Pegelabhängigkeit
#3
Lieber Bernd,

hinter den Kulissen waren wir natürlich nicht untätig, Friedrich und ich, und haben deine Frage ein wenig diskutiert, obgleich die elementarphysikalischen Erklärungen des Magnetbandverfahrens bis heute -die Technik ist in klassischer Form eigentlich ein abgeschlossenes Kapitel- noch immer nicht wirklich genau wissen, 'wie das nun wirklich funktioniert'. Die Remanenzkurventheorie ist die älteste halbwegs tragfähige Erklärung, die aber bei einigen Phänomenen die Segel streichen muss; das Preisach-Diagramm Schwandtkes füllt diese Lücken zwar, ist aber derart kompliziert, dass Friedrichs obige Beschreibung zum Sachverhalt erst recht zutrifft.
Ich habe dieser Tage über das Thema nachgedacht und kam über die Remanenzkurventheorie auf eine recht plausible Erklärung deiner Frage. Inwieweit das angesichts des Axiomcharakters der Remanenzkurventheorie wirklich haltbar ist, steht dahin. Erklärbar ist damit aber allerlei. Die von Friedrich erwähnten Arbeiten Marvin Camras' kenne ich leider nicht.

Der Gedankengang nach der Remanzkurventheorie wäre folgender (wobei ich dir empfehle, ein Bild der Remanenzkurve, möglichst mit eingezeichneten Signalen, zur Hand zu nehmen):
Die Remanenzkurve ist namentlich im Ursprung des Koordinatensystems, aber auch in den Endbereichen sehr bzw. nicht unerheblich verbogen. Die Hochfrequenzvormagnetisierung kann man sich aufgrund ihrer Ergebnisse als praktisch völlige Linearisierung dieser Kurve zumindest im Ursprung (des Koordinatensystems) vorstellen, weshalb die beiden, ehemals getrennten linearen Kurvenbereiche über den Ursprung miteinander 'verbunden', oder -dem Gegentaktverfahren vergleichbar- gemeinsam verwendet werden. Die ehemalige Remanenzkurve wird zur Arbeitskennlinie, zur Faltungsfunktion eines neuen Systems.

Verändert man nun die Hf-Amplitude, kommt bei zu geringen Beträgen die starke Verzerrung der Remanenzkurve im Ursprung in die Faltungskennlinie zurück; bei zu hohen Werten wird die auf die Hf aufmodulierte Nf in die Sättigungsbereiche am oberen und unteren Ende der Remanzkurve gedrängt, die Verzerrungen steigen jeweils wieder an, die Aussteuerbarkeit wird begrenzt.

Die sich ändernde Wiedergabespannung lässt sich mit der von der Hf-Amplitude veränderten Steigung bzw. Linearität der durch die Hf-Vormagnetisierung 'erzeugten' Arbeitskennlinie des Systems erklären. Die Spannung erreicht dann ein Optimum, wenn Steigung und Linearität der Faltungskurve einen Maximalwert erreichen.

Das ist's; wahrscheinlich nur nicht richtig; aber so erklärbar wie manches andere mit der Remanenzkurventheorie. Solltest du an einer Grafik Interesse haben, maile mir, der Scan kommt.

Schöne Feiertage im Lande Gottfried Silbermanns!

Hans-Joachim
Zitieren


Nachrichten in diesem Thema
[Kein Betreff] - von capstan - 21.12.2004, 13:30
[Kein Betreff] - von Friedrich Engel - 24.12.2004, 16:00
[Kein Betreff] - von PhonoMax - 25.12.2004, 12:10
[Kein Betreff] - von capstan - 25.12.2004, 15:15

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste