Vergleich Aufnahmequalität RDL vs A77?!
#51
heinz,'index.php?page=Thread&postID=192390#post192390 schrieb:Habe ich etwas übersehen, oder ist das Thema 'Bandzug bei der RdL' nur nebenbei gestreift worden?
Wenn überhaupt. Danke für die Erinnerung!

Betriebsbandzüge gehören zu den Dingen, die ich mit als erstes prüfe, wenn ich so eine Maschine zur Diagnose vor mir habe. Bei ungeregelten Bandzügen genügt oft die Messung von Dreh- und/oder Bremsmoment, bei fühlhebelgeregelten ist meist das Tentelometer (die Tortenschaufel etc.) die bessere Wahl.

Grüße, Peter
Grüße
Peter


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Die einen kennen mich, die anderen können mich.
(Konrad Adenauer)
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#52
Thomas,

noch eine Nachfrage zu deinen Kopfbildern:
Welcher ist der Wiedergabekopf, der erste ?

MfG Kai
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#53
Hatte Thomas in #47 geschrieben: das erste Bild zeigt den Aufnahmekopf.
Ist auch daran zu unterscheiden, dass der breitere AK-Spalt jenseits der beiden horizontalen Einstiche an den Bandkanten gut zu erkennen ist.
Beim WK keine Chance.

Grüße, Peter
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Peter


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#54
(OT: Ich hatte hier mal ein Bild von einem rekordverdächtig verschlissenen Rec-Kopf eingestellt: Tandberg 20A zeigt die Zähne
niels)
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#55
Ein Widerstand ist deutlich zu spüren beim Verdrehen des linken Tellers entgegen dem Uhrzeigersinn. Ob der hinreichend ist, kann ich nicht beurteilen.

Komisch ist auf jeden Fall, dass bereits zwei RDL hier schlechte Ergebnisse bringen.
Das Band mit den gezeigten DDR Aufnahmen kann man vermutlich auch mit verändertem Azimuth etc nicht mehr verbessern, weil die schlechten Höhen bereits durch die Aufnahme erzeugt sind, oder?

Nun, wenn die Köpfe meiner RDL nicht verschlissen sind, besteht noch Hoffnung.
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#56
Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192396#post192396 schrieb:Das Band mit den gezeigten DDR Aufnahmen kann man vermutlich auch mit verändertem Azimuth etc nicht mehr verbessern, weil die schlechten Höhen bereits durch die Aufnahme erzeugt sind, oder?
Da muss ich das corpus delicti in meinen Händen haben, um darüber definitiv etwas äußern zu können.
Nach dem jetzigen Kenntnisstand sehe ich wenig Aussichten auf Besserung, doch bei genauerer praktischer Analyse kann das bisherige Bild sich auch wandeln.

Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192396#post192396 schrieb:Nun, wenn die Köpfe meiner RDL nicht verschlissen sind, besteht noch Hoffnung.
Auch dies kann erst durch genauere Untersuchung der Köpfe entschieden werden, vor allem aber durch die ELA-Messungen.
Auf den Fotos erkenne ich nicht genug, um eine gültige Aussage über den Verschleißzustand zu machen.
Die Abschliffbreite ist nur eines von von mehreren Indizien.

Grüße, Peter
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Peter


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#57
Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192396#post192396 schrieb:Komisch ist auf jeden Fall, dass bereits zwei RDL hier schlechte Ergebnisse bringen.

Es tut mir leid, dass ich mich schon wieder zum Klugscheissen berufen fühle aber ich kann nicht anders... Big Grin

"Komisch" ist das in meinen Augen nicht - leicht zugängliche Verstellschrauben auf dem Kopfträger laden nun mal zum Verstellen ein und da die RdLs allesamt betagt sind und möglichweise auch schon viel hinter sich haben, ist die Chance, an eine Maschine zu geraten an der noch nie beherzt (oder besser: unbedarft und aufs Geratewohl) herumgekurbelt wurde, überaus gering.
Ebenfalls nicht komisch empfinde ich die Tatsache, dass hier im Threadverlauf beim "Einmessen" als mögliche "Therapie" begonnen wurde und man dann am Ende doch erstmal bei den (zumeist mechanischen) Basics angekommen ist (Kopfspiegel, Reinigung, Azimuth, Bandzug, Umschlingung etc.). Wie ich schon in #17 schrieb... Aber auch das ist wieder Klugscheisserei und ich gelobe jetzt nun endlich Besserung. Das wird wohl das letzte Mal gewesen sein, dass ich hier erwähne, bei unbekannten oder unrevidierten und wenig gewarteten Geräten erst mit den augenfälligen Grundlagen zu beginnen, bevor man mit dem Feinst-Tuning fortfährt (oder abschliesst).

Ein Wort noch zu den beiden Fotos der Köpfe (#47): beim Aufnahmekopf stimmte über einen längeren Zeitpunkt die Umschlingung nicht, beim Wiedergabekopf ebenso, wobei der auch noch oben nach vorne geneigt steht. Aber wie Peter schon schreibt, wäre eine nähere Inaugenscheinnahme nötig. Wenn dieses asymmetrische Schliffbild nämlich schon sehr tief in den Kopf eingearbeitet ist, würde eine Verdrehung in die korrekte Position u.U. nicht mehr viel bringen. Dann wäre zur Rettung allenfalls noch das vielgescholtene Läppen eine Option, bevor man d. Köpfe tauscht. Ausprobieren schadet aber nichts. Neben der Kopfstellung sollte in jedem Falle auch die mechanische Beschaffenheit der Bandführung geprüft werden. Verbogene Fühl- und Führungshebel/-Bolzen können den Band-/Kopf-Kontakt ebenfalls nachhaltig negativ beeinflussen. Und das wäre nicht die erste Maschine, an der Führungsstifte verbogen sind (wenn es denn so wäre), zumal die RdL als transportable Maschine im Laufe Ihres Lebens sicher den ein oder anderen "Knuff" hinnehmen musste. Denn wenn auch die A77 ebenfalls einen Henkel hat, so liegen doch ihre (wenigen) Bandführungsteile nun mal "under cover" - ausser den Tellerachsen verbiegt sich da so schnell nichts.

heinz,'index.php?page=Thread&postID=192390#post192390 schrieb:oder ist das Thema 'Bandzug bei der RdL' nur nebenbei gestreift worden? Der wäre bei dumpfer Wiedergabe als erstes zu prüfen,
Naja... ...sh. #17 bzw- #27 ... Wink
Aber jetzt schalte ich den Klugscheiss-Modus endgültig ab und störe Euch nicht weiter. Immerhin scheint Thomas ja jetzt auf den richtigen Weg abgebogen zu sein, um festzustellen, warum seine RdL von der A77 so eklatant abweicht.

Gruß
P.

PS: @Thomas... ...ich möchte klarstellen: ich will wirklich nicht schulmeistern, bin selbst alles andere als prefekt und weis, dass der weit Blickende manchmal das Naheliegende vor seinen Füssen nicht sieht. Nur deshalb habe ich den Kram zuvor geschrieben.
So - und jetzt wird der erhobene Zeigefinger eingeklappt, versprochen! thumbsup
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#58
Hallo,

das Schliffbild der Köpfe sieht definitiv nicht normal aus, da stimmt die Umschlingung nicht. Soweit ich mich erinnere, kann man die Köpfe bei den Kopfträgern der RdL aber nicht nennenswert drehen.
Da der Bandpfad durch die links neben dem Aufnahmekopf befindliche Bandberuhigungsrolle und die Bandführung rechts neben dem Wiedergabekopf festgelegt ist, spielt für die Umschlingung auch eine Rolle, wie weit "vorn" bzw. "hinten" die Köpfe in ihrer Halterung sitzen.
Wenn z.B. der Wiedergabekopf zu weit vorn sitzt würde sich ein solches Schliffbild ergeben. Ob sich durch eine nachträgliche Justage der Köpfe das Ergebnis verbessern lässt ist allerdings fraglich, da sie ja offensichtlich schon lange Zeit so betrieben wurden und durch den "falschen" Einschliff die Geometrie nicht mehr stimmt.
Wenn das meine Maschine wäre, würde ich es einfach versuchen und wenn es nicht klappt ggf. einen Versuch mit läppen machen. Das wird hier zwar nicht so gern gehört, aber wenn die Köpfe keine guten Ergebnisse mehr bringen, kann man sie ja kaum noch mehr kaputt machen und Kopfträger für die RdL werden zum Glück ja des Öfteren zu moderaten Preisen in der Bucht angeboten.

MfG
Georg
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#59
PeZett,'index.php?page=Thread&postID=192398#post192398 schrieb:Naja... ...sh. #17 bzw- #27 ... Wink
Aber jetzt schalte ich den Klugscheiss-Modus endgültig ab und störe Euch nicht weiter. .
PeZett : Immerhin habe ich auch eine kleine Empfehlung mitgegeben, wie man das schnell, aber doch einigermaßen brauchbar überprüft. War als Ergänzung zu 17 und 27 gedacht. Keineswegs um Dich zu kränken oder zu erzürnen. Dass Du meinen ersten Beitrag seit Langem stark zurechtgestutzt in Deinen Rüffel integriert hast, finde ich schade. Motiviert mich nicht gerade für die Zukunft. Na ja ...

MfG
Heinz
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#60
Hallo Heinz,

haaaaaaaaalt... ...stop! So wollte ich das nicht verstanden wissen - das soll kein Rüffel sein, weder gegen irgend jemanden hier und erst recht nicht gegen Dich. Sorry, wenn das so rübergekommen ist. Ich ging vielleicht zu sehr davon aus, das Mitpostende auch den Threadverlauf gelesen haben, was dann den ein oder anderen (erneuten) Hinweis eigentlich erspart. Aber das kann man bei einem Thread, der eine beträchtliche Länge erreicht hat (mit durchaus gutem und interessantem Inhalt: siehe Beiträge von Kai und Peter R.)
wohl nicht erwarten. Ich werde daraus lernen... Also - alles gut... ...und fühle Dich bitte nicht vor den Kopf gestossen sondern motiviert, hier wieder öfter Beiträge zu schreiben.

Gruß
P.
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#61
Nun habe ich mal einen fast neuen Kopfträger eingesetzt. Der Klang verbesserte sich enorm in der Höhenwiedergabe . Trotzdem bleiben die Bässe schwammig. Die Maschine wird demnächst professionell untersucht.

Wieviel bringt es, verschlissene Köpfe aufzuarbeiten?
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#62
Moin moin Thomas,

ob Aufarbeiten=Läppen sinnvoll ist, hângt davon ab, was vorher die Ursache für die schlechte Höhenwiedergabe war. Wenn durch Abschliff die Kopfspalte zu weit geworden sind, wird es dadurch nicht besser. Es bringt was, wenn die Spaltbreite noch ok ist, aber ungleichmäßiger Abschliff verhindert, daß das Band bestmöglich anliegt.
Wenn du Kontakt zu Holger hast, frag ihn, er kennt sich damit wohl gut aus.
Was verstehtst du unter schwammigen Bässen ?
Ich könnte mit einer technischen Mängelbeschreibung mehr anfangen.

MfG Kei
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#63
Mal als Rückmeldung:

Gestern war die Maschine bei Peter R auf dem Seziertisch.
Wir stellten fest, dass es eine Kombination aus mechanischer Dejustage und elektrischen Fehlern ist.

Das Positive zuerst: die Maschine hielt tapfer aus, hörbare Gleichlaufschwankungen zB durch ausgehärtete Rollen/Durchrutschen blieben aus.

Aber: Azimuth und Vormagnetisierung konnten soweit eingestellt werden, dass es ok klingt Vor-/Hinterband. Die Sättigung in dem Kanälen R/L ist leider unterschiedlich.

Dennoch stellten wir fest, dass die RDL im Vergleich zu Revox und besonders Studiogeräten sehr nachlässig konstruiert ist:

1) Warum braucht es zum Betrieb des Monitorausgangs einen 6-poligen (!) Stecker, der nur auf 3 Polen beschaltet ist Um dem Käufern extra Geld aus der Tasche zu ziehen?

2) Warum ist die Entzerrung nicht richtig einstellbar für verschiedene Geschwindigkeiten?

3) Warum ist der Sitz der Tonköpfe praktisch nicht änderbar, besonders in der horizontalen Verschiebung? Steht der Schlitz nicht ganz senkrecht parallel zum Band, schleift der Kopf ungleichmäßig ab, ändern kann man es nicht?

4) Warum sind die Fertigungstoleranzen so groß, dass ein Entnehmen des Kopfträgers und Wiedereinsetzen oder auch Erwärmung der Maschine nach 2-3 Stunden den Azimuth verändert?

Alles Sachen, die im Betrieb "bei Onkel Heinz zur fröhlichen Sause" (als Synonym) nicht auffallen, aber trotzdem vermeidbar wären.
Insbesondere, wenn man 1970 für die RDL auch schon 1000 DM auf den Tisch legen sollte und für 1400 DM ne Revox A77 bekam. Die ein anderes Kaliber ist.

Peter mag mich ggf korrigieren.

Thomas


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#64
Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192585#post192585 schrieb:Die Sättigung in dem Kanälen R/L ist leider unterschiedlich.
Was ist damit gemeint? Im Moment entsinne ich mich nicht daran.


Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192585#post192585 schrieb:1) Warum braucht es zum Betrieb des Monitorausgangs einen 6-poligen (!) Stecker, der nur auf 3 Polen beschaltet ist Um dem Käufern extra Geld aus der Tasche zu ziehen?
Die Buchse diente auch zur Diasteuerung, daher die 6 Pole. Seltsam finde ich es allerdings schon, dass man diese Buchse benutzen muss, wenn man über einen angeschlossenen Verstärker während der Aufnahme zwischen Vor- und Hinterband umschalten möchte. (Mir ist natürlich bewusst, dass die fünfpolige „Radio“-DIN-Buchse normgemäß während Aufnahme kein Hinterband zulässt, um ein Übersprechen auf die hochohmigen DIN-Eingänge zu vermeiden.)


Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192585#post192585 schrieb:2) Warum ist die Entzerrung nicht richtig einstellbar für verschiedene Geschwindigkeiten?
Die VM auch nicht.


Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192585#post192585 schrieb:3) Warum ist der Sitz der Tonköpfe praktisch nicht änderbar, besonders in der horizontalen Verschiebung? Steht der Schlitz nicht ganz senkrecht parallel zum Band, schleift der Kopf ungleichmäßig ab, ändern kann man es nicht?
Hier ist der Umschlingungswinkel gemeint.
Die schief abgeschliffenen Köpfe aus Beitrag #47 lassen sich nicht korrigieren, strenggenommen gehören sie damit zum Entsorger.


Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192585#post192585 schrieb:4) Warum sind die Fertigungstoleranzen so groß, dass ein Entnehmen des Kopfträgers und Wiedereinsetzen oder auch Erwärmung der Maschine nach 2-3 Stunden den Azimuth verändert?
Was ca. 25 Grad Phasenversatz bei 10 kHz und 19 cm/s ausmachte.

Bandomatic1,'index.php?page=Thread&postID=192585#post192585 schrieb:Peter mag mich ggf korrigieren.
Was hiermit gern geschehen ist.
Noch eine Bitte: Könntest du nochmal nach unseren vier Diagrammen schauen?
Die sind nämlich bei mir nur unvollständig zu sehen.
Danke!

Grüße, Peter
Grüße
Peter


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#65
Hallo zusammen,

laut Schaltbild hat die RdL zwei 6-polige Buchsen, von denen die mit dem auf der Basis stehenden Dreieckssymbol auf 5 Pins belegt ist.
Zwei davon sind die Monitorausgänge bei Aufnahme. Die Buchse mit dem Projektorsymbol ist 6-polig belegt. Davon sind 2 die Ausgänge bei Wiedergabe, die auch auf der "Radio"-Buchse bei Wiedergabe liegen.
Nach dem "warum" für dieses und anderes zu fragen, kommt natürlich 50 (Royal)...40 (RdL) Jahre zu spät.
Man kann nur mutmaßen, daß damit die "Eier legende WollmilchSau" geschaffen werden sollte und ein Preislimit gesetzt war, der kein besseres Material und keine stabilere Konstruktion erlaubte. Sonst wäre der Preis in die Region einer großen Nagra gerutscht (mir fällt kein besserer Vergleich ein) und für Hobbyzwecke der meisten Konsumer unerschwinglich gewesen.
Ich habe es jetzt nicht nachgeprüft, aber ich könnte mir vorstellen, daß die jetzt erreichten Ergebnisse durchaus noch die erlaubten Toleranzen der damalige HiFi-DIN- Norm erfüllen. Für mehr mußten sich die Designer nicht abmühen.
Auch der auswechselbare Kopfträger dient dazu, den 4-Spur und 2-Spur Markt mit einer Maschine zu bedienen ( um nicht zu sagen "abzuschöpfen"), zu Lasten der Qualität, denn mit den dünnen Führungsstange und deren "Lagestabilitat" war keine Präzision zu erwarten.
Vermutlich verhalten sich in dieser Beziehung die Vorlâufermodelle Royal 784 (hatten kein auswechselbaren Kopfträger) besser.
An so einem Gerät habe ich Ende 196x oder Anfang der 70er Jahre mit den mir damals zur Verfügung stehenden Meßmitteln für 19 cm/s einen von ein paar hundert Herz bis ca. 20 kHz flachen Frequenzgang hinbekommen auf BASF DP26 und ähnlichen Philipsbändern. Im Bereich darunter geht das nicht wegen der Kopfspiegelresonanzen.
Man muß sich bei dieser Maschine, wenn man etwas Qualitätsanspruch hat, mit der Optimierung für 19 cm/s bescheiden. Ich hab die Royal 784 anfangs auch mit 9,5 cm/s betrieben. Die Folgen der ungenügenden Höhenaussteuerbarkeit bei Musikaufnahmen vom UKW-Radio wurden mir jedoch zunehmend unangenehm bewußt.
Bei der RdL, die ich vor ein paar Monaten erstanden habe, ist der Aufnahmekopf auch horizontal unsymmetrisch angeschliffen. Mit etwas Glück endet die Anliegefläche ein kleines bischen hinter dem Aufnahmespalt. Man müßte den Kopf etwas drehen, kann aber nicht. Ich habe noch nicht geprüft, ob man mit der Bandführung die Kopfumschlingung verbessern kann.

Bei euren Bildern erschließt sich mir nicht der Unterschied zwischen den beiden letzten für 19 cm/s.
Man sollte für die beiden Kanäle eigentlich parallel verlaufende Frequenzgänge hinbekommen.
Gibt es eine Vermutung, warum das beim vierten Bild garnicht danach aussieht ?
Wenn nicht klar ist, daß es an den Köpfen liegt, sollte man die Verstärkerelektronik mal ohne Band durchmessen.

Wenn man so ein Gerät trotz seiner Schwächen unbedingt sowohl mit 9,5 als auch 19 cm/s betreiben möchte, kann man durchaus umschaltbare Entzerrungen und HF-Vormagnetisierungen nachrüsten, wenn man das nötige Knowhow hat oder bereit ist, sich zu erwerben, und über die nötigen Fertigkeiten verfügt. Platz genug ist noch im Gerät vorhanden.
Ein anderes Gerät kaufen ist natürlich einfacher.
Man sieht an all dem, daß die Uhergeräte (von einer bekannten Ausnahme abgesehen) einen guten Ruf haben, der aber u.U. von den Geräten nicht in jeder Beziehung "eingelöst" wird.

MfG Kai
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#66
Ich möchte auf Thomas' Frage 4 zum Azimuth-Problem zusätzlich eingehen, um die erforderliche Präzision klar zu machen:
25° Phasendifferenz bei 19 cm/s und 10 kHz entsprechen einem Wegunterschied von
19cm/s durch 10 kHz - > 19 um, mal 25°/360° -> 19/14,4 -> 1,32 um.
Der Abstand der beiden Tonspuren bei Viertelspur ist ca. die halbe Bandhöhe also 3,13 mm
1,32 um auf 3,13 mm entsprechen einem Winkel von 1,32u/3,13m rad -> 0,00132/3,13 *360/2/pi grad ->0,024 grad.

Man sieht daran, daß die Anforderungen an die Winkelreproduzierbarkeit sehr hoch sind, nicht nur, wenn man an einen auswechselbaren Kopfträger denkt, sondern auch, wenn man auf einem anderen Gerät aufgenommene Bänder wiedergeben will.
Die resultierende Pegel Reduktion aufgrund 25° Phasendifferenz beträgt Faktor cos(12,5°)=0,976 oder -0,2 dB.
Bei der doppelten Frequenz beträgt die Pegel Reduktion dann als Faktor 0,9 oder -0,85 dB.
Zusätzlich gibt es noch eine Pegelreduktion durch die erhöhte effektive Spaltbreite infolge Schiefstellung.
(Die hab ich jetzt noch nicht ausgeknobelt.)

Von "Fertigungstoleranzen so groß..." zu sprechen, ist angesichts dieser enorm hohen erforderlichen Präzision ein klein bischen ungerecht.
Wer sich in diese "archaische" Tonaufzeichnungstechnik verliebt und lieber benutzt als aktuelle Technik, bei der all diese Probleme entfallen, sollte sich auch ihrer Schwâchen bewußt sein.

Nix für ungut
mfG Kai

Nachkorrektur: Der o.a. Pegelverlust tritt nur bei Mono-Abmischung der beiden Stereokanäle auf. Im einzelnen Kanal hat man nur den Verlust durch die erhöhte effektive Spaltbreite. Bei Viertelspur mit 1mm Spurhöhe vergrößert sich die um 1,32 um/3,13 = 0,42 um in diesem Beispiel.
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#67
Hallo Kai, und alle anderen,

kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192589#post192589 schrieb:Ich habe es jetzt nicht nachgeprüft, aber ich könnte mir vorstellen, daß die jetzt erreichten Ergebnisse durchaus noch die erlaubten Toleranzen der damalige HiFi-DIN- Norm erfüllen.
Auf jeden Fall. Das liegt aber nicht zuletzt an dem - zumindest heutzutage großzügig erscheinenden - Toleranzfeld, welches DIN 45500 als Mindestanforderung für HiFi-Geräte vorsah:

[Bild: DIN_45500_Toleranzschlauch.jpg]


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192589#post192589 schrieb:Man muß sich bei dieser Maschine, wenn man etwas Qualitätsanspruch hat, mit der Optimierung für 19 cm/s bescheiden.
Genau dies war auch mein vorläufiges Fazit.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192589#post192589 schrieb:Bei euren Bildern erschließt sich mir nicht der Unterschied zwischen den beiden letzten für 19 cm/s.
Das hat wohl mit der telegrafischen Beschriftung der Diagramme zu tun.
Ich zeige sie nochmal, jetzt mit Erklärung:


Wiedergabe ab Bezugsband 19H
[Bild: Uher_Rd_L_C_2945_14446_BB19_H_FG_1k_31_5_20k_mit.jpg]


Eigenaufnahme 19 cm/s
[Bild: Uher_Rd_L_C_2945_14446_AW_19_FG_1k_31_5_16k.jpg]


Eigenaufnahme 9,5 cm/s
[Bild: Uher_Rd_L_C_2945_14446_AW_9_5_FG_1k_31_5_16k.jpg]


Eigenaufnahme 4,75 cm/s
[Bild: Uher_Rd_L_C_2945_14446_AW_4_75_FG_1k_31_5_16k.jpg]


Auffällig in allen Schrieben ist zunächst der deutliche Tiefenanstieg in beiden Kanälen, der wohl kaum ausschließlich mit der seitlichen Einstreuung des vollspurig aufgezeichneten Bezugsbands zu erklären ist. Da das Maximum mit den drei gemessenen Geschwindigkeiten wandert, wäre für eine evtl. Korrektur sinnvoll, sich auf eine der Geschwindigkeiten zu beschränken (vorzugsweise 19, auch aus den von dir erwähnten Gründen) und vielleicht noch die Entzerrungsschaltung zu modifizieren. Für den Anstieg um mehr als 2 dB bei 250 Hz und 19 cm/s wird jedoch eine simple Tiefenabsenkung nach Art eines Kuhschwanzentzerrers unzureichend sein. Wir werden sehen, was sich machen lässt.

Als nächstes ins Auge fällt der dramatische Höhenverlust des unteren Kopfsystems (rechter Kanal, rot) von bis zu 4,5 dB bei 18 kHz.

Wir hatten insgesamt vier Viertelspur-Kopfträger zur Verfügung. Aus zweien davon bekamen wir vergleichsweise manierliche Wiedergabefrequenzgänge heraus. Leider konnten wir meinen klaren Favoriten nicht verwenden, da bei diesem die Aufnahme nur auf einem Kanal funktionierte. Ob dies an einem defekten AK oder lediglich an einer unterbrochenen Verbindung im Kopfträger liegt, werden wir bei der nächsten Untersuchung herausbekommen, wir hatten beim ersten Termin mehr als genug zu tun.

Die relative Ausgeglichenheit des Höhenfrequenzgangs bei Eigenaufnahme mit 19 ist - mangels Einstellungsmöglichkeit für die Aufnahmeentzerrung - durch entsprechende Reduktion des Bias in Kanal II entstanden. Dies ist selbstverständlich - wie ich Thomas einschärfte - nur eine Interimslösung bis zum nächsten „Behandlungstermin“ und das schlichte Gegenteil einer korrekten Einmessung, mit der man dann für die nächsten zwei Jahre seine Ruhe hätte.

Leider habe ich an revisionsbedürftigen Amateurmaschinen nicht selten feststellen müssen, dass bei defekter Entzerrung oder abgenutzten Köpfen der Frequenzgang auf solche Weise geradegebogen wurde. Unschön.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192589#post192589 schrieb:Man sollte für die beiden Kanäle eigentlich parallel verlaufende Frequenzgänge hinbekommen.
Daran werden wir auf jeden Fall arbeiten. Meine - hoffentlich arbeitsersparende - Idee dazu ist, den besten WK mit dem besten AK auf einem Kopfträger zu vereinen. Eine gewisse Vorauswahl dafür haben wir bereits getroffen, doch wird wahrscheinlich dieser Austausch inklusive Abgleich wiederum mehr als einen halben Tag benötigen.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192589#post192589 schrieb:Wenn nicht klar ist, daß es an den Köpfen liegt, sollte man die Verstärkerelektronik mal ohne Band durchmessen.
Das kommt spätestens beim „Tuning“ dran.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192592#post192592 schrieb:Ich möchte auf Thomas' Frage 4 zum Azimuth-Problem zusätzlich eingehen, um die erforderliche Präzision klar zu machen:
Danke für die Berechnung! Für Viertelspur (Spurbreite 1 mm, Rasen 0,75 mm) ergibt sich ein Spurmittenabstand von 3,5 mm, was bei 19 cm/s und ca. 20° Phasenfehlwinkel einer Spaltschiefstellung von 1 Winkelminute entspricht.

Das klingt zunächst wenig und liegt auch innerhalb vorgeschriebener Toleranzen, doch muss man sich auch vergegenwärtigen, dass sich jede Phasenverschiebung bei Halbierung der Bandgeschwindigkeit verdoppelt. Zudem haben wir nur einen Kurzzeiteffekt auf demselben Gerät beobachtet, den ich - neben anderen möglichen Ursachen - hauptsächlich der Erwärmung und einem zwischenzeitlichen Wechsel des Kopfträgers zuschreiben würde, aber das wird sich noch herausstellen.

Wenn ich zum Vergleich eine A77 heranziehen darf, welche ebenfalls eine relativ schlichte, aber präzise Bandführung aufweist: Bei intakten Exemplaren habe ich solche Bandlaufschwankungen nach so kurzer Gebrauchsdauer noch nicht erlebt.

Darüber hinaus fiel mir auf, dass die Kombination aus einem „normalen“ M3 Gewinde der Azimut-Justierschrauben und der relativ kleinen WK-Trägerplatte die exakte Azimutjustage zu einer echten Geduldsprobe machen kann. Kaum hat man den Schraubendreher angeschaut, schon ist die Azimuteinstellung wieder verstellt, zumal die Schraubengewinde sich sehr leicht drehen lassen und obendrein ein gewisses Spiel haben ("toter Gang"). Dabei sahen die Justierschrauben bei allen Kopfträgerexemplaren praktisch unbenutzt aus. (Mich hat das etwas an alte Röhrenradios erinnert, wo schon das Anhauchen des Abstimmungsknopfes den Sender verstellte.)

Die relativ starke Wirkung der Justierschraube und ihre leichte Verstellbarkeit erhöht natürlich auch die Chance von Fehljustage oder Selbstverstellung deutlich. Dies als ein Hinweis für Gerätebenutzer, die sich möglicherweise über schlechte oder schwankende Höhenwiedergabe von Aufnahmen mit niedrigen Geschwindigkeiten wundern („bei der Aufnahme damals war doch alles in Ordnung, wieso klingt das jetzt so dumpf?“)


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192592#post192592 schrieb:Zusätzlich gibt es noch eine Pegelreduktion durch die erhöhte effektive Spaltbreite infolge Schiefstellung.
Diese ist - relativ zum Pegelverlust durch Addition phasenverschobener Signale - regelmäßig vernachlässigbar, speziell bei Viertelspurlage, wo das Verhältnis zwischen Spurbreite und Spurmittenabstand 1/3,5 beträgt.

Gehörsmäßig lässt sich das übrigens leicht testen durch ein auf beiden Spuren aufgezeichnetes Rauschen. Ist z.B. der WK geringfügig dejustiert, zeigt sich bei Summierung beider Spuren relativ zu „Vorband“ eine deutliche Klangfärbung. Hört man nur eine der beiden Spuren ab, ist die - rechnerisch und messtechnisch vorhandene - Veränderung kaum noch wahrnehmbar.


Grüße, Peter
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Peter


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#68
Hallo Peter,

du erwähnst es nicht, aber mit der Wiedergabe ab Bezugsband für den blauen Kanal kann man eigentlich zufrieden sein, sind es doch nur (aus Firmensicht) +- 1,2 dB Variation. Jetzt stellt sich die Frage, warum der rote dagegen oben deutlich abfällt.
Für die RdL habe ich bislang keine von Uher veröffentlichte Frequenzgänge für Aufnahme- & Wiedergabe-Entzerrung und Über-alles gesehen. Bei der älteren Royal 784 gab es sowas auf der Rückseite des Schaltbild-Faltblattes. Soweit ich mich entsinne, gab es da auch einen Bassbuckel: +2 dB bei 200 Hz, 0 bei 100, -4 dB bei 50 Hz. In meiner Jugend habe ich versucht, den durch Modifikation der Bassentzerrung zu "entschärfen".
Bei den Höhen zeigt die Grafik von 500 Hz bis 12 kHz 0 dB, bei 16 kHz ca. -2 dB und behauptet, daß es bis 20 kHz dabei bliebe.
Bei 9,5 cm/s zeigt das Bild einen Bassbuckel von 2 dB bei 100 Hz, 0 dB bei 50 und oberhalb 300 Hz.
Bei 4,75 cm/s ist kein Bassbuckel zu sehen.
Ich habe bei 19 cm/s mal 25 Hz - 20 kHz mit +- 0,6 db geschafft , auch mal 23 Hz bis 23 kHz mit +-1,1 dB bei etwas mehr Höhenanhebung. Das war aber natürlich Bandsortenabhängig und erforderte wohl auch eine zusätzliche Beruhigung des Bandlaufes durch eine zusätzliche Bandführung. Wie lange das dann Bestand hatte, kann ich nicht sagen.

Der Abfall der Bezugsbandhöhenwiedergabe im roten Kanal könnte an einer größeren Spaltbreite bei der Spur liegen oder an einer Macke in der Wiedergabe-Höhenentzerrung dieses Kanals.
Bei dem zweiten Bild in deinem Beitrag (für Eigenaufnahme) verlaufen nun aber blau und rot parallel. War das von selber so oder habt ihr das durch aufnahmeseitigen Abgleich erzwungen ?

MfG Kai
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#69
Noch eine Anmerkung "in eigener Sache":

Vermutlich bin ich für Azimutprobleme und deren Beseitigung in jüngster Zeit deutlich sensibilisiert worden durch meine intensivierte Beschäftigung mit der für Messbänder notwendigen Bandlaufstabilität. Hier im Bild der vorläufig letzte Stand meiner Arbeiten am Referenzkopfträger für die M15A:

[Bild: M15_A_Referenzkopftr_ger.jpg]

Zu erkennen sind u.a. die drei Bandführungen mit Federscheiben, eine links vom WK (wegen deutscher Schichtlage links außen), die beiden anderen um den AK herum.

Die ursprünglich von TFK vorgesehenen Federn waren für Langspielbänder bereits zu stark, was sich an einer geringfügigen Azimutänderung beim Umstieg von SP- auf LP-Bänder bemerkbar machte. Deswegen habe ich an der für Azimutänderungen empfindlichsten und zudem entscheidenden Stelle - dem AK - zwei kleine Distanzhülsen eingefügt (zu erkennen unter den Schraubenköpfen), mit denen die Federn nun nur noch halb so stark zusammengedrückt werden.

Die damit neuerdings gemessenen Azimut-Abweichungen am Referenzkopfträger ergeben 0,6° Phasenversatz bei 19 cm/s und 20 kHz (!). Bei Halbspur-Stereowiedergabe einer Vollspuraufzeichnung - die gegenwärtige Konfiguration des Referenzkopfträgers - errechnet sich daraus eine Winkelgenauigkeit von 0,01 Winkelminuten, also 0,6 Winkelsekunden (!!). Und dies notabene und selbstverständlich auch nach dutzendfachem Kopfträgerwechsel oder bei Verwendung auf anderen M15A-Laufwerken. Ein augenfälliges Beispiel für den Unterschied zwischen dem technisch Erreichbaren und der Normalität.

Übrigens: Die - soweit mir bislang bekannt - präziseste Methode zur Erhöhung der Azimutpräzision von Messaufzeichnungen und der Einstellgenauigkeit von Bandmaschinen fand ich in einem sowjetischen Patent von 1973 (auf Deutsch als DD 107537 oder DE 2314126 bei https://depatisnet.dpma.de/). Dort wurden 15 Winkelsekunden als erreichbar angegeben.

Man möge mir diese Penibilität bitte nachsehen, doch die Erfahrungen der jüngsten Zeit haben mich so einiges über erreichbare Präzision gelehrt, was ich vorher noch nicht wusste und so auch nicht in den Lehrbüchern steht. Ich denke aber, dass mein dadurch erweiterter Horizont dabei helfen kann, das technisch Mögliche sogar bei jahrzehntelang geschundenen Amateurgeräten einzuschätzen und diese zu optimieren, falls und soweit dies sinnvoll erscheint.

Grüße, Peter
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Peter


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#70
Hallo Kai,

kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192599#post192599 schrieb:du erwähnst es nicht, aber mit der Wiedergabe ab Bezugsband für den blauen Kanal kann man eigentlich zufrieden sein, sind es doch nur (aus Firmensicht) +- 1,2 dB Variation.
Stimmt. Bei Geräten ohne einstellbare Wiedergabe EQ akzeptiere ich leicht verstärkte Höhen auch ohne Weiteres. Die bügeln sich - gemeinsam mit dem WK - ohnehin nach und nach von selber weg.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192599#post192599 schrieb:Jetzt stellt sich die Frage, warum der rote dagegen oben deutlich abfällt.

Genau.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192599#post192599 schrieb:Der Abfall der Bezugsbandhöhenwiedergabe im roten Kanal könnte an einer größeren Spaltbreite bei der Spur liegen oder an einer Macke in der Wiedergabe-Höhenentzerrung dieses Kanals.
Das Entzerrungsnetzwerk kann es nicht sein, weil der Frequenzgang mit zwei anderen WK soweit in Ordnung war. Wir haben deren BB-Frequenzgänge aber nicht dokumentiert, weil wir mit den zugehörigen AK aus den erwähnten Gründen (Aufnahme funktionierte nur auf einem Kanal) keine Eigenaufnahme-Frequenzgänge hätten ermitteln können.

Vielleicht kann der fragliche WK durch Läppen gewinnen, in jedem Fall existieren schon mal zwei besser erhaltene Köpfe als Reserve.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192599#post192599 schrieb:Bei den Höhen zeigt die Grafik von 500 Hz bis 12 kHz 0 dB, bei 16 kHz ca. -2 dB und behauptet, daß es bis 20 kHz dabei bliebe.
Diese Kurve gilt für Wiedergabe ab BB. Mal sehen was bei Eigenaufnahme möglich ist, sobald erst einmal die besten AK und WK miteinander kombiniert werden.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192599#post192599 schrieb:Bei 4,75 cm/s ist kein Bassbuckel zu sehen.
Ähm … 40 Hz / 1,3 dB – 63 & 125 Hz / 2,4 dB – 250 Hz / 1,5 dB = kein Bassbuckel?


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192599#post192599 schrieb:Bei dem zweiten Bild in deinem Beitrag (für Eigenaufnahme) verlaufen nun aber blau und rot parallel. War das von selber so oder habt ihr das durch aufnahmeseitigen Abgleich erzwungen ?
Zweiteres, d.h. schlicht durch fieses Tricksen. Das habe ich im Beitrag #67 mit diesen Worten zu beschreiben versucht:

Zitat:Die relative Ausgeglichenheit des Höhenfrequenzgangs bei Eigenaufnahme mit 19 ist - mangels Einstellungsmöglichkeit für die Aufnahmeentzerrung - durch entsprechende Reduktion des Bias in Kanal II entstanden. Dies ist selbstverständlich - wie ich Thomas einschärfte - nur eine Interimslösung bis zum nächsten „Behandlungstermin“ und das schlichte Gegenteil einer korrekten Einmessung, mit der man dann für die nächsten zwei Jahre seine Ruhe hätte. Leider habe ich an revisionsbedürftigen Amateurmaschinen nicht selten feststellen müssen, dass bei defekter Entzerrung oder abgenutzten Köpfen der Frequenzgang auf solche Weise geradegebogen wurde. Unschön.


Grüße, Peter
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Peter


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#71
Es ist jetzt weder böse noch gehässig gemeint, sondern wirklich nur schlichtes Interesse, wenn ich frage:
was muß man denn für eine M15 bzw. einen solchen Kopfträger ausgegeben ?

Allgemeiner gefragt in die größere Runde der Mitleser:
Welche erschwingliche Maschine aus dem Konsumerbereich kommt bezüglich Stabilität, Reproduzierbarkeit, Einstellbarkeit des Azimuth (fast vergessen: Offenheit des Bandlaufes) und damit ihrer Eignung zur optimalen Wiedergabe auch auf anderen Geräten entstandener Aufnahmen diesem Ideal nahe ?

Noch eine kleine Manöverkritik an den vorigen Balkendiagrammen:
Sie vermitteln auf ersten Blick nicht den "korrekten" Eindruck vom Frequenzgang, den man von den üblichen logarithmischen Frequenzschrieben gewohnt ist. Nur der Bereich von 63 Hz bis 4 kHz ist logarithmisch gestuft (oktav). 40 Hz und 6,3 kHz liegen etwa 1/2 Oktave unter/über dem vorigen Wert und der Bereich von 8 - 20 kHz ist (fast, wegen 12,5 kHz) linear gestuft. Damit wird ein "falscher" Eindruck vom Frequenzverlauf erzeugt, wenn man sich dessen nicht bewußt ist. Die Welligkeit über der Frequenz sieht anders (weniger dramatisch ?) aus, wenn man die Daten mal in eine halblogarithmische Grafik (dB vs.log(f)) einträgt.
Hilfreich kann auch sein (Standards hin oder her), im Bassbereich mehr Frequenzen anzuschauen (oder einen log-Sweep durchzuführen), weil man nur dann eine Chance hat, Kopfspiegelresonanzen von einer unvorteilhaften Bassentzerrung zu unterscheiden.

MfG Kai
PS: Ich sehe erst jetzt deinen Beitrag #70: Meine Anmerkungen zum Frequenzgang 500Hz -12 kHz (Zitat 4) und zum fehlenden Bassbuckel bei 4,75 cm/s (Zitat 5) bezogen sich auf die von Uher für die Royal 784 gezeigten Über-Alles Frequenzgänge, nicht auf eure Messungen.
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#72
Hallo Kai,

kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192603#post192603 schrieb:was muß man denn für eine M15 bzw. einen solchen Kopfträger ausgegeben ?
Das hängt natürlich in erster Linie von deren Erhaltungszustand ab (abgesehen vom Verhandlungsgeschick beim Erwerb :whistling: ).

Ich habe im letzten Jahr einige M15A, die nicht mehr liefen, vor dem Entsorger gerettet. Also nur Kosten für Fahrt und Revisionsarbeiten.

Auf ähnliche Weisen kamen auch Kopfträger, Köpfe und diverse andere Einzelteile zu mir geflogen, solange bis ich mir die „Perlen“ aussuchen und kombinieren konnte.

Einigermaßen lauffähige M15A kosteten bei ebay früher 250 Euronen oder weniger. Längst kommt man nicht mehr so billig davon, doch über die Entwicklung der Preise dort muss ich mich in einem Forum wie diesem wohl kaum äußern.

Mittlerweile werden für mehr oder weniger geprüfte Kopfträger locker 250 Euronen und mehr aufgerufen (Beispiele) 8|

Ach ja, damit die Kirsche am Baum bleibt: In den 1970er Jahren zahlte man für einen komplett montierten M15A-Kopfträger einschl. MwSt. etwa dasselbe wie für vier RdL. Wenn ich andererseits daran denke, dass beim RdL ausgerechnet die messingfarbene Eintauchrolle - deren Laufpräzision über die Bandlaufstabilität entscheidet - auf einer Kunststoffgabel montiert ist, die obendrein ziemlich wackelig geführt wird, komme ich nicht umhin zu sagen, dass hier genau am falschen Ende gespart wurde.


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192603#post192603 schrieb:Hilfreich kann auch sein (Standards hin oder her), im Bassbereich mehr Frequenzen anzuschauen (oder einen log-Sweep durchzuführen), weil man nur dann eine Chance hat, Kopfspiegelresonanzen von einer unvorteilhaften Bassentzerrung zu unterscheiden.
So ist es. (Den Begriff "Spiegelwelligkeit" würde ich allerdings bevorzugen.)

Ausnahmsweise habe ich diesmal für den Frequenzgang bei Eigenaufnahme die Balkendarstellung gewählt, weil bei Wiedergabe ab Bezugsband gar keine andere Darstellung möglich ist und bei einer Sweep-Darstellung die Vergleichbarkeit zwischen BB- und Eigenaufnahme-Frequenzgang evtl. erschwert würde.

Sobald die Überband-Abweichungen im tolerablen Rahmen liegen, werde ich wieder die Sweepdarstellung benutzen (die notabene erheblich schneller durchzuführen ist).

Demgegenüber lässt die Balkendarstellung gewisse Rückschlüsse auf die Gleichmäßigkeit der Magnetaufzeichnung zu (besonders bei kleinen Wellenlängen) und damit auch auf mögliche Ursachen für Frequenzgangfehler.

Grüße, Peter

PS. Mittlerweile habe ich auch gelernt, dass es "das" und nicht "die" RdL heißt.
Ich werde versuchen, mich daran zu halten :whistling:
Grüße
Peter


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#73
Mit "das RdL" kann ich mich nicht anfreunden. Man sagt zwar "das Gerät" aber nicht "das Bandmaschine", auch nicht "das Knebelschalter" sondern "der...". Aber das hat mit Logik so wenig zu tun wie wie eine andere semantische Fragestellung, die vor kurzem in einem anderen Thread diskutiert wurde...
Anderswo sagt man "La Luna"= "Die Mond" oder "El Niño"= "Der Kind".

Hier mal wieder was fast zum Thema, nämlich die von Uher gezeigten Frequenzgänge für das Vorläufermodell Royal 784, von denen ich weiter oben erzählt hatte:
   

Die elektrischen Frequenzgänge der RdL habe ich für 19 cm/s mit SPICE simuliert. Wenn Interesse besteht, kann ich die hier einstellen und die für 9,5 cm/s ergänzen. Ich plane auch eine Messung, konnte mich nur noch nicht für ein kostenloses Meß-Programm entscheiden.


MfG Kai
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#74
kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192608#post192608 schrieb:Aber das hat mit Logik so wenig zu tun wie eine andere semantische Fragestellung, die vor kurzem in einem anderen Thread diskutiert wurde...
… und die mich ungefähr im selben Grade interessiert wie die Genusfrage bei Modellbezeichnungen :whistling:

kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192608#post192608 schrieb:die von Uher gezeigten Frequenzgänge für das Vorläufermodell Royal 784, von denen ich weiter oben erzählt hatte:
Sehr schön, Danke!
Da werden wir wohl einiges zu tun bekommen, wenn am Ende bei der/dem RdL einigermaßen kongeniale Frequenzkurven stehen sollen ... 8|


kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192608#post192608 schrieb:Die elektrischen Frequenzgänge der RdL habe ich für 19 cm/s mit SPICE simuliert. Wenn Interesse besteht, kann ich die hier einstellen und die für 9,5 cm/s ergänzen.
Nur heraus damit thumbup
Auch die Simulationsdatei dazu würde mich natürlich interessieren, die könnte mir bei Überlegungen zu evtl. Modifikationen bestimmt eine Menge Arbeit ersparen helfen.

Grüße, Peter
Grüße
Peter


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#75
Hier die mit LTSPICE simulierten Entzerrungen der RdL bei 19 cm/s.
Aufnahme-Entzerrung:
   

Grün: Aufnahme-Entzerrung vom Eingang der Line-In Buchse (Auf der Spitze stehendes Dreieck, Pin 3 oder 5) zu Pin 1 oder 5 an der Buchse mit dem auf der Basis stehenden Dreieck bzw. dem oberen Ende von R138/139.
Korrektur: Pin 2 oder 5 !
Rot: Zum Vergleich Bassanhebung mit Zeitkonstante 3183 µs
Hellbraun: Zum Vergleich Bassanhebung mit 2400 µs und Höhenanhebung mit 19 µs
Der Frequenzgang ist willkürlich bei 1 kHz auf 0 dB gesetzt.
Man sieht, daß die Bassanhebung größer als normgemäß ist.

Wiedergabe-Entzerrung:
   

Rot: von Spannungsteiler mit ca.15kOhm auf 10 Ohm in den Fußpunkten der Spulen des Wiedergabekopfes zu den Pins 1/5 an der Projektorbuchse bzw. an den Hochpunkten von R120/122
Lila: Zum Vergleich 1/Omega-Gang mit 1000Hz/f
Grün: Eingekoppelt mit 1 MOhm in die Hochpunkte der Spulen des Wiedergabekopfes (Approximiert eine Stromeinkopplung in die Tonkopfspule. Störend ist allerdings der dadurch entstehende Spannungabfall am ohmschen Widerstand, der hier zu einer scheinbaren Bassanhebung unterhalb etwa 250 Hz führt)
Korrektur: Stimmt hier garnicht, ist leider ein altes Bild ohne den ohmschen Widerstand, siehe unten das neue Bild.
Hellbraun: Zum Vergleich Bassabsenkung mit 3183 µs Zeitkonstante und Höhenanhebung mit 55 µs.
Die Frequenzgänge sind bei 1 kHz auf 0 dB gesetzt.
Man sieht, daß die Bassabsenkung etwas größer als normgemäß ist, allerdings unterhalb ca. 20 Hz wieder kleiner. Das liegt an einem Resonanzpeak der Gegenkopplungsschaltung bei noch tieferen Frequenzen.

Ich habe Zweifel, daß die in vielen Service-Manuals vorgeschlagene Messung des Wiedergabefrequenzganges über die Fußpunkteinkopplung an der Tonkopfspule "der Weisheit letzter Schluß" ist. Grund sind die Wirbelstromverluste im Tonkopf.
Bei dieser Messung werden der elektrische Frequenzgang einschließlich der sich am oberen Frequenzbandende aus dortiger Induktivität und Eingangskapazität des Verstärkers ausbildenden Resonanz erfasst. Die Wirbelstromverluste bleiben jedoch so gut wie "draussen vor".
Eine Messung der Tonkopf-Impedanz zeigt jedoch, daß die Induktivität bei tiefen und mittleren Frequenzen allmählich abfällt.
Insgesamt scheint die Induktivität von ein paar Hundert Hz bis etwas über 20 kHz um 10...15% abzunehmen.
Das müßte sich eigentlich auch auf die vom Magnetband in die Spule induzierte Spannung auswirken.
Eine bessere Messung wäre deshalb wohl eine Stromeinkopplung in die Spule, allerdings ohne den "im Wege stehenden" Gleichstromwiderstand. Das läßt sich aber leider nur durch eine umständliche Kompensations- bzw. Brückenschaltung nachbilden.
Dann wären allerdings die Wirbelstromverluste mit drin in der Messung.

MfG Kai
PS: Noch eine Anmerkung zur Royal 784, damit keine Mißverständnisse aufkommen. Die Entzerrungsschaltungen waren dort im Detail anders. Ich habe die Frequenzgänge nur aus zwei Gründen erwähnt: Erstens wurden offenbar bei den späteren Modellen keine mehr veröffentlicht. Zweitens könnte es aber sein, daß sich die Designer von den gleichen Zielvorstellungen haben leiten lassen. Insofern sollten das Abgleich(Tuning)-Ziel nicht "kongeniale" Verläufe sein sondern noch bessere...
Korrektur: Ich hab oben versehentlich einen Playbackfrequenzgang für Einspeisung über 1MOhm ohne den Gleichstromwiderstand der Spule eingebunden. Deshalb hier ein drittes Bild mit Fußpunkteinspeisung (rot), 1MOhm-Einspeisung in den Hochpunkt ohne Rdc der Spule (grün) mit Rdc=177 Ohm (blau). Da ist dann auch die oben behauptete scheinbare Bassanhebung unterhalb ~ 300 Hz zu sehen:
   
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#76
Hallo Kai,

Danke für die Kurven! Sehr aufschlussreich, nachdem ich mir mittlerweile auch den Entzerrerschaltplan etwas genauer zu Gemüte geführt habe (man kommt ja zu nix…).

kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192611#post192611 schrieb:Eine bessere Messung wäre deshalb wohl eine Stromeinkopplung in die Spule, allerdings ohne den "im Wege stehenden" Gleichstromwiderstand. Das läßt sich aber leider nur durch eine umständliche Kompensations- bzw. Brückenschaltung nachbilden. Dann wären allerdings die Wirbelstromverluste mit drin in der Messung.
Eine noch „sauberere“ Lösung zur Umgehung der Einflüsse durch die Hörkopfimpedanz waren die vor 50 Jahren für Tonstudiogeräte durchaus gängigen (und in DIN IEC 94/3 für Klirrfaktormessungen auch vorgesehenen) Einspeisespulen als Teil eines Bandflussnetzwerks, z.B. des "Magnetton-Betriebsmeßgeräts R57" des IRT (später auch das K60 von EMT).

Hier ein Schaltvorschlag aus einem BASF-Aufsatz von 1961:

[Bild: Einspeisespule.jpg]
aus Heinz Schmidt, „Über die Entzerrung von Magnettonanlagen“
Funk-Technik Dez. 1961 S. 827

Unberücksichtigt bleiben hiermit nur noch die Dämpfung durch die rein wellenlängenabhängigen Einflüsse bei der Magnetbandwiedergabe, wie z.B. die Spaltdämpfung, eine evtl. vorhandene seitliche Einstreuung, die Spiegelwelligkeit und schließlich der Rückgang der Kopfspannung bei sehr großen Wellenlängen.

Für unsere Zwecke wird eine einfache Frequenzgangmessung des Wiedergabekanals vermutlich genügen. Alte Hasen (also unsereiner) werden die Restungenauigkeiten aus Erfahrung einigermaßen zufriedenstellend abschätzen können.

Grüße, Peter
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#77
kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192611#post192611 schrieb:Insofern sollten das Abgleich(Tuning)-Ziel nicht "kongeniale" Verläufe sein sondern noch bessere...
Wo wir schon dabei sind, unter uns evangelischen Pfarrerstöchtern - hier meine Vorstellung eines kongenialen Frequenzgangs für 19 cm/s, der nicht von ungefähr stark dem IRT-Toleranzschlauch ähnelt, mit dem Unterschied, dass ich ihn zu hohen Frequenzen hin nicht so stark erweitern würde:

[Bild: IRT_Toleranz_38.jpg]
(aus Dickreiter "Handbuch der Tonstudiotechnik" 2008 S. 586)



Danke übrigens für deine nachträgliche Korrektur!
Hatte mich schon etwas gewundert 8|

Grüße, Peter
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#78
Das wäre nochmal eine eigene Liste wert: "Haushaltsmaschinen", die vollständig einmessbar sind (Wiedergabepegel, -EQ, Aufnahmepegel, -EQ, Bias - und alles auf allen verfügbaren Geschwindigkeiten). Ich glaube, sogar bei der ASC AS 6000 wird der Aufnahmefrequenzgang mittels Bias glattgestrichen.

Ich weiß nicht, ob mich diese Rdl-Entzauberung überrascht.

niels
Wer bei Stereoaufnahmen kein Gegenspur-Übersprechen haben möchte, sollte Halbspur-Maschinen verwenden.
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#79
Über die endgültige technische Ausstattung dieser Haushalts-Maschinen entschieden nicht nur Ingenieure & Techniker sonder auch Kaufleute. Nur im Highend-Segment für die Kunden, die nicht mehr ins Portemonnai (ich kann mir nicht merken, wie man das korrekt schreibt) gucken vor einer Anschaffung, durften die Techniker sich austoben.
Wer Bescheid weiß und eine Maschine hat, die den Einsatz lohnt, und in der noch der nötige Platz vorhanden ist, kann das alles nachrüsten: Alte passive Entzerrungsbauteile (typisch die Gegenkopplungsschaltungen der Verstärker) rausreißen und neu mehrfach auf einer (oder mehr) separaten Platinen aufbauen und im einfachsten Fall mit Miniatur-Relais umschalten (oder elektronischen Schaltern). Wenn man Glück hat, kann man das von vorhandenen Geschwindigkeitsumschaltern steuern, andernfalls muß man noch einen zusätzlichen Entzerrungsumschalter betätigen.
Da ließen sich dann auch noch historische Entzerrungen aus dem Verlauf der Magnetbandgeschichte berücksichtigen.
Nützlich wäre auch ein separater Slot für adhoc optimierte Spezialentzerrungen für alte Fremdaufnahmen.

MfG Kai
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#80
niels,'index.php?page=Thread&postID=192615#post192615 schrieb:Das wäre nochmal eine eigene Liste wert: "Haushaltsmaschinen", die vollständig einmessbar sind (Wiedergabepegel, -EQ, Aufnahmepegel, -EQ, Bias - und alles auf allen verfügbaren Geschwindigkeiten).
Das würde mich auch interessieren.
Zu irgendwas müssen die mittlerweile im Netz kursierenden alten und neuen, mehr oder weniger ausführlichen Einmessanweisungen für Amateur- und "Heimstudio"-Maschinen mittels Bezugs- bzw. Messbändern und allem Schisselamäng ja nütze (gewesen) sein :whistling:

Grüße, Peter
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#81
Mein Beitrag #79 war noch verfangen in altmodischer Denkweise an Entzerrungschaltungen aus diskreten passiven Bauteilen in der Gegenkopplung der Aufnahme- bzw. Wiedergabeverstärker.
Zeitgemäßer und viel flexibler bei nur einer einzigen Entzerrungsschaltung wäre etwas anderes:
Wenn man die Gegenkopplungsschaltung so konzipiert, daß der Ersatz aller Widerstände durch sogenannte "Multiplying DACs" möglich ist, eventuell auch der Ersatz von unterschiedlichen Kondensatorwerten durch einen Kondensator, dessen effektive Kapazität durch einen Multiplying DAC eingestellt wird, dann bekommt man einen durch einen Controller oder PC einstellbaren riesigen Konfigurationsspielraum, der nahezu jegliche Entzerrung im Rahmen der Topologie der Schaltung einstellen läßt. (Multiplying DACs sind DACs, die eine Eingangswechselspannung mit einem digital eingestellten Faktor multipliziert wieder ausgeben).
Sobald man weiß, welche Entzerrung man realisieren möchte, kann man sie auch "programmieren" durch Senden der Koeffizienten an die DACs.

Wenn man heute noch Aufnahmen mit Bandgeräten macht, und damit rechnet, die Bänder auch (später) mal auf anderen Geräten wiederzugeben, so sollte man daran denken, auch eine Test-Ton-Folge auf dem Band aufzuzeichnen, anhand derer sich erforderlichenfalls Azimuth und Wiedergabe-Entzerrung optimieren lassen.
Die könnte bei der oben skizzierten Schaltung auch zur automatischen Entzerrungsanpassung herangezogen werden.

MfG Kai
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#82
kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192621#post192621 schrieb:Wenn man heute noch Aufnahmen mit Bandgeräten macht, und damit rechnet, die Bänder auch (später) mal auf anderen Geräten wiederzugeben, so sollte man daran denken, auch eine Test-Ton-Folge auf dem Band aufzuzeichnen, anhand derer sich erforderlichenfalls Azimuth und Wiedergabe-Entzerrung optimieren lassen.
Das befördert mich wieder zurück in die Historie professioneller Studiopraxis: Pegel- und Frequenzgangaufzeichnungen auf Kundenbändern waren zwar wünschenswert weil arbeitserleichternd, jedoch keineswegs die Regel.

Waren Lackfolien zu schneiden, ging bei vielen Bändern - nicht selten ohne jede Dokumentation - jedes Mal das große Rätselraten los: Welche Entzerrung, welche Aussteuerung, welcher Azimut? Dolby ja oder nein, und falls ja, mit welchem Pegel?

Manchmal brauchte man nachgerade den Spürsinn eines Pfadfinders, um zu einwandfreien Ergebnissen zu kommen, und die Spezialisten dieses Arbeitsbereichs waren oft nicht zu beneiden.

Ich kann Kais Anregung nur unterstützen.

Grüße, Peter
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#83
Tips zur Modifikation der RdL Entzerrung bezüglich der Meßergebnisse in Beitrag #67:

Der Bassbuckel bei Eigenaufnahmen mit der RdL wird zum Teil daran liegen, daß C69/70 in der Aufnahme-Entzerrung mit 220 nF zu klein gewählt sind. Für Norm-gerechte Zeitkonstante müßten da noch ca. 68 nF parallel gelegt werden (im Kopf überschlagen, nicht simuliert). Das bringt allerdings nur eine Reduktion um 1,x dB.
Wenn man möchte, daß sich die Bassanhebung bis ca. 20 Hz erstreckt, sollte man nur 33 nF parallel legen und zusätzlich R134/5 von 22k auf 68k erhöhen.
Der bei der Wiedergabe von Bezugsband oberhalb 1 kHz zunächst sichtbare Höhenanstieg (insbesondere für die blaue Kurve) lässt sich reduzieren, indem man in der Wiedergabe-Entzerrung den 1/Omega-Verlauf erst bei einer höheren Frequenz enden lässt. Das erreicht man durch Verkleinerung von R35/36 (bei 19 cm/s).

MfG Kai
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#84
Kai, Danke für deine Anregungen!

Ich denke, dass als nächster Schritt die Entzerrernetzwerke des Aufnahme- und Wiedergabeteils in Multisim landen werden. Wahrscheinlich sogar jeweils doppelt, damit man bei evtl. Modifikationen die Eigenschaften "vorher-nachher" unmittelbar miteinander vergleichen kann. (Das habe ich schon mit komplexeren Entzerrerschaltungen durchexerziert.)

Sobald dann die besten Köpfe auf einem Träger vereint sind, analysiere ich die dann aktuellen Frequenzkurven ("ab BB" und "über alles") nochmal genau. Und danach wird's der Dame mehr oder weniger ans Eingemachte gehen, soweit das sinnvoll, möglich und gewünscht ist.

Im Moment hat die Angelegenheit erst mal Pause, bis auf Abruf.

Grüße, Peter
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Peter


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#85
Lohnt sich denn der ganze Aufwand für dieses doch recht einfache Modell?
Oder geht's hier eher darum was denn rauszuholen wäre?
Viele Grüße
Jörg
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#86
Baruse,'index.php?page=Thread&postID=192631#post192631 schrieb:Lohnt sich denn der ganze Aufwand für dieses doch recht einfache Modell?
Das werden wir mit Sicherheit wohl erst im Nachhinein sagen können.
Der im Moment absehbare Aufwand hält sich in überschaubaren Grenzen, zumal die Maschine mechanisch ziemlich gut in Schuss zu sein scheint.

Baruse,'index.php?page=Thread&postID=192631#post192631 schrieb:Oder geht's hier eher darum was denn rauszuholen wäre?
Ich denke es geht zunächst darum, die Mühle wieder in die Werksspezifikation zurückzubekommen.

Ob eine technische Aufhübschung dann noch nötig oder wünschenswert ist, wird sich zeigen.
Wird bestimmt auch eine Zeit- und Geldfrage werden, worüber ich nicht entscheiden kann.

Grüße, Peter
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Peter


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#87
Ich habe heute morgen mal den Aufnahmefrequenzgang gemessen. Das ging noch relativ einfach.
Dann wollte ich den Wiedergabefrequenzgang messen ab WK-Spulen-Hochpunkte zur Projektorbuchse.
Es war nicht gerade einfach, in der Elektronik zu diesen Punkten vorzustoßen und da Miniatur-Krokodilklemmen anzubringen.
An die Kopf-Fußpunkte kommt man garnicht so ohne weiteres ran.
Ebenso ist es mit den Bauelementen der Wiedergabe-Entzerrung.
Man kann die Platine nicht mal so eben rausnehmen zwecks Löten/Umbau.
Ich hatte allerdings hierzu das Innenleben nicht aus dem Gehäuse geschwenkt, sondern nur die Bodenplatte abgenommen.
Drei nicht dokumentierte Unterschiede zum Schaltbild ab es auf der kleinen Playback-PreAmp-Platine auch noch.

Ihr solltet euch erstmal den "Tatort" ansehen, bevor ihr euch großes vornehmt.

MfG Kai
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#88
kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192634#post192634 schrieb:Ihr solltet euch erstmal den "Tatort" ansehen, bevor ihr euch großes vornehmt.
Das geschieht doch ohnehin auf dem Weg, aber Danke für den Hinweis!

Grüße, Peter
Grüße
Peter


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#89
Inzwischen habe ich sowohl eine Messung der Aufnahme-Entzerrung als auch der Wiedergabe-Entzerrung einer RdL zustande gekriegt. Letzteren allerdings noch nicht in der üblichen Fußpunkt-Einkopplung an den WK-Spulen, sondern mit Hochpunkt-Kopplung über 1 MOhm.
Die Ergebnisse habe ich mit denen der zugehörigen SPICE-Simulation in jeweils ein Bild gepackt zwecks Vergleich.

Zunächst einmal der Loopback-Frequenzgang der verwendeten Soundkarte:
   

Sie wurde mit 16 Bit, 48 kHz Samplerate betrieben. Der Frequenzgang-Ripple ist sehr gering. Oberhalb 20 kHz fällt der Frequenzgang steil ab.

Hier die Aufnahme-Entzerrung:
   

In blau die Simulation, rot & grün die Meßergebnisse für die beiden Stereokanäle.

Hier die Wiedergabe-Entzerrung für Speisung am heißen Ende der Wiedergabekopf-Spulen:
   

Blau: Simulation, rot & grün die Meßergebnisse für die beiden Stereokanäle.

Die Simulation liegt in beiden Fällen über den Meßkurven. Demnach weicht das Modell doch in einigen Punkten von der Realität ab.

MfG Kai
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#90
Danke für die Anregungen. Für mich teilweise noch etwas zu technisch.

Die Maschine ist mehr ein Studienobjekt. Ziel ist es natürlich, das Ding möglichst gut zum Laufen zu bekommen. Aber wenn sich zeigt, dass es einfach nur begrenzt machbar ist, ist das doch auch ne Erkenntnis. Ich habe ja noch die A77. Aber grade zum Bandtausch mit einem Freund mit einer RDL wäre es gut. Und natürlich, sich keinen Schrotthaufen hinzustellen.

Thomas
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#91
Hallo Thomas,

"Studienobjekt" ist schon mal ein guter Denkansatz bzw. eine passende Einstellung dazu. Hier gibt es Forianer, die wie du an ihren Anhängen siehst, schon dutzende Maschinen studiert haben und immer noch neue ausprobieren. Sicher frustruiert es, wenn eine Maschine nicht auf Anhieb funktionert, wie man es sich erträumt hat oder wenn sich zeigt, daß sie doch nicht so universell verwendbar ist, wie das frühere Promotionmaterial suggeriert hat. Immerhin waren "zu ihrer Zeit" einige zehntausend (oder mehr ?) Käufer mit so einem Gerät zufrieden, ohne vielleicht je die hier betrachteten Schwächen bemerkt zu haben.
Was den Austausch von Bändern mit einem Freund betrifft, hast du hier mitbekommen, daß diese alte Technik da besondere Probleme bereiten kann. Wenn ich es richtig verstanden habe, habt ihr jetzt unter 4-5 Kopfträgern noch keinen allseits befriedigenden für den Eigengebrauch gefunden. Wer weiß, wie kompatibel der deines Freundes mit deinem sein wird ? (und ob sein Azimuth passend eingestellt ist ?). Das (und noch andere) sind leider inhärente Probleme dieser alten Technik, die es gottseidank in der Welt der modernen digitalen Tonaufzeichnung nicht mehr gibt.
Nimms mir nicht übel, aber die beste Klangqualität beim Austausch von Musik mit Freunden für die heimische Wiedergabe mit einem Tonbandgerät werdet ihr erreichen, wenn der Sender seine Musik als WAV- oder mp3-File auf einem Memory-Stick verschickt und der Empfänger sie dann vom PC auf sein Bandgerät überspielt. Da reicht es dann völlig, wenn jeder sein Gerät für Eigenaufnahme optimal eingestellt hat. Noch größere Ketzer als ich werden natürlich sagen, was soll der Unfug, besser als die Wiedergabe von PC aus kann es doch über Band nicht mehr werden. Ich hab aber Verständnis für die nostalgische Freude an diesen Geräten. Die Beschäftigung damit ist aber auch nicht das reine "Zuckerschlecken" (und was die "Verbrauchskosten"=Bandmaterial betrifft, schon garnicht preisgünstig).

MfG Kai
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#92
Als vor ein paar Monaten in meiner Nähe eine RdL angeboten wurde, hab ich zugeschlagen, in der Hoffnung, daß sie Entzerrungs-mäßig besser zu meinen alten Royal 784 Bänder paßt, als eine einige Zeit davor erstandene Philips N4504. Bisher hatte ich nur ein mechanisches Problem beseitigt, aber noch nichts weiter an der Elektrik gecheckt.
Aus Anlaß dieses Threads hab ich jetzt mal versucht, den Über-alles-Frequenzgang für Eigenaufnahmen zu messen.
Dabei kam zum Teil Murks und zum Teil Info bei raus, die euch beim Abgleich von Thomas' Maschine von Nutzen sein könnte.
Deshalb zeige ich mal drei Messergebnisse.
Ich habe bei 4 Pegeln gemessen: -21, -16,-11 und -6 dB : Der Grund ist, der Zeiger des unteren Aussteuerungs-Instrumentes will parout nix über -0.5 dB anzeigen. Also hab ich -1 dB als meine Referenz für 0 db an meinem Testtongenerator festgelegt und dann dort bei den 4 Messungen um -20, -15, -10 und -5 dB runtergechaltet. Nach dem Aussteuerungs-Instrument kann man sich nämlich nicht richten (Es zeigt bei -11 dB ca. -16...-17 an, und bei -20 dB garnix mehr). Die Messung bei -21 dB hatte zu schlechten Störabstand, deshalb zeige ich nur die anderen. Die Frequenz wurde von 25 Hz bis 20 kHz feinstufig variiert.
Hier das Ergebnis für -16 dB:
   
Hier für -11 dB:
   
und nun für -6 dB:
   
Da das Plotprogramm (noch) automatisch skaliert, sind die vertikalen Skalierungen leider unterschiedlich ausgefallen (10 dB in den beiden ersten, 15 dB im letzten Bild).
Wie man sieht, hat der linke Kanal (mindestens) ein Problem: der Pegel zappelt vor sich hin und fällt bei hohen Frequenzen stark ab.
Der rechte macht einen besseren Eindruck. Der Verlauf übertrifft im ganzen Bereich die DIN 45500 und variiert nur um etwa 2 dB (+ - 1 dB klingt natürlich besser) zwischen etwa 42 Hz und 16 kHz. 25 Hz und 20 kHz liegen nur 2 dB unter dem Wert bei 1kHz. Im letzten Bild scheint trotz der hohen Aussteuerung auf -6 dB nur geringfügig weniger Pegel im Bereich oberhalb 8 kHz vorhanden zu sein. An diesem oberen Bereich läßt sich noch einiges begradigen.
Im Bereich zwischen 40 Hz und 1 kHz sind die berüchtigten Kopfspiegel"resonanzen" zu sehen, besonders sauber im letzten Bild. Die bleiben i.d.R. verborgen, wenn man nur bei den "amtlichen" Meßfrequenzen mißt (weiß nicht ob das Absicht war). So bekommt man aber einen besseren Eindruck, wie man in diesem unteren Bereich die Entzerrung korrigieren sollte, damit der Frequenzgang um ein angezieltes Ideal "pendelt".

MfG Kai
PS: Die Messungen wurden bei 19 cm/s mit BASF DP26 LHS durchgeführt (frisch aus verschweißter Verpackung).
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#93
Hallo Kai,

Danke für die Frequenzgänge! Die mehr oder weniger rhythmischen Pegelschwankungen im linken Kanal geben mir zu denken. Nicht selten entsteht ein solches Bild bei einer Kombination aus suboptimalem Band-Kopf-Kontakt und schwankendem Abwickelbandzug, allerdings würde ich dabei erwarten, dass die Schwankungen zu kleineren Wellenlängen zunehmen, was hier jedoch nicht der Fall ist … hmmm.

Gleichmäßigkeitsprobleme können auch durch fehlerhafte Bandchargen, stark abgenutzte Magnetschichten etc. entstehen, nur betreffen die dann meistens beide Kanäle.

Demgegenüber ist eine Spiegelwelligkeit von 1 dB bei 19 cm/s als ziemlich gut zu bezeichnen - da habe ich bei teureren Maschinen größere Abweichungen gesehen.

Grüße, Peter
Grüße
Peter


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Ich bin, wie ich bin.
Die einen kennen mich, die anderen können mich.
(Konrad Adenauer)
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#94
Hallo Peter,

das Gezappel auf diesem Bild vermittelt keinen in irgendeiner Weise zum zeitlichen Ablauf passenden Eindruck. Erstens weil in Blöcken von 4096 Samples ausgewertet wurde, nicht interpretierbare Blöcke weggelassen wurden und von den jeweils mehreren Blöcken zu einer Testfrequenz der Spitzenwert angezeigt wird (um nicht auf Dropouts reinzufallen). Ich könnte auch die rms-Werte darstellen, dann ergäbe sich ein anderes Bild, das aber den störenden Vorgang wohl auch verschleiern würde.
Da das Gerät senkrecht auf dem Küchentisch stand, konnte ich den Bandlauf dabei nicht beobachten. Das Gerät ist im Moment "unten rum" nicht bekleidet, damit ich schneller an die Eingeweide rankommen kann. Sonst hätte ich es lieber horizontal hingestellt und betrieben.
Der Bandkontakt zum Aufnahmekopf ist mir sehr suspekt, weil der zu sehende leichte Anschliff wie bei Thomas' frühen Bildern nicht symmetrisch zur vermuteten Kopfmitte (ich kann den Spalt nicht mehr sehen), sondern fast rechts davon ist, oben mehr als unten, also wohl auch vertikal schief. Wenn es das Pech will, endet die Auflagefläche oben (das ist doch der linke Kanal ?) gerade am Spalt und wird da mit dem restlichen Bandgezappel abstandsmoduliert. Ich weiß nicht, ob man durch Änderung der Lage (tieferes Reindrücken) der links davon befindlichen Bandführungsrolle etwas verbessern kann. Den Kopf kann wohl wegen der festen Montage auf der Dreipunktlagerung nicht drehen. (Warum bei tiefen Frequenzen links mehr rauskommt ist auch unklar).
Also auch hier allerlei Handlungsbedarf.
Schade, daß man deinen M15 Kopfträger da nicht einbauen kann.

MfG Kai
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#95
Grüße an die fleissigen Messtechniker, ich vermute mal stark, dass die obigen Messungen alle mit aufgesetztem Viertelspurkopfträger gemacht wurden ?
Ich würde die Messungen mit einem halbspurigen wiederholen und wetten, dass dann deutlich gleichmäßigere Werte dabei herauskommen.

Es ist leider bei Viertelspur immer der linke Kanal, der Ärger macht.

Thomas
Manche Tonträger werden mit jedem Ton träger.
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#96
Richtig, das ist Viertelspur.
Dein Vorschlag in Ehren, aber er läßt sich natürlich mit Vollspur noch toppen,
hilft aber nicht weiter, weil es nicht darum geht, hübsche Kurven zu erzeugen, sondern (in meinem Fall) um ein Gerät zur Digitalisierung vorhandener Viertelspur-Aufnahmen tauglich zu machen, die in den 60er und 70er Jahren auf einer Royal 784 entstanden, deren Antrieb dann aber zu sehr schwächelte.
Den Dingen mit Meßtechnik auf den Leib zu rücken, führt leider auch dazu, daß sich die Dornen noch tiefer ins Fleisch reindrücken, weil die Geräte-technischen Schwächen noch deutlicher in Erscheinung treten, als man sie vorher mit den Ohren wahrgenommen hat.
Schade, daß Tonbandgeräte nicht so modular aufgebaut wurden wie Plattenspieler: Laufwerk der Wahl von einer Firma, Tonkopf/abnehmer von einer anderen und Verstärker/Elektronik von einer dritten.
Allerdings, wenn man Plattenpielern mit Meßtechnik beim Abspielen von (kaum noch verfügbaren) Meßplatten zuguckt, kann man auch teilweise das Grausen/Fürchten lernen. Unsere Ohren sind da vergleichsweise gutmütig ( Profiohren vielleicht ausgenommen).

MfG Kai
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#97
kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192692#post192692 schrieb:Richtig, das ist Viertelspur.
... um ein Gerät zur Digitalisierung vorhandener Viertelspur-Aufnahmen tauglich zu machen, die in den 60er und 70er Jahren auf einer Royal 784 entstanden, ...
Den Dingen mit Meßtechnik auf den Leib zu rücken, führt leider auch dazu, daß sich die Dornen noch tiefer ins Fleisch reindrücken, weil die Geräte-technischen Schwächen noch deutlicher in Erscheinung treten, als man sie vorher mit den Ohren wahrgenommen hat.
Falls es von Interesse ist: zum Vergleich drei Überband-Frequenzkurven, die ich vor einigen Wochen an einer Viertelspur A77 MK III ermittelte, nachdem ich das gute Stück wieder ans Laufen bekommen hatte:


9,5 cm/s
[Bild: Revox_A77_G099794_AW_9_5_NAB_mit_BASF_DPR_2.jpg]


19 cm/s
[Bild: Revox_A77_G099794_AW_19_NAB_mit_BASF_DPR_26.jpg]


19 cm/s, dieselbe Aufzeichnung mit Wiedergabeentzerrung "IEC"
(Vertikalmaßstab entsprechend angepasst)
[Bild: Revox_A77_G099794_AW_19_IEC_mit_BASF_DPR_26.jpg]

Auffällig (und für mich unerwartet) war das praktische Fehlen der Spiegelwelligkeit. Die Welligkeit zu den Höhen hin wird größtenteils verursacht durch Bandflussschwankungen (zu erkennen daran, dass sie auf beiden Spuren synchron verlaufen).

Grüße, Peter
Grüße
Peter


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(Konrad Adenauer)
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#98
Sehr schön,

den Bereich von 35 Hz - 150 Hz kann man auch noch auf 0 dB + - 0.1(5) dB biegen.

Was soll die Maschine kosten ? Rolleyes


MfG Kai
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#99
kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192700#post192700 schrieb:den Bereich von 35 Hz - 150 Hz kann man auch noch auf 0 dB + - 0.1(5) dB biegen.
Was vielleicht sogar mir eine Spur exzessiv erscheinen würde …

kaimex,'index.php?page=Thread&postID=192700#post192700 schrieb:Was soll die Maschine kosten ? Rolleyes
Ich nehme die Frage mal ernst: Da sie nicht lief, war sie für mich gratis. Diverse Kurzschlüsse in Siebkondensatoren für den 21V Zweig hatten Audioteil und Capstan lahmgelegt. Zudem hatten sich die beiden Wiedergabepotis (Volume/Balance) komplett verabschiedet.

Nach Tausch von knapp zwei Dutzend Kondensatoren quer durchs Gerät, sechs Transistoren im Wiedergabeteil und Überbrückung der PB-Potis mit Festwiderständen läuft sie nun wieder wie frisch aus dem Laden, zumal die Köpfe kaum abgenutzt sind.

A77 Modelle in solchem oder ähnlichem Zustand werden nicht selten von rechtschaffen ahnungslosen Erben in der „kleinen“ Bucht für mehr oder weniger lau angeboten.

Interessehalber habe ich heute meine A77 MK IV HS, die ich vor einigen Monaten komplett revidiert hatte, zur Frequenzgangmessung nochmal aus ihrem Versteck geholt.

Diese Maschine hat mich seit Ende der 1970er Jahre durch mein Tonstudium und danach begleitet (>15 Jahre in relativ gnadenlosem Einsatz), läuft aber immer noch mit der ersten Kopfbestückung.

Ansonsten habe ich daran so ziemlich alles, was man vor 40 Jahren so veranstalten konnte, um- und angebaut: Bandzugerhöhung für freitragende Wickel, Varispeed von 6…56 cm/s, Studiopegel Ein- und Ausgänge, Kabelfernsteuerung, einstellbare Wiedergabeentzerrung etc.


Eigenaufnahme 19 cm/s mit LPR 35:
[Bild: Revox_A77_MK_IV_HS_G277505_AW_19_mit_BASF_LPR.jpg]

Auffällig ist der frühe Pegelrückgang zu tiefen Frequenzen hin, wie bei der Viertelspurversion, hier noch ausgeprägter.


dto. 38 cm/s mit PER 528:
[Bild: Revox_A77_MK_IV_HS_G277505_AW_38_mit_AGFA_PER.jpg]

Ja und schwupps, da sieht man sie wieder, die Tiefenwelligkeit bei 38 cm/s.
Das kommt halt von diesen kleinen Tonköpfen - die Physik schenkt uns nix ...

Grüße, Peter
Grüße
Peter


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1. Wenn das richtig einordne, haben sich die beiden kleinen Buckel bei 150 & 250 Hz im 19cm-Schrieb bei 38cm nach 300 Hz und 500 Hz transponiert, während die bei ~ 37 Hz & 70 Hz frisch aus dem Keller hochgekommen sind.
Was mir nicht einleuchtet ist, daß die Welligkeit in den beiden Kanälen so verschieden groß erscheint.

2. Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen MK III UND MK IV ?

3. Kann man bei MK III gezielt & reproduzierbar den Azimuth einstellen für die Wiedergabe von Fremdaufnahmen oder wären dazu andere Maschinen besser geeignet ?

MfG Kai
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