Amateurband auf Bobby?
#20
Lieber Frank,
lieber Mitleser,

im Grunde wusste ja jeder, worum es etwa ging; in der aktuellen Situation sieht man jetzt halt hinsichtlich der Produktbezeichnungen etwas klarer. Danke.

PEM 468 wurde beim Rundfunk im Produktionsprozess durchaus verwendet, nicht jedoch bei Archivierung und Sendung, weil das Material eben außerhalb der historisch gewachsenen Spezifikationen lag. Dem Rundfunk gefiel das auch nicht, aber er hatte ja nun einmal die durchgängig ja riesigen Archive. Ein Ummessen innerhab des Betriebes muss nach Murphys Law allemal zum Chaos führen, also lässt man das. Zumindest hierzulande (siehe unten).

Was an PEM 468 nicht gefiel, war die komplette Schwärze (wie SPR50LH), weshalb die bei deutscher Schichtlage üblichen Stempelmarkierungen beim Schnitt praktisch unsichtbar blieben. Es wurden meines Wissens zwar Versuche mit besonderen Stempelfarben (bis hin zu TippEx-Filmen) und auch mit einer weißen Rückseitenbeschichtung bei PEM 468 gemacht, was aber nach Ansicht der Betroffenen alles keinen Taug hatte, ohne das ich wüsste, warum das so gesehen wurde. Mit TelcomC4 war das Problem ja an sich ohnehin gegessen, denn das wurde/wird(??) ja auch im Sendebetrieb verwendet, und nach Murphys Law öfter einzuschalten vergessen (quod erat demonstrandum), wie ich selbst insbesondere über weiland DSR immer wieder hören konnte....
Gegessen war das Geräuschspannungsproblem auch deshalb, weil für den Sendebtrieb mehrfach kontrollierte Bänder mit sauber auf die Bedürfnisse von UKW und Bandmaschine 'eingepassten' Dynamiken Verwendung finden/fanden, so dass die über PER 528 erreichbaren Aussteuerbarkeiten und Ruhegeräuschabstände schon ohne Telcom über die Möglichkeiten des UKW-Verfahrens hinausgehen. Denn auch darauf hatte man beim Rundfunk ja immer ein waches Auge: Hohe Qualität zu gewährleisten, ohne Ausreißer nach oben zu finanzieren, die 'nichts bringen'.
Heute geht das etwas radikaler ab:
Popsender: Lautheit bringt's, also machen wir das, indem wir in die Begrenzung fahren.
Klassiksender und künstlerisches Wort: Digitale Quellen sind spitzenpegelreich, weshalb man oft schon bei der Aufnhame (wirklich gute Sprecher sind heute selten) für Abhilfe sorgt, spätestens aber beim Senden die Spitzen mit programmabhängigen Limtern/Kompressoren herausnimmt. Das alte von Technikern 'individuell interpretierbare' Regelwerk wird also durch eine Maschine mit zweifellos 'intelligenten' Funktionen ersetzt. Die klangliche Einheitlichkeit aber wird zum Prinzip.

Bandtypenfragen; -einige Aphorismen-

Wie das mit LGN, LGR (1961), LGR50 (Einführung 1981), LGR51 (kurzlebiges Problemband 1986), SPR50LH (schwarzer Rückseitenbeguss) insgesamt genau war, sollte man vielleicht -soweit ich davon weiß- in einem eigenen Thread behandeln. LGR51 wäre ein interessantes Band geworden, wäre nicht seine eingeschränkte mechanische Stabilität (Schichtabplatzungen bei üblich hartem Rundfunkeinsatz) schnell offenbar geworden. Also reaktivierte man das LGR50, das schließlich sogar die BASF-Magnetics-Zeit überdauerte.

Interessanterweise brachte es PEM 468 zum Regulärband der BBC, wo die Archive ja auch gigantische Ausmaße angenommen hatten. Die hervorragende Kopierdämpfung des 468 (4 dB besser als sein Nachfolger 469, der der Produktbereinigung 1991 zugunsten des 911 zum Opfer fiel) wird diese Entscheidung erleichtert haben.

LR <-> 555 (dickere Beschichtung)
LGR (1956) <-> 525 (Markteinführung 1963)
SPR50LH (1972/73, ab 82/83 'LHL') initiierte 468
LGR50 initiierte PER 528 (beide 1981)
910 (1984) und 911 (1985) <-> 469 (Markteinführung 1984)

LGR war das erste Band mit Rückseitenmattierung (Patent Robl-Merkel,BASF: DBP 1101000); die Einführung dieses Bandes zog sich aber über fast 3 Jahre hin, weshalb das RTI (damaliges IRT) die Bemusterung der Rundfunkanstalten offenbar nur aufgrund eines Gnadenaktes gestattete, denn AGFA FR hing damals qualitativ etwas durch.

Zwischen 1967 und 1981 gab es dann auch noch den Typ '525 stereo', der wegen der Heraufsetzung der Aussteuerung auf 514 pWb/mm (Stereoeinführung) etwa 4 dB höher aussteuerbar war.

528 erhielt ein dem 468 verwandtes Pigment, das jedoch aus Gründen der Kompatibilität mit LGR50 durch ein beigemischtes (BASF-!) Pigment 'verschlechtert' werden musste.

SPR50LH basiert auf den durch ein "Tempern" verbesserten Magnetiten, wie man sie erstmalig beim LPR35LH (1971) eingesetzt hatte. 910 verschwand wegen eines gegenüber SPR50LHL um 2 dB verschlechterten Modulationsrauschabstandes schon nach einem Jahr von der Bildfläche, dabei lief es so schön abweichungsfrei an den Entzerrungen der A77(ORF) entlang... ---

Langspielbänder setzt man auf stationären Magnetofonen deshalb ungern ein, weil diese grundsätzlich mit hoher Bandgeschwindigkeit laufen, bei denen dann die Kopierdämpfung jener dünnen Bänder nicht mehr ausreicht. LPR35 wurde vor allem wegen der Fertigungstoleranzen (Amateurband eben) nicht für den professioenllen Betrieb spezifiziert. Um das zu untermauern, ließ man nie eine Spezifikation unter 38,1 cm/s an die Öffentlichkeit. Damals fürchteten die Magnetbandproduzenten noch die Knute des Rundfunks...

Engel schrieb mir sogar vor einiger Zeit, als ich mit ihm dies Thema diskutierte, dass seinem Kenntnisstande nach BASF LPR35 nicht einmal unter 38,1 cm/s gemessen habe. Nun, dann konnte ja wirklich nichts passieren.

Hans-Joachim
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