Kirmes-Beschallung
#1
Im Moment ist Kirmessaison, und als an Audiotechnik (nicht nur HiFi) interessierter Mensch gucke ich mir natürlich auch öfter mal die ELA-Anlagen der Schausteller (oder sagen wir mal: den sichtbaren Teil davon) genauer an.

Bei den Lautsprechern kommt vereinzelt Großserientechnik von Bose oder eher preiswerten Marken wie McCrypt zum Einsatz, aber es dominieren Boxen, die eher nach speziell für den Einsatz an Fahrgeschäften und Kirmesbuden hergestellter Kleinserie aussehen. Leider tragen viele kein Typenschild und keinen Markennamen, aber trotz der zahlreichen unterschiedlichen Bauformen hatte ich aufgrund von Gemeinsamkeiten bei der Bauweise immer den Vedacht, daß vieles der Lautsprechersysteme von einem einzigen Hersteller stammen.

Auffallend ist zum Beispiel eine in einem schmalen Holzrahmen eingefasste Metallvergitterung an der Front mit rautenförmigem Muster, die entfernt an alte Heizungsgitter erinnert, offene Kreuzschrauben vorne und hinten, oft eine beige-weiße Lackierung und die schon erwähnte Abwesenheit jeglicher Herstellerangaben.

Einer der üblichen "Quader" für den Mittel-Hochtonbereich:
   

Gleicher Einsatzbereich (vermute ich), aber etwas extravagantere Formgebung:
   

Dreiecksstrahler, vermutlich ebenfalls Mittlhochton:
   

Rundstrahler, mal buchstäblich...
   

   

... mal n-eckig:

   

Oder auch halbrund:
   

Stattlicher dreiteiliger Boxenturm im Autoscooter (vier mal vorhanden):

   

Mittelhochton-Box (ähnlich der ersten) auf Bassmodul von vorne:

   

... und von hinten:

   

Als ich im Internet mal aus Neugier etwas recherchiert habe, stieß ich auf die Firma Wilfried Kort Elektronik in Ratzeburg, die wohl eine langjährige Größe bei Schausteller-ELA ist. Und mit der Google-Bildersuche fand ich auch gleich einige Fotos von entsprechenden Lautsprechersystemen, die optisch genau zu den gezeigten passen. Die Annahme ist also nicht abwegig, daß alle (oder zumindest die meisten) der gezeigten Lautsprecher von Kort stammen.

Neben Lautsprechern fertigt Kort auch Verstärker und Mischpulte für Schausteller, die leider für Besucher aber kaum zu fotografieren sind. Bei Interesse hilft aber Google (Suchbegriff z.B. „Kort Stamix“).

Ebenfalls beliebt bei Schaustellern ist offenbar eine andere Firma, die einem die Identifikation ihrer Lautsprecher deutlich leichter macht, indem sie immer ein Blechschildchen mit dem Markennamen anbringt: Uhlenbrock in Ostercappeln bei Osnabrück. Auffälliges Merkmal ist, daß die Lautsprechergehäuse nicht aus Holz, sondern aus Aluminium bestehen.

   

   

Bassmodul von Uhlenbrock und Hoch-Mittelton-Box von (vermutlich) Kort friedlich vereint:

   

Die Firma hat (anders als Kort) auch einen Webauftritt, der sogar die Preise für die Gerätschaften nennt.

http://uhlenbrock-sound.de/

Und da war ich einigermaßen erstaunt, denn die kamen mir (auch wenn man berücksichtigt, daß sie ohne MwSt angegeben sind) angesichts der Tatsache, daß hier professionelle Qualität in Kleinstserie und Handarbeit gefertigt wird, überraschend gemäßigt vor.

Hierzulande deutlich seltener anzutreffen: Hofman Sound Systems aus den Niederlanden…

   

… und Bell aus Bad Kreuznach:

   

Beides sieht deutlich mehr nach industrieller Fertigung aus als die beiden ersterwähnten.

Ein Markenname, den man bis vor ein paar Jahren noch regelmäßig sah, der aber selten geworden ist, ist Zeck. Die Firma existiert wohl in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr.

Vielleicht liest ja jemand mit, der Erfahrung auf dem ELA-Gebiet hat und noch Informationen beisteuern kann. Ich finde das Thema interessant.
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#2
Hallo Timo,

allzu viele Informationen kann ich zu Deinem Beitrag nicht beisteuern. Zeck, ein wohl ehemals deutscher Hersteller von PA, ELA und Diskotheken-Beschallung ist m.W. tatsächlich Geschichte. (http://www.sam-audio.de/zeck/) Bell ist m.W. keine deutsche Marke auch wenn es einen Bell Audio Store in Bad Kreuznach gibt. Ich besitze selbst eine Bell Endstufe älteren Baujahres (...90er Jahre) die aber Made in Japan ist, wenn ich mich nicht ganz täusche (ich müsste sie mal hervor kramen... ...was man nicht alles so hat... :wacko: ).
Bei den Recherchen über die Hersteller der Beschallungen für sogen. Schausteller darf man m.E. nicht vergessen, dass viele dieser Betriebe über mehrere Generationen betrieben werden. Dies und der Umstand, dass sich heutzutage in den meisten Fällen nur noch sehr hart das Brot in diesem Gewerbe verdienen lässt, bedingt, dass möglichst viel des Equipments längstmöglich genutzt wird. Da sich am "kinetischen Gerät" (= dem Fahrgeschäft) aus Sicherheitsgründen aber nun mal nicht sparen lässt (das Zeugs also mit den Jahren erneuert werden muß), werden zumindest Lautsprecher und ähnl. Geraffel möglichst lange verwendet. Es ist also nicht auszuschliessen, dass man bei einem Fahrgeschäft Beschallungsanlagen aus den 70ern findet, ggf. sogar noch älter.
Soweit mein Senf zu Kettenkarussell, Autoscooter und Achterbahn...

Gruß
P.
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#3
Hallo Peter,

was es mit Bell auf sich hat, würde mich interessieren. Der Name lässt in der Tat nicht unbedingt auf einen deutschen Hersteller schließen, aber auf der Homepage heißt es, Bad Kreuznach sei der Stammsitz, und bei den Lautsprecherboxen steht zumindest teilweise, daß sie "Made in Germany" sind. Daß sie früher auch Verstärker japanischen Ursprungs vertrieben haben, widerspricht dem ja nicht unbedingt.

Daß viele der Schausteller-Lautsprecherboxen schon sehr betagt sind, glaube ich auch. Vor allem für die Produkte von Kort scheint es auch einen lebhaften Gebrauchtmarkt zu geben, z.B. auf schausteller.de. Möglicherweise werden auch an neuen Fahrgeschäften Lautsprecher eingesetzt, die schon durch mehrere Hände gegangen sind.

Gruß,
Timo
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#4
Timo,

es gab einen amerikanischen Hersteller BELL (benannt nach Floyd W. Bell, der bereits in den 30er Jahren des verg. Jahrhunderts Audio-Geräte herstellte). Dass Bell im Laufe der Zeit, wie eigentlich fast alle amerikanischen Audiohersteller, in Japan produzierten, darf als wahrscheinlich gelten. Das deutsche Unternehmen mit Namen Bell ist in der Tat in Bad Kreuznach (1972) gegründet worden, hatte aber von Anbeginn an PA und Beschallungstechnik auf der Arbeitskarte. Ob es da zwischen Beiden eine Art Verwandschaft (oder der vorangegangene Namens-Erwerb) gibt, bleibt nachzuprüfende Geschichte. Vielleicht hat aber auch das eine nichts mit dem anderen zu tun.
Gruß
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#5
kann leider nichts wissenswertes beisteuern, aber habe den Bericht von Timo aufmerksam gelesen. Super ! mal was anderes.
Mehr davon, bitte. :thumbup:

LG

Konrad
du hörst mit deinen Ohren, also vertrau deinen Ohren mehr als den Messwerten
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#6
timo,'index.php?page=Thread&postID=192200#post192200 schrieb:Neben Lautsprechern fertigt Kort auch Verstärker und Mischpulte für Schausteller, die leider für Besucher aber kaum zu fotografieren sind. Bei Interesse hilft aber Google (Suchbegriff z.B. „Kort Stamix“).

Auf der Schützenfest-Kirmes in Neuss war heute ein Schausteller so nett, seine Gerätschaften gut sichtbar aufzustellen:

   

Mischverstärker Kort Stamix 18 plus "Automatische Klangregelung" mit Programmen für Pop und Oldies. Smile
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#7
Kort Stamix 7, offenbar ein frühes Vorgängermodell des obigen? Den Umschalter zwischen "Platte" und "Band" könnte auf ein Produktionsdatum irgendwann in den 1970ern oder frühen 1980ern hindeuten.

   

An diesem Fahrgeschäft war das allerdings die einzige Komponente von Kort. Die Enstufe stammt von der Firma Stamer (HK Audio) im Saarland, die Lautsprecher von der Matsushita-Tochterfirma Ramsa.
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#8
Und am besten kam und kommt immer noch von : Sam The Sham & The Pharaos ...... Wooly Bully aus den Tröten... oder ?? :thumbsup: :thumbsup: 8o Rolleyes Big Grin 8) 8) Tongue

Gruß Ecki
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#9
Ich weiß nicht so richtig. Bei dem Lied könnte leicht der Vedacht aufkommen, der Bespaßer am Mikrofon hätte sich einen über den Durst getrunken. Smile
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#10
Hallo!

"Surfin´ Bird" (oder andere songs) von The Thrashmen kam aber auch schön schräg aus den Kirmes-Tröten...

Gruß
Wolfgang
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#11
cisumgolana,'index.php?page=Thread&postID=204710#post204710 schrieb:"Surfin´ Bird" (oder andere songs) von The Thrashmen kam aber auch schön schräg aus den Kirmes-Tröten...

Meine älteste musikalische Kirmes-Erinnerung ist "Yes Sir, I Can Boogie" von Baccara, irgendwann auf der "Cranger" in den späten 1970ern. Auch schräg, vor allem das Englisch. Smile
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#12
In den 70ern griff doch schon das Bundesemissionsschutzgesetz, m.a.W. die Lautstärke wurde gedeckelt. Das war dann schon lange nicht mehr so lustig. Und irgendwo in der Zeit wurde auch das Stoffdach von den Raupen entfernt. Spätestens als beide Maßnahmen griffen, machte Kirmes keinen Spaß mehr Big Grin
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#13
timo,'index.php?page=Thread&postID=204682#post204682 schrieb:Den Umschalter zwischen "Platte" und "Band" könnte auf ein Produktionsdatum irgendwann in den 1970ern oder frühen 1980ern hindeuten.

Hi Timo,
den Kort Geräten würde ich auch zutrauen, schon in den sehr frühen 70ern das Licht der Welt erblickt zu haben. Aber dazu müsste uns der nette Schausteller mal ins Innere der Kisten schauen lassen.

Übrigens: meine "Rummel"-Zeit geht auch eher auf "Wooly Bully" (...ein herrlicher Song) oder auf "Viva Bobby Joe" und "Baby come back" (beides von den Equals) zurück. Letztere liefen bei "uns" auf dem Rummel häufiger.

Gruß
Peter
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#14
@Timo

ein kleiner Nachtrag noch: http://www.schaustellermesse-2016.de/aus...lektronik/

Immerhin: 2016 noch auf der Messe vertreten. Der Link zur Homepage führt allerdings mittlerweile ins Nichts (= Error 404). Schade...
(Edit: In den Gelben Seiten sind sie noch zu finden.)

Hier sind im übrigen alle Aussteller der Messe gelistet: http://www.schaustellermesse-2016.de/aussteller/ ...da ist auch Bell geführt.

Gruß
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#15
PeZett,'index.php?page=Thread&postID=204753#post204753 schrieb:Immerhin: 2016 noch auf der Messe vertreten. Der Link zur Homepage führt allerdings mittlerweile ins Nichts (= Error 404). Schade...

Hallo Peter,

ich nehme an, da gab es nie eine Seite. Die Domain wird scheinbar nur für E-Mail genutzt. Offenbar hat der Betreuer dieser Ausstellerliste fälschlicherweise aus der Mailadresse mit Firmendomain geschlossen, es müsse auch einen Webauftritt geben. archive.org findet auch keine archivierte "richtige" Kort-Webseite.

Erstaunlich ist, daß Uhlenbrock nicht unter den Ausstellern ist. Die standen früher sogar auf der Hobbytronic.

Ein Phantom in meiner Bildersammlung waren übrigens bis vor kurzem noch diese Lautsprecher hier, die zwar in dieser Bauweise mit der "Gummidichtung" um die an den Ecken abgerundeten Abdeckung nicht ganz so häufig bei Fahrgeschäften auftauchen wie Kort und Uhlenbrock, aber dennoch mit einiger Regelmäßigkeit:

   

Möglicherweise habe ich auch hier den Hersteller identifiziert: Die Firma "Otto Heckl und Sonja Heckl Elektroakustik Elektronik" in Edling. Zumindest haben auch diese Heckl-Lautsprecher...

https://www.schausteller.de/anzeigenmark...77824.html

... diese auffälligen Merkmale, ebenso diese...

https://www.schausteller.de/anzeigenmark...93785.html

... und diese:

http://schaustellertreff.com/anzeigen/im...cher_1.jpg

Gruß,
Timo
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#16
   

"F. Reitz Electro Akustic" (tatsächlich so geschrieben) in Kassel. Das Internet findet nur wenig zu der Firma, existiert also offenbar schon lange nicht mehr.

   

"Melrow Audio" aus Frankreich.
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#17
Zum Glück gibt's neben den doch sehr stark dominierenden Kort, Uhlenbrock und Heckl (oder das, was ich dafür halte) immer noch ein paar Exoten, die das Thema für mich spannend machen.

   

Die standen an einer Gewinnbude. Drei-Wege-System mit ovalem Mitteltöner und zwei erstaunlich kleinen Hochtönern? Sehr ungewöhnlich! Wären nicht die Tragegriffe und das Alu-Gehäuse, könnte man sie eher für sehr betagte HiFi-Boxen halten. Wer mag da wohl der Hersteller sein?

   

Ziemlich sicher aus dem HiFi-Bereich stammen die (gesehen an einem kleinen Fahrgeschäft). Da löste sich schon das Furnier vom Gehäuse. Smile

   

Eigenbau?

   

Eine besondere Kuriosität, die man erst beim nahen Hinsehen als solche erkennt. Auf den ersten Blick sind das ganz gewöhnliche Mittelhochton-Strahler von Uhlenbrock, wie sie an etlichen Fahrgeschäften zu finden sind (siehe auch - in rosa - im ersten Beitrag).

Aber warum ist das Schildchen grün statt silbern?

   

Hoppla - Uhlenbrock-Lautsprecher "Tuned by Kort"? Das ist doch mal eine Überraschung. Um so mehr, weil Kort bei den Tuning-Maßnahmen das ursprüngliche Markenschildchen gegen ein eigenes ausgetauscht haben, während sie bei ihren eigenen Lautsprechern auf ein solches verzichten.

   

Nicht so recht einzuordnen weiß ich die, so eine durchscheinende Gitterfront mit sichtbaren Lautsprecher-Chassis habe ich sonst noch nie gesehen. Das Metallgehäuse mit eher dünnen Wänden und die vorne auf der Schallwand liegenden Anschlüsse könnten allerdings auf Reitz (siehe Beitrag 16) hindeuten.
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#18
https://www.schausteller.de/anzeigenmark...18408.html

"Kort Heimmix" mit nicht alltäglichen Reglern für Wärme, Melodie und Schärfe (neben den obligatorischen für Bass und Höhen).

Und warum "Heimmix"?
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#19
Faszinierend was du immer so ausgräbst... :thumbup:

Ich denke, das Gerät ist eben für die "daheim" Anwendung gedacht, die Ein-/Ausgangsbuchsen sprechen jedenfalls keine PA-Sprache. Daher also der Name.
So erkläre ich mir das jedenfalls.

Gruß
Peter
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#20
PeZett,'index.php?page=Thread&postID=220665#post220665 schrieb:Faszinierend was du immer so ausgräbst... :thumbup:

Das ist wie beim Aufräumen: Man findet immer das, wonach man gerade nicht sucht. Smile Eigentlich wollte ich ein paar Entdeckungen von der Schützenfest-Kirmes in Neuss-Furth am vergangenen Wochenende recherchieren.

Zitat:Ich denke, das Gerät ist eben für die "daheim" Anwendung gedacht, die Ein-/Ausgangsbuchsen sprechen jedenfalls keine PA-Sprache. Daher also der Name.

Der Name lässt keine andere Deutung zu, da gebe ich Dir recht. Mich macht aber so einiges stutzig:

- Wo im Heimbereich könnte es Bedarf für so ein Gerät zum Preis von 2.150 € geben?
- Warum DIN-Buchsen, obwohl das Gerät aus aktueller oder zumindest jüngerer Produktion zu stammen scheint (CE-Prüfsiegel, Neupreisangabe in €)?
- Was sollen die Regler? (Verdacht: Könnte es sich hier einfach um einen 5-Band-Equalizer mit etwas "blumigen" Bezeichnungen für die Regelbereiche handeln?)
- Warum "Mix", obwohl hier doch offensichtlich gar nichts gemischt, sondern nur der Klang geregelt wird?

Auf der anderen Seite erinnere ich mich, daß ich letztes Jahr bei meiner Suche nach der Firma Kort auch auf ein Gebraucht-Angebot eines Schaustellers für eine "Kort-Anlage für zu Hause" gestoßen bin (leider ohne Bild). Demnach zu urteilen scheint es also tatsächlich so zu sein, daß die Firma auch Geräte für den Heimgebrauch herstellt (wahrscheinlich für eine kleine Fangemeinde, die auch Kort-Anlagen gewerblich einsetzt).

Schade, daß die keinen Webauftritt haben, das würde vielleicht einiges erklären.
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#21
Ich halte das Kort "Heimmix" für einen Equalizer mit aktiver Frequenzweiche im gleichen Gehäuse.

MfG, Tobias
Strom kann erst dann fliessen, wenn Spannung anliegt.
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#22
@Timo

...die Buchsen (vor allem die Kombination aus Chinch und DIN) ist es ja gerade, was mich so stutzig macht. Die ganze Ausführung scheint mir insgesamt auf eine "Kleinstserie" (...wohl eher "ein paar wenige") hinzudeuten. Zu dem angegebenen Neupreis möchte ich mich nur soweit äussern als dass ich ihn nicht für realistisch halte. (Wer bezahlt für so etwas 2150,- es sein denn, es handelt sich um eine Individual-Anfertigung auf Kundenwunsch... ...das würde auch die Buchsenpaarung erklären). Was die Funktion angeht, bin ich bei Tobias: eine Art "parametrischer Equalizer mit aktiver Weiche. Ob man da was "mixen" kann, ist den Buchsen leider nicht anzusehen. Die fehlende Beschriftung lässt keine Deutung zu - leider. Ich nehme aber an, dass sich der dreistufige Kippschalter auf die drei Chinchpaare (=Eingänge für Signalquellen) bezieht. Damit wäre ein "Mix" aber ausgeschlossen.

Gruß
Peter
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#23
Heute auf der Rheinkirmes entdeckt: V.R. Verheyden aus Belgien. Interessanterweise in einem Design, bei dem ich (von kleinen Details wie der Gitterstruktur abgesehen) eher an Kort gedacht hätte.

   

   

Auf der Webseite ist ein umfangreiches Programm aus Verstärkern und Lautsprechern zu finden.

http://www.verheydenroland.com/
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#24
PeZett,'index.php?page=Thread&postID=220683#post220683 schrieb:eine Art "parametrischer Equalizer mit aktiver Weiche.
Also parametrisch ist das Einzige, was der mit Sicherheit nicht ist! Wink

Oder siehst du da noch Regler für Güte (Q-Faktor/Bandbreite) und Mittenfrequenz? Wenn, dann ist das ein Equalizer mit festen Frequenzen: Ich tippe so ungefähr auf 50 Hz/200 Hz/1 kHz/5 kHz und 12 kHz.

Ist es eigentlich undenkbar, dass Schausteller vereinzelt ihre Boxen auch selbst gebaut haben oder immer noch selbst bauen? So manches, was ich da in der Vergangenheit gesehen habe, sah mir oft danach aus! Ist ja im Prinzip für diese Brüllkisten auch keine Schwierigkeit: Hart aufgehängte Tieftöner, Mitteltonhörner und Piezos für den Hochtonbereich, einfache 6 dB-Weiche rein (die Piezos brauchen noch nicht mal eine), dazu eine stabile Kiste mit Metallecken und Speakon-Anschlüssen. Wer sich technisch ein bisschen auskennt, kann so was doch in der Winterpause zusammenzimmern!

LG Holgi
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#25
hannoholgi,'index.php?page=Thread&postID=222291#post222291 schrieb:Ist es eigentlich undenkbar, dass Schausteller vereinzelt ihre Boxen auch selbst gebaut haben oder immer noch selbst bauen? So manches, was ich da in der Vergangenheit gesehen habe, sah mir oft danach aus!

Daß die Schausteller selbst zu Säge und Lötkolben greifen, kann ich mir eigentlich nur im Ausnahmefall vorstellen. Wer von denen hat das entsprechende Wissen, die Gerätschaften und die Zeit? Und vor allem: Warum sollten sie? Ist doch einfacher, Lautsprecherboxen fertig zu kaufen.

Wenn Du mal wieder so etwas siehst, dann mach' mal ein Foto. Ich denke aber, daß sich das als Produkt der bereits hie erwähnten Kleinserienhersteller herausstellen wird. So manches von denen sieht ja ein bisschen selbstgebaut aus.
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#26
Bei einer Recherche stieß ich auf diesen Thread und fand die Diskussion hier ganz interessant, dass ich mich soeben mal kurzerhand angemeldet habe.


Ich habe rein zufällig häufiger mit diesen PA-Komponenten zu tun, da ich des Öfteren als Rekommandeur auf verschiedenen Plätzen im Einsatz bin. In den meisten Fällen wird an Fahrgeschäften tatsächlich mit den Komponenten der Firmen Kort und Uhlenbrock gearbeitet. Ich persönlich bevorzuge die Musikanlagen der Fa. Uhlenbrock. Sie zeichnen sich durch einen sehr ausgewogenen Klang aus und die Aluminium-Gehäuse sind für den transportablen Betrieb um Einiges robuster als Holz, MDF u.ä. Das schlägt sich natürlich auch im Preis wieder. Für die Beschallung eines großen Fahrgeschäfts kann man locker mit 30000 Euro rechnen, wenn man bei diesen Herstellern kauft.
Mittlerweile gibt es jedoch einige Hersteller, die eher im unteren Preissegment zu finden sind. Zu nennen wäre da die Fa. Bell, die in den letzten Jahren sich steigender Beliebtheit erfreut - oder auch Hofman Soundsystems aus den Niederlanden, die man vor Allem an neu ausgelieferten Fahrgeschäften des niederländischen Karussellbauers KMG vorfindet, da der Hersteller eng mit der Fa. Hofman zusammen arbeitet.

Tatsächlich gibt es auch bis heute noch Musikanlagen älteren Datums, vor Allem von Herstellern, die es in dieser Form gar nicht mehr gibt. Man stößt noch häufig auf Lautsprechersysteme von Reitz aus Kassel oder auch von Heckl aus Erding. Ganz selten - vor Allem bei nostalgischen Geschäften - kann man noch den Klang von Klein&Hummel, Deetjen oder sogar Philips erleben.

Ebenfalls zu erwähnen wäre da noch der niederländische Hersteller DiscoSmash bzw. DS Sound, der vor Allem für den Bau von Disco-PA bekannt ist.

An unserem Fahrgeschäft Alpha 1 kommt eine Musikanlage von V.R. Verheyden zum Einsatz. Wir nutzen Komponenten der Produktreihe LASER sowohl im 3-Wege-, als auch im Sub-Bereich. Die Lautsprecher wurden erst vor Kurzem generalüberholt, komplett zerlegt und neu verkabelt sowie die Holzgehäuse neu pulverbeschichtet und lackiert. Für die Frontbeschallung des Geschäfts nutzen wir seit 2 Jahren zusätzlich Dreistrahler in Aluminiumgehäuse, welche der Schausteller Neigert gebaut hat.

Wobei wir beim Thema Eigenbau wären. Es gibt vereinzelt auch Schausteller, die über die notwendigen Fertigkeiten und Materialien verfügen, eigene PA-Systeme zu konstruieren. Dies ist allerdings weniger die Regel, da im Winter meist Revisionsarbeiten an den Geschäften anstehen und oftmals die Zeit fehlt, sich mit dem Lautsprecherbau auseinander zu setzen. Es gibt natürlich einzelne Kollegen, die nicht nur für sich selbst, sondern auch im Auftrag bauen, aber das ist eher selten der Fall.

Im Übrigen gibt es kaum eine Musikanlage für das Fahrgeschäft von der Stange. Die meisten Hersteller - Kort und Uhlenbrock sind da besonders pingelig - verkaufen nicht einfach einzelne Komponenten, sondern stimmen alles aufeinander ab. Neben den Lautprechern werden beispielsweise bei den voran genannten 2 Firmen auch das Mischpult, eine Klangregelung, die Endstufen und auch Effektgeräte für das berühmte Echo bei der Rekommandage - gefertigt. Die Anlage wird individuell beim Kunden am Fahrgeschäft eingemessen, sodass der Schausteller im Prinzip nur noch die Hauptlautstärke regeln muss. Bei der Einmessung wird u.a. versucht zu erreichen, dass die Grundlautstärke in jedem Winkel des Karussells gleichbleibend ist.

Was Serienbauten angeht: Kort und Uhlenbrock sind federführend in Sachen Anftertigung nur nach Kundenwunsch. In der Regel kann man dort nicht in den Laden springen und mal eben ein paar Lautsprecher ins Auto packen. Nein, es wird individuell und vor Allem in Handarbeit gefertigt. Soweit mir bekannt ist, bietet lediglich Bell Komponenten an, die in größerer Serie produziert werden.
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#27
Hallo Rekommandeur,

danke für die Erhellung. Endlich mal jemand mit Wissen aus erster Hand.

Zitat:Ganz selten - vor Allem bei nostalgischen Geschäften - kann man noch den Klang von Klein&Hummel, Deetjen oder sogar Philips erleben.

Kannst Du die Lautsprecher oben in Beitrag 17 einem Hersteller zuordnen? Der Optik nach könnten das m.E. solche Uralt-Modelle sein.

Viele Grüße,
Timo
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#28
Wenn auch etwas spät, möchte ich doch nochmal auf Deine Fragen zu sprechen kommen.

Was die ersten beiden Modelle angeht, da kann ich leider keine wirklichen Daten liefern, da müsste ich auch raten.

Was die "gepimpte" Uhlenbrock-Anlage angeht, so kann ich in der Tat was Konkretes beisteuern. Ich vermute, dass Du das Foto am "The Tower Event Center" der Fa. Blume aufgenommen hast. Bier hat man in der Tat das Innenleben der UH 72 (übrigens die leistungsstärksten Konzertsäulen von Uhlenbrock) mit Komponenten der Fa. Kort bestücken lassen. Einige Schausteller schätzen die Robustheit der Aluminiumgehäuse aus Ostercappeln, mögen aber lieber den Klang aus Ratzeburg. In diesen Fällen rüstet Kort die Gehäuse anderer Hersteller gerne um und versieht diese dann später mit dem "Kort tuning"-Schild, um auf das aus ihrer Sicht verbesserte Hörerlebnis hinzuweisen.

Das letzte Exemplar ist in der Tat von Reitz aus Kassel. Wobei ich allerdings der Meinung bin, dass diese selten gut klingen. An einem zeitweise von mir betriebenen Geschäft gab es unter Anderem auch 2 Mittelhochtonsäulen von Reitz, die wir nie ordentlich zum Klingen bringen konnten. Entweder zu blechern oder zu dumpf, selbst mit einem eigenen EQ ging da nicht viel.
timo,'index.php?page=Thread&postID=209674#post209674 schrieb:Eine besondere Kuriosität, die man erst beim nahen Hinsehen als solche erkennt. Auf den ersten Blick sind das ganz gewöhnliche Mittelhochton-Strahler von Uhlenbrock, wie sie an etlichen Fahrgeschäften zu finden sind (siehe auch - in rosa - im ersten Beitrag).

Aber warum ist das Schildchen grün statt silbern?

[attachment=17097]

Hoppla - Uhlenbrock-Lautsprecher "Tuned by Kort"? Das ist doch mal eine Überraschung. Um so mehr, weil Kort bei den Tuning-Maßnahmen das ursprüngliche Markenschildchen gegen ein eigenes ausgetauscht haben, während sie bei ihren eigenen Lautsprechern auf ein solches verzichten.

[attachment=17098]

Nicht so recht einzuordnen weiß ich die, so eine durchscheinende Gitterfront mit sichtbaren Lautsprecher-Chassis habe ich sonst noch nie gesehen. Das Metallgehäuse mit eher dünnen Wänden und die vorne auf der Schallwand liegenden Anschlüsse könnten allerdings auf Reitz (siehe Beitrag 16) hindeuten.
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#29
Rekommandeur,'index.php?page=Thread&postID=234866#post234866 schrieb:Ich vermute, dass Du das Foto am "The Tower Event Center" der Fa. Blume aufgenommen hast.

Hallo Rekommandeur,

ich weiß es leider nicht mehr, aber es könnte passen. Das Bild ist 2017 auf dem Schützenfest in Neuss entstanden. Wie man hier lesen kann, war "The Tower" da zu Gast:

https://rp-online.de/nrw/staedte/neuss/b...d-17842677

Zitat:Das letzte Exemplar ist in der Tat von Reitz aus Kassel.

Wie ich später festgestellt habe, gibt es auch ein entsprechendes Schild an der Front, das hier allerdings schlecht zu sehen ist.

Weißt Du, wie lange die Firma Reitz produziert hat? Früher habe ich öfter Reitz-Lautsprecher gesehen, inzwischen muss man sie wirklich fast mit der Lupe suchen.

Danke für Deine Informationen!

Gruß,
Timo
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#30
Ferdinand Reitz baut schon ewig lange keine PA-Komponenten für Schausteller mehr. Auf das Jahr genau weiß ich es leider nicht, aber schon seit Anfang/Mitte der 80er nicht mehr. An vielen Geschäften gibt es sie in der Tat nicht mehr. Aktuell fällt mir da auf Anhieb der "Top Spin 2" der Fam. Langhoff aus Plettenberg ein oder die Geisterbahnen der Fam. Schütze aus Oberhausen. Gerade im Bereich der Geisterbahnen (im Speziellen die von Mack gefertigten Anlagen) scheint Reitz Mitte/Ende der 80er sehr beliebt gewesen zu sein. Meine Vermutung geht sogar dahin, dass gerade die Fa. Mack aus Waldkirch (als Hersteller bekannt für Geisterbahnen, Musik Express, Hully Gully, Petersburger Schlittenfahrt, Calypso etc. sowie als Betreiber des Europapark Rust) seine Fahrgeschäfte ab Werk vermehrt mit Musikanlagen von Reitz ausgestattet hat. Solche "Zuliefergeschäfte" gibt es in diesem Bereich auch heute noch. So stattet der niederländische Hersteller KMG aus Neede seine Fahrgeschäfte mit PA-Komponenten von Hofman aus - wobei hier natürlich erwähnt werden muss, dass Hofman mittlerweile mehr oder weniger zu KMG gehört Wink

Was ebenfalls recht auffällig ist, das ist die Tatsache, dass es zum großen Teil auch regionale Präferenzen bei den Musikanlagen gibt. Findet man bei den norddeutschen Schaustellern eher PA von Uhlenbrock und Kort, so ist/war es z.B. bei vielen bayerischen wie österreichischen Schaustellern die Firma Heckl aus Edling. Im Westen Deutschlands - bevorzugt in Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz kommen in den letzten Jahren auch vermehrt Anlagen von Bell Audio Systems aus Bad Kreuznach zum Einsatz.
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#31
Kort hat jetzt einen kleinen Web-Auftritt.

https://kort-elektronik.de/

Produkte sind zwar (anders als bei Uhlenbrock) nicht zu sehen, aber immerhin die Firmengeschichte.
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#32
timo,'index.php?page=Thread&postID=192207#post192207 schrieb:...was es mit Bell auf sich hat, würde mich interessieren.
Gruß,
Timo

Hallo Timo,

Anfang der 70iger Jahre hatte Gerd Mayer einen kleinen Laden im Keller seines Elternhauses und verkaufte uns Hobbymusikern u. a. Shure Mikros, Ständer etc. Er ist recht schnell zum Großhändler aufgestiegen, meines Wissens war er anfänglich nur Vertreiber von BELL Produkten, nicht Produzent.
Anscheinend hat sich das geändert, aber zumindest waren BELL-Produkte in Musikerkreisen ganz gut angesehen.

Grüße
Erhard
Hinfallen ist kein Fehler - wohl aber das Liegenbleiben (Th. Heuss)
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#33
Fundstück: https://soundstein.de/

Zitat: "Die Lautsprecher werden von unserer befreundeten Firma Kort Elektronik gänzlich in Handarbeit hergestellt."

Interessant finde ich auch das Kurzporträt der Firma Kort im letzten Abschnitt der Seite.
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#34
Thumbs Up 
Hallo Timo,

ein durchaus interessantes Fundstück, das du da ausgegraben hast. Das lohnt der Weiterverfolgung... ...auch wenn sich ein solches Ensemble jenseits meiner Budgetgrenzen abspielen wird. Aber das macht ja nichts. Und was die Firma Kort so treibt, ist auch interessant zu lesen. Man kann solchen Spezialisten nur wünschen, dass die Nische, in der sie sich bewegen, ein Überleben möglich macht.

Gruß
Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. (...soll Groucho Marx gesagt haben, aber so ganz sicher ist das nicht...)
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#35
In der Beschreibung der Verstärker der Firma Kort für die Kubus-Anlage von Soundstein lese ich:
"Besonders bemerkenswert ist neben der enormen Leistungsfähigkeit die Kennlinie des Verstärkers, die der einer Röhrenkennlinie gleicht, aber mit Hilfe moderner Halbleitertechnik nachempfunden wurde. Man erhält somit einen typischen Röhrensound mit dem Vorteil einer ausgeprägten Verzerrungsarmut."
Das macht mich ratlos.
Nach meinem Kenntnisstand beruht "Röhrensound" auf nennenswerten quadratischen Verzerrungen, "weicher" Hochton-Wiedergabe, geringer Lautsprecher-Dämpfung und Kompressionseffekten bei höherer Lautstärke.
Bin ich falsch informiert ?
Ziel der Entwicklung Wiedergabe-treuer (HiFi) Audio-Verstärker ist eigentlich, jegliche (nichtlinearen) Kennlinien der aktiven Bauteile möglichst linear zu gestalten und durch ausreichend Gegenkopplung alle restlichen Abweichungen von linearer Kennlinie weiter zu minimieren.

MfG Kai
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#36
Hallo Kai,

naja... ...um sich Alleinstellungsmerkmale zu sichern oder dem Hörgeschmack gut betuchter Hifi-Puristen zu huldigen, darf man ja mal den Pfad der reinen Lehre verlassen und ein bisschen "sounden"...
Das geht ja heute mit den modernen Methoden sowohl in die eine wie die andere Richtung gut. Möglicherweise lässt sich also der "Röhrensound" auch emulieren, ohne exakt die selben Verzerrungen zu erzeugen, die einer alten Röhrenendstufe anhaften. Da führen möglicherweise viele Wege durch die Trickkiste nach Rom. Oder zumindest Kompromisse zwischen "Fleisch und Fisch"...

Gruß
Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana. (...soll Groucho Marx gesagt haben, aber so ganz sicher ist das nicht...)
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#37
Von einer Kort-Anlage gebaut in 1979 weiß ich, dass als Endstufe ein BOSE 1800 zum Einsatz kam. Dazu ein Mischpult/Vorverstärker aus Kort-Eigenproduktion (Stamix). Eine Besonderheit dieser Mischpulte war, dass sie recht robust bzgl. Störgrößen ausgelegt wurden, was auf der Kirmes auch Sinn macht, wenn nebenan mal eben 40kw für die Antriebsmotoren geschaltet werden.
Erkennungsmerkmal dieser alten Anlagen ist oft ein wie ein Schiffshorn klingender Signalton, welcher im Mischpult generiert werden konnte. Als Zuspielgeräte waren Plattenspieler (sofern sie entkoppelt aufgestellt werden konnten), Tonbandmaschinen oder Kassettendecks seinerzeit Standard.
Das hat sich natürlich mit Einführung von MP3 und anderen digitalen Formaten geändert. Wichtigster Grund ist, dass man keine Rücksicht auf Erschütterungen mehr nehmen muss im Vergleich zu CD/Plattenspieler. Und so ein Kassenhäuschen auf dem Break-Dance hat von diesen Erschütterungen eine ganze Menge.

Eine weitere Besonderheit speziell der Kort-Lautsprecher war, das sie relativ leicht gebaut waren und vor allem wetterfest. Kort veränderte die Chassis, so dass sie einen größeren Hub hatten. Und lasst euch bei Kort-Anlagen nicht täuschen. Oft sind da schreibtischgroße Basseinheiten im Geschäft unterm Boden der Fahrgeschäfte versteckt im Einsatz.

Die Bedürfnisse für PA-Anlagen bei Schaustellern ist schon recht speziell. Auf der einen Seite gibt es sehr viele Störgeräusche (Fahrgeräusche, andere Schausteller, Festzelte), ein Mikrofoneingang ist obligatorisch, dazu diverse Soundeffekte und das alles durch Personen, deren Hauptaufgabe der Betrieb/Kartenverkauf ist und keine Zeit haben, als Tonmeister noch 100 Einstellungen zu verwalten. Wenn die hinter einer Glasscheibe sitzen, geht das eh nicht. Da hört man Höhen nur gedämpft und wenn derjenige nachregelt am Equalizer, endet das im bekannten Überbetonen der Höhen.

Die Spannungsversorgung auf Kirmesplätzen ist vor allem im Betrieb stark mit Störgrößen überladen, halt industrietypisch. Signalleitungen zwecks Zuspielung in die Anlagen müssen störfest (symmetrisch) ausgelegt werden. Das geht insgesamt über das hinaus, was normale PA-Anlagen als Einsatzbedingungen erleben.

Last but not least: Eine der Hauptaufgaben guter Schaustelleranlagen ist es, das Publikum vor dem Geschäft und auf dem Geschäft zu beschallen, ohne dass die Schallgrenzen aus den Lärmschutzverordnungen überschritten werden. Wie gut der Klang ankommt steht und fällt mit der Aufstellung der Beschallungsanlage des Nachbarschausteller. Man erlebt immer wieder, wie sich da Schaustellerkollegen einen Krieg liefern, da reicht eine kleine Drehung am Mittelhochtöner. Ergebnis als Zuschauer ist, dass man fluchtartig die Ecke verlässt.
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#38
(03.06.2021, 23:33)Mitleser schrieb: Erkennungsmerkmal dieser alten Anlagen ist oft ein wie ein Schiffshorn klingender Signalton, welcher im Mischpult generiert werden konnte.

Ich vermute mal, das ist das, was sich hinter der Taste "Hupe" bzw. "Signal" verbirgt, siehe Beiträge 6 und 7. Hab' ich auch immer noch im Ohr.

Ich dachte noch letztens so bei mir: Hoffentlich geht es Kort, Uhlenbrock & Co. wirtschaftlich gut. Mit Kirmes ist ja im Moment nicht viel, die werden sicher in den letzten zwei Jahren eine harte Zeit gehabt haben.
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#39
Mit grossem Interesse habe ich die letzten Beiträge dieses Threads gelesen.

Ich bin etwas ratlos, was eine brauchbare Soundqualität von Kirmes/Schausteller-Anlagen betrifft.

Bei uns am AdW~Unterer Niederrhein gab es sowas nicht !!

Ich erinnere mich an wie selbst zusammengekloppt wirkende grosse Quader mit diversen 30cm Breitbändern, knallhart aufgehängt, garniert mit etlichen parallel geschalteten Motorola-Piezos.
Ein zwar zu extremer Lautstärke fähiger, aber auch grauenhafter Sound war die hörbare Konsequenz dieser Konstruktionen. Der Hochtonbereich extrem schrill und kaum zu ertragen.
Zumindest nicht für jemanden, der sich schon als Schüler für ernsthafte DIY-HiFi-LS interessierte bzw selbst welche baute.
Der Hupen-Sound, der kam allerdings geradezu mörderisch rüber bei Calypso und Selbstfahrer !

Herzliche Grüße von Frank
Hau wech, den Schiet - aber sech mir, wohin


Meine Tapes laufen auf:   AKAI GX-620, AKAI GX-630 PRO, AKAI GX-635, AKAI GX-650, ASC 6002 S, AUREX PR-9020,
BRAUN TG-1000, DOKORDER 1140, GRUNDIG TS-1000 DOLBY, OTARI MX-5050 4-Kanal, PHILIPS N-4520,
PIONEER RT-909, PIONEER RT-1050 H, PIONEER RT-2022, REVOX A-77 MK IV, REVOX B-77 LS, REVOX B-77,
REVOX B-77 MK II, SANSUI SD-7000, SONY TC-756-2, SONY TC-758, SONY TC-765-2, SONY TC-766-2, STUDER B-67,
TANDBERG TD-20A, TANDBERG TD-20A-SE, TEAC A-3300 SX-2T, TEAC A-3340 S, TEAC A-7030 SL,
TECHNICS RS-1500, TECHNICS RS-1506, VICTOR TD-4000, VICTOR TD-5000.
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#40
(04.06.2021, 22:31)moxx schrieb: Ich erinnere mich an wie selbst zusammengekloppt wirkende grosse Quader mit diversen 30cm Breitbändern, knallhart aufgehängt, garniert mit etlichen parallel geschalteten Motorola-Piezos.

Hallo Frank,

wenn Du (oder auch andere hier) noch mal sowas siehst, dann mach' doch bitte mal ein Foto und teile es mit dem Forum.

Der Beschreibung nach könnte es sich eventuell um Lautsprecher von Kort handeln. Mehrere große Breitbänder (bzw. Tief-Mitteltöner) und Motorola-Piezos kommt hin (es gab mal ein Innenfoto einer Kort-Mittelhochton-Box, wo das schön zu sehen war, die Piezos sind teilweise angewinkelt angeordnet - leider finde ich es nicht mehr). Optisch könnte man die Kort-Boxen auch für Eigenbauten handeln. Klanglich steht und fällt wohl vieles mit den Einstellungen.

Meine Beobachtungen sagen, daß sich die allermeisten Lautsprechersysteme an Fahrgeschäften Kort oder Uhlenbrock zuordnen lassen. Deutlich seltener gibt es Heckl, Reitz, Verheyden, Hofman oder Bell. Das einzige, was ich bisher an möglichen Eigenbauten gesehen habe, war das dritte Foto in Beitrag 17 (wobei das nicht an einem Fahrgeschäft war, sondern an einer Losbude o.Ä.).

Gruß,
Timo
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