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Moin,
ich habe, wie viele andere Uher-Restaurateure auch, immer wieder Probleme mit den verhärteten Gummibelägen der Capstanräder bei den Reports. Gerade die neuesten Modelle, teilweise schon ab "IC", fast immer aber die "Monitor"-Reihe, haben ungeeignete Gummimischungen auf den Rädern, die völlig verhärten und dann zum Rumpeln und zu Gleichlaufschwankungen führen.
Bei den alten Gurken aus den 60ern ist dieses Problem weitgehend unbekannt. So habe ich, der Not gehorchend, auch schon Treibräder aus einer 4000L oder 4400 (nach Andrehen einer Fase an der Nabe) in Monis eingebaut, was gut funktioniert.
Aber auf die Dauer ist das nix und man hat ja keine unbegrenzten Vorräte von Schlachtgeräten im Keller. Ich zumindest nicht. Aber, Moment, es gibt diese Räder ja auch noch neu und recht preiswert beim Uher-Service, etwa hier:
http://cgi.ebay.de/Antriebsrad-alle-Repo...1e5f4db48a
Na ja, preiswert? :wiebitte:
An die 80 Euro sind doch recht heftig. Ich habe da jedenfalls eine gesunde Hemmschwelle.
Und ich habe nun Kontakt zu einem Herrn aufgenommen, der vielen hier bekannt sein dürfte. Es ist Herr Eberhard Hewicker, der für seine Treibriemen und seine sehr guten und bezahlbaren Reibrad- und Andruckrollen-Aufarbeitungen geschätzt ist. Ich habe mit ihm zusammen schon mal eine Nachfertigung von speziellen Treibriemen für einen historischen Plattenwechsler angeschoben (PE Rex A). Damals haben allein die Mitglieder des Dual-Boards um die 50 Stück bei ihm bestellt. Und inzwischen sind diese kurzen Riemchen sein Bestseller Nr. 1!
Ich werde jetzt klären, ob er technisch in der Lage ist, den Gummibelag auf den Uher-Antriebsrädern zu erneuern, wobei insbesondere gewährleistet sein müsste, dass die Abmessungen der abgerundeten Lauffläche in Höhe, Verrundungsradius und Durchmesser stimmen.
Ich werde ihm in den nächsten Tagen wohl noch ein Musterexemplar zusenden, damit er das mal abchecken kann. Vielleicht haben wir ja Glück und wir können diese Teile künftig für knapp 40 Euro bei ihm aufarbeiten lassen. Das ist immer noch recht viel Geld, aber man muss bedenken, dass das in Handarbeit gemacht wird und die Qualität seiner Arbeit ist unbestritten einwandfrei.
Und 40 Euro sind keine 80!
Ich melde mich wieder, wenn ich konkrete Ergebnisse habe. Das kann erfahrungsgemäß ein paar Wochen dauern....
Viele Grüße
Holgi
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Wenn das möglich ist,kann ich das nur unterstützen....Prima
Grüsse auch Holgi
Jede Tonbandmaschine ist ein kleines Wunder!
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Hallo Holger!
Die gleichen Beobachtungen wie Du, habe ich auch gemacht.
Ebenso die Erkenntnis, daß die Gummimischung/der Gummiauftrag
des Capstanrades ab der IC-Reihe nicht langzeitgeeignet ist. Es
gibt aber auch Ausnahmen (siehe Bild aus meinem 4400-IC):
![[Bild: CR_red.jpg]](https://tonbandforum.de/bildupload/CR_red.jpg)
Ein Capstanrad mit einer derart dicken Gummierung ist mir noch
nie untergekommen (immerhin gingen schon gut 80 Räder durch
meine Hände).
Auch ich setzte Capstanräder aus älteren Report dafür ein. Es
tut aber weh, ein funktionierendes Report dafür zu opfern. Darum
habe ich vor längerer Zeit neue Capstanräder aus BW-Beständen
zum Durchschnittspreis von 20Euro kaufen können.
Die Anphasung des Bundes ist m. E. nur erforderlich, wenn die
alten Capstanräder in Geräte der Monitor-Serie eingesetzt werden
(und da auch nicht immer).
Obwohl ich inzwischen bei allen meinen Report (z. Zt. 28) auf einem
guten "Capstanrad-Stand" habe (in vielen Älteren werkelt noch immer
das Orginalrad!) und genügend Ersatz an neuen/gebrauchten Capstan-
rädern habe, unterstütze ich Deine Initiative und hoffe daß Herr He-
wicker die Capstanräder gut runderneuert bekommt.
Denn nur mit dem Aufvulkanisieren eines neuen Belages ist es leider
nicht getan. Jedes Rad muß nach UHER-Spezifikation präzisionsge-
schliffen werden, sonst ist der Gleichlauf in den erforderlichen Grenzen
nicht zu erreichen. Das ist ein zusätzlicher Aufwand, der auch Zeit und
Geld kostet.
Viele Grüße
Wolfgang
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Ja, das ist schon eine etwas kitzlige Sache und ich habe deshalb auch die Befürchtung, dass er das, wenn überhaupt, nicht unter 50 Euro machen kann.
Aber zur Zeit, so habe ich gerade von seiner Frau erfahren, weilt er in Dresden in der Augenklinik. Wenn er wieder zu Hause ist, meldet er sich sofort bei mir.
Gruß Holgi
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So, Herr Hewicker ist wieder da und hat mir heute folgende Mail geschickt:
Sehr geehrter Herr Born ,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Das Problem dieser Räder ist mir bekannt.
Ich habe bereits versucht, den Gummirand zu erneuern, aber das ist nicht gelungen. Es müßte eine aufwendige Form gebaut werden (ca. 1000,- EUR). Dazu konnte ich mich bisher nicht entschließen.
Wenn ich einen Verkaufspreis von 50,- EUR annehme, dann würde jedes verkaufte Rad 12,- zur Bezahlung der Form beitragen. Erst ab dem 83. verkauften Rad würde ein Gewinn entstehen. Das ist kaufmännisch nicht sehr attraktiv. Deshalb hat das auch bisher noch niemand gemacht.
Haben Sie schon mal versucht, das verhärtete Gummi durch längeres eintauchen in Glyzerin wieder zum Aufquellen zu bringen?
mit freundlichem Gruß
Eberhard Hewicker
Es war einen Versuch wert, aber es hat nicht sollen sein.  ad:
Gruß Holgi
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Hallo Holgi!
So eine Antwort von Herrn Hewicker hatte ich befürchtet.
Und da ist die Problematik des Präzisionsschliffs noch nicht
angesprochen.
Übrigens - längeres Eintauchen in Glycerin hilft nur bei Capstanrädern
mit "genug Fleisch (sprich Gummi)" bedingt etwas. Auch radikales Anschleifen
der Gummikontaktfläche hilft wenig. Die Capstanräder ab der IC-Reihe haben
nur wenig Gummibelag aufvulkanisiert. Und zudem unterliegt das hier verwen-
dete Gummimaterial einer rel. schnellen Aushärtung. Eine unheilvolle Kombina-
tion, die UHER das eingesetzt hat.
Wer glaubt, Weichmacher aus dem Modellbau (damit weden Reifen bei Modell-
rennautos eingepinselt, damit sie besseren Grip bekommen) wäre die Lösung, der
irrt. Der Gummi quillt (aber nicht von Dauer) leicht unregelmäßig auf, was den
erforderlichen Gleichlauf zunichte macht.
Ich danke Dir, daß Du diese Anfrage gestartet hast. So wissen wir zumindest,
daß eine Erneuerung des Gummubelages genau so teuer käme, wie der Kauf
beim UHER-Service.
Viele Grüße
Wolfgang
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Hallo zusammen,
Sind die Capstanraeder, die ueber den Uher service zu beziehen sind, wieder hoeherwertiger von der qualitaet? Sprich die Quali. vor der Monitor Serie, oder sind die auch recht schnell am Ende ?
Ich putze hier nur...
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Keine Ahnung, so viel Geld habe ich nicht, um mir so was leisten zu können :undnun:.
Erst gestern bin ich wieder mal vom Glauben abgefallen, als ich bei einem Uher-Ersatzteilhändler den Preis für einen Dreikantriemen für die Report gesehen habe. 48 Euro plus Versandkosten?
Tut mir leid, sowas kann mir keiner mehr mit freier Marktwirtschaft erklären :extremsauer:!
Gruß Holgi
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Hallo "EN1RZ"
Genau wie Holgi habe ich den Weg zum UHER-Service bislang gescheut.
Die E-Teilpreise sind wirklich exorbitant (selbst wenn man die hohen Lager-
kosten berücksichtigt).
Aber ich hatte frühzeitig die Eingebung, daß es klug wäre, sich genügend
Capstanräder zu sichern, als sie noch bezahlbar waren.
Das hilft denen, die jetzt ein lautes Rad austauschen müssen, nicht weiter.
Grüße
Wolfgang
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Hallo,
bei den Preisen kauft niemand und der Händler kann ruhigen Gewissens auch in einiger Zeit sagen, dass er noch Teile auf Lager hat. Nur, wenn keine Neuware mehr hergestellt oder die Laufflächen runderneuert werden, gammeln die Capstanräder auch beim Händler vor sich hin und härten aus. Irgendwann ist Feierabend, einige Jährchen kann man sich noch an den Reports erfreuen, dann taugen sie nur noch als Vitrinenanschauungsmaterial. Vielleicht muss man dann eine Uher-IG gründen und per Großauftrag einen ganzen A.... voll Räder nachfertigen lassen. Die Lauffläche könnte ja dann auch durch einen in eine Nut eingelassenen O-Ring realisiert werden, der dann per Feinschliff beackert wird. Besser so als gar nicht.
Man darf auch nicht vergessen, welch irre Lebensdauer die ganzen Kisten schon hinter sich haben, dafür waren sie bestimmt nicht konzipiert. Uher hat damals bestimmt das beste Material verwendet. Wann es aushärten würde, konnte ja damals kein Mensch wissen.
Gummipflegemittel hilft meiner Erfahrung nach nur bedingt, es scheinen sich bei manchen Rädern im Innern des Gummis quasi kleine harte Kristallisationskerne zu bilden. Läuft die Stufenrolle darüber, gibt es ein Rumpelchen, auch wenn die Oberfläche noch glatt erscheint.
Gruß
Peter S.
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Hallo,
eine behelfsmäßige Erneuerung des Gummibelags in Form eines O-Ringes sollte eigentlich machbar sein. Allerdings müssten in diesem Fall
Präzisions-O-Ringe verwendet werden, die - falls die Aufnahmenut exakt rundläuft (0,02 mm) - sogar ohne Rundschleifen schlagfrei zu montieren sind. Da jedoch an den Rädern sicherlich für eine Nut, die den O-Ring aufnimmt, kein "Fleisch" vorhanden ist, müsste ein
Teil in Form eines Ringes mit Nut angefertigt werden, das Capstanrad
entsprechend für die Aufnahme des Rades vorbereitet werden, den Ring
auf das Rad aufpressen und zu guter Letzt, falls nötig, die Lauffläche
per Planschleifen in die nötige Rundlauftoleranz bringen.
Man könnte es ja mal versuchen, aber die dabei anfallenden Kosten
sollte man in diesem Fall unter der Rubrik "Hobby" verbuchen.
Besser wäre da sicherlich eine gewisse Menge an verschlissenen
Rädern einzusammeln und bei einem Vulkanisierbetrieb den
Gummibelag einbaufertig erneuern zu lassen.
Gruß Bernd
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Nur so eine Idee: kann man nicht einfach einen straff sitzenden Flachriemen überziehen?
Viele Grüße
Lukas
Viele Grüße
Lukas
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Registriert seit: Mar 2006
Hallo Lukas!
Nicht am Umfang des Capstanrades wird der Kontakt zur Schwungmasse
hergestellt, sondern auf der Unterseite.
Somit fällt Deine Idee mit dem Flachriemen leider aus.
Gruß
Wolfgang
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