Wer hat denn seine Andruckrollen wirklich wechseln müssen?
#6
Meine seit 1981 noch immer vorhandene B67 läuft noch heute mit ihrer schwarzen 'originalen' Andruckrolle und die letzte bei mir befindliche A77ORF erfreut sich auch noch ihres 'originalen' Mitnehmers, der wohl von 1976 stammen dürfte, demnächst also 30 Jahre alt würde.
Die auch noch 'lebige' G36 erhielt bereits in ihrer Jugendzeit (etwa 1971/72) eine neue Andruckrolle, weil die Vorgängerin auf Breite des Bandes eingelaufen war, was die Gleichlaufwerte (polierte, nicht geätzte Tonwelle geringen Durchmessers) beeinflusste. Diese nun mehr als dreißig Jahre alte Rolle (grün) tat es aber bei der letzten Inbetriebnahme vor etwa enem Jahr durchaus noch ohne Schmierakel. Die originale Andruckrolle des Familien-PhonoRex von 1953 existiert ebenfalls noch, wurde aber schon zu Beginn der 1960er herzhaft speckig und einigermaßen rissig aus dem Gerät entfernt. Meine neuzeitlich erworbenen PhonoReges jedoch dürften sämtlich ihre ersten, allerdings eigentlich zu ersetzenden Andruckrollen (sehr niedriger Shore-Härte) besitzen. Der älteste Tonkönig dieser Familie stammt vom Frühjahr 1953. Das Ferrophon IIc von 1950 hat dies Problem mangels Masse gottlob nicht. Wo die Andruckrolle meiner K4 herstammt, weiß ich nicht; nachdem das Gerät nach 1950 aber sicher nicht mehr im offiziellen Betrieb stand, sollte diese Rolle nach wie vor ordentlicher Konsistenz und Oberflächenbeschaffenheit wohl eher der Zeit vor als nach 1950 entstammen. Ein 54. oder gar 60. Wiegenfest einigermaßen unbeschadet erlebt zu haben (Geburtstag um den Jahreswechsel 2004/2005), dürfte für eine Bandgeräteandruckrolle rekordverdächtig sein. Bei nächster Geegenheit sehe ich mir die Rollen der K2 und K4 des Deutschen Museums nochmals daraufhin an.

Die Ursachen all jener Kunststoff- bzw. Kunstkautschukproblematiken liegen sicher im über die letzten 70 Jahre rasant wachsenden chemisch-werkstoffkundlichen Wissen, das den Gedanken der Dauerhaftigkeit über dem "idealer Eigenschaften" (unmittelbar nach der Fertigung) zunehmend aus dem Gesichtsfeld verloren hat, wobei die Idealität dieser Eigenschaften auch primär den billigen Herstellungsprozess und allemal nicht die Dauerhaftigkeit -notfalls über Generationen- betrifft, was ja schon die Latte der uns umgebenden Bauskandale belegt.
Heute wird Produkten in stiller Übereinkunft von Anbieter und Nutzer überdies nur ein "Produktzyklus" als 'längster anzunehmender Lebensdauer' zugebillgt. Danach??: Schrott; keiner will das Zeug mehr, da es als veraltet gilt, ohne wirklich veraltet zu sein.
Wenn ich es noch erleben könnte, interessierte mich brennend, was von den technologischen 'Wundern' unserer Tage in 50 Jahren noch funktionstüchtig und wartbar vorhanden sein wird, an denen das Herkunftsbewusstsein unserer Kinder und Kindeskinder gegenüber ihren Eltern und Großeltern als Bürgern einer (ökonomiefaschistischen!) Technokratie (irres Wort) ja eigentlich zu exemplifizieren wäre....

Hans-Joachim
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[Kein Betreff] - von highlander - 29.10.2004, 15:32
[Kein Betreff] - von rolie384 - 29.10.2004, 17:27
[Kein Betreff] - von Michael Franz - 29.10.2004, 17:31
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