15.07.2015, 21:39
Hallo!
Ich melde mich noch einmal mit den letzten Nachrichten der heute-Redaktion. ^^
Ich habe mir heute noch einmal die Uher aus der Ecke geholt. Anlass war das Päckchen des Elektronik-Versenders, das nun nach fast drei Wochen doch noch den Weg zu mir gefunden hat, zusammen mit dem Katzenfutter, auf das wir fast fünf Wochen warten mussten. Gott sei Dank gibt es Miezis Lieblingsfutter auch (wenn auch teurer) beim örtlichen Feinkosthandel. Der Karton von Reichelt Elektronik enthielt die fehlenden, überwiegend axialen Elkos (teilweise mit 63 oder 100 V Spannungsfestigkeit, die auch benötigt werden!) für die Uher 22.
Ich wollte jetzt doch mal testen, wie sich das eigentlich anhört, was die Elektronik da vollführt! Zuletzt hatte ich ja nur Scope und Millivoltmeter dran, bevor ich das Gerät zum Teufel gewünscht habe. Ich lege also schnell ein Band auf, schließe den CD-Porti an die Phono- und den Kopfhörerverstärker nebst Hörer an die Monitorbuchse an.
Einschalten auf 19 cm/s, auf Aufnahme/Pause schalten und die Supertramp-CD gestartet. Hmm, Vorband klingt das ja eigentlich ganz normal! Auch die Pegel links und rechts sind fast gleich. Seltsam. Pausetaste lösen und aufnehmen; das Gerät schaltet dann automatisch auf Hinterbandkontrolle... Wie sagte Hape Kerkeling in der Essener Lichtburg, als Schwuler "verkleidet"? — "Äch glaube es näächt! Äch glaube es gerade näächt!!" :?:
Die Aufnahme klingt einwandfrei! Zwar wegen der noch fehlenden Einmessung etwas überzogen in den Höhen, aber sonst? Nischt zu merken von irgendwelchen Fehlern im linken Kanal, keine unterschiedlichen Lautstärken, keine Verzerrungen. Was ist das denn? Ich gerate fast in Euphorie und versuche, in der Küche eine Art Triumphtanz hinzulegen, was an den Problemen mit dem linken Knie scheitert. :cursing:
Nun zog ich nochmals die Platinen und ersetzte schnell und fröhlich pfeifend die noch alten Elkos. Nach dem erneuten Einschalten zerrte die Wiedergabe, rechts war völlige Stille, nach einer Minute fing es aus dem offenen Gehäuse am stinken. Schiete. Die Berührungsprobe am messingenen Kühlblech des Längsregeltransistors im Netzteil ergab "kann man gerade noch so anfassen". Schnell ausschalten. Zunächst die Aufnahmeverstärker-Platine raus, erneuter Versuch. Wie gehabt. Doch diesmal ging ich dem Geruch nach und verbrannte mich fast an dem 220 µF-Elko, der zum Entkoppeln der Betriebsspannung hinter einem Serienwiderstand an der Oszillatorsteckleiste angelötet war.
Falsch gepolt angelötet war.
Von mir.
Einmal musste es ja passieren! Seit Jahren tausche ich bei allen möglichen Geräten Tantal- und Elektrolytkondensatoren aus. Aber ich habe immer extrem auf die Polarität geachtet und meist vor dem Auslöten eine +-Markierung auf die Platine gemacht. Bisher ist mir kein Lapsus passiert. Diesmal war leider keine Platine mit +-Zeichen da, sondern nur eine Lötleiste! — Der Elko hatte schon "balloniert" und wäre eine Minute später geplatzt.
Nachdem ich einen neuen eingelötet hatte (diesmal versuchsweise anders herum
), funktionierte alles. Ich glich, rein nach Gehör, die Biastrimmer ab und korrigierte nach dem probeweisen Abspielen auf der Wohnzimmer-Rostwickelmaschine, die ein nach Bezugsband justiertes RTW-Peakmeter aufweist, den linken Kanal noch drei dB nach "leiser". Mit einem Sinus wurden die VU-Meter halbwegs richtig eingepegelt.
Hingedreht (mehr ist es ja nicht) habe ich die Uher jetzt auf BASF DP 26. Danach erfreute ich mich an dem umwerfenden Klang dieses Kleinspulers. Ohne Einmessung zwar, aber trotzdem klasse. Ich lasse das jetzt so. Der Pegel stimmt, die Vormagnetisierung auch, das Klangbild ist Vorband/Hinterband praktisch identisch (ich habe bewusst eine ganz leichte Höhenanhebung eingestellt), und das bei beiden Bandgeschwindigkeiten! Es brummt nichts, es rauscht nichts, oder jedenfalls nicht mehr als bei Tonbandgeräten eben üblich, es klirrt oder verzerrt nichts. Der neue Tonkopf und die überholte Bandführung geben keinen Grund zur Meckerei. Alle Schalter und Potis erledigen ihre Aufgaben und sogar Multiplay funktioniert. Klanglich würde ich sie fast mit einer Revox A77 gleichsetzen, ohne mich jetzt der Blasphemie schuldig machen zu wollen. Aber ich habe mehrere Revoxe und kenne deren Dynamik und Auflösung!
Was will man mehr? Zwar ist mir das Ganze immer noch relativ rätselhaft, aber "wichtich is, was hintn raus kommt!" Und das ist wirklich beachtlich. Ein echtes Erfolgserlebnis.
So werde ich das nächste Briefband an einen lieben Forenkollegen und Freund nun doch, wie versprochen, auf der 22 Special aufnehmen können. Vielleicht schon morgen...
Ich bin froh, dass die alte Mühle nun doch nicht auf den Elektroschrott wandert.
Wenn ich mal Lust habe, folgt vielleicht ein Restaurierungsbericht. Genug Fotos habe ich gemacht.
Zum Schluss noch für meine lieben Reparaturhelfer hier im Forum der Endstatus der Aufnahmeverstärkerplatine:
- Alle Elkos neu, teilweise (für 4,7µF) zylindrische Tantalis nach MIL-Spezifikationen verbaut, sonst fabrikfrische Axialtypen (105°C)
- Alle Widerstände in den ersten zwei Stufen sind durch 1% Metallschicht ersetzt
- Die ursprünglichen exotischen T1 und T6-Siliziumtypen gegen BC 560 C ausgetauscht
- Die alten Germanen (T2 und T7) AC151r VII sind wieder drin.
LG Holgi
Ich melde mich noch einmal mit den letzten Nachrichten der heute-Redaktion. ^^
Ich habe mir heute noch einmal die Uher aus der Ecke geholt. Anlass war das Päckchen des Elektronik-Versenders, das nun nach fast drei Wochen doch noch den Weg zu mir gefunden hat, zusammen mit dem Katzenfutter, auf das wir fast fünf Wochen warten mussten. Gott sei Dank gibt es Miezis Lieblingsfutter auch (wenn auch teurer) beim örtlichen Feinkosthandel. Der Karton von Reichelt Elektronik enthielt die fehlenden, überwiegend axialen Elkos (teilweise mit 63 oder 100 V Spannungsfestigkeit, die auch benötigt werden!) für die Uher 22.
Ich wollte jetzt doch mal testen, wie sich das eigentlich anhört, was die Elektronik da vollführt! Zuletzt hatte ich ja nur Scope und Millivoltmeter dran, bevor ich das Gerät zum Teufel gewünscht habe. Ich lege also schnell ein Band auf, schließe den CD-Porti an die Phono- und den Kopfhörerverstärker nebst Hörer an die Monitorbuchse an.
Einschalten auf 19 cm/s, auf Aufnahme/Pause schalten und die Supertramp-CD gestartet. Hmm, Vorband klingt das ja eigentlich ganz normal! Auch die Pegel links und rechts sind fast gleich. Seltsam. Pausetaste lösen und aufnehmen; das Gerät schaltet dann automatisch auf Hinterbandkontrolle... Wie sagte Hape Kerkeling in der Essener Lichtburg, als Schwuler "verkleidet"? — "Äch glaube es näächt! Äch glaube es gerade näächt!!" :?:
Die Aufnahme klingt einwandfrei! Zwar wegen der noch fehlenden Einmessung etwas überzogen in den Höhen, aber sonst? Nischt zu merken von irgendwelchen Fehlern im linken Kanal, keine unterschiedlichen Lautstärken, keine Verzerrungen. Was ist das denn? Ich gerate fast in Euphorie und versuche, in der Küche eine Art Triumphtanz hinzulegen, was an den Problemen mit dem linken Knie scheitert. :cursing:
Nun zog ich nochmals die Platinen und ersetzte schnell und fröhlich pfeifend die noch alten Elkos. Nach dem erneuten Einschalten zerrte die Wiedergabe, rechts war völlige Stille, nach einer Minute fing es aus dem offenen Gehäuse am stinken. Schiete. Die Berührungsprobe am messingenen Kühlblech des Längsregeltransistors im Netzteil ergab "kann man gerade noch so anfassen". Schnell ausschalten. Zunächst die Aufnahmeverstärker-Platine raus, erneuter Versuch. Wie gehabt. Doch diesmal ging ich dem Geruch nach und verbrannte mich fast an dem 220 µF-Elko, der zum Entkoppeln der Betriebsspannung hinter einem Serienwiderstand an der Oszillatorsteckleiste angelötet war.
Falsch gepolt angelötet war.
Von mir.
Einmal musste es ja passieren! Seit Jahren tausche ich bei allen möglichen Geräten Tantal- und Elektrolytkondensatoren aus. Aber ich habe immer extrem auf die Polarität geachtet und meist vor dem Auslöten eine +-Markierung auf die Platine gemacht. Bisher ist mir kein Lapsus passiert. Diesmal war leider keine Platine mit +-Zeichen da, sondern nur eine Lötleiste! — Der Elko hatte schon "balloniert" und wäre eine Minute später geplatzt.
Nachdem ich einen neuen eingelötet hatte (diesmal versuchsweise anders herum
), funktionierte alles. Ich glich, rein nach Gehör, die Biastrimmer ab und korrigierte nach dem probeweisen Abspielen auf der Wohnzimmer-Rostwickelmaschine, die ein nach Bezugsband justiertes RTW-Peakmeter aufweist, den linken Kanal noch drei dB nach "leiser". Mit einem Sinus wurden die VU-Meter halbwegs richtig eingepegelt. Hingedreht (mehr ist es ja nicht) habe ich die Uher jetzt auf BASF DP 26. Danach erfreute ich mich an dem umwerfenden Klang dieses Kleinspulers. Ohne Einmessung zwar, aber trotzdem klasse. Ich lasse das jetzt so. Der Pegel stimmt, die Vormagnetisierung auch, das Klangbild ist Vorband/Hinterband praktisch identisch (ich habe bewusst eine ganz leichte Höhenanhebung eingestellt), und das bei beiden Bandgeschwindigkeiten! Es brummt nichts, es rauscht nichts, oder jedenfalls nicht mehr als bei Tonbandgeräten eben üblich, es klirrt oder verzerrt nichts. Der neue Tonkopf und die überholte Bandführung geben keinen Grund zur Meckerei. Alle Schalter und Potis erledigen ihre Aufgaben und sogar Multiplay funktioniert. Klanglich würde ich sie fast mit einer Revox A77 gleichsetzen, ohne mich jetzt der Blasphemie schuldig machen zu wollen. Aber ich habe mehrere Revoxe und kenne deren Dynamik und Auflösung!
Was will man mehr? Zwar ist mir das Ganze immer noch relativ rätselhaft, aber "wichtich is, was hintn raus kommt!" Und das ist wirklich beachtlich. Ein echtes Erfolgserlebnis.
So werde ich das nächste Briefband an einen lieben Forenkollegen und Freund nun doch, wie versprochen, auf der 22 Special aufnehmen können. Vielleicht schon morgen...
Ich bin froh, dass die alte Mühle nun doch nicht auf den Elektroschrott wandert.
Wenn ich mal Lust habe, folgt vielleicht ein Restaurierungsbericht. Genug Fotos habe ich gemacht.
Zum Schluss noch für meine lieben Reparaturhelfer hier im Forum der Endstatus der Aufnahmeverstärkerplatine:
- Alle Elkos neu, teilweise (für 4,7µF) zylindrische Tantalis nach MIL-Spezifikationen verbaut, sonst fabrikfrische Axialtypen (105°C)
- Alle Widerstände in den ersten zwei Stufen sind durch 1% Metallschicht ersetzt
- Die ursprünglichen exotischen T1 und T6-Siliziumtypen gegen BC 560 C ausgetauscht
- Die alten Germanen (T2 und T7) AC151r VII sind wieder drin.
LG Holgi
