Grundig VS226 Professional
#1
Da ich in meiner Pflege ausser den Audio Magnetbandgeräten auch noch einige
VHS Videorecorder habe und diese auch ab und an mal noch laufen müssen,
dachte ich mir ich stelle die Geräte mal nach und nach vor.

Da mir nur wenig Informationen vorliegen und ich vieles nur aus 2. Hand
aus persönlichen Gesprächen oder eigener Erfahrung weis, bitte ich
Fehler zu entschuldigen. Wenn jemandem andere Informationen vorliegen soll
er's bitte sagen.

Anfangen werde ich mit meinem ältesten,

dem VHS Recorder Grundig VS226 Professional.

Bei diesem Gerät handelt es sich um einen Vertreter aus Grundigs erste
Serie an VHS Geräten. Optisch und technisch orientierten sich diese
Geräte noch stark an den Video2000 Recordern.
Ein besonderes Merkmal dieser Recorder ist vor allem das typische
Grundig U-Loading Laufwerk, dass Grundig bis zum VS380 noch weiterentwickelt
hat.

Mein Exemplar ist in ausserordentlich guten optischem wie technischem Zustand.
Als ich ihn zum ersten mal in Betrieb nahm hat mich die Bildqualität im
Vergleich zu meinem ca. 1995 gekauften Nordmende Recorder glatt umgehauen.

[Bild: VS226Front.jpg]

Der VS226 verfügt über ein Direktgetriebenes 3-Motoren Laufwerk, wodurch man den
Einsatz von Riemen und Reibrädern oder kariös werdenden Zahnrädern vermeiden
konnte. Das ist natürlich besonders für den Restaurateur heute interessant,
tauchen doch einige Beschaffungsprobleme erst gar nicht auf.

Ausserdem handelt es sich beim VS226 schon um einen Stereo VHS Recorder.
HiFi Qualität darf man hier aber nicht erwarten, es handelt sich nur um
Längsspur Stereo, das bei VHS leider eine ziemlich unterirdische Qualität
hat. Soweit mir bekannt ist wurde Stereo Ton nicht von vornherein ein-
geplant. Die Stereospuren haben jeweils nur ca. 0,8mm Breite und die
Bandgeschwindigkeit beträgt bei VHS nur 2,38cm/s - das Resultat ist eben
ein bescheidener Frequenzgang und erhebliches Rauschen. Ausserdem ist
das System natürlich sehr empfindlich für Drop-Outs.
Dieses Gerät stammt halt noch aus der Zeit bevor HiFi Tonaufzeichnung
bei VHS eingeführt wurde. Fairer weise muss ich dem Grundig aber eine
trotzdem recht gute Tonqualität bescheinigen, da habe ich schon viel
schlechteres bei VHS Recordern gehört.

Die Ausstattung des VS226 würde ich als gehoben bezeichnen - er bietet sogar
schon einen Zielsuchlauf und ein Echtzeitzählwerk.
Das Zählwerk war damals bei den Grundigs schon etwas besonderes, denn der
Recorder erkennt sofort nach einlegen einer Kassette, an welcher Stelle im
Band er sich befindet. Der Grundig wertet hierzu die Drehzahlen der beiden
Wickelteller aus errechnet dadurch die (relativ) exakte Spielzeit.
Das dürfte zu der Zeit (1984/85) relativ einzigartig gewesen sein. Man hat
auch dieses System von den V2000 Geräten übernommen.

Die Geräte waren auch durch Zusatzgeräte erweiterbar, es gab z.B. ein VPS
Modul und einen IR Empfänger zum Nachrüsten. Der Recorder hat dazu auf der
Rückseite eine extra Buchse an der diese Zusätze angeschlossen werden.
Das IR Modul selbst z.B. wird auf der Rückseite eingehängt und der IR Empfänger
findet in einer Aussparung an der Front platz. Das Kabel zwischen den beiden
Einheiten läuft auf der Unterseite entlang.

[Bild: VS226IR_1.jpg]

[Bild: VS226IR_2.jpg]

Das Gehäuse ist bis auf die Bodenplatte komplett aus Kunststoff, der Deckel
ist nur geclipst und lässt sich durch eindrücken zweier Clips auf der Rückseite
öffnen. Was einen dann erwartet ist das hier:

[Bild: VS226Front_O.jpg]

Wer nur neuere Recorder von Innen kennt wird hier erstmal staunen. Das Gehäuse
ist voll. Dadurch erklärt sich auch das erhebliche Gewicht des Grundig.

Von links nach rechts:
1. Netzteil (noch konventionell, kein Schaltnetzteil)
2. Tuner/Modulator
3. Audio Signalverarbeitung
4. Video Signalverarbeitung
5. Chroma Baustein
6. Abstimmplatte

7. Ablaufsteuerung (nicht auf dem Bild)

Unter dem grauen Blechdeckel sitzt das Laufwerk:

[Bild: VS226Head.jpg]

Diese Grundig Laufwerke hatten soweit mir bekannt ist unter RFTlern einen nicht
so guten Ruf. An meinen Geräten hatte ich noch keine großen Probleme.
Das einzige was diesem Laufwerk fehlte war ein Wackelkontakt am sog.
Fädelringschalter (der weisse Zahnkranz der das Band um den Kopf wickelt).

Gerade diese Laufwerke machen die alten Grundigs für mich sammelwürdig,
soweit mir bekannt hat kein anderer Hersteller dieses Verfahren verwendet.
Alle anderen haben JVC's M-Loading verwendet - wie langweilig Wink.

Insgesamt ein hochwertiges Gerät. Mir persönlich hat auch schon immer
das Design dieser Geräte gefallen. Frühe Kindheitserinnerungen an ähnliche
V2000 Geräte haben vermutlich was damit zu tun, dass ich an Grundig Geräten
selten vorbei gehen kann ohne zumindest genau hinzusehen. So zwanghaft,
dass ich dann auch alles kaufen muss bin ich zum Glück nicht veranlagt Big Grin.


Gruß,
David
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2x Telefunken M12B / Philips Pro 12
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#2
Hallo David,

danke für den schönen Bericht und vor allem für die aufschlussreichen Bilder des Innenlebens. Sehr interessant ist es, da mein Grundig Video 2000 (noch ein Mono-Gerät) über ein völlig ähnlich aussehendes Innenleben verfügt. Netzteil, Tuner, die weiteren Platinen - da wurde nur in Richtung VHS weiterentwickelt. Selbst der Sensor, der die Umdrehungen der Kopftrommel registriert ist noch wie beim Video 2000-Gerät. Big Grin

Gruß Jens
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#3
Hallo,
Das U-Loading wurde nach Grundig von Philips weiter verwendet bis Anfang der 90er jahre bevor dieses Turbo Drive Laufwerk kam, erkrankt waren die oft an Andrucksrollen die aushaerten und glatt wurden.
So mancher R.F.Tueftler hat die verflucht weil die Rolle auf einer ca.10cm langen Zahnstange und Laufwerk weit zerlegt werden musste .
Auch der Riemen fuer den Capstan zu wechseln war Horror .

Dann wurde das U-loading von Sony verwendet fuer die hauseigenen Beta Max Maschinen .

Weiterhin hat sich dieses verfahren im Profi bereich lange gehalten
bei U-Matic Maschinen .

Zu den VS200er serie ist die rechte platine links vom Laufwerk nicht die Abstimmplatine sondern ein Teil der Ablaufsteuerung, aber muesste ich selber mal nachschauen . Bitte achte auch bei dieser Serie auf diesen Akku Varta Safetronik der trotz kunstoffgehaeuse gerne auslaeuft und deren Saeure die Platine zerfrisst.

Die Kopfdrehzahl und Lage erfassung wurde auch bei der VS300er Serie verwendet, nur mit einen Kunstoffkranz mit 4 Spalte.

Ich hab diese Version der Serie als Video 2000 2*8 Stereo da stehn, der auch noch service braucht (Ablaufsteuerung spinnt total) .
Ich putze hier nur...
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#4
Hallo EN1RZ.

Dass ein anderer Hersteller das U-Loading bei VHS noch weiter benutzt hat war mir nicht bekannt. Bei Beta und U-Matic, ja, das wusste ich.

Die ganz rechte Platine ist die Abstimmplatine - so steht es da drauf.
Die Ablaufsteuerung ist hinter dem Laufwerk, auf dem Bild sieht man nur zwei Stecker davon und den oberen Rand. Der VS220 ist identisch ausgebaut, ja man kann sogar die Teile untereinander wechseln - was nun der Unterschied zwischen dem 220 und dem 226 sein soll ist mir schleierhaft.

Die Akkus sind bei allen VSxxx die ich habe bereits ausgewechselt, die sind nach sovielen Jahren i.d.R. einfach platt. Einen ausgelaufenen Safetronic hatte ich - wie gesagt - bisher noch nicht, toi toi toi Big Grin.

Das Laufwerk ist aber bei den VS3xx gründlich überarbeitet worden, vor allem wurde es wesentlich kompakter.

Gruß, David
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