LUXus Receiver R-1500 E
#1
Moin, moin,

da kommt am Abend ein Anruf, ob ich mal vorbei kommen könne. Und wenn ich dann nicht nur gekonnt, sondern mich auch bewegt haben sollte, und dann vor dem einen oder anderen Kofferraum mit Dingen stehe, die ich eigentlich nie hatte haben wollen, dann kann ich die Dinge doch nicht einfach liegen lassen. Dann wäre ja das Loslaufen umsonst gewesen.

Also ist mir kürzlich ein "kleiner" Receiver zugelaufen. Beziehungsweise ich ihm.
Und bevor er wieder weg muß, da muß ich mal wieder auf die Tasten hauen, damit sich das Mitbringen auch irgendwie gelohnt hat, zumindest andere das denken, wenn ich mal wieder mit dem Bollerwagen durch die Straßen ziehe und erklären muß, warum.

Was mir da entgegen prangte, war mit Aufklebern und schwarzen Filzer-Markierungen bedeckt. Dahinter zeigte sich ein Steuergerät in durchaus konventionellem Auftritt, das lediglich etwas aufgepustet wirkt. Jedenfalls im Vergleich zu einem durchschnittlichen Nikko- oder Teac-Receiver seiner Zeit.

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Die Aufkleber waren schnell abgezogen und die Filzer-Tinte konnte dem Schmutzradierer von Budni nur wenige Sekunden widerstehen. Und plötzlich sah der Receiver viel interessanter aus, und in Wirklichkeit nicht aufgedunsen, sondern es wurde nun klar: Dieser Receiver ist die Referenz, und Teac und Nikko wirken dagegen eher, als hätte man dort ein wenig die Luft rausgelassen.

Ich muß zugeben, nicht alles, was mir angeschleppt wird, kaufe ich. Naja, zumindest nicht wirklich alles. Von wegen des Aufwands des Loslaufens.
Bei diesem Gerät hier hatte ich jedoch ein stilisiertes "L" als Logo entdeckt. Glücklicherweise befand sich das neben und nicht unter einem der Aufkleber. Und Geräte mit einem "L" als Logo nimmt man mit! Genauso wie die mit dem "N".

Die Firma mit dem "L" wurde im Juno 1925 von T. Hayakawa und K. Yoshikawa als Radio-Abteilung des Bilderrahmenimporteurs und -Händlers Kinsuido in Osaka, den sie als zweite Generation führten, gegründet.
Japan importierte in dieser Zeit Radiogeräte und deren Bauteile vor allem aus den USA und aus Europa. Um die Kosten für die gefragte Ware reduzieren zu können, begann die Lux Corporation damit, Teile ihres Handels-Programms selber herzustellen. Der Markenname "Luxman" entstand und wurde schnell für seine Transformatoren und Schalter bekannt. Lux ist heute einer der ältesten Bauelemente-Hersteller Japans.

Im Jahre 1928 war der erste eigene Radiobausatz LUX-735 mit magnetischem Lautsprecher erschienen. Ein elektrischer Phonograph wurde zusätzlich ins Programm mit aufgenommen. Bereits 1931 entwickelte Lux den ersten eigenen magnetischen Tonabnehmer.
Nach Kriegsende begann das Geschäft mit Bauelementen neu. Exemplarisch stehen die Luxman-Ausgangsübertrager. Bereits 1955 entwickelte Lux eine Crossover Negative Feedback-Schaltung, die weltweit patantiert wurde. Auf dieser Basis entstand 1958 Lux's erster Mono-HiFi-Verstärker, Luxman MA-7A, als Komplettgerät. 1961 folgt der erste integrierte Stereoverstärker SQ-5A, einer der ersten der Welt überhaupt. Mit diesem Gerät führte Lux eine eigene Klangregelungs-Schaltung ein. Nur ein Jahr später brachte man mit dem SQ-65 einen Verstärker auf den Markt, der über eine Motional Feedback (MFB)-Regelung mit den Lautsprechern verbunden war. 1962 erschien auch Japans erster mit Germanium-Transistoren ausgestatteter Phono-Vorverstärker Luxman PZ-11.
Auf die beginnende Kriese der HiFi-Industrie reagiert Luxman 1971 mit einem Selbstbauprogramm für Röhrenverstärker unter der Marke Luxkit. 1972 folgte die Gründung der Marke L&G, unter deren Namen der für klassische Röhren-Verstärker bekannte Hersteller moderne State of the Art-Transistorgeräte aber auch Komponenten in besonders modernem Finish etablieren wollte.
Zum 50ten Geburtstag wagte Luxman mit dem auf wenige Exemplare limitierten M6000 erstmals den Schritt in die Highend-Klasse und etablierte diesen Anspruch ein Jahr später, mit der Laboratory Reference Series, im Programm.

Die Datierung und Einordnung der Luxman erweist sich als etwas problematisch, da die Luxman-Geräte in unterschiedlichen Märkten unter verschiedenen Bezeichnungen und auch zu verschiedenen Zeiten eingeführt worden waren. So heißt es bei fmtunerinfo.com, ein Gerät sei zuallererst in Japan getestet worden; wäre es dort angenommen, sei es auch andernorts in die Distribution aufgenommen worden. Geräte, die durchgefallen seien, hätte man, mit geringen Änderungen und gegebenenfalls unter anderem Namen, erst später eingeführt.

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Mein Steuergerät ist zumindest bereits im HiFi-Report der FONO FORUM von 1974 genannt. Andere Quellen nennen 1975 als Erscheinungsjahr des R1500. Der Receiver war bis 1978 im Katalog des Importeurs All Akustik, Hannover, gelistet.

Das Suffix "E" in der Typenbezeichnung interpretiere ich als Hinweis auf den europäischen Markt als Zielland. Die einzige am Heck genannte Netzspannung von 220 Volt, das fest installierte Netzkabel mit Euro-Stecker und die zusätzliche DIN-Buchse für den Recorder-Anschluß dürften offensichtliche Zeichen des Europa-Modells sein. In der Audiogon-Liste taucht das Steuergerät nicht auf, was ich als Indiz verstehe, der R1500 war in den USA garnicht erst auf den Markt gekommen.
In anderen Ländern gab es ihn ebensowenig, denn Luxman war selber nicht weltweit vertreten. Beispielsweise hatte man in Österreich weder eine Niederlassung noch eine Vertretung.

Mit Abmessungen von 520 x 160 x 350 mm (BHT) gehört der Lux nicht eben zu den kleinen Geräten seiner Art. Unverständlich, warum sogenannten HiFi-Fans immer nur die Dimensionen einheimischer Steuergeräte als "breit" auffallen. Wie schon angedeutet, sieht der Luxman etwas wie ein "aufgeblasener" Teac oder Nikko aus. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern resultiert aus der Tatsache, daß Lux, im Gegensatz zu manch anderem Hersteller, dessen Steuergeräte über das 44er oder 50er Maß gewachsen waren, den gewonnenen Platz nicht durch zusätzliche Tasten und Knöpfe auffüllte. Es scheint eben alles nur etwas größer ausgefallen zu sein. Offensichtlich wird das an der Dimension der beiden Drehspulinstrumente für Ratiomitte und Feldstärke des eingebauten Empfängers: Im Vergleich zu denen zeitgenössischer Mitbewerber sind die des Lux fast doppelt so groß.

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Abgesehen von der Größe kommt der Luxman zunächst zeittypisch daher: Die Front wird durch eine solide Metallplatte gebildet. Durch zwei Zier-Nuten wirkt sie fast etwas barock geformt. Ihre obere Hälfte ist durchbrochen und läßt Platz für das Glas einer analogen Skala. Diese ist dunkel eloxiert umrahmt abgehoben, so daß das große silberne Abstimmrad umso mehr auffällt. Im Dunklen betrachtet fällt auf, die Farbe der Beleuchtung von Skala und Mitteninstrument ist unterschiedlich. Eigenwillig.

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Ebenfalls noch in der Umrahmung der Skala eingelassen sind fünf kleine Druckknöpfe, eine LED und ein kleiner Drehregler. Wer nun erwartet, das Bedienfeld wäre in der Farbe nach Elementen für Tuner- und Verstärkerteil unterschieden, der muß Europäer sein. Der Luxman ist das nicht. Während die LED als Stereo-Indikator fungiert, dient der Drehregler "pull on mic. mix level" der stufenlosen Einblendung zweier per Klinkenstecker angeschlossenen Mono-Mikrofone (links und rechts). Die nächsten drei, im Block zusammengefassten Knöpfe, aktivieren die gehörrichtige Lautstärkekorrektur (Loudness) des Vorverstärkers, die Stummabstimmung (Muting) und die Stereo-Stummabstimmung (Stereo only) des Tuners; damit unterdrückt der Lux alle Sender, die keinen Stereo-Pilotton senden. Die nächsten, wiederum abgesetzt angeordneten Tasten sind mit "low cut" und "high cut" bezeichnet und aktivieren somit den Tiefen- und den Höhenfilter.

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Doch nicht nur Europäer, auch japanische Konstrukteure mögen sich einen Sinn in der Anordnung von Drucktasten denken: Vielleicht hat das Team um Miura hier einfach nur die weniger benutzten Tasten in einer Reihe zusammengefaßt. Und darunter liegen die größer dimensionierten Drehregler und Kippschalter, die möglicherweise häufiger benutzt werden.

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Von links nach rechts gesehen, beginnt die Frontplatte des R1500 mit den beiden übereinander angeordneten 6,3mm Mono-Klinkenbuchsen für die Mikrofon-Eingänge. Darüber ist der Pegelregler für die Lautstärke ihrer Einblendung gelegen. Rechts daneben folgt ein großformatiger Drehregler, mit einem typischen Luxmann-Knebel, für die Quellwahl: Zwei Plattenspieler und weitere zwei Hochpegelgeräte lassen sich hier alternativ aktivieren, dazu die UKW- und Mittelwellen-Bänder des eingebauten Rundfunkempfängers.

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Die nächste Funktionsgruppe besteht aus drei massiven Kippschaltern mit der Standardeinstellung in der Mittelrastung: Der linke erlaubt die Umschaltung des Betriebszustandes (Mode) des NF-Teils zwischen Stereo, Mono und seitenverkehrtem Stereo (reverse). Der mittlere Schalter "dubbing" erlaubt das Überspielen vom Recorder 1 auf 2 oder umgekehrt. Der rechte Schalter "Monitor" kennt "source" als Mittelstellung und schaltet alternativ die Hinterbandkontrolle für den Recorder 1 oder 2 ein.
Direkt rechts neben der Schaltergruppe und etwas abgesetzt von den folgenden Drehreglern ist der Pegelregler für die Lautstärke untergebracht. Seine Besonderheit ist die Zweiteilung auf einer gemeinsamen Achse, so daß sich die Stereobalance, ganz im Gegensatz zum sonst üblichen Verfahren, nicht durch einen getrennten Balance-Steller, sondern durch das gegeneinander Verdrehen der beiden Poti-Teile erreichen läßt. Wer selten die Balance-Einstellung ändert, für den ist dieses Konzept die richtige Wahl. Wer jedoch des öfteren regeln will, der wird sich immer wieder über den Designer des Luxman ärgern. Immerhin, die großformatige Front des Receivers erlaubte hinreichenden Platz zwischen den Bedienelementen zu erhalten, so daß wirklich jedes einzelne auch mit mehreren Fingern umfaßt werden kann, ohne dabei an andere Regler zu stoßen.

Quasi in der Nähe des Lautstärkestellers, aber durch Lage und Größe doch deutlich abgesetzt, befindet sich der Druckknopf für das Zuschalten der gehörrichtigen Lautstärkekorrektur (Loudness) in einer logischen Position. Mit ihm wird der Frequenzgang des Verstärkers so verzogen, daß die Teile des Spektrums, die das menschliche Ohr beim Abhören in geringer Lautstärke weniger effizient wahrnimmt, in Relation lauter wiedergegeben werden.
Auch bei manch besseren Geräten war die Wirkung der Loudness nur von der Stellung des Lautstärkereglers abhängig: Bei geringer Abhör-Lautstärke wirkt sie hier deutlich, bei steigender Pegelstellung immer weniger. Für HiFi-Freunde ein eher ärgerliches Verfahren, weil mit den Klangreglern entgegen gewirkt werden müsste, wollte man einen linearen Frequenzgang erzielen. Beim Luxman schaltet man die Loudness an oder ab, ohne dabei die übrigen Pegelregler der Klangregelung bewegen zu müssen. Allerdings war der Tester der HiFi-STEREOPHONIE von der Auslegung der Loudness nicht begeistert: "Die Loudness-Taste sollte allerdings nur bei wirklich kleiner Wiedergabelautstärke (...) betätigt werden. Andernfalls entsteht eine störende Überbetonung der Tiefen und Höhen."

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Die Klangregelung ist mittig auf der Front des Receivers angeordnet und beginnt mit einem Drehschalter "Linear Equalizer" mit fünf Rastungen "up tilt", "normal" und "down tilt". Genau, für "up" und "down" bieten sich jeweils zwei Schalterstellungen an. "Der Linear Equalizer ist eine Art Klangwaage. Mit ihm lassen sich in gewissem Umfang Klangbild-Unebenheiten des Wiedergaberaumes oder der Lautsprecher kompensieren." (HiFi-Stereophonie). Die STEREO (Ausgabe 4/11) schreibt die Konzeption dieses Instruments einem deutschen Rezensenten zu: "Karl Brehs pfiffige Idee einer Klangwaage findet sich auch im großen Luxman-Receiver."

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Daneben rahmen zwei Drehregler ein Paar Kippschalter ein. Dabei ist das linke Duo für den Tiefton-, das rechte für den Hochtonbereich zuständig. Die Pegelregler sind wiederum zweiteilig aufgebaut, so daß sich die Leistung kanalgetrennt einstellen läßt. Dabei verändern die Pegelregler die Lautstärke und erlaubt der zugeordnete Kippschalter die Einstellung von jeweils zwei alternativen Scheitelfrequenzen (150 Hz oder 300 Hz und 3kHz oder 6kHz) für die Klangveränderung. Die Mittelstellung der beiden Kippschalter überbrückt den jeweiligen Pegelregler. Auch hier gleich mehrfach ein Mehr an Leistung gegenüber konventionellen Geräten: Wer bietet sonst die Möglichkeit, die Klangregler einzeln linear zu stellen, anstatt gemeinsam?!
Die oben schon genannten Drucktasten für den Rausch- und den Rumpelfilter sind der Klangregelung räumlich zugeordnet.

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Wiederum etwas abgesetzt folgt eine weitere Funktionsgruppe: Ein weiterer Knebelschalter erlaubt die Auswahl zwischen fünf von sechs denkbaren Kombinationen der drei anschließbaren Lautsprecherguppen (A, B, C, A+B, A+C), sowie von "aus" für den Stumm- oder den Kopfhörerbetrieb. Sinnvoll in der Nähe liegt die 6,3mm-Klinkenbuchse für den Kopfhörer-Ausgang.
Schließlich befindet sich darunter noch der Hauptschalter, der ja irgendwo gelegen sein muß. Warum nicht hier?

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"Der R 1500 ist zur Zeit der aufwendigste MW- und UKW-Empfänger-Verstärker, den die in Tokyo beheimatete Lux-Corporation nach Europa exportiert", so Karl Breh in seinem Testbericht für die HiFi-STEREOPHONIE. Das HiFi-JAHRBUCH 8 nennt noch einen R600 und einen R800, die zeitgleich von Luxman in Westdeutschland angeboten worden waren.

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Der massive Holzdeckel in Nußbaum oder Rosenholz unterstützt das hochwertige Ambiente. Auch wer sich den Luxman von hinten anschaut, der findet die Einschätzung bestätigt: Die Muting- und die Stereo-Schwelle des UKW-Empfängers läßt sich hier stufenlos einstellen. Zudem gibt es einen schaltbaren Höhenfilter der helfen soll, Störgeräusche am Rundfunkempfänger zu unterdrücken.
Verbindung zum Sender findet der Luxman über vier Schraubklemmen, mit denen sich die UKW- (symmetrisch und asymmetrisch) und eine Mittelwellen-Antenne anschließen lassen. Außerdem ist eine AM-Stabantenne vorhanden.

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Das Anschlußfeld ist umfangreich: Je zwei Plattenspieler (MM), Hochpegelgeräte und Recorder, getrennt nach Ein- und Ausgang, finden per Cinch-Buchse Anschluß. Welcher klassische Receiver hat überhaupt und dann auch noch zwei Aux-Eingänge?! Dazu hat mein E-Modell noch die schon genannte DIN-Buchse für einen der Recorder, die gleichzeitig mit Aufnahme und Wiedergabe belegt ist.

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Auf der linken Geräteseite, oder rechts, wenn man von der falschen Seite kuckt, findet sich eine Federklemmen-Batterie für den Anschluß von gleich drei Lautsprecherpaaren. Die Impedanz der anzuschließenden Lautsprecherboxen muß mindestens 4 Ohm und sollte maximal 16 Ohm betragen. Maximal zwei der Boxenpaare lassen sich gleichzeitig aktivieren. "Bei dieser Betriebsart ist jedoch zu beachten, daß jeweils zwei Boxen parallel geschaltet sind. Um hierdurch Verzerrungen infolge Fehlanpassungen usw. zu vermeiden, müssen die Lautsprecher eine Impedanz von 8 Ohm haben, so daß der resultierende Lastwiderstand nicht unter die zulässige 4-Ohm-Grenze sinkt." (HiFi-Stereophonie)

Eine weitere Besonderheit ist der optionale transparente Quadro-Betrieb, den der R1500 zuläßt. Luxman gehörte zwar nie einer der Quadro-Gruppen an, erlaubte mit diesem Receiver aber zumindest den Anschluß eines 4-Kanal-Anfnahmegerätes als Deck 1.

Für um die 2000 D-Mark bekam man mit dem R1500 einen umfangreich ausgestatteten Receiver, der sich in einigen Merkmalen von seinen Mitbewerbern abhob.
Als einer der wenigen seiner Preisklasse sind Vorverstärker und Endstufe nicht auftrennbar. Wen das nicht stört, der freut sich über viele Ausstattungsdetails, die die Konkurrenten nicht bieten. Insbesondere mit seiner Klangregelung tritt der Luxman aus der Menge hervor.
Sein Auftritt ist zweifellos konventionell. Edler im Finish waren die Yamaha. Die Verarbeitungsqualität des Luxman ist jedoch über jeden Zweifel erhaben. So berichtet auch Karl Breh von einem Innenaufbau, der "ebenso sauber, wie in allen Details mechanisch stabil" wäre.

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Davon kann man sich überzeugen, wenn man die vier Schrauben, je zwei pro Seite, die den Deckel halten, löst. Schon die Schrauben selber sind massiv, größer als nahezu alles, was ich an Gehäuseschrauben in der HiFi-Szene kenne. Und auch das Holz des Rosenholz-Deckel meines R1500 ist von selten gekannter Stärke.

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"Die Luxman-Geräte verblüffen vor allem durch ihre dem Traditionellen verhaftete Technik", so die österreichische RADIO-ELEKTRONIK-SCHAU (Ausgabe 51 / 1975) anlässlich der Audio Fair in London.
Sogar die Anschlußbuchsen sind – so wie es sich eigentlich gehört – fest mit dem Gehäuse verbunden und nur per Kabel mit den Platinen verbunden.

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Auf einem dickwandigen, mehrfach abgekanteten Blechchassis ist jede einzelne Platine, im Stile der Dekadenwende der Sechziger zu den Siebziger Jahren, sorgfältig von der benachbarten getrennt, verschraubt. Löst man die zwölf Schrauben, die den unteren Deckel halten, stößt man zur Lötseite der Platinen vor. Hier befinden sich auch das Gros der Verbindungskabel zwischen den Bauteilen. Auch wenn die Mehrheit davon verlötet ist, so macht das Innere des Recevier doch einen aufgeräumten und recht Service-freundlichen Eindruck. An vielen Stellen des R1500 kann man arbeiten, ohne eine Platine entnehmen zu müssen.

Der große Trafo verfügt über vier Sekundärwicklungen. Die erste gibt 11 Volt für die Speisung der Beleuchtung, die zweite Wicklung gibt 25 Volt für die Lautsprecherschutzschaltung ab. Die zentrale dritte Wicklung speist den Gleichrichter für die 75Volt-Versorgung der Endstufen. Aus der vierten 30-0-30 Volt Wicklung wird eine 45V-Spannung für die Vorverstärker- und die Tuner-Sektion bereitgestellt. Ein Spannungsteiler mit einer Zener-Diode zweigt davon eine 12V-Versorgungsspannung für den Tuner ab. Ein 2SC1382-Transistor dient als Glättungsfilter für die 40V-Gleichstromversorgung des Vorverstärkers.
Mit Hilfe einer Steckbrücke kann das Netzteil an Wechselspannungen zwischen 110 und 240 Volt angepaßt werden.

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Eine Problemzone vieler zeitgenössischer Receiver ist die Beleuchtung der Skala und der Instrumente. Nicht nur die immer wieder ausfallenden Lämpchen, auch die verwurstelte Lage der Beleuchtung sorgt bei vielen Klassikern für Ärger. Nicht so bei dem Lux, der auf ganz normale 12V-Glühbirnchen von 1,5W pro Stück setzt. Lediglich das Lämpchen für den Stereo-Indikator (12V/30mA) ist ein eigener Typus.

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Ein Trio von drei direkt gekoppelten, selektierten Transistoren, zwei NPN- und ein PNP-Typ, bilden den RIAA-konformen Phono-Vorverstärker. Die Gleichstrom-Rückkopplung und die Entzerrung werden vom Emitter eines NPN-Transistors zurück zum Eingangs-NPN-Transistor geführt. Eine Verstärkung von 36 dB (2,3 mV -> 150 mV) und eine hohe Übersteuerungsfestigkeit (100 mV bei 1 kHz) ist die Folge.
Die gleiche Verstärkerschaltung, jedoch ohne Entzerrung, wird auch für den Mikrofon-Eingang verwendet, und erreicht 38 dB Verstärkungsleistung bei einem zwischen 20 Hz und 50 kHz linearen Frequenzgang.
Dieser Vorverstärker ist justierbar; für den Mikrofon-Eingang durch einen Poti an der Front, für die Plattenspieler am Heck des Receiver. Während das Signal des Phono-Vorverstärkers an den Quellwahlschalter, und von dort zum Monitorschalter geführt wird, die es ermöglichen das gewünschte Quellsignal alternativ auszuwählen, läßt sich das Signal des Mikrofonvorverstärkers vor der Klangregelung stufenlos in das Nutzsignal einblenden.

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Bei dem Radioempfänger handelt es sich um einen analogen Tuner. Der Mittelwellen-Bereich läßt sich mit Hilfe eines 3-Gang-Drehkondensators einstellen. Der AM-Oszillator arbeitet bei einer Frequenz von 455 kHz. Die ZF-Verstärkung wurde zweistufig ausgelegt. Das Audio-Signal wird in einem Detektor mit Germanium-Dioden erzeugt und gelangt über einen schaltbaren Höhenfilter zum Quellwahlschalter des Lux.

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Mit Hilfe eines eingebauten Übertragers lassen sich Antennen von 75 und 300 Ohm Impedanz am UKW-Empfänger anschließen. Im Frontend befindet sich ein 4-Gang-Drehkondensator und ein Dual-Gate FET. Der bipolare, Temperatur-stabilisierte Transistor-Oszillator in "Colpitts"-Bauart arbeitet bei 10,7 mcs über dem Eingangssignal. Der ZF-Teil arbeitet zweistufig und mit einer Frequenz von 10,7 MHz. In jeder Stufe sind ein Transistor-Verstärker und ein Keramik-Filter im Einsatz. Der Filter der ersten Stufe verfügt über einen Automatic Gain Controlled (AGC) Amplifier, der eine Steuerspannung für den Eingangs-FET erzeugt, die die Übersteuerung des Frontend verhindern soll. Die Mischung erfolgt in einem Differenzial- und einem Multistage-IC. Das Eingangssignal wird über einen Seitenzweig durch einen Verstärker und Gleichrichter zum ersten IC geleitet, der damit das Feldstärke-Instrument steuert. Über ein Multiplexer-IC, das auch den Stereo-Indikator initiiert,, einen L.C.-Sperrfilter für (oder gegen) den 19 kHz-Pilotton, gelangen die beiden Signale des linken und rechten Kanals in einen einzelnen Transistor, der sie auf die benötigten 400 mV für den Eingang des NF-Teils verstärkt.
Die Deemphasis ist auf die Zeitkonstanten 50µs und 75µs (USA) einstellbar.

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Zwei direkt-gekoppelte NPN-Transistoren bilden den Verstärker des Linear Euqalizer, weitere zwei NPN-Transistoren den der Klangregelung. Die Schaltung ist eine Eigenentwicklung von Luxman und wurde erstmals in dem SQ-5A von 1961 eingesetzt.
Die sogenannte "aktive" Bass- und Höhen-Kontrolle basiert auf einer "virtual earth mode" genannten inversen Konfiguration "with the input at the boost point of the controls and the base of the transistor fed from the slider of the bass control via C741 and C742, the emitter being the feedback point to the controls and providing the output which is at unity gain with respect to the input, to drive the active filter circuit." (Service Manual).
Über die Filter-Gruppe gelangt das Singal schließlich an einen Operationsverstärker („differential comparator“), der mit zwei PNP-Transistoren aufgebaut ist: Das Audio-Signal wird zu dem einen Transistor geführt, das "Feedback" zum anderen. NPN-Metall-Transistoren dienen als aktive Last für den Operationsverstärker. Bei einem der NPN ist der Kollektor an die Masse geführt, der andere dient als Stromverstärker für die gesamte Ausgangs-Stufe.

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Vier Transistoren bilden eine voll-komplementär aufgebaute, symmetrische Endstufe. In einer Darlington Emitterfolger-Schaltung sind zwei PNP-Transistoren als Treiber und Ausgang für die negaive Seite verbunden. Entsprechend sind NPN-Typen für die positive Seite eingesetzt.
Der Ruhestrom wird mit Hilfe von drei Dioden an der Basis vorjustiert und läßt sich mit Hilfe eines Trimmpotis fein einstellen.

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Die beiden Endstufenplatinen sind, mit Steckverbindungen mit dem Rest des Luxman verbunden, auf dicken Kühlkörpern aufgebaut, die lediglich mit der Rückwand des Receiver verschraubt sind. Je ein Paar Toshiba Transistor-Paare 2SC1079 / 2SA679 sorgen für die Leistung von etwa 100 Watt Sinus (an 4 Ohm) pro Endstufe, von der Karl Breh in seinem Test geradezu schwärmt.

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Die Leistungstransistoren sind "gegen Überlastung jeder Art elektronisch gesichtert", kann man diesem Test in der HiFi-STEREOPHONIE entnehmen.

[Bild: LuxmanR1500E_38k.jpg]

Technische Daten (Herstellerangabe):

Empfangsteil
-Empfangsbereich UKW: 87,5 bis 108 MHz, MW: 525 bis 1605 kHz
-Eingangsempfindlichkeit mono: 1,5 µV bei 26 dB S/N und 1,8 µV bei 30 dB S/N, stereo: 3,2 µV
-Begrenzereinsatz: 2 µV
-Stereoeinsatz: 2,8 µV (einstellbar) bei 42 dB S/N
-Mutingeinsatz: 1,5 - 25 µV bei 26-50 dB S/N
-Übertragungsbereich (bei Deemphasis 50 µs): 10 Hz - 15 kHz (-3 dB)
-Klirrgrad: < 0,3%
-Signal-Rauschspannungsabstadn (S/N-Ratio) mono und stereo: 64 dB
-Übersprechdämpfung: 40 dB
-Pilottondämpfung: 56 dB
-Trennschärfe: > 70 dB
-ZF-Dämpfung: > 90 dB
-Spiegelfrequenzdämpfung: > 90 dB
-Gleichwellenselektion: < 1,3 dB
-Bandbreite ZF-Verstärker: 190 kHz, FM-Demodulator: 300 kHz

Verstärkerteil
-Eingangsempfindlichkeit / Impedanz: Phono 1+2: 2,7 mV / 47 kOhm, Mikrophon 2 mV / 10 kOhm, Aux 1+2 und Monitor 1+2: 150 mV / 47 kOhm
-Eingangsempfindlichkeit der Endstufe: 700mV für maximal Verstärkerleisung
-Phonoentzerrung: RIAA
-Sinusleistung: 2x 75 Watt an 8 Ohm, 2x 125 Watt an 4 Ohm
-Musikleistung: 2x 160 Watt an 4 Ohm
-Klirrgrad: < 0,05 %
-Intermodulation: < 0,05 %
-Frequenzgang über alles: 5 Hz bis 75 kHz (-3 dB)
-Fremdspannungsabstand: > 66 B (Hochpegel), > 90 dB (niederlpegelige Eingänge)
-Fremdspannungsabstand (bezogen auf 2x 50 mW): > 64 dB
-Ausgänge Aufnahme: 2x 150 mV bei 47 kOhm, Kopfhörer 1x 100 Ohm, 3 Paar Lautsprecherboxen (zwei Paar gleichzeitig nutzbar)
-Balance: 0 - Nennleistung
-Klangregler Bässe: +/- 7 dB bei 150 Hz und +/- 11 dB bei 300 Hz, Höhen: +/- 10,5 dB bei 3 kHz und +/- 7 dB bei 6 kHz
-gehörrichtige Lautstärkekorrektur: abschaltbar

Allgemein
-Abmessungen: 520 x 160 x 350 mm / 20.5 x 6.3 x 13.8 inch
-Gewicht: 19,5 kg
-unverbindliche Preisempfehlung: 2.100 DM
(Quelle: Service-Anleitung, HiFi-Jahrbuch 8

[Bild: LuxmanR1500E_25k.jpg]

Technische Daten (lt. HiFi-Stereophonie)
Empfangsteil
-Frequenzbereiche UKW: 87,58 bis 109,25 MHz, MW (lt. Skaleneichung): 530 bis 1650 kHz
-Frequenzabweichung (UKW) am Anfang der Skala: -20 kHz, in der Skalenmitte: +30 kHz, am Skalenende: +100 kHz
Anmerkung: Die linear geteilte UKW-Skala weist eine sehr gute Eichgenauigkeit auf
-Frequenzstabilität: +/-0 kHz Abweichung vom Sollwert bei einer Netzspannung zwischen 190 und 240V
-Vollausschlag des Feldstärkeinstrument bei 300µV an 240 Ohm
-Abweichung der Ratiomitteanzeige +/-35 kHz bei Einstellung auf Rauschminimum
-Begrenzereinsatz UKW: 0,7 µV (-3 dB)
Anmerkung: Ausgezeichneter Wert
-Eingangsempfindlichkeit UKW (bezogen auf +/-40 kHz Hub) mono: 1,1 µV (bei S/N von 26 dB), stereo: 32 µV (bei S/N von 46 dB)
-Mutingschaltschwelle (einstellbar): 3 (a) bis 28 (b) µV
-S+N/N mono: 45 dB (a) bzw. 56 dB (b), stereo: 24 dB (a) bzw. 45 dB (b)
-Stereoeinsatzschwelle (einstellbar): 3 bis 28 µV (bei S/N zwischen 24 und 45 dB)
Anmerkung: Die Einstellbarkeit insbesondere der Stereoeinsatzschwelle ist betrieblich sehr zweckmäßig)
-Fremdspannungsabstand (Ue= 1mV an 240 Ohm, bezogen auf +/-40 kHz Hub) mono: >= 55 dB, stereo: >= 56 dB
-Geräuschspannungsabstand (Ue= 1mV an 240 Ohm, bezogen auf +/-40 kHz Hub) mono: 64 dB, stereo: 64 dB
-Pilottondämpfung (Ue= 1mV an 240 Ohm, +/- 67,5 kHz): 56 dB
-Klirrfaktor (Ue= 1mV an 240 Ohm): <= 0,30% (fm= 1 kHz, +/-40 kHz Hub, Abstimmung nach Instrument), <= 0,56% (fm= 1 kHz, +/-75 kHz Hub),
<= 0,33% (fm= 250 Hz, +/-40 kHz Hub), <= 0,34% (fm= 6,3 kHz, +/-40 kHz Hub)
-Übertragungsbereich (Ue= 1mV an 240 Ohm, bei Preemphasis 50µs): 18 Hz bis 15,1 kHz (-3 dB)
-Pilottonverzerrung (Ue= 1mV an 240 Ohm, 9,5 kHz): <= 1,0%
Anmerkung: Die Werte für Pilottondämpfung und -verzerrungen sind sehr gut. Das gleiche gilt für die Kurvenform der NF-Modulation bis 15kHz. Anschließend steilflankige Dämpfung des Frequenzganges durch Filter.
-Übersprechdämpfung (Ue= 1mV an 240 Ohm): >= 41,5 dB (bei 1 kHz), >= 34 dB (im Bereich von 250 Hz bis 6,3 kHz), >= 28 dB (im Bereich von 6,3 bis 12,4 kHz)
-HF-ZF-Bandbreite (bei Nutzsenderspannung von 100µV an 240 Ohm): 190 kHz (-3 dB)
-Sperrung (bei Nutzsenderspannung von 100µV an 240 Ohm): > 65 dB (+/- 300 kHz)
-Kreuzmodulationsdämpfung (bei Nutzsenderspannung von 100µV an 240 Ohm): 51 dB (-3 dB)
-Gleichwellenselektion (bei Nutzsenderspannung von 100µV an 240 Ohm): 1,5 dB
-Spiegelfrequenzdämpfung (bei Nutzsenderspannung von 100µV an 240 Ohm): 84 dB
-ZF-Dämpfung (bei Nutzsenderspannung von 100µV an 240 Ohm): 92 dB

Verstärkerteil
-Sinusausgangsleistung (fm= 1 kHz, 1% Klirr): 2x 125 Watt, entspricht +27 dBV
-Übertragungsbereich (an 4 Ohm): < 5 Hz bis 60 kHz (-3 dB)
-Leistungsbandbreite (an 4 Ohm): < 5 Hz bis 43 kHz
-Frequenzgang (an 4 Ohm): < -0,1 dB (zwischen 20 Hz und 20 kHz)
-Phonoentzerrung (Abweichung von der RIAA-Kurve, bezogen auf 1 kHz): < -4 dB (bei 20 Hz bis 20 kHz), < -1,1 dB (bei 40 Hz bis 20 kHz)
-maximale Abweichung zwischen den Kanälen: <= 0,8 dB (bei Gleichstellung beider Lautstärkeregler)
-Eingangsempfindlichkeit (bezogen auf Nennleistung 2x 100 W an 4 Ohm) Aux 1+2 und Monitor 1+2: 110 mV / -9 dBV, Phono MM 1+2: 2,2 mV / -53 dBV, Mikrophon: 1,4 mV / -57 dBV
-Übersteuerungsfestigkeit (maximaler Eingangspegel) Phono MM: 135 mV / -17,5 dBV, Monitor und Aux: > 7 V / +17 dBV
-Ausgangsspannung (Aufnahme): 12,5 mV / -38 dBV (an DIN bei 10 kOhm Last), 280 mV / -11 dBV (an Cinch bei 470 kOhm Last)
-Signal-Fremdspannungsabstand (bezogen auf Nennleistung von 2x 100 Watt an 4 Ohm) aux 1+2 und Monitor 1+2: 82 dB, Phono MM 1+2: >= 56 dB, Mikrophon: 47 dB
-Signal-Fremdspannungsabstand (bezogen auf 50mW/Kanal): 50,5 dB
-Äquivalente Fremdspannung Phono MM: >= -109 dBV
-Dämpfungsfaktor (zwischen 40 Hz und 12,5 kHz): >= 14,5 an 4 Ohm
-Übersprechdämpfung Aux: 54 / >= 46 / >= 31 dB, Monitor (DIN und Chinch): 53 / >= 50 / >= 32,5 dB, Phono MM: >= 50,5 / >= 57 / >= 49,5 dB / Mikrophon: 46 / 47 / 35 dB (bei 40 Hz / 1 kHz / 10 kHz):


"Sämtliche von uns gemessenen Übertragungsdaten, die für einen guten UKW- beziehungsweise Stereo-Empfang von wesentlicher Bedeutung sind, verdienen die Bezeichnung gut oder sehr gut", so Karl Breh in der HiFi-STEREOPHONIE. Bei "einer Antennenspannung ab 80 µV war der Stereroempfang bereits praktisch rauschfrei. (...) Der R1500 weist ... außer einer ausreichend großen HF-Eingangsempfindlichkeit auch eine sehr gute Trennschärfe auf."
Das Verstärkerteil des Amplituners sei dem Empfänger gleichwertig: "Der Verstärkerfrequenzgang ist bei allen hochpegeligen Eingängen zwischen 20 Hz und 20 kHz linealgerade bei praktisch vernachlässigbarem Pegelunterschied zwischen beiden Kanälen. Die Leistungsbandbreite bietet eine große Sicherheitsreserve. Die Kurve der Intermodulationsverzerrung verläuft mustergültig." Zudem sei die Übersteuerungsfestigkeit des Phono-Vorverstärkers "so groß, daß diese selbst bei Verwendung von magnetischen Tonabnehmern mit sehr großem Übertragungsfaktor für Fortissimo-Passagen mehr als ausreichend ist."

Aus heutiger Sicht ist der Sinn einer Betrachtung von 35 Jahre alten Messwerten an einem Neugerät fragwürdig. Neben den individuellen Unterschieden, die schon Neugeräte im Werk verpaßt bekommen hatten, haben sich die Individuen durch Alterung und "Verbesserungsmaßnahmen" der zwischenzeitlichen Besitzer natürlich verändert, sicher nicht verbessert.
Trotzdem mag der eine oder andere Hinweis aus dem alten Test auch heute von Bedeutung sein. So weist Karl Breh beispielsweise darauf hin, "beim Anschluß "Phono magn." wäre eine höhere Eingangsempfindlichkeit dann wünschenswert, wenn die Forderung bestünde, auch mit einem Tonabnehmer der Spitzenklasse, der im Vergleich zu denen der HiFi-Mittelklasse einen kleineren Übertragungsfaktor aufweist, die ... Ausgangsleistung des R 1500 zu mobilisieren. Die bei den Tiefen gegebene Frequenzgangdämpfung des Phono-Entzerrerverstärkers läßt jedoch erkennen, daß dessen Gesamtverstärkung hierfür nicht ausreicht." Auch der Rumpelfilter konnte ihn nicht überzeugen. Hier wäre ein Einsatz "bei tieferen Frequenzen und gleichzeitig ein steilerer Verlauf wüsnchenswert." Auch reichte dem Tester der Anzeigebereich des Feldstärkeinstruments nicht aus, um eine Richtantenne ausrichten zu können.

In der Summe der Bewertung der damaligen Maßwerte kam der Test zu dem Ergebnis, alle genügen den Anforderungen der DIN 45.500. Im Schnitt wurden die Leistungen in die HiFi-"Mittelklasse" eingeordnet, wobei einzelne Ergebnisse, zum Beispiel die Übersteuerungsfestigkeit der Eingänge, ein "Spitzenklasse"-Niveu erreichten.

Doch sagen Messerte selten etwas über die klanglichen Eigenschaften eines Geräts aus. So weist selbst der Test von 1976 darauf hin, die objektiv kritisierten Werte seien doch alle von einem Niveau, das unter den Hörschwelle läge und daher in einem Hörtest nicht zu Beanstandungen führen könne.

"Der Betriebs- und Musikhörtest mit dem R1500 bereitet in jeder Bezehung Freude" resümiert die Karl Breh dann auch.

Da mir am gleichen Wochenende, an dem ich mich dem genannten Kofferraum näherte, auf einem Flohmarkt auch drei Tüten Schallplatten zugelaufen waren, durfte das, was Niels ein paar Stunden später beim Forentreffen von meinem Dual CS-626 übrig gelassen hatte, dem Luxman einige Stunden lang diese Scheiben präsentieren.
Genau, Luxman ist für seinen "schönen", Röhren-artigen Klang bekannt.
Zugegebenermaßen waren die inzwischen entlaufenen Sony SS-2070 nur eingeschränkt geeignet zu zeigen, was der Luxman kann. Zu dem Ergebnis, das er könne, kam auch Herr Breh: Selbst unter nicht ganz optimalen Bedingungen "ergab sich ein im ganzen Hörbereich ausgezeichneter voller, trockener und in den Details gleichzeitig präziser und durchsichtiger Klangeindruck."

[Bild: LuxmanR1500E_29k.jpg]

Das Gesamtpaket "Luxman R1500" stellte bei seinem Erscheinen etwas da, das der Hersteller auf der Frontplatte des Receiver mit "Solid State", Stand der Technik, bezeichnete. Theoretisch wäre mehr möglich gewesen, das aber nur mit einem Aufwand, der in keinem sinnvollen Kontext zur Steigerung des Ergebnisses gestanden hätte.
Wer kleine Bänkchen unter seine Kabel legt, der wird über den Luxman die Nase rümpfen. Genauso über jeden Sansui-, Pioneer- oder Kenwood-Receiver seiner Zeit. Wer aber auf hohem Niveau Musik hören möchte, ohne darüber reden zu wollen, womit, dem sei Karl Brehs Resümee ans Herz gelegt, der "in jeder Beziehung viel Freude" mit dem R1500 empfunden hatte.


Abgesang.
Luxman stand für Kontinuität und war lange Zeit ein Familienbetrieb. Der Konstrukteur Miura war bereits seit den Dreißiger Jahren bei Lux beschäftigt, dort bis zum Geschäftsführer aufgestiegen. Sein Sohn, der "audio engineer" Atsushi Miura, heiratete die Tochter des Eigentümers, Mari Yoshikawa, und wurde damit Teil der Lux-Familie. In den frühen Achtzigern übernahm Atsushi Miura dann die Geschäftsführung von seinem Vater. Lux hatte bereits 1979 eine Kooperation mit dem Alps-Konzern begonnen.

Schon in den Siebziger Jahren war das Geschäft mit hochwertigen HiFi-Geräten schwierig geworden. Der Yen hatte gegenüber dem US-Dollar seit Mitte der Siebziger Jahre eine massive Aufwertung erfahren, so daß japanische Geräte in den USA, dem wichtigsten Freizeitmarkt der Welt, immer teurer geworden waren.
Sansui beispielsweise hatte den Export besonders hochwertiger HiFi-Geräte in die USA zeitweise sogar eingestellt, weil sie dort zu teuer geworden waren. Und so geriet auch die Marke Luxman in Schwierigkeiten und wurde schließlich 1984 von Miura an den Alps-Konzern verkauft. Alps führte bereits mit der Marke Alpine Mittelklasse HiFi-Geräte im Programm und hatte schon seit Ende der Siebziger Jahre versucht, mit der Marke Alpage hochwerige Heim-HiFi-Geräte zu etablieren. Luxman sollte das Image der Marke, die schon mit Alpine im Car-HiFi-Bereich erfolgreich war, aufpolieren.
Doch vermischte Alps seine drei Marken Alpine, Alpage und Luxman zu sehr, was darin gipfelte, daß auf einigen Geräten die Marke "Alpine/Luxman" zu lesen stand. Auch versuchte Alps mit Luxman in Konkurrenz zu Yamaha zu treten und größere Käuferschichten zu erobern, bot Luxman-Geräte über große Elektronik-Ketten an. Der Versuch scheiterte und die Reputation der Marke Luxman litt. Schließlich wurde Luxman wieder abgegeben und die Marke ist heute wieder selbstständig.
Nachdem Atsushi Miura Luxman verkauft hatte, gründete er mit Air Tight eine neue Marke, die bis heute Vor- und Endstufen, sowie Tonabnehmer auf höchsten Niveau anbietet. Mit Luxman und ihrer Eigentümerinh, der eLux Corporation, hat Miura heute wohl nichts mehr zu tun.

Quellen:
Allgemeines
http://en.wikipedia.org/wiki/Luxman
http://audiotools.com/lz.html
http://www.fmtunerinfo.com/luxmanhistory.html
http://www.hifi-studio.de/hifi-klassiker/luxman.htm
http://www.luxman.de/cms/index.php?page=geschichte
http://www.hilberink.nl/codehans/luxman.htm
http://www.tweakshop.com/Air%20Tight.html
http://www.luxman.co.jp/global/company/index.html

Luxman R1500
http://www.stereo.de/index.php?id=411 (Ausgabe 2.04.2011)
http://www.mackern.de/index.php/2010/05/...man-r1500/
http://www.radiomuseum.org/r/luxman_r1500.html
Technische Daten: FonoForum HiFiReport 74 bis 77, HiFiJahrbuch 8-403, DM HiFi-Jahrbuch77
Test: HiFi-Stereophonie-Testjahrbuch 76
Prospekt: http://www.hifi-archiv.info/Luxman/1975/all05.jpg und http://www.hifi-archiv.info/Luxman/1978-2/lux78-02.jpg

Operation Manual
http://www.hifi-archiv.info/Luxman/R-1500/

Erhalt und Service
http://www.hifi-archiv.info/Luxman/R-1500s/
http://new-hifi-classic.de/forum/index.php?topic=2291.0
http://www.hifiengine.com/manuals/luxman/r-1500.shtml (nach Registrierung)
http://www.eserviceinfo.com/downloadsm/4...R1500.html (freier Download, auch Bilder s/w bzw. 1bit)

Da ich von vielen Dingen, über die ich geschrieben habe, keine Ahnung habe, besteht die gesteigerte Gefahr inhaltlicher Fehler. Das ist eine Aufforderung an Euch, aufmerksam zu lesen und mich zu verbessern!

Tschüß, Matthias

P.S.: Dieser Text samt Bilder ist ausschließlich für die interne Verwendung durch Besucher des "Bandmaschinenforum" gedacht. Die durch Gänsefüßchen hervorgehobenen oder kursiv gesetzten Zitate unterliegen gegebenenfalls Urheberrechten Dritter. Eine, auch auszugsweise, private oder gewerbliche Nachverwertung ohne schriftliche Genehmigung ist ausdrücklich untersagt.
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch
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#2
Hallo Mathias,
da hasste dir ne feine Kiste abgeschleppt, hast du den wirklich in dein bollerwaegelchen transportiert ?

Luxman war und ist einer meine Traummarken, vorallem die etwas moderneren die wiederrum Roehren in den Vorstufen verbaut hatten.

Aber ich habe irgendwo im hinterstuebchen meines verrueckten gehirnes gespeichert, das Luxman auch eine Zeitlang der harman und oder der Quadral gruppe angehoerten. Kann sein das es ein CRC Fehler in meinen hirngespinsten ist oder auch nicht :-)
Ich putze hier nur...
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#3
Ein wirklich schöner Bericht vom Luxman. Danke

Gruß

Klaus
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#4
Zitat:EN1RZ postete
Aber ich habe irgendwo im hinterstuebchen meines verrueckten gehirnes gespeichert, das Luxman auch eine Zeitlang der harman und oder der Quadral gruppe angehoerten.
Was Du meinst, ist vermutlich, daß die Quadral-Mutterfirma all-akustik zeitweise der deutsche Importeur von Luxman war und hierzulande sogar leicht modifizierte Quadral-Boxen unter dem Namen Luxman vertrieben hat.

Luxman selbst gehörte zur Alps-Gruppe, was man deren Kassettendecks ab Mitte der 1980er Jahre auch unschwer ansieht.

Ansonsten der inzwischen schon fast selbstverständliche Dank an Matthias für die interessante Vorstellung.
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#5
Zitat:EN1RZ postete
Hallo Mathias,
da hasste dir ne feine Kiste abgeschleppt, hast du den wirklich in dein bollerwaegelchen transportiert ?
Hallo Ralf,

klar! Genau in dem, den Du gesehen hast. Wink Richtig gepackt geht der sanfter mit der Ladung um, als ein Kombi.

Wie Timo schon richtig schreibt, war All Akustik der deutsche Distributor von Luxman. Allerdings hatte es scheinbar schon Ende der Siebziger Jahre eine Zusammenarbeit mit Alps gegeben. Die erklärt dann vielleicht auch, warum Eumig Luxman- und Alpage-Komponenten zur eigenen Anlage mixen konnte.

Zitat:timo postete
...Luxman selbst gehörte zur Alps-Gruppe, was man deren Kassettendecks ab Mitte der 1980er Jahre auch unschwer ansieht.

Ansonsten der inzwischen schon fast selbstverständliche Dank an Matthias für die interessante Vorstellung.
Hallo Timo,

danke für die Blumen.

Zumindest in den Achtziger und Neunziger Jahren gehörte Luxman zur Alps-Gruppe. Davor natürlich nicht und jetzt auch wieder nicht.

Tschüß, Matthias
Stapelbüttel von einem ganzen Haufen Quatsch
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#6
Eine wirklich gelungene und lesenswerte Vorstellung, lieber Matthias.
Danke für die Mühen.
:-)
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