04.01.2020, 19:34
Moin,
ein kleines bisschen erschreckend finde ich so manchen Kommentar schon ... aber muss es wirklich sein, alle einheimischen Ingenieure und Marketing-Leute pauschal als unfähig zu bezeichnen?
In der Radio-Branche waren die deutschen Firmen immer mit oben dabei. Der HiFi-Bereich hat nur Wenige wirklich interessiert. Muss man also einen Fernseh-Hersteller dafür kritisieren, dass er nicht ernsthaft HiFi gemacht hat? Meckert ihr ernsthaft über Staubsauger-Macher, weil die keine Autos auf den Markt bringen?
Und die Japaner waren alle besser? Träumt weiter ...
Der eine oder andere von Euch arbeitet im Schnitt 38,5 Stunden in der Woche, will aber trotzdem vernünftig bezahlt werden. Wie viele Stunden arbeiten Japaner oder gar chnesische Fließbandarbeiter? Ist jetzt also Max Grundig unfähig gewesen, weil er zu viele Arbeiter beschäftigt hat, die keinen Bock hatten, mit Asien zu konkurrieren, die lieber wegen Lohnerhöhung und Arbeitszeit-Verkürzung gestreikt haben?
Der dumme ist der Arbeitnehmer, der nicht bereit ist die Waren, für deren Herstellung er selber bezahlt werden will, zu dem resultierenden Preis zu kaufen. Der hat die Marktwirtschaft nicht verstanden und will lieber ... ja, was eigentlich?
Die US-Firmen haben zum größten Teil schon in den Sechziger Jahren die Segel streichen müssen, weil die Herstellung in den USA, in Konkurrenz zu Asien, zu teuer gewesen war. Dieser US-Markt hat die asiatischen Firmen wirtschaftlich aufgepumpt. Für die deutschen Exporteure war der US-Markt schon Anfang der Siebziger Jahre erledigt, weil die D-Mark gegenüber dem Dollar aufgewertet wurde. Es resultieren unterschiedliche wirtschaftliche Möglichkeiten der Konkurrenten in Asien und Europa. daran ist ein Marketing-Entscheider in Bremen Schuld?
Die deutschen Hersteller haben vielfach Tonbandgeräte mit zentralem Motor gebaut, weil die 3-Motoren-Auslegung nun einmal unter Patentschutz gestanden hatte. Nicht für Asien oder die USA-. Man sollte halt keine Kriege führen und verlieren ... (wenn man seine internationalen Patente behalten will) Und wäre der deutsche Kunde bereit gewesen, die Mehrkosten zu bezahlen? Also zentraler Motor. Und für das Gros der Anwender hat das funktioniert. Mit welchem Recht kritisiert ihr also? Oder will jemand behauptet, es gäbe noch japanische Bandgeräte-Hersteller?
Die deutschen haben nur Schrott gebaut? Wenn ich mir die Masse an Schrott anschaue, der an HiFi aus Asien nach Europa exportiert worden ist, dann scheint mir der Anteil deutscher Hersteller im Verhältnis nur gering. Die Frage wäre halt, wer was womit vergleicht. Man darf nicht nur die Dinge zum Vergleich stellen, die einem selber gefallen: Nakamichi gegen Körting.
Als der HiFi-Markt für die deutschen Hersteller noch in Ordnung gewesen war, als also die Relation zwischen Herstellungskosten und erzielbarem Preis noch gestimmt hat, da hat Braun die nach Einschätzung von US-Journalisten beste Hifi-Anlage "aus einer Hand" auf der Welt im Angebot gehabt, da hat Grundig den ersten tatsächlich verfügbaren Transistor-HiFi-Verstärker gebaut, da hat Kirksaeter in den USA Preise eingeheimst, da haben Dual, Elac und PE den US-Plattenspieler-Markt aufgerollt usw. Britische Fach-Journalisten haben noch auf der ersten HiFi-Messe in Deutschland vom Stand hiesiger Industrie-Receiver geschwärmt.
Die zunächst einmal Branchen-unabhängigen Entwicklungen des Marktes haben dazu geführt, dass eine Firma nach der anderen entschieden hat, sich auf Farb-TV zu spezialisieren und HiFi nur noch halbherzig oder gar nicht mehr zu machen. Was konnte noch gleich das Saba-Management für die Entscheidung, die Gold-Bindung des US-Dollar zu lösen?
Wenn Ihr HiFi, gemessen an Euren Freizeit- und Einkommens-Erwartungen, in einer funktionierenden Marktwirtschaft haben wollt, dann müsst Ihr Restek, Trigon, MBL usw. kaufen. Und dann haben die genug Kapital, Dinge zu entwickeln. Wer aber lieber Musik über sein China-Smartphone streamt, der darf sich nicht beschweren, dass eine Firma wie Loewe nicht existieren kann.
Übrigens wäre es überhaupt kein Problem gewesen, hier eine kleine Sammlung zu machen, und Loewe mit hinreichend Aktienkapital auszustatten, um einen ganz Großen in der Branche zu schaffen. Wer von den Kritikern hat das in den letzten Jahren getan? Wenn das aber niemand tut, dann wird Braun halt von Gilette gekauft und Elac von der Global Legend Holdings Co., Ltd. Und ob der eine oder andere neue Eigentümer ein Interesse an Forschung und Produktion in Deutschland hat(te), da bin ich mir nicht sicher. Und wenn der Eigentümer das nicht will, dann passiert das halt auch nicht. Denn Ihr kauft ja sowieso in Asien, oder?
Noch eine Anmerkung. Der erfolgreichste deutsche HiFi-Hersteller der Achtziger Jahre war Schneider gewesen. Trotz asiatischer Konkurrenz. Erfolgreich wegen schlechter Ingenieure oder Marketing-Leute? Oder erfolgreich, weil das Publikum (nicht nur in Deutschland) gekauft hat. Hatten die Schneider-Manager also mit ihrer Produkt-Palette eine falsche Entscheidung getroffen, nur weil irgendwelche Snobs, die teures HiFi nur gebraucht kaufen, Schneider nicht mögen? Bitte auf dem Teppich bleiben ...
Tschüß, Matthias
ein kleines bisschen erschreckend finde ich so manchen Kommentar schon ... aber muss es wirklich sein, alle einheimischen Ingenieure und Marketing-Leute pauschal als unfähig zu bezeichnen?
In der Radio-Branche waren die deutschen Firmen immer mit oben dabei. Der HiFi-Bereich hat nur Wenige wirklich interessiert. Muss man also einen Fernseh-Hersteller dafür kritisieren, dass er nicht ernsthaft HiFi gemacht hat? Meckert ihr ernsthaft über Staubsauger-Macher, weil die keine Autos auf den Markt bringen?
Und die Japaner waren alle besser? Träumt weiter ...
Der eine oder andere von Euch arbeitet im Schnitt 38,5 Stunden in der Woche, will aber trotzdem vernünftig bezahlt werden. Wie viele Stunden arbeiten Japaner oder gar chnesische Fließbandarbeiter? Ist jetzt also Max Grundig unfähig gewesen, weil er zu viele Arbeiter beschäftigt hat, die keinen Bock hatten, mit Asien zu konkurrieren, die lieber wegen Lohnerhöhung und Arbeitszeit-Verkürzung gestreikt haben?
Der dumme ist der Arbeitnehmer, der nicht bereit ist die Waren, für deren Herstellung er selber bezahlt werden will, zu dem resultierenden Preis zu kaufen. Der hat die Marktwirtschaft nicht verstanden und will lieber ... ja, was eigentlich?
Die US-Firmen haben zum größten Teil schon in den Sechziger Jahren die Segel streichen müssen, weil die Herstellung in den USA, in Konkurrenz zu Asien, zu teuer gewesen war. Dieser US-Markt hat die asiatischen Firmen wirtschaftlich aufgepumpt. Für die deutschen Exporteure war der US-Markt schon Anfang der Siebziger Jahre erledigt, weil die D-Mark gegenüber dem Dollar aufgewertet wurde. Es resultieren unterschiedliche wirtschaftliche Möglichkeiten der Konkurrenten in Asien und Europa. daran ist ein Marketing-Entscheider in Bremen Schuld?
Die deutschen Hersteller haben vielfach Tonbandgeräte mit zentralem Motor gebaut, weil die 3-Motoren-Auslegung nun einmal unter Patentschutz gestanden hatte. Nicht für Asien oder die USA-. Man sollte halt keine Kriege führen und verlieren ... (wenn man seine internationalen Patente behalten will) Und wäre der deutsche Kunde bereit gewesen, die Mehrkosten zu bezahlen? Also zentraler Motor. Und für das Gros der Anwender hat das funktioniert. Mit welchem Recht kritisiert ihr also? Oder will jemand behauptet, es gäbe noch japanische Bandgeräte-Hersteller?
Die deutschen haben nur Schrott gebaut? Wenn ich mir die Masse an Schrott anschaue, der an HiFi aus Asien nach Europa exportiert worden ist, dann scheint mir der Anteil deutscher Hersteller im Verhältnis nur gering. Die Frage wäre halt, wer was womit vergleicht. Man darf nicht nur die Dinge zum Vergleich stellen, die einem selber gefallen: Nakamichi gegen Körting.
Als der HiFi-Markt für die deutschen Hersteller noch in Ordnung gewesen war, als also die Relation zwischen Herstellungskosten und erzielbarem Preis noch gestimmt hat, da hat Braun die nach Einschätzung von US-Journalisten beste Hifi-Anlage "aus einer Hand" auf der Welt im Angebot gehabt, da hat Grundig den ersten tatsächlich verfügbaren Transistor-HiFi-Verstärker gebaut, da hat Kirksaeter in den USA Preise eingeheimst, da haben Dual, Elac und PE den US-Plattenspieler-Markt aufgerollt usw. Britische Fach-Journalisten haben noch auf der ersten HiFi-Messe in Deutschland vom Stand hiesiger Industrie-Receiver geschwärmt.
Die zunächst einmal Branchen-unabhängigen Entwicklungen des Marktes haben dazu geführt, dass eine Firma nach der anderen entschieden hat, sich auf Farb-TV zu spezialisieren und HiFi nur noch halbherzig oder gar nicht mehr zu machen. Was konnte noch gleich das Saba-Management für die Entscheidung, die Gold-Bindung des US-Dollar zu lösen?
Wenn Ihr HiFi, gemessen an Euren Freizeit- und Einkommens-Erwartungen, in einer funktionierenden Marktwirtschaft haben wollt, dann müsst Ihr Restek, Trigon, MBL usw. kaufen. Und dann haben die genug Kapital, Dinge zu entwickeln. Wer aber lieber Musik über sein China-Smartphone streamt, der darf sich nicht beschweren, dass eine Firma wie Loewe nicht existieren kann.
Übrigens wäre es überhaupt kein Problem gewesen, hier eine kleine Sammlung zu machen, und Loewe mit hinreichend Aktienkapital auszustatten, um einen ganz Großen in der Branche zu schaffen. Wer von den Kritikern hat das in den letzten Jahren getan? Wenn das aber niemand tut, dann wird Braun halt von Gilette gekauft und Elac von der Global Legend Holdings Co., Ltd. Und ob der eine oder andere neue Eigentümer ein Interesse an Forschung und Produktion in Deutschland hat(te), da bin ich mir nicht sicher. Und wenn der Eigentümer das nicht will, dann passiert das halt auch nicht. Denn Ihr kauft ja sowieso in Asien, oder?
Noch eine Anmerkung. Der erfolgreichste deutsche HiFi-Hersteller der Achtziger Jahre war Schneider gewesen. Trotz asiatischer Konkurrenz. Erfolgreich wegen schlechter Ingenieure oder Marketing-Leute? Oder erfolgreich, weil das Publikum (nicht nur in Deutschland) gekauft hat. Hatten die Schneider-Manager also mit ihrer Produkt-Palette eine falsche Entscheidung getroffen, nur weil irgendwelche Snobs, die teures HiFi nur gebraucht kaufen, Schneider nicht mögen? Bitte auf dem Teppich bleiben ...
Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch
