10.08.2012, 09:45
Eines Tages erging eine Anweisung der „obersten Heeresleitung“ an unseren Elektromechaniker- Lehrling (nicht Hermann), umgehend alle Arbeitslampen der Werkstatt mit neuen Kabeln und Schutzkontakten zu versehen. Es handelte sich hierbei um uralte metallene Schreibtischlampen, die wie so vieles in der Firma aus Beständen der Wehrmacht stammten. Entsprechend marode waren die Kabel und Stecker der Lampen.
Da es sich bei den Fernsehgeräten um Allströmer handelte, war je nach Stellung des Netzsteckers 220 Volt Wechselspannung auf dem Chassis. Es war also aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich einen Trenntrafo zwischenzuschalten.
Aber dieser kostete viel Geld, und das für jeden Arbeitsplatz! So viel wollte unser Ing. wohl nicht investieren. Die Sicherheit seiner Mitarbeiter war ihm höchstens 50 Pfennig wert und so spendierte er ihnen einen Phasenprüfer und wies sie an, bei jeder Reparatur zu prüfen, ob das Chassis spannungsfrei wäre.
Manchmal funktionierten diese Phasenprüfer nicht, sie waren zu dunkel oder es wurde schlichtweg vergessen, die Dinger ans Chassis zu halten. Wenn dann ein geerdetes Messgerät oder die Bananenstecker des Antennen- Symmetriergliedes Fuba SYG 045 mit dem Chassis Kontakt bekamen, krachte es gewaltig und die Haussicherungen flogen raus.
Diesmal aber sollte alles noch schlimmer kommen: Hannes war tief in seine Reparatur versunken, beäugte vermeintlich defekte Teile im Chassis, konnte diese wegen der schummrigen Beleuchtung nicht richtig erkennen, und griff instinktiv zu seiner Lampe: „ Ah!!! “ 220 Volt Wechselspannung flossen durch Hannes Hände und krochen in seinen Körper. Kommt da der Ausdruck „Kriechstrom“ her?
Ein grässlicher Aufschrei hallte durch die Werkstatt, der allen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Wir saßen wie erstarrt auf unseren Plätzen. Hannes wurde wie von Geisterhand einige Zentimeter von seinem Schemel hoch geschleudert um dann urplötzlich mit einem gebrochenen Seufzer in sich zusammen zu sacken.
Sofort sprangen wir herbei und stützten ihn. Er wankte noch etwas als wir ihn durch den kleinen Laden nach draußen in die frische Luft verfrachteten. Vor der Eingangstür setzten wir ihn auf einen alten Schemel. Die Nachmittagssonne spiegelte sich malerisch auf seinen blanken Schädel. Vorbeilaufende Passanten sahen ihn mitleidvoll an, vermittelte er doch den Eindruck eines gebrechlichen alten Männleins, das noch ein bisschen Sonne abbekommen sollte, bevor ihn der nächste Nachtfrost dahinraffen würde.
Während ich Hannes Gesundheitszustand beäugte, lief vor mir auf dem Bürgersteig ein Bekannter, pfeifend und laut jodelnd mit einem neu erworbenen PHILIPS- Batterietonbandgerät RK 5.
Im Vorbeigehen rief er mir zu, er hätte auf einem Schiff angeheuert und würde jetzt die ganze Welt kennen lernen, auch Fu- Persien. Was er mit „Fu“ meinte, ist mir bis heute nicht klar geworden.
Aus dem Lautsprecher seines Batterie-Tonbandgerätes klang Freddy`s Lied: „Es kommt der Tag, da will man in die Ferne.“ Da überkam mich für einen Moment ein Gefühl grenzenlosen Fernwehs, zumal mir bewusst wurde, wie schön das Leben außerhalb der Lehrfirma sein müsste.
Aber die Realität hatte mich schnell wieder. Später bekam ich dann mit, dass er nur Binnenschiffer war.
Ja Leute, so war das damals Mitte der 60iger Jahre. Sollten euch die Geschichten gefallen, stelle ich gern noch die eine oder andere ins Forum.
Wenn aber das Bandmaschinenforum nicht der richtige Platz ist für diese Geschichten, die ich in einem bisher nicht veröffentlichten Buch zusammengestellt habe, dann sagt es mir bitte!
Mit freundlichen Grüßen!
Peter
Da es sich bei den Fernsehgeräten um Allströmer handelte, war je nach Stellung des Netzsteckers 220 Volt Wechselspannung auf dem Chassis. Es war also aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich einen Trenntrafo zwischenzuschalten.
Aber dieser kostete viel Geld, und das für jeden Arbeitsplatz! So viel wollte unser Ing. wohl nicht investieren. Die Sicherheit seiner Mitarbeiter war ihm höchstens 50 Pfennig wert und so spendierte er ihnen einen Phasenprüfer und wies sie an, bei jeder Reparatur zu prüfen, ob das Chassis spannungsfrei wäre.
Manchmal funktionierten diese Phasenprüfer nicht, sie waren zu dunkel oder es wurde schlichtweg vergessen, die Dinger ans Chassis zu halten. Wenn dann ein geerdetes Messgerät oder die Bananenstecker des Antennen- Symmetriergliedes Fuba SYG 045 mit dem Chassis Kontakt bekamen, krachte es gewaltig und die Haussicherungen flogen raus.
Diesmal aber sollte alles noch schlimmer kommen: Hannes war tief in seine Reparatur versunken, beäugte vermeintlich defekte Teile im Chassis, konnte diese wegen der schummrigen Beleuchtung nicht richtig erkennen, und griff instinktiv zu seiner Lampe: „ Ah!!! “ 220 Volt Wechselspannung flossen durch Hannes Hände und krochen in seinen Körper. Kommt da der Ausdruck „Kriechstrom“ her?
Ein grässlicher Aufschrei hallte durch die Werkstatt, der allen das Blut in den Adern gefrieren ließ. Wir saßen wie erstarrt auf unseren Plätzen. Hannes wurde wie von Geisterhand einige Zentimeter von seinem Schemel hoch geschleudert um dann urplötzlich mit einem gebrochenen Seufzer in sich zusammen zu sacken.
Sofort sprangen wir herbei und stützten ihn. Er wankte noch etwas als wir ihn durch den kleinen Laden nach draußen in die frische Luft verfrachteten. Vor der Eingangstür setzten wir ihn auf einen alten Schemel. Die Nachmittagssonne spiegelte sich malerisch auf seinen blanken Schädel. Vorbeilaufende Passanten sahen ihn mitleidvoll an, vermittelte er doch den Eindruck eines gebrechlichen alten Männleins, das noch ein bisschen Sonne abbekommen sollte, bevor ihn der nächste Nachtfrost dahinraffen würde.
Während ich Hannes Gesundheitszustand beäugte, lief vor mir auf dem Bürgersteig ein Bekannter, pfeifend und laut jodelnd mit einem neu erworbenen PHILIPS- Batterietonbandgerät RK 5.
Im Vorbeigehen rief er mir zu, er hätte auf einem Schiff angeheuert und würde jetzt die ganze Welt kennen lernen, auch Fu- Persien. Was er mit „Fu“ meinte, ist mir bis heute nicht klar geworden.
Aus dem Lautsprecher seines Batterie-Tonbandgerätes klang Freddy`s Lied: „Es kommt der Tag, da will man in die Ferne.“ Da überkam mich für einen Moment ein Gefühl grenzenlosen Fernwehs, zumal mir bewusst wurde, wie schön das Leben außerhalb der Lehrfirma sein müsste.
Aber die Realität hatte mich schnell wieder. Später bekam ich dann mit, dass er nur Binnenschiffer war.
Ja Leute, so war das damals Mitte der 60iger Jahre. Sollten euch die Geschichten gefallen, stelle ich gern noch die eine oder andere ins Forum.
Wenn aber das Bandmaschinenforum nicht der richtige Platz ist für diese Geschichten, die ich in einem bisher nicht veröffentlichten Buch zusammengestellt habe, dann sagt es mir bitte!
Mit freundlichen Grüßen!
Peter
