer, selbst bei 128 kbps wird es schwierig, ich hab aber auch keine Lust mein Gehör auf Artefakte zu trainieren und den ganzen Tag zu vergleichen, ob da evtl. Was schlechter ist. Ich weiß dass digital analog überlegen ist und die Qualität der Aufnahmen auf meiner Kompaktanlage und meinen Einstiegscassettendecks jeder gut gemachten mp3 Datei stark unterlegen ist, es ist also in jedem Fall mehr als ausreichend, was juckt es mich Also? Ich will Musik hören und Spaß daran haben und mir nicht den Kopf zerbrechen, dass das MFSL HiRes Master für 70 Euro in der Limited Edition von 2016 vielleicht besser klingt als die Version bei Spotify, dafür ist mir mein Leben einfach zu kurz und das ist mir auch Alles viel zu teuer. Deshalb war ich weiter oben auch so wütend. Für mich ist das Alles immer etwas widersprüchlich, vor Allem, wenn Leute dann wesentliche Dinge nicht hören oder ignorieren, wie die Brummschleife im 10.000 Euro Röhrenamp, aber es klingt ja saugut, komisch, dass solche Probleme nicht mal meine JVC Kompaktanlage oder mein Sharp Ghettoblaster mit Chipendstufe haben... oder dass Leute nicht merken, dass sie ihre Boxen gegenphasig angeschlossen haben, aber die Flöhe auf ihrer High End Pressung hören wollen.... und ich werde dann ausgelacht, weil meine Linn Nexus Boxen sind ja absoluter Einsteigerbereich, für 1400 Mark bekommt man natürlich noch Nichts was so hoch auflöst, dass man solche Nuancen damit hören würde. Genau wie der ganze Quatsch mit irgendwelchen externen DACs und so.
LG Tobi
Und letztendlich geht es ja immer nur um Image. Wenn ich mich für Musik interessiere, die in bestimmten Kreisen als „anspruchsvoll“ oder „gut“ definiert wird, darf ich nicht Stock Aitken Waterman hören, weil das ist ja dann schlecht. Wenn man sich aber mal so einen Rick Astley Hit anhört und ein Bisschen Ahnung von Harmonie hat, müsste man eigentlich merken, dass das keine 0815 Kompositionen sind, die haben meistens ein paar Akkorde mehr oder besondere Kniffe, die weit über die 3 Akkorde hinaus gehen und keinesfalls dumm sind, während es genau so Indie Songs gibt, die das ganze Lied aus 2 Akkorden bestehen, in Intellektuellenkreisen dann aber darüber geredet wird wie schlau und musikalisch gut das gemacht hast, dabei ist das ganz oft total minimalistisch und musikalisch gar nicht mal so ausgefeilt, aber es ist dann plötzlich True, weil die Band so authentisch ist und die ja voll ihr eigenes Ding machen. Komisch... als Ende des letzten Jahrzehnts, so um 2007/2008 plötzlich Alle Indie Bands gleichzeitig aufhörten sich für schrabbelige Gitarren zu interessieren und plötzlich lieber Musik mit Synthesizern machen wollten um zu klingen wie Joy Division in den 80ern, was lange Zeit als seelenlos galt hat sich Niemand beschwert, dass das ein bisschen eigenartig ist, dass das plötzlich Alle so machen und jeder fand’s gut, ein paar Jahre davor wäre das undenkbar gewesen. Da hätten alle Alternatives/Indies gesagt „das ist doch totaler Schrott.“.
Und es ist auch häufig so, dass Leute, die nie selbst Musik gemacht haben behaupten, es sei was musikalisch gut, aber nicht mal verstanden haben, wie eine Kadenz funktioniert. Dann hör ich mir das an und denk mir „naja geht so...“, wenn ich denen dann aber n Schlager von Peggy March aus den 60ern mit Orchester Arrangement vorspiele, wo dann Swing und Jazz Elemente drin sind und was wirklich auf nem hohen Niveau ist stoße ich komplett auf Ablehnung. Wenn man das Wort Schlager in den Mund nimmt, dann reagieren manche Leute sogar schon richtig aggressiv, so antrainierte Abwehrhaltung und das hat dann auch nix mit Geschmack zu tun. Die meisten Leute sind nämlich einfach nicht musikalisch. Die rutschen in irgend ne Sozialisierung rein und machen sich dann keine Gedanken mehr, hören was Ihnen vorgesetzt wird und sagen dann halt „das ist gut“, weil sie es so gelernt haben und dementsprechend wissen die auch, was sie Scheisse finden müssen. Ich hab ja Kontakte zum Radio, der Mensch, der mir da meinen kleinen Sendeplatz eingesteht hat auch so seine Barrieren, die ich nicht nachvollziehen kann. Münchener Freiheit, Pur oder die Prinzen lehnt er ab, Punk Bands wie Wizo mag er auch nicht. Wenn ich ihn frage warum, sagt er, dass das scheiss Musik ist. Begründen warum es scheiss Musik ist will er nicht. Es gibt aber Songs von Udo Jürgens, die gehen immer, Schlager soll aber nicht gespielt werden... neulich wollte ich einen Song der Guppe H+N aus dem Osten spielen „Flic Flac in die Nacht“, klingt wie Bad Boys Blue aber besser, ist hervorragend gemacht. Problem: Der Song klingt definitiv wie ein Schlager, das sagt auch die Musikredaktion. Komisch, Bohlen wird gespielt, natürlich Modern Talking, das ist dann aber ok, schlechter produziert aber ist ja nicht deutsch. Genau wie Tony Christie, George Baker oder so Mädchenbands wie Maywood, Luv, Arrabesque... was ist denn das Bitte Anderes als teilweise sogar furchtbar billiger Schlager, eben nur englisch?! Tja, kann mir Niemand begründen, aber offenbar gehts auch hier nicht um die tatsäschlich Qualität der Musik, sondern darum, wie Image den Einfluss auf den Durchschnittshörer prägt.
Ich mache selbst Musik, wenn ich was höre, analysiere ich es und natürlich gibts auch einfach gestrickte oder rotzige Songs, die eben einfach geil sind. Mir ist und war das aber schon immer scheissegal. Entweder ich mag was oder eben nicht. Ich hab neulich ne Platte vom Ehepaar Rink gekauft, christliche Familie, da ist ein total schmalziger Song drauf, den ich aber super schön finde und das im Moment auch sehr oft höre.
Heute ist Sozalisierung, Subkultur und Musik nicht mehr so eng miteinander verknüpft, früher war das aber so. Wenn du Punk sein wolltest musstest du Punk Rock hören und möglichst nicht die Ärzte oder Wizo sondern Schleimkeim Rotz auf der Wiese und son Kram. Wenn du was Anderes gehört hast warst du halt kein Punk und so war das in ganz vielen Bereichen, jede Subkultur hatte ihre Marken (Punk: Doc Martens oder vielleicht noch Boots & Braces, wenn man nicht so viel Geld hatte, Alpha Industries Bomberjacke und son Kram..., die Bandpullies waren oft von Fruit of the Loom), Nieten und sowas wurden meist bei Nix-gut bestellt oder bei EMP.
Mir war das immer egal. Eigentlich fand ich den Style immer toll, aber erstens hatte ich ein recht liberales Elternhaus, das mir so ziemlich Alles erlaubt hat und mit dem ich keinen Streit haben wollte (so rumlaufen hätte ich nämlich nicht gedurft) und ich hab auch keinen Grund zum rebellieren gesehen, denn es ging mir gut. Die Punks meinten aber sie müssten Häuser besetzen, schnorren gehen, unter der Brücke schlafen und dumme Sachen machen, die dem System eigentlich nicht geschadet haben, sondern eher Ihnen selbst. Heute weiß ich, dass die Alle n Haufen Pseudos waren, ihre Jugendmacke exzessiv ausgelebt haben und heute BWL studiert haben, n dicken Job und die größten Spießer von Allen, verheiratet, 2 Kinder, bürgerlich sind... eigentlich genau wie die „Wendehälse“ hätte man 1989/90 in diversen Gruppierungen vielleicht gesagt. Von Denen wurde mir auch immer gesagt ich kann kein Punk sein, weil ich zu lieb dazu bin und mir sowas gar nicht stehen würde, ich dann eher wie ein Pseudo aussehen würde... aber eigentlich sind ja am Anfang sowieso Alle erst mal Mitläufer und entwickeln sich dann in der Gruppe entweder zu Akzeptierten oder Ausgestoßenen und das funktioniert in jeder Subkultur so. Hohle Parolen nachquatschen fand ich jedenfalls damals schon doof, denn ne eigene Meinung hab ich nur dann, wenn ich nicht Alles nachquatsche und eigentlich heißt Punk ja auch das machen, wonach einem ist, wenn ich aber dazu gehören will muss ich genau wie im Mainstream oder in anderen Gruppierungen so sein, wie Alle Anderen meinen, dass es sein muss.
Und wenn Alle bestimmte Kleidung tragen und Merkmale, Einstellungen und Geschmäcker haben müssen, dann ist das ja auch wieder nicht was Eigenes.
Ich hole nun Alles nach, was ich in meiner Jugend verpasst habe. Nun habe ich sie, die 14 Loch Doc Martens, die Bomberjacke, die Nietenhalsbänder, den FCK NZS Pulli und so weiter... aber nicht weil ich so sein will, wie die Deppen von damals, sondern weil ich es mag und mir denke irgendwann bin ich zu alt für den Quatsch und dann ist es zu spät, aber jetzt grad tut mir das gut, weil ich merke, dass ich mich dadurch mehr mag und irgendwie mehr auf mich achte. Aber es gibt mir auch irgendwie das Gefühl, dass ich verstanden habe, dass diese ganzen Subkulturen genau so verlogen sind wie der Mainstream, denn Doc Martens und Co ist Kommerz und war’s auch damals schon und sich punkig kleiden ist ganz schön teuer. Diese Schuhe, die nun schon seit fast 20 Jahren in Thailand gefertigt werden kosten nämlich über 200 Euro und die Qualität war wohl auch in der englischen Originalfassung gar nicht mal so gut, wie gerne behauptet wird. Meine halten bisher, ich trage sie super gerne, sie sind wider meinen Erwartungen super bequem und man kann sie auch im Sommer anziehen, ohne zu schwitzen. Aber trotzdem: Erst mal finde ich es sowas von nicht Punk, dass erwartet wird, dass man sich als Jemand, der gegen das System sein soll oder will Schuhe kaufen muss, die von einem Unternehmen hergestellt werden, das schon vor Jahrzehnten in einer chinesischen Holding aufgegangen ist und systemkonformer nicht sein könnte und dann ist diese Symbolik insgesamt auch sehr gefährlich, denn ursprünglich wurden Doc Martens durch die Arbeiterbewegung in die Skinheadkultur und damit auch im Punk etabliert, von da aus splitteten sich die Skins in links, oi und rechts, und später dann auch Hools und Neonazis und auch Goths und Alternative, Metalheads und Rocker, die Alle trugen Doc Martens (meist mit unterschiedlichen Schnürsenkelfarben), genau so wie Viele auch die Alpha Industries Jacke. Es gibt sogar viele Behauptungen, dass Alpha Industries rechte Organisationen unterstützt. Soweit ich weiß ist das aber eigentlich ein amerikanischer Hersteller für militärische Produkte. Wie kann denn ein Punk, der gegen das System ist, denn einen Hersteller für militärische Arbeitskleidung unterstützen? Das ergibt Alles wenig Sinn. Vor Allem ist das kein Stück besser, als was von Nike, Adidas oder von mir aus auch New Yorker und H&M zu kaufen, vor Allem weil die Alle irgendwo in Asien oder Afrika fertigen und man nirgendwo mehr sicher sein kann, dass da keine Kinderarbeit drin steckt...
Insofern: Ich trage es, weil es schön ist (für mich) und Weils mir sicher auch Spaß macht mit der Symbolik in die richtige Richtung zu spielen, eine politische Message damit zu verbreiten oder etwas auszudrücken, außer mit dem FCK NZS Pulli vielleicht, der aber auch nicht Fair Trade ist... fände ich irgendwie vermessen, weil sich Alles irgendwie widerspricht und für mich einfach nur verlogen ist.
Und genau so ist es mit diesen Goldohren Anlagen. Die Elite, die den 15.000 Euro Transrotor mit 5000 Euro System hat, der aber nix besser macht, als ein 300 Euro Plattenspieler mit einem vernünftigen Feinschliff, aber behauptet wird es wäre so und man könnte jedes Teil am Plattenspieler hören und am Ende wird der Gesang der Buckewale in Halbschnitt gehört, weil das so gut klingt... und wenn man selbst irgendwie sagt, dass das Alles Quatsch ist wird man dafür belächelt, weil man einfach nicht fähig ist Unterschiede zu hören, die nicht mal messbar sind aber angeblich da... da fängts dann für mich an, dass ich innerlich verzweifle. Denn auch es ist es so, dass die Leute sich eine Exklusivität aufbauen. Es geht nur darum in eine Gruppe zu gehören und wenn Alle das Gleiche sagen kann man sich so seinen eigenen Glauben aufbauen, dass man selbst besser ist, Als das erbärmliche Fußvolk. Und genau so ist es mit Subkultur... egal ob Punk oder Golf Club, es ist immer eine Elite im positiven oder Negativen Sinn, die meint sie wäre anders, besser oder schlechter, als der Rest.
Es geht immer um Image und Ansehen und da mache ich nicht mit. Ich will gute Hardware in allen Anwendungsbereichen, das kann auch ein guter Ghettoblaster oder Walkman, eine Kompaktanlage oder ein Bluetooth Lautsprecher sein. Ich bin mit über deren klangliche Unterschiede bewusst aber dennoch werden hier oft Äpfel mit Birnen verglichen, es wird oft mit so Dingen wie „Blindvergleich“ argumentiert, oft geht es auch um HiRes und angeblich hörbare Unterschiede zur 44.1 Aufnahme. Ich habe noch Niemandem beim Blindvergleich gesehen, das wird immer nur erzählt und funktionieren tut das ja auch nur, wenn ich nicht selbst derjenige bin, der das Alles steuert. Im Prinzip muss ich in einem am Besten mit Unbekannten Raum sitzen und bis auf 2 Boxen darf da nix stehen. Gesteuert werden, muss das aus nem anderen Raum.
Ich höre auch keinen Unterschied zwischen mp3 (oberhalb 160) und wav File, weder über Boxen noch über Kopfhörer, selbst bei 128 kbps wird es schwierig, ich hab aber auch keine Lust mein Gehör auf Artefakte zu trainieren und den ganzen Tag zu vergleichen, ob da evtl. Was schlechter ist. Ich weiß dass digital analog überlegen ist und die Qualität der Aufnahmen auf meiner Kompaktanlage und meinen Einstiegscassettendecks jeder gut gemachten mp3 Datei stark unterlegen ist, es ist also in jedem Fall mehr als ausreichend, was juckt es mich Also? Ich will Musik hören und Spaß daran haben und mir nicht den Kopf zerbrechen, dass das MFSL HiRes Master für 70 Euro in der Limited Edition von 2016 vielleicht besser klingt als die Version bei Spotify, dafür ist mir mein Leben einfach zu kurz und das ist mir auch Alles viel zu teuer. Deshalb war ich weiter oben auch so wütend. Für mich ist das Alles immer etwas widersprüchlich, vor Allem, wenn Leute dann wesentliche Dinge nicht hören oder ignorieren, wie die Brummschleife im 10.000 Euro Röhrenamp, aber es klingt ja saugut, komisch, dass solche Probleme nicht mal meine JVC Kompaktanlage oder mein Sharp Ghettoblaster mit Chipendstufe haben... oder dass Leute nicht merken, dass sie ihre Boxen gegenphasig angeschlossen haben, aber die Flöhe auf ihrer High End Pressung hören wollen.... und ich werde dann ausgelacht, weil meine Linn Nexus Boxen sind ja absoluter Einsteigerbereich, für 1400 Mark bekommt man natürlich noch Nichts was so hoch auflöst, dass man solche Nuancen damit hören würde. Genau wie der ganze Quatsch mit irgendwelchen externen DACs und so.
LG Tobi
