Autom. Wickelgrößenerkennung
#16
Lieber Michael,

'das mit Uhern' habe ich dann falsch in Erinnerung, weshalb ich da bei Gelegenheit (schwierig genug) nochmal 'reinschauen muss. Gemäß deiner Korrektur sollte dann ja neben der gewichtsunabhängigen Rutschkupplung noch eine weitere und nun von den Fühlhebeln gesteuerte Rutschkupplung vorhanden gewesen sein.

Bei der A77 reibt allerlei. Bei den frühen Ausführungsformen sieht das sogar noch ganz so aus wie bei der G36 (und ihren Müttern), dann verschwindet der kleine Rundbolzen, und das Kugellager links erscheint ohne Stift und rechts der feste Umlenkbolzen, schließlich kommt links auch noch der Beruhigungsstift, der auch zur Reibung beiträgt. In dieser Zeit wurde interessanterweise auch die Fertigung der Wickelmotoren der Fa. Papst, St. Georgen aus der Hand genommen, und Studer machte (auch) das selbst. Ich schließe deshalb nicht aus, dass alle diese Dinge vielleicht -auch- miteinander zu tun haben, weiß das aber nicht definitiv. Nachdem diese Reibereien nicht nur dem Verschleiß dienen, sondern auch der Verstetigung des Bandzuges über große Veränderungen im Durchmesser der Bandwickel (Kopfträgereigenschaften), bin ich ja bekanntermaßen kein Freund des Einbaues eines zweiten Lagers auf der BAndauslaufseite, weil diese Reibestelle dann flach fällt, was die Kopfträgereigenschaften nicht allein positiv beeinflussen muss.

Ein paar Worte zu DBs Vorhaltung. Ein dreistufiges Widerstandsnetzwerk reicht vielleicht für ein Amateurgerät hin, für den 30-cm-Wickel bei den studioüblichen Transportgeschwindigkeiten dürfte das eher zu mehr Problemen als zum beabsichtigten Erfolg führen. Zwei, drei Hochlastwiderstände werden erklecklich warm (haben in ihren Werten erhebliche Temperaturgänge) und verändern im selbstregelnden Mechanismus 'Bandzugwaage' die Gleichgewichtsbedingungen dramatisch, ohne dass damals eine Möglichkeit zur sinnvollen, 'auto-matischen' (= selbst bewegten) Kompensation des Temperaturganges bestand. Außerdem muss diese Waage sowohl bei Arbeitsgeschwindigkeit wie beim schnellen Vor- und Rücklauf funktionieren, was angesichts der hohen elektrischen Lasten durch die ja großen Motoren keine leichte Aufgabe ist. Dies gegebenfalls servomäßig zu steuern, dürfte den Regelprozess durch zu lange Zeitkonstanten belasten/entwerten, die direkte Regelung über ein Hochlastpoti schafft eigenen Ärger, den ich jetzt nicht auseinandersetze.

Mit seiner A27 lehnte sich der gute Willi schon sehr weit aus dem Fenster (da funktionierte das nämlich so, wie oben beschrieben), was die AEG (und hinter ihr das einschlägige Zentralamt und die Keulen schwingenden Rundfunkanstalten) lieber nicht in die Tat umsetzte. Geld sollte ja auch noch gedruckt werden.
Wir dürfen nicht die königlichen Möglichkeiten neuzeitlicher Elektronik auf die Elektrik (und der radikalen Zuverlässigkeitsforderung der Rundfunkanstalten) in den 1950ern projizieren.
Und gerade wir als Angehörige einer Zeit, die den Turbokapitalistismus zur Ersatzreligion stilisiert, sollten doch Verständnis dafür aufbringen, wenn eine Konstruktion es über Jahrzehnte für Kunden wie Anbieter gleichermaßen sehr gut tut und infolgedessen wirklich ausgelutscht werden kann. Die PR99 ist ein Amateurlaufwerk, das sich der Rundfunk hierzulande in Gestalt einer A77 nicht einmal in den Aufnahmewagen gestellt hat, vergessen wir das nicht.

Für Amateure kamen aufwändige Regelungen zunächst wegen des Wartungsproblemes generell nicht in Frage, weil der glückliche Besitzer dann sein Gerät mehr in der Reparatur gehabt hätte als zuhause. Frage einmal nach, wie die Einstellerei der Bandzüge bei T9 und M5 lief. Der Messdienst macht das jeden Tag, der Amateur aber beklagt sich vehement, wenn sein teuerst erworbenes Bandgerät ausgerechnet dann in die Knie geht, wenn Tante Vevi nach zwei Gläsern Wein lauthals die Arie der Mimi anstimmt.
Und angesichts des Anforderungsspektrums eines Amateurs braucht man all das ja nicht, worum sich die Studioszene wer weiß nicht wie hat. Warum setzten sich denn im Amateurmarkt zunächst die 18-cm-Spulen mit solchem Effêt durch? Nun, es lösten sich damit teure Konstruktionsprobleme weitgehend in Wohlgefallen auf.

Hans-Joachim
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