Kann mir jemand ein Messband-Kopie machen?
#11
Hallo Jürgen,

da ich früher in der Werkstatt Tonbandgeräte reparieren mußte ohne ein Justierband zu besitzen, habe ich mir damals selbst geholfen.

Nach der Devise, ein schlechtes Justierband ist besser als kein Justierband, habe ich mir ein fabrikneues Gerät genommen, von dem ich annehmen konnte das es normgerecht justiert war.
Ich habe die Bezugsfrequenz (z.B.1kHz) von einem Tongenerator mit einem Pegel von 0dB aufgezeichnet und den Pegel zur Kontrolle bei Wiedergabe auf verschiedenen Geräten kontrolliert bzw. verglichen.
Mit diesem Pegelband konnte ich nun alle Geräte wiedergabeseitig gleich einjustieren.
Für die Spalt- und Höhenjustierung fertigte ich jeweils eine 1kHz und eine 10kHz- Aufzeichnung an.
Mit Rücksicht auf die Entzerrungskurve senkte ich den Aufzeichnungspegel allerdings wie üblich auf 1/10 des Bezugspegels ab.
Mit dem 1kHz- Testtonteil konnte ich nun den Azimut nebenmaximafrei vorjustieren und den Pegel (-20dBU) mit dem NF-Voltmeter zum Vergleich kontrollieren.
Mit der 10kHz- Aufzeichnung gelang es den Azimut auf Pegelmaximum feineinzustellen.
Gleichzeitig dienten die 10kHz der Kontrolle der Höhen (-20dB).

Ohne ein verlässlich justiertes Tonbandgerät wird die Selbstanfertigung eines solchen Justierbandes natürlich schwierig.

Früher haben wir eine 1kHz- Aufzeichnung bis zum Einsetzen gerade sichtbarer Verzerrungen (Oszi) gemacht und den Pegel dann um 6dB zurückgenommen, um sicher im klirrarmen Bereich zu liegen, dies war unser "Bezugspegel".

Die genaue Azimuteinstellung befindet sich dort wo sich der größte Wiedergabepegel ergibt.
Mittels einer markierten Kopf- Justierschraube kann man einige Aufnahmen in verschiedenen Winkeln durchführen, wobei man sich die erzielten Winkel und zugehörigen Wiedergabepegel notiert.
Bei erreichen des Maximums und gleichmäßigem Pegelabfall nach beiden Seiten bei gleicher Winkelverstellung der Justierschraube nach beiden Seiten, liegt der Azimut genau in der Winkelhalbierenden.
Dies ist zwar etwas aufwändig, aber genauer kann man mit einem Bezugsband auch nicht arbeiten, zumal sich diese Bänder leider in ihren Werten ebenfalls immer etwas unterscheiden.

Die Entäuschung ist groß, wenn man feststellt das bei einer Auswahl an vorhandenen originalen Bezugsbändern, jedes etwas vom anderen abweichende Werte erzeugt, so daß man leider nie genau weiß welches nun das genauere ist.

Diese Tatsache hat mir die Erfurcht vor der Präzision originaler, nur mit allerbester Technik und größtem Aufwand erstellter Bezugsbänder genommen.

Eine Kopie eines Bezugsbandes ist ausreichend erfolgreich, wenn die verwendeten Maschinen peinlichst justiert und eingemessen sind und eine ordentliche Pegelmesstechnik zur Verfügungt steht.

Die Kopie sollte anschließend auf der Wiedergabemaschine annähernd die gleichen Pegelwerte erzeugen wie das Original!

Ist dies nicht der Fall, kann man eine Tabelle zur Bandkopie anlegen, in welcher die gemessenen Pegeltoleranzen mit entsprechenden Vorzeichen zu den einzelnen Frequenzen eingetragen werden.
Diese Differenzbeträge müssen dann natürlich beim Einmessen mit dieser Bandkopie berücksichtigt und zu den Bandpegeln addiert bzw. subtrahiert werden.

Da man zum Justieren des Bezugspegels und der Kontrolle des Wiedergabe- Frequenzganges üblicherweise nur zwei Frequenzen benötigt, sollte man diese besser direkt von einem Tongenerator aufzeichnen.
In der gerätespezifischen Serviceanleitung sind die benötigten Frequenzen zur Bezugspegel- und Höhenjustage angegeben.

Die anzufertigende Aufzeichnung enthält dann nur einen Teil zur Bezugspegelkontrolle z.B. 0dBU/320pWb/cm (z.B. 315/330/1kHz) und einen Teil zur Azimut und Frequenzgangkontrolle -20dB (z.B. 6,3kHz/10kHz/12,5kHz/14kHz/18kHz)

Die aufgezeichneten Pegel werden unmittelbar hinterband kontrolliert und ggf.
korrigiert.
Ein so auf Studiomaschinen entstandenes und kontrolliertes Justierband kann
jederzeit mit käuflichen Justierbändern mithalten und ist für die ohnehin mit größeren Toleranzen behafteten Heimgeräte mehr als ausreichend.

Da die analoge Magnetbandtechnik heute ihre einstige Bedeutung verloren hat und viele Gerätebesitzer nur aus Nostalgie- und Hobbygründen noch damit arbeiten, ist die Bedeutung neuer, und sehr teurer Bezugsbänder ebenfalls geringer geworden.
Ein professioneller Bandaustausch findet so gut wie nicht mehr statt, stattdessen werkelt jeder nur noch für sich in seinem Hobbykeller.
Aus diesem Grund lohnt die Anschaffung noch vorhandener, sich im Umlauf befindlicher Bezugsbänder kaum.
Wichtiger ist das die eigenen Geräte und Aufzeichnungen untereinander austauschbar und kompatibel bleiben, deshalb genügt uns ein selbstgefertigtes Justierband allemal, um die eigene "Hausnorm" noch über Jahre aufrecht erhalten zu können.


Gruß

Bernd
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