07.01.2020, 12:40
ehrlich gesagt sehe ich das komplett anders.
Es hat weder damit zu tun, dass irgendwer blöd ist, noch mit strategischen Fehlern, noch damit, dass unsere Sozialstandards zu hoch sind, oder alle Leute heute nur noch Trash kaufen.
Der erste Schlag, den die Europäer durch Japan bekommen haben, war tatsächlich so schmerzhaft, weil die Hersteller im Tiefschlaf erwischt wurden. Gegen die Japaner konnte man aber mit gewissen Abstrichen noch bestehen, denn Japan fuhr die Strategie, das simple Nachbauen und Kopieren nur für den Einstieg zu nutzen, und dann mit innovativen Produkten Geld zu verdienen. Es hat sich heute im kollektiven Gedächtnis verankert, dass die Japaner billig waren - aber das stimmte so nicht. Gute japanische Markengeräte kosteten teils stolze Preise - die Japaner haben ihren Erfolg darauf aufgebaut, dass sie den tiefen Graben ausgenutzt haben, der im Europa der siebziger Jahre zwischen der Kriegs- und den Nachkriegsgenerationen bestanden hat. Die Japaner haben sich mit wachsenden Märkten beschäftigt, während die Europäer an schrumpfenden Märkten festgehangen haben. Wären Firmen wie Grundig mit den HiFi Komponenten der frühen achtziger zwei Jahre früher am Markt gewesen, hätten es die Japaner in Deutschland erheblich schwerer gehabt.
Der wirkliche Schlag kam dann in den neunzigern durch China. Die Chinesen waren wenig innovativ, haben entweder als verlängerte Werkbank agiert, oder einfach westliche Entwicklungen nachgebaut, und zu Preisen auf den Markt geworfen, gegen die kein europäisches oder amerikanisches Unternehmen mehr hätte anstinken können. Was die Chinesen den Japanern im Billigst-Segment von Anfang an voraus hatten, war, dass die Sachen trotz Dumping-Preis brauchbar und haltbar waren. Die Flucht ins Luxus-Segment, die Firmen wie Loewe und Metz betrieben haben, war kein strategischer Fehler, sondern ein verzweifelter Versuch, gegen die Chinesen noch eine Nische am Leben zu halten. Und wie wir sehen, hat das ja auch viele Jahre funktioniert - während die ganzen Volumenhersteller schon in den späten neunzigern Geschichte waren, haben es Metz und Loewe bis vor ein paar Jahren durchgehalten. Metz hat draüberhinaus die Jahre genutzt, um sich parallel andere Standbeine aufzubauen.
Der Markt für Unterhaltungselektronik ist durch die Chinesen betriebswirtschaftlich uninteressant geworden. Die Billigstrategie hat die Chinesen aber letztlich in einen üblen Teufelskreis geführt, von dem Europa und Deutschland mehr profitiert, als darunter zu leiden. China hat zwei große Mankos - einmal das Regime, das für demokratische Gesellschaften inakzeptabel ist, und dann den Aussenhandel, der vollständig auf Preisdumping basiert. China muss die Wirtschaft der westlichen Welt füttern, um die Kritik am Regime nicht hochkochen zu lassen. Gleichzeitig aber muss China als Billiglohnland für die ganze westliche Welt arbeiten, um die Devisen einzufahren, die dafür nötig sind, den westlichen Ländern politisch das Maul zu stopfen. Sobald China anfangen würde, sich sozial, wirtschaftlich und ökologisch den Standards der westlichen Welt anzunähern, wäre der einzige Vorteil dahin - dass man in China so schön billig und ohne Umweltstandards produzieren kann. Die Sachen würden wieder teurer werden, die westlichen Firmen wären aber auch alle wieder weg aus China. Europa kann diese Situation noch eine ganze Weile für sich nutzen, indem wir Konsumgüter billig in China herstellen lassen können, während unsere Wirtschaft maßgeblich davon lebt, profitable Güter nach China zu exportieren. Da muss man meiner Meinung nach nicht traurig sein, wenn eine Branche wie die Unterhaltungselektronik in Europa betriebswirtschaftlich nicht mehr funktioniert. Die Branche steht mittlerweile so an der Wand, dass es selbst für die Koreaner oder die Türken langsam eng wird. Und da die echten Innovationen auch langsam ausbleiben, wird der Preisverfall eher noch schneller werden. Sowas kann man doch viel besser billig einkaufen, statt gutes Geld zu verbrennen, nur, damit am Ende "Made In Germany" draufsteht.
Gruß Frank
Es hat weder damit zu tun, dass irgendwer blöd ist, noch mit strategischen Fehlern, noch damit, dass unsere Sozialstandards zu hoch sind, oder alle Leute heute nur noch Trash kaufen.
Der erste Schlag, den die Europäer durch Japan bekommen haben, war tatsächlich so schmerzhaft, weil die Hersteller im Tiefschlaf erwischt wurden. Gegen die Japaner konnte man aber mit gewissen Abstrichen noch bestehen, denn Japan fuhr die Strategie, das simple Nachbauen und Kopieren nur für den Einstieg zu nutzen, und dann mit innovativen Produkten Geld zu verdienen. Es hat sich heute im kollektiven Gedächtnis verankert, dass die Japaner billig waren - aber das stimmte so nicht. Gute japanische Markengeräte kosteten teils stolze Preise - die Japaner haben ihren Erfolg darauf aufgebaut, dass sie den tiefen Graben ausgenutzt haben, der im Europa der siebziger Jahre zwischen der Kriegs- und den Nachkriegsgenerationen bestanden hat. Die Japaner haben sich mit wachsenden Märkten beschäftigt, während die Europäer an schrumpfenden Märkten festgehangen haben. Wären Firmen wie Grundig mit den HiFi Komponenten der frühen achtziger zwei Jahre früher am Markt gewesen, hätten es die Japaner in Deutschland erheblich schwerer gehabt.
Der wirkliche Schlag kam dann in den neunzigern durch China. Die Chinesen waren wenig innovativ, haben entweder als verlängerte Werkbank agiert, oder einfach westliche Entwicklungen nachgebaut, und zu Preisen auf den Markt geworfen, gegen die kein europäisches oder amerikanisches Unternehmen mehr hätte anstinken können. Was die Chinesen den Japanern im Billigst-Segment von Anfang an voraus hatten, war, dass die Sachen trotz Dumping-Preis brauchbar und haltbar waren. Die Flucht ins Luxus-Segment, die Firmen wie Loewe und Metz betrieben haben, war kein strategischer Fehler, sondern ein verzweifelter Versuch, gegen die Chinesen noch eine Nische am Leben zu halten. Und wie wir sehen, hat das ja auch viele Jahre funktioniert - während die ganzen Volumenhersteller schon in den späten neunzigern Geschichte waren, haben es Metz und Loewe bis vor ein paar Jahren durchgehalten. Metz hat draüberhinaus die Jahre genutzt, um sich parallel andere Standbeine aufzubauen.
Der Markt für Unterhaltungselektronik ist durch die Chinesen betriebswirtschaftlich uninteressant geworden. Die Billigstrategie hat die Chinesen aber letztlich in einen üblen Teufelskreis geführt, von dem Europa und Deutschland mehr profitiert, als darunter zu leiden. China hat zwei große Mankos - einmal das Regime, das für demokratische Gesellschaften inakzeptabel ist, und dann den Aussenhandel, der vollständig auf Preisdumping basiert. China muss die Wirtschaft der westlichen Welt füttern, um die Kritik am Regime nicht hochkochen zu lassen. Gleichzeitig aber muss China als Billiglohnland für die ganze westliche Welt arbeiten, um die Devisen einzufahren, die dafür nötig sind, den westlichen Ländern politisch das Maul zu stopfen. Sobald China anfangen würde, sich sozial, wirtschaftlich und ökologisch den Standards der westlichen Welt anzunähern, wäre der einzige Vorteil dahin - dass man in China so schön billig und ohne Umweltstandards produzieren kann. Die Sachen würden wieder teurer werden, die westlichen Firmen wären aber auch alle wieder weg aus China. Europa kann diese Situation noch eine ganze Weile für sich nutzen, indem wir Konsumgüter billig in China herstellen lassen können, während unsere Wirtschaft maßgeblich davon lebt, profitable Güter nach China zu exportieren. Da muss man meiner Meinung nach nicht traurig sein, wenn eine Branche wie die Unterhaltungselektronik in Europa betriebswirtschaftlich nicht mehr funktioniert. Die Branche steht mittlerweile so an der Wand, dass es selbst für die Koreaner oder die Türken langsam eng wird. Und da die echten Innovationen auch langsam ausbleiben, wird der Preisverfall eher noch schneller werden. Sowas kann man doch viel besser billig einkaufen, statt gutes Geld zu verbrennen, nur, damit am Ende "Made In Germany" draufsteht.
Gruß Frank
