Rauschgift in der Tonband-Szene ?
#2
Bei mir war das nicht anders.
Der Mief warmer Röhren, die Ranzigkeit alten Öles, angwärmter Graphisstaub aufgerührt in jenem alten Öl, ich rieche das auch noch immer: Und die Erinnerung wurde von neuem Realität, als ich vor einiger Zeit und nach 35 Jahren meine ersten PhonoReges der 'Neuzeit' wieder in Betrieb nahm. Der Geruch, die Geräusche die dieses Gerät machte, das mildgrüne Aufleuchten des magischen Fächers (EM 71...), ja der Klang des nicht gerade Hifi-Ansprüchen genügenden Lautsprechers, versetzte mich in eine Zeit meiner Kindheit zurück, in der ich (nicht jemand anders) Weichen stellte. Dies geschah nicht ohne Wehmut, denn man erinnert sich dabei auch unwillkürlich der kindlichen Unschuld vor jenseits vierzig Jahren, mit der man Berufsziele verfolgte, die ihrerseits Düpierungen bereithielten, die man damals nun beim besten Willen nicht erwartete.

Ein bekannter Sammler (Musiker in Ruhe) erzählte mir dasselbe aus dem professionellen Tonaufnahmegwerbe des (ostdeutschen) Rundfunks der ersten Nachkriegsmonate, den er als musikalischer Wunderknabe bei Aufnahmen erlebte. Die ölgeschwängerte Atmosphäre der Technikräume interessierten ihn damals schon mehr als seine Rolle hinter dem Mikrofon. Da kratzte er eben seine 'Hausaufgaben' ab, um dann danach die Aufnahme auf Du und Du mit den Bandmaschinen abhören zu können. "Da roch das noch nach Maschine und warmem Öl, da war ich zuhause." Kein Wunder, dass solch einer zum Sammler mutieren muss.

Hans-Joachim
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[Kein Betreff] - von capstan - 03.12.2004, 15:38
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