Kondensatoren beim Grundig TK 8
#18
Ich messe den Isolationswiderstand - nicht 100% elegant, da theoretisch der Aufladevorgang das Messergebnis verfälschen könnte - mit einem Isolationsmessgerät für Elektroinstallationen, das 125, 250, 500 und 1000 V DC Prüfspannung ausgibt. Dabei habe ich vergleichend allerhand Folienkondensatoren unterschiedlichsten Alters (60er bis heute), Papierkondensatoren unzähliger Hersteller von ca. 1955 bis 1962 und zum Spaß auch bereits rissige aber noch nicht explodierte Funkentstörkondensatoren von RIFA mit einer Prüfspannung möglichst nah an der Nennspannung der Kondensatoren gemessen. Ergebnis: Folienkondensatoren hatten immer mindestens 200 MΩ Gleichstromwiderstand (oberes Messbereichsende bei 125 V Prüfspannung), solche die ich mit 500 V testen konnte auch >1000 MΩ. Alle Papier- und Entstörkondensatoren lagen bei unter 10 MΩ, und zwar wirklich jeder einzelne - egal ob das jetzt Wima-Bonbons waren, lackvergossene C&N-Röllchen, papierbewickelte Kondur-Röllchen und Blöcke mit vergossenen Enden, komplett vergossene britische Dubilier-Röllchen oder Hunts-Röllchen. Daher bin ich hier eindeutig auf der Seite jener, die pauschal alle Papierkondensatoren ersetzen. Das sind keine Kondensatoren mehr, sondern Widerstände.
Folienkondensatoren lasse ich immer, außer sie sollten sich später bei der Fehlersuche als Problem erweisen. Ganz die Finger lasse ich von Styroflexkondensatoren und keramischen Kondensatoren.

Elkos mit 400 V Spannungsfestigkeit sind meist recht leicht zu beschaffen, wenn man damit leben kann, dass das Resultat optisch nicht original aussieht (zwei oder drei radiale Kondensatoren zusammengepackt statt einem Mehrfach-Becher), Doppel-Becherelkos sind teilweise noch neu zu bekommen, kosten aber ca. von 10 Euro aufwärts, sind also eher etwas für ausgeprägte Liebhaber. Tonbandgeräte hatten oft Dreifach-Becher 33/33/50 µF, die gibt es glaube ich nicht mehr neu. Allerdings hatte ich hier bei vorsichtigem Hochfahren mittels Vorschaltwiderstand (230 V/100 W) noch keine Ausfälle. Getauscht habe ich bislang nur einen Radio-Siebelko, der schon deutliche Elektrolyt-Lecks hatte.

Die offizielle Netzspannung in Europa beträge 230 V +/- 10%, kann also je nach Gegend und Tageszeit recht weit schwanken (früher 220 V +/- 10%, später für eine Übergangszeit 230 V +5/-10%). Die Gefahr eines explodierenden Sieb-Elkos sehe ich beim harten Einschalten des Geräts nach Jahrzehnten Stillstand als weit größer als bei einem auf 220 V eingestellten Gerät an 230 V prinzipiell. Zur Frage, ob man Röhrengeräte lieber auf 220 oder 240 V einstellen sollte, habe ich keine öffentliche Meinung - die Experten schlagen sich hierzu mit Überzeugung die Köpfe ein, eine Fraktion sagt, dass Überspannung die Bauteilalterung drastisch erhöht und man daher unbedingt auf 240 V stellen sollte, die andere Fraktion erklärt ebenso überzeugend, dass Unterheizung höchst schädlich für Röhren ist und man daher unbedingt bei 220 V bleiben sollte.
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[Kein Betreff] - von besoe - 30.12.2015, 06:47
[Kein Betreff] - von Justus - 30.12.2015, 07:50
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[Kein Betreff] - von Justus - 30.12.2015, 09:16
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[Kein Betreff] - von Tonbandjäger - 30.12.2015, 15:15
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[Kein Betreff] - von Justus - 30.12.2015, 18:07
[Kein Betreff] - von Tonbandjäger - 30.12.2015, 18:32
[Kein Betreff] - von Justus - 30.12.2015, 19:29
TK 8 - von Tonbandjäger - 30.12.2015, 19:37
[Kein Betreff] - von Ragnar_AT - 31.12.2015, 12:24
[Kein Betreff] - von maddin2 - 31.12.2015, 13:40
[Kein Betreff] - von Tonbandjäger - 31.12.2015, 17:29
[Kein Betreff] - von besoe - 31.12.2015, 17:43
[Kein Betreff] - von Magnetophonliebhaber - 01.01.2016, 15:42
[Kein Betreff] - von Ragnar_AT - 01.01.2016, 18:50

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